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5.0 von 5 Sternen Warum der Zapatismus für uns alle wichtig ist?, 29. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Zapatismus: Ein neues Paradigma emanzipatorischer Bewegungen (Sondereinband)
Dieses für alle am Zapatismus und emanzipatorischen Bewegungen InteressierteZapatismus: Ein neues Paradigma emanzipatorischer Bewegungen empfehlenswerte Buch besteht aus einer Sammlung von wissenschaftlichen Artikeln, Erlebnisberichten und Interviews, die innerhalb eines Jahrzehnts, von 1999 bis 2009, aus der Feder der Politikwissenschaftlerin und Historikerin Raina Zimmering entstanden sind. In dem Buch wird die Bedeutung des Zapatismus für gesellschaftliche Transformation in der Zeit des Neoliberalismus, des Untergangs der realsozialistischen Staaten und des Postneoliberalismus herausgearbeitet. Die Autorin hat die Zapatisten aus der Perspektive der kritischen Transformations- und Widerstandsforschung analysiert und gleichzeitig den Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Forschung als Aktivistin in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen in praktischen Zusammenhängen vor Ort kennen gelernt. Sie hat sich mehrfach in zapatistischen Gemeinden aufgehalten, am Marsch der indigenen Würde 2001 und an zahlreichen Menschenrechtskommissionsreisen nach Chiapas (zuletzt 2008) teilgenommen, so dass sie das zapatistische Leben aus nächster Nähe beobachten konnte.
In den wissenschaftlichen Artikeln versucht sich die Autorin dem Gegenstand des Buches aus ganz unterschiedlichen theoretischen Perspektiven, wie der politikwissenschaftlichen und soziologischen Forschung zu sozialen Bewegungen, der Transformationsforschung sozialer und politischer Systeme, der Militär- und Konfliktforschung, der Terrorismusforschung, der Erforschung politischer Mythen und der Menschenrechtsforschung zu nähern. Entsprechend ihrer praktischen Erfahrungen werden die wissenschaftlichen Untersuchungen im Buch durch Erlebnisberichte und Interviews ergänzt und lassen somit ein abgerundetes Bild über den Zapatismus entstehen.

Das Besondere am Buch ist, dass die einzelnen Artikel zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind und innerhalb des Zeitraumes von zehn Jahren den Prozesscharakter der Bewegung, aber auch die sich wandelnde rezeptive Sicht der Autorin deutlich werden lässt. Dies entspricht dem zapatistischen Anspruch, nicht vorgefertigt Definiertes zu proklamieren, kein Dogma oder Modell zu liefern, sondern im Sinne ihres Slogans 'Caminamos preguntando' (fragend schreiten wir voran) immer wieder nach neuen Wegen zu suchen. Das Buch ist in fünf Hauptkapitel gegliedert, die nach inhaltlichen Gesichtspunkten angelegt sind. So wird der Zapatismus nach den Themen seiner gesellschaftlichen und zeitlichen Kontextualisierung, seinem innovativen politischen und kulturellen Charakter, seiner symbolischen Disposition in Form der Visualisierung, seiner Koppelung an die internationale zivile Menschenrechtsbeobachtung als neue Widerstandsform und seines letzten Paradigmenwandels analysiert.

Die Autorin ist der Meinung, dass die Zapatisten als erste größere Bewegung gegen das neoliberale Mainstream, als Erfinder neuer Widerstandsformen (z.B. internationale zivile Menschenrechtsbeobachtung) und als Konstrukteure einer basisdemokratischen alternativen Gesellschaft in Form von indigenen Autonomien ein neues Paradigma für emanzipatorische Bewegungen und antineoliberalen und antikapitalistischen Protest gesetzt haben. Und gerade jetzt, da die Zapatisten in Mexiko großen Schwierigkeiten ausgesetzt sind und ihre Wahrnehmung in der ganzen Welt nachlässt, hält die Autorin ein Buch über diese Bewegung für besonders wichtig. Soziale Bewegungen in ganz Lateinamerika, wie z.B. die Piqueteros in Argentinien oder indigene Bewegungen in Bolivien und Ekuador, wenden zapatistische Methoden an. Die Sozialforen in der ganzen Welt machten sich zapatistische Prinzipien und Normen zu Eigen. Auf zapatistischer Grundlage entstand eine neue Widerstandskultur. Raina Zimmering bezeichnet die Zapatisten als die großen Mythenzerstörer und gleichzeitig als die großen Synkretisisten unserer Zeit. So verbinden die Zapatisten das Lokale mit dem Globalen, das Bewaffnet - Sein mit Pazifismus, Kollektivität mit Individualismus, kulturelle und ethnische Diversität mit dem Anspruch auf soziale Gleichheit, sozialistische mit anarchistischen Ideen, indigene Traditionen mit radikal - revolutionären, Autonomie mit der Nation, Antimacht mit umfassender Partizipation, Privatheit mit Öffentlichkeit, das Alltägliche mit großen Gesellschaftsentwürfen und das Antietatistische mit dem Nationalen. Für die Zapatisten kann man geltend machen, dass je höher die Dichte der Verknüpfungen ist, umso höher ihr Innovationswert ausfällt.
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Zapatismus: Ein neues Paradigma emanzipatorischer Bewegungen
Zapatismus: Ein neues Paradigma emanzipatorischer Bewegungen von Raina Zimmering (Sondereinband - 1. Oktober 2010)
EUR 29,90
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