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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überwältigendes Filmepos, 25. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Intolerance (OmU) (DVD)
Nachdem ich mich durch »Birth of a Nation« durchquälen musste, hat mich der ebenfalls dreistündige Nachfolger »Intolerance« wirklich gepackt. Griffith treibt die Entwicklung der Filmsprache weiter voran und ist mit diesem Film seiner Zeit weit voraus. Neben seiner Innovation Machart, protzt der Film mit Bauten, dass es einem selbst heute noch die Sprache verschlägt. Die Proportionen und der Detailreichtum der Kulissen sind überwältigend. Bei eine Szene hat Griffith vom Ballon aus tausende Komparsen dirigiert! Die handlungstragenden Figuren gehen dabei aber nicht in der Materialschlacht unter: die Einzelschicksale stehen im Vordergrund und bieten dem Zuschauer eine Projektionsfläche. Während »Birth of a Nation« ein durchaus rassistisch zu nennendes Plädoyer für den Ku-Klux-Klan ist, steht »Intolernace« für dessen exaktes Gegenteil, nämlich für ein friedvolles Miteinander aller Völker und Schichten und ist in jeder Beziehung seinem etwas tumben Vorgänger überlegen. Griffith schafft es, ein filmisches Denkmal der edelsten menschlichen Ideale zu errichten, in dessen Zentrum zwei starke Frauen stehen. Ein Höhepunkt des Filmes, etwa nach der Hälfte der Spielzeit, ist die Schlacht um Babylon, die man nur monumental nennen kann.
Die vier parallelen Handlungsstränge entfalten sich langsam, wie eine sich öffnende Blume, zu aller Pracht. Die moderne Erzählung sowie die aus den Tagen des vorchristlichen Babylons nehmen den deutlich größeren Platz ein und sind denen aus der Zeit Christi und der im mittelalterlichen Frankreich spielenden deutlich überlegen. Zum Ende hin prescht der Film in einer Parallelmontage dem nervenaufreibenden Finale zu: Jesus wird gekreuzigt, die Hugenotten werden niedergemetzelt, Babylon kurz vor dem Fall und in der modernen Episode gilt es, einen Zug mit dem Automobil zu überholen, um eine Hinrichtung aufgrund eines Fehlurteils zu verhindern.
Die Produktion von »Intolerance« hat damals die unglaubliche Summe von fast zwei Millionen Dollar verschlungen und war damit lange Zeit der teuerste Film weltweit. Seine Kosten hat er nie eingespielt. Entgegen der landläufigen Meinung hat Griffith »Intolerance« aber nicht gedreht, um sich für »Birth of a Nation« zu rechtfertigen, der seiner Meinung nach die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs objektiv wiedergibt.

Die DVD-Umsetzung ist nicht ganz makellos. Generell ist die Bildqualtiät für einen fast 100 Jahre alten Film gut, es stören - schaut man sich den Film auf einem größeren TV an - manchmal aber digitale Artefakte. Gegenüber der US-Ausgabe von Kino Video ist die deutsche Veröffentlichung an den Seiten leicht beschnitten und das Bild ist weniger scharf. Ärgerlich auch, dass die in der Arte-Ausstrahlung vorhandene neu erstellte Filmmusik nicht den Weg auf die DVD gefunden hat, sondern ein leicht beliebiges Kinoorgelgedudel als Untermalung dient. Das Booklet wiederum ist, wie schon bei »Birth of a Nation«, sehr umfangreich und informativ. Die DVD beinhaltet leider keinerlei Extras. Die deutschen Untertitel sind optional.

5 Sterne für den Film und 4 für die DVD.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielleicht das genialste Werk der Stummfilmära. Jedenfalls Griffiths Meisterwerk!, 15. August 2014
Von 
M. Robert Ganser "robertissimo" (Apetlon, Burgenland) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Intolerance (OmU) (DVD)
Ja, ja, diesen „positiven“ Film musste er ein Jahr nach seinem „Skandalfilm“ ja machen, da waren und sind sich viele bis heute einig. Und dürften sich irren, und das nicht nur, weil Lillian Gish und der Meister selber von Anfang an widersprachen, sondern vor allem deshalb, weil Griffith selber keinen Grund zur „Wiedergutmachung“ sah. Der Begriff „Autorenfilmer“ existierte noch lange nicht, aber ein wesentliches Merkmal dieser Gruppe praktizierte der damals 50-jährige bereits konsequent, nämlich zu tun und zu lassen, was er wollte. Er wollte einen Film über Intoleranz und dessen Auswirkungen machen, und das war das Resultat. Die finanzielle Ausgangsposition war ausgesprochen günstig, da „Birth Of A Nation“ ein gewaltiger Erfolg war, Griffith war sein eigener Produzent, und hatte die Produktion von „Birth“ 110.100 Dollar gekostet (bei Einnahmen von ca. 18 Millionen Dollar!), so investierte er in sein neues Opus nicht weniger als 1,8 Millionen Dollar, eine damals ganz außergewöhnliche Summe. Außergewöhnlich war die Produktion allerdings auch: Verfilmungen historischer Stoffe hatte es bis dahin zwar schon gegeben, aber nicht annähernd in einem solchen Aufwand an Schauspielern, Gebäuden und Requisiten, und mit einer solchen inszenatorischen Vielfalt wie bei diesem Drei-Stunden-Film aus 1916. Das Gewaltige daran ist, dass dieser Aufwand niemals in Gigantomanie ausartet, sondern sich als notwendig und beeindruckend erweist: Alleine schon die Darstellung des alten Babylons lässt einen maßlos staunen, so wie auch Israel zur Zeit Jesu so stark dargestellt wird, dass man diesen Teil dieses Films für die wahrscheinlich gelungenste Bibelverfilmung der Stummfilmära betrachten kann. Die Bartholomäusnacht von 1572 wird im weiteren dargestellt, bleibt dann nur noch eine dramatische Geschichte um einen Justizirrtum im Amerika von 1915, die Griffith schon während der Dreharbeiten zu seinem großen Vorgängerfilm entwickelt hatte. Alleine wollte er aber den neuen Film nicht für sich stehen lassen und erkannte bald, dass sich diese Geschichte bestens mit den anderen historischen Darlegungen verbinden ließ. Der Untertitel „A Sun Play Of The Ages“ („Ein Sonnenspiel der Zeiten“) wies schon darauf hin, dass dieser Film abwechselnd vier verschiedene Geschichten und Zeitalter darstellte, die Übergänge wurden von Szenen der „Ewigen Mutter“ gestaltet, gespielt von der großen Lillian Gish, die in seinen großen Filmen glänzte (als Elsie Stoneman in „Birth“, Anna Moore in „Way Down East“, um nur zwei Beispiele zu nennen). Die Parallelmontage führte Griffith dabei zu einer neuen Qualität und erweiterte damit die Filmsprache immens, verbunden mit der brillanten und innovativen Kameraarbeit von Billy Bitzer (der mit Griffith noch lange zusammenarbeiten sollte), die viel von dem vorwegnahm, was später am Kamerafahrt bekannt sein sollte. Dazu kam, dass die Geschichten episch erzählt wurden, und am Ende stand ein achtstündiges Werk. Dieses sollte aber nie so aufgeführt werden, weil sich alle Kinobesitzer weigerten, einen Film in solcher Länge aufzuführen, selbst bei einem (damaligen) Megastar, wie Griffith aufgrund des Mega-Erfolges von „Birth“ einer war. Dann tat der Regisseur etwas, das ihm Lillian Gish (die ihn zeitlebens verehrte) als schweren Fehler anlasten sollte: Er schnitt den Film auf zweieinhalb Stunden zusammen, in dieser Länge konnte er in die Kinos kommen. Die Premiere wurde ein Riesenerfolg, danach flaute das Interesse aber stark ab, und auch die guten bis überschwänglichen Kritiken änderten nichts am letztlichen Misserfolg von „Intolerance“. Offensichtlich stellte der Anspruch, vier Geschichten parallel laufen zu lassen und zu verknüpfen, für das Publikum doch eine schwere Überforderung dar. Weitere ungünstige Umstände waren die Tatsachen, dass die USA auf den Eintritt in den Ersten Weltkrieg vorbereitet wurde, wozu ein Film, der die Toleranz würdigte, indem er Wege der Intoleranz aufzeigte, schlecht geeignet war, und wohl auch Griffiths Image als „Skandalregisseur“, bei diesem Film konnte man halt keine Geschichtsinterpretations- oder gar Rassismusdebatte führen. Und, Hand aufs Herz: Einen Film einfach sehen und hören, und dazu sein Hirn einschalten, fällt doch auch fast hundert Jahre später auch nicht einem jeden leicht, oder?

Griffith verschmerzte den Misserfolg und finanziellen Verlust von „Intolerance“ nicht leicht, und über Jahrzehnte kannten diesen Film nur Cineasten mit ausgeprägtem Interesse für diese Ära. Umso dankbarer kann man dafür sein, dass diese Edition von absolut Medien eine hervorragend restaurierte Fassung mit der Spielzeit von 181 Minuten (also länger als die seinerzeitige Kinofassung) bietet, mit sehr guter und passender Musik (von Galeshka Moravioff aus 1997, ungleich besser als etwa die Musik der Ausgabe vom KNM Home-Entertainment bzw. Halmar Home-Entertainment), und das Booklet ist überaus lesenswert, vor allem Lillian Gishs Ausführungen. Der Film selber ist voll von Sequenzen und Szenen, die man so schnell nicht vergessen kann, hat man sie einmal genossen, vor allem die dramatischen Steigerungen gegen Ende des Films, die ein Tempo und eine Intensität besitzen, wo Filmemacher von heute noch sehr viel lernen können. Eine Reihe hervorragender Schauspieler leisteten dabei Großes, um nur Robert Harron und Mae Marsh (in der amerikanischen Geschichte von 1915), Constance Talmadge (in der babylonischen Geschichte das „Mädchen aus den Bergen“) und Olga Grey (spielte Maria Magdalena mal jemand besser?) zu nennen, und unter den sechs Regieassistenten findet sich mit Erich von Stroheim einer der in den folgenden Jahren kommender ganz Großer. „Intolerance“ ist ein zeitlos brillantes filmisches Mahnmal für wahre Toleranz, und für mich einer jener fünf Filme, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Und das edelste Vermächtnis, das D. W. Griffith der Nachwelt hinterlassen hat.
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Intolerance (OmU)
Intolerance (OmU) von D. W. Griffith (DVD - 2008)
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