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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der erste Preußische Hegemonialkrieg, 27. April 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen (Gebundene Ausgabe)
Bis zum Erscheinen des Bandes gab es zum Thema in deutscher Sprache fast nur antiquierte Publikationen aus dem 19. Jahrhundert, die als Reprints angeboten wurden. Die bisher aktuellste Veröffentlichung "Entscheidung 1864: Das Gefecht bei Düppel im Deutsch-Dänischen Krieg und seine Bedeutung für die Lösung der deutschen Frage" des Brigadegenerals a. D. und Publizisten Winfried Vogel (Jahrgang 1937) war bereits 1987 erschienen. Vogel war 1970 in den Leitungsstab des damaligen Bundesministers der Verteidigung Helmut Schmidt berufen worden und ist heute Vorstandsmitglied des Vereins "Geschichte und Erinnerung, Verein zur Förderung der Ausstellung, Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944" und gehört dem Beirat der "Weiße Rose Stiftung" an....

....demgegenüber lässt der im März 2013 erschienenen Band "Der Deutsch-Dänische Krieg 1864" bereits bei einem ersten Blick erkennen, dass sowohl der herausgebende Verlag als auch mancher Mitwirkende am Buch einem anderen politischen Spektrum zuzuordnen sind. Während der nach dem griechischen Kriegsgott benannte Ares Verlag, ein Imprint des 1917 in Graz gegründeten Leopold Stocker Verlages, als Herausgeber rechtskonservativer Literatur mit Schnittpunkten zum Rechtsextremismus gilt, ist der Mitautor Olaf Haselhorst, M. A., als Redakteur der Wochenzeitung "Der Schlesier", Beiträgen in der Zeitschrift "Sezession" und Mitglied der "Burschenschaft Germania Hamburg" in Erscheinung getreten. Dem gegenüber ist Mitautor Dr. Maik Ohnezeit seit Anfang 2013 als Museumspädagoge der 1996 durch Beschluss des Deutschen Bundestages errichteten bundesunmittelbaren Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh beschäftigt.

Für das (österreichische) Vorwort zeichnet sich jedoch mit dem am Institut für Geschichte der Universität Wien beschäftigten außerordentlichen Professor für Neuere deutsche Geschichte, Dr. Lothar Höbelt, ein Historiker aus, welcher stets als Kenner und Vertreter des so genannten Dritten Lagers auftritt, dem sich in Österreich die Deutschnationalen und Nationalliberalen zugehörig fühlen. Neben seinen Funktionen und Tätigkeiten im Umfeld der FPÖ ist Höbelt auch wegen umstrittener Publikationen und Vorträge, wie zum Beispiel "8. Mai 1945 – 60 Jahre Befreiung oder Niederlage", in die öffentliche Kritik geraten. Im Vorwort beklagt er, dass die "Erinnerungskultur" heute unter "geschichtspolitischen" Vorzeichen diskutiert und inszeniert werden würde. Historische Atlanten mit ihren schönen, präzisen Karten der deutschen Einigungskriege seien, abgelöst von grobkörnigen Computergrafiken, schon lange außer Gebrauch, wenn nicht überhaupt dem Vorurteil gegen Militärgeschichte zum Opfer gefallen sind. Deutsche Lokalpolitiker hätten die dänische Lesart übernommen und die deutsche Interpretationshoheit sei verloren gegangen. Der österreichische Professor schließt sein Lamento mit der Bemerkung, dass man von bundesdeutscher Seite all die Maßstabe der europäischen Partner übernehmen sollte, denn dann wäre es vermutlich auch in deutschen Landen um die Traditionspflege besser bestellt.

Beim Deutsch-Dänischen Krieg handelte es sich (entgegen der Auffassung meines geschätzten Mitrezensenten Albrecht Bär) eben gerade nicht mehr um einen "Kabinettskrieg", denn erstens gab es solche nach der Französischen Revolution nicht mehr und zweitens fehlten ihm alle Merkmale eines solchen. Als historisch bewusster Frankfurter sieht timediver® den Deutsch-Dänischen Krieg (ebenso wie die beiden nachfolgenden) in erster Linie nicht als Einigungskrieg, sondern als Preußischen Hegemonialkrieg an. Dr. Maik Ohnezeit und Olaf Haselhorst machen dies in zwei Kapiteln deutlich, in dem in dem sie die Entwicklungen nach dem Wiener Kongress und den Verlauf des Krieges – reichlich mit Fußnoten versehen - schildern. Gemäß Bundesexekution sollten die Königreiche Hannover und Sachsen das Hauptkontingent stellen. Preußen hatte jedoch kein Interesse an einem neuen deutschen Bundesstaat Schleswig-Holstein, dieser dessen Einfluss in der Bundesversammlung schmälern würde. Unter Ausnutzung der Furcht vor der Entfesselung nationaler Leidenschaften gelang es Bismarck sogar den Rivalen Österreich vor seinen Karren zu spannen so dass letztendlich nur jeweils 6.000 Hannoveraner und Sachsen gegenüber jeweils 35.000 preußischen und österreichischen Soldaten zum Einsatz kamen. Nach der Durchsetzung der Bundesexekution gegenüber Holstein setzten sich Preußen und Österreich über die Beschlüsse des Bundestages hinweg, und marschierten in Schleswig und danach in Jütland ein. Die Österreichische Kriegsmarine (!) und ihr auf dem Wasser schwächerer Verbündeter führten am 9. Mai 1864 gar ein Seegefecht gegen die Dänen vor Helgoland aus. Als Österreich die weitere Entscheidung über die eroberten Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg der Bundesversammlung anheim stellen wollte, betrachtete Preußen dies als "Vertragsbuch" und brach mit seinen zum Teil zwangsrekrutierten norddeutschen Verbündeten den "Deutschen Krieg" gegen den Deutschen Bund (!) vom Zaum, bei dem Bismarck jedoch auch Italien als Verbündeter willkommen war.

Die vom Major der Reserve, Dr. iur. Jan Ganschow, dargestellten "kriegsvölkerrechtlichen Aspekte" des vierten Kapitels mögen in einer Zeit wie heute, in der glücklicherweise jede Art von Krieg als Barbarei angesehen wird, befremdlich wirken (wie kann es Recht im Unrecht geben?), spiegeln jedoch die maßgeblichen Veränderungen im 19. Jahrhundert, aus denen sich das moderne "ius in bello" entwickelt hat. Im fünften Kapitel beschreibt Maik Ohnezeit die Folgen des Krieges, welche im wesentlichen in der Annektion Schleswig, Holsteins, Hannovers, der Freien Stadt Frankfurt am Main und der Liquidierung des Deutschen Bundes bestanden. Abschließend weist er auf die Volksabstimmung, welche 1920 zur Abtretung Nordschleswigs an Dänemark führte sowie die heutige, vorbildliche Minderheitenpolitik beiderseits der Grenze hin und erteilt einer "Erbfeindschaft" eine eindeutige Absage.

Mit dem letzten Kapitel zur "Erinnerungskultur" knüpft Olaf Haselhorst an das Lamento des Vorwortes an, in dem er Klage darüber führt, dass der an den dänischen Sieg in der Schlacht bei Idstedt (25. Juli 1850) erinnernde Löwenplastik am 10. September 2011 wieder an einstigen Standort in Flensburg erneut aufgestellt wurde: Das Denkmal sei von den Siegern 1864 demontiert worden, weil es der dänischen Sichtweise entsprach. Seine Wiederrichtung bedeute die Zurückdrängung der eigenen, deutschen Identität. Die Deutschen sollten daher auf ihre Geschichte mit eigenen Augen sehen, nicht aus dem Blickwinkel ehemaliger Kriegsgegner. (Beachte: Wie timediver® im April 2013 vor Ort in Polen feststellen konnte, wurde die von Michelangelo Pietrobelli geschaffene Löwenskulptur des einstigen "Reichsehrenmals Tannenberg", die sich fast fünfzig Jahre auf einem sowjetischen Kasernengelände befand, am 20. Mai 1993 vor dem Rathaus der Stadt Olsztynek aufgestellt!)

Ein recht umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis bildet zusammen mit einer Jahreschronologie und einem Register den Abschluss eines Bandes der zudem noch mit schwarzweißen Karten, Fotos und anderen Abbildungen aufwarten kann. Unter Ausklammerung der sogenannten "Erinnerungskultur" und anderer politisch tendenziöser Bemerkungen, kann der Band mit 4 Amazonsternen bewertet werden.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Essenziell, 17. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen (Gebundene Ausgabe)
Obwohl der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 der erste von drei „Einigungskriegen“ war, an deren Ende 1871 der staatliche Zusammenschluß zum Deutschen Reich stand, ist dieses Ereignis komplett aus dem historischen Gedächtnis der Deutschen verschwunden. Nur in Dänemark selber gedenkt man alljährlich am 18. April der entscheidenden Schlacht auf den Anhöhen der Düppeler Schanzen; an dem diesjährigen Gedenken aus Anlaß der 150.Widerkehr wird auch der deutsche Bundespräsident Teilnehmen. Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass die Redenschreiber von Gauck wie in vorangegangenen vergleichbaren Fällen die eigene Deutungshoheit aus der Hand geben werden und die von Dänematk ausgehende Aggression, den von Preußen und Österreich moderat geführten Feldzug sowie die milden Friedensbedingungen ins glatte Gegenteil verkehren werden. Um (vielleicht) zu einem gerechten Urteil zu kommen, müssten sie diesen jüngst erschienenden Band der Autoren Olaf Haselhorst, Jan Ganschow und Maik Ohnezeit zur Hand nehmen. Der große Vorzug des vom österreichischen ARES-Verlag mit Illustrationen und Karten vorzüglich ausgestatteten Werkes besteht nämlich darin, dass die drei Genannten nicht in plumpen Nacherzählungen der vorhandenen Literatur stecken bleiben, sich nicht im Klein.Klein militärhistorischer Schlachtengemälde verkrallen, sondern sich der komplizierten Ausgangslage stellen. Die Autoren, von denen jeder für seine Abschnitte verantwortlich zeichnet, betten das Kriegsgeschehen in den Kontext der europäischen Geschichte ein, behandeln die politischen und kriegsvölkerrechtlichen Aspekte sowie die Folgen des Konflikts bis in die heutige Gegenwart und widmen sich am Schluß der sog. „Erinnerungskultur“. In gründlichen Studien werden die militärischen Operationen zu Land und zur Se behandelt, wobei Haselhorst, der ja auch Redakteur bei der angesehen „Deutschen Militärzeitschrift“ ist, den heute exotisch wirkenden Gefechten vor Rügen und Sylt viel Platz einräumt. Als Leser erfährt man, dass die Zeit der „Hurra-Angriffe“ vorbei war, dass waffentechnische Innovationen wie das Zündnadelgewehr zu infanteristischer Überlegenheit der Preußen führte, das die strategische Bedeutung der Eisenbahn bei Truppentransporten zunahm und das Krupp-Geschütze bei der Zerstörung der dänischen Schanzen eine gewichtige Rolle spielten. Auch die beginnende sanitätstechnische Betreuung der verletzten Soldaten durch den Johanniterorden bleibt nicht unerwähnt. Im Kapitel „Erinnerungskultur“ wird u.a. auf den Fall Carl Klinke, dem „Helden der Düppeler Schanzen“, eingegangen, dessen Name in Deutschland einst jedes Kind kannte und dem Theodor Fontane ein Gedicht gewidmet hatte.
Dieses Buch beweist mal wieder, dass derzeit die besten historischen Veröffentlichungen abseits des vom Steuerzahler subventionierten akademischen Betriebes entstehen. Daher verdient dieser Band 5 Amazon-Sternchen!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Werk, das keine Wünsche offen läßt, 23. April 2013
Von 
Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen (Gebundene Ausgabe)
Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 entzündete sich am seit 1789 virulenter werdenden Problem des Nationalitätengegensatzes und an der Frage des dynastischen Erbrechts in den Elbherzogtümern. Hinsichtlich dieser Vorgeschichte des Konflikts werden die Leser überblicksartig mit den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland und Dänemark im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vertraut gemacht. Es wird aufgezeigt, welche Interessen die Handlungen der beteiligten Menschen geleitet haben, wie der Krieg entstand, wie er endete und welche Folgen er zeitigte. Gerade der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 ist ein Paradebeispiel für einen, noch weitgehend unabhängig von den Einflüssen einer sich zunehmend bemerkbar machenden öffentlichen (oder veröffentlichten) Meinung herbeigeführten "klassischen" Kabinettskrieg im Stil der Geheimdiplomatie des 18. und 19. Jahrhunderts.
Neben den politischen bilden die militärischen Ereignisse einen weiteren Schwerpunkt des Buches. Die Loslösung Schleswig-Holsteins aus dem dänischen Staatsverband verlief in zwei Phasen: Zum einen durch die kampflose Besetzung Holsteins gemäß Bundesexekution vom 23. bis zum 31. Dezember 1863, zum anderen durch die militärische Eroberung Schleswigs (und Jütlands) vom 1. Februar bis zum 31. Oktober 1864. Während die erste Phase gewaltlos ablief, weil die Dänen sich hinter die Eider zurückzogen und im Dannewerk verschanzten, eröffneten die verbündeten Preußen und Österreicher mit Beginn des Februars die Kampfhandlungen, da die Dänen weiterem Vordringen Widerstand entgegensetzten. Mit Angriffen in der Mitte um am rechten Flügel sollten die Stellungen der Dänen an der Eider aufgebrochen werden. Aus Furcht, die Kampfkraft der eigenen Truppen zu gefährden, befahl der dänische Oberkommandierende den Rückzug in die befestigte Düppelstellung, wo die Dänen von den Preußen belagert wurden. Die Besetzung Jütlands durch die Verbündeten erfolgte ohne größere Kampfhandlungen. Mit der Erstürmung der Düppeler Schanzen und dem Übergang nach Alsen war die Widerstandskraft der Dänen erlahmt, und es kam zu Waffenstillstand und Frieden. Auch die Hoffnungen der Dänen auf ihre starke Flotte erfüllten sich nicht. Weder gelang es der dänischen Marine, eine totale Blockade der deutschen Küsten zu gewährleisten, noch konnte sie nach dem Seegefecht vor Helgoland die Nordsee behaupten und zog sich zum Schutz der dänischen Inseln und der bedrohten Hauptstadt Kopenhagen zurück.
Ebenfalls eingehend gewürdigt werden die kriegsvölkerrechtlichen Aspekte des Deutsch-Dänischen Krieges. Hierbei handelt es sich um einen vergleichsweise wenig erforschten Themenkomplex. Dieses Defizit in der Geschichtsschreibung mag daran liegen, daß es rückblickend besonders schwierig ist zu erkennen, welche von den Soldaten im Kriegsgebiet beachteten Gebote und Verbote bereits als Rechtssätze vertraglich kodifiziert in Geltung standen und welche militärischen Bräuche und Gewohnheiten als bloße Postulate gewohnheitsrechtlich erst später stete Einhaltung forderten.
In das Jahrzehnt der Reichseinigungskriege fielen für den Anschub der Kodifizierungswelle des Kriegsvölkerrechts auf den Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907 in Den Haag so wichtige Ereignisse wie 1863 die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf und der erste Einsatz seiner Delegierten im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864; die Gründung der ersten nationalen Rotkreuzgesellschaften; die Annahme der I. Genfer Konvention durch mehrere Staaten. Die Staaten wagten den Schritt vom nur mehr durch soldatische Gebräuche und Gepflogenheiten auf den Schlachtfeldern schemenhaft erkennbaren Kriegsvölkergewohnheitsrecht hin zum schwarz auf weiß kodifizierten Kriegsvölkervertragsrecht. Dazu lieferte der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 einen rechtspolitischen Impuls.
Abschließend widmet sich ein Kapitel der Erinnerungskultur beiderseits der deutsch-dänischen Grenze. Hierbei wird auch Bezug auf die aktuelle erinnerungspolitische Diskussion hinsichtlich der Wiederaufstellung des "Idstedt-Löwen", eines dänischen Denkmals anläßlich ihres Sieges über schleswig-holsteinische Freiheitskämpfer im Krieg von 1848/51, und das Verhältnis zwischen den Menschen in der Grenzregion genommen. Der Abschnitt beschäftigt sich mit dem Fortleben des Krieges von 1864 bis 1914 in der Literatur, der Geschichtsschreibung und der Denkmalsgestaltung. Ein wichtiger Aspekt der Erinnerung ist die identitätsstiftende Rolle des "Helden" für die jeweilige Gesellschaft zur Armee des eigenen Landes und die positive Würdigung ihrer Taten im Kontext des Kriegsgeschehens.
So deckt diese Monographie alle wesentlichen Aspekte des Themas ab und kann ohne Wenn und Aber als modernes, grundlegendes Werk mit wissenschaftlichem Anspruch für jedermann gelten. Ergänzt wird die Darstellung durch eine informative Zeittafel, aussagekräftigen Abbildungen und detaillierten Karten, die das militärische Geschehen zu Land und zu Wasser anschaulich werden lassen. Ein umfangreicher Anmerkungsapparat, ein auf dem neusten Stand befindliches Literaturverzeichnis sowie ein sorgfältig erstelltes Personen- und Sachregister runden dieses vorzügliche Buch ab, das sicher in Kürze den Rang eines Standardwerkes zum Deutsch-Dänischen Krieg erreichen wird. Den Autoren ist - auch im Hinblick auf ihren Erstling zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 - zuzurufen: Bitte mehr davon!
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14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die moderne Monographie zum Thema, 5. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen (Gebundene Ausgabe)
Es ist eine seltsame Erscheinung unserer heutigen Zeit, daß Bücher anhand gewisser „Tendenzen“ ein- und dann aussortiert werden, ohne daß sachlich auf den Inhalt eingegangen wird. Bemerkenswert ist, daß zwei Vorrezensenten das hier vorgestellte Buch "Der Deutsch-Dänische Krieg 1864“ im großen und ganzen als positiv beurteilen (5 bzw. 4 von 5 Sternen). Während die erste Besprechung lang und breit und streng am Inhalt orientiert das Werk vorstellt, beschränkt sich die zweite zum großen Teil auf sachfremde Bereiche. Autor A schreibe auch für die Publikationen B sowie C und sei Mitglied bei D, Autor E sei bei F beschäftigt, der Schreiber des Vorworts trete häufig bei G und H auf, habe Werke verfaßt, die dem Rezensenten nicht gefallen und gelte politisch dem Lager I zugehörig. Ein Autor J, der vor zig Jahren ein Buch zum Thema verfaßt habe, engagiere sich privat bei K usw. Es fehlt nur noch der Hinweis, J sei außerdem seinen Enkeln ein guter Großvater. Relevanz für den Inhalt des Buches? Fehlanzeige!
In medias res: Vorwort und Kapitel über die Erinnerungskultur machen unter Verwendung von vielen Quellenbelegen mit nachvollziehbaren Argumenten deutlich, daß die Denkmalskultur in Deutschland – im Vergleich zu den europäischen Nachbarn (von den USA ganz zu schweigen) – einen Sonderweg eingeschlagen hat. Dies läßt sich anschaulich anhand des "Löwen von Idstedt“ demonstrieren. Der Verfasser dieses Kapitels kommt einem kleinen "Historikerstreit“ in Schleswig-Holstein auf die Spur. In einem regionalen Wissenschaftsorgan machte der Historiker Jan Schlürmann den Einwand, die Politiker scherten sich bei ihrer Gedenkpolitik nicht um das Fachurteil der Spezialisten. Denn anders als beabsichtigt, stehe der "Löwe“ im dänischen Diskurs nach wie vor für den Sieg über die Schleswig-Holsteiner 1850 und keineswegs für eine "grenzüberschreitende Aussöhnung“, wie von der Politik intendiert. Versöhnung, wenn sie überhaupt notwendig sein sollte, könne so nicht erreicht werden. Schlürmann wurde nach seiner Kritik mit fachfremden Einwänden und mit verbalen Attacken auf seine Person überschüttet. Die Politik nützte Schlürmanns Einwand leider nicht und wich einer inhaltlichen Diskussion aus. Das ist schade, denn sie verzichtete somit darauf, den Historiker zu widerlegen. Dieses Thema ist jedoch nur ein kleiner Teil des Kapitels. Im weiteren Fortlauf wird auf die Gedenkkultur in der Literatur und in der Forschung (Düppel-Museum bei Sonderburg) eingegangen, außerdem erfolgt eine Schilderung der Geschichte und des Ablaufes des jährlich stattfindenden Oeverseemarsches. Dies geschieht alles sachlich kühl, mit Verweis auf die einschlägigen Quellen und mit plausibler Argumentation.
Die diplomatiehistorischen Kapitel zeichnen sich durch eine profunde Literaturkenntnis aus. Die Darstellung demonstriert, daß der Verfasser ein Kenner der Materie ist. Er stellt ausführlich die Geschichte Europas nach 1815 dar – ein Kapitel befaßt sich nur mit der dänischen Geschichte – und zeigt, wie der Krieg von 1864 in den Kabinetten von Kopenhagen, Berlin und Wien zustande kam. Einen Einfluß von Parlamenten, von öffentlicher Meinung usw. hat es erkennbar nicht gegeben. Man kann mit Fug und Recht – alle Merkmale sprechen dafür – von einem "Kabinettskrieg“ sprechen. Deutlich wird, daß Kopenhagen unter falscher Hoffnung auf internationale Unterstützung die Annexion Schleswigs mit Waffengewalt durchsetzen wollte, während Berlin und Wien – als formale Sachwalter des Deutschen Bundes und in seinem Auftrag – den Bruch des Völkerrechts nicht hinzunehmen bereit waren. Beide deutschen Staaten konnten es sich nicht leisten, diesem Gewaltakt tatenlos zuzusehen. Um Hegemonie ging es noch nicht. Vorerst war Preußen an seiner Gleichberechtigung mit Österreich interessiert und an der Anerkennung seiner Interessen in Norddeutschland. Das spiegelt dann auch das Kriegsergebnis wider, das Preußen wie auch Österreich als gleichberechtigte Mächte im Deutschen Bund auswies. Die Frage der Führungsmacht in Deutschland wurde erst 1866 entschieden.
Die militärischen Ereignisse werden anschaulich geschildert. Es wird deutlich, daß beide Verbündeten sich Meriten verdient haben: die Österreicher etwa bei Oeversee, Veile, vor Helgoland, die Preußen beim Sturm auf die Düppeler Schanzen und beim Übergang nach Alsen. Deutlich wird die – moralisch wie technologisch – hoffnungslose Unterlegenheit der dänischen Landstreitkräfte. Interessant sind die vielen Zitate von Zeitzeugen, die die Darstellung lebendig machen und im Geiste der Zeit verfaßt sind. Dadurch kann der Leser erschließen, was die Menschen vor bald 150 Jahren gedacht, gefühlt oder gewollt haben. Der Autor entgeht hier der Versuchung vieler seiner Kollegen, historische Ereignisse mit dem Wissen im nachhinein zu deuten. Vielmehr versucht er, der Zeit und ihrer Gestalten gerecht zu werden, indem er sie in den historischen Kontext stellt.
Ein ganz zentraler Punkt des Buches ist zweifellos das Kapitel über das Kriegsvölkerrecht, das in Zusammenhang mit den sog. Einigungskriegen bisher nicht thematisiert worden ist. Der Verfasser erzählt die Entwicklung vom Kriegsvölkergewohnheitsrecht zum kodifizierten Kriegsrecht nach. Die Relevanz eines Kriegsrechtes, nämlich zu definieren, was ist erlaubt, was ist verboten und zu zeigen, daß Recht zum Krieg und Recht im Krieg unterschiedliche Bereiche sind, liegt auf der Hand. Kriege sind und waren schon immer brutal, und die Versuche des Menschen, diese Brutalität einzuhegen, zumindest nur auf die Kombattanten zu beschränken – und auch nur dann, wenn diese noch kampffähig und -willig waren, sind alt. Für vieles, was heute internationales Recht ist, wurde im 19. Jahrhundert die Grundlage gelegt, also in einer Zeit, in der Kriegführung – frei nach Clausewitz – als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln, als ultima ratio regis galt. Auch heute ist das Kriegführen unter bestimmten Voraussetzungen legitim. Aber auch wenn Kriege aus unrechtmäßigen Gründen initiiert werden, bleibt davon das Recht in diesem unrechtmäßigen Krieg unberührt. Das Gegenteil wäre ja fürchterlich und würde jede Humanitätsregung des menschlichen Kombattanten von vornherein erschweren wenn nicht gar unmöglich machen.
Den Autoren gelingt es, dem Leser – neben einer modernen Aufbereitung des Bekannten – viel Neues zu bieten. Das geschieht einerseits, indem verschüttetes Wissen bisher verborgene Zusammenhänge erstmals deutlich herausgearbeitet und indem neue Interpretationsansätze angeboten werden, die die Forschung ein erhebliches Stück voranbringen. Und das alles geschieht in einer leicht verständlichen Sprache, die an der Darstellung historischer Zusammenhänge erinnert, wie sie bei den Angelsachsen üblich ist.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr detaillierte Beschreibung des deutsch-dänischen Krieges!, 7. September 2013
Von 
Andreas Fritz "Andreas Fritz" (Hohenlimburg, Westfalen) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen (Gebundene Ausgabe)
Eine auf gewohnt hohen Nieveau des Autorenteams geschriebene Abhandlung.

Ebenfalls zu empfehlen aus dieser Reihe: Der deutsch-französische Krieg und 1866 - Bismarcks deutscher Bruderkrieg.
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Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen
Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Vorgeschichte - Verlauf - Folgen von Maik Ohnezeit (Gebundene Ausgabe - 27. März 2013)
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