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am 13. Oktober 2010
Das Verdienst von Andrea Maria Schenkel liegt nicht darin, grosse Krimispannung aufzubauen. Die Handlung ist vollkommen vorhersehbar und entbehrt auch jeglicher Komplexität.

Aussergewöhnlich und für mich stellenweise atemberaubend ist jedoch die unglaublich dichte, facettenreich ausgearbeitete Atmosphäre. Jedes Handlungsdetail ordnet sich hier dem einen Zweck unter, Sitten und Sichtweisen aus dem München der 30er Jahre zu illustrieren. Das Eintauchen in diese Welt hat mich sehr angerührt und auch beschäftigt.

Bis hierhin klare fünf Sterne von mir.

Was in meinen Augen eher schwächelt, ist der Stil. Nun ist es natürlich ein Dilemma, eine stark mundartgeprägte Gesellschaft nachvollziehbar und atmosphärisch widerzugeben, ohne richtig Mundart schreiben zu wollen (und zu können, denn eine wirklich ernsthafte bairische Schriftsprache gibt es ja gar nicht). Andrea Maria Schenkel hat sich da einen Prosa-Kompromiss gezimmert, der leidlich funktioniert - aber der Weisheit letzter Schluss ist er nicht. Mal freut man sich über saftig-kräftig gelungene Passagen, aber dann nervt es einen wieder mit geringer Variabilität und der ziemlich schamlosen Wiederverwendung einmal für gut befundener Stilmittel. Je länger man das liest, desto öfter fragt man sich: ist das nun milde manieriert? Oder vielleicht doch schon richtig Kitsch? Genau weiss ich's nicht.
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am 19. Oktober 2007
Nach dem sehr durchwachsenen, aber nichtsdestotrotz auch sehr erfolgreichen Debüt "Tannöd" folgt nun mit "Kalteis" Andrea Maria Schenkels zweiter Streich. Darin bedient sie sich erneut einer auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte, die wiederum in Bayern angesiedelt ist. So handelt "Kalteis" von einem Triebtäter, der in den 30er Jahren München erschüttert, indem er mehrere Frauen vergewaltigt und ermordet, bis er schließlich dafür hingerichtet wird.

Schenkel gelingt es zwar ein sehr authentisch wirkendes Bild jener Zeit zu schaffen und hat auch durchaus starke Momente zu bieten, doch leider krankt auch "Kalteis" an den gleichen Stellen wie der Vorgänger. Die Geschichte wird erneut völlig achronisch und aus der Sicht verschiedenster Personen erzählt, was an sich zwar interessant und reizvoll ist, doch mittlerweile mehr wie ein Aufguss des im erfolgreichen Debüt erprobten Stils wirkt und wieder nicht hundertprozentig funktioniert. So nimmt zwar die bisweilen wirklich schauderhafte und eindringliche Vernehmung Josef Kalteis' (etwa wenn er schildert, wie man ein Schwein schlachtet, oder wenn er schließlich alles gesteht) einen Großteil des Romans ein, doch kommen auch wieder eine Reihe anderer ins unmittelbare Geschehen Involvierter zu Wort. Diese Wechsel zwischen den unterschiedlichen Perspektiven, welche größtenteils in der bayrischen Mundart niedergeschrieben sind und oftmals wirken als wären sie einfach gesprochen, verleihen dem Roman zwar größere Authentizität und Lokalkolorit, waren aber selbst für mich als Sprecher des bayrischen Dialekts dann doch oftmals zu anstrengend und gewollt, um wirklich zu überzeugen. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die ständige Vermischung von wörtlich und in indirekter Rede wiedergegebenen Berichten mit in durchaus gefälligen, in sehr poetischer Sprache verfassten Passagen, was auf Dauer sehr anstrengt und manchmal auch einfach nur öde ist.

Wer bereits Schenkels Erstling "Tannöd" für das Maß aller Dinge und die Creme de la Creme hielt, der ist sicher auch von "Kalteis" hellauf begeistert. Wer sich aber (wie ich) dort bereits nicht mit den vielen Perspektivwechseln, einem eher an die gesprochene bayrische Sprache angelehnten Schreibstil und dem viel zu früh einsetzenden Ende (wieso hört der Roman gerade dann auf, wenn er beginnt, interessant zu werden!?) anfreunden konnte, der wird sich auch bei "Kalteis" schwer tun.
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VINE-PRODUKTTESTERam 28. Dezember 2008
Ich wollte unbedingt das Ende wissen, obwohl ja schon klar war, dass der Mörder gefasst und bestraft wurde, damit beginnt der Roman. Er springt zwischen Geschichte aus Sicht der Opfer, Zeugenaussagen, Verfahrensprotokolle und Sicht des Täters - doch die Frauen kommen schlecht weg - so nach dem Motto: Sie haben es wohl provoziert. Es bleibt vieles einfach so als Beschreibung allein stehen, ein unbefriedigender, öder Nachgeschmack nach der Lektüre und ich dachte: ich werde doch nie ein Krimifan, aber wenn ich die anderen negativen Beurteilungen sehe, fühle ich mich bestätigt und sehe, dass ich nicht allein so empfinde! Ein Buch, das man getrost ungelesen liegen lassen kann.
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am 8. Februar 2012
vielleicht schrieb der verlag bewußt (vielleicht gar: vorsichtshalber?) nicht "krimi" auf den umschlag, sondern schlicht "roman". denn die für einen krimi typische spannung kommt nie auf und vielleicht soll sie es auf gar nicht.
es liest sich eher wie ein nüchterner, aber durchaus interessanter polizei- und augenzeugenbericht über verschiedene mordfälle, die allerdings ganz unzusammenhängend (es ist eben eine reihe von einzelfällen) hintereinander abgearbeitet, oft auch nur angerissen werden. diese ellipsen, die die eigentlich interessantesten stellen (sicherlich bewußt) zumeist aussparen, wie auch die (heute in jedem krimi und jedem film, der etwas auf sich hält, vorgenommenen) hin- und herbewegungen in der zeit, die zunächst nur erahnen lassen, wohin der text möchte (was nicht mit "spannungsaufbau" verwechselt werden sollte; möglicherweise geschieht genau dies aber), werden sicherlich manch einen krimileser unbefriedigt zurücklassen.
im letzten drittel des buches meint man gelegentlich, es eher mit einer geschichte einer natürlich unglücklichen liebe einer jungen frau, die in der großstadt ihr glück sucht und es nicht findet, obwohl sie es beinahe zu erzwingen versucht, indem sie sich nacht für nacht mit anderen männern, vielversprechenden partien, einlässt, zu tun zu haben. als solche hat diese geschichte aber wohl nichts, was unzählige andere derartiger geschichten nicht auch hätten. diese junge frau, kathie, ist die eigentliche hauptperson des romans, dessen namensgeber kalteis, der täter, tritt ihr gegenüber deutlich in den hintergrund, so weit, dass die namenswahl des romans unschlüssig erscheinen mag. die erzählperspektive wechselt dabei zwischen kathie und den verschiedenen (vielleicht zu vielen), knapp vorgetragenen gewalttaten kalteis' hin und her, bis beide erzählstränge am ende schließlich (sicherlich nicht überraschend), zusammenführen, kathie fällt dem triebtäter kalteis zum opfer, wobei auch diese tat nur in andeutungen, schlaglichtartig wiedergegeben wird...
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Für ihr Erstlingswerk "Tannöd" erhielt Andrea Maria Schenkel den Deutschen Krimipreis 2007. Auch der zweite Roman "Kalteis" basiert auf einer wahren Geschichte. Dabei hat sie die Bezeichnung "Krimi" etwas irritiert, denn es sind keine Krimis im klassischen Sinne bei dem die Ermittler nach dem Täter suchen, den Leser bei der Hand nehmen und den Täter einer gerechten Strafe zu führen. Nein, auch nach ihrem Überraschungserfolg arbeitet die Arztfrau aus Bayern, auch in ihrem zweiten Buch an der Archäologie deutscher Kapitalverbrechen. Sie will recherchieren wie das Böse" in die Welt kommt.

In ihrem neuen brutalen Kurzroman "Kalteis" - der übrigens auf Anhieb in die Bestsellerlisten stürmte- geht es erneut um einen authentischen Fall. Es ist der Fall des Lustserienmörders Johann Eichhorn, der in den dreißiger Jahren in München über 90 Frauen brutal vergewaltigte und fünf von ihnen ermordete. Auch in diesem Roman wird wieder wörtlich aus den Prozessakten zitiert. Interviews, Vernehmungsprotokolle und Zeugenaussagen bilden das Grundgerüst des Erzählens über das die Autorin den Leser an die Lösung des Falls heranführt.

Der Roman beginnt mit der Hinrichtung des Mörders, Tod durch Enthaupten. Danach macht die Autorin eine Rückblende und zeigt was vorher geschah. Am Schluss, wenn alle Mosaiksteinchen zu einem passenden Bild zusammen getragen sind, ist die Auflösung erfolgt. Alles beginnt mit der lebenslustigen, jungen und über die Maßen naiven Kathie, die es vom Dorf in die große Stadt München zieht. Mit ihr hat Andrea M. Schenkel eine, die Psychologie betreffend, in jeder Hinsicht glaubhafte Figur geschaffen. Sie gerät an den Falschen und wird zum letzten Opfer dieses Verbrechers. Die ganze Brisanz des Falles liegt unter anderem darin, dass das Regime der Nazizeit solche zivilen Tötungsakte nicht hinnehmen konnte. Der Mörder wird nach dem Überfall auf die kleine Kathie gefasst und anschließend hingerichtet.

Andrea Maria Schenkels "Kalteis" basiert auf der wahren Geschichte eines Frauenmörders, die Erzählperspektiven wechseln, das Ende bleibt unausweichlich, der tödliche Ausgang.
Die Autorin hat in ihren Büchern, und ich glaube das zweite ist deutlich besser als "Tannöd", weil es auch schon souveräner erscheint, eine Sprache gefunden, die runder ist und die mit einer leidenschaftslosen Reserviertheit schaudern lässt. Diese dunkeldeutsche Schauermär wird in der Sprache der "kleinen Leute", der Zeit und dem Lokalkolorit angepasst. erzählt und damit in einem Erzählstil übermittelt, der an die Blütezeit der "Schwarzen Romantik" erinnert.

Erneut ist der genuinen "Genreautorin" Andrea Maria Schenkel mit "Kalteis" ein großer Roman gelungen, von solcher Sogkraft, dass man ihn, einmal begonnen, in einem Rutsch zu Ende hören möchte. Monica Bleibtreu ist eine begnadete Vorleserin. Wer diese CD kauft und hört der wird in keiner Weise enttäuscht sein.
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am 22. Dezember 2011
Kalteis - ein Roman, der schlichtweg "anders" ist und ich gebe zu, die Schreibweise von Andrea M. Schenkel trifft absolut nicht jeden Geschmack. Das erkennt man ja ganz enorm daran, dass dieses Buch unglaublich polarisiert!!!

Nachdem ich die vielen unterschiedlichen Rezensionen gelesen hatte, wurde ich sehr neugierig ;-) Deshalb nahm ich mir das Buch aus der "Grabbelkiste" mit. Außerdem las ich vor vielen Jahren bereits "Tannöd" und war auch damals positiv überrascht.

Innerhalb kurzer Zeit hatte ich "Kalteis" durchgelesen, denn mich hat es enorm gefesselt. Es geht in diesem Roman nicht darum, eine "große" Geschichte zu erzählen mit tollen Protagonisten, einer guten Handlung etc.. Der Fall Josef Kalteis beruht auf wahren Geschehnissen (der Name ist fiktiv; Quelle ist der Fall Johann Eichhorn) und was die Autorin hier erschafft, ist eine athmosphärisch dichte Momentaufahme aus dem München der 30-er Jahre, die einen besonders durch den ungewöhnlichen Schreibstil - die Umgangssprache, knappe Sätze...- so richig in den Bann zieht. Trotz der nur 187 Seiten war ich sehr schnell "mittendrin" in der damaligen Zeit, verfolgte gespannt das Schicksal der Protagonistin Kathie und erschauerte einmal mehr über die tiefsten Abgründe, die in einem Menschen lauern können.

Ich kann eigentlich nicht genau sagen, WAS mich an "Kalteis" so fasziniert. Es ist einfach so :-) Vielleicht noch eines: direkt vorher las ich einen "richtigen" Krimi von Arne Dahl. Dieser hat mir aber bei WEITEM nicht so sehr gefallen und mich kaum gefesselt...;-)
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am 15. Dezember 2008
manchmal braucht man ein Buch wie dieses um die schriftstellerische Qulität einer Lena Christ erst wieder richtig zu schätzen. Was hier als "in Bayern gesprochene Sprache" bezeichnet wird ist einfach nur fürchterlich. Die Satzstellung nervt von der ersten bis zur letzten Seite. Die Handlung erscheint mir zusammengeschustert um nach dem ersten so hochgelobten Buch so schnell wie möglich ein zweites folgen zu lassen. Ich habe Tannöd nicht gelesen und nach dem was mir mit Kalteis geboten wurde werde ich es auch bleiben lassen. Zum Glück habe ich dieses Buch gebraucht erworben, so dass sich der finanzielle Verlust gering hält.
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Das Buch befasst sich mit wahren Fällen, die sich in den 30 er Jahren in München ereignet haben. Ein perverser Triebtäter ermordet mehrere junge Frauen und wird dafür hingerichtet.
Der Aufbau des Romans entsteht durch sich abwechselnde Kapitel über verschiedene Frauen, verschiedenen Teilen der Vernehmung des Täters Kalteis, Beschreibungen seiner Frau Walburga und mehreren Teilen über das Mädchen Kathie. Das ist erst ein wenig verwirrend, später jedoch erklärt jedes Kapitel die furchtbare Person Kalteis ein wenig mehr.
Gesprochen wird in einer einfachen knappen Sprache mit eigentümlichem Satzbau, ein wenig Bayrisch wirkend. Diese Sprachwahl macht die Charaktere sehr authentisch, aber auch alle sehr ähnlich und daher auch austauschbar.
Der Mörder ist von Anfang an bekannt, aber trotzdem liest man dieses Buch in einer unheimlichen Spannung.
Kathie, das naive aber nicht unschuldige Mädchen vom Lande, ist die einzige Frau, deren Geschichte den Leser durch das ganze Buch hindurch begleitet.
Schenkel widmete allen anderen "Opfern" immer nur kurze Kapitel, die mit ihrer Ermordung endeten.
"Wie viele denn noch?" So fragte ich mich während des Lesens. Und genau das macht den grausam fesselnden Reiz dieses Romans aus. Man wird fast gezwungen, zu Ende zu lesen, um diesen Morden ein Ende zu bereiten.
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am 4. Januar 2008
Ich habe "Kalteis" von Andrea M. Schenkel als Weihnachtsgeschenk bekommen und war erfreut, nachdem ich ihren Erstling "Tannöd" zwar nicht gelesen, aber in verschiedenen Medien die höchsten Lobeshymnen darauf zur Kenntnis nehmen durfte (ganz abgesehen von der Platzierung auf den Bestseller-Listen).
Nachdem ich nun diesen - Schenkels zweiten - Roman gelesen habe, kann ich sagen: Ihr Debüt lese ich ganz sicher nicht, und auch kein weiteres Buch von ihr - so denn eines nachfolgen sollte.
"Kalteis" ist ein Kriminalroman, aber kein Detektivroman (wie die Klassiker von Doyle oder Christie). Im Mittelpunkt steht die bestialische Vergewaltigung und Ermordung junger Frauen im Gebiet Münchens in den 1930er Jahren; die Autorin ließ sich dabei offenbar von authentischen Fällen leiten (kurzes Quellenverzeichnis im Anhang). Der Leser (die Leserin) ahnt bereits früh, wer der Täter ist.
Die Kapitel sind eine Mischung aus unpersönlicher Erzählung, wobei die Opfer mehr oder weniger lang von der Autorin "begleitet" werden, und Aussagen verschiedener Zeugen sowie des - im letzten Abschnitt des Buches geständigen - (Trieb-)Täters. Einzig die Verhörprotokolle des Täters - Kalteis - sind kursiv hervorgehoben (ein deutlicher Hinweis auf seine Bedeutung schon von Anfang an). Die Zeugenaussagen dagegen sind gegenüber dem übrigen Text nicht hervorgehoben oder kenntlich gemacht - etwa durch ein einleitendes: "Zeugenaussage des/der..." -, sodass die Orientierung für den Leser nicht die beste ist.
"Kalteis" ist ein schmales Büchlein, und dennoch sind 150 Seiten schon zuviel. Das Buch ist langweilig, es kommt an keiner Stelle Spannung oder zumindest das Interesse auf, weiterlesen zu wollen.
Die Schilderung der Tagesabläufe der jungen weiblichen Opfer nimmt den meisten Platz ein. Die Figuren bleiben dabei blass, charakterschwach, austauschbar. Nicht nur einmal verfällt Schenkel in Phrasenjargon. Zudem findet der zeitlich-gesellschaftliche Hintergrund - es ist das zweite Jahr der NS-Herrschaft in Deutschland - nur ganz zu Beginn kurze Erwähnung und bleibt ansonsten ausgeblendet. Auch im Übrigen bleibt die Erzählung seltsam steril und fast zeitenthoben: Weder Münchner Lokalkolorit noch zeitgebundene Alltäglichkeiten des Lebens finden Eingang in die Erzählung; der Fokus ist eng, fast tunnelblickartig, auf die Protagonisten - Opfer, Zeugen, Täter - gerichtet.
Einziger Ausweg, den Roman noch irgendwie zu retten, wäre die (sprachliche) Darstellungsweise. Bedauerlicherweise ist genau dieses der offensichtlich wundeste Punkt des Buches (bzw. der Verfasserin), wie die folgenden drei Punkte illustrieren mögen:
Erstens: Die Umstellung von Subjekt und Prädikat als Stilmittel ab und zu ist legitim. Augenscheinlich ist es aber eines der ganz wenigen - das einzige? - stilistische Mittel, dessen Verwendung Schenkel beherrscht; es kommt in ärgerlicher, weil inflationärer Zahl - häufig mehrmals pro Seite - zum Einsatz. So heißt es auf Seite 128: "Ist sie doch hier in München (...) um ihr Glück zu machen." Der übernächste Satz lautet dann: "Ist sie doch ein hübsches Mädchen."
Zweitens: Schenkel versucht, die Zeugenaussagen möglichst wenig zu literarisieren, d.h. grammatikalische und andere Fehler des Aussagenden im Text wiederzugeben und so höchste Authentizität zu wahren. Das ist legitim und auch angebracht; aber kein einfacher Mensch, weder in Bayern noch anderswo, verwendet in der mündlichen Rede das Imperfekt, und schon gar nicht in Abwechslung mit dem Perfekt. Derartige Fehler berauben den Text seines intendierten Effektes und damit der Glaubwürdigkeit. Frau Schenkel sollte sich nach einer Anmeldung bei einer Hobby-Schreibschule erkundigen.
Drittens: Wörtliche Rede wird bei Schenkel zumeist indirekt wiedergegeben. Auch in diesem Falle kann sich die Autorin offensichtlich nicht entscheiden, ob sie das Gesagte - sprachlich falsch, aber atmosphärisch richtig - im Indikativ wiedergeben will, oder ob es doch der Konjunktiv sein soll: "Dass es nicht einfach sein wird mit einer Stelle, sagte er ihr (...). Schließlich kenne er genügend Leute, und so ein hübsches Mädchen wie die Kathie, die findet bestimmt etwas." (S. 33).
Derartige sprachliche Mängel, die angesichts dieser Gehäuftheit weder auf Schlampigkeit der Verfasserin noch des Verlagslektorats, sondern nur auf die vereinte Unfähigkeit beider zurückgeführt werden können, machen die Lektüre dieses Buches vollends zum Verdruss.
Schließlich sei noch angemerkt, dass rund 13 Euro für 150 Seiten Taschenbuch-Lektüre meiner Meinung nach an Unverschämtheit grenzen, zumal sich das Buch nicht durch eine besondere Ausstattung und der Text nicht durch sorgfältiges Lektorat auszeichnet; denn wie sonst sind Fehler solcher Art zu erklären: "Gerufen hats, das (!) ich auf sie warten soll." (S. 19)
Fazit: Der Hype um Schenkel ist mir nach Lektüre von "Kalteis" unverständlich, das Buch weder literarisch gelungen noch inhaltlich fesselnd. Nicht-kaufen ist der beste Tipp!
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am 6. Februar 2011
Kein Roman im klassischen Sinne. Das Buch kommt in einer sehr fragmentierten Erzählung daher und schreibt teilweise aus Sicht der Opfer, teilweise aus Sicht der Zeitzeugen und zwischendurch in Form einer scheinbar protokollierten Anhörung des Täters. Die einzelnen Kapitel stehen erst bei längerem Lesen in einem mehr oder weniger direkten Zusammenhang, zeichnen aber abschließend ein gelungen, rundes Bild von den Ereignissen.

Sprachlich ist das Buch eine kleine Herausforderung und sicherlich nicht Jedermanns Sache. Man wähnt sich im München der 1930'er Jahre. Ob der Sprachstil übertrieben klischeehaft ist oder nicht, muss dabei jeder selbst entscheiden. Als potentieller Leser sollten Sie auf alle Fälle Probelesen.

Mir gefällt der Authentizismus, der gerade durch den fragmentarischen Aufbau, den bayerischen Sprachgebrauch und das Einstreuen von Vernehmungsprotokollen erzeugt wird. Wie nah das Buch damit allerdings wahren Ereignissen kommt, habe ich nicht recherchiert. Ich finde, dass dieses 150 Seiten schlanke Buch trotz des zügigen Durchlesens eine überraschend dicht Erzählatmosphäre schafft und zumindest für ein paar Stunden Kurzweil verspricht.
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