Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor b2s Cloud Drive Photos Inspiration Shop Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 5. Mai 2013
Respekt: Eine umfangreiche Zusammenstellung von rund 200 Literaturnachweise und 476 Anmerkungen und Quellenhinweise im Text belegen, dass Joachim Bauer großen Wert auf eine nachvollziehbare Darstellung gelegt hat.

Als ein Kernziel seines Buchs formuliert der Autor, zu zeigen, dass es aus neu­ro­bio­lo­gi­scher, me­di­zi­ni­scher und psy­cho­lo­gi­scher Sicht wahr ist, dass „Ar­beit eine Quel­le gro­ßen Glücks sein kann, indem sie der En­er­gie, der schöp­fe­ri­schen Lust und den Selbst­ver­wirk­li­chungs­mög­lich­kei­ten des Men­schen ein fast gren­zen­lo­ses Be­tä­ti­gungs­feld bie­tet.“
Als „wirk­lich ge­fähr­li­chen Fein­de der Ar­beit“ entlarvt er die Menschen und Umstände, „wo Men­schen in der Ar­beit ent­wür­digt, mit sinnent­leer­ten Ar­beits­schrit­ten be­schäf­tigt, unter un­mensch­li­chen Druck ge­setzt, schlecht be­zahlt oder zu see­len­lo­sen Ma­schi­nen ge­macht wer­den.“ Sehr wichtig finde ich, dass Bauer dabei zwei Gruppen als Arbeitsglückszerstörer unterscheidet: zum einen, die die an­de­re in un­wür­di­ge Ar­beits­ver­hält­nis­se zwin­gen sowie in die­je­ni­gen, die sich ohne Ge­gen­wehr mit einer sol­chen Si­tua­ti­on ar­ran­gie­ren. Mit letzteren meint der die „zu­neh­mende Zahl der­je­ni­gen, die be­gon­nen haben, die Ar­beit wie eine Art Zwangs­re­gime zu ver­in­ner­li­chen oder sich be­reits zu Ar­beits­süch­ti­gen ent­wi­ckelt haben.“ Und gerade diese Menschen sind, oft ohne es zu merken, anfällig für Burn-out, De­pres­si­on, Herz­er­kran­kung etc. Dem Autor gelingt es, wie ich finde, dem Leser für diese, oft auch schleichende Gefahren zu sen­si­bi­li­sie­ren

Interessant war z. B. die vergleichende Betrachtung von Burn-out-Syn­drom und Depression. Zusammenfassend definiert Bauer drei typische Merk­ma­le von…
…Burn-Out-Syndrom":
1. An­hal­ten­de emo­tio­na­le Er­schöp­fung
2. Un­über­wind­ba­re, vor­her nicht vor­han­de­ne emo­tio­na­le Aver­si­on oder Zy­nis­mus ge­gen­über den Men­schen, für die man be­ruf­lich tätig ist (Dienst­leis­tungs­be­ru­fe). Oder: Un­über­wind­ba­rer, vor­her nicht vor­han­de­ner in­ne­rer Wi­der­wil­len ge­gen­über der der­zeit aus­ge­üb­ten Ar­beit (Nicht-Dienst­leis­tungs­be­ru­fe).
3. Ef­fi­zi­enz­ver­lust am Ar­beits­platz (we­ni­ger Leis­tung trotz einem Mehr an Ar­beit).
…von "De­pres­si­on":
1. An­hal­ten­der Ver­lust der all­ge­mei­nen Le­bens­freu­de, der Mo­ti­va­ti­on und des An­triebs.
2. An­hal­ten­der all­ge­mei­ner Ver­lust des Selbst­wert­ge­fühls mit Selbst­vor­wür­fen oder Schuld­ge­füh­len.
3. Selbst­tö­tungs­ge­dan­ken

Alarmierend empfand ich u. a. folgende Zahlen:
* Laut einer re­prä­sen­ta­ti­ven In­fra­test-Befragung gaben 33 Pro­zent aller Be­schäf­tig­ten an, dass sie »schlech­te Ar­beit« zu ver­rich­ten hätten.
* Eine andere Untersuchung ergab, dass 14 Pro­zent der Frau­en und 21 Pro­zent der Män­ner ihre Ar­beits­be­din­gun­gen als stark oder sehr stark ge­sund­heits­ge­fähr­dend er­le­ben.
* 36 Pro­zent aller Be­schäf­tig­ten glau­ben nicht, dass sie ihren Beruf bis zum Ren­ten­al­ter durch­hal­ten kön­nten.
* Rund 30 Pro­zent aller Voll­zeit­be­schäf­tig­ten ar­bei­ten bis zu 48 Stun­den wö­chent­lich

Als stärkster Be­las­tungs­fak­to­r für die Ge­sund­heit ergab sich der Fak­tor »Be­ein­träch­ti­gung im Ar­beits­kli­mas«. Dazu gehören die gute oder schlech­te Kol­le­gia­li­tät und Füh­rung. Bedenklich ist, dass sich 31 Pro­zent aller Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land von ihren Kol­le­gen/innen nicht un­ter­stützt füh­len. Und neun Pro­zent er­le­ben am Ar­beits­platz sogar ver­schie­de­ne Formen von Dis­kri­mi­nie­rung.

+++++ Mein Fazit:
Eine klare Kaufempfehlung für ein sehr gut recherchiertes Sachbuch, das auch die Quellen offenlegt. Interessant fand ich auch den Ausflug in die Historie der Arbeit.
Das Buch biete viele, verdichtete Zahlen aus verschiedenen Studien, doch ohne davon erschlagen zu werden. Die Schlüsse die der Autor daraus zieht, finde ich meistens nachvollziehbar. Der Text ist gut lesbar und verständlich geschrieben.
Die Hinweise des Autors helfen dabei, den eigenen Arbeitsalltag besser/gezielter zu analysieren und gesundheitsgefährdende Faktoren möglichst zu reduzieren oder auszuschalten. Und dazu kann man auch sein eigenes Verhalten (auch gegenüber Kollegen) verändern.
0Kommentar| 38 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Juni 2013
In der Arbeit begegnen wir uns selber, der äusseren Welt und anderen Menschen. Wenn wir dabei Wertschätzung und Anerkennung erfahren, springt unser neurobiologisches Motivationssystem an. Vertrauen und Einfühlung fördern die Produktion von Wohlfühlbotenstoffen wie Oxycotin. Positive Resonanz lässt das Hirn Dopamin ausschütten, was wiederum psychische Energie freisetzt.

In seinem neuen Buch zeigt der Freiburger Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer anschaulich auf, wie wichtig diese Aktivierung für den Menschen und seine Gesundheit ist.

Ganz anders sieht es draussen, in der Arbeitswelt aus: im Kapitel über den "Stress der flachen Wachsamkeit" zeigt Bauer auf, wie im gegenwärtigen, auf Wirtschaftswachstum ausgerichteten System, die Aufgaben eine Dimension annehmen können, die uns dauerhaft überfordert. Dies ist bereits heute Realität für viele Arbeitnehmer, vom unteren Kader an aufwärts, die einfach nicht mehr zur Ruhe kommen. Denn bei den meisten heutigen Arbeitsplätzen ist nicht mehr die fokussierte Erledigung einer Aufgabe gefragt, sondern eine "breit gestreute, aber flache Aufmerksamkeit".

Doch die dauerhafte Aktivierung (ein Aspekt davon: "Multitasking") des Reiz- und Gefahrensystems, in dem alle Sinne auf die Wahrnehmung möglicher Gefahren ausgerichtet ist, ruiniert nicht nur die Fähigkeit zur Konzentration, sondern begünstigt auch eine Reihe psychischer Erkrankungen.

Der Autor identifiziert als Ursache dieser gefährlichen Entwicklung das aktuelle, auf Ausbeutung ausgerichtete System. Dort hat Wertschätzung -die notwendig wäre, um Arbeit wieder zu einer Glücksquelle werden zu lassen- wenig Chancen. Doch Bauer spielt uns Lesenden den Ball zu: "Das Glückspotenzial der Arbeit zerstören aber nicht nur jene, die andere in unwürdige Arbeitsverhältnisse zwingen, sondern auch diejenigen, die sich ohne Gegenwehr mit einer solchen Situation arrangieren."

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch, für Angestellte und Führungspersönlichkeiten. Und falls sich der Betriebsrat dazu entschliessen sollte: ein ideales Geschenk, um es dem gesammten Vorstand unter den Weihnachtsbaum zu legen.
0Kommentar| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Es ist köstlich und kostbar zugleich: dieses Buch und seine Sicht auf das Tätigsein des Menschen zum Broterwerb.

Einerseits gehört das Arbeiten zum Menschsein dazu und ist nicht nur als Last oder Belastung anzusehen, andererseits finden nur noch wenige Menschen innerlich oder äußerlich auf natürliche Weise zur Ruhe und Gelassenheit.

So hat die Arbeit nahezu etwas Janus-köpfiges. Aus ihr schöpft man Erfüllung und Befriedigung sowie Kreativität und Erfolg. Doch sie kann einen auch zum Schlechten dienen und sogar krank machen.
Problematisch wird es insbesondere dort, wo Menschen Zuhause und Arbeit unter einem Dach erleben (sogenannte Home Office) und die Ökonomisierung bis in den kleinsten Alltag hineinreicht.

Joachim Bauer hat als Neurobiologe und Mediziner seine Ansichten und Einsichten vielseitig zur Sprache gebracht. Dabei hat er nahezu alles rund um das Arbeiten unter die Lupe genommen. Ob man gleich alles auf die Evolution zurückführen muss, kann man aus guten Gründen bezweifeln.

Doch seine Einblicke lassen tiefer blicken und helfen angemessen zu einer realistischen Einschätzung von Arbeit im allgemeinen und im persönlichen ganz besonders.

Sehr lebendig und leidenschaf(f)tlich geschrieben ...

Sehr empfehlenswert!
22 Kommentare| 25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Mai 2013
Arbeit: Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht

Ein Muss für jede Führungskraft.

Joachim Bauer ist mit seinem neusten Werk erneut ein guter Wurf gelungen. "An easy read" würde der Amerikaner sagen, weil es Bauer erneut gelingt, in einer klaren Sprache Wissen einem breiten Leserkreis verständlich zu vermitteln, das absolut grundlegend ist und jeden Menschen betrifft, sei es bei der Kindererziehung, im Arbeitsprozess, in Schule oder Studium. Es gehört in die Hand und insbesondere in Kopf und Herz jeder Führungskraft, genauso wie Felix von Cubes "Lust an Leistung", und es lohnt sich, dieses Buch auch ein zweites oder drittes Mal zu lesen. Hier insbesondere seine Ausführungen zum Motivations- und Empathiesystem (S. 28-36). Weshalb? Weil die Erkenntnisse die betriebswirtschaftliche Realität noch nicht erreicht haben und seit Jahren ein ähnlich alarmierendes Bild zu innerer Kündigung (24% der Beschäftigten in Deutschland), Dienst nach Vorschrift, ein Ausdruck passiver Aggressivität (61% der Beschäftigten in Deutschland) und emotionaler Bindung an den Arbeitgeber gezeichnet wird (siehe Gallup Engagement Index 2012).

Die Nähe des Autors zum Thema erschliesst sich spätestens beim Erfassen des Untertitels, da kommt der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut voll zum Zuge. Weit gefehlt, wenn er sich aber darauf beschränkt hätte, das Buch lässt sowohl philosophische, soziologische, wie auch historische Aspekte zum Thema Arbeit und Musse nicht ausser Acht und betrachtet es aus den verschiedensten Blickwinkeln. Eine kleine Kulturgeschichte der Arbeit ist genauso vorhanden, wie die gegenwärtigen statistischen Zahlen zu Arbeit und Arbeitszufriedenheit, insbesondere in Deutschland (Kapitel 3: Die Vermessung der Arbeitswelt). Es gelingt Bauer auf diese Weise eine unaufgeregte Darstellung und Standortbestimmung zu einem sehr brisanten Thema.

Stark und für eine Führungskraft sehr hilfreich sind Bauers Ausführungen zu Burn-out und Depression (Kapitel 4: Burn-out, Depression und das gestresste Herz). Dass er es hier nicht nur beim Begrifflichen lässt, sondern der "Entdeckung" des Burn-outs nachgeht und die Entwicklungsgeschichte nachzeichnet, ist sehr informativ, genauso wie auch die Erläuterung der verschiedenen Stressmodelle. Diese bestätigen die in der Betriebswirtschaftslehre seit langem bekannte Forderung nach Kongruenz von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung. Dass Menschen dann zu Spitzenleistungen bereit sind, wenn Flow (Csikszentmihalyi), also Gefordert-Sein (weder Über-, noch Unterforderung), Anerkennung und Zugehörigkeit zu einem Team, einer Unternehmung, gegeben sind, (siehe auch Felix von Cube) untermauert Bauer aus neurobiologischer Sicht sehr eindrücklich: "[...] wo wir für das von uns Geleistete die Anerkennung und Wertschätzung anderer gewinnen, dort wird Arbeit zu einer Resonanzerfahrung. [...] Neurobiologisch werden Resonanzerfahrungen von der Ausschüttung von Gesundheit erhaltenden Botenstoffen begleitet. Wo Resonanzerfahrungen ausbleiben, wird die Arbeit zur Qual" (S. 16). "Voraussetzung für die Aktivierung des Motivationssystems des menschlichen Gehirns und die Freisetzung seiner Botenstoffe ist soziale Akzeptanz. Wer arbeitet, braucht - nicht nur aus humanitären, sondern auch aus neurobiologischen Gründen - am Arbeitsplatz soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten" (S. 181). Und: "In Deutschland fühlen sich 53 Prozent der Beschäftigten von ihren Vorgesetzten nicht unterstützt." (Statistisches Bundesamt, S. 183 und S. 257)

Interessant sind auch seine Ausführungen zu den neuronalen Stresssystemen, dem "klassischen" und dem erst vor Kurzem entdeckten Default Mode Network, dem "Unruhe-Stresssystem", "das dann aktiv wird, wenn eine diffuse, breite und zugleich flache Wachsamkeit gefordert ist" (S. 44) und der Bezug zu Multitasking, ADHS und psychischen Erkrankungen - "Demenzerkrankungen inklusive" (S. 46), sowie zum ziellosen Dauer-Surfen.

Wer da und dort dem Lesekomfort abträgliche Vertiefungen vermisst, findet ein ausführliches Literaturverzeichnis und Anmerkungen vor, die es dem interessierten Leser erlauben, sich leicht weiter zu vertiefen.

Ein Muss für jede Führungskraft.
0Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. September 2015
Joachim Bauer schreibt spannendes über den Wandel der Arbeit im historischen Kontext und bringt vieles einfach verständlich auf den Punkt.

Haarsträubend empfinde ich seine Äusserungen über AD(H)S, die er mit längst überholten Meinungen stützt.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Joachim Bauers "Arbeit" ist ein Buch, das beweist, was wir alle bereits wissen. Wir stehen unter zu hohem Leistungsdruck. Die Wirtschaft verlangt zu viel von uns und wir akzeptieren diesen uns krank machenden Leistungsdruck oder unbefriedigende Beschäftigungen. Der Wert des Buches liegt also weniger in seiner Grundthese als vielmehr in dem Material und den Argumentationen, die sie fundieren soll.

Bauer hat eine enorme Recherchearbeit auf sich genommen, um die gegenwärtige Arbeitswelt möglichst umfassend zu kritisieren. Er hat sich mit Geschichte, Neurologie, Philosophie, Psychologie und Medizin auseinandergesetzt und ein buntes Sammelsurium an Argumenten und Belegen gesammelt und ein gut lesbares und insgesamt auch überzeugendes Buch vorgelegt.

Es dürfte allerdings in der Natur dieses Ansatzes liegen, dass die Leser einige Abschnitte überzeugender finden werden als andere. So sind die Beschreibungen der aktuellen Arbeitswelt und ihrer gesundheitlichen Konsequenzen für die Menschen, kaum von der Hand zu weisen. Viele werden sie aus eigenen Erfahrungen kennen. Inwiefern allerdings die historischen oder neurologischen Ausführungen überzeugen, hängt wohl auch davon ab, wie sehr sich der jeweilige Leser auf diese Wissenschaften für die Bewertung der aktuellen Arbeitswelt einlassen will. Insbesondere das Neurologie-Kapitel kann schnell, bei den Fortschritten in dieser Wissenschaft, überholt sein.

Dennoch ist dieses Buch lesenswert und eine Fundgrube alter und neuer Argumente gegen eine krank machende Arbeitswelt.
11 Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. Mai 2013
Der Neurobiologe Joachim Bauer schreibt mit "Arbeit" ein Buch über Burnout & Co., das ich mir schon lange gewünscht habe. Im Kapitel 4 z. B. geht es ganz konkret um die Geschichte der Burnout-Forschung,um drei Modelle, die versuchen, Stress zu erfassen und um die Überschneidungen von Burnout und Depression. Im Kapitel 7 beschäftigt er sich auch mit der Bedeutung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, und man kann Sätze lesen wie den: "Wenn es um die psychische Gesundheit der Belegschaft geht, ist der Einflussbereich der Unternehmen begrenzt,weil Ursachen psychischer Erkrankungen meist außerhalb des beruflichen Umfeldes liegen." Für Arbeitnehmerverbände sind nämlich wörtlich "genetische Veranlagungen" Hauptauslöser psychischer Erkrankungen. Sowas schockiert angesichts der faktischen Macht der Arbeitnehmerverbände.

Für mich besonders interessant war beim Lesen das Eingeständnis, dass man sich bei der Beurteilung des "Default Mode Networks" (DMN) schlichtweg (wissenschaftlich exakt) geirrt hat. Glaubte man bis vor kurzem, dass man ein "Ruhe- und Leerlaufnetzwerk" im Gehirn entdeckt hat (auch Bauer schrieb in anderen Büchern immer wieder ausführlich darüber), weiß man nun, dass es sich beim DMN um ein neu entdecktes "Unruhe-Stresssystem" handelt, das auf die Gesundheit einen enorm negativen Einfluss hat. Bauer beschreibt das ständige Multitasking-Gehabe plakativ als "ADHS-Trainingslager". In Kapitel 3 widmet er sich ausführlich der "Vermessung der Arbeit" mit enormem, gut aufbereitetem Zahlen- und Datenmaterial vieler Studien. Das ist für Menschen, die zu diesem Thema Vorträge oder Seminare durchführen, sehr hilfreich. Kapitel 5 geht der historischen Bedeutung der Arbeit im Leben der Menschen nach. Auch das habe ich so komprimiert noch nirgends gelesen.

Was den Lesefluss und -genuss leider für mich deutlich trübt, sind die 476 Fußnoten, die sich ausnahmslos am Ende des Buches wiederfinden, und zu praktisch pausenlosem Hin- und Herblättern führen. Das ließe sich logistisch angenehmer lösen. Aber inhaltlich insgesamt sehr zu empfehlen.
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Juli 2014
Ich fand das Buch sehr interessant, insbesondere die Betrachtung der Geschichte der Einstellung zur Arbeit, wie auch die Ausführung zum Unterschied zwischen Burnout und und Depression. Seinen Ausführungen zur Sinnhaftigkeit von Arbeit und was einen guten und einen schlechten Arbeitsplatz ausmacht kann ich uneingeschränkt zustimmen, und viele Menschen sollten das lesen.

ABER:

Der Autor kann eigene Vorurteile und veraltete Weltbilder nicht verbergen. Dies wird in zwei, drei Punkten besonders deutlich:

Der Autor (ist er nicht Neurobiologe?) zeigt eine erschreckende Unkenntnis zu ADHS. Er behauptet, dass Computerspiele, Internet, Fernsehen sowie die sog. Multitasking Arbeit ADHS geradezu hervorbringen würde. Geradezu als wäre der technische Fortschritt an vielem Ungemach Schuld...

ADHS ist jedoch primär genetisch bedingter Mangel an bestimmten Botenstoffen im Gehirn, die dazu führen, dass das Gehirn offener ist, und mehr von Aufgabe zu Aufgabe wechselt anstatt sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Das ist (soweit es nicht zu stark ausgeprägt ist) sogar förderlich für Kreativität und Erfolg in bestimmten Berufen. Ist ADHS bzw. ADS aber zu stark, dann brauchen Menschen in unserer heutigen Gesellschaft Hilfe durch Medikamente damit sie ausreichend fokussieren können (zB für Schule oder Beruf). Mit Computerspielen, Internet, Email, SMS, Smartphones und Tablets hat das jedenfalls gar nichts zu tun, und man tut jenen die davon betroffen sind (sowohl Kindern als auch Erwachsenen) wirklich einen Bärendienst indem man solche schlicht falschen Ansichten verbreitet. Das ist wirklich eines fundierten Autors unwürdig.

Ebenso merkt man das veraltete Weltbild in der Nostalgie des Autors bezüglich lebenslangen Jobs, in der man früher Jahrzehnte blieb und wo man Erfahrungen erwarb die man dann als Alter an die Jungen weitergab.
Heute ist es doch so, dass sich die Technologie so schnell entwickelt, dass vieles Wissen im Alter nicht mehr so relevant ist, und es daher auch weniger (Fachliches) zum Weitergeben gibt. Stattdessen wechselt man öfters den Job um mehr Erfahrung zu sammeln (und schneller ein höheres Gehalt zu bekommen), und hört nicht mehr auf sich ständig weiterzuentwickeln und bis ins Alter neue Technologien zu lernen (anstatt sich irgendwann nur mehr auf dem Erfahrungsschatz auszuruhen).
Dies ist heute die Realität, und es gibt heute viele Menschen für die das keine Bedrohung sondern vielmehr eine Erfüllung ist. Ständig zu lernen und Neues zu entdecken, und dabei mit moderner Technik zu arbeiten ist spannend, und nicht schlimm. Es ist letztlich eine Frage der Einstellung und der Freude am lebenslangen Lernen. Darüber hinaus bedarf es natürlich auch Arbeitgebern die solche Partnerschaften mit den Mitarbeitern als Chance sehen (davon gibt es mittlerweile auch immer mehr, weil es zu mehr Engagement und besseren Ergebnissen führt).

Aktuelle Resilienzforschung berücksichtigt der Autor im Übrigen so gut wie gar nicht, obwohl dies für Burnoutprävention (und Vermeidung von Depressionen) einer der wesentlichsten Faktoren ist.

Last but not least ist sein Weltbild der Arbeit generell noch sehr von Großunternehmen geprägt (ebenso ein Relikt eines nostalgischen Weltbildes aus den 70ern und 80ern?), und er hat wenig Blick auf moderne KMUs und wie es dort positiv und anders abläuft, trotz Globalisierung und ständigem Erfolgsdruck.

Dennoch, ein lesenswertes Buch mit vielen interessanten Fakten zu gutem Führungsverhalten, guter Arbeitsethik und einem solidarischen Miteinander unter Kollegen, Vorgesetzten und Arbeitgebern, auch wenn der Autor bei ADHS, Technologie, Resilienzforschung und modernen, erfüllenden Beschäftigungsverhältnissen in KMUs entweder veralteten Vorurteilen unterliegt oder einfach nicht am aktuellen Wissensstand ist.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. November 2015
Zu einem gelingenden Leben gehört unweigerlich auch die Arbeit. Es macht also Sinn, darüber nachzudenken, wie wir einen Großteil unserer Zeit verbringen. Stehen wir morgens auf, um einen Job nachzugehen der be- oder überlastet, auffrisst und ausbremst oder fühlen wir uns am Arbeitsplatz wohl, erfahren Bestätigung und Wertschätzung und stabilisieren das Selbstwertgefühl? Was also ist gute Arbeit und was trägt zu einem gelingenden (Berufs-)Leben bei?

Joachim Bauers Buch "Arbeit - Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank mancht" gibt Orientierung, worauf wir aus Sicht der Neurobiologie achten müssen, damit die Arbeit Freude bringt und der Gesundheit zuträglich ist. Er analysiert die Anforderungen der Arbeit in unserer globalisierten Weltwirtschaft und die daraus resultierenden gesundheitlichen Auswirkungen. Eine Multiplizierung der Aufmerksamkeitsfelder, Fragmentierung der Arbeit, ständige Erreich- und Verfügbarkeit, Zeit- und Leistungsdruck bei gleichzeitigem Ausbleiben von Feedbacks sind wenig zielführend und machen auf Dauer krank. Die Arbeit wird indes als der Selbstverwirklichung dienlich empfunden, wenn dem Arbeitnehmer Anerkennung zuteil wird, der Beruf Chancen bietet, das Betriebsklima freundlich und der Arbeitsplatz sicher sind. Nicht zuletzt können hier Wertschätzung erfahren und die Arbeit als sinnstiftende Ressource erlebt werden. Die Verantwortung liegt, so der Autor, auf beiden Seiten: bei den Arbeitgebern und den Beschäftigten.

Bauer macht es dem Leser leicht, indem er sehr umfangreiche, wissenschaftlich fundierte Forschungserkenntnisse zu einem verständlichen Überblick komprimiert, allesamt unterfüttert und belegt durch Fakten und Zahlen aus zahlreichen Studien. Gleichermaßen erlangt der Leser aus philosophischer, religiöser und ökonomischer Sicht Kenntnis über die Historie der Arbeit, angefangen mit der Sesshaftwerdung des Menschen (neolithische Revolution) über den Agrarstaat, die Industrialisierung bis in unser digitales Zeitalter.

Wie immer bei diesem Autor liegt ein methodisch durchdachtes, flüssig geschriebenes Buch vor. Und wie immer sehr empfehlenswert (nicht nur für Führungskräfte).
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 31. Dezember 2013
Angesichts eines Umfangs von 206 Seiten nicht flüssig zu lesendem Text, ist es schon eine Leistung, auch noch über 476 (!) Anmerkungen beizufügen, wobei es die Letzte nicht mal ins Register geschafft hat. Das ständige Nachlesen im Anhang nervt, und der Gipfel: Die Eigenwerbung des Autors ist dermassen notorisch, dass eine aufkommende Bitterkeit irgendwann einfach nicht mehr zu verhindern war. Wer soviel Eigenwerbung für eigene Bücher macht- stösst Leser damit eher von sich, als dass er weitere anzieht, zumindest aus meiner Sicht. Das ständige Zitieren anderer Zeitgenossen im Kontext von Arbeit wirft die Frage auf: Hat der Autor eigentlich eine eigene Meinung, die er hier zu vertreten hat? Oder will er uns nur eine Aneinanderreihung von Statistiken und Zahlen liefern, die irgendwann nur noch langweilen? Ehrlich gesagt habe ich hier nichts Neues erfahren. Eine anstrengende Lektüre, die im Grunde rein gar nichts Neues zu liefern hat. Was sollen solche Bücher bringen? Ein interessanter Titel, ein noch interessanterer Untertitel, nur die Umsetzung ist mehr als dürftig. So neugierig mich dieser Titel gemacht hat - so enttäuschend ist im Grunde seine Umsetzung. Ich kannte bis dato Joachim Bauer nicht, doch eine Bereicherung ist diese Lektüre nicht. Wenn ich Sätze lese wie: "Mitarbeiter sollten zur Halbzeit ihres Tagespensums in Ruhe und abseits des Arbeitsplatzes - und keinesfalls neben der Arbeit her - essen können."- Frage ich mich, was daran für den Leser interessant sein soll.

Bauer reflektiert den Zusammenhang und die Unterscheidung von Depression und Burn-out, definiert die Symptome von Burn-out, klappert die letzten Jahrhunderte ab bis in die Antike um zu zeigen, was denn bekannte Denker, Philosophen und Zeitgenossen zum Thema Arbeit von sich gegeben haben. Von Cicero bis Hannah Arendt, von Bertrand Rüssel bis hin zu Augustinus oder Marco Polo, der Autor grast alles ab, was die Geschichte zu bieten hat. Er erläutert den Wandel über die Landwirtschaft, hin zu Handwerk und schliesslich der Industrialisierung. Dabei erläutert er Zusammenhang und Entstehung von Sinnverlust, geht auf Mobbing (Bullying) ein, sowie auf Auswirkungen die sich auf auf die Gesundheit von Arbeitnehmern im Kontext von Ehrgeiz nachteilig für Angestellte stellen. In gewissem Sinne liefert er darin eine Gegenüberstellung von heutiger Sicht und Erfahrung und dem was bedeutende Denker als sogenannte Empfehlung in Punkto Arbeit herausgaben. Nur das Arbeit Entfremdung in Menschen verursachen kann - ist und bleibt nun mal nichts Neues. Und das der Mensch gleichermassen Sinn und Entwertung / Entfremdung dort erleben kann auch. Das Menschen heute überall mit Forderungen und Erwartungen überfordert werden auch, eben alles nichts Neues. Bauers Buch ist vor allem auf die negative Seite von Arbeit ausgerichtet wie: Gesundheitsstörungen, Arbeitslosigkeit, Arbeitsplatzunsicherheit, Raubbau an der eigenen Gesundheit, verschiedenen Belastungen am Arbeitsplatz, Stressreport und Berufsunfähigkeit, Auswirkungen von Stress. Das ist zwar real - doch wo bleibt die positive Seite? Wo sind die Beispiele von Menschen, die ihre Arbeit lieben? Wo sind die Menschen, die ihre Erfüllung gefunden haben? Leider Fehlanzeige, ich hätte mir ein Gegengewicht, zu allzu schweren Seite in diesem Buch gewünscht.

Menschen sehen sich heute hohen Anforderungen ausgesetzt, die verschiedene Gesichter haben. Ob Belästigung am Arbeitsplatz, oder etwas die Konsequenzen wenn Psychopathen Firmen führen bis dahin das Arbeitnehmer bis "an der Rand des Leistbaren" gedrängt werden, sind Themen in diesem Buch, die jedoch auch nicht neu sind. Dass Menschen zunehmend ihre Belastung in der Arbeit psychisch schlechter ertragen ist offensichtlich und wird hier beschrieben, doch auch das ist nicht neu. Arbeit kann eben Quelle von Glück und Leid sein. Nur erfahren wir das ja bereits im Untertitel dieses Buches.

Ein Werk das von Statistik, Eigenwerbung und Anmerkungen anderer nur so trieft. Eine trocken geschriebene Lektüre die mit Zahlen und Daten überquillt. Die Frage die sich mir stellt ist: Reicht es über alle Zeitepochen hinweg, Literatur zu nützen und zu zitieren, nur um uns für eine Grenze zu sensibilisieren dafür, dass unser heutiger Arbeitseifer uns krank machen kann? Leider ist und bleibt das nichts Neues. Es ist sicher interessant, andere Denker zum Thema Arbeit zu lesen, nur haben diese oft in anderen Zeitepochen gelebt, inwiefern dann noch zitierte Stellen für völlig neue Arbeitsverhältnisse - wie wir sie heute vorfinden - angebracht sind, ist eine Frage die sich hier stellt, auch eine Frage die ich dem Autor stellen würde.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden