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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brasilien für Kenner und die es werden möchten, 25. Juni 2013
Von 
Willi Haan (Rio de Janeiro, Brasilien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Brasilienblues: Geschichten aus Brasilien (Broschiert)
Brasilien ist in Mode. Der immer noch "schlafende Riese" wird als Global Player zunehmend ernst genommen. Eine gefestigte Demokratie und zwei Dekaden wirtschaftlicher Stabilität untermauern diese Wahrnehmung. Eine neue Mittelschicht arbeitet sich hoch und klagt ihre guten Rechte einer bürgerlichen Teilhabe ein. Korruption wird nicht mehr als Gottgegeben betrachtet. Es bewegt sich was im Lande!
Was aber bleibt, sind die kulturellen Codes des Zusammenlebens - und diese machen ja auch den eigentlichen Charme dieses Landes aus. Aber nicht alles, was auf den oberflächlichen Blick des Fremden als etwas bezauberndes wahrgenommen wird, hat nur seine freundlichen Seiten. Der bewundernswerte "jeitinho" ist auch eine Antwort auf eine bürokratische Überregulierung des Lebens. Die unglaubliche Toleranz im Miteinander kann auch leicht in Indolenz umschlagen.
Carl D. Goerdeler erzählt wunderbare Geschichten. Er schöpft dabei aus dem Fundus eines 30-jährigen Lebens in Rio de Janeiro. Manchmal erzeugt der Autor aber auch den Eindruck eines leichten Überdrusses an den Eigenarten - oder Befremdlichkeiten - des täglichen Lebens. Man weiß oft nicht so recht, ob er nun dieses Land liebt oder einer verlorenen - vielleicht gesuchten und nicht gefundenen - Liebe nachtrauert. Aber nur aus dieser Distanz können ja erst diese Erzählungen entstehen.
Dieses Buch fällt etwas aus dem Rahmen der auf dem derzeitigen Brasilien-Hype reitenden Publikationen. Und ist genau deshalb lesenswert für den, der ein etwas tieferes Verständnis brasilianischer Eigenarten gewinnen möchte.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brasilien insight, 20. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Brasilienblues: Geschichten aus Brasilien (Broschiert)
Wer Brasilien, diesen träumenden Riesen und fünftgrößtes Land dieser Erde, besser verstehen möchte, der lese dieses hinreißende Buch mit seinen dreiunddreißig klugen, einfühlsamen, ironischen, elegant geschriebenen Sozial-Essays eines ausgewiesenen Kenners von Land und Leuten. Der Autor Carl D. Goerdeler, Ex-Diplomat an der Deutschen Botschaft in Tokio und Brasilia, mehr als zehn Jahre Südamerika-Korrespondent der ZEIT und anderer renommierter deutscher Zeitungen, lebt seit mehr als dreißig Jahren in Brasilien und beweist sich in seinem Buch Brasilienblues erneut als kluger Analyst der brasilianischen Geschichte, Kultur und Politik und ihrer zahlreichen Facetten. Er fördert mit seinen hintergründigen Geschichten aus dem Land des Samba und des Fußball, an dem alles Ideologische abzuperlen scheint, auch ganz erstaunliche Parallelen zur deutschen Wirklichkeit heraus, wenn er den „kölschen Klüngel“ mit dem brasilianischen "jeitinho“, der wortreichen brasilianischen Art der Korruption vergleicht, oder den Kölner Karneval mit dem brasilianischen Karneval. Wir lernen bei dieser Lektüre, dass der Satz „Für meine Freunde alles; für meine Gegner das Gesetz!“ nicht etwa von einem CSU-Politiker stammt, sondern von Gerúlio Vargas, einem brasilianischen Präsidenten. Bei uns beherrschte die Tatsache, dass bayerische Landtagsabgeordnete Familienangehörige auf Staatskosten beschäftigt haben, wochenlang die Schlagzeilen der Presse, in Brasilien ist es bei den Parlamentariern des Bundesparlaments, der Bundesstaaten bis hin zu den Stadtparlamenten usus, bis zu 25 Personen, vornehmlich Familienangehörige und gute Freunde, vom Staat für Büroarbeiten und Beratung monatlich fürstlich entlohnen zu lassen und darüber regt sich in Brasilien niemand auf. Wir lernen auch, dass es der Traum eines jeden Mittelklasse-Brasilianers ist, Beamter zu werden, weil die Beamtenjobs überdurchschnittlich gut bezahlt werden. Für jeden dieser begehrten Jobs kann man sich bewerben und muss eine Aufnahmeprüfung in der Art der Multiple-Choice-Fragebögen bestehen. Den überwiegenden Teil der Fragen nehmen nicht etwa Fragen aus dem jeweiligen Fachbereich ein, sondern detaillierte Fragen der komplizierten portugiesisch-brasilianischen Grammatik. Wer sie nicht bis ins die letzte Verästelung beherrscht, kann zum Beispiel nicht bei der Müllabfuhr oder als Drogenfahnder arbeiten. Um diese Prüfungen rankt sich ein ganzer Industriezweig mit Privatschulen und Lernhilfen mit einem jährlichen Milliardenumsatz.
Man liest dieses Buch so gerne, weil es sich nicht auf Skurriles und Aberwitziges kapriziert, sondern auch den normalen brasilianischen Alltag seziert, die Ironie ist stets unprätentiös und unterkühlt wie brasilianisches Bier. Nur an wenigen Stellen, wie etwa in der Schlussgeschichte „Der Nazi bin ich“ schimmert etwas wie verschmähte Liebe durch die Story.
Für jeden Brasilien-Reisende, der die Fußballweltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele in Brasilien besuchen möchte, aber auch für jeden Geschäftsreisenden oder Urlauber ist das Buch „Brasilienblues“ unbedingt empfehlenswert und besser als jeder Reiseführer..
Brasilienblues: Geschichten aus Brasilien
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Brasilienblues: Geschichten aus Brasilien
Brasilienblues: Geschichten aus Brasilien von Carl D Goerdeler (Broschiert - 15. April 2013)
EUR 14,95
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