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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend!, 20. Januar 2012
Von 
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(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)
Es gibt immer wieder Produktbeschreibungen, die mich zum Staunen bringen. Die Produktbeschreibung von diesem Buch ist eine davon: "... wie Herbert Selpin (1902 1942) zum Denunziationsopfer eines fanatischen Nazi wurde." Da frage ich mich doch, ob derjenige, der das formuliert hat, das Buch gelesen hat. Ganz sicher hat man den Autor nicht um Rat gefragt. Wieso ich das glaube?

Nun, die Chronik des Falles Selpin beginnt Anfang der 30-er Jahre, genauer gesagt im Jahr 1933. Der Regisseur Herbert Selpin füllt den Aufnahmeantrag für die Reichsfachschaft Film aus. Eine Einrichtung, die der Gleichschaltung dienen soll. Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für die Berufsausübung. Voraussetzung ist neben der deutschen Staatsbürgerschaft natürlich auch der Nachweis arischer Abstammung bis zu den Großeltern. Unter Mitgliedschaft in einer Partei trägt Selpin die NSDAP ein. Seit dem 14. März 1933 gehört er dazu. 'Märzgefallene' so nannten die alten Mitglieder die Neuzugänge. Der Andrang war so groß, dass man ab Mitte April 1933 einen vierjährigen Aufnahmestopp verhängte. Wie der Autor Friedemann Beyer später zeigen wird, spricht auch bei Selpins Parteieintritt nichts dagegen, Karrieregründe für den Parteieintritt zu vermuten. Dies zeigt sich bei der selektiven Wahrnehmung seines bisherigen Lebenslaufes: Selpin verschweigt elegant die jüdischen Regisseure und Produzenten, die verantwortlich waren für die Filme, an denen er bisher arbeitete. Die gesellschaftlichen Veränderungen bieten ungeahnte Möglichkeiten für den ehrgeizigen jungen Mann. Aufgrund der Verdrängung der Juden aus dem Arbeitsleben sind Fachleute gefragt, und Selpin nimmt diese Chance zielorientiert an.

Ganz anders hingegen Walter Zerlett-Olfenius. Obwohl man ihn mehrfach auffordert, und es seine beruflichen Chancen verbessern würde, verweigert er konsequent den Parteieintritt. Wichtig ist ihm hingegen seine ehemalige Mitgliedschaft in der kämpfenden Truppe. Etwas das bei dem späteren Konflikt eine wesentliche Rolle spielt! Er ist Träger des Eisernen Kreuzes Erster und Zweiter Klasse. Im Telefonbuch wird er als Oberstleutnant a.D. geführt. Zerlett-Olfenius ist ein Bruder des Regisseurs Hans Hellmut Zerlett. Anders als sein Bruder war Walter Zerlett-Olfenius in den unterschiedlichsten Branchen tätig bevor es ihn zum Film verschlug. Erst als Ateliersekretär, dann als Produktionsassistent, und schließlich 1935 die erste Arbeit an einem Drehbuch. Skandal um die Fledermaus.

Auch Selpins Weg führte auf Umwegen zum Film. Ein Medizinstudium scheitert aufgrund von Geldmangel. Die Banklaufbahn hat er wegen angeblicher Fehlspekulationen aufgegeben. Ist Amateurboxer und Turniertänzer. Über Beziehungen erhält Selpin ein Engagement als Statist. Ein Jahr später wird er als Hilfsassistent eingestellt. Der Beginn einer vielversprechenden Karriere. 1931 verhilft ihm Hans Friedländer zu seiner ersten Filmregie: Chauffeur Antoinette. Weitere Regieaufträge folgen. Bei SKANDAL UM DIE FLEDERMAUS wird er auf Walter Zerlett-Olfenius treffen. Der Beginn einer jahrelangen Zusammenarbeit. Der Beginn einer Freundschaft? Kann ein Untergebener auch ein Freund sein?

Friedemann Beyer gibt der Charakterisierung seiner beiden Protagonisten sehr viel Raum. Das unbeherrschte Wesen des Herbert Selpin. Natürlich werden seine Ausfälle schon früh auch von den zuständigen Behörden zur Kenntnis genommen. Man konfrontiert ihn damit, nimmt sein Bedauern zur Kenntnis, sieht jedoch keine weitere Veranlassung gegen ihn vorzugehen. Kein Wunder, dass Selpin glaubt, einen Freibrief zu haben. Zurückhaltung und Diplomatie sind ganz klar nicht seine Stärke. Solange aber sein Umfeld ihn permanent entschuldigt und nachsichtig reagiert, solange hat er auch keine Veranlassung sich zu mäßigen. Eine fatale Entwicklung! Aber auch Walter Zerlett-Olfenius hat seine Schattenseiten. Sein ganz eigenes Verständnis von Wahrheit wird deutlich, als er im November 1937 zusammen mit Selpin eines Plagiats angeklagt wird.

Hier treffen zwei Männer aufeinander, die beide mit ihren jeweils eigenen Dämonen kämpfen. Die Jahre bis 1941 werden etwas oberflächlich gestreift. Dafür wird der Umsetzung des Titanic-Projektes umso mehr Raum gegeben. Im zweiten Teil des Buches zeichnet Friedemann Beyer akribisch die Ereignisse auf, die zum endgültigen Bruch zwischen Selpin und Zerlett-Olfenius führen. Eine unglückliche Verkettung der Ereignisse. Ein unbedachter Ausspruch. Menschliches Unvermögen sich noch einmal aufeinander zu zubewegen. Vermittlungsversuche scheitern. Die Eskalation. Ein persönliches Zerwürfnis erhält eine neue Dimension aufgrund der herrschenden Gesetze.

Im dritten Teil werden schließlich noch die Nachkriegsereignisse aufgeführt. Das Verfahren gegen Walter Zerlett-Olfenius. Die vergeblichen Versuche der Witwe Selpins, dass der Tod ihres Mannes als Mord interpretiert wird, so dass sie eine Entschädigung aufgrund des Wiedergutmachungsgesetztes erhalten kann. Ob es tatsächlich Mord oder doch Selbstmord war, kann Friedemann Beyer auch nicht abschließend beantworten. Die von ihm vorgelegten Indizien weisen jedoch meiner Meinung nach klar in Richtung Selbstmord. Schon früh äusserte Selpin Selbstmordgedanken, mehrfach geht der Autor darauf ein.

Abgeschlossen wird das Buch mit einem Epilog, der nochmals auf das menschliche Beziehungsgeflecht eingeht und einem mehrseitigen Anhang, in welchem die zahlreichen Fußnoten erläutert werden. Man kann daraus erahnen, wie umfangreich die Recherche zu diesem Fall gewesen ist.

Interessant sind übrigens die Informationen zum damaligen Filmgeschehen. In der Frühphase des Tonfilms war die Technik der Synchronisation noch unterentwickelt, und so wurden fremdsprachige Fassungen von Filmen mit ausländischen Darstellern einfach nochmals nachgedreht! Ergo gibt es zum Beispiel drei verschiedenen Fassungen von Chauffeur Antoinette: in deutscher, in englischer und in französischer Sprache. Jeweils mit unterschiedlichen Schauspielern. Aber auch die Abläufe der Produktion werden anhand des Films Titanic ausführlich beschrieben. Unerwartete Schwierigkeiten, die Hektik wird deutlich, die manchmal den Tagesablauf prägte.

Der Schreibstil ist außerordentlich gut lesbar. Keine Längen. Das Buch liest sich wie ein Krimi. Großes Lob hierfür! Der Aufbau ist chronologisch. Jeweils mit Angabe von Tag/Monat/Jahr.

Mein Fazit:
Nur in einem Punkt hätte ich mir etwas mehr Informationen erhofft: bei der Frage, ob Mitarbeiter bzw. Vorgesetzte auch Freunde sein können. Oder ob es nicht manchmal ratsamer ist, etwas Distanz zu wahren. Dadurch, dass die Jahre nach der ersten Zusammenarbeit von Selpin und Zerlett-Olfenius von 1935 bis 1941 relativ oberflächlich beschrieben werden, fällt mir die Beurteilung dieser angeblichen 'Freundschaft' etwas schwer. Die dramatische Entwicklung während der Filmarbeiten zu Titanic und die Eskalation des Konfliktes sind hingegen sehr gut beschrieben. Alles in allem:

Ein beeindruckendes Zeitzeugnis.
Ein Buch, das es verdienen würde, an der Spitze der Bestsellerlisten zu stehen.
Möge es viele Leser finden.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ergreifend und erschreckend!!!, 29. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)
Ich habe als Kind den "Titanic" - Film gesehen und damals schon davon gehört, dass der Regisseur des Films während der Dreharbeiten durch das
Nazi-Regime ums Leben kam.

Mit großer Neugier habe ich daher dieses Buch gelesen. Ich habe es innerhalb von vier Stunden verschlungen. Dieses Buch - mir fehlen die Worte - weil ich teilweise zu Tränen schockiert war und immer noch unter dem Eindruck der Lektüre stehe --- dieses Buch sollte Pflichtlektäre an allen Schulen werden.

Es zeigt minutiös und psychologisch genau wie durch Rivalitäten, menschliche Schwächen und menschliche Dummheit eine Tragödie ins Rollen gebracht werden kann, die sich dann vor allem in einem diktatorischen System zu einer wahren Katastrophe entwickelt. Fast schon ironisch, dass all dies beim Dreh zu einem "Titanic"-Film passierte, der archetypischen Katastrophe schlechthin.

Dabei werden nicht die üblichen banalen Klischees über die bösen Nazis abgehandelt, sondern ein tiefes Verständnis für die inneren Zusammenhänge geweckt, die dazu führen können (auch heute noch), dass sich Menschen gegenseitig das Leben zur Hölle machen.

Großes Kompliment an den Autor. Ein herzergreifendes, erschütterndes Buch, das mehr Wahrheit und mehr Einsicht üder jene Jahre der Nazidiktatur, aber auch über grundsätzliches menschliches Fehlverhalten aufzeigt, als alles, was ich bisher dazu gelesen und gesehen habe.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierender Einblick in eine nicht ferne Vergangenheit, 8. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte der letzten Lebensjahre des Regisseurs Herbert Selpin ist in diesem Buch eindrucksvoll geschildert und es überrascht, in welchem Detailierungsgrad sich die Geschehnisse von damals rekonstruieren lassen.

Auf eine oberflächliche schwarz/weiss-Malerei wurde verzichtet, der Fokus wurde auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, ihre Schwächen, ihre Stärken und schliesslich auch ihre fatalen Auswirkungen gelegt und sind für den Leser leicht nachvollziehbar. Man kann erahnen, in welch unsicheren Zeiten man damals - selbst weit weg von den eigentlichen Kriegsgeschehnissen - gelebt hat, wo eine falsche Bemerkung an falscher Stelle eine nicht mehr aufzuhaltende Lawine auslösen und bis zur Vernichtung eines Lebens führen konnte.

Man muss kein Kenner des deutschen Films sein, um von der Geschichte und dem Schicksal Herbert Selpins fasziniert und berührt zu sein. Ein Buch, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt.
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5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Einblick in eine vergangene Epoche...., 23. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)
...und in das Milieu der Filmproduktionen der damaligen Zeit. Gute Einblicke in die Vorgänge des Goebbelschen Apparats, und auch in die Zwiespältigkeit der Beteiligten. Das Buch zieht einen in seinen Bann. In wenigen Stunden am Stück gelesen.

Bestes Sachbuch seit Langem.
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5.0 von 5 Sternen Hervorragend, 24. Oktober 2013
Von 
Jochen Bickert (frankfurt, germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hochspannend, toll Recherchiert! Und unendlich tragisch. Ein muß für jeden, der sich für denunziantentun im Nazi- regime und die damalige filmwelt interessiert.
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5.0 von 5 Sternen Unglaubliche Geschichte, faszinierend erzählt, 7. September 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)
Wer hinter die Kulissen der "gleichgeschalteten" Filmindustrie des Dritten Reiches schauen will - dem sei dieses Buch empfohlen. Der Autor beschreibt die Umstände, die zum tragischen Selbstmord eines talentierten Filmregisseurs führten. Dabei beschreibt er absolut spannend die Arbeitsbedingungen der Filmleute unter Bedingungen von Diktatur und Krieg. Eine Eigenschaft des Regisseurs - sein Hang zu cholerischen Ausbrüchen - entwickelt sich unter diesen Bedingungen zu einer todbringenden Situation. Als er am 05. Mai 1942 - genervt von den Arbeitsbedingungen und von Fehlern seiner Mitarbeiter - abwertende Bemerkungen über Soldaten und die Wehrmacht tätigt, startet das die übliche Denunziationsmaschinerie des Systems. In der Tratsch-Umgebung der Filmindustrie wird schnell verbreitet, dass sein ehemaliger Drehbuchautor, Zerlett Olfenius, den Vorgang an den Chef der Reichsfilmkammer weitergeleitet haben soll. Zerlett wird fortan zum Sündenbock. War er allein der Denunziant ? Hätte die Geschichte so tragisch enden müssen ? Der Autor beschreibt genau die Gemengelage einer zerbrochenen Freundschaft, die allerdings eine sehr ungleiche war (Zerlett und Selpin), die Versuche von Vermittlung und Rettung, bei denen man nicht nach Schwarz und Weiss, Nazi und Nicht-Nazi, unterscheiden konnte.
Hoch interessant auch die Beschreibung der Versuche der Nazis, Selpin aus dem öffentlichen Bewußtsein zu streichen, z.B. die Kontrolle seiner Beerdigungsfeier, das Anbringenden von warnenden Hinweisen an den schwarzen Brettern der Filmstudios etc.
Spannend auch die Ausfhrungen zum Umgang mit dieser Sache nach 1945 : hatte eine bayerische Spruchkammer zunächst ein hartes Urteil gegen Zerlett gefällt, wurde das dann in Folgeurteilen immer weiter verwässert. Frau Selpin wollte eine Anerkennung als Opfer des Faschismus, was ihr nicht gelang.
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5.0 von 5 Sternen Der Filmminister und ein in Ungnade gefallener Regisseur, 13. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das Lesern, die an der Filmproduktion in Deutschland in den Jahren 33 - 45 interessieert sind,
so manche Information liefern wird. Man muss allerdings ein echtes Interesse an diesen Fragen haben.
Der Autor hat mehrere Bücher über diese Zeit veröffentlicht. Ich habe sie alle lesenswert gefunden.
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Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation
Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation von Friedemann Beyer (Gebundene Ausgabe - 6. Oktober 2011)
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