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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste Lektüre für Querdenker
Volkmar Weiss ist ein toller Querdenker mit brisanter Botschaft. Wesentliche Gedanken zur genetischen Determinierung der menschlichen "Denkkraft" hat er bereits in die "Die Intelligenzfalle" formuliert (nur noch im Antiquariat verfügbar). Fast dreißig Jahre später holt er weiter aus und versorgt den Leser mit seinem enormen Fundus an Wissen...
Vor 12 Monaten von JD veröffentlicht

versus
69 von 151 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Realitätsverlust
Beharrlichkeit kann man Volkmar Weiss nicht absprechen. Nach wie vor sieht er im Verfall kognitiver Fähigkeiten das Hauptproblem für die Zukunft des Menschen. Entstehen soll dieses Problem durch die Förderung der Reproduktion weniger kluger Menschen. Warum sind sie weniger klug? Weil sie ärmer sind. So gesehen sind die Intelligenzunterschiede zwischen...
Veröffentlicht am 17. Oktober 2012 von truckle


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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste Lektüre für Querdenker, 5. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Volkmar Weiss ist ein toller Querdenker mit brisanter Botschaft. Wesentliche Gedanken zur genetischen Determinierung der menschlichen "Denkkraft" hat er bereits in die "Die Intelligenzfalle" formuliert (nur noch im Antiquariat verfügbar). Fast dreißig Jahre später holt er weiter aus und versorgt den Leser mit seinem enormen Fundus an Wissen und persönlichen leidvollen Erfahrungen als Forscher unter kommunistischer Herrschaft. Seine interessante Hypothese einer einfachen mendelschen Vererbung eines Teils dessen, was die Forschung "Intelligenz" nennt, erscheint mir als Biochemiker und Arzt so plausibel, dass sie unbedingt verifiziert oder falsifiziert werden sollte. Wer sich z.B. für das Schicksal der Juden interessiert, bekommt eine mit Literaturzitaten gepflasterte biologische Sicht der Historie des auserwählten Volkes und dessen, was auf es wartet, geliefert. Dazu gibt es schonungslose Analysen der Situation in Südafrika und Brasilien, den so hoch gelobten Regenbogen-Nationen. Thilos Sarrazin hatte sich großzügig bei Weiss für seinen Bestseller "Deutschland schafft sich ab" bedient und so zitiert Weiss daraus ebenso großzügig im Kapitel über Türken in Deutschland. Eindrücklich beschreibt er die schicksalhafte Verkettung zwischen sozialer Mobilität, Wohlfahrtsstaat, Siebung nach Denkkraft und Demokratie. Es entsteht ein ewiger Kreislauf der Gesellschaftssysteme im Kampf zwischen durch unterschiedliche Leistungsfähigkeit getrennten Schichten, der nach kurzen Phasen von Frieden und Prosperität immer wieder über soziale Unruhen allzu oft im Bürgerkrieg endet. Welche Einflüsse Migration in diesem Räderwerk ausübt, erklärt Weiss an vielen Beispielen rund um den Globus. Das Buch ist auch für Leser ohne soliden wissenschaftlichen Hintergrund gut lesbar. Allerdings ist es kein Schmöker ala Sarrazin, sondern eine dicke, bestens mit Literaturzitaten hinterlegte anspruchsvolle Monographie, die sich an ein Publikum wendet, das gerne auch aus einer anderen als der Mainstream-Perspektive auf die Geschichte schaut. Wer als Lehrer, Sozialwissenschaftler, Journalist, Linker oder Grüner mal kräftig gegen den Strich der Gleichheitsideologie gebürstet werden möchte, bitte schön, hier ist aufwühlende Lektüre. Kultusminister sollten es per Dienstanweisung als Pflichtlektüre an ihre Beamten ausgeben. Es gibt im Buch Redundanz. Für eine zweite Auflage könnte ein Lektor für etwas Straffung sorgen.
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30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von den Mythen der "erworbenen" Intelligenz und der "natürlichen" Gleichheit der Menschen, 20. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Es haben einige Rezensenten bereits hervorragende Rezensionen über "Die Intelligenz und ihre Feinde" verfasst, so dass ich die Frage "Warum sollte man dieses Buch gelesen haben?" in den Mittelpunkt meiner Rezension stellen werde.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Buch ist eines der für mich bedeutsamsten!

Der Autor Volkmar Weiss zeigt anhand von einem absolut schlüssigen, gleichzeitig unmittelbar einleuchtendem Datenmaterial, dass sich Deutschland in einem dramatischen demografischen Wandel befindet, der, sollte er auf dem jetzigen Wege weiter geführt werden, unweigerlich in einem "Großen Chaos" enden muss: Dem Zusammenbruch unserer Gesellschaft und dem Zerfall des Staates. Ein wichtiger Kern, auf dem dieses Schlussfolgerung basiert, ist die anteilig stärkere Vermehrung von wenig intelligenten Menschen, bei gleichzeitig geringer Geburtenrate bei den Intelligenten. Aufgrund dieser Tatsache werden wir im internationalen Wettbewerb zunehmend schlechter abschneiden, da mit dem Voranschreiten der Zeit anteilig aber auch absolut immer Leistungs- und Innovationsträger geboren werden. Unsere Gesellschaft trocknet intellektuell aus. Der Autor belegt, dass Intelligenz im hohen Maße erblich - also genetisch begründet - ist. In unserer heutigen Gesellschaft zu behaupten, nicht die "Umwelt", sondern die biologische Grundlage des Menschen sei für dessen "Denkkraft" die Ursache, ist ein Stich ins Wespennest! Um so mehr danke ich Volkmar Weiss für seinen Mut, diese Erkenntnis öffentlich zu vertreten!

In meiner langjährigen Arbeit mit Menschen als Berater, Therapeut und Coach, aber auch in meiner Tätigkeit als Organisationsberater hatte ich niemals verstehen können, wie ernstgenommene Wissenschaftler behaupten können, alle Menschen seien gleich (begabt) und die unterschiedlichen Sozialisationen seien für die Unterschiede in Intelligenz und Verhalten verantwortlich zu machen. Wer einmal in einer KiTa gearbeitet hat, wird problemlos bereits bei Krippenkindern signifikante Unterschiede in Verhalten und Intelligenz feststellen - obwohl sich die Sozialisation noch ganz am Beginn befindet. Aber das Sozialistisch-/Kommunistische-Paradigma mit seinem Gleichheitsideal, nein, seiner Gleichheitsutopie lässt keinen Raum für Abweichungen zu. Wer es dennoch wagt, vom rechten, Pardon, "linken Weg" abzuweichen, wie z.B. Thilo Sarrazin, dem wird die Daseinsberechtigung in unserer Gesellschaft aberkannt, der wird zur Unperson gestempelt.

Steven Pinker schreibt in der Einleitung zu dem Buch "Was ist Ihre gefährlichste Idee?" auf Seite 28: "Wenn eine Idee wirklich falsch ist, muss man sie ans Licht bringen, um das zu erkennen. Auf diese Weise kann man auch andere besser von ihrer Falschheit überzeugen, als wenn sie im Verborgenen bliebe, denn die Meidung des Themas ließe sich ja in dem Sinne deuten, dass wir eigentlich daran glauben. Und wenn eine Idee WAHR ist, sollten wir besser unsere moralischen Werte darauf einstellen, denn eine Täuschung zu rechtfertigen, kann nichts Gutes bewirken. [...] Die Moralordnung hat den Nachweis überlebt, dass die Erde nicht im Zentrum des Sonnensystems steht, und sie wird auch andere Revisionen unseres Weltbildes überleben."

Wenn nur noch einseitig in die "politisch korrekte" Richtung geforscht wird, werden wir uns Chancen nehmen, die uns später teuer zu stehen kommen werden. Eine gut begründete und seriöse wissenschaftliche Forschung sollte meiner Ansicht nach "amoralisch" (vorurteilsfrei und ergebnisoffen im Hinblick auf Moralvorstellungen) sein, erst die Umsetzung ihrer Ergebnisse sollte einer ethischen Beurteilung unterworfen werden. Und oft verhält es sich sogar so, dass eine vermeintlich gut gemeinte Forschungsidee sich zu einer globalen Bedrohung auswächst.
Deshalb empfinde ich das Buch "Die Intelligenz und ihre Feinde" als bedeutsam: Es klärt den offenen Leser auf, stellt ihm eine andere Sicht als die des Mainstreams entgegen. Es zeigt gefährliche Entwicklungen auf, die in unserer Gesellschaft tabuisiert sind. Es wirft die Frage auf "Wie will ich morgen, wie will ich, dass meine Kinder und Enkel leben?" Volkmar Weiss schreibt, dass er keine Lösungen vorlege. Dennoch sind die Konsequenzen, die aus seinen Darstellungen getroffen werden können, intellektuell einfacher zu ziehen, als das Aufsagen des Alphabets.

Die Frage, die ich mir stelle, ist, welche Maßnahmen sollten umgesetzt werden, um das "Große Chaos" zu verhindern oder zumindest abzumildern? Nicht alles, was machbar ist, sollte getan werden. Alle moralischen Bedenken fahren zu lassen, wäre sicherlich falsch. Dann schlüge das Pendel in die Gegenrichtung aus. Ich wünsche mir einen offenen Dialog in der Gesellschaft; in der Wissenschaft, der Politik, des Journalismus. Nur eine öffentliche Debatte könnte unserer Leben auch morgen noch lebenswert erscheinen lassen. Genug Anstöße gibt Volkmar Weiss.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unverzichtbares Buch über die Intelligenzforschung, 14. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Die folgende Buchbesprechung ist in der österreichischen Zeitschrift "Die AULA" erschienen.

Die AULA war eine der ersten deutschen Zeitschriften, die die Bedeutung der Intelligenzforschung für die Formung eines Menschenbildes erkannte und vier noch immer lesenswerten Büchern aus diesem Gebiet eine Buchbesprechung gewidmet hat (Die AULA, April 1976, Seite 12 f.): Hans Jürgen Eysenck: Die Ungleichheit der Menschen; ders.: Vererbung, Intelligenz und Erziehung; Richard J. Herrnstein: Chancengleichheit – eine Utopie?; Dieter E. Zimmer: Der Streit um die Intelligenz.

Die dort entwickelten großen Linien haben – mit wenigen unwesentlichen Ausnahmen – Bestand gehabt und werden im vorliegenden Buch vertieft und durch neuere Forschungsergebnisse und Erkenntnisse angereichert. Mit „Die Intelligenz und ihre Feinde“ legt Volkmar Weiss sein profundes Lebenswerk vor, in dem er seine wissenschaftlichen Ergebnisse, sein über 40 Jahre angesammeltes Wissen und seine Erfahrungen verarbeitet hat. Über das Gebiet der eigentlichen Intelligenzforschung hinausgehend verknüpft dieses Buch die soziale und wirtschaftliche Wirklichkeit der Industriegesellschaft mit den Auswirkungen der zum großen Teil genetisch bedingten Ungleichheit der Intelligenz ihrer Individuen.

Die Vita von Volkmar Weiss, Jahrgang 1944, ist beeindruckend und prädestiniert ihn zur Abfassung eines solchen Buches. Er wuchs in der DDR auf, studierte zuerst Germanistik und Geographie, dann Biologie und erhielt eine Spezialausbildung in Anthropologie an der Humboldt-Universität in Ostberlin. Im Jahr 1970 wurde er Diplom-Biologe und arbeitete ab dann in Forschungseinrichtungen und an Themen, in die er Einblicke in die tatsächlichen wirtschaftlichen und sozialen Vorgänge innerhalb der Ostblockländer bekam. 1972 wurde er mit einer Dissertation über die Vererbung von mathematisch-technischer Hochbegabung promoviert, 1990 mit dem Buch „Psychogenetik: Humangenetik in Psychologie und Psychiatrie“ als Genetiker und ein zweites Mal mit dem Buch „Bevölkerung und soziale Mobilität: Sachsen 1550 – 1880“ für Sozialgeschichte habilitiert. 1990 – 2007 war er Leiter der Deutschen Zentralstelle für Genealogie. Im Jahr 2000 erschien sein Buch „Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik“ im Grazer Leopold Stocker Verlag. Nach Meinung von Volkmar Weiss blieb die „Psychogenetik“ das einzige seriöse Fachbuch, das je in einem Ostblockland zu dieser Thematik erschienen ist, und brachte dementsprechend dem Autor Schwierigkeiten mit den Behörden der DDR.

Die Sozialwissenschaften neigen dazu, den Menschen als ein über der Biologie stehendes Wesen zu betrachten, das ausschließlich von seinem Geist und der Kultur, in die er eingebettet ist, bestimmt wird. Sie werden nahezu vollständig von der Milieutheorie beherrscht. Jedoch müssen einer ernstzunehmenden Wissenschaft vom Menschen in wesentlicher Weise biologische Einsichten zu Grunde liegen und in die Analyse sozialer und kultureller Prozesse einfließen. Vorliegendes Buch zeigt, was Soziologie, Psychologie und Pädagogik, wenn sie sich lediglich als Geisteswissenschaften verstehen, durch die Nichtberücksichtigung der biologischen Bedingtheit des Menschen verlieren. Es beschreibt den Einfluß der Resultate der Intelligenzforschung auf die langfristigen Entwicklungen in Kultur und Gesellschaft. Volkmar Weiss ist – mit seiner Vorhersage des „großen Chaos“ – ein Verfechter der Spenglerschen Kreislauftheorie, daß nämlich die Geschichte nicht linear verlaufe, sondern Kulturen einen Aufstieg, Höhepunkt und Abstieg hätten, bevor sie letztlich wieder vergingen.

Die Mehrheit der experimentellen Psychologen nimmt an, daß eine Vielzahl von Genen für die Variabilität der Intelligenz verantwortlich ist. Intelligenztests zur Messung der Intelligenz werden so konstruiert, daß sich eine Normalverteilung des Intelligenzquotienten (IQ) mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15 ergibt. Weiss vertritt in seinem Buch eine Minderheitenposition, die den größten Teil der Variabilität der Intelligenz auf die Wirkung nur eines Locus mit zwei Allelen M1, M2 zurückführt. Dabei stehen M1 für hohe, M2 für niedrige Intelligenz. Damit stellen die Allelkombinationen M1M1, M1M2 und M2M2 die Anlagen für hohe, mittlere und niedrige Intelligenz dar mit durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 130, 112 und 94. Die Vererbung der Intelligenz - oder der Denkkraft, wie sie Weiss oft nennt - verläuft damit nach den Mendelschen Regeln. Doch merkt er an, daß sich dieses Modell im Laufe der weiteren Forschung als eine Vereinfachung herausstellen könnte. So ist es denkbar, daß die Allele M1 und M2 die Abstraktion von zwei Serien von Allelen sind, deren Eigenschaften sich innerhalb einer Serie nur geringfügig unterscheiden. Das scheint auch aus mathematischen Gründen (Zentraler Grenzwertsatz der Statistik) geboten zu sein. Auch die verschiedenen Begabungen der Geschlechter (weiblich: verbal, männlich: visuell - räumlich) verlangen nach einer Verfeinerung dieses Modells. Die sozialpolitischen Konsequenzen der Intelligenzunterschiede bleiben davon jedoch unberührt. Weiss schildert seine Suche nach dem „Intelligenzgen“ und die Schwierigkeiten mit der politischen Korrektheit, die damit verbunden sind.

Natürlich hängt die Intelligenz einer Person nicht nur von ihren Genen ab, sondern auch von der Umwelt, in der sie aufwächst. Die meisten Intelligenzforscher sind der Ansicht, daß die genetischen Anlagen eine größere Bedeutung (bis zu 80%) für die Variabilität der Intelligenz haben als die Umwelt.

In allen Ländern schneiden promovierte Mathematiker und Physiker in Intelligenztests am besten ab. So wiesen schon die Studenten der Studienrichtung Marxismus – Leninismus, die vom Zentralinstitut 1980 getestet worden waren, einen IQ auf, der rund eine Standardabweichung (also 15 IQ – Punkte) niedriger lag, als der bei Studenten der Mathematik und Physik. Das deutet darauf hin, daß der Durchschnitts – IQ bei Sozialwissenschaftern eine Güteklasse (d. h. eine Standardabweichung) niedriger sein dürfte als der mittlere IQ von Mathematikern, Physikern, Diplomingenieuren und Biochemikern. Die hohe Korrelation von IQ und mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Hochbegabung und die Untersuchungen von Weiss an mathematisch Hochbegabten in der DDR führten schließlich zum M1/M2 – Modell in seiner Dissertation.

Österreichische Maturanten sowie bundesdeutsche und mitteldeutsche Abiturienten hatten 1987 einen mittleren IQ von etwa 122. Da die Ausweitung der Bildung in allen höheren Qualifikationsstufen stets ein Absinken des Durchschnitts – IQ bedeutet, ist dieser heute drastisch auf etwa 115 gesunken. Zeitweise ist der mittlere IQ der Studenten durch die verschiedenen erleichterten Zulassungen zum Hochschulstudium unter das Niveau der Maturanten und Abiturienten gesunken. Im Ersten Weltkrieg hatten die amerikanischen Akademiker einen Durchschnitts – IQ von 123, im Zweiten von 120. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Akademikerbegriff in den Vereinigten Staaten umfassender ist als in den deutschen Ländern.

Von Politikern wird andauernd gefordert, mehr Arbeiterkinder zum Studium zu bringen und bedauert, daß der Anteil studierender Arbeiterkinder sich nicht erhöhen läßt. Gründe dafür sind, daß sich der Anteil der Arbeiter an der Bevölkerung dauernd verringert, und daß die Begabungen aus dem Arbeiterstand ausgesiebt wurden – alle, die überhaupt die notwendige Intelligenz zum Studium aufgewiesen haben, sind aufgestiegen. Diese Gründe sind auch durch Einführung flächendeckender Gesamtschulen nicht zu beseitigen, wie Weiss ausführlich zeigt. Der Kampf um die höhere Schule ist eben ein Sondergebiet des Klassenkampfes. Die Aussiebung der Intelligenz kann auch durch Wanderung von Dörfern in Städte erfolgen, wie dies Weiss an Hand von Fakten aus seiner Heimat Sachsen belegt.

Der IQ – Unterschied zwischen Rassen hat einen genetischen Hintergrund und bewirkt Leistungsunterschiede. Es gibt hochintelligente Menschen in allen Rassen, jedoch mit unterschiedlicher Häufigkeit. Äußerst interessant ist das ausführliche Kapitel über „Die Juden und der Staat Israel“. Die Ashkenasim weisen einen überdurchschnittlichen mittleren IQ auf, was auf die erfolgreiche, über Jahrhunderte hinweg betriebene Familien - , Heirats – und Bildungspolitik zurückzuführen ist.

In den Industrieländern sinkt der mittlere IQ der Mütter, da Akademikerinnen weniger Kinder gebären als Ungelernte. 1997 betrug die Zahl der Kinder bei deutschen Akademikerinnen durchschnittlich nur noch 1,14, gegenüber 2,39 im Jahr 1970. Ungelernte hingegen hatten 2,01 Kinder, was auch ungefähr dem Geburtenniveau der Ausländerinnen entspricht. Durch die qualitative Bevölkerungspolitik der DDR ab 1972 wurde erreicht, daß um 1990 der mittlere IQ der mitteldeutschen Kinder 102 betrug gegenüber 95 für westdeutsche. Was der Niedergang des mittleren IQ, der durch die Einwanderung Unqualifizierter noch verstärkt wird, langfristig für die Industriegesellschaft bedeutet, diskutiert Weiss ausführlich.

Aufgelockert wird das Buch durch Erzählung persönlicher Erlebnisse; diese zeigen auch auf, wie die Politische Korrektheit die Forschung auf dem Gebiet der Intelligenz behindert.

Angenehm an diesem Buch sind aufgefallen: Das Fehlen jeglicher Politischer Korrektheit, das korrekte, nicht durch „Genderismus“ verunstaltete Deutsch, die Verwendung der traditionellen Schreibweise und die hervorragende Ausstattung mit Figuren und Tabellen.

Die Bedeutung dieses Buches kann kaum überschätzt werden: für jeden, der sein Menschenbild und sein Modell der Gesellschaft an Fakten und nicht an ideologischen Wunschbildern orientieren will, ist „Die Intelligenz und ihre Feinde“ unverzichtbar.
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gewichtiges und hochinteressantes Buch, 5. Juli 2013
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
"Die Intelligenz und ihre Feinde" ist ein hochinteressantes, leider zugleich aber auch schwer zu lesendes Buch. Da der Untertitel "Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft" lautet, handelt es sich um einen Text, der einerseits in die Zukunft blickt, die Begründungen für die aufgestellten Prognosen jedoch zu erheblichen Teilen aus der vergangenen Entwicklung bezieht. Infolgedessen wird versucht, die vergangene Entwicklung in ihren Teilschritten aufzuzeigen: was wann wie geschah, durch was etwas bewegt wurde usw. Auch werden häufige Bezüge zu anderen Gesellschaften rund um die Welt und in der Vergangenheit hergestellt. Das hat zur Konsequenz, dass man sich seiten- und abschnittsweise durch historische Abhandlungen und Vergleiche und eine Unmenge an penibel aufgeführten Zitaten liest, was ich als recht anstrengend empfand. Ich brauchte mehrere Anläufe, um das Buch zu Ende zu lesen.

Was dennoch sehr lohnenswert war, denn das Buch ist zugleich eine hervorragende Informationsquelle, auf die man auch jenseits der Lektüre immer wieder gerne Bezug nimmt. Dazu zählt u. a. das Literaturverzeichnis mit seinen geschätzten annähernd 1.500 Einträgen.

Inhaltlich konzentriert sich der Verfasser - ähnlich wie es die Systemische Evolutionstheorie tut - auf zwei Größen, die für ihn entwicklungsbestimmend sind, nämlich Energie und Wissen. Letzteres setzt kluge Köpfe voraus, wodurch der Bezug zur Intelligenz hergestellt ist, die - wie könnte es bei einer ernsthaften wissenschaftlichen Analyse auch anders sein - als teilweise erblich angenommen wird.

Gleich zu Beginn heißt es fast programmatisch (16): "Dass die Struktur eines Gemeinwesens von seinen energetischen Grundlagen - seinen äußeren (...) und inneren Werten, insbesondere der Intelligenz, der Denkkraft und Bildung seiner Bewohner (...) - abhängt, beginnen wir zu begreifen." Entsprechend werden Staaten, Gesellschaften und historische Entwicklungen speziell unter diesen Gesichtspunkten analysiert. Gezielt dem Thema Energie widmet sich das Kapitel 3 "Die Energiekosten bestimmen Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl", dem Thema Intelligenz (bzw. Wissen) das Kapitel 4 "Der Aufstieg der Intellektuellen Elite in der Industriegesellschaft".

Als das für mich lohnendste Kapitel empfand ich das letzte, nämlich Kapitel 8 "Zum Kreislauf der Bevölkerungsqualität: Betrachtungen und Schlussfolgerungen", da der Autor sich darin zusammenfassend und besonders eingehend zu der bisherigen und vermutlichen zukünftigen Entwicklung äußert, Prognosen aufstellt und sich - trotz äußerst düsterer Gesamtprognose - an denkbaren Auswegen versucht. Dass eine davon wenig wahrscheinlich ist (S. 483: Erschließung neuer erschwinglicher Energiequellen), wenn man Bücher wie Robert B. Laughlins Der Letzte macht das Licht aus: Die Zukunft der Energie gelesen hat, weiß der Autor zweifellos selbst. Die andere lautet (S. 471): Der Wiederanstieg der deutschen Geburtenrate um mindestens 15 % plus Integration qualifizierter Zuwanderer. Bedauerlicherweise ist Letzteres eine Form des Kolonialismus. Denn wenn Deutschland beispielsweise heute zunehmend qualifizierte griechische Facharbeiter anziehen würde, würde dies den Verfall Griechenlands nur weiter beschleunigen: Die Intelligenz, die wir zu uns geholt hätten, um unsere Probleme zu lösen, fehlte in den wirtschaftlich schwächeren abgebenden Ländern noch deutlich gravierender.

Und: Der Verfasser weist zugleich auf den springenden Punkt hin, weswegen wir uns vielleicht nicht einmal allzu große Sorgen machen müssen (471): "Bisher waren alle Prognosen der Demographen von sinkenden absoluten Bevölkerungszahlen falsch, sofern es sich um wirtschaftlich blühende Staaten handelte." Genau das, so vermuten einige, könnte tatsächlich Deutschlands Strategie der Zukunft sein: Weiterhin ausschließlich auf wirtschaftliches Wachstum setzen und die Kosten für den eigenen Nachwuchs einsparen, ganz so wie es große Fußballvereine vorleben: Die Besten der Besten kommen dann ganz von alleine. Ich persönlich glaube deshalb nicht, dass die Politik das gravierende deutsche Nachwuchsproblem tatsächlich lösen möchte. Die längst eingeschlagene Strategie sieht vermutlich anders aus. Es fehlt eigentlich nur noch ein Konzept, wie unsere Alten geräuschlos in der Dritten Welt versorgt und entsorgt werden könnten.

Im letzten Kapitel nennt Weiss schließlich Zahlen, wann die Gesellschaft seiner Meinung nach umkippt und alles in Bürgerkrieg und Chaos endet (469): "Wenn man die Trends von heute richtig deutet, dann wird dieser Zustand in etwa 10 bis 15 Jahren eintreten. Erst nach 2020 wird die zahlenmäßige Schrumpfung des deutschen Volkes im Besonderen und der europäischen Völker im Allgemeinen ihre volle Eigendynamik entfalten."

Die Ausführungen im Abschlusskapitel 8 zur Bevölkerungsdynamik fand ich zwar hochinteressant, allerdings haben sie mich nicht vollständig überzeugen können. Einerseits werden die Denkmodelle Darwins zur Erklärung der Bevölkerungsentwicklungen moderner Gesellschaften abgelehnt (427), andererseits bleibt die dann gewählte Erklärung dennoch weitestgehend biologisch, indem über die Bevölkerungsdichte als Regulativ argumentiert wird. Nun, selbst in Kanada oder Sibirien haben die Menschen ihre Nachwuchszahlen reduziert, und zwar nicht nur in Städten, sondern auf dem Land genauso.

Auch war mir vieles in diesen Abschnitten, so richtig die Gedankengänge zum Teil auch sein mögen, viel zu konservativ formuliert. Beispielsweise heißt es auf der Seite 433 zur weiblichen Emanzipation: "Entscheidend ist, dass mittels dieser Regulation Bevölkerungsdichte und Verhaltensänderungen (...) ständig rückgekoppelt sind (...) und der volle Ablauf des Zyklus die vollständige Zerstörung der sozialen Hierarchie (...) und die totale Desorientierung der weiblichen Individuen voraussetzt (...). Desorientierung meint hier ihre Ablenkung von einer erfolgreichen Fortpflanzung und Jungenaufzucht, die Menschen nennen es Emanzipation und Feminismus. Je länger eine Frau außer Haus ist und arbeiten geht, desto weniger hat sie Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern (...). Je mehr die Frauen erwerbstätig werden, desto stärker sinken die Geburtenzahlen in diesen Ländern. Je höher eine Frau qualifiziert ist, desto größer ist ihr Bestreben, ihr Wissen und Können auch im Berufsleben anzuwenden. Je mehr eine Frau auf völlige Gleichstellung pocht, desto geringer sind ihre Chancen, Kinder und Beruf in Einklang zu bringen und eine glückliche Ehe zu führen. Fast stets kinderlos sind deshalb linksorientierte Journalistinnen (...), umso größer aber ihr Anteil an der Bildung der öffentlichen Meinung. Nichtsdestoweniger könnte die Natürliche Selektion bewirken, dass ihre Generation durch die Nachkommen der unterwürfigen kopftuchtragenden Frauen ersetzt wird (...)."

Ich halte das nicht nur für unnötig polemisch formuliert, sondern zugleich auch bloß für einen Teil der Wahrheit. An dieser Stelle vermisste ich eine stärkere systemtheoretische Herangehensweise an die Thematik. Der Autor übersieht ein wenig, dass es in Marktwirtschaften eine weitere Klasse an Akteuren gibt, die eine mindestens genauso große Rolle bei der Thematik spielen, nämlich die Wirtschaftsunternehmen. Seit Jahrzehnten fischen sie aus Konkurrenzgründen den Arbeitsmarkt nach möglichst geeigneten Kompetenzen - egal ob männlich oder weiblich - leer und lassen alle anderen links liegen (bzw. verdammen sie zur Arbeitslosigkeit oder zu einer Beschäftigung in prekären Arbeitsverhältnisse). Horst Opaschowski prognostizierte in seinem Buch Deutschland 2030: Wie wir in Zukunft leben beispielsweise für die nahe Zukunft, dass die Hälfte der Mitarbeiter doppelt soviel verdienen wird, dafür aber dreimal so viel leisten muss. Diese besonders qualifizierten Menschen werden dann aber kaum mehr eigene Nachkommen haben können, zumal die Entwicklung auch für Frauen gilt. Hierdurch könnte ein Effekt entstehen, der bei Seefischen hinlänglich bekannt ist. Genauso, wie der Fischfang die Fische immer kleiner macht (weil schon rein technisch vorwiegend die größten Exemplare gefangen werden und sie sich für die Unternehmen auch besser rechnen), so macht die von Eigeninteressen angetriebene Rekrutierungspolitik der Unternehmen Menschen immer weniger intelligent, jedenfalls, wenn man an das glaubt, wovon auch Weiss ausgeht.

Sehr aufschlussreich fand ich hingegen die gruppenselektorische Begründung, die an einer Stelle eingeführt wird (434): "Dieses Umschalten von Individualselektion auf Gruppenselektion (...) ist der entscheidende Punkt in unserem Gedankengang, der über Darwin und Marx hinausführt (...)." Womit gesagt werden soll: Kommt es schließlich zur Katastrophe, scheiden nicht Individuen aus, sondern vor allem ganze Gruppen, Staaten etc. Dies könnte tatsächlich so sein.

Als kritischer Punkt für die Umstimmung eines Sozialstaates hin zur Erschöpfung sieht Weiss die Einführung des allgemeinen und gleichen Stimmrechts (438) an. Diese Erkenntnis mag man als problematisch ansehen, die dann folgende Begründung (insbesondere unter Berücksichtigung des Politikerverhaltens: 439) scheint mir hingegen recht schlüssig zu sein. Allerdings sah ich keine Alternativen, es wurden auch keine dargelegt.

Trotz meiner gelegentlichen kritischen Anmerkungen ein insgesamt sehr lohnenswertes Buch, das zugleich hervorragend als Nachschlagewerk dienen kann.
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26 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (Fast) einsam strahlendes Leuchtfeuer in der Finsternis der zeitgeistigen (Anti)Intelligenzideologie, 8. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem Werk "Die Intelligenz und ihre Feinde" ist Volkmar Weiss der ganz große Wurf gelungen. In einer umfassenden All-Umschau zeigt er auf, wie die Erblichkeit der mathematisch-technischen Intelligenz in den verschiedensten Bereichen des Lebens manifest wird und so die Hierarchien moderner Leistungsgesellschaften fundieren und festigen. Dabei knüpft er straffe Bande zwischen scheinbar disparat gelegenen Disziplinen wie u.a. der Soziologie, der Psychologie, der Humangenetik, der Demographie und Bereichen der Volkswirtschaft. Zu sagen, daß er dabei auf den Arbeiten von Lynn und Vanhanen aufbaue, wird dem Autor dabei in keinster Weise gerecht. Denn bei Weiss handelt es sich nicht nur um einen modernen Pionier auf dem Gebiet der Intelligenzforschung (seine eigenen Untersuchungen zur infragestehenden Materie fertigte er auf geheimen Sonderauftrag Margot Honeckers höchstpersönlich in der DDR an - weitestgehend isoliert von seinen schon damals ohnehin zahlenmäßig nur sehr spärlich vertretenen Kollegen im Westen), sondern auch um wohl einen der letzten Universalgelehrten, der sich wohltuend vom die Gegenwart dominierenden Fachidiotentum abhebt.

Seine über den gesamten Verlauf seiner Karriere gewonnenen Erkenntnisse bestätigen allerdings vollumfänglich die Ergebnisse der schon "klassisch" zu nennenden Outlaws Lynn und Vanhanen: ein hoher durchschnittlicher IQ korreliert stark positiv mit Indikatoren wie Einkommen, sozialem Status, allgemeinem Gesundheitszustand und Lebenserwartung, niedrigen Kriminalitätsraten und mehr. Auffällig ist dabei, daß die Verteilung der Intelligenz im Allgemeinen nicht einer Normalverteilung folgt, wie gemeinhin immer dargestellt, sondern die heiß umstrittene "Bell Curve" erst durch eine (methodisch unzulässige) Normierung der Rohdaten zustandekommt. Letztere zeigen vor diesem Schritt aber drei auffällige Peaks, deren Vorhandensein Weiss auf einen Hauptlocus auf dem menschlichen Genom zurückführt, der - grob übersetzt - analog zu den Kurvenmaxima in drei verschiedenen Schalterstellungen (Allelen) vorliegen kann: Geringe, mittlere und hohe Intelligenz sind somit erblich bedingt, und Weiss liefert gleich auch noch einen Hauptkandidaten (C2orf16 rs191912), dessen Bedeutung für seine Hypothese verschiedene genetische Labore zu überprüfen sich jedoch kommentarlos weigern - den den Zeitgeist bewachenden "Ethikräten" sei gewißlich Dank.

Die Idee, daß der Begriff der Intelligenz gänzlich aus dem wissenschaftlichen Wortschatz zu verschwinden habe, ist den Pseudowissenschaftlern aller Lehrstühle sicherlich schon des öfteren gekommen (bereits Bourdieu hat dies ja mehr oder minder unumwunden gefordert). Da dies vermutlich aber doch (noch?) allzu gewagt wäre, begnügt man sich mit einer zweigleisigen Strategie: zum einen wird der Begriff der Intelligenz so stark erweitert und/oder aufgeweicht (man denke nur an skurrile Konstrukte wie das der "emotionalen Intelligenz"), daß eine exakte Definition nicht mehr möglich ist und der Weg für die vollständige, in bester dialektrischer Manier betriebene Dekonstruktion des Konzeptes frei wird. Zum anderen leugnet man im Großen und Ganzen sowohl eine nachweisbare physiologische Fundierung wie auch die Heritabilität technisch-mathematischer Begabung (Denkkraft), wodurch - in Verbindung mit Maßnahme 1 - der Weg frei wird von einer Verschiebung der Intelligenzforschung aus dem biologisch-naturwissenschaftlichen Bereich in die Sozialwissenschaften (deren Vertreter heutzutage ironischerweise einen meßbar geringeren Durchschnitts-IQ aufweisen dürften als ihre Pendants in den naturwissenschaftlichen Bereichen); so verbannt man ganz nebenbei die für die Vertreter des egalitaristischen Programms peinlichen (und letztlich eindeutigen) Meßergebnisse aus dem fachlichen Diskurs.

Daß diese Vorgänge nicht nur Merkwürdigkeiten in einzelnen akademischen Elfenbeintürmen sind, sondern gravierende Auswirkungen auf Lebensqualität und Wohlstand ganzer Volkswirtschaften haben, ist das eigentliche Problem dabei: Denn gerade rohstoffarme Länder wie Japan, Singapur, Hongkong, die Schweiz oder eben auch die BRD haben außer dem Einfallsreichtum und der technischen Kreativität ihrer Einwohner nichts aufzubieten, was die Aufrechterhaltung des erreichten (hohen) Niveaus gewährzuleisten imstande ist. Längst ist die Irrlehre von der Intelligenz als bloßes Resultat äußerer sozialer Prägung und der prinzipiellen gleichen Denkfähigkeit aller zur beherrschende Ideologie in der Politikerkaste nahezu überall im Abendland geworden. Weiss beschränkt sich in "Die Intelligenz und ihre Feinde" folgerichtig auch nicht auf den Tunnelblick des Genetikers, der lediglich Details eines bestimmten Aspekts des menschlichen Erbguts abhandelt, sondern bietet eine besorgniserregende Schau in eine mögliche Zukunft überalterter, von permanenten externen Rohstofflieferungen abhängigen Industriezivilisationen. Da stehen auf der einen Seite die dysgenischen Effekte einer einerseits viel zu niedrigen Geburtenrate der Träger des M1M1-Allels (also derjenigen, die in der Lage sind, vermöge ihrer Denkkraft wissenschaftliche Entdeckungen und technische Innovationen zu machen) und andererseits eine überproportionale Vermehrung der minderbegabten Träger des M2M2-Allels (diejenigen, die lediglich Maschinen zu bedienen, nicht aber sie zu konstruieren oder reparieren imstande sind) durch Subventionierung von Geburten oder aber Import minderintelligenter M2M2-Träger aus entfernten Winkeln der Welt. Auf der anderen Seite besteht die ernsthafte Möglichkeit, daß schon im Verlauf der kommenden Jahrzehnte die zunehmende Knappheit fossiler Brennstoffe zu einer Einschränkung des weslichen Lebensstandards führen, quasi der Lebenssaft der Industriegesellschaft in immer geringeren Mengen verfügbar sein wird. Hier treten deutlich die schweren Defizite des demokratischen Versorgungsstaates im Besonderen und die Ableger der Fehlgeburt von 1789 im Allgemeinen zutage: Die "Freiheit", als "Gleicher" unter lauter "Gleichen" Schutzgelder an einen anonymen, brutalen Beamtenapparat abführen zu dürfen, wurde in ganz demokratischer Art und Weise auch den Frauen zuteil, die mit ihrer "Emanzipation" in das Kollektiv der steuerzahlenden Staatssklaven überführt wurden. Mit Abgabequoten jenseits der 60%-Marke für Normalverdiener in der überwiegenden Mehrzahl der westlichen Demokratien und einer ständig schwindenden Kaufkraft der diversen Fiat-Währungen bei gleichzeitigem Erfüllungsdruck für die holde Weiblichkeit (gesellschaftlicher Zwang zur erfolgreichen eigenen Karriere, Ankämpfen gegen angebliche Benachteiligung, gläserne Decken etc.) dürfte es kein großes Mysterium sein, warum gerade die Intelligentesten heutzutage nicht einmal mehr die für die Bestandserhaltung notwendige Reproduktionsrate vorweisen können.

Ich persönlich habe als Mitwirkender in der Lehre an einer süddeutschen Universität (Fachbereich Mathematik & Informatik) übrigens die Auswirkungen einer verfehlten, von einer absonderlichen Gleichheitsideologie beherrschten Bildungspolitik selbst erlebt und erlebe es auch immer noch täglich. Erstmals überstieg im Jahr 2013 die Anzahl der Erstimmatrikulationen an (tatsächlichen und vermeintlichen) deutschen Universitäten die Zahl derjeniger, die eine Lehre begonnen haben. Da zu einem gegebenen Zeitpunkt aber lediglich 5%-10% eines Jahrgangs (dies lehrt uns Weiss' Entdeckung von den drei Allelen des Intelligenz-Gens und deren empirisch vorliegenden Verteilungen in der Bevölkerung) in der Lage sind, ein anspruchsvolles naturwissenschaftlich-mathematisches Studium erfolgreich zu absolvieren, sind bereits hier die bedrohlichen Disparitäten erkennbar, die letztenendes die Grundlagen der hohen Produktivität der deutschen Volkswirtschaft schleifen werden. Durch die hier herrschende gigantische Fehlallokation von knappen Ressourcen werden Minderbegabte im ungünstigsten Fall jahrelang in aussichtslosen Studentenlaufbahnen gebunden, während die Intelligentesten durch die gleichzeitige Minderung der Anforderungen an allen Fronten ebenfalls immer mehr zur Verliererseite gezählt werden müssen. Dies macht sich schon bei den Abiturienten bemerkbar, die auch in Bundesländern wie Baden-Württemberg demnächst die Reifeprüfung ablegen werden können, ohne jemals etwas von den binomischen Formeln gehört zu haben. Entsprechend wunderlich nehmen sich Fragen von Studenten im Grundstudium aus, die sich erkundigen, ob in den Semesterabschlußklausuren mathematische Formeln gewußt werden müssen (so geschehen in einer Vorlesung zur Orbitaldynamik bei uns). Hinter vorgehaltener Hand sprechen einige Dozenten von der Notwendigkeit, entweder einen numerus clausus oder besser gleich eine mathematische Aufnahmeprüfung zur Voraussetzung zu machen, was aber politisch in Zeiten der Verheerungen der Bologna-Reform nicht länger machbar ist.

Obschon ich selbst ein ausgeprägtes Interesse an den Zusammenhängen zwischen Ökonomie, politischer und philosophischer Ideengeschichte und verwandten Disziplinen habe, fiel mir das Buch mehr zufällig in die Hände - schuld daran dürfte nicht zuletzt die Tatsache sein, daß sich für seriös und (vor allem!) politisch untadelig haltende große Verlage es nicht mehr für opportun halten dürften, offene Worte, wie Volkmar Weiss sie findet, unter der eigenen Flagge zu veröffentlichen. Umso wichtiger ist es, daß - einfach gesagt - mehr, ja viel mehr gewußt wird von den Leuten, die es angeht. Zur Erhellung vieler Fragen, die der interessierte Leser sich zum besprochenen Themenkomplex gestellt haben mag (und auch solchen, von deren Existenz er bislang noch nicht einmal etwas geahnt hat!), kann "Die Intelligenz und ihre Feinde" einen wichtigen Beitrag liefern. In diesem Sinne kann ich Weiss' wertvolles Werk nur jedem ans Herz legen, der etwas über die anthropologischen Hintergründe des vorherrschenden wirtschaftlichen und demographischen Verfalls der westlichen Welt erfahren möchte. Hut ab!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein hilfreiches Buch, 4. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Gegenstand dieser umfänglichen Arbeit ist nichts weniger als die Entwicklung unserer modernen (westlichen) Industriegesellschaft, wobei sie der Verfasser schon in der Phase ihres zwangsläufigen Verfalls resp. Untergangs sieht.
Ausgangspunkt der Betrachtungen ist der Zusammenhang von Bevölkerungsentwicklung und kreativen Potenzialen in Gesellschaften. Dazu benutzt der Verfasser die Betrachtung der Entwicklung der Intelligenzunterschiede in den verschiedenen Entwicklungsphasen der westlichen Gesellschaften seit der Renaissance. Wer bis dato politisch korrekt an eine alleinige Bestimmung dieser Intelligenzentwicklung durch soziale Faktoren (Bildungsangebot etc.) geglaubt hat, muß hier schon ins Zweifeln kommen. Weiss geht allerdings noch einen Schritt weiter und zeigt in umfänglichen historisch-empirisch gestützten Beweisketten, dass seit Beginn des 16. Jahrhunderts zunächst in England, und später in Frankreich, Deutschland, Skandinavien u. a. Ländern Mittel – und Westeuropas eine Entwicklung in Gang gekommen ist, die durch größere Überlebenschancen der Kinder der wirtschaftlichen Intelligenz zu einer Anreicherung der Gene, die einen höheren Intelligenzquotienten (IQ) bedingen, geführt hat. Diese Entwicklung hat nach dem Verfasser den Aufbau der modernen Industrie- und Wissensgesellschaft erst ermöglicht, da genügend Leistungsträger zur Verfügung gestanden haben, sichtbar u.a. in der damit verbundenen Entwicklung von Erfindungen und z.B. den daraus resultierenden Patentanmeldungen. Die Aufstiegsphase moderner Industriegesellschaften wurde somit wesentlich bestimmt von Innovationsreichtum geriert durch einen Anstieg des mittleren IQ der jeweiligen Gesellschaften. Der daraus folgende soziale Aufstieg führte über eine Senkung der Sterblichkeit aller Altersklassen zu einer Bevölkerungsstruktur mit einem überproportional großen Anteil von Jungen (Männern) die ihren Platz in der Gesellschaft suchen müssen. Das sind die aus der anglo-amerikanischen Wissenschaft bekannt gewordenen und heute vor allem in der „Dritten Welt“ relevanten „youth bulges“, die, wenn keine Ventile wie Auswanderung vorhanden sind, zu gesellschaftlichen bis hin zu militärischen Konflikten führen können.
Im logischen Schluß nach Weiss beginnt nun der Abstieg der Industriegesellschaft mit sinkenden durchschnittlichen Intelligenzquotienten, den Beginn dieser Entwicklung bestimmt er schon um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, allerdings mit deutlicher Beschleunigung seit den 70er Jahren für Deutschland. Seit dieser Zeit beherrscht das Gleichheitsbestreben die öffentliche Diskussion, es werden nicht nur erbliche Intelligenzunterschiede geleugnet, es werden durch falsche Anreize auch die Leistungsstarken entmutigt und die Leistungsschwachen gefördert, unter anderem deshalb, weil sich die um Mehrheiten kämpfenden Parteien in Versprechungen überbieten und den Staat überschulden. Dadurch gelingt es den Industriegesellschaften häufig nicht mehr, im ausreichenden Maße für qualifizierten Nachwuchs zu sorgen. Dieser Prozess der Selbstzerstörung wird noch zusätzlich durch eine, insbesondere in Deutschland durch eine von Beginn an nicht gestaltete Zuwanderung dynamisiert. Der Autor konstatiert hier eine Situation, die, kombiniert mit steigenden Energiepreisen dazu führen wird, dass die modernen (europäischen) Industriestaaten ihren bisherigen Lebensstandart nicht mehr werden halten können. Die sozialen und politischen Folgen sind nach Weiss offensichtlich, die Entscheidung über das Schicksal der Industriegesellschaften wird nach dem Autor bereits in den nächsten Jahrzehnten fallen, der Showdown erscheint also gewiss, die Entwicklung ausweglos.
Man kann in vielen, auch zentralen Punkten dieser Argumentation anderer Meinung sein, was letztlich aber die wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussion erst ermöglicht, notwendig und hilfreich hierfür ist das Buch allemal.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Frage, ein Meisterwerk!, 17. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Woher kommen wir, wohin gehen wir, und wo stehen wir heute? Dies sind die Grundfragen eines jeden Menschenlebens und letztlich jeder Gemeinschaft und Gesellschaft. Volkmar Weiss greift diese existentiellen Orientierungen in seinem Buch „Die Intelligenz und ihre Feinde“ auf eine einzigartige, aber auch bedrückende Weise auf. Dieses Werk will so gar nicht in unsere heutige Spaßgesellschaft passen. Es entlarvt die dümmliche, vorteilsbehaftete politische Korrektheit auf nahezu jeder Seite. Es hält dem Gemeinwesen und seinen Verantwortlichen, Politikern und sogenannten Eliten einen Spiegel vor. Obwohl es sich um eine humangenetische, teilweise soziologische Untersuchung handelt, hat das Buch einen zutiefst philosophischen Kern: „Erkenne Dich selbst!“, das ist der tiefe Grundimpuls des Bandes. Diese Forderung geht jedoch weit über den Einzelnen hinaus, denn es wird die absehbare Entwicklung des menschlichen Geschlechts in den nächsten 20-150 Jahren erörtert.
Besonders gut hat mir die Formulierung gefallen, dass die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten durch ein Nadelöhr gehen muss. Dabei werden peak-oil und die aufziehende Energiekrise ebenso angesprochen wie die mentalen Verwerfungen des Erziehungssystems und der Gesellschaft, die dieses kritische Zeitgeschehen begleiten. Sehr gut beschreibt der Autor, dass es die eigentlich ideologisch Gescheiterten sind, welche die Redaktionen der Massenmedien beherrschen und die Menschen somit in der Trägheit und Unwissenheit verharren lassen.
Völlig richtig analysiert Weiss weiterhin, dass es in einem demokratischen Industriestaat nahezu unmöglich ist, diese selbstzerstörerische Entwicklung umzukehren. Weiss beschreibt das Versagen des demokratischen Systems in allen seinen Facetten, natürlich immer unter wesentlicher Berücksichtigung der Intelligenzforschung, und knüpft hier an etliche große, besonders libertäre, Denker an. Genannt sei hier nur Alexis de Tocqueville, der in seinem Werk über die Demokratie in Amerika vor nahezu 180 Jahren schon folgende Zukunftsschau über den demokratischen Menschen anstellte: „Ich sehe eine zahllose Menge einander ähnlicher und gleicher Menschen, die sich ohne Unterlaß um sich selbst bewegen, um sich kleine und vulgäre Freuden zu verschaffen, die ihre Seele ausfüllen…Über ihnen allen aber erhebt sich eine ungeheure Vormundschaftsgewalt, die allein sich damit befaßt, ihre Annehmlichkeiten zu sichern und über ihr Ergehen zu wachen…Sie wäre der väterlichen Gewalt zu vergleichen, wenn wie bei dieser das Ziel die Erziehung zum erwachsenen Menschen wäre; aber sie sucht im Gegenteil, die Menschen unabänderlich im Zustand der Kindheit zu halten… Auf diese Weise macht sie mit jedem Tag den Gebrauch des freien Willens sinnloser und seltener.“
Dass es Weiss in seiner großartigen Geschichtsschau am Rande sogar gelingt den Bogen zum ungedeckten Papiergeldsystem mit all seinen zerstörerischen Auswirkungen zu spannen, spricht für die vollkommen umfassende Analyse, die nirgendwo stehen bleibt und die Fäulnis bis in den letzten Winkel erkennt und ausleuchtet.
Volkmar Weiss hat ein absolutes Meisterwerk geschrieben. Wer es nicht gelesen hat, wird weniger von den kommenden Stürmen verstehen…Schade, dass es bei Amazon keine zehn Sterne zu vergeben gibt...:-)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und sie bewegt sich doch, 15. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist eine Herausforderung, auch für den Rezensenten. Es zwingt dazu, etliche Stunden mehreren komplexen Gedankengängen auf mitunter unbekanntem Gebiet zu folgen. Der rote Faden ist die menschliche Intelligenz. Ein zweiter, ein blauer Faden, wenn man so will, schlängelt sich, zumeist verborgen, durch das Buch: Was folgt für das 21. Jahrhundert aus dem, was hier dargeboten wird. Dazu eine Bemerkung am Schluss der Rezension, denn Prognose erscheint mir nur zulässig, wenn die Diagnose stimmig ist.

Die Vererblichkeit der menschlichen Intelligenz hat den Autor sein Forscherleben lang umgetrieben. Dieses Forscherleben begann in der DDR mit einer Arbeit über die Vererblichkeit mathematischer Begabung. Ja, richtig gelesen, denn so etwas durfte es im realen Sozialimus bekanntlich theoretisch gar nicht geben. Gab es aber, und Weiss machte weiter.

Als Grundinformation ist im Buch nachzulesen, welch rasanten Weg die Intelligenzforschung ein Jahrhundert lang genommen hat und dass sie, heute kaum noch vorstellbar, ein Kind des politischen Sozialismus ist. Ihm ging es darum, dass messbare Begabung und nicht Herkunft entscheidend sein sollten. Beherrschte früher zur Erhärtung von Theorien die Statistik das Feld, so ist es heute die Biochemie, das Vordringen in die Welt der Gene, zu ihren Standorten und Funktionen. Weiss nimmt den Leser mit auf eine, nämlich seine lebenslange Forschungsreise zum Intelligenz-Gen, dessen Existenz er mit Nachdruck vertritt. Und zwar ist es nach seiner Meinung ein einziges, ein „Hauptgen“, wie er es nennt. Es folgt den Mendelschen Gesetzen, bereits die statistischen Auswertungen von Intelligenzmessungen zu Vorfahren und Nachkommen ließen alles andere, etwa die Verantwortlichkeit einer Vielzahl von Genen für die Ausprägung der Intelligenz, extrem unwahrscheinlich werden.

Zum Forscherleben des Volkmar Weiss gehört eine bemerkenswerte Ost-West-Erfahrung, an der er den Leser ausgiebig teilhaben lässt. Während die Forschung der DDR sich in bemerkenswerter Weise vom Sozialismus und seinen Denkbeschränkungen abwendete, also praktisch, wenn auch nicht öffentlich propagiert, nach rechts bewegte, war es in Westdeutschland nachgerade anders herum. Forscher unterwarfen sich Denkverboten. In der von Weiss beackerten Wissenschaftssparte der Intelligenzforschung wurde die Erblichkeitsvariante der Intelligenz zum Tabu. Stattdessen war und ist die Erlernbarkeit Trumpf. So kommt es heute zu einem Forschungs-Paradox: Während sich die Gen-Forschung mit größtem Aufwand um Ursachen und Standort von Geisteskrankheiten kümmert, lässt sie das Feld der normalen Intelligenz lieber unbeackert.

Fragt man nach den Ursachen dieser unbegreiflich erscheinenden Pendelbewegungen, kommt man zu ernüchternden Ergebnissen. Etwa so: Die an Ressourcen arme DDR musste ihr Humankapital über ideologische Barrieren hinweg ausschöpfen, um fortexistieren zu können. Der Westen, der zum Glück ohne Sozialismus starten durfte, konnte sich, reich, fett und bewegungsarm geworden, eine Heilsreligion leisten: Aus der schon aus den Zeiten Preußens bekannten Gleichheit vor dem Gesetz wurde Schritt um Schritt die Lehre von der Gleichheit aller Menschen. Jeder kann alles. Doch dieser Satz taugt bestenfalls für geisteswissenschaftliche Seminare. Er führt sich bereits ad absurdum, wenn man eine Stunde auf der Mauer eines Kindergartens sitzt und das Treiben vor sich betrachtet. Hier spielen die Gewinner und die Verlierer von morgen. Mit Blick auf dieses Zuschauen sei hinzugefügt: Ich bin ein radikaler Befürworter der Gleichheit vor dem Gesetz, sie ist für mich ein Gebot der Humanitas.
Die Beobachtungen von Weiss zur gegenläufigen Entwicklung des Wissenschaftsbetriebes in Ost und West würden es verdienen, auf einer viel allgemeineren Ebene vertieft überprüft zu werden. Der Rezensent vermag dies keineswegs, aber er erinnert sich nur zu gut an die entgegengesetzten Tendenzen in den Geschichtswissenschaften. Während sich die DDR-Forscher in den 1980ern auf die großen deutschen Einzelfiguren wie Bismarck und Luther besannen, und damit vom verordneten Geschichtsbild des Marxismus-Leninismus rapide wegbewegten, verwendete die Westelite ihre Kapazitäten auf die Entwicklungsstufen des Abwassersystems in Gelsenkirchen-Buer im ausgehenden 19. Jahrhundert und gleichwertige, als spannend bezeichnete Themen.

Zurück zum Buch: Bei einem solchen Forscherleben mit seinen Höhenflügen und Enttäuschungen ist es nicht zu verwundern, dass das Buch von Weiss auch immens politisch geworden ist. Am Anfang mag ihn die Frage nach den Gründen für den Aufstieg und Verfall von Gesellschaften umgetrieben haben. Einem Zusammenhang zwischen Intelligenz und Auf- und Abstieg nachzusteigen, lag wohl nahe. Die Frage, ob erhöhte Intelligenz bewusst weitergereicht wurde, war vermutlich der nächste notwendige Schritt. Er drängte sich auf, wenn man diverse Stichproben untersuchte, die das Fortpflanzungsverhalten der ländlichen wie auch städtischen Bevölkerung in Deutschland zum Gegenstand hatte, und wenn man damit auch noch die Schulnoten der Probanden verglich. Das erstaunliche Ergebnis: Es pflanzte sich bevorzugt fort, wer etwas darstellte und auch noch gute Schulnoten hatte. Leute mit guten Schulnoten waren zudem signifikant die späteren Aufsteiger. Das sieht nicht unbedingt nach dem Gleichheitsprinzip aus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhinderts knickte dieser Aufwärtstrent in Deutschland ein. Bei anderen Wohlstandsgesellschaften geht die Entwicklung mit zeitlicher Staffelung ähnlich: Wohlhabenheit bedeutet zugleich einen Verzicht auf Kinder.

Ernsthafte Gegner von Weiss werden an solchen Stellen einzuwenden wissen, dass es gerade die ständische Gesellschaft war, die den Kindersegen an den Besitz koppelte. Wer arm war, konnte sich Kinder nicht leisten. Und er wird ergänzen: Wie gut, dass es heute anders ist. Zuwandernde Sippen leben einkommenslos vom Kindergeld und bereichern uns auf diese Weise. Nun ist Weiss penetrant genug, dass er diese Bereicherung bestreitet. Die unterdurchschnittliche Intelligenz der gesellschaftlichen Randgruppen und deren zahlreiche Nachkommen senke, so sagt er, zum Schaden des Ganzen den Intelligenzquerschnitt der Bevölkerung. Bei diesen Aussagen gibt es zwei Probleme: zum einen sind die Argumente des Autors bevorzugt statistisch untermauert, also mathematisch, was nicht jedem, der über das Thema mitreden möchte, liegt, zum andern ist es so, dass es die allgemeine Bestreitensformel gibt, wonach Intelligenz, wenn sie nicht überhaupt in Abrede gestellt wird, allein durch die Umwelt ausgeprägt zu werden pflegt.

Das ist das Prinzip Hoffnung. Für alle. Bis auf die paar Begabten, aber die sind statistisch sowieso keine Größe, die bei demokratischen Entscheidungen zu messbaren Ergebnissen führen würde, sagt der Autor. Wie gesagt, manches wäre zum Buch von Weiss noch zu sagen, zum Beispiel über die egalitäre Demokratie, deren Verteilungsstreben nach Weiss notwendig in den Absturz führen müsse. Damit sind wir am oben bereits angedeuteten blauen Faden des Buches angelangt. Wie sieht es bei uns zulande in dreißig vierzig Jahren aus? Weiss hierzu: Die Verteilungsgesellschaft münde denknotwendig in dem, was er das Große Chaos nennt. Und schlimmer noch: Die Gegenwärtigen würden nicht die Kraft finden, an diesem sicheren Absturz etwas zu ändern. Weiss behauptet zudem, man könne die Absturzgeschwindigkeit mathematisch ermitteln. Nach einem Kampf aller gegen alle würden nur die Robustesten in kleinen Organisationsinseln übrig bleiben. Wir, die Leser, werden vermutlich die Richtigkeit dieser Prognose nicht mehr überprüfen können. Ob unsere Kinder oder deren Kinder das Buch von Weiss kritisch prüfend zur Hand nehmen werden, ist sehr die Frage. Grund-Voraussetzung wäre wohl, dass sie lesen können.

Der Rezensent ist sich bewusst, dass das Vorstehende nur ein Ausriss aus einem gigantischen Leseeindruck ist, der schon dadurch entsteht, dass der Autor den Leser auf ein Gebiet zwingt, auf dem jeder eine Meinung, aber eben nur diese hat. Dass seit über hundert Jahren auf dem Gebiet der Intelligenz auch ernsthaft wissenschaftlich geforscht wird, wird dem gebildeten Leser als Tatsache ebenfalls bekannt sein. Aber spätestens, wenn es darum geht, was sich dort getan hat, was getan wird, wer es tun, und was dabei herausgekommt, wird der normale Leser die Achseln zucken. Nicht wichtig? Doch es ist wichtig, denn es ist ein Ausflug in den Kern des Menschseins, in das Essenziale, wenn man so will, das, was ihn vom Tier unterscheidet. Das Wissen um die menschliche Existenz verändert sich rapide.

Noch einmal: Dieses sind nur Aspekte dieses voluminösen Werks, das sich auch nicht scheut, eine Relation des Grundthemas zum Energieverbrauch herzustellen. Ein Zusammenhang? Ja, meint der Autor, allerdings. Wieder ist es ein Ausflug in die Technik und die Zusammenhänge der Naturwissenschaften. Das, was dort zu lesen ist, wird den allerwenigsten gefallen. Ganz und gar nicht, wenn man an die Formeln unserer politischen Klasse glaubt: Die Renten sind sicher und Strom kommt aus der Steckdose. Die Wirklichkeit ist komplexer. Das nur als Anstoß zum Lesen. Es ist ein Buch, an dem man sich reibt.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Notwendige Warnung, 24. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Das Buch "Die Intelligenz und ihre Feinde" von Volkmar Weiss ist eine notwendige - wenn auch nicht ganz leicht zu lesende - Warnung. Es ist kein Buch, das man mal so schnell nebenbei zwischen Schichtende und Abendbrot beim Feierabendbierchen liest. Manche Sätze muß man mehrmals lesen, weil sie so schwer verständlich, andere, weil sie so schwer verdaulich sind.
Dabei nimmt der Autor weder ein Blatt vor den Mund, noch ist er politisch korrekt. Er ist mit dem, was er schreibt zuweilen sehr unbequem. Das wird ihm der eine oder andere vorwerfen und ihn ins politische Abseits stellen wollen. Doch genau besehen ist nicht er unbequem, sondern die Wahrheiten, die er in seinem Buch verkündet. Außerdem vergißt der Autor bei allem nie die Quellenangaben. Jeder der möchte, kann nach- und weiterlesen.
Im Buch geht es - wie der Titel bereits verrät - um die Intelligenz; konkret die genetisch bedingten Unterschiede zwischen den Menschen. Und diese Unterschiede werden nach Meinung des Autors von der Politik oft geleugnet, eingeebnet, verfolgt und dies in Diktaturen gleichermaßen wie in Demokratien. Der Sozialismus, wie auch die modernen Demokratien sahen und sehen die Intelligenz aus ideologischen Gründen als ihren Feind an, schwimmen im seichten Wasser des Gleichheitsstrebens und der Mittelmäßigkeiten und seien so zum Scheitern verurteilt, was Weiss an unzähligen Beispielen zu belegen versucht. Sein Fazit: Der Erfolg einer Kultur, einer Gesellschaft eines Staates dagegen hängt von der Förderung der Intelligenz ab.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht geeignet für Durchschnitts-Gutmenschen, 19. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch gehört sicherlich zu den interessantesten Darstellungen unserer heutigen Gesellschft. Ich bin mir sicher dass dieses Buch Politikern, Sozialpädagogen, Politologen, linken Journalisten, Germanisten, Theaterwissenschaftlern sowie allen anderen Stützen und Leistungsträgern unserer Industrienation nicht sonderlich gefallen wird. Für mich ein klarer Grund zum Kauf und zur Weiterempfehlung.
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Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft
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