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Lutz Nickel hat seine Dissertation mit dem Titel verfasst: “Dehler –Maier – Mende. Parteivorsitzende der FDP: Polarisierer – Präsident – Generaldirektor.” Dieses Buch ist erschienen in den Studien zur Parteienkritik und Parteienhistorie in der Schriftenreihe der Vereinigung Demokratische Offenheit (DemO) e.V. Hamburg.

Helmut Stubbe da Luz, Herausgeber der Schriftenreihe der Vereinigung Demokratische Offenheit schreibt über das Buch in seinen einleitenden Worten: „Die 15 der von Nickel in viel größerer Zahl getätigten, hier aber unter dem Aspekt `demokratische Verfahrensweisen' ausgewählten Beobachtungen an der Führungstätigkeit von Dehler, Maier und Mende können den Ausgangspunkt bilden für einen Katalog von `demokratischen Führungspraktiken', der hier vorerst nur angedeutet werden soll, von dem aber feststeht, dass er – vor dem Hintergrund des Standes der `Politischen Bildung' der Mehrheit unseres Demos von den Akteuren ein gehöriges Maß an Askese verlangt und dringend der institutionellen Stützung bedarf.“

Über die allgemeine Forschung der politischen Führung meint Nickel, dass diese noch zu wenig in der Politikwissenschaft erforscht sei.

Der Autor Lutz Nickel schreibt zu seinem Buch: „Ziel dieser Arbeit ist es demnach, den von den jeweiligen Persönlichkeitsfaktoren, (Partei-) Strukturen, politischen wie gesellschaftlichen Konstellationen als auch Machtressourcen bedingten Führungsstil sowie die spezifische Bedeutung und Rolle von Dehler, Maier und Mende als Parteivorsitzende zu ergründen.“ Dabei wolle Nickel einen Beitrag zur Parteienforschung, zur Praxis politischer Führung und zur Biografieschreibung abliefern.

Dem Autor ist es zudem gelungen in Umrissen eine Entwicklungsgeschichte der FDP von 1954 bis 1968 aufzuzeigen. Diese Arbeit verdient eine Fortsetzung bis heute. In seiner Einschätzung des Wissenschaftsstandes äußert sich Nickel: „Allen drei Politikern ist demzufolge gemein, dass sie in der wissenschaftlichen Diskussion eher negativ bewertet werden.“

Der gute Führer

„Ein erfolgreiche Führer muss dazu kommunizieren, überzeugen und beeinflussen können, aber auch Härte zeigen, Entscheidungen treffen und somit politisch gestalten. Er sollte eine bestimmte Konstellation möglichst selbst herbeiführen, die Gelegenheit nutzen und seine Pläne realisieren, bevor die Blockierungskräfte die Oberhand gewinnen“, schreibt Nickel über die Grundeigenschaften eines guten Führers. Zudem heißt es nicht umsonst: `Teile und herrsche!'

Nickel meint: „...erfolgreiche politische Führung heißt auch, Verantwortung abzugeben, ohne sich selbst, die Partei und den Nachfolger zu beschädigen. Einen erfolgreichen Anführer zeichnet aus, dass er politische Talente oder gar eine neue Generation fördert und Nachfolger aufbaut.“

Pionierarbeit zum Aufbau der Republik: Dehler

Doch was hatten die einzelnen FDP Parteivorsitzenden von diesen Tugenden? Nickel stellt bei Dehler klar, dass dieser es versäumt habe, unter anderem nachhaltige Netzwerke aufzubauen. Ebenso wenig konnte er nicht mit anderen Menschen konstruktive umgehen. „Teamarbeit war ein Fremdwort. Er delegierte nicht“, stellt Nickel fest. Waren vielleicht die Zeitumstände schuld? Einen Hinweis hierfür liefert der Autor, indem er konstatiert: „Die Zeit des Wirtschaftswunders verlangte nicht nach tiefgeistigen und tiefgründigen Persönlichkeiten, wie den Idealisten, Humanisten und Ästheten Dehler.“

Doch Dehler ist nach Ansicht von Nickel als Parteivorsitzender nicht gänzlich gescheitert. Schließlich zählte er zu den Pionieren der Aufbauarbeit der Bundesrepublik Deutschland. Zudem schärfte er das Profil der FDP gegenüber der Union und sicherte nachhaltig die Partei, so der Autor. Also bescheinigt der Verfasser Dehler ein kurzfristiges Scheitern. Langfristig habe er zum Überleben der Partei beigetragen, schreibt der Verfasse in seinem Fazit über Dehler.

Ganz ähnlich geht der Schreiber bei Maier und Mende zu Werke. Er wägt positive und negative Entscheidungen der jeweiligen Parteivorsitzenden ab, lässt die Persönlichkeit mit einfließen in seinen Betrachtungen und stellt sie in den äußeren Kontext von Parteistruktur, Staat und Gesellschaft. So stellt er sowohl Mende und Maier ähnliche Zeugnisse aus wie Dehler. Keiner sei als Parteivorsitzender gescheitert. Jeder habe seine guten Seiten, lässt sich aus der Dissertation entnehmen. Quasi ist jeder Mensch geblieben. Und Menschen sind nicht unfehlbar.

Schein und Wirklichkeit: Maier

So geht es dann im zweiten großen Abschnitt des Werkes um Rainhold Maier. In seinem Fazit hält Nickel fest: „Maier verkörperte keine Charaktereigenschaften, die für einen erfolgreichen politischen Anführer kennzeichnend zu sein scheinen. Er personifizierte auf den ersten Blick Gemütlichkeit und Behäbigkeit. Maier wirkte keineswegs elegant, charismatisch oder medienwirksam…“.

Weiter schreibt der Autor, dass Maier auf den ersten Blick eher kein passender, vielmehr ein „...vollkommen ungeeigneter Kandidat für einen Parteivorsitz…“ sei. Aber ist Maier als Parteivorsitzender gescheitert? Nickels Antwort lautet: „Nein, mitnichten. Er erfüllte alle drei Weberschen Voraussetzungen eines erfolgreichen Politikers. Er hatte Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und vor allem Augenmaß. Maier erreichte als Parteivorsitzender mehr, als ihm die zeitgenössische Presse zugetraut hatte…“

Von der Front in die politische Mitte: Mende

Der dritte FDP Vorsitzende, den Nickel unter die Lupe nimmt ist der Frontoffizier des Zweiten Weltkriegs: Erich Mende. Das Offizierdasein prägte sein politisches Werken, wie Nickel feststellt. Im Gegensatz zu Maier wollte er stets aufwärts. Nickel schreibt: „In seiner politischen Laufbahn strebte er stets danach, alle Herausforderungen zur größten Zufriedenheit aller zu meistern. Mende unterschied sich auch hinsichtlich der Motivation Politiker zu werden von den anderen beiden Vorsitzenden. Während Maier und Dehler über ihre politische Sozialisation zum Liberalismus, so entschied sich Erich Mende aus pragmatischen beruflichen Erwägungen für den Beruf des Politikers.

Nickel bemüht auch bei der Zusammenfassung die Maximen Max Webers: Die drei Bedingungen eines erfolgreichen politischen Anführers. Dabei hatte Mende „...vor allem Verantwortungsgefühl und Augenmaß.“ Doch Mende konnte nicht mit der Zeit gehen. „Es zeigte sich, Mende war allein durch Prägung und Vita nicht in der Lage sich neuen Gegebenheiten anzupassen. Dabei hätte er seine eigene Identität verleugnet.“

Fazit

Das Buch ist interessant für alle Führer, Manager, Entscheider – in Politik, Gesellschaft, Militär. Denn das Aufzeigen der persönlichen Stärken und Schwächen der FDP Vorsitzenden ist Beispiel genug, um sich ein Bild zu machen wie Führung geht oder nicht geht. Außerdem wird durch das Lesen dieses Buches eines deutlich: Eine gute Führung zeichnet sich durch das rechtzeitige Erkennen von Krisen aus. Hierin spannt sich ein Dreieck auf zwischen Persönlichkeit, eigenem Wissen und äußeren Determinanten. Wer alle drei in Einklang bringen kann, kann auch führen.
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