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38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Honigsüß und bitterböse
Narren aller Länder vereinigt Euch!
Schenkt man Erasmus von Rotterdam Glauben, so ist die Torheit eine Frau. Was auf den ersten Blick wie eine Plattitüde wirkt, ist in Wahrheit revolutionär. Denn das Buch, von dem hier die Rede ist, wurde bereits 1511 veröffentlicht. Im selben Zeitraum begann gerade der schwunghafte Sklavenhandel, wurde der Ketzer...
Veröffentlicht am 20. Dezember 2005 von Wolfgang Haan

versus
16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kritik am Lob...
"Das Lob der Torheit" hat Erasmus der Göttin der Torheit, Moria selbst, in den Mund gelegt. Es ist eine beredte und gescheite Apologie, voll bissigen Spotts für die Mißstände ihrer Zeit, aus Sicht eines großen, umfassend gebildeten Humanisten. Und hier liegt mein Problem: Erasmus schreibt für einen anderen großen Gelehrten, Thomas...
Veröffentlicht am 29. Oktober 2010 von Kankin Gawain


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38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Honigsüß und bitterböse, 20. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Gebundene Ausgabe)
Narren aller Länder vereinigt Euch!
Schenkt man Erasmus von Rotterdam Glauben, so ist die Torheit eine Frau. Was auf den ersten Blick wie eine Plattitüde wirkt, ist in Wahrheit revolutionär. Denn das Buch, von dem hier die Rede ist, wurde bereits 1511 veröffentlicht. Im selben Zeitraum begann gerade der schwunghafte Sklavenhandel, wurde der Ketzer Savonarola hingerichtet, befahl der Papst Bücherverbrennungen „unchristlicher Werke“ und Kaiser Maximilian „die Zerstörung aller sakralen Werke außer der christlichen“. Und in diesem Klima kommt nun ein Theologe daher und lässt eine Frau sprechen, macht sie gleichzeitig zu Ankläger, Verteidiger und Richter. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf Institutionen wie die Stände, Gilden und den Klerus sondern zieht auch über gesellschaftliche Normen wie die Ehe, Glauben, Krieg und Militarismus her. Erasmus selber wurde als unehelicher Sohn eines Priesters 1466 in Rotterdam geboren und trat als junger Mann in ein Kloster ein. Doch schon bald danach trat er als Sekretär in die Dienste des Bischofs von Cambrai und von dort nach Paris. Er kehrte sich vom Klosterleben ab, wurde vom Papst seines Gelübdes entbunden und bereiste Europa. Durch seine streitbaren Schriften und der Kritik an der Kirche, dem Klerus und dem Mönchtum war er ein Wegbereiter der Reformation. Doch distanzierte er sich später von Luther und anderen Reformern, da er sich eher als Theoretiker denn als Kämpfer in der ersten Reihe sah. In diesem Geiste verfasste er auch „Das Lob der Torheit“ innerhalb einer Woche bei einem Besuch bei seinem Freunde Thomas Morus in England.
Die Väter des politischen Kabaretts
Die sarkastische Schrift erfreute sich bald großer Beliebtheit und erschien noch zu Lebzeiten von Erasmus in 36 Auflagen. Die Obrigkeit war gegen dieses Buch machtlos, da ja eine Närrin über angebliche Torheiten berichtet. War dies nun ernst gemeinte Gesellschaftskritik oder nur eine Büttenrede im Karneval?
„Die Torheit steht in schlechtem Ruf selbst bei den ärgsten Toren“ sagt die Erzählerin und nimmt damit allen Kritikern den Wind aus den Segeln, denn ein Tor, der über Toren richtet, kann unmöglich die Wahrheit sagen. „Meine Macht stimmt Götter und Menschen heiter“ führt sie weiter aus und gibt so den Grundton dieses voller witziger Details steckenden Buches vor.
Ähnlich wie der zeitgleich in der Literatur auftauchende „Till Eulenspiegel“ und kurze Zeit später der Roman „Utopia“ von Thomas Morus handelt es sich um ein damals wie heute erschreckend aktuelles Werk. Natürlich sind es heute andere Narreteien, die begangen werden. Doch die Grundtendenz ist unverändert. Auch heute werden gesellschaftliche Missstände häufig als gegeben angenommen und einer breiteren Öffentlichkeit erst durch satirische Bloßstellung bewusst gemacht. Diese Aufgabe haben damals wie heute die Narren, Schelmen und „Eulenspiegel“, die uns einen Spiegel vorhalten, eine Nase drehen und mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Scharlatane, Gaukler und Taschenspieler mit ihren billigen Tricks zeigen.
(C) Wolfgang Haan
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Humanistische Brillanz, 9. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Gebundene Ausgabe)
Dieses dem englischen Staatsmann Thomas Morus gewidmete Buch ist nicht nur ein ironisches Porträt seiner Zeit, sondern auch eines seiner selbst. Die Zusammenfassung von Amazon ist gut und muss nicht ergänzt werden. Auch wenn ich es schon vor einiger Zeit gelesen habe, diese Ironie, diese Schärfe bewundere ich immer noch. Für mich ist es eines der prägenden Bücher. Doch nicht nur die literarische Leistung bewundere ich, sondern auch den Mut der dazu gehört, dieses, die herrschenden Kasten heftig kritisierende Werk zu schreiben. Mönche, Theologen, gelehrte, Bischöfe, der Pabst - alle bekommen ihr Fett weg. Ich kann dieses Buch jedem Leser nur wärmstens ans Herz legen. Wer noch ein wenig mehr über die Hintergründe erfahren möchte (z.B. warum Erasmus von Rotterdam als Wegbereiter der Reformation angesehen werden kann), dem empfehle ich die Biographie von Stefan Zweig "Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk, ein halbes Jahrtausend alt, und immer noch aktuell, 14. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit: Encomium moriae (Gebundene Ausgabe)
Wie es in der Amazon-Kurzbeschreibung schon treffend genannt wurde: eine bibliophile Kostbarkeit. Ganz egal, über welche menschliche Gruppierung Erasmus von Rotterdam sich lustig macht, er zeigt immer wieder auf, wie wohl sich die Menschen in ihrem Wahn fühlen. Die einen hetzen Tiere und verzehren diese... "sie vertieren nur selber schier; aber was tuts? Sie glauben doch, wie Könige zu leben." Die Zeichnungen passen m.E. sehr gut zu den Erläuterungen der Stultitia (Einfalt). Und die gibt sich hier wirklich keine Blöße und erzählt munter drauflos, was es unter dem Himmelszelt so alles an Schwachsinn gibt. Ein Vergnügen auch, weil sich durch die lockere Erzählweise das Büchlein wie von selber liest.

Immer mit einem Schmunzeln in den Mundwinkeln... und an mancher Stelle entstehen Bilder, bei denen es (mir zumindest) unmöglich war, nicht loszuprusten und mich vor lauter Lachen zu schütteln. Ich empfehle das Buch - es ist in jedem Fall lesenswert - sowie kürzer und prägnanter als zum Beispiel H. Geyers "Über die Dummheit". Und wir überlegen uns, ob wir künftig die Verrückten leichtfertig ermahnen, oder ob nicht vielleicht wir der Verblendung unterliegen, sollte uns mal jemand sagen: du siehst doch nur Schattengebilde, und: in Wirklichkeit gibt es noch viel mehr, komm zum Licht... ja, Platons Höhlengleichnis wird natürlich auch angesprochen.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kritik am Lob..., 29. Oktober 2010
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Taschenbuch)
"Das Lob der Torheit" hat Erasmus der Göttin der Torheit, Moria selbst, in den Mund gelegt. Es ist eine beredte und gescheite Apologie, voll bissigen Spotts für die Mißstände ihrer Zeit, aus Sicht eines großen, umfassend gebildeten Humanisten. Und hier liegt mein Problem: Erasmus schreibt für einen anderen großen Gelehrten, Thomas Morus, seinen Freund, dem er das "Lob" der Namensverwandten augenzwinkernd widmet. Wir anderen können alllerdings nur daneben stehen und uns am Kopf kratzen - ist doch der gesamte Text gespickt mit geistreichen Verweisen und Anspielungen auf die antike Mythologie, historische Begebenheiten und biblische Geschichten: für 109 Seiten Text in Reclam-Heftchen-Größe braucht der Herausgeber 250(sic!) Fußnoten, um das Geschriebene einigermaßen verständlich zu halten. Bei mir entstand der Eindruck, als handle es sich bei dem Gelesenen um eine Art "Suchspiel für gelehrte Humanisten" ("verstehst du meine Anspielung oder musst du noch mal bei Ovid nachschlagen?") - ich halte diese Erklärung sogar für wahrscheinlich. Mag auch sein, dass es eben die "gelehrte Torheit" ist, die sich so üppig der klassischen Bildung bedienen muss, sind es doch auch die Scholastiker und Schreibstubengelehrten, die bei Erasmus besonders schlecht wegkommen; was zu meinem zweiten Problem führt: Der Text redet am heutigen Menschen vorbei. Die Zielscheiben seines Spottes, der hypokrtische, aber wohlbeleibte Mönch etwa, oder der grauharige, griesgrämige Stoiker, der misanthropisch über spätmittelalterlichen, vielleicht alchemistischen(?) Traktaten sitzt, entspricht einfach nicht mehr unserer Definition des "Weisen", den Erasmus durch den Renaissance-Kakao ziehen will. Unser "Archetypus" der Weisheit ist eher der vor Lachen bebende Dalai Lama, ein Abbild der Menschenfreundlichkeit, an dem auch Erasmus Moria alle guten Haare gelassen hätte (die er nicht hat).
Was heißt das? Das heißt wohl, dass sich der Text überlebt hat. Für uns Moderne ist er kaum noch witzig, und leider auch kaum noch verständlich, weil er eine Bildung voraussetzt, die nicht zu haben - sorry - keine Schande (mehr) ist.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Honigsüss und Bitterböse, 28. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit: Encomium moriae (Gebundene Ausgabe)
Narren aller Länder vereinigt Euch!
Schenkt man Erasmus von Rotterdam Glauben, so ist die Torheit eine Frau. Was auf den ersten Blick wie eine Plattitüde wirkt, ist in Wahrheit revolutionär. Denn das Buch, von dem hier die Rede ist, wurde bereits 1511 veröffentlicht. Im selben Zeitraum begann gerade der schwunghafte Sklavenhandel, wurde der Ketzer Savonarola hingerichtet, befahl der Papst Bücherverbrennungen „unchristlicher Werke“ und Kaiser Maximilian „die Zerstörung aller sakralen Werke außer der christlichen“. Und in diesem Klima kommt nun ein Theologe daher und lässt eine Frau sprechen, macht sie gleichzeitig zu Ankläger, Verteidiger und Richter. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf Institutionen wie die Stände, Gilden und den Klerus sondern zieht auch über gesellschaftliche Normen wie die Ehe, Glauben, Krieg und Militarismus her. Erasmus selber wurde als unehelicher Sohn eines Priesters 1466 in Rotterdam geboren und trat als junger Mann in ein Kloster ein. Doch schon bald danach trat er als Sekretär in die Dienste des Bischofs von Cambrai und von dort nach Paris. Er kehrte sich vom Klosterleben ab, wurde vom Papst seines Gelübdes entbunden und bereiste Europa. Durch seine streitbaren Schriften und der Kritik an der Kirche, dem Klerus und dem Mönchtum war er ein Wegbereiter der Reformation. Doch distanzierte er sich später von Luther und anderen Reformern, da er sich eher als Theoretiker denn als Kämpfer in der ersten Reihe sah. In diesem Geiste verfasste er auch „Das Lob der Torheit“ innerhalb einer Woche bei einem Besuch bei seinem Freunde Thomas Morus in England.
Die Väter des politischen Kabaretts
Die sarkastische Schrift erfreute sich bald großer Beliebtheit und erschien noch zu Lebzeiten von Erasmus in 36 Auflagen. Die Obrigkeit war gegen dieses Buch machtlos, da ja eine Närrin über angebliche Torheiten berichtet. War dies nun ernst gemeinte Gesellschaftskritik oder nur eine Büttenrede im Karneval?
„Die Torheit steht in schlechtem Ruf selbst bei den ärgsten Toren“ sagt die Erzählerin und nimmt damit allen Kritikern den Wind aus den Segeln, denn ein Tor, der über Toren richtet, kann unmöglich die Wahrheit sagen. „Meine Macht stimmt Götter und Menschen heiter“ führt sie weiter aus und gibt so den Grundton dieses voller witziger Details steckenden Buches vor.
Ähnlich wie der zeitgleich in der Literatur auftauchende „Till Eulenspiegel“ und kurze Zeit später der Roman „Utopia“ von Thomas Morus handelt es sich um ein damals wie heute erschreckend aktuelles Werk. Natürlich sind es heute andere Narreteien, die begangen werden. Doch die Grundtendenz ist unverändert. Auch heute werden gesellschaftliche Missstände häufig als gegeben angenommen und einer breiteren Öffentlichkeit erst durch satirische Bloßstellung bewusst gemacht. Diese Aufgabe haben damals wie heute die Narren, Schelmen und „Eulenspiegel“, die uns einen Spiegel vorhalten, eine Nase drehen und mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Scharlatane, Gaukler und Taschenspieler mit ihren billigen Tricks zeigen.
(C) Wolfgang Haan
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus voller Seele lachen, 13. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Taschenbuch)
Wenige Texte der Philosophie sind so heiter und so voller wunderbarer grotesker praller Bilder wie dieses. Gerade heute in Zeiten politischer Korrektheit machen die triefenden Gemeinheiten um so mehr Spaß. Da werden unverholen Beleidigungen wie "Greise" und "Vetteln" verwendet und geradezu lüstern die menschlichen Unzulänglichkeiten karrikiert. Man fühlt sich ein wenig wie in einem Bosch-Gemälde. Ja, man vergisst geradezu den kritischen Hintergrund des Textes.

Wenn ich schlecht gelaunt oder niedergedrückt bin, läßt mich der Griff zu diesem Text aus voller Seele lachen. Ich lese es gar nicht um irgendetwas zu lernen oder zu erfahren, sondern alleine der aufheiternden Wirkung wegen. Die wird durch die Tiefsinnigkeit und dem Realismus eigentlich nur verstärkt. Es ist schon ein wenig schade, daß die Fähigkeit zu fröhlichem lauten Lachen, zu derben Späßen, zu Groteskem überhaupt nach der Renaissance so sehr aus der Mode gekommen ist.

Ich will dieses Buch gar nicht im Sinne einer Kanonisierung empfehlen, sondern denke, daß man bei seiner Lektüre einfach mit- und hingerissen werden muß, solange man an einfachem frivolen Spaß, der in Renaissancebildern daherkommt, vergnügen finden kann. Jemand der mit heruntergezogenen Mundwinkeln nur der eigenen Rechthaberei fröhnt, mag dieses Buch als zersetzend empfinden und ablehnen, ich selber habe um so mehr Freude an diesem Text.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der frühe Comedian, 25. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Taschenbuch)
Im Laufe eines Seminars an der Uni habe ich mir dieses Büchlein angeeignet und unter heftigem Schmunzeln durchgelesen, um dann eine Hausarbeit darüber zu schreiben, was gar nicht einfach war- sich bei dieser Dichte an Aspekten auf wenige zu beschränken, schwierig. Das, worum es in dem Buch geht, ist jedenfalls auch über die Zeiten aktuell geblieben, denn der "dumme Haufen" hat sich nicht verkleinert, eher im Gegenteil. Zudem kommt man dem Autor gefühlt doch recht nahe, ist doch seine Beweisführung in Sachen Kirche/Glauben nicht ganz geradlinig. So ich es richtig recherchiert habe, spiegelt das auch seine Einstellung, die einerseits Kritik an der Kirche üben muss, andererseits sich vom Glauben nicht völlig lösen kann. Ein MUST- READ, wie ich finde!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gnadenlos komisch, 31. Mai 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Narrheit (Taschenbuch)
Als Erasmus von Rotterdam 1509 Das Lob der Narrheit verfasste, hatte er eigentlich eine kleine Scherzschrift für seine Freunde im Sinn – doch sie wurde zu einem Rundumschlag gegen die Missstände in Kirche, Politik und Gesellschaft. Zu Zeiten der Inquisition und der kirchlichen Zensur war das eine mutige Tat: Nur durch den geschickten rhetorischen Kniff, die Kritik der Narrheit selbst in den Mund zu legen, entging Erasmus den üblichen scharfen Gegenmaßnahmen. Weil nie sicher ist, ob der Autor seine eigene Meinung oder die der Narrheit kundtut – die natürlich kein vernünftiger Mensch teilen würde –, kann er frei heraus Fürsten, Kardinäle und Gelehrte bloßstellen. Das Werk hatte eine ungeheure Durchschlagskraft: Endlich wurden Probleme, die schon lange gärten, prägnant in Worte gefasst. Erasmus sprach dem Volk und den Reformatoren gleichermaßen aus der Seele, wenn er die Sinnlosigkeit des Ablasshandels oder der unzähligen kleinen Kriege aufdeckte. Heutigen Lesern erlaubt Das Lob der Narrheit nicht nur einen tiefen Einblick in das Denken eines der größten Europäer, sondern bietet mit seinen bissigen Kommentaren und scharfsinnigen Analysen auch weiterhin beste Unterhaltung.
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4.0 von 5 Sternen Rundumschlag quer durchs Leben, gelungen und doch irreführend, 11. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Taschenbuch)
Erasmus lässt die personifizierte Torheit eine Lobrede auf sich selbst halten. Versteckt hinter der Maske der Torheit und der Ironie kann Erasmus die Fehler der großen und kleinen Leute durchsprechen. Teilweise ist das anregend und witzig, und auch für die heutige Zeit oft gut getroffen.

Teilweise ist es aber auch sehr unübersichtlich: Dummheit als Hauptthema einer Arbeit eröffnet ein viel zu weites Feld, als dass noch ein gemeinsames Band hinter allem zum Vorschein käme.

Teilweise ist es auch irreführend. Die Torheit redet teils so überzeugend und doppelt-ironisch, dass der Leser an manchen Stellen wirklich nicht mehr wissen kann, was Erasmus nun selbst ernst meint, und was er nur ironisch meint. Weniger gebildete Leser werden so manchen Rat der Torheit ernst nehmen und ihn entweder als Provokation empfinden oder sogar gutheißen! Das zynische Klischee des Weisen, der am Leben vorbeilebt und von den Frauen verschmäht wird, das Klischee von den Frauen, für die man sich zum lächerlichen Narren machen müsse, um sie zu gewinnen, das Klischee vom erfolgreichen Toren und dem erfolglosen Weisen (leidvolle Erfahrungen von Erasmus?): Sie sind wenig hilfreich und polarisieren die Leser, statt zu differenzieren.

Teilweise ist so manches, was die Torheit als Torheit hinstellt, in Wahrheit gar nicht töricht, wodurch das Werk schiefe und halbwahre Aussagen trifft. Witz, Ironie und Höflichkeit als Dummheiten hinzustellen, ohne die die Welt nicht funktionieren würde, ist irrig. Ebenso irrig ist es, das "Ich weiß dass ich nichts weiß" des Sokrates für töricht zu halten.

Gegen Ende des Werkes kommt Erasmus auf die Vernunftlogik des Glaubens zu sprechen, die in den Augen der Nichtgläubigen Torheit ist (Paulus: Wir sind Narren um Christi willen; Gott lässt die Weisheit der Weisen zuschanden werden und offenbart sich in Torheit). Dass die Worte des Paulus nicht vernunftfeindlich gemeint sind, sondern lediglich besagen, dass man mit derselben Vernunft zu anderen Schlüssen kommt, wenn man von anderen Voraussetzungen ausgeht (Jesus lebt, oder eben auch nicht), kommt nicht zum Ausdruck. Die Verwirrung zwischen Torheit und Vernunft ist perfekt.

Der eigentliche Wert des Werkes liegt vermutlich weniger in dieser oder jener Aussage, sondern in der Provokation selbst. Diese ist zweifelsohne in mehrfacher Hinsicht gelungen. Die Frage ist, ob Erasmus es mit der Provokation nicht übertrieben hat, und wohin die Provokation führen soll, da es doch teilweise an Klarheit mangelt. Unter diesem Gesichtspunkt verliert das Werk stark an Wert. Das "Lob der Torheit" ist ein Querschläger, der schief und krumm in der Landschaft herumsteht, und viel Nebel verbreitet. Auch die heutigen Interpreten sind sich nicht völlig einig darin, was Erasmus eigentlich wollte, jeder sieht es wieder ein wenig anders.

Teilweise ist der Mangel an Klarheit auch dem Umstand geschuldet, dass Erasmus mit diesem Werk die politische Korrektheit seiner Zeit unterlief, und unter der Maske der Torheit Dinge aussprach, die man nicht ungestraft sagen konnte. Erasmus soll durch dieses Büchlein das Aufbrechen von Tabus gelungen sein, so dass er als Wegbereiter der Reformation gilt.

Es finden sich interessante Reformgedanken zum Christentum, bis hin zu historisch-kritischen Denkweisen: Zum einen in der Feststellung, dass die Apostel einst kaum über das theologisch spitzfindige Wissen der Theologen aus Erasmus' Zeit verfügt haben werden, und was für einen Sinn es dann haben sollte? Zum anderen z.B. in der Feststellung, dass auch der Apostel Paulus die Altarinschrift für den unbekannten Gott in Athen zu seinen Gunsten zurechtbog. Beides erstaunliche Gedanken, die das scholastische Christentum massiv hinterfragen.

Die Anzahl der antiken Anekdoten, die Erasmus einbaut, ist erstaunlich. Die Interpreten sagen, die Torheit würde mit ihnen nur so um sich werfen, weil sie selbst sage, dass die Toren mit Zitaten nur so um sich werfen. Aber gleichzeitig kann Erasmus so seine Belesenheit beweisen, ohne selbst als töricht zu gelten.

Fazit:

Eine geschickte und wirkmächtige, aber leider auch teils undurchsichtige Provokation, die das mittelalterliche Denken ordentlich durchschüttelte und bis an seine Grenzen in Richtung der Moderne dehnte. Nebenbei auch mancher Ratschlag, manche Einsicht der Lebensklugheit und Menschenkenntnis, die auch heute noch von Wert ist.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ironie hilft Gegenwart zu beleuchten!" kpoac, 21. Februar 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Lob der Torheit (Gebundene Ausgabe)
Das Buch wurde vor etwa 500 Jahren geschrieben, der lesenswerte Inhalt ist sehr zeitlos. Erasmus holt in dem Buch u.a. auch zu einem verbalen Rundumschlag gegen alle geistigen Stände, gegen die Mediziner, die Juristen, die Philosophen, die Priester, usw. aus. Erasmus lobt die einfache Torheit der Menschen als Retter der Gesellschaft. Die torhaften Menschen hätten alleine den Zugang zur "Weisheit", weil sie ihr Leben wirklich leben, es ausprobieren und so die Wahrheit alleine finden und das Leben nicht mit abstraktem Denken über das Leben verbringen.
Seine Betrachtungen und Analysen sind ironisch, messerscharf und seine Kommentare sehr bissig sie treffen im Grunde genau den entscheidenen Schwachpunkt. Jede "Wissenschaft" ist abstrakt und bewegt sich nur in ihrem geistigen Umfeld. Den "Fachleuten" ist der wesentliche Blick auf die Zusammenhänge und die wirkliche Wahrheit verstellt. Jeder sieht sein Wissen als das Höchste an, die wissenschaftliche Interpretation als einzige unverrückbare Wahrheit!

Erasmus sieht dagegen alleine in der "ungeschminkten" Natur die ewige wirkliche Wahrheit, die sich von alleine zielstebig zu dem entfaltet, wozu sie bestimmt ist.

Seine Ironie hilft uns auch heute noch die Gegenwart kritisch zu beleuchten und uns damit möglicherweise auch den Weg zu weisen: Universalgelehrte gibt es nicht mehr. Die einzelnen Zweige der Geisteswissenschaften müssen wieder interdisziplinär zusammen arbeiten und sich als Einheit betrachten. Die eigentliche Wurzel, die innerlich angelegte "Bestimmung", sollte dabei als Bindeglied und Ziel nicht vergessen werden.
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Das Lob der Torheit: Encomium moriae
Das Lob der Torheit: Encomium moriae von Erasmus von Rotterdam (Gebundene Ausgabe - 1. Mai 2003)
EUR 6,95
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