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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gutes und wichtiges Buch, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Evolutionär denken. Darwins Einfluss auf unser Weltbild (Gebundene Ausgabe)
150 Jahre nach dem Erscheinen von Origin of Species hat sich Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie weitestgehend durchgesetzt. Die erbitterten wissenschaftlichen und weltanschaulichen Kontroversen der letzten Jahrzehnte scheinen beigelegt oder zumindest vergessen. Zugleich wird ein neuer Darwin gefeiert, der revolutionäre Denker ist zum seekranken Reiseschriftsteller und zum Vorbild für den Event-Tourismus unserer Zeit mutiert. Dies zumindest ist der Eindruck, den man aus der überwiegenden Mehrzahl der im Darwin-Jahr 2009 erschienenen Bücher und Medienbeiträge gewinnt. Wer, vielleicht nicht zu Unrecht, vermutet, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist, dem sei das Buch Evolutionär denken des niederländischen Wissenschaftsphilosophen Chris Buskes wärmstens empfohlen. Wie sein Untertitel verspricht, folgt es den vielfältigen und verschlungenen Wegen, auf denen Darwin unser Weltbild beeinflusst und erschüttert hat. Dass dieser Prozess alles andere als abgeschlossen ist, wird gerade dadurch deutlich, dass sich Buskes erkennbar um eine Vermittlung zwischen dem traditionellen Bild vom Menschen und seinen evolutionsbiologischen Interpretationen bemüht.

Die ersten vier Kapitel des Buches geben eine inhaltliche Einführung in die Geschichte und Theorie der Evolutionsbiologie. Hier werden wichtige Konzepte wie die natürliche und die sexuelle Selektion, die Artbildung sowie grundlegende paläoanthropologische Vorstellungen zur Entstehung der Menschen behandelt. Die beiden folgenden Kapitel bereiten dann die Bühne für den Hauptteil des Buches, indem sie die historischen Diskussionen um evolutionsbiologische Theorien über die Natur der Menschen schildern. Am Beispiel der neuen Wissenschaftsfelder der Soziobiologie, der evolutionären Psychologie und Anthropologie werden hier schlaglichtartig wichtige Kontroversen und Bruchlinien geschildert. Schon an dieser Stelle wird überdeutlich, welche Sprengkraft Darwins Ideen bis heute haben, wenn es um das Selbstverständnis der Menschen, um das Verhältnis von Natur und Kultur, um die Moral und den freien Willen geht. Diese Themen werden dann im zweiten Teil des Buches systematisch diskutiert: In einzelnen Kapiteln geht es um Sprache, Bewusstsein, Kultur, Erkenntnis, Religion, Moral, Ästhetik und Medizin. Abschließend werden mit Sozialdarwinismus und Eugenik noch die Gefahren" des evolutionären Denkens angesprochen, sowie die Frage, inwiefern evolutionärer Wandel als Fortschritt aufgefasst werden kann.

Buskes gelingt es nicht nur, wichtige evolutionsbiologische Thesen zur Entstehung der für Menschen typischen Verhaltensweisen und Merkmale klar und verständlich zu vermitteln, sondern er lässt auch Kritiker dieser Erklärungsversuche zu Wort kommen und schließlich bemüht er sich um ein abwägendes Urteil. Und so liest sich sein Buch wie ein von wechselseitigem Verständnis getragenes Gespräch zwischen einen Geisteswissenschaftler und einem Evolutionsbiologen. Dass dabei manche spannende Frage in der Schwebe bleibt, liegt sicher auch daran, dass die Vielfalt der angesprochenen Themen eine vertiefte Darstellung oft nicht zulässt. Man spürt aber auch, dass Buskes Wissenschaftsphilosoph und kein Evolutionsbiologe ist. Im Unterschied zu vielen seiner Kollegen aus den Geisteswissenschaften ist seine Darstellung zwar von Sachkunde und Sympathie für seinen Gegenstand getragen, vor der letzten gedanklichen Konsequenz Darwinschen Denken scheut er dann aber oft zurück. Dies aber ist ja genau die Situation vor der wir heute stehen: Die Provokationen von Darwins Theorien sind eben alles andere als eine Sache der Vergangenheit und in vielerlei Hinsicht noch kaum ins allgemeine Bewusstsein gedrungen. Und so ist Evolutionär denken ein gutes und ein wichtiges Buch, das den Stand der von Darwin angestoßenen Diskussionen über die Natur der Menschen auf kompetente und gut lesbare Weise vermittelt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut geschriebener interessanter Überblick, 13. Januar 2009
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Evolutionär denken. Darwins Einfluss auf unser Weltbild (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist gut geschrieben, und liefert einen interessanten Einblick, wo überall in den Wissenschaften evolutionäres Denken Einzug genommen hat. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, denn ein solches Denken unterscheidet sich in vieler Hinsicht vom in den meisten Wissenschaften vorherrschenden Reduktionismus, der versucht, die Eigenschaften eines Untersuchungsgegenstands auf Eigenschaften seiner Komponenten zurückzuführen. Wer evolutionär denkt, betrachtet den Untersuchungsgegenstand dagegen mehr aus seiner Entwicklungsgeschichte und den Wechselbeziehungen mit seiner Umwelt heraus, womit er mit einem Bein bereits in der System- und Komplexitätstheorie steht.

Das Buch ist insgesamt sehr interessant, und ich habe es mit Gewinn gelesen. Allerdings war mir manchmal der Übergang zwischen Evolutionstheorie und evolutionärem Denken etwas zu fließend. Auch vor Darwin betrachteten einige Forscher die Natur bereits unter einem evolutionären Blickwinkel. Die Leistung Darwins bestand vor allem darin, eine erste überzeugende Evolutionstheorie vorgelegt zu haben, d. h. ein theoretisches Modell zur Beschreibung evolutionärer Vorgänge in der Natur. Und daran mangelt es bis heute in den meisten Wissenschaftsdisziplinen. Es hat zwar zahlreiche Versuche gegeben, das Dilemma zu lösen (z. B. Richard Dawkins Memetik aus Das egoistische Gen für die kulturelle Evolution), allerdings wiesen diese allesamt Schwächen auf. Erst Mersch hat in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem m. E. die erste echte Evolutionstheorie vorgelegt, die alle eigendynamischen Evolutionen (egal aus welchem Fachgebiet) beschreiben kann.
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Darwin" - eine Metapher für evolutionäres Denken., 1. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Evolutionär denken. Darwins Einfluss auf unser Weltbild (Gebundene Ausgabe)
Wir leben in einem fortwährend sich weiterentwickelnden Universum. Dabei ist es die Entwicklung selbst, die neue Strukturen hervorbringt. Charles Darwins überragendes Verdienst war, genau dies paradigmatisch dargestellt zu haben - am Beispiel der Entstehung der Arten. Es ist nicht erheblich, ob jedes Detail seiner Gedanken und Hypothesen richtig war, es geht darum, dass er Evolution denkbar gemacht hat. Und so ist es wenig verwunderlich, dass Darwins Gedanken über die Biologie hinaus weiterentwickelt wurden und heute nahezu alle (oder alle?) Wissenschaftszweige beeinflussen. "Darwin" ist eine Metapher geworden. Eine Metapher für evolutionäres Denken.

* Evolution entlässt den Menschen nicht aus der Verantwortung *
Darwins Einfluss auf unsere Gedankenwelt ist außerordentlich weit reichend. Selbst dem Buchautor kamen Bedenken, ob der Anspruch einer Übersicht nicht scheitern müsse. Er soll sich mal keine Sorge machen. Chris Buskes, der im holländischen in Nijmegen Wissenschaftsphilosophie lehrt, ist dies so gut gelungen, dass er dafür mit dem Socrates-Wisselbeker-Preis für das anregendste philosophische Buch des Jahres ausgezeichnet wurde.

Ausgehend vom antiken und mittelalterlichen Weltbild erklärt er in Grundzügen die Beobachtungen und Gedankengänge, die den Evolutionsprozess ans Licht brachten und begreiflich machten. Variation, Selektion und Reproduktion sind die Konzepte, welche die lebendige Welt sich entfalten ließen. Sie ermöglichten letztlich auch die Entstehung des Menschen. Das Buch bleibt nicht bei Darwin stehen, sondern berücksichtigt ebenso Aspekte der modernen Evolutionsbiologie.

Die anderen zwölf der sechzehn Kapitel behandeln den Einfluss, den das Konzept "Evolution" auf andere Wissenschaftsgebiete ausgeübt hat. Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie lassen sich aus der Perspektive der Evolution betrachten, Medizin, Anthropologie, Psychologie, Soziologie, Linguistik und Philosophie; die Theologie ist betroffen, selbst die Kunst. Bei der neu entstandenen "darwinistische Medizin" geht es um die Frage, warum Prädisposition zu bestimmten Erkrankungen einen evolutionären Vorteil bedeutet, um Koevolution von Parasit und Wirt, um Infektions- und Zivilisationskrankheiten. Die Kontroverse um die Soziobiologie und Evolutionspsychologie dauert bis heute an; historische Sichten der Sozialwissenschaften erklären den Widerstand, den sie gegen die evolutionäre Sichtweise aufbringen. Bewusstsein, Sprache, Moral, Kultur oder Ästhetik fielen nicht vom Himmel. Archaische Spuren von Moral finden wir bei Schimpansen und Bonobos (Schuld, Scham, Entrüstung, Dankbarkeit); manche ästhetische Vorlieben leiten sich vom Verlangen nach körperlicher Fitness ab und es gibt universale Emotionen und Gesichtsausdrücke, die Menschen aller ethnischer Gruppen gemein haben.

Und nicht an allem, was Darwin bisweilen angelastet wird, trägt er Schuld. Sozialdarwinismus beispielsweise, ging von Herbert Spencer aus, der aber vorwiegend dem Lamarckismus huldigte; insofern wäre es korrekter, so Buskes, von einem Soziallamarckismus zu sprechen, statt von einem Sozialdarwinismus. Und was die Eugenik betrifft, so lassen wir uns erinnern, dass Platon der Ansicht war, dass die "besten Männer" den "besten Weibern" beiwohnen und gebrechliche Kinder an geheimen und unbekannten Orten getötet werden sollten. Aber zu Recht weist Chris Buskes darauf hin, dass Ideologie auch im Zusammenhang mit Evolutionsbiologie eine explosive Mischung entstehen lassen kann. Evolutionär denken heißt auch, zu erkennen, dass Lebenslabläufe nicht unausweichlich, deterministisch vorherbestimmt sind. Dies gibt Raum für die Verantwortung des Menschen.

* Aufschlussreiche, lohnenswerte Lektüre *
Das Weltbild vor der Zeit Darwins war geprägt durch die Ansicht, dass die Welt - in ihren Grundzügen (Idealtypen) bereits fertig geschaffen - auf die Verwirklichung eines bestimmten Zweckes hinstrebt. Das Denken in evolutionären Kategorien unterscheidet sich davon fundamental. Chris Buskes hat die bahnbrechende Gedankenleistung Darwins und die Reichweite seiner Ideen sorgfältig herausgearbeitet. Das Buch zeigt, wie das neue Denken unser Weltbild verändert hat. Eine aufschlussreiche und lohnenswerte Lektüre!
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Evolutionär denken. Darwins Einfluss auf unser Weltbild
Evolutionär denken. Darwins Einfluss auf unser Weltbild von Chris Buskes (Gebundene Ausgabe - November 2008)
EUR 14,90
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