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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Gegenwart ohne Vergangeheit kann niemals ganz sein, 5. Januar 2009
Von 
Dr. Laila Scharfenberg (Freiburg, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Und die Ratte lacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Welt ist Polen im kalten Winter 1943. Aber die Welt ist auch Tel Aviv heute und eine unbekannte Zukunft. Zukunft und Vergangenheit verschmelzen in Nava Semels Roman wie eine Märchengeschichte und eigenes Erleben wie Traum und Wirklichkeit.
Da ist ein namenloses Mädchen, das von seinen Eltern gegen Bezahlung bei einer Bauernfamilie untergebracht ist, um es vor den grausamen Verfolgern, vor Lager und Tod zu erretten. Seine Welt ist zunächst ein modriges Loch, blindmachende Finsternis. Der Kontakt zur Außenwelt ist hingeworfenes Essen und die unheilvollen Besuche des Bauernsohnes. Spielkamerad ist eine Ratte, die das Kind zum Lachen bringen will dort, wo nichts zum Lachen ist. Und deren Augen das einzige Licht in ihre Welt funkeln.
Wer viel erlebt hat, hat viel zu erzählen. Sagt man. Doch die Erlebnisse dieser Kindheit sind tief in die Seele gefallen. Sie waren in der Dunkelheit gelebte Geräusche und finden auch später nicht den Weg aus der Tiefe ins Licht. Als dieses Kind selbst Mutter wird, viel später im sonnenhellen Tel Aviv, weit fort von Kälte, Polen, Winter, Finsternis, bleibt in ihr die Stummheit jener Tage über das, was ihre Seele in einen Mantel aus Glas ' oder Eis? ' gepackt hatte. Erst die Enkelin kann etwas aufbrechen davon.
Und dann, in einer fernen Zukunft hat sich diese Geschichte einer Erinnerung aus den polnischen Wintermonaten von 1943 auf einer Internetseite als ungenaue Sage erhalten. Ist etwas bekannt von dem Grauen, was als Holocaust oder Shoa in die Geschichte einging?
Hat man sich nicht langsam satt gehört an diesem Thema? An den Grausamkeiten, an den Fragen der Schuld und des Warum? An den Tätern und Opfern? An dem Schüttelfrost in uns dabei? An den dunklen Bilder des Grauens, die uns anstarren aus den unschuldigen Blicken von kleinen, ausgehungerten Kindern mit einem riesigen gelben Stern und uns anschreien mit ihrem Schweigen? Gegenfrage: Kann man sich an Erinnerungen satt hören oder satt sehen? Nava Semels Roman geht über das Erinnern von Grausamkeiten weit hinaus. Es geht ihr nicht um Anklage oder Schuldfragen. Das Thema ist feiner, geht tiefer. Es ist so aktuell und somit auf das Heute bezogen.
Es ist das Thema unserer Generation, der Generation der Kinder und Enkel jener kalten Jahre, und geht über das Erleiden von Hass, Verfolgung und schließlich Vernichtung hinaus. Es geht um das, was die Shoa der Vergangenheit den Kindern und Enkeln heute antut. Es geht um das Schweigen und seine Folgen, um das Gefühl, die Kinder von dieser Vergangenheit ausschließen, ihnen ein schöneres Leben ermöglichen zu wollen, sie zu überschütten mit Freuden und kleinen Glückseligkeiten, um sie all das vergessen zu lassen. Es geht darum, dass genau dieses Vergessen-Machen-Wollen andere Leiden verursacht. Weil die Gegenwart ohne die Vergangenheit nie ganz sein kann.
Ein Buch für all die, die Erinnerungen bedenken wollen, um damit in die Zukunft zu gehen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Mädchen und die Ratte, 12. Dezember 2008
Von 
Brigitte Laeufer (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Und die Ratte lacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Buchbesprechung: Das Mädchen und die Ratte:

Was kann ein fünfjähriges weibliches Menschenkind mit einer
Ratte teilen, wenn nicht das Lachen über alles, was urmenschlich ist?

Ein schwieriges Thema, ein abgründiges Thema, das Nava Semel in ihrem
im Mannheimer persona verlag erschienenen Buch Die Ratte lacht" mit großer Souveränität meistert.
Dass der brutale Missbrauch an einem von seinen Eltern während des Zweiten Weltkrieges bei einer polnischen Bauernfamilie in einem Erdloch versteckten jüdischen Mädchens gelesen, ja mitgefühlt werden kann, ohne dass wir in die Fallen von Mitleid, Verdrängung, Sensationslust und aufgeheizter Betroffenheitsmoral treten, liegt nicht zuletzt an der ungewöhnlichen Form.
Nava Semels Buch raubt uns den Atem.
Es zwingt uns in den Moment der größten und tiefsten inneren Stille, in dem die Worte, die Geräusche des Alltags und die so weit über dem Leben stehenden Heldengeschichten einmal schweigen und wir voller Andacht dem lauschen, was uns Menschen zu Ratten, was die Ratte so menschlich macht.
Ein Buch für Leser, die den Mut haben, ins Auge der Wirklichkeit zu schauen.

Nava Semel: Und die Ratte lacht
Roman, persona Verlag, Mannheim 2007, 220 S. , aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, 22.- Euro
[ASIN:392465235X Und die Ratte lacht]
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zukunft der Erinnerung, 10. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Und die Ratte lacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Held des Buches ist die Erinnerung selbst. In diesem pulsierendes Buch geht es um die Zukunft von Erinnerung. Nava Semel benutzt originelles und unkonventionelles literarisches Werkzeug und kreiert aus hebräischen Wortstämmen neues Zukunftsvokabular (hier von Mirjam Pressler gekonnt ins Deutsche übertragen). Die Autorin entführt uns in die Zukunft, in die '"Bibliothek der menschlichen Erinnerung'" im Jahr 2099, um der Erinnerung auf die Spur zu kommen.

Literarisch bewegt sich Nava Semel zwischen Erzählung, Internet-Gedichten, Tagebucheinträgen, Legenden und Schilderungen eines Traumes und bietet ihren Lesern so verschiedene Blickwinkel auf eine erdrückende Geschichte: das namenlose fünfjährige Mädchen wird von ihren Eltern während des Holocaust bei einer polnischen Bauernfamilie versteckt. Sie überlebt in einem Kartoffelkeller, misshandelt und vom Sohn der Familie vergewaltigt. Die einzige Kreatur, mit der sie sich anfreundet, ist eine Ratte.

Im ersten Teil erzählt das Mädchen, inzwischen Großmutter, ihrer Enkelin ihre Geschichte in Tel Aviv. Im zweiten Teil schreibt diese Enkelin einen Schulaufsatz, in dem sie versucht, die Erlebnisse der Großmutter zusammenzufassen. Im dritten Teil, angesiedelt im Jahr 2009, tauchen auf einer mysteriösen Webseite Internet-Gedichte auf, die von der Geschichte des versteckten Mädchens berichten. Diese Webseite wird Grundlage einer populären Sage '"Das Mädchen und die Ratte"'. Im vierten Teil verfasst eine Anthropologin im Jahre 2099 ihren Recherche-Bericht über die Ursprünge dieser weit verbreiteten Legende. Teil fünf ist das Tagebuch eines Priesters, der das Mädchen 1943 rettet und aufnimmt. Während er versucht, ihr zu helfen und ihre Hoffnung auf das Leben wieder zu wecken, stellt er fest, dass er seinen eigenen Glauben verloren hat.

Dieses Buch ist voller Experimente und Herausforderung an die Leser: die Sätze sind knapp, erscheinen fast banal, doch der Text zwischen den Zeilen ist erdrückend. Dieses Buch ist das ungewöhnlichste und eindrücklichste Buch über den Holocaust, das ich gelesen habe.
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Und die Ratte lacht: Roman
Und die Ratte lacht: Roman von Nava Semel (Gebundene Ausgabe - 10. Oktober 2007)
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