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73 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berechtigte Kapitalismuskritik
Angesichts der Diskussion zwischen Kritikern und Verfechtern des globalisierten Kapitalismus kam vor zwei Jahren das Buch von Elmar Altvater (EA) „Das Ende des Kapitalismus – wie wir ihn kennen“ gerade zur richtigen Zeit in die Buchläden. Der kompetente Ökonom Altvater unterzieht den Kapitalismus darin einer derart radikalen Kritik, dass den...
Veröffentlicht am 9. März 2007 von pickings.de/scusi

versus
3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Positiv
Wie beschrieben, ein Wirtschaftsstudium wäre als Voraussetzunng fast notwendig um alles auf Anhieb zu verstehen.
Veröffentlicht am 22. Oktober 2010 von Mario Mauracher


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73 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berechtigte Kapitalismuskritik, 9. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen: Eine radikale Kapitalismuskritik (Taschenbuch)
Angesichts der Diskussion zwischen Kritikern und Verfechtern des globalisierten Kapitalismus kam vor zwei Jahren das Buch von Elmar Altvater (EA) „Das Ende des Kapitalismus – wie wir ihn kennen“ gerade zur richtigen Zeit in die Buchläden. Der kompetente Ökonom Altvater unterzieht den Kapitalismus darin einer derart radikalen Kritik, dass den Gladiatoren des „freien Unternehmertums“ das Triumphgeschrei im Halse stecken bleiben müsste. Der 1938 geborenen Altvater, Dr. oec. publ., Professor für Politikwissenschaft (em.) an der FU- Berlin und Redaktionsmitglied von PROKLA, ist durch zahlreiche Veröffentlichungen zur kapitalistischen Entwicklung, zur Staatstheorie, Entwicklungspolitik, Schuldenkrise und zum Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie hervorgetreten. Als „aufklärerischer Reiseprediger“ (Oskar Negt) genießt er in Sachen „Kritik der politischen Ökonomie heute“ internationales Ansehen. EA hat in knapp vierzig Jahren ein von Erfahrung gestütztes, hochaktuelles Lebenswerk von gut lesbaren Publikationen geschaffen, dass sich auch durch sein exaktes Wirklichkeitsverständnis angenehm von manchen Publikationen resignierter, enttäuschter Intellektueller unterscheidet, die man ansonsten auf dem 68er Friedhof bundesdeutscher Soziologen und untoter linker Politikwissenschaftler findet.

Um so erstaunlicher, dass EA in den Personenverzeichnissen „linker“ Standardwerke über die 68er, wie z.B. in Uwe Wesels „Die verspielte Revolution“ oder auf den Homepages einschlägiger Fernsehproduktionen, wie z.B. „Was war links?“ nicht auftaucht. Dabei müsste der Name Altvater unter den westdeutschen 68er Linken, die die anatomischen Verhältnisse der Gesellschaft aus dem Blickwinkel von Marx aber doch distanziert und glasklar kritisch beschrieben haben, stets neben Oskar Negt und dem viel zu früh bei einem Autounfall umgekommenen Hans Jürgen Krahl an prominenter Stelle genannt werden.

EA führt den Leser von den inneren Widersprüchen des Kapitalismus über externe Schocks wie das Ende der Ölvorräte zu glaubwürdigen Alternativen. Dabei widerlegt er en passant Fukuyamas These vom Ende der Geschichte wie die Idee vom Kapitalismus als bester aller möglichen Welten. Nach einer knappen Klärung der Begriffe „Kapital“ und „Kapitalismus“ (Begriffe sind der „Sesam öffne Dich!" zum Schatz des Wissens) und der Schilderung der vier Formen „privater Aneignung“ im real existierenden Kapitalismus geht’s dann zur Sache. EA weist nach, wie die dreifaltige Einheit von Kapitalismus, fossilen Energieträgern und der industriellen Zweck-Mittel-Rationalität einerseits den „Wohlstand der (westlichen) Nationen“ ermöglicht hat, andererseits in eine wirtschaftliche Ungleichheit und Sackgasse der Naturzerstörung geführt hat, aus der nur alternative, angemessene Strategien herausführen.

Leser, die sich an vereinzelten MEW-Zitaten (die blauen Bände!) stören und an der wissenschaftlich trockenen Denkweise stoßen, sollten Altvaters Thesen zum „geölten Wachstum“ schlicht mit den Ausführungen Daniel Yergins in dessen Standardwerk „The Prize, the epic quest for oil, money & power“, Free Press, New York, 1991, vergleichen. Beide kommen, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen zu dem gleichen Ergebnis. Das Ölzeitalter geht zu Ende. So lautet jedenfalls das siebente Kapitel von Altvaters Buch und er sieht darin für den Kapitalismus, wie wir ihn kennen, einen derartigen Schock, dass der Kapitalismus ihn nicht überleben wird. Im achten Kapitel macht EA einen Lösungsvorschlag, um der herannahenden Katastrophe (Muster: Kathrina und New Orleans) zu entgehen. Als „Neoliberalismus von unten“ soll sich im Rahmen einer solidarischen Ökonomie eine dezentral strukturierte, auf Sonnenenergie basierende solare Gesellschaft entwickeln, die zurück zum menschlichen Maß findet. Vielleicht eine klitzekleine Chance, die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt.

Ein wunderbares Buch mit einem gewagten Schluss. Wer befürchtet nicht, dass sich die von Besitzgier und Genusssucht getriebenen US-Kapitalisten nicht auf einen Energiemix aus Atomkraft (mit ewig strahlenden nuklearen Abfällen) und erneuerbaren Energien werfen und ihr Machtmonopol bis zum Letzten verteidigen? Irgendein CDU-Politiker pflegte bei der Gelegenheit zu rufen:" Ich sage nur China, China, China!" Und tatsächlich hat ja der chinesische Volkskongreß soeben die

Einführung des Privateigentums und dessen Schutz im Riesenreich beschlossen. Was im Westen vielleicht untergeht, könnte im Osten neu entstehen, in noch furchtbarerer Gestalt.

Ich kenne Altvater persönlich nicht. Ich habe vor ein paar Jahren nur die von Michael Heinrich und Dirk Messner herausgegebene Festschrift für Elmar Altvater („Globalisierung und Perspektiven linker Politik“ Westfälisches Dampfboot, 1998) gelesen. Darin findet sich ein erhellender Beitrag von Bodo Zeuner „Das Politische wird immer privater“ über die neoliberale Privatisierung und die linke Hilflosigkeit, die sich neuerdings in massiven Auflösungserscheinungen der SPD (Hamburg, Wiesbaden, ...) spiegelt. Darin findet sich auch ein rührender Brief von Negt an Altvater zu seinem sechzigsten Geburtstag. Am besten liest man beide Bücher parallel.

Elmar Altvater wird nächstes Jahr siebzig. Menschlich eine wahre Trouvaille, das Lob kann ich mir nicht verkneifen. Ein geistvolles Unikat, das beharrlich „eine große und humane Sehnsucht nach einer Welt umtreibt, in der nicht alle Dinge des Lebens, nicht alle Beziehungen der Menschen vom Geld, vom ökonomischen Verwertungszusammenhang verunstaltet sind“, wie es der österreichische Schriftsteller K.M. Gauß formulieren würde.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Positiv, 22. Oktober 2010
Wie beschrieben, ein Wirtschaftsstudium wäre als Voraussetzunng fast notwendig um alles auf Anhieb zu verstehen.
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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konsequentes Denken, aber ..., 9. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen: Eine radikale Kapitalismuskritik (Taschenbuch)
Bereits 1848 hatte Karl Marx begriffen (und hier etwas frei zitiert): "Mit seiner ihm innewohnenden und verfügbaren Energie kann das Bürgertum nicht existieren ... ohne sämtliche gesellschaftliche Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. ... Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die bürgerliche Leistungsepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen. ...
Die bürgerliche Leistungsgesellschaft hat durch die Exploitation des Weltmarktes die Produktion und Konsumtion aller Länder global gestaltet. Sie hat ... den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird. ... An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. ...
Das Bürgertum mit seiner ihm verfügbaren Energie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der es alle chinesischen Mauern in den Grund schießt. ... Es hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation.
Mit seiner ihm innewohnenden und verfügbaren Energie hat das Bürgertum in seiner kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen, als alle vergangenen Generationen zusammen. ... Die moderne bürgerliche Gesellschaft gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er herauf beschwor. ... In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus."

Von 1993 bis 2005 hatten die Transaktionen der globalen Finanzmärkte in den USA, Großbritannien und der Eurozone um jährlich etwa 10% zugenommen, in China um 14% (Financial Times 18.1.2006). Hinter diesen Geldenergieflüssen stand jedoch kein reales Wirtschaftswachstum mehr, sondern es war, wie alle erfahren mußten, nur noch das Aufblasen eines Volumens. Im System der kapitalistischen Wirtschaft werden Wachstum und soziale Beschleunigung zu einem unentrinnbaren Sachzwang. Die Steigerung von Produktion und Produktivität und mithin das Streben nach Zeitvorsprüngen und Zeiteffizienz werden zu einer unausweichlichen Anforderung, welche die entsprechenden Bedürfnisse gleichsam mitproduziert.

Offensichtlich unterliegt auch die Instabilität bzw. die Verfallsrate der politischen Institutionen der Beschleunigung. Nehmen wir als Beispiel nur einmal die regionale Gemeindegliederung. Seit dem Mittelalter hatte die Mehrzahl der Menschen in Dörfern gelebt, die für sie den festen Rahmen ihrer wirtschaftlichen und politischen Existenz boten. Rechte und Pflichten veränderten sich in Jahrhunderten nur wenig und allmählich. Mit den Veränderungen des Wahlrechts im 19. Jahrhundert begann dann eine unaufhaltsame Modernisierung. Im Moment, als der Rezensent diese Zeilen schreibt, im Februar 2010, drückt die Landesregierung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt eine Reform durch, die alle Dörfer verpflichtet, sich in Gemeinden mit mindestens 10000 Einwohner zusammenzuschließen. Diejenigen, die sich das ausdenken, das beschließen und durchsetzen, haben offenbar keinen Sinn und kein Verständnis für die relativ sehr kurze Dauer der historischen und energetischen Situation, in der wir uns befinden. Ein Oberbürgermeister einer größeren Stadt Sachsen-Anhalts kommentierte die gerade stattfindende Gebietsreform der Kreise mit den Worten, daß es sich nicht lohne, darüber aufzuregen, da diese Reform sowieso bald durch die nächste abgelöst würde. Und tatsächlich: Jahrhundertelang beständige administrative Gliederungen werden seit dem 19. Jahrhundert in immer schnellerer Folge reformiert. Die alte Frau ohne Internet und mit geringer Rente - wen kümmert es, wenn sie im Dorf keinen Ansprechpartner mehr hat, keinen Laden und keine Poststelle? Der gegenwärtige Zustand, durch den Verwaltungskosten gespart werden sollen, kann, in historischen Dimensionen gesehen, nur ein kurzer und vorübergehender sein. Wenn die Energiekosten dramatisch steigen, wird die gegenwärtige, eben geschaffene, Struktur von Versorgung und Verwaltung nicht mehr aufrechtzuerhalten sein. Eine offene und entscheidende Frage ist es, ob es dennoch gelingen wird, die elektronische Kommunikation aufrechtzuerhalten oder sogar noch weiter auszubauen, auch im Großen Chaos und darüber hinaus.

Jahrhundertelang blieb das politische System des Mittelalters weitgehend stabil, bis in die Neuzeit hinein. Die 91 größeren Staaten, die bereits vor 1940 bestanden, erlebten zwischen 1800 und 1971 396 verschiedene Regierungsformen bzw. politische Verfassungen, worunter also plötzliche und tiefgreifende Veränderungen zu verstehen sind (Gurr 1974). Die mittlere Lebensdauer der politischen Systeme betrug 32 Jahre (Cook 2000, 173), in Europa jedoch meist nur 15 - 20 Jahre, dann wurde eine nächste Stufe im Kreislauf der Verfassungen erreicht. Von den Staaten, die es bereits 1914 gab, haben nur acht keine Revolution erlebt: die Schweiz, Schweden, die USA, Großbritannien und vier Commonwealth-Staaten. Veränderungen des Wahlrechts und anderer politischer Realitäten haben jedoch in allen Staaten stattgefunden. Die sozialen Unruhen im Gefolge der Energiekrise werden den politischen Wandel weiter anheizen.
Nicht wenige sagen mit guten Gründen für diese Zeit das Ende des Kapitalismus voraus, wie wir ihn kennenn, nicht nur Altvater. Die anfangs nur regionale, aber sich dann wie ein Flächenbrand ausbreitende Weltrevolution wird keine Gewalt der Erde aufhalten, bis schließlich alles im Großen Chaos endet und neu beginnt. Viele der Wissenschaftler und Denker, die Ursache und Wesen unserer globalen Beschleunigungskrise durchschaut haben und ihren zwangsläufigen katastrophalen Ausgang, sind wie Altvater der Überzeugung, daß diese Krise unweigerlich zu einer sozialistischen Gesellschaft führen wird. Dahinter steht in der Regel eine lineare Geschichtsauffassung, nach der auf dem Kapitalismus die Erlösung durch den Sozialismus und dann Kommunismus als paradiesischer Endzustand folgen wird. Vor 60 Jahren hat man in der DDR in der Schule versucht, mir - dem Verfasser dieses Rezension - eine derartige Auffassung als einzig seligmachende beizubringen. Nach weiteren 40 Jahren erlebten Sozialimus in seinem Niedergang kann mich persönlich eine derartige Perspektive nicht erneut begeistern. Meine Erfahrung teilt jedoch im Westen nicht die Generation der 68er und ihrer Schüler. Ihr Einfluß auf die Gesellschaft wird nicht geringer, sondern ständig größer. Da schon Aristoteles zu der Einsicht gelangt war, daß auf die Demokratie eine Herrschaftsform folgt, bei der die Massen erfolgreich auf Umverteilung drängen und alle Anzeichen darauf hindeuten, daß wir uns tatsächlich auf einen derartigen Gesellschaftszustand hinbewegen, können wir dem logischen Schluß nicht ausweichen, daß der gegenwärtige geistige Linkstrend in allen Industriegesellschaften zu sozialistischen Gesellschaftsformen führen wird.

Für mich, den Rezensenten, ist diese notwendige jakobinische Gesellschaftsform, wie sie vor dem absoluten Tiefpunkt der Produktion und Konsumtion eintreten wird, nur ein Übergangszustand zu neuen Gesellschaftsformen, die laut Aristoteles eher wieder napoleonisch geartet sein sollten. Den Parteigängern und Heilsverkündern aller Richtungen mag die Reihenfolge dieser Schlußfolgerungen nicht gefallen.
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35 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solarer Marxismus statt Kapitalismus?, 26. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen: Eine radikale Kapitalismuskritik (Taschenbuch)
Dieses Buch ist eine marxistische Kritik am Kapitalismus. Der Kapitalismus ist nach Ansicht des Autors nur auf der Grundlage von Erdöl möglich. Statt einer Revolution wird deshalb das Versiegen der Erdölquellen den Kapitalismus beenden und in eine solare solidarische Gesellschaft münden.

Die Argumente des Autors sind zwar in ihrem Kontext nachvollziehbar, können mich aber nicht überzeugen.

Im Gegensatz zum Autor gehe ich davon aus, dass eine Lösung für das Energieproblem gefunden wird; das kann die vom Autor favorisierte Sonnenenergie sein. Ich bin aber nicht der Meinung, dass die Weltwirtschaft zerfällt, wenn auf Sonnenenergie umgestiegen wird. Über die Umwandlung in Elektrizität bzw. Batterien usw. wird Mobilität weiterhin möglich sein. Die Menschheit hat schon viele Krisen überstanden und wird auch das Versiegen des Erdöls meistern, indem sie ihren Verstand benutzt.

Mit den weiteren Thesen des Buches bin ich ebenfalls nicht einverstanden.

- Privateigentum ist schlecht: Nach den Studien des lateinamerikanischen Autors de Soto sind Eigentumsrechte Voraussetzung für eine wirtschaftliche Entwicklung. (Man sehe sich nur den Zustand öffentlicher Immobilien im Gegensatz zu privat gepflegten an.)

- Lokales Wirtschaften ist notwendig: Auf diese Weise würden die Handelsgewinne der Globalisierung verschwinden. Mehr dazu kann man in "State of Fear" (dt. "Welt in Angst") von Michael Crichton nachlesen.

- Solidarität ist notwendig: Der Autor will bedarfsorientierte Einkommen und die Verhinderung von Unternehmensgewinnen mit einer erhöhten Staatsaktivität verbinden (aber mit welchem Geld?). Die Auswirkungen einer solidarischen Gesellschaft kann man in "Atlas Shrugged" von Ayn Rand nachlesen: Ein Lebensstandard wie im Mittelalter.

- Kapitalismus sorgt für weltweite Ungleichheit: Das stimmt nur, wenn man es umformuliert. Kapitalistische Länder sind reich, andere nicht (siehe "In Defense of Global Capitalism" bzw. "Das Kapitalistische Manifest" von Norberg). Eine Öffnung der Märkte wirkt Wunder.

- Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich: Das ist eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und kann deshalb nicht funktionieren. Dazu und zum Protektionismus ("lokales Wirtschaften") siehe "Economics for Dummies" (dt. "Wirtschaft für Dummies") von Flynn. (Fließt die Lohnerhöhung in die dann teureren deutschen Produkte oder werden lieber die billigen aus dem Ausland gekauft?)

- Kapitalismus erzeugt Umweltverschmutzung: Zu den Themengebieten Klima und Umwelt verweise ich auf "State of Fear" (zusammen mit "Global Warming" von Drake) bzw. "Economics for Dummies". In beiden Gebieten hat gerade die Ausschaltung des Marktes zu Problemen geführt.

Der Autor erwähnt Einwände zwar, aber er negiert sie sogleich durch Auszüge aus den Werken von Marx und Engels. Dem könnte ich kontern, indem ich den Marxismus elegant auf der Grundlage der objektivistischen Philosophie zurück weise (siehe "Objectivism: The Philosophy of Ayn Rand" von Peikoff). Damit ist aber keinem geholfen.

Für Nichtmarxisten sind die in dem Buch aufgezeigten Lösungen widersprüchlich und utopisch.
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6 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen zu nichts zu gebrauchen, 1. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen: Eine radikale Kapitalismuskritik (Taschenbuch)
Einseitige Kapitalismuskritik von einem Sozialisten der nie in der privatwirtschaft gearbeitet hat. Ob so einer qualifiziert dafür ist, den Kapitalismus zu verstehen? Ich denke nicht.
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