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155 von 160 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein äußerst wichtiges Buch
Das vorliegende Buch ist ein äußerst wichtiges Buch in den Bereichen Psychologie, Zeitgeschichte, Pädagogik sowie Kommunikationsfragen.
Es ist eine Abrechnung mit den Säuglingspflegebüchern "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" - welches nach dem 2. Weltkrieg unter dem leicht geänderten Titel "Die Mutter und ihr...
Am 14. Juli 2000 veröffentlicht

versus
26 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hausfrauenpsychologie und Propaganda
Dieses Buch entpuppt sich leider recht schnell als Machwerk auf unwissenschaftlicher Basis. Die Autorin versucht sich in einer Beweistechnik, deren Sinnhaftigkeit sie unüberlegt voraussetzt: sie greift Erziehungsratschläge und Zitate aus einzelnen Büchern heraus, stellt Verbindungen zwischen diesen und gesellschaftlichen Umständen der (Vor-)Nazi-Zeit...
Am 7. August 2003 veröffentlicht


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155 von 160 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein äußerst wichtiges Buch, 14. Juli 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Das vorliegende Buch ist ein äußerst wichtiges Buch in den Bereichen Psychologie, Zeitgeschichte, Pädagogik sowie Kommunikationsfragen.
Es ist eine Abrechnung mit den Säuglingspflegebüchern "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" - welches nach dem 2. Weltkrieg unter dem leicht geänderten Titel "Die Mutter und ihr erstes Kind" wieder erschien - und "Unsere kleinen Kinder" von Johanna Haarer.
Johanna Haarer wurde auf dem Gebiet der Säuglingspflege und Kleinkindererziehung zur maßgebenden Autorität. Die Bücher der 1900 geborenen Ärztin erreichten ab 1934 innerhalb von kurzer Zeit enorme Auflagen.
Doch nicht erst heute, sondern bereits in den 20-er und frühen 30-er Jahren wusste die Fachwelt darüber Bescheid, dass die spezifischen Pflegeregeln, die von Haarer aufgestellt und in der Folge prägend wurden, einem Ingangkommen einer harmonischen Mutter-Kind-Beziehung abträglich waren. Weshalb sie dennoch vertreten und popularisiert wurden, wird nur vor dem Hintergrund der politischen, pädagogischen und massenpsychologischen Interessen des nationalsozialistischen Staates verständlich: Die Hitlerjugend und nicht eine glückliche Mutter-Kind-Beziehung sollte dem nationalsozialistischen Menschen das erste Gemeinschaftserlebnis vermitteln.
Als Initiator der genannten Bücher fungierte der nationalsozialistische Verleger Julius F. Lehmann. Er schaute sich ständig nach Autoren um und versuchte, sie für seine politischen Ziele einzuspannen. Als "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" erschien, herrschte keinerlei Mangel an Literatur über Säuglingspflege.
Haarer vermittelte den Müttern in ihren Erziehungsbüchern, Kinder seien u.a. gierig, faul, gefräßig, zerstörerisch, unsauber, sie wollen die Erwachsenen tyrannisieren, ihre Aufmerksamkeit erzwingen u.a.m. und die Mutter müsse mit allen Mitteln dagegen ankämpfen. Sigrid Chamberlain meint, dass Haarer an einer Kindphobie litt. Eine Mutter, die ihr Kind als Gegner ansieht, kann keine gesunde Bindung zu ihm aufbauen.
Durch die sofortige Trennung nach der Geburt konnte die Mutter ihr natürliches Potential gegenüber dem Baby nicht entfalten und war umso mehr auf Anweisungen angewiesen. Haarers Pflegeanweisungen hatten schwere Folgen für das Leben mit dem Kind. Es gab kein Spielen und "Bummeln" beim Baden, Wickeln, Füttern, kein "Trödeln" an der Brust. Das Kind wurde in einem ständigen Spannungszustand gehalten. Es fehlten ihm Muße und Experimentiermöglichkeiten. Das sich-beschäftigen mit dem Baby oder Kleinkind wurde als "Tändeln" abgewertet. Ein zwangloses sich-beschäftigen mit dem Baby ist jedoch für den Aufbau einer gesunden Beziehung notwendig.
Die Regeln, die Haarer für das Stillen und Füttern aufstellte, sind bestens dazu geeignet, die bereits durch die 24-stündige Trennung von Mutter und Baby vor der ersten Mahlzeit bestehenden Probleme zu vermehren: Es wurden strenge Zeiten für das Stillen bzw. die Flaschenfütterung vorgegeben. Eine Brustmahlzeit dürfe nicht länger als 20 Minuten dauern, eine Flaschenmahlzeit 10 Minuten. Ab einem halben Jahr wird jede Fütterung sofort abgebrochen, wenn das Kind Schwierigkeiten irgendeiner Art macht. Hunger sei der beste Koch.
Das Kind hat durch all diese Vorschriften nie die Gelegenheit, entspannt in seinem eigenen Rhythmus zu saugen, da Lutschen und "Bummeln" nicht erlaubt waren und es nur darauf ankam, Brust oder Flasche in möglichst kurzer Zeit leergetrunken zu haben. Im Gegensatz dazu muss ein Stillvorgang, der die psychischen und physischen Bedürfnisse des Babys erfüllt, es ihm ermöglichen, den aktiven Phasen schnellen Saugens solche des langsamen Nuckelns oder auch Lutschens folgen zu lassen.
Bei einer gesunden Bindung passt sich die Mutter mit ihrer Sprechweise den Hörbedürfnissen des Babys an. Sie regt es zu einem regelrechten Dialog an. Das Baby lernt so sehr früh die Regeln des Gesprächs von Rede und Gegenrede. Dem nach Haarer erzogenen Kind bleibt dies verwehrt. Denn Haarer warnt davor, mit dem Kind in einer "Kindersprache" zu reden. Doch eine Stimme, die den Hörbedürfnissen des Babys nicht entspricht, kann es so sehr erschrecken, dass es sich spontan abwendet und zu weinen anfängt. Nach Haarer sei das Kind bei "Maulen" mit einem "augenblicklichen Klaps" zu bestrafen. Sie spricht von Befehl und Gehorsam.
Bei konsequenter Erziehung nach Haarer resultiert eine pathologische unsicher-vermeidende Bindung an die Mutter. Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung einer unsicher-vermeidenden Bindung ist die Zurückweisung von Körperkontakt. Dass Körperkontakt zwischen Mutter und Baby lästig, schädlich, unzweckmäßig und folglich so weit wie möglich zu vermeiden sei, ist etwas, was Haarer immer wieder zum Ausdruck bringt.
Die existenziellen Interessen von Kindern wurden permanent mit Füßen getreten. Das Kind erfuhr eine vollständige Missachtung seiner Gefühle, Befindlichkeiten, Bedürfnisse. Das frühe Aberziehen und Ersterben lassen von Gefühlen führte letztlich zur Fühllosigkeit, zum inneren Todsein.
Im Nationalsozialismus hatten sogenannte "Schwächlinge" keine Daseinsberechtigung. Mitleid und Mitgefühl mit Schwachen und Kranken galt als der "innere Schweinehund", den es zu besiegen galt. Viele Kinder empfanden Krankheit als etwas strafwürdiges, was es zu verheimlichen galt. Sigrid Chamberlain schildert Beispiele von Kindern, denen es sehr schlecht ging, und die sich nicht trauten, sich an den zuständigen Erwachsenen zu wenden. Die Beziehung zum Kind lag manchmal so im argen, dass das Kind krank sein konnte, ohne dass dies jemandem auffiel.
Die Folgen der Erziehung nach Johanna Haarer sind bis in die heutige Zeit reichend: Manche der betroffenen damaligen Kinder spüren ihren eigenen Körper kaum, wenn sie Beschwerden haben, übergehen sie sie permanent. Sie können sehr schwer Nein sagen. Sie können nicht ICH sagen. Eigene Wünsche zu äußern, fällt ihnen schwer. Auch bei den eigenen Kindern fällt der Umgang mit Gefühlen schwer.
Abschließend befasst sich die Autorin mit der Person Hitlers. Hitlers Mutter Klara hatte ein schweres Schicksal erlitten: innerhalb von wenigen Wochen starben ihre ersten drei Kinder, darunter ein Baby, an Diphtherie. Nach den Säuglingsforschern Klaus und Kennell können die Vorgänge des Aufbaues und des Abbaues von Bindungen nur schwer nebeneinander ablaufen. Klara Hitler war zum Zeitpunkt Adolfs Geburt demnach aufgrund der noch nicht beendeten Trauerphase noch nicht wieder in der Lage, sich an ihr Kind zu binden. Die Autorin erläutert ausführlich die Bedeutung der Bindungslosigkeit in Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung Adolf Hitlers.
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch hat mir geholfen, meine eigene Lebensgeschichte zu verstehen, 1. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Das Buch von Sigrid Chamberlain hat mir geholfen, meine eigene Familiengeschichte zu verstehen. Ich begreife jetzt, weshalb meine Mutter mit uns Kindern kaum geredet hat; weshalb sie uns nicht getröstet hat, wenn wir weinten. Gegenüber weinenden Kindern gab es die Aussage: "Ich hau dich gleich, dann hast du einen Grund zum Weinen!". Mir ist jetzt nachvollziehbar, weshalb es in der Familie gegenüber uns Kindern kein Mitgefühl und kein Interesse gab und auch bis heute nicht gibt. In unserer Familie hieß es damals "Kinder antworten nur, wenn sie gefragt werden." Bis heute, ich bin mittlerweile fast 60 Jahre alt und meine Mutter lebt noch, ist die Sprachlosigkeit in der Familie geblieben - eine Sprachlosigkeit, von der mir gleichaltrige Freundinnen ebenfalls berichtet haben, wenn sie über ihre Eltern sprachen. Es stimmt, dass Freundschaften nicht unterstützt wurden und dass Mahlzeiten nach unumstößlichen Regeln ablaufen mussten. Sigrid Chamberlain erwähnt zu meiner Entlastung auch, dass die so aufgewachsenen Kinder nicht in der Lage sind, die Eltern im Alter zu pflegen. Auch in diesem Punkt spricht sie mir aus der Seele.

Ich habe mir jahrelang die Frage gestellt, wie meine Mutter so werden konnte, denn unsere Großmutter habe ich als ruhige und freundliche Person erlebt. Das Buch von Sigrid Chamberlain beantwortet meine Frage: bis in die 20-er Jahre war Körperkontakt und Wertschätzung gegenüber Kindern stärker verbreitet. Der Ratgeber "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" hat jungen Müttern nahegelegt, sich anders zu verhalten und sich gegenüber den "verwöhnenden Großmüttern" durchzusetzen.

Ich kann einige unakzeptable Verhaltensweisen von Erzieher und Erzieherinnen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen jetzt nachvollziehen. "Ausschluss von den Mahlzeiten", weil jemand beispielsweise zu spät kommt oder als angebliche natürliche Konsequenz dafür, dass ein 10-jähriges Kind verschlafen hat, "Time-out-Räume", "Spott gegenüber Schwächeren", die verbale Abwertung von Kindern und Jugendlichen und der Gedanke: "Wenn ich einem aggressiven Jungen nachgebe und ihm erlaube, den Computer benutzen zu dürfen, lernt er aggressiv zu sein, um mich zu beherrschen und um seinen Willen durchzusetzen. Also verbiete ich ihm den Computer." Dass der Junge aufgrund einer Frustration aggressiv reagierte, die der Pädagoge beheben sollte und dass er gerne und ruhig mit dem Computer arbeitet, wird ignoriert.

Die Autorin macht deutlich, dass nicht alle Familien den Ratschlägen des Erziehungsratgebers "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" folgten. Das kann ich bestätigen. Außerhalb meiner Herkunftsfamilie - in der Nachbarschaft und in der Schule - habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Jeder, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, sollte das Buch kennen, um zu zeitgemäßen inneren Überzeugungen kommen zu können; um Kinder positiv sehen zu lernen; um die Bedeutung von Körperkontakt, Bindungen und Freundschaften für die Entwicklung eines Menschen wahrnehmen zu können und um zu erinnerlichen, wie wichtig Dialoge und Kompromisse für unser Zusammenleben sind.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Chamberlain eröffnet neue Blickwinkel!, 2. Juni 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Dieses Buch ist eines der tiefsinnigsten und differenziertesten Werke, die ich je gelesen habe. Chamberlain beschäftigt sich mit einem Thema, das für viele immer noch tabu ist: Den Folgen der nationalsozialischen Erziehung für die betroffenen Kinder. Sie rückt damit die Vergangenheit wieder in unsere Gegenwart und erläutert wie eng Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aneinander gekoppelt sind. Eindrücklich erklärt sie die Erziehungsmethoden der Nazis und weist auf bis in unsere Zeit hinein reichende Folgen hin. Überdies zeigt sie auf, wie ein ganzes Volk diese Erziehung in sein privates Leben integrieren konnte, ohne selbige zu hinterfragen.
Dabei versucht sie immer möglichst objektiv zu bleiben, keine Tat zu rechtfertigen, sondern lediglich Hintergründe aufzudecken. Dies gilt auch für ihre tiefenpsychologische Herangehensweise gegenüber Hitlers Biografie.
Ein sehr empfehlenswertes Buch, das uns hilft zu verstehen, wieso die Dinge heute so sind wie sie sind und was wir erzieherisch tun können, damit Auschwitz nie wieder passiert.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nachgeholte Erklärungen, 13. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Warum bin ich so, wie ich bin? Warum reagiere ich so, wie ich reagiere? Welche Rolle durfte ich als Kind einer "deutschen Mutter" während des Krieges und noch danach spielen? Auf Fragen dieser Art gibt das Buch allen, die in irgendeiner Weise mit dem sogenannten Dritten Reich tangiert wurden - auch den folgenden Generationen, Antworten. Manchmal fehlt der rote Faden, eine klare Struktur des Inhalts. Das Buch stellt aber Zusammenhänge dar, die uns unsere Eltern nicht erklären wollten oder konnten. Vielleicht schämten sich einige?
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Schlüssel zu meiner Kindheit!, 29. April 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Ich bin über Umwege auf das vorliegende Buch gestoßen. Bereits in Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen wird kurz auf die Bücher von Johanna Haarer eingegangen. Also suchte ich weiter und fand das hier vorliegende.

Großer Dank gebührt der Autorin Sigrid Chamberlain, die sich mit ihrer Arbeit dieses Themas angenommen hat. Damit hat sie mir einen Schlüssel zu meiner Kindheit in die Hand gegeben. Jetzt wird mir auf einmal so vieles klar! Jetzt werden meine eigenen Wahrnehmungen schwarz auf weiß bestätigt, bekommen vage Vermutungen und mir völlig Rätselhaftes plötzlich Kontur. Eigentlich sollte ich hierüber Erleichterung verspüren, aber im Moment gehe ich durch eine Phase des Schmerzes, der Trauer und der Wut. Wut darüber, was meine Mutter mir durch diese "Erziehung" im Grunde angetan hat. Ich bin 1960 geboren, also 15 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Nach den Richtlinien Haarers wurde zu diesem Zeitpunkt immer noch erzogen, obwohl man schon längst in demokratischen Verhältnissen lebte. Niemand wurde mehr sozusagen mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen, sein(e) Kind(er) nach Haarer zu erziehen - um es überspitzt zu formulieren. Die Mütter hatten alle Freiheit, sich anders zu entscheiden und sich auf ihre eigene Intuition zu verlassen. Was ja wohl auch gemacht wurde. Ich habe bereits mit einigen Leuten, die ungefähr in meinem Alter sind, über die Bücher von Johanna Haarer und natürlich auch über das hier vorliegende gesprochen, aber keiner konnte mit dem Namen Haarer etwas anfangen. Diese Leute hatten wohl nur das Glück, n i c h t nach diesen Richtlinien erzogen worden zu sein. Sonst hätten sie sich vielleicht dunkel daran erinnert, diese Machwerke irgendwann im Bücherschrank ihrer Eltern gesehen zu haben. Und ich erinnere mich, dass mir eine Tante nach der Geburt meiner eigenen Tochter in den Achtziger Jahren ausgerechnet das Haarer-Buch "Die Mutter und ihr erstes Kind" zum Geschenk machte. Ich habe darin ein wenig herumgeblättert - und es dann für immer zur Seite gelegt (und nicht mein Kind!).

Im Moment ist das vorliegende Buch mein ständiger Begleiter. Ich nehme es (fast) überall mit hin. Und es ist zurzeit auch meine wichtigste Lektüre.

Frau Chamberlains Buch erweist sich für mich als die beste Therapie überhaupt. Alle anderen Therapien, die ich bisher gemacht hatte, waren im Grunde genommen nur ein Herumdoktern an Symptomen. Es war eben so vieles unklar. Ich spürte nur, dass irgendetwas falsch war, wusste aber nicht, was. Nicht i c h oder an mir war etwas falsch, nein, es war meine Erziehung.

Vor einigen Jahren sagte zu mir jemand einmal, dass ich bindungsunfähig sei. Und - was erfahre ich in Frau Chamberlains Buch? Das Ziel von Haarers "Erziehungstipps" - Chamberlain nennt es nationalsozialistische Erziehung - war: Bindungsunfähigkeit!!

Ich empfehle allen, die das Gefühl haben, von klein auf mit ihrer Mutter nicht zurechtgekommen zu sein, weil diese viel zu streng und zu unerbittlich war, das vorliegende Buch zu lesen. Vielleicht wird ihnen dann auch so einiges klar. Zu wünschen wäre es ihnen.
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35 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Distanzierte Kleinkinderziehung - gestörtes Erwachsensein, 13. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
S. Chamberlain befasst sich mit einem weitgehend bis in die heutige Zeit hinein tabuisierten Thema: dem Beitrag der Mütter während der Zeit des Nationalsozialismus zur Erziehung von so genannten willfähigen Vollstreckern (D.J.Goldhagen). Freiwillig, aktiv und mit verheerenden Folgen folgten Mütter seit der Stunde der Geburt erziehungstheoretischen Grundlagen für die frühkindliche nationalsozialistische Erziehung nach zwei Büchern mit Millionenauflage, die bis 1986 verlegt wurden.
Sensibel widmet sich die Autorin ursächlichen Gründen für Mangel an Selbstvertrauen, für Bindungs- und Beziehungsunfähigkeit. Sie hat ein großartiges Buch geschrieben. Es wird vielen Menschen helfen, die die Ursprünge ihrer Geschichte suchen, ihr Leben besser zu verstehen.
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gelungene Auseinadersetzung mit der NS- Erziehung!, 12. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Sigrid Chamerlain hat eine sehr gelungene Auseinandersetzung mit der von Johanna Haarer vielfach publizierten Erziehung in der NS- Zeit geschrieben, die bis 1987! verlegt wurden. Sie schreibt sehr gut lesbar und durch viele Beispiele betroffener Kinder dieser Zeit sehr anschaulich, wie die Erziehung die Menschen prägte und auch heute prägt. Es wird dargestellt, welche politische Funktion diese Erziehung hatte und welche Folgen für die persönliche Entwicklung die NS- Erziehung verursacht.
Besonders wichtig finde ich Chamberlains Buch, weil es nicht nur um eine geschichtlich interessante Auseinandersetzung geht, sondern weil die Folgen, die Johanna Haarers Bücher haben, in die Erziehung heutiger Kinder hineinreicht. Sowohl durch die Großeltern, aber auch unbewußt durch die jungen Eltern, die unreflektiert die eigene Erziehung an ihre Kinder weiter geben!
Ein sehr anspruchsvolles Buch, daß eine so große Verbreitung finden sollte, wie die Bücher, von denen es handelt, also unbedingt lesen!!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen lesenswerte abhandlung der ns-erziehung, 1. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
die ns-pädagogik, die bereits bei den säuglingen beginnt stand lange im schatten anderer themen, doch dies ist ein wichtiges buch, das die auswirkungen auf die Kinder und späteren erwachsenen auch jahre nach 1945 aufzeigt. sehr spannend zu lesen, welche denkmuster und ratschläge sich bis in die heutige zeit halten konnten und woher sie ursprünglich kommen. dennoch erschütternd zu lesen, wie mit säuglingen und (klein)kindern umgegangen wurde und wie eine mutter-kind bindung mit allen mitteln verhindert werden sollte. Angefangen bei der trennung von mutter und kind gleich nach der geburt bis zur aufbewahrung älterer kinder im "ställchen".
ein wenig mehr in die tiefe gehen hätte das buch noch können, ansonsten war auch das kapitel über hitlers kindheit am ende interessant.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend und erschreckende Lektüre!, 21. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Sollte von allen Angehörigen der Nachkriegsgeneration, aber auch Älteren gelesen werden. MAcht klar, daß die NS-Pädagogik lange Auswirkungen hat.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Zusammenhang zwischen Erziehung, politischer Instrumentalisierung und transgenerationaler Weitergabe von Scham, 1. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher (Broschiert)
Die Zitate aus den sogenannten Erziehungsratgebenr von Johanna Haarer in Verbindung mit den Kommentaren von Sigrid Chamberlain sind aus meiner Sicht so wichtig, daß Lehrer ihre Schüler im Geschichtsuntericht auf das Buch von Sigrid Chamberlain aufmerksam machen sollten. Die Idee, mir das Buch von Frau Chamberlain zuzulegen, entstand nach dem Lesen der Bücher "Scham- die tabuisierte Emotion" und "Warum folgten sie Hitler " von Stephan Marks, welcher Johanna Haarer mehrfach erwähnt.
Wer verstehen möchte, wie systematische strukturelle Erniedrigung von Kindern die Bereitschaft, sich unbewußt politisch instrumentalisieren zu lassen, hervorbringen kann und zusätzlich zu trans- generationaler Weitergabe von Scham führen kann, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen.
Ich möchte jedoch nicht verschweigen, daß dieses Buch beim Lesen Gefühle wie Grauen, Entsetzen, Trauer und Wut hervorrufen kann.
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Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind: Über zwei NS-Erziehungsbücher
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