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5.0 von 5 Sternen Ungarn seit dem Fall des Eisernen Vorhangs
Innerhalb von kaum 20 Jahren hat sich das Ungarnbild in der europäischen Öffentlichkeit radikal geändert. Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind Europas, dem nachgesagt wird es könnte durch eine Krise die ganze südosteuropäische Region erschüttern. Wie es dazu kommen konnte stellt die meisten Beobachter vor eine unangenehme Frage, denn...
Veröffentlicht am 17. Oktober 2010 von Mario Pf.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Populisten und Alleinherrschern
Wer erklärt mir Ungarn, dessen wirtschaftliche / politische Vergangenheit, Gegenwart und liefert mir eine Einschätzung bzgl. dessen Zukunft?

Warum mich diese Fragen beschäftigten und letztlich dazu führten, dass ich mir ausgerechnet dieses Buch zugelegt habe? In 2010 war ich in Budapest, ein verlängertes Wochenende - im einstigen...
Veröffentlicht am 7. September 2011 von Stephan Seither


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Populisten und Alleinherrschern, 7. September 2011
Von 
Stephan Seither (Berg / Rheinland-Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Wer erklärt mir Ungarn, dessen wirtschaftliche / politische Vergangenheit, Gegenwart und liefert mir eine Einschätzung bzgl. dessen Zukunft?

Warum mich diese Fragen beschäftigten und letztlich dazu führten, dass ich mir ausgerechnet dieses Buch zugelegt habe? In 2010 war ich in Budapest, ein verlängertes Wochenende - im einstigen Ostblock zu Gast, erstmals - die Stadtrundfahrt war voller Anspielungen bzgl. der "Veränderungen" seit dem Wegfall des Eisernen Vorhangs - von Seilschaften und Wendehälsen war dabei immer wieder die Rede...

Mehr oder weniger per Zufall bin ich über Paul Lendvai gestolpert - 1929 in Ungarn geboren, schon Jahre vor dem Ungarn-Aufstand verhaftet, dem Regime gegen den Strich gegangen - letztlich die Flucht nach Österreich gelungen, Österreicher seit 1959 und dort über die Medien, aus unterschiedlichen Funktionen heraus, Zeitzeuge, praktisch aus der ersten Reihe heraus, zudem mit direktem Zugang zu eben jenen Kreisen, auf welche die Ausführungen der Fremdenführerin abzielten ... - die vermutlich für meine Zwecke ideale "Quelle" schien gefunden.

Fazit: Bei aller informativen Fülle und interessanter Einblicke, kann nicht gerade behaupten, dass der Autor mir das ihm vertraute Land und dessen wirtschaftlichen/politischen Verbindungen, den Filz und dessen Amigos, als leicht verdauliche Kost geliefert hat - vermutlich muss man sich zuvor über einen längeren Zeitraum mit Ungarn beschäftigt haben, um dem Buch so etwas wie "Lesevergnügen" abgewinnen zu können.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungarn seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, 17. Oktober 2010
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Innerhalb von kaum 20 Jahren hat sich das Ungarnbild in der europäischen Öffentlichkeit radikal geändert. Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind Europas, dem nachgesagt wird es könnte durch eine Krise die ganze südosteuropäische Region erschüttern. Wie es dazu kommen konnte stellt die meisten Beobachter vor eine unangenehme Frage, denn die wenigsten haben dem für die Donaumonarchie und das mitteleuropäische Machtgefüge einst so bedeutendem Land bis zu den Schreckensnachrichten um ein Aufflammen von Antisemitismus, Rassismus und einer regen Wiederverwendung von Pfeilkreuzler-Symbolik Aufmerksamkeit geschenkt. Dass Ungarn im Zuge der Wahlen des Jahres 2010 und der Finanzkrise ins Licht einer breiteren europäischen Öffentlichkeit zurückgekehrt ist überrascht jedenfalls nicht mehr, hat sich der Musterschüler in eine für die Europäische Union recht unvorteilhafte Lage manövriert.

Wie es soweit kommen konnte beleuchtet der Osteuropa-Experte Paul Lendvai in seinem neuesten Buch, das sich mit einer Geschichte Ungarns seit der Wende bis ins Jahr 2010 auseinandersetzt und damit auch Lendvais frühere Werke über seine ursprüngliche Heimat, wie "Ungarn: Eine tausendjährige Geschichte" fortsetzt. So manches Thema das Lendvai in seinem aktuellsten Werk über Ungarn aufarbeitet ist dem interessierten Leser teils auch bereits in der von Lendvai mitherausgegebenen und als Chefredakteur maßgeblich mitgeprägten "Europäischen Rundschau" begegnet. MEIN VERSPIELTES LAND fasst diese Artikel jedoch nicht als Sammelband zusammen, sondern ist eine keineswegs selbstverständliche Eigenproduktion Lendvais, der dafür selbst zur Feder gegriffen hat und das verleiht dem Werk gleich eine ganz besondere Note, denn es folgt damit einem deutlichen roten Faden und homogenen Stil.

In MEIN VERSPIELTES LAND zeichnet Lendvai primär die Entwicklung Ungarns seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nach und orientiert sich dabei am Aufstieg und Fall der jeweiligen Regierungen und ihrer Ministerpräsidenten. Doch er verfolgt auch die Wurzeln der Faktoren welche zu den Krisen der letzten Jahre und Jahrzehnte geführt haben, etwa der ungarischen Spielart von Geschichtsverklärung und Fremdenfeindlichkeit, welche sogar zur Gründung der Ungarischen Garde durch die rechtsradikale Partei Jobbik geführt hat oder die durch Viktor Orbáns Regierungsbündnis forcierte Übernahme der Medien in den letzten Jahren, sowie den Zerfall der großen Sammelpartei MDF und den Untergang der durch Korruption und interne Machtkämpfe gebeutelten Sozialisten/Postkommunisten.

Was Lendvais Werk so besonders macht, er verknüpft Zeitgeschichte mit brandaktueller Politik und stützt sich dabei auf Quellen die nur jenem erlesenen Korrespondentenkreis zugänglich sind, die des Ungarischen mächtig sind, womit er sich von frei von der Leber weg philosophierenden Kollegen gleich einmal abhebt. Lendvai versteht Ungarn wie kaum ein anderer und er nutzt dieses Wissen auf die denkbar beste Art, nämlich um es an die interessierten Leser weiterzugeben. Was Lendvais MEIN VERSPIELTES LAND auszeichnet ist dass der Autor mehr als bloß seine Hausaufgaben gemacht und sich auf die entsprechenden Quellen gestürzt hat. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen journalistischen Tätigkeit und Beschäftigung mit den Geschehnissen in Lendvais Heimatland. Somit durfte Lendvai bereits mit vielen der von ihm vorgestellten Persönlichkeiten bereits persönlich sprechen und nicht nur das eine oder andere Interview führen. Dass Lendvais Buch bei all dem dennoch sehr gut verständlich und kompakt geblieben ist überrascht, doch darf zugleich als Einladung dienen sich mehr mit dem so fremden Nachbarn auseinanderzusetzen.

Fazit:
Ein eindrucksvolles Buch über Ungarns Wandel seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Packend erzählte Zeitgeschichte kombiniert mit höchst informativen politischen Facts.
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irgendwann beginnen sie zu stinken, die Leichen im Keller, 13. Dezember 2010
Von 
Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Damit hatte der 81jährige ungarischstämmige österreichische Journalist und vielfache Buchautor Paul Lendvai wohl nicht gerechnet: Der österreichische Botschafter in Berlin sagte eine Präsentation des Buches in Berlin ab (um die guten Beziehungen Österreichs zu Ungarn nicht zu gefährden); dasselbe passierte mit einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in Frankfurt Ende November 2010.
Auch in Zürich, wo der Autor sein Buch präsentierte, war es zu Demonstratonen gekommen.
Warum diese Aufregung (vor allem, aber nicht nur) in Ungarn?
Im Wesentlichen analysiert Lendvai die Politik Ungarns in den letzten 20 Jahren, geht aber immer wieder noch weiter in die ungarische Geschichte zurück. Für ihn ist sein geliebtes Ungarn - auch wenn er flüchten musste - "der kranke Mann Mitteleuropas", denn es habe in Ungarn - damit steht das Land aber nicht allein da - keine offene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gegeben, vor allem nicht mit seiner Rolle im 2. Weltkrieg. Alles, was unangenehm sei, werde verdrängt, verschwiegen und beschönigt (dieses Geschäft erledigten vor allem diverse Parteien, aber auch die Presse und die beiden christlichen Kirchen).
Eine besonders schlimme Sache seien der Antisemitismus und der Rassismus, der sich gegen Sinti und Roma richte.
Im Mittelpunkt der Kritik steht der aktuelle Ministerpräsident Orban mir seiner Fidesz-Partei (er regierte auch schon 1998 - 2002). Mit 52% der Stimmen errang Orban 2010 mehr als 2/3 der Parlamentssitze und baut nun das Land nach seinen Vorstellungen um. Er hat die totale Macht über die Medien übernommen; Kritiker werden kaltgestellt. Er pflege einen "völkischen Antikapitalismus", so Lendvai.
Wegen dieses Buches wird der Autor in Ungarn inzwischen geschnitten (obwohl er in Budapest eine Zweitwohnung hat); selbst Exilungarn lassen sich leider ebenfalls für diese Kampagne einspannen.
Frage: Ungarn übernimmt am 1.1.2011 den EU-Vorsitz für ein halbes Jahr. Wie werden sich das Land und sein Ministerpräsident präsentieren?
Ein ganz, ganz wichtiges (und glänzend geschriebenes) Buch, dem man viele Leser wünscht!
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2.0 von 5 Sternen Eine Enttäuschung, 1. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Das Positive zuerst: Lendvai ist gebürtiger Ungar und hat auch noch eine Wohnung Budapest, man trifft dann doch immer wieder auf Informationen, die anderen Autoren nicht zugänglich sind. Aber diese Informationen sind nicht ausreichend um dieses Buch wirklich lesenswert zu gestalten. Es ist im Grunde eine episodenhafte Kampfschrift eines linksliberalen Journalisten (Gyurcsany ist für ihn ein "Strahlemann " ), dessen Absicht es ist Orbán und seine FIDESZ zu diskreditieren (Antisemitismus, Rassismus, Bonapartismus ect.) Wer eine sachliche Analyse der aktuellen soziologischen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse Ungarns erwartet wird enttäuscht sein.
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3.0 von 5 Sternen Prof. Lendavai berichtet über Ungarn und sein Leben als Journalist, 23. November 2010
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Paul Lendvai analysiert in "Mein verspieltes Land" Ungarns Wandel von fortschrittlichsten Staat Osteuropas hin zum Sorgenkind Europas. Besonderes Augenmerk legt der Autor auf den Rechtsruck Ungarns. Er beschäftigt sich mit Persönlichkeiten wie Viktor Orban, Jozsef Antall und Ferenc Gyurcsanys.

Für mich persönlich war das Buch ein Fehlgriff, wahrscheinlich weil es mir zu trocken und langweilig war.

233 Seiten, Hardcover, Farb-Fotos & farbige Karten, Register, Ecowin 2010
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Wahrheit, die vielen Ungarn nicht passt!, 19. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Lendvai deckt schonungslos auf, wie sein Heimatland alle Chancen nach der Wende verspielt hat.
Viktor Orban wird präzis beschrieben, seine Politik wird Ungarn ins Elend stürzen!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Blick hinter die Kulissen der ungarischen Geschichte, 19. Mai 2011
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Zu den Völkern, die unter den Traumata des vergangenen Weltkriegsjahrhunderts am nachhaltigsten leiden, gehören nicht nur die Deutschen sondern auch die Ungarn - allerdings mit einem bezeichnenden Unterschied. Während die Deutschen die ständige öffentliche Erinnerung an ihre geschichtlichen Verfehlungen wie eine Monstranz vor sich hertragen, kann man bei den Ungarn über alle politischen Lager hinweg eine immerwährende Klage über das himmelschreiende Unrecht vernehmen, dass ihnen angetan wurde.

Tatsächlich hat der Diktatfriede von Trianon im Jahre 1920 das großungarische Reich auf ein Drittel seiner Größe reduziert. Er hat zwar die unterdrückten Slowaken, Rumänen, Kroaten und Serben befreit, aber auch Millionen Ungarn, fast ein Drittel der ungarischen Nation, fremden Staaten inkorporiert. Übertragen auf deutsche Verhältnisse muss man sich das so vorstellen, als wären nach dem ersten Weltkrieg 20 Millionen Deutsche fremden Staaten zugesprochen worden. Kein Wunder, dass die gesamtge ungarische Geschichte seit 1920 unter dem Einfluss dieser nationalen Amputation stand. Bis auf den heutigen Tag und selbst noch inerhalb der Europäischen Union vergiften die Nationalitätenkonflikte, die Ungarn mit seinen Nachbarstaaten Slowakei und Rumänien ausficht, das politische Klima im Donauraum.

Die ungarische Kränkung als Generalmelodie der Nationalgeschichte zwischen 1920 bis 2010 ist eines der Hauptthemen des vorliegenden Buches: Ungarn ist in der Sichtweise des Autos seit 1920 eine gebrochene und deswegen uneberechenbare Nation geworden. Das ist umso prekärer, weil sich diese Verstümmelung an einem Nationalcharakter ereignet hat, der seit Stephan dem Großen für sich selbst Züge der Außergewöhnlichkeit und der Erwählung in Anspruch nahm. Dass bei einer solchen Verfasstheit Antisemitismus, Minderheitenfeindlichkeit und Chauvinismus nicht weit sind, findet der Autor wenig überraschend. Wie oft die Ungarn dabei nach Lendvais Meinung ihr Land "verspielt" haben, ist auf den ersten Blick gar nicht auszumachen - sie haben es verspielt als unterlegene Kriegspartei im Ersten Weltkrieg, die haben es wieder verspielt als Bündner der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg, sie haben es drittens verspielt, als der Kommunismus das Land zwei Generationen lang verproletarisierte, und sie haben es nach der großen Wende von 1989 wieder verspielt, als sie ihren ökonomischen Vorsprung innerhalb der EU-Beitrittskandidaten durch eine verantwortungslose Verschuldungspolitik wieder aufgaben.

Die letzte Phase der ungarischen Gegenwartsgeschichte führte in der Bewertung des Autors geradewegs zum überwältigenden Wahlsieg der Fidesz-Partei und zum Aufstieg des charismatischen Politikers Vikor Orban, der noch im letzten Jahr mit seinen Verfassungsänderungen und seiner radikalen Neubesinnung auf die Werte von Tradition und Nation die postnationalen Eliten Europas nachhaltig schockierte. Folgt man dem Autor, dann ist diese letzte Volte auch wieder nur eine Variante des ewigen Verspielens von Schicksalschancen, die wie ein Fluch über Ungarn liegt.

Ich habe das vorliegende Buch im Vorfeld einer Ungarnreise mit großem Interesse gelesen. Es ist ansprechend aufgemacht, gut lesbar geschrieben und über ein sehr umfangreiches Namensregister vorbildlich erschlossen. Vor allem die Beschreibung der ökonomischer Zusammenhänge der späten Kadar-Zeit, der Neunziger Jahre und des drohenden Staatsbankrottes im Vorfeld der Wahlen von 2010 gehören zum Besten, was ich über diese Sachverhalte bisher gelesen habe. Politisch macht Lendvai aus seiner Sympathie für die Linke keinen Hehl, aber geht niemals soweit, seine Fakten einseitig und parteiisch auszuwerten. Dass sich die Ungarn inmitten der europäischen und weltgeschichtlichen Umbrüche des 21. Jahrhunderts auf ihre eigene Geschichte besinnen und dies auch ausdrücklich in ihre neue Verfassung schreiben, ist dem Autor als Kosmopoliten allerdings ein einziger Gräuel - denn nur so ist der merkwürdige letzte Satz des vorliegenden Buches zu verstehen."Am Chauvinismus ist nicht so sehr die Abneigung gegen fremde Nationen wie die Liebe zur eigenen unsympatisch."(S.228)
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Und was ist hier der große Aufreger?, 21. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Nachdem erscheinen von Mein verspieltes Land ist Paul Lendvai in Ungarn nun zur persona non grata geworden. Genauer gesagt eine der Fidesz nahestehende Wochenzeitung hat sich auf Lendvai wegen seiner unverhohlenen Kritik an Regierungschef Orban eingeschossen.

Also ein Grund mehr dessen Buch zur Hand zu nehmen? Vielleicht, aber man sollte schnell feststellen dass Lendvai hier keinesfalls wie angeprangert Ungarn-Bashing betreibt, wer selbiges sucht ist hier defintiv an der falschen Adresse. Im Gegenteil, Lendvai bleibt relativ objektiv, selbst was Viktor Orban betrifft. Auch bei der Kritik an diesem hat Lendvai in meinen Augen keinen Schlag unter der Gürtellinie riskiert.

Gut, er hat hier kein Buch über Ungarns wirtschaftliche Entwicklung seit 1989 geschrieben, aber nur weil im Titel "verspielt" vorkommt muss ja nicht gleich von Wirtschaft die Rede sein. Ansonsten sollte man auch gleich betrauern dass zu wenig über die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf Ungarn gesagt wird. Ein Journalist schreibt halt nun mal journalistisch und das ist auch gut so, sonst hätten wir viel zu viele Pseudohistoriker und Pseudopolitikwissenschaftler über die sich ihre echten Kollegen dann ständig aufregen müssten.

Lendvai der 2000 übrigens noch bemüht war Österreich und die Österreicher trotz schwarz-blauer Wenderegierung vor den internationalen Medien in Schutz zu nehmen, hat sich nun wo es um seine ursprüngliche Heimat geht eher in den Chor der Kritiker eingestimmt. Was Ungarn also medial an Prügeln erlebt dürften die Österreicher bereits kennen. Dass er seine Geschichte jetzt vor allem an den Regierungschefs aufgemacht hat wundert mich übrigens nicht, das macht fast jeder bei seinen politischen Landesporträts, etwa wenn von der Ära Nixon, der Ära Kreisky oder auch der Ära Schmid und all der anderen und mancher weniger bedeutender Regierungschefs die Rede ist. Es geht darum wer eben an der Macht war und das Land gestaltet hat.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Langweilig und flach, 3. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Wenn der Tagesanzeiger meint, es sei " höchste Zeit, den Kommissaren und Regierungschefs Europas dieses Buch in die Hand zu drücken. Zumindest werden sie dann später nicht sagen können, sie hätten es nicht gewusst", dann tut es mir Leid für die Regierenden. Es wäre zu hoffen, sie hätten bessere Informationsquellen.

Man fragt, was dieses Buch sein soll. Ein geschichtlicher Abriss? Dann ein solcher ohne Tiefgang und Erklärungswert. Die bloße Beschreibung der jeweiligen Ministerpräsidenten Ungarns ist ermüdend und letztlich sinnlos.

Wer gehofft hat, einen etwas tieferen Einblick in die neuere Entwicklung Ungarns seit den Wendejahren zu erhalten, wird enttäuscht. Dass das Buch auch noch langweilig geschrieben ist, macht das Ganze leider nicht besser. Ein Fehlkauf.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viele Fakten - Analyse historischer Wendepunkte nicht weitreichend, 11. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch (Gebundene Ausgabe)
Die ökonomische politische Entwicklung Ungarns wird immer wichtiger für die Entwicklung in ganz Europa. Das Buch Paul Lendvais beinhaltet eine Fülle von Informationen - auch wenn festzuhalten ist, daß seine Analysen bzw. Perspektiven nicht sehr weitreichend sind.

Im Ungarn von heute sind die "Teufel der Vergangenheit" voll präsent: Antisemitismus, Hass auf Roma, Geifer gegen alles was "rot" ist. Lendvai schildert die Vorgeschichte: Auf die kurze ungarische Räterepublik folgte das Horthy-Regime, das "nationale Trauma" von Trianon² - wobei m.E. die "Herrenrolle" Ungarns anderen Nationen gegenüber (etwa den SlowakInnen) bei Lendvai gegenüber viel zu kurz kommt; die Kollabarotaion mit Nazideutschland, die Pfeilkreuzlerherrschaft.

Der Holocaust trifft die ungarischen Juden und JüdInnen voll.Innerhalb kürzester Zeit werden Hundertausende in die Todeslager transportiert. Viele UngarInnen machen dabei aktiv mit.

Nach 1945 breitet die stalinistische Diktatur großteils einen Mantel des Schweigens über den Horror. Die "Wende" 1989 bringt außer politischen Freiheiten nicht das gelobte Land, sondern bloß die profane EU-Wirklichkeit. Den diversen Regierungen (angefangen mit Antall) gelingt es nicht, das Land auf eine stabile ökonische Entwicklungsbasis zu stellen. Massenhafte Armut hat in Ungarn bis zum heutigen Tag ein erschreckendes Ausmaß. Der neoliberale Kurs des "Sozialdemokraten" Gyurcsany, die Korruption seiner Regierung, die massenhafte Unzufriedenheit bescheren Orban auf der Basis einer beispielhaften Hetzkampgne 2010 die absolute Mehrheit und der extrem rechten Jobbik satte 17 Prozent.

Besonders interessant sind die Schilderungen Lendvais über die gewendeten Reformkommunisten. Ohne jegliche eigene gesamtgesellschaftliche Vorstellungen übernehmen sie westlichen Konzepte, orientieren sich an Tony Blair & Co.

Für Lendvai stellt das jedoch kein Manko dar! Im Gegenteil: Für ihn gab es wegen "kollektiver Realitätsverweigerung" (S.207) zu wenig "Reformen", also Sozialabbau (etwa im Gesundheitsbereich). Gyurcsany wird gar zum "Strahlemann " (S.212) hochgejubelt. Das ist nicht das einzige anlytische Defizit des Buchs.

* eine tiefere Auseinandersetzung mit DEM Knackpunkt der ungarischen Nachkriegsgeschichte, dem Volksaufstand von 1956, unterbleibt (1).
* an etliche (Kardinal-)Fragen wird rein personalistisch herangegangen. Wo eine umfassende soziologische, ökonomische oder politische Anylyse notwendig wäre, taucht als "Erklärung" plötzlich ein Bonmot/ Aphorismus auf - z.B. wird bei der Bewertung Antalls Jacob Burckardt ("Weltgeschichtliche Betrachtungen") bemüht (S.62).
* Lendvai fehlt ein klarer, differenzierter Begriff von "links". Demzufolge kann er sich keine gesellschaftliche Alternative vorstellen. So scharf und gut er mit den Rechtsxtremen und dem oft mit ihnen verbandelten "christlichen" Orban und dessen Fidesz abrechnet, ökonomisch setzt er genau auf die neoklassischen Konzepte (der Sozialdemokraten und Liberalen), die international und in Ungarn die "Unzufriedenen" - mangels einer fortschrittlichen Alternative - in die Hände der Rattenfänger der politischen Rechten treiben.

Realiter vertraut er insbesonders auf auf die EU, auf Deutschland und Österreich - deren beider Imperialismus er verschämt "die am Donauraum... interessierten Staaten" nennt (S.227 f).

Was Ungarn wie einen Bissen Brot braucht ist eine neue, klar antistalinistische und antikapitalistische Linke. Von all dem wird man bei Lendvai nichts finden. Aber als Informationsquelle - inklusive seinem Insider-Wissen - ist das Buch von Nutzen.

Fußnoten:

1) Eine fundierte Auseinandersetzung mit 1956 bietet hingegen György Dalos. Der Aufstand der Ungarn. Verlag C.H.Beck, München 2006 247 Seiten
2.) Durch den Vertrag von Trianon verlor Ungarn einen Großteil seines Staatsgebietes und seiner Bevölkerung als Folge der Niederlage im Ersten Weltkrieg. So finden sich bis heute große ungarische Minderheiten in Rumänien, der Slowakei und Serbien.

Hermann Dworczak
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Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch
Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch von Paul Lendvai (Gebundene Ausgabe - 9. Oktober 2010)
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