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Rumi: Das Masnavi: Buch 1
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35 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. August 2012
Als dieses Buch 1998 erstmalig erschien, damals im Verlag Kaveh Dalir Azar (in der Schreibweise "Matnawi"), habe ich bei Amazon eine längere Kritik gepostet, die noch immer nachzulesen ist und viel Zuspruch erhalten hat. Nun hat sich die kleine aber feine Edition Shershir sehr verdient gemacht, indem sie diesen einzigartigen Klassiker der Sufiliteratur wieder neu aufgelegt hat, diesmal in sechs einzelnen, qualitativ hochwertigen Bänden, also für jedes Buch des Masnawi einen eigenen Band. Aus diesem erfreulichen Anlass möchte ich hier meine damalige Kritik nochmals in Auszügen wiedergeben:

Bei einer Übersetzung, die über siebenhundert Jahre nach Entstehung eines Buches vorgenommen wird, stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Hat ein solches Unterfangen nicht bloß einen Wert für Historiker und Orientalisten? Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich näher mit dem Werk befassen.
Im Untertitel der deutschen Ausgabe wird Rumi als "Prophet der Liebe" bezeichnet. Wo es einen Propheten gibt, dort muss es auch eine Religion geben, und genau davon handelt das Masnavi. Im Vorwort heißt es dazu: "In allen Religionen gibt es Pflichten und Regeln, die die Gläubigen akzeptieren müssen (...), die Religion der Liebe ist anders. Wenn man diesem Glauben beitreten will, gilt: 'Sage, was dein bedrücktes Herz ersehnt - du brauchst keine Regel und keinen Ritus.'"
Und das, was das bedrückte Herz ersehnt, ist die Überwindung der als schmerzlich empfundenen Trennung von seinem göttlichen Ursprung. Dieser Zustand wird in den ersten Versen des Masnavis mit dem Bild der klagenden Rohrflöte beschrieben: "Seit ich aus dem Röhricht geschnitten wurde, hat meine Klage Mann und Frau zum Weinen gebracht. Ich suche nach einer von der Trennung zerrissenen Brust, der ich meinen Sehnsuchtsschmerz enthüllen kann. Jeder, der weit von seinem Ursprung entfernt ist, sehnt sich danach, wieder mit ihm vereint zu sein."
Die Rohrflöte, die Ney, die wie kaum ein anderes Musikinstrument auf der Welt sehnsüchtige Töne von sich geben kann, weil sie kein Mundstück besitzt und vom Musiker deshalb eine besonders zarte und aufmerksame Behandlung verlangt, beklagt sich über die Trennung von ihrer Heimat. Sie wurde als Schilfrohr abgeschnitten, und erst durch dieses Abschneiden war es möglich, dass sie so betörende Klänge von sich gibt. Es sind Klänge der Sehnsucht, des Wunsches danach, wieder mit dem Ursprung vereint zu sein.
Um dieses Ziel, die Vereinigung, zu erreichen, muss der Weg der Liebe beschritten werden. Die Praxis dieses Weges besteht in der Liebe zu Gott und zu allen seinen Geschöpfen. Deshalb ist "der Maßstab zur Beurteilung der Menschen nicht ihre Position, ihr Wissen, ihr Verhalten oder ihr Vermögen, sondern die Reinheit ihrer Herzen", wie es im Vorwort heißt. Die Geschichten, die Rumi erzählt, bebildern verschiedene Stationen des Weges. Sie berichten auch von den Fallstricken der niederen Triebseele, die den Reisenden immer wieder als Wegelagerer auflauert. Die Triebseele ist darauf aus, die Begierden des Egos zu füttern und den Menschen dadurch vom Weg abzubringen.
Daher hat das Masnavi dem Leser heute noch etwas zu sagen hat, denn die Beschaffenheit der menschlichen Seele hat sich durch die Zeiten hindurch nicht geändert. Sowohl die Sehnsucht des Herzens als auch die Schliche der Triebseele sind die gleichen wie vor siebenhundert Jahren. Die Form der Begierden des Egos mag sich geändert haben, ihr Wesen ist dasselbe geblieben. Die Erzählungen des Masnavi berühren uns heute also aus dem gleichen Grund, aus dem uns auch die Epen Homers und die Dramen Shakespeares immer noch berühren: sie decken menschliche Grundstrukturen auf. Daher wird das Masnavi mit Recht zu den Höhepunkten der Weltliteratur gezählt.
Die Relevanz des Masnavis mag eher noch zugenommen haben, da wir uns heute zumeist in einem kulturellen Umfeld bewegen, das weitaus stärker auf die Befriedigung materieller als spiritueller Bedürfnisse ausgerichtet ist. Es fehlt eine Orientierung, die man vielleicht "innere Erziehung" nennen könnte. Rumi arbeitet in seinen Erzählungen mit symbolischen Metaphern, die den Leser je nach Zustand auf unterschiedlichen Ebenen emotional berühren. Auf diese Vielschichtigkeit des Werkes spielt auch Annemarie Schimmel an, wenn sie sagt, das Matnawi wäre nicht nur ein Schatzhaus mystischer Ideen, sondern auch von profanen Traditionen, Anekdoten und Weisheitsworten. So berichtet Rumi von den verschiedenen Erscheinungsformen von Habgier, Neid, Haß und Unterdrückung. Wir erfahren von dem habgierigen Bauern, der seinen Freund nicht erkennt, wohl aber den Furz seines Esels, der versehentlich getötet wurde; und von dem überheblichen Gelehrten, der auf den Bootsführer herabschaut, dann aber feststellen muß, daß sein Wissen ihm nichts nutzt, weil er nicht schwimmen kann. Wir erfahren aber auch von einem einsichtigen Papageien, der durch einen scheinbaren Tod Befreiung aus seinem Käfig erlangt. Dies ist der sufische Tod vor dem Tod, von dem Goethe sagt:
"Und solang du das nicht hast, dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde."
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. November 2012
Endlich ist die Gesamtausgabe von Rumis Masnawi in guter Qualität und direkt aus dem Persischen übersetzt wieder erhältlich. Mit der bisweilen Mode gewordenen Verwendung von Aussprüchen Rumis - oft ohne Quellenangaben - zur Untermalung von allerlei Lehrmeinungen, ist eine seriöse Gesamtausgabe von Rumis Lehrwerk eine Notwendigkeit der Zeit. Dem Verlag Shershir sei dafür gedankt. Diese Ausgabe übernimmt inhaltlich das Bestehende der ersten Ausgabe. Sie ist aber mit 6 statt 3 Bänden schöner und handlicher gebunden, und es liest sich sehr angenehm.
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