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5.0 von 5 Sternen Das verdrängte Kriegsvölkerrecht, 9. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Zerstörung deutscher Städte im Luftkrieg: "Morale Bombing" im Visier von Völkerrecht, Moral und Erinnerungskultur (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beginnt mit den Feuersturmangriffen auf Dresden. Mir imponieren die präzise Darstellung und der völlig neue juristische Blickwinkel. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit", so Schumacher, habe es in Dresden mindestens 25.000 Tote gegeben. Höhere Zahlen ließen sich mit diesem strengen Beweisgrad nicht begründen "Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit", auf die es in der Geschichtswissenschaft ankomme, betrage die Opferzahl jedoch 100.000 bis 150.000.

Die Folgekapitel liefern spannende Analysen der wichtigsten Moralphilosophien. Das Ergebnis bleibt immer gleich: Die Stadtvernichtungsangriffe waren barbarisch! Das gelte, so der Autor, sogar nach der konsequentialistischen Ethik angelsächsischer Denker, derzufolge ein guter Zweck auch die bösesten Mittel rechtfertigen könne. Eine solche "Verantwortungsethik" fordere die Beachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips, woran es bei den Bombardierungen deutscher Innenstädte eindeutig fehle.

Auch eine vermeintliche Kollektivschuld ändert daran nichts. Gegen Richard von Weizsäcker ("wer seine Augen und Ohren aufmachte, dem konnte nicht entgehen, daß Deportationszüge rollten"), stellt Schumacher klar, daß selbst eine - kaum beweisbare - Kenntnis vieler Deutscher von schlimmen NS-Verbrechen keine Kollektivschuld begründet hätte. "Widerstand in einer Tyrannei setzt Heroismus voraus: Heroismus mit der Bereitschaft, die schrittweise Entrechtung der eigenen Person bis hin zur Vernichtung der physischen Existenz zu erdulden." So etwas im Nachhinein von seiner Eltern- und Großelterngeneration zu fordern, habe wenig mit Moral, aber viel mit pharisäerhaften Verbiegungen der eigenen Psyche zu tun.

Waren die vor Inkrafttreten der Genfer Konvention geflogenen Flächenangriffe aber auch Kriegsverbrechen im Sinne des Völkerrechts? In einem "rechtstheoretischen Exkurs" weist Schumacher nach, daß die anglo-amerikanischen Luftstreitkräfte (gelegentlich auch die deutsche Luftwaffe) zentrale Normen der Haager Landkriegsordnung von 1907 verletzten. Das wirft die von Juristen und Politikern ignorierte Frage nach straf- und entschädigungsrechtlichen Folgen auf. Der Autor geht ihr in allen Verästelungen nach, auch mit Hilfe eines "fiktiven Dresden-Tribunals" gegen Winston Churchill und Arthur Harris. Manches mag pathetisch klingen, was durch den geschickt aufgebauten Spannungsbogen und das überragende Argumentationsniveau aber mehr als wettgemacht wird.

Überreich an Information sind die beiden Kapitel zur Bombenkriegserinnerung. Geschildert werden krampfhafte Versuche, das stereotype Schema "deutsche Täter / nichtdeutsche Opfer" um jeden Preis zu zementieren. Klartext wurde fast nur in der DDR geredet: "Höllenfeuer aus Menschenhand" (Heidefriedhof Dresden), "Euch Lebende mahnen 3330 Opfer des Bombenterrors" (Parkfriedhof Berlin-Marzahn). Geschah das ausnahmsweise einmal im Westen, dann half die Natur bei der politisch korrekten Vergangenheitsbewältigung mit. Der Granitstein mit der Aufschrift "Trauernd gedenkt die Stadt der erschlagenen Söhne und Töchter - wehrlose Opfer der Willkür" (Nordfriedhof Hildesheim) ist infolge Verwitterung kaum mehr zu lesen.

Schumachers Buch fährt da fort, wo Jörg Friedrichs Bestseller "Der Brand" aufhört!
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Die Zerstörung deutscher Städte im Luftkrieg: "Morale Bombing" im Visier von Völkerrecht, Moral und Erinnerungskultur
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