Kundenrezensionen


104 Rezensionen
5 Sterne:
 (36)
4 Sterne:
 (23)
3 Sterne:
 (15)
2 Sterne:
 (14)
1 Sterne:
 (16)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


290 von 309 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen F wie fabelhaft fabuliert.
Angesicht der sehr geteilten Rezensionen hier, habe ich meine Begeisterung bei der Lektüre des Romans erst einmal ein paar Tage abebben lassen. Doch auch nach diesen Tagen bin ich noch immer sehr verwundert über die doch herben Urteile (konstruiert, blutleer, wenig durchdacht, banal, lauwarm).

F ist für mich gute Literatur im besten Sinne. Nicht...
Vor 13 Monaten von Thomas Brasch veröffentlicht

versus
209 von 246 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Warum mich dieses Buch nicht überzeugt
Der Roman besteht im Wesentlichen aus drei Hauptkapiteln plus Rahmen. Die drei Hauptkapitel erzählen Ereignisse ein- und desselben Tages im Leben der drei Halbbrüder Martin, Erik und Iwan. Martin ist katholischer Priester, der seinen Glauben nicht verloren hat – er hatte ihn nie. Erik verwaltet die Finanzen der ganz Reichen und hat deren Geld verzockt. Nur...
Vor 13 Monaten von Waldschrat veröffentlicht


‹ Zurück | 1 211 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

290 von 309 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen F wie fabelhaft fabuliert., 11. September 2013
Von 
Thomas Brasch (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Angesicht der sehr geteilten Rezensionen hier, habe ich meine Begeisterung bei der Lektüre des Romans erst einmal ein paar Tage abebben lassen. Doch auch nach diesen Tagen bin ich noch immer sehr verwundert über die doch herben Urteile (konstruiert, blutleer, wenig durchdacht, banal, lauwarm).

F ist für mich gute Literatur im besten Sinne. Nicht mehr und nicht weniger. Es hat alles, was ich von einem lesenswerten Roman erwarte: bleibende Szenen im Kopf, gut skizzierte Figuren, die ich mir weiter ausmalen kann, erzählerische Spannung und geistreiche Anspielungen. Es menschelt zudem sehr vielfältig und dreht sich viel um die Frage, wie sehr wir Herr über unser Schicksal sind.

Viele Süchte unserer modernen Gesellschaft werden behandelt. Zum einen unsere unstillbaren Begierden nach individueller Bedeutung, Attraktivität, gesellschaftlicher Anerkennung, nach Macht und Einfluss. Und zum anderen jene Süchte, die oftmals aus der Nichterfüllung der erstgenannten entstehen: Fresssucht, Spielsucht, Sexsucht.

Der Spannungsbogen der Erzählung entwickelt sich auch aus den zwar schicksalhaft beeinflussten doch überwiegend selbstgewählten Lebenswegen aller Protagonisten. Alle sind überdurchschnittlich begabt und von Kindheit an bestens ausgestattet, um ein erfüllendes Leben zu leben. Doch alle sind zugleich auch unersättlich und maßlos in ihren Ansprüchen an das Leben. Besonders die Brüder sind eine schöne Allegorie auf unsere herrschenden Ansprüche an Selbstverwirklichung. Sie illustriert unser gesellschaftliches „Leiden auf hohem Niveau“, das aus unserer individuellen Selbstüberschätzung resultiert. Die Fähigkeit, persönliches Mittelmaß zu akzeptieren und dennoch zufrieden mit dem zu sein, was man erreichen kann, ist uns offenbar mehr und mehr abhanden gekommen.

Unerträglich wird es für viele mit der Erkenntnis zu leben, dass unsere Existenz letztlich für den Gang der Dinge bedeutungslos ist – gleichgültig was wir tun. Der Vater der Brüder vertritt diesen Individual-Nihilismus. Nachdem er sich dazu bekennt, lebt er fortan ganz gut damit. Doch auf sein moralisches Konto gehen zwei verlassene Frauen, drei verlassene Söhne und einige verzweifelte Seelen, die sich nach der Lektüre seines Erfolgsromans das Leben nehmen. Das macht ihn in einer bigotten Wertegesellschaft zur Persona non grata.

Ich fand also vieles in F was mich berührt, mich beschäftigt, mich nachdenklich macht. Und ich wurde bestens unterhalten.

Nachtrag: An F wird mir einmal mehr deutlich gemacht, dass sich die Kultur der Rezensenten bei Amazon offenbar wandelt. Einerseits steigt offensichtlich das Bedürfnis, Bücher zu verreißen. Das ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, doch die relative Zunahme verwundert mich. Ich selbst komme nur in sehr seltenen Fällen dazu, ein enttäuschendes Buch auch noch zu rezensieren. Doch weit mehr - sicher auch, weil ich betroffen war - nimmt offenbar das Bedürfnis zu, Bewertungen und Rezensionen, die der persönlichen Einschätzung entgegen stehen, aktiv mit nicht hilfreich negativ zu bewerten. Dies kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und finde ich eine bedenkliche Entwicklung. Das ist doch nicht der Sinn der "nein"-Funktion. Zumindest käme ich nie auf die Idee, eine Rezension als nicht hilfreich zu bewerten, nur weil sie das Buch anders bewertet als ich. Das ist für mich nur dann legitim, wenn jemand die Rezensionsfunktion bewusst missbraucht. Aber vielleicht habe ich da was falsch verstanden. Mir macht es auf jeden Fall immer weniger Vergnügen, Rezensionen zu veröffentlichen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


209 von 246 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Warum mich dieses Buch nicht überzeugt, 3. September 2013
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Der Roman besteht im Wesentlichen aus drei Hauptkapiteln plus Rahmen. Die drei Hauptkapitel erzählen Ereignisse ein- und desselben Tages im Leben der drei Halbbrüder Martin, Erik und Iwan. Martin ist katholischer Priester, der seinen Glauben nicht verloren hat – er hatte ihn nie. Erik verwaltet die Finanzen der ganz Reichen und hat deren Geld verzockt. Nur der Credit Crunch rettet ihn, denn er bietet ihm die Möglichkeit, die Verluste als Ergebnis der globalen Krise zu kaschieren. Iwan, Eriks Zwillingsbruder, ist gescheiterter Maler und macht damit Karriere, Bilder zu fälschen und als die seines Lebensgefährten auszugeben. Nach dessen Tod lässt er immer weitere Bilder auftauchen, die er zu horrenden Preisen verkauft. Die drei Kapitel werden auf mehrfache Weise miteinander verbunden, nicht zuletzt durch ein Gewaltverbrechen, dem Iwan zum Opfer fällt. Thematisch deckt der Autor mit den drei Brüdern die Bereichte Religion, Wirtschaft und Kunst ab. In allen regiert die Fälschung, der Fake, die Fiktion des Vorspiegelns falscher Tatsachen. In dieser Lebenshaltung sind sich die Brüder bei aller Unterschiedlichkeit einig.

Der Verlag preist Kehlmanns neuen Roman als ‚vielschichtig, geheimnisvoll und kühn’ an. Ich denke, das Buch ist nichts von alledem.

Zunächst der Stil: Kehlmann schreibt in einer biegsamen und glatten Journalistenprosa, die jegliche literarische Vertiefung der Sprache vermissen lässt. Man bleibt an keiner Formulierung hängen, keine Metapher weitet die Perspektive. Gerade das Motiv der Täuschung böte reichlich Anlässe, Gesten und Situationen durch die Sprache auszuloten. Kehlmann verzichtet darauf. Um nicht falsch verstanden zu werden: Kehlmann schreibt nicht schlecht. Aber kunstvoll ist diese Sprache keineswegs. Bloß handwerklich ganz ordentlich gemacht.

Das führt mich zum zweiten Punkt: In einigen Rezensionen wird die kunstvolle Konstruktion des Romans gelobt. Das kann ich nicht nachvollziehen. Die drei Hauptkapitel und die Rahmenhandlung sind durch eine Reihe von Bezügen und Motiven miteinander verbunden. Die meisten davon sind so offensichtlich, dass sie einen regelrecht anspringen – etwas die Äußerlichkeiten der Jugendgang, die Iwan überfallen, ihre Kleidung, die Piercings. Diese Vordergründigkeit ermüdet. Man hört als Leser das Handwerk so deutlich klappern, dass einem jegliche Entdeckerfreude abhanden kommt. Auch hier also: eher Kunsthandwerk als Kunst.

Am schwersten wiegt jedoch die Unglaubwürdigkeit und Blutleere der Figuren. Der Priester und der Finanzhai wirken wie schlechte Abziehbildchen billiger Klischees. Als hätte sich jemand hingesetzt und alle Schlagworte gesammelt, die zu einem ungläubigen Priester (der aus Frust dauernd futtert) oder zu einem gewissenlosen Finanzspekulanten gehörten. An diesen Figuren lebt nichts, sie stehen da nur so auf dem Papier, weil der Autor sie so haben wollte. Man wird den Eindruck nicht los, dass Kehlmann hier über Milieus schreibt, die er weder kennt noch versteht. Daher entwickelt sich die Handlung auch nicht nachvollziehbar aus den Charakteren und ihren Voraussetzungen, sondern wirkt konstruiert und bizarr. Einzig Iwan und seine Gedanken über Echtheit und Fälschung in der Kunst wirken ein wenig glaubwürdiger. Hier kam dem Autor wahrscheinlich seine Erfahrung aus früheren Arbeiten (Ich und Kaminski) zugute.

Insgesamt also ein eher enttäuschender Roman, der keinesfalls hält, was die Werbung verspricht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Ein literarisches Experiment statt Schema "F", 6. Oktober 2013
Von 
Raumzeitreisender (Atlantis) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
"F" ist ein gesellschaftskritischer Roman, dabei spielt es keine Rolle, ob "F" Fatum (Schicksal), Fälschung oder Friedland bedeutet, es steht sicherlich nicht für Firlefanz, wie in "Spiegel Online" kreiert. Das würde dem Roman, der gescheiterte Existenzen in verschiedenen Facetten thematisiert, nicht gerecht werden.

Daniel Kehlmann beschreibt am Beispiel der Familie Friedland zerrüttete Beziehungen und die Verlogenheit und Leere der modernen Gesellschaft. Die Zwillinge Eric und Iwan und ihr Halbbruder Martin repräsentieren die Krisen in den gesellschaftlichen bzw. wirtschaftlichen Bereichen Kirche, Kunst und Kapital. Ihr Vater Arthur steht für Verantwortungslosigkeit und nihilistische Leere. Er verlässt die Kinder, um sich als Schriftsteller selbst zu verwirklichen. Seine Arbeit besteht darin, Bücher zu schreiben, die Menschen in den Suizid treiben. Das ist Zynismus pur.

Die Protagonisten haben nicht nur mit sich selbst Probleme (Pfarrer, der nicht glaubt; Finanzberater, der Geld seiner Kunden verzockt; Kunstkenner, der Bilder fälscht), sondern auch mit ihren Familien und mit ihrem weiteren Umfeld. Eine positive Orientierungsfigur ist nicht erkennbar. Das schwarze Cover des Buches symbolisiert den Inhalt. Autor Kehlmann baut in "F", wie schon in "Ruhm", zahlreiche Verflechtungen zwischen Personen und Ereignissen ein.

Kehlmann verwendet eine verständliche Sprache, wenngleich sein Roman nicht massenkompatibel ist. Er hat den Mut zu experimentieren. Wie langweilig sind doch manche (Erfolgs-)autoren, die ihr gleiches Schema "F" ständig wiederholen.

Der Roman wirkt kopflastig und wenig emotional. Um die Querverbindungen zu erkennen, muss manchmal zurückgeblättert werden, aber das ist man von "Ruhm" gewohnt. "F" ist ein Roman über menschliche Abgründe ohne Hoffnungsschimmer. Damit wird im Hinblick auf seine früheren Bücher deutlich, dass Kehlmann thematisch umschalten kann. Sein Roman lässt sich interpretieren als eine düstere Persiflage auf die heutige Zeit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wirklich großer Roman, der in die Literaturgeschichte eingehen wird, 1. September 2013
Von 
Jouvancourt (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
*

Die sehr hochgeschraubten Erwartungen an den Erfolgsautor Daniel Kehlmann nach seinem Debütroman "Beermanns Vorstellung" und erst recht nach der "Vermessung der Welt" verlangen nach immer weiteren Steigerungen und, ganz klar, nach einem neuen Jahresbestseller!

Kann er diese berechtigten Erwartungen erfüllen?

Ich möchte mich nicht an dem skurrilen Buchstaben F im Titel festfahren, sondern zur Geschichte übergehen. Es geht um ein Familienschicksal und den Lebensweg von drei Brüdern. Die Zwillinge Erec und Iwein, sowie den Ältesten, Martin. Fügt man den Namen des Vaters Arthur noch hinzu, ergeben sich drei Ritter der Tafelrunde, mit dem Oberhaupt Artus, dem Vater, einem melancholischen Schriftsteller. Die Namen dieser Protagonisten nimmt der Autor zum Anlass, inwiefern der Einfluss einer metaphysischen Instanz namens "Schicksal" ( F = Fatum) auf den menschlichen Lebensweg mit hoher Wahrscheinlichkeit einwirken kann. Die drei Brüder verbindet auf ganz unterschiedliche Weise ihre
Lebensläufe mit Betrug, Hochstapelei und Heuchelei. Der Älteste ist Pfarrer geworden, obwohl er mit Gott nichts am Hut hat. Sein Halbbruder Iwan wurde Kunstfälscher, der andere Halbbruder (und Zwilling) Eric ein korrupter Anlageberater. Der Vater Arthur taucht ab und zu auf, publiziert Romane, die mehrere Personen in den Selbstmord getrieben haben sollen. Der Hypnotiseur Lindemann wird Wahrsager und besitzt ein magisches Aura, das Arthur in seinen Bann zieht und ihn diese aussergewöhnlichen Romane schreiben lässt.

Immer begegnet man Rätseln und Paradoxen im Buch: ist die Neigung zum Schwindeln der Zwillinge ein genetisches Problem oder ist es in der Familie verankert, oder hätte etwa jeder der drei Brüder sich befreien können und ganz anders werden können? Was treibt das Spukwesen im Roman, das deplatziert und doch vertraut wirkt? Die Fresssucht des Priesters, seine monotonen Antworten auf theologische Fragen, die Heuchelei des Finanzgenies Eric nach seinem finanziellen Ruin und die Kreation eines eigenen Meisterwerkes durch den Kunstfälscher Eric, das wiederum viele Fragen zur modernen Kunst aufwirft.

An einem Sommertag im Jahre 2008 kommen plötzlich die drei Lebensgeschichten, die, jede für sich, in Ich-Form dargestellt sind, zusammen und es kommt zu einem überraschenden Schluss. Gerade in dieser Endphase kommen Parallelen zu seinem Roman "Beermanns Vorstellung" ins Spiel: auch hier ein Illusionist mit einem harten Familienbackground, einem Theologiestudium und einem Talent seine Umgebung zu täuschen, der plötzlich Wunder vollbringen kann. Echte Wirklichkeit oder reale Illusion, es ist nicht greifbar. Weder hier noch dort.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass dieser Roman an die großen Erfolge der anderen nahtlos anschliessen könnte! Das Thema ist populär, der Autor arbeitet mit seinen üblichen, zuverlässigen Mitteln und der Roman ist sowohl unterhaltsam, als auch, wenn man denn will, intellektuell fordernd.

Ein schöner, interessanter Roman auf alle Fälle.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben ist ein Rubik-Würfel, 12. Mai 2014
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Ein durchgängiges Symbol in diesem Roman ist der Rubik-Würfel, der einen der Protagonisten, den Priester Martin, immer wieder dazu reizt, schneller mit ihm fertig zu werden. Ebenso wird das "Fatum" (dafür steht das "F" im Titel) einer Familie gedreht und gewendet, bis sich am Schluss eine fertige Form, ein Schicksal für die drei Protagonisten ergibt. Es handelt sich um Martin, der nicht an Gott glauben kann, ferner Eric, der sein spekulativ erworbenes Vermögen in der Finanzkrise verliert, dadurch aber gerade seine groß angelegten Betrügereien sanieren kann, und Iwan, Zwillingsbruder von Eric, den Kunstmaler, der in die Persona eines mittleren, belgischen Malers schlüpft, in seinem Namen Bilder malt und deren Preise auf dem Kunstmarkt durch ausgeklügelte Manipulationen in die Höhe treibt. Ihr Vater heißt Arthur. Er verlässt seine Frau und seine Söhne, als diese im Jugendlichenalter sind, widmet sich ganz der Schriftstellerei, taucht nur hin und wieder im Leben aller Beteiligten auf
.
In dem Kapitel "Familie" gibt es einen Blick zurück in die Geschichte der Familie bis ins Mittelalter, eine imaginäre Retrospektive. Darin kommen immer wieder Schicksalsschläge vor, auch der Teufel tritt häufig auf, bis wir ganz am Anfang stehen, wo der Urahn wider alles Erwarten und gegen die schlimmsten Schicksalsschläge ein zufriedenes und gelassenes Leben führt. Ebenso gibt es einen Blick in die Zukunft: Erics Tochter spielt eine Rolle mit ihren Zukunftsentwürfen, die sie erst wie die vorangegangene Generation realisieren muss. Auch in ihrem Leben taucht der Großvater Arthur auf, führt sie zum Wahrsager, wie anfangs seine Söhne zum Hypnotiseur, um ihr wie den Söhnen und sich selbst etwas über die Zukunft sagen zu lassen.

Es ist in gewisser Hinsicht ein philosophischer Roman, der gleichwohl ganz konkret und anschaulich gehalten, stilistisch kühn und einfallsreich konstruiert ist und immer wieder schöne Beispiele des Kehlmannschen Humors aufweist. Man fühlt sich hin und wieder an den magischen Realismus in Hesses "Steppenwolf'" erinnert. Es gibt viele außerordentliche Zufälle und symbolische Ereignisse in einem völlig realistischen Gewand, um die zentralen Fragestellungen des Buches zu beleuchten: Gibt es etwas Absolutes? Gibt es die Willensfreiheit? Kann man an Gott glauben (Martin)? Gibt es die über allem Zweifel und über allen Zeiten stehende Kunst (Iwan)? Kann man im modernen Finanz-und Kommerzbetrieb ein authentisches Leben führen (Eric)?

Nun erscheint es als ausgesprochene Ironie, dass ausgerechnet der haltloseste und fragwürdigste unter den drei Brüdern, Eric, zu dem festen Glauben findet, der für seinen Bruder, den Priester Martin, nicht zu erreichen ist. Für Martin und Iwan wird das So-Tun-als-ob charakteristisch, das mit einem gewissen Zynismus betrieben wird, das aber dennoch für sie eine reale Lebensmöglichkeit ist, bis auch Iwan das Fatum ereilt.

Ich glaube, dass die Möglichkeiten eines solchen philosophischen Romans begrenzt sind. Aber für mich ist es keine Frage: Dies ist ein höchst interessantes, gut und lesbar geschriebenes und auch vergnügliches Buch!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mechanismen des Bewusstseins" oder: "Ich bin niemand!", 30. August 2013
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
1974 erfand ein ungarischer Professor für Physik und Design einen bunten Plastikwürfel, der sich zu Beginn der achtziger Jahre wie ein Virus in der Welt auszubreiten begann. Seitdem fummeln Millionen Menschen an der Erfindung von Ernö Rubik herum und versuchen, die Schichten des Zauberwürfels so zu verdrehen, dass alle Seiten gleichfarbig werden. Zwar ist der große Hype mittlerweile verebbt, doch scheint es immer noch ein gewisses Interesse zu geben. Seit einigen Jahren fasziniert das bunte Spielzeug sogar die Wissenschaft. 43.252.003.274.489.856.000 Ausrichtungsmöglichkeiten soll es geben. Für das Wiederherstellen der farblichen Ordnung sind allerdings, man höre und staune, nur zwanzig Züge erforderlich. Der Weltrekord liegt übrigens bei sieben Sekunden.

In sieben Kapiteln beschäftigt sich auch Daniel Kehlmann mit dem Ausloten und der Suche verschiedener Möglichkeiten sowie einem eventuell "berechenbaren" Schicksal. Zwar geht es in seinem neuen Roman mit dem schlichten Titel "F" nicht um jene magische "Gottes Zahl", aber Rubiks Würfel findet sich darin gleichfalls wieder. Einer der drei Brüder, aus deren wechselnder Sicht das Buch jeweils in der Ich-Form erzählt wird, ist diesem magischen Zauber erlegen. Das Mysterium der Existenz Gottes wird ihm im Gegenzug dazu, jedoch Zeit seines Lebens nicht klar werden. Was umso mehr erstaunt, als dass Martin katholischer Priester ist. Seine zwei Halbbrüder wiederum - die Zwillinge Eric und Iwan - scheinen auf den ersten Blick das große Los gezogen zu haben: der eine als schwerreicher Finanzmakler, der andere als erfolgreicher Kunst-Kurator. Doch auch hier trügt der oberflächliche Schein. Die Wahrheit brodelt düster-drohend unter der Oberfläche und schaut weniger optimistisch aus. Denn alle drei Leben, so unterschiedlich sie sich entwickeln, bauen nur auf Betrug und Täuschung auf. Mehr oder weniger haben sich alle drei komplett verloren. Ja, unweigerlich kommt der Verdacht auf, dass sie sich selbst nicht mehr ganz sicher sind, wer sie eigentlich sind und vielleicht gar das Leben des anderen führen.

Ausgangspunkt ist der Besuch einer Hypnoseshow, gemeinsame mit ihrem Vater Arthur Friedland. Diese, so hat es den Anschein, besiegelt in Gestalt des ominösen Lindemann ihr weiteres Schicksal und legt den Grundstein für Kehlmanns ominöses "F". F wie Fatum? Im Lateinischen steht das Wort für eben jene höhere Gewalt, der sich Martin, Eric, Iwan und auch Arthur restlos unterwerfen und die sie, jeder auf ihre eigene Art, als Begründung für diverses Versagen, unterschiedlichste Ängste und persönliche Fügungen gebrauchen. Letzterer macht sich hernach komplett aus dem Staub, um sich fortan als mysteriöser Autor von Zeit zu Zeit aus der Versenkung bei seinen Söhnen zu melden. Diese wiederum fungieren in Kehlmanns Text alles andere als fröhliche Experimente, sondern eher als "zweckfreie Produkte eines spielerischen Geistes", als "böswilliger Angriff auf die Seele jedes Menschen", der sein Buch liest. Letztendlich wirft der Autor die Frage auf: "Wie, wenn wir immer derselbe sind, in immer anderen Träumen? Nur die Namen täuschen uns." Die Antwort liefert er gleich mit: "Lass sie beiseite, und du siehst es sofort."

2005 hat Daniel Kehlmann mit "Die Vermessung der Welt" einen gut lesbaren, humoristischen Bestseller geschrieben. Doch schon mit dessen Nachfolger "Ruhm" verlor er einen Großteil der sprunghaft angewachsenen Fangemeinde. Mit "F" wird er wohl die verloren gegangenen "Schäfchen" auch nicht wieder zurückholen. Zu viele "Spiegelungen und unerwartbare Volten von einer leicht sterilen Brillanz" finden sich in seinem Text, der den Leser in ein Wechselbad der Gefühle wirft. Aber wie der Autor mit mehreren Wirklichkeiten, Bewusstseins- und Daseinsebenen variiert, ist schon grandios. Kehlmanns Stil und sein Spiel mit Strukturen gibt den virtuellen Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Traum beeindruckend wider. Gerade noch fabuliert er voller "Melancholie, ausbalanciert durch Humor", doch schon im nächsten Kapitel offenbart er eine "in der Schwebe gehaltene Brutalität" oder gar philosophische Betrachtungsweisen des Lebens und des Seins an sich. Auf mysteriöse Weise ist letztendlich alles mit allem verbunden. Am 08.08.08 kumuliert die Handlung zu ihrem alles andere als glorreichen Höhepunkt: Eine Geschichte, die dem Fatum - dem Schicksal - einen großen Raum einräumt, in der manchmal jeder Weg falsch ist und in der der Teufel und unterschiedlichste Dämonen mit Gott würfeln. Ob allerdings mit Rubiks Würfel sei dahingestellt.

Fazit: "Dieses Buch berührt mich auf das Merkwürdigste, und bis heute macht es mir Angst. Zum Teil weil es zeigt, wie unübersehbar die Konsequenzen jeder Entscheidung und jeder Bewegung sind - jede Sekunde kann alles zunichtemachen, und wenn man das zu Ende denkt, wie lässt es sich überhaupt leben?" "F" entpuppt sich als hochwertige und anspruchsvolle Publikation, die einen ganz anderen Duktus als sein Bestseller "Die Vermessung der Welt" aufweist. Doch insbesondere diese Andersartigkeit zeigt, welch vielfältige literarisch-stilistische Qualitäten der 38-jährige Autor hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


73 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lauwarm, fast schon kühl, 4. September 2013
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Schade. Ich habe mich sehr auf den neuen Kehlmann gefreut. Doch so richtig wollte diese konstruierte Geschichte um drei Brüder bei mir nicht zünden. Und ich glaube auch zu wissen, warum das so ist.

Daniel Kehlmann gilt als Edelfeder Nummer eins im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Er sagt äußerst schlaue Sachen, hat eine tolle Schreibe und wirkt, wie ich finde, ziemlich nett, so man das aus der Distanz sagen kann.

Da ich bereits viele Kehlmann-Bücher gelesen habe (am besten fand ich sein Debüt "Beerholms Vorstellung", dicht gefolgt von "Ruhm" und erst dann "Die Vermessung der Welt") habe ich mich richtiggehend gefreut auf den neuen Roman.

Als ich zu lesen begonnen habe, war mein erster Gedanke: ja, ein klassischer Kehlmann. Die Sätze kompakt, die Atmosphäre reduziert, in allen Situationen eine angenehme Komik. Und über allem drübergestreut eine Prise Bildung und Wissen. Als Leser mag ich soetwas gerne, man hat das Gefühl, etwas en passant zu lernen. Bei Kehlmann erfährt man in der Tat viel über die ersten und letzten Dinge, über Sinn und Unsinn des Lebens.

Aber so richtig bin ich nicht in die Geschichte hineingekommen. Obwohl ein einfacher Lesefluss und viele gute Ideen, zog sich die Geschichte wie ein Kaugummi. Das ist das Stichwort: Geschichte! Besser noch: Story! Denn das Gefühl, hier eine Geschichte vor sich zu haben, wollte sich bei mir perdu nicht einstellen.

Das ist, wenn man so will, der Fehler dieses Buches - und bei genauerem Hinschauen vielleicht sogar der "Fehler" Kehlmanns. Er erzählt keine Geschichte!
Vladimir Nabokov hat sich einmal abschätzig über Thomas Mann geäußert. Nabokov meinte sinngemäßg, Mann will keine Geschichten erzählen, sondern dem Leser eine Ideologie, ein Weltbild, Philosophie vermitteln. Genau das sei das Problem.

Dieses Problem habe ich mit "F". "F" wie "Fehler" sozusagen. Ich habe nie das Gefühl, dass diese Figuren im Roman echt sind. Ein guter Schriftsteller muss das aber in mir auslösen. Murakami schafft das, Stephen King schafft das, Philip Roth oder Truman Capote schaffen das u.v.a.

Aber zu keiner Sekunde, hatte ich den Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, um zu erfahren, wie die Geschichte endet. Bei mir stellte sich ein Gefühl von Belanglosigkeit ein. Ein sicheres Zeichen von zweitklassiger Literatur.

Was mir über die ganze Strecke des Buches immer wieder unangenehm aufgefallen ist: Kehlmann befolgt eine der wichtigsten, ja wenn nicht gar DIE wichtigste Regel, erzählerischen Schreibens nicht: Show, don't tell!

Bei Kehlmann wird daraus ein Tell, don't show! Nicht in allen Szenen, aber doch zu oft für meinen Geschmack. Kehlmann zeigt nicht, wie sich seine Protagonisten fühlen, er erklärt es.

Das Buch hinterlässt bei mir ein lauwarmes Gefühl. Ich habe zum Teil jetzt schon die Handlung wieder vergessen. Ein schlechtes Zeichen.

Fazit: Ein äußerst konstruierter, angestrengter und schaler Roman.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarischer Impressionismus, 2. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
„Es ist die Kunst selbst, als heiliges Prinzip, die es leider nicht gibt.“ (Seite 278, „F“).

Mir persönlich hat „F“ besser gefallen als die anderen Kehlmann-Bücher zuvor. F ist meiner Wahrnehmung eine Art impressionistisches Kunstwerk; ein Stück Literatur, das sich lohnt, noch ein zweites Mal gelesen zu werden, weil man immer neue Dinge entdeckt und das Gelesene neu interpretiert. Die einzelnen Szenen und Geschichten mögen auf den ersten Blick für sich keinen Sinn oder Zusammenhang ergeben – aber je weiter man sich von der Unmittelbarkeit der einzelnen Geschichten löst, umso mehr ergibt sich ein Gesamtbild. Der zweite Blick lohnt sich für den, der ein zweites Mal hinschauen will und über Kunst, Glaube und Durchschnittlichkeit oder Begabung nachdenken möchte. Wer das nicht möchte, braucht das nicht zu tun – und wird dem Buch wohlmöglich wenig abgewinnen können.

Das Buch ist in die folgenden Kapitel unterteilt:
Der große Lindemann
Das Leben der Heiligen
Familie
Geschäfte
Von der Schönheit
Jahreszeiten – mit den Unterkapiteln 1,2,3

Wer sich wundert, dass es doch vier Jahreszeiten gibt, der sei insofern beruhigt, als dass die „fehlende“ Jahreszeit Sommer in den voran gegangenen Kapiteln allgegenwärtig ist.

Das erste Kapitel „Der große Lindemann“ führt in die Geschichte ein. Vater Arthur, ein Schriftsteller, von dem nichts veröffentlicht wird, geht mit seinen Kindern zur Vorstellung eines großen Hypnotiseurs. Auf Grund dieser Erfahrung lässt Arthur alles stehen und liegen, schmeißt seine Kinder aus dem Auto, taucht für Jahre ab und fängt an Bestseller zu schreiben. Sein berühmtestes Werk wird „Mein Name sei Niemand“; das Schlusskapitel des verstörenden Bestsellers „ist kurz und gnadenlos und handelt, daran besteht kein Zweifel, von Arthur selbst.“ (S.88). Arthur nennt seine Hauptfigur F, so wie Kehlmann sein Buch „F“ betitelt hat. Arthurs Bestseller treibt den Konstruktivimus auf die Spitze: Nicht gibt es; „Dein sogenanntes Bewusstsein ist ein Flackern, ein Traum ist es, den niemand träumt.“ (S. 88). Arthur hat dieses Buch seinen drei Kindern geschickt. Deren Schicksal – oder Fatum mit F - kulminiert im Sommer 2008, und diese Verquickung wird in den Folgekapiteln dargestellt.

Im Kapitel „Das Leben der Heiligen“ lernt der Leser Martin kennen. Martin ist katholischer Priester und verdankt seine Karriere wohl dem Umstand, der er keinerlei Spiritualität empfindet. Er ist ein Pfarrer, der nicht an Gott glaubt.

Das folgende Kapitel „Familie“ ist eine Erzählung Arthurs, die sich mit seinen Vorfahren auseinandersetzt und im Kern feststellt, dass sie nicht mehr da sind. Auch Familie ist nach Arthur nur konstruiert, oder doch nicht?

Das Kapitel „Geschäfte“ konzentriert sich auf die Erlebnisse von Eric. Er ist Vermögensberater, der lange Zeit damit Gewinn
gemacht hat, zu behaupten, er habe Gewinn gemacht. Im Gegensatz zu Martin besitzt er eine übersinnliche Ader, weiß diese aber nicht zu nutzen und wird stattdessen am Ende des Buches die Finanzkrise als ein Gottesgeschenk an sich persönlich auffassen. Bis dahin spielt er mit dem Glauben anderer Menschen wie zum Beispiel den seines Chauffeurs, dass er mit Geld umgehen könne.

Das Kapitel „Von der Schönheit“ handelt von Iwan. Iwan hält sich als Maler für durchschnittlich, promoviert über die Durchschnittlichkeit in der Kunst und stößt dabei auf den Maler Eulenböck. Iwan wird dessen Vertrauter, fängt an Eulenböck zu vermarkten und vor allem: Iwan mal die Bilder von Eulenböck. Iwans Bilder werden unter den Namen Eulenböcks berühmt. Er ist wohl doch kein Durchschnitt; aber an die Kunst glaubt Iwan nicht (siehe das Eingangszitat).

Im Herbstunterkapitel der „Jahreszeiten“ trifft Arthur mit seiner Enkelin Marie zusammen. Marie hat es zur Perfektion gebracht, wissend zu nicken, so dass die Erwachsenen glauben, sie würde die Erwachsenen verstehen. Arthur geht mir auf den Jahrmarkt zu einem Wahrsager, der zu Beginn des Buches der Hypnotiseur war. Arthur stellt erleichtert fest, dass auch dessen Handwerk nicht auf Wissen und Gewissheiten, sondern nur auf Glauben und Blendung beruht. Dann geht er mit ihr ins Museum und zwingt Marie, ein von Iwan gemaltes Eulenböck-Gemälde zu betrachten. Dieses Gemälde scheint je nach Perspektive nur aus Farbklecksen, ein Gesamtpanorama oder am Ende gar auf ein übergeordnetes Motiv hinzuweisen – so wie es das Buch „F“ auch tut.

Fazit: Das Buch besticht meiner Meinung nach durch seine klare, präzise Sprache und dem Verweis auf ein abstraktes Motiv. Kehlmann nennt dieses Motiv „F“. „F“ taucht in den Erlebnissen und zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren auf. Nicht die Erzählung, sondern das Motiv hält das Buch inhaltlich zusammen. Das Motiv selbst bleibt dabei absichtlich unklar: unterstellt man dem Buch ein solches Motiv, wird es zu einem impressionistischen Meisterwerk. Spricht man ihm dieses Motiv ab, bleibt ein unverbundenes Szenensammelsurium übrig. Welchen Wert dieses Buch hat, liegt alleine im Bewusstsein des Lesers. Wer sich einer solchen Bewusstseinssuche nicht aussetzen möchte, dem sei von diesem Buch eher abgeraten. Mich persönlich hat aber gerade dieser Aspekt am Buch am meisten fasziniert: denn dadurch, dass es Kehlmann nachweislich gelungen ist, dem Leser die Entscheidung offen zu lassen, ob er an das Motiv hinter dem Buch glaubt oder nicht, reflektiert die öffentliche Debatte über das Buch die inhaltliche Auseinandersetzung im Buch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


42 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Da ist ein guter Schriftsteller an einem Buch gescheitert, das er vielleicht nie hätte schreiben sollen, 5. September 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Da schreibt ein junger Schriftsteller einen Roman, der sich in wenigen Jahren zu einem der meistverkauften deutschen Bücher Nachkriegszeit entwickelt, in bisher 46 Sprachen übersetzt wurde und eine gefeierte Verfilmung erlebte. Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ war ein wirklich gutes Buch, und die sind wirklich sehr selten. Er hat danach zwei Bücher nachgelegt, aber dann war Pause. Zehren vom Ruhm, die vielen Einladungen, die Medienpräsenz, vielleicht auch finanzielle Aspekte seitens des Verlags solange sich der Bestseller gut verkauft – es sind alles nur Spekulationen. Auch die Gründung einer Familie und die Geburt eines mittlerweile vierjährigen Kindes können kein wirklicher Grund für eine so lange Pause sein.

Wenn man beim Lesen des neuen, mit viel Vorschusslob hochgejubelten Romans von Daniel Kehlmann etwa in der Mitte angelangt ist, und bis dato jegliche Hoffnung auf eine positive literarische und kompositionelle Wendung des Buches aufgegeben hat, dann beschleicht den Rezensenten ein immer stärker werdendes anderes Gefühl. Da ist ein guter Schriftsteller an einem Buch gescheitert, das er vielleicht nie hätte schreiben sollen. Und sein Lektor hat ihm nicht geraten, es zu lassen und noch einmal ganz neu anzufangen. Denn der Literaturbetrieb ist hart und die bohrenden Fragen, wann denn nun endlich ein neues Buch käme, wollten gar nicht aufhören. Eines ist klar: Daniel Kehlmann hat sich mit diesem Buch keinen Gefallen getan und sein Verlag ihm ebenso wenig.

Da wird von drei Brüdern erzählt und ihrer Geschichte mit ihrem Schriftstellervater, der zunächst nichts schreibt, dann aber mit einem dubiosen Roman „Mein Name sei Niemand“ einen zweifelhaften Erfolg hat, um danach wieder in eine Schreibhemmung zu fallen. Martin, der älteste Bruder aus einer früheren Beziehung des Vaters ist ein katholischer Priester, der den Glauben verloren hat (wenn er denn je einen besaß) und daraus keine Konsequenzen zieht, sondern einfach so weiter macht. Die beiden Zwillingsbrüder Eric und Iwan lernen Martin kennen, als sie sieben sind. Eric wird ein Investmentberater, der 2008, in dem Jahr, in dem das Buch hauptsächlich spielt (auch das ein Hinweis darauf, wie lange sich Kehlmann mit dem Roman gequält hat?) alles verliert. Iwan ist Maler, homosexuell, der aber wegen seiner eigenen Mittelmäßigkeit kein Erfolg hat, sich an einen alten Maler heranmacht und diesen mit grandiosen Fälschungen und einem genialen Plan, der die Kunstwelt hinters Licht führt, zum Erfolg führt und sich selbst zum reichen Mann macht.

So weit, so gut. Aus diesem Stoff hätte man vor zwei drei Jahren ein gutes Buch machen können. Aber die Handlungsstränge sind wenig durchdacht, die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Geschichten der drei Brüder, die sich am Ende des Buches auftun, bleiben banal. Auch hier hätte man mehr damit machen können. Niemand entwickelt sich wirklich in diesem Buch. Es herrscht ein immer langweilig werdender Stillstand in einer Umgebung, die doch in permanenter Veränderung ist.

Für mich ein erneuter Hinweis darauf, dass dieses Manuskript schon vor langer Zeit begonnen wurde, dann liegen gebelieben ist, und nun auf eine auch handwerklich schlechte Weise zu einem unbefriedigenden Abschluss gebracht worden ist.

Ich wünsche Daniel Kehlmann von Herzen, dass er dieses Buch schnell hinter sich lassen kann und sich an einen neuen Roman setzt. Vielleicht gibt das Leben als Familienvater und der tägliche Kontakt mit einem Kind neuen Stoff.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Seltsam auseinanderfallend und leer, 18. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Daniel Kehlmanns "F" ist die Geschichte eines Vaters und seiner drei Söhne. Der Roman beginnt mit einem Ausflug, den alle vier miteinander unternehmen zu einer Zeit, als alle Söhne noch Kinder/Jugendliche sind. Nach diesem Ausflug, verschwindet der Vater bis auf weiteres. Was dann folgt ist die Schilderung von entscheidenden Lebensabschnitten der Söhne im Mannesalter, in drei voneinander scheinbar unabhängigen Sequenzen, mit gelegentlichen Auftritten des plötzlich wieder auftauchenden Vaters angereichert. Diese jeweiligen Lebensabschnitte der Söhne haben es durchaus in sich, und bei aller Unabhängigkeit der Ereignisse, sind sie inhaltlich miteinander verknüpft, und auch schriftstellerisch einigermaßen geschickt miteinander verwoben. So weit, so akzeptabel.

Dennoch stellte sich ab einem gewissen Zeitpunkt für mich die Frage worum es denn nun eigentlich ginge, bei dieser vordergründigen Familiengeschichte (ein genauso eigenartiges wie deplatziertes Kapitel über die tatsächliche Familiengeschichte der F's bis zurück ins 14. Jahrhundert inklusive). Betrug, Verrat, Lüge... ja, schön und gut, aber gibt es dabei auch einen größeren Bogen, ein übergeordnetes Interesse oder Aussage, eine Klammer, oder einfach nur eine richtige Geschichte, die alles zusammenhält und 380 beschriebene Seiten rechtfertigt?

Falls sie da war (ist) habe ich sie nicht entdeckt, bzw. Kehlmann hat sie erfolgreich zu verbergen verstanden. So bleibt für mich zurück der Eindruck einer seltsam auseinanderfallenden Geschichte, die zwar irgendwie ansprechend, auch etwas spannend und mitunter nett erzählt ist, aber dennoch letztlich nur Leere entstehen lässt. Das Gefühl das sich einstellt, wenn man einen Stein die Brücke hinunter wirft, aber dann das Aufplatschen auf das Wasser nicht hören kann...

Grds. habe ich so meine Schwierigkeiten mit der zeitgenössischen deutschen Literatur, und ich habe auch nie ein Hehl daraus gemacht (siehe etliche meiner vorangegangenen Rezensionen). Dennoch gebe ich mir Mühe und versuche redlich mir selbst diesen Eindruck zu zerstreuen mit dem Lesen der derzeitig benannten "Schwergewichte". Leider muss ich sagen, dass sich mein Gesamteindruck des Zustandes der deutschen Gegenwartsliteratur auch mit der Lektüre von "F" keinesfalls geändert hat - im Gegenteil: der Inhalt von "F" ist genau so banal und einfallslos wie sein Titel.

In diesem Sinne nur bestenfalls 2 Sterne und eher keine Leseempfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 211 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

F: 7 CDs
F: 7 CDs von Daniel Kehlmann (Audio CD - 13. September 2013)
EUR 17,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen