holidaypacklist Hier klicken Jetzt informieren Unterwegs_mit_Kindern Cloud Drive Photos TomTom-Flyout Learn More madamet HI_KAERCHER_COOP Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip NYNY

Kundenrezensionen

3,0 von 5 Sternen1
3,0 von 5 Sternen
5 Sterne
0
4 Sterne
0
3 Sterne
1
2 Sterne
0
1 Stern
0

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 14. November 2013
Zunächst Hinweise dazu, für wen das Buch wie (un-)geeignet erscheint, und warum. (Was allerdings natürlich kein Qualitätskriterium darstellt, da es ja völlig legitim ist, mit verschiedenen Anliegen und für verschiedene Zielgruppen zu schreiben).

Das Buch ist, s. die Produktbeschreibung, in der Tat n i c h t geeignet für alle, die eine auf eine anschließende eigene Praxis des Verfahrens ausgerichtete, praktisch-konkrete, vorbehaltlos als allgemeinverständlich zu bezeichnende und jeden einschlägigen Aspekt behandelnde Einführung in Naikan suchen - ihnen sei Sabine Kasparis hervorragendes Buch empfohlen.

Das vorliegende Buch hingegen setzt eine einschlägige Praxis offenbar wirklich bereits voraus, da LeserInnen ohne eine solche vermutlich nicht bereit wären, sich auf die Ausführlichkeit, mit der die Naikanerfahrung geschildert wird, einzulassen, ohne im eigentlichen Sinne folgen zu können. - Eine große Freude ist die ständig spürbare Begeisterung des Autors für sein Thema und, daß er dennoch in einem stets ruhigen Ton schreibt sowie mit stetiger, sympathischer Bescheidenheit auf subjektive Anteile seiner Ausführungen hinweist. Dabei wird er seiner doppelten Themenstellung, also der Beleuchtung des Verfahrens im Kontext von Spiritualität wie Psychotherapie, sehr gut gerecht.

Allerdings sollten Kaufinteressierte wissen: das Buch ist zwar sprachlich allgemeinverständlich. Wirkliches Vergnügen bereiten dürften Bölters Ausführungen jedoch nur LeserInnen mit Vorbildung zu den behandelten Themen. Zumindest ist diese definitiv sehr von Vorteil: Bs. Ausführungen bewerten und ihnen selbständig zustimmen ober sie ablehnen können wird nur, wer den Unterschied zwischen Esoterik und Spiritualität kennt ebenso wie Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein", und zumindest über Grundkenntnisse in den angesprochenen philosophischen Bereichen (Konstruktivismus, Erkenntnistheorie) verfügt sowie in Spiritualität und in der Geschichte der Psychoanalyse sowie dieser selbst. Deshalb vermute ich, daß LeserInnen ohne diese Voraussetzungen an dem Buch weniger Freude haben werden und lieber ein anderes der inzwischen zahlreichen Naikanbücher wählen sollten.

Leider ist dem Autor ein erheblicher Vorwurf nicht zu ersparen. Daß die Opferhaltung, also die Vorstellung, (ausschließlich) Unrecht erfahren statt auch getan zu haben, und eine Verweigerung der Verantwortungsübernahme für die eigenen Anteile an negativen Entwicklungen, bei PsychotherapiepatientInnen, zumindest früh in der Therapie, sehr verbreitet ist, ist leider nur zu wahr (ebenso wie, daß Naikan ein ausgezeichnetes Mittel dagegen ist). Bölter unterstellt - als (ehemaliger) Therapeutenkollege! - jedoch, TherapeutInnen und PatientInnen reagierten darauf gemeinsam nicht energisch genug, um Therapien in die Länge zu ziehen. Dies ist falsch und unwahr und wäre ggflls. ein Kunstfehler und berufsethischer Verstoß gleichermaßen. Ja, letztlich geht er soweit anzudeuten, Psychotherapie lebe weitgehend von dieser Fehlhaltung, was er jedoch nicht ernstmeinen kann, da er im einschlägigen Teil des Buches selbst energisch gegen eine Vermischung von Spiritualität und Therapie plädiert und richtig aufzeigt, in welchem jeweils umfassenden Zusammenhang welche von beiden ihren Ort hat und eben nicht durch die andere zu ersetzen ist. Und er übersieht auch (oder unterschlägt sogar?), daß spirituell Aufgeschlossene i. d. R. von sich aus für eine selbstkritische eigene Weiterentwicklung offen sind, während PatientInnen normalerweise zunächst mit dem Anliegen kommen, Hilfe gegen Probleme und Symptomatiken zu finden - bei einem ehemaligen Therapeuten ebenfalls unverständlich. Hier spielen offenkundig (von Bölter selbst eingeräumte!) eigene Versäumnisse eine Rolle: er gibt zu, der Psychotherapie - auch - den Rücken gekehrt zu haben, weil er sie aus einer falschen Haltung heraus praktiziert habe und dadurch ausgebrannt sei. So ist es: der Selbstschutz vor eigenen psychischen Schäden gehört zu den psychotherapeutischen Grundkompetenzen! Dieser schwere Mißgriff schmälert den Gesamteindruck des Buches leider erheblich.

Trotzdem läßt es sich insgesamt als verdienstvoll und wirklich lesenswert einstufen.
0Kommentar|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden