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5.0 von 5 Sternen Skurriler, rasanter Roman einer unglaublichen Reise
Eliezer ben Zephyr befindet sich gerade in einem kleinen polnischen Dorf in einem Zustand meditativer Trance und spiritueller Verzückung, als er infolge extrem schlechten Wetters unversehens in einem See einfriert. 300 Jahre später wird er in der Lower East Side in Manhattan unter ähnlich dramatischen Umständen wieder aufgetaut - und findet sich in...
Veröffentlicht am 6. Januar 2011 von Michaela Hoevermann

versus
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Keine Erleuchtung...
Der Autor Steve Stern wurde 1947 in Tennesse geboren. Heute lehrt er englische Literatur in New York. Er hat bereits mehrere Romane geschrieben und wurde mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet.

Bernie Karp findet beim durchstöbern der Gefriertruhe einen gefrorenen Rabbi. Der Rabbi, so erfährt er von seinem Vater, ist ein altes...
Veröffentlicht am 4. Januar 2011 von Moehrchen


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skurriler, rasanter Roman einer unglaublichen Reise, 6. Januar 2011
Von 
Michaela Hoevermann (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Eliezer ben Zephyr befindet sich gerade in einem kleinen polnischen Dorf in einem Zustand meditativer Trance und spiritueller Verzückung, als er infolge extrem schlechten Wetters unversehens in einem See einfriert. 300 Jahre später wird er in der Lower East Side in Manhattan unter ähnlich dramatischen Umständen wieder aufgetaut - und findet sich in einer vollkommen fremden Welt wieder, dem Amerika der Gegenwart!

Der 15-jährige Teenager Bernie Karp ist ein typisches Kind des 21. Jahrhunderts: Er spielt gern an sich herum, ist dicklich, gelangweilt, perspektiv- und orientierungslos, ebenso ohne Durchhaltevermögen, was Hobbys und Interessen angeht. Alles, was ihn wirklich interessiert, sind Essen und sein sich zum Mann entwickelnder Körper. Seine gesamte Familie zeichnet sich durch eine ähnlich inaktive, festgefahrene Haltung und Lebensweise aus. Bernies Leben ändert sich von Grund auf, als er den eingefrorenen Rabbi, ein altes Familiengeheimnis, in der Gefriertruhe seiner Eltern entdeckt. Dabei hat er eigentlich nur nach einem Stück Fleisch zur Intensivierung seiner autoerotischen Erlebniswelt gesucht. Und dann das! Zu seiner Überraschung erfährt er, dass die Eltern von der Existenz des gefrosteten Urahnen wissen. Mehr noch: Der Rabbi gilt als Glücksbringer und ist sozusagen fester Familienbestandteil, der als Glücksbringer von einer Generation zur nächsten weitervererbt wird. Eine Art frisch gehaltene Tradition, während in der Realität die eigene kulturelle, spirituelle Herkunft und Geschichte längst in Vergessenheit geraten sind.

Eines Tages wird Memphis von einem schrecklichen Sturm heimgesucht, was zu einem Stromausfall führt ' und dann taut der Rabbi auf. Im wahrsten Sinn des Wortes: Zunächst stellt er fest, dass er einiges aufzuholen hat, wenn er sich in dem neuen Jahrhundert zurechtfinden will. Und das bedeutet Kontakt mit den neuen Medien, sprich: Fernsehen, Fernsehen, Fernsehen. In der Welt der von morgens bis abends laufenden, den Geist abstumpfenden Game Shows und Seifenopern eignet er sich die englische Sprache an und verschafft sich einen Einblick in seine derzeitige, neue Realität. Und dann beschließt der Rabbi erfreut, dass es auch für ihn lukrative Karriereoptionen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt. Vermarkten lässt sich mit etwas Geschick und Unverfrorenheit schließlich alles, ganz besonders die Religion!

Während der Rabbi also großen Gefallen findet an der modernen Zeit, die ihm erscheint wie das Paradies auf Erden, entdeckt Bernie seine Faszination für das Judentum und findet sein Seelenheil in tiefer Spiritualität, die ihm die Orientierung verschafft, die ihm in seinem bisherigen Leben gefehlt hat. Während der eine mit einer Schar von Groupies die verlorenen Jahrhunderte erotischer Inaktivität aufzuholen versucht, entwickelt sich der andere zu einem spirituellen Menschen, der höheren Zielen folgt.

Ein bizarres, unterhaltsamen und auch überraschend intelligentes Buch, das die Lesenden in die jüdische Geschichte mitnimmt und zugleich einen tiefen sprachlichen Einblick in das Jiddische vermittelt, wodurch der Eindruck besonderer Authentizität entsteht. Ein Glossar am Ende des Buches erleichtert jedoch das Verständnis, weil vergessene oder unklare Begriffe jederzeit nachgeschlagen werden können.

Die ungewöhnlichen, skurrilen Charaktere fesseln, so dass man sich der Magie und eigenwilligen Faszination, die von diesem Buch ausgeht, kaum entziehen kann. Vielleicht auch, weil Steve Stern uns allen einen Spiegel vorhält und die Seelenlosigkeit unserer Zeit schonungslos, wenngleich auch mit Augenzwinkern, bewusst macht.

Für Bernie, den anfangs phlegmatischen, mäßig sympathischen Teenager, ist die Bekanntschaft mit dem Rabbi definitiv ein Gewinn: Er beginnt, sich für die jiddische Sprache zu interessieren und taucht tief in die jüdische Geschichte ein, mehr noch: Er entdeckt seine eigene Spiritualität und beginnt eine erste bedeutsame Beziehung. Dabei wechseln die Kapitel unterhaltsam zwischen Historie und Gegenwart. Man erfährt die Lebensgeschichte des Rabbi, erlebt die bewegte und zutiefst bewegende jüdische Geschichte ebenso wie das Hier und Jetzt.

Das Buch ist von hoher erzählerischer Dichte, sprachlicher Schönheit und inhaltlicher Tiefe und schreitet rasant durch die Handlung. Es bietet Stoff zum Schmunzeln, Nachdenken und Lernen, ist ein Portrait unserer Zeit, der westlichen Welt und eine amüsante Reflexion des Miteinanders von religiöser Erfahrung und knallhartem Marketing, zeichnet aber auch ein Bild der Abstumpfung und Langeweile unserer von Medien besessenen Zeit. Was bewundernswert ist: Nichts wirkt aufgesetzt oder gar oberflächlich recherchiert: Vielmehr scheint der Autor ein sehr breites Wissen zu besitzen und zugleich mit höchster eigener Überzeugungskraft und Emotionalität ans Werk gegangen zu sein. Das merkt und genießt man! Es handelt sich bei "Der gefrorene Rabbi" um ein besonderes Stück Gegenwartsliteratur vom Feinsten.

Alles in allem eine intellektuell durchweg ansprechende und zutiefst unterhaltsame Lektüre, die die jüdische Kultur auf unnachahmliche Weise öffnet und zugänglich macht. Dieses Buch ist vieles: eine skurrile Satire und pointierte Gesellschaftskritik, eine epische Reise in die Geschichte und ein Spiegel der Gegenwart. Durchweg empfehlenswert!

Steve Stern wurde 1947 in Tennessee geboren und lehrt Englische Literatur am Skidmore College in Saratoga Springs, New York. Er hat bereits mehrere Romane geschrieben und wurde mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Keine Erleuchtung..., 4. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Autor Steve Stern wurde 1947 in Tennesse geboren. Heute lehrt er englische Literatur in New York. Er hat bereits mehrere Romane geschrieben und wurde mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet.

Bernie Karp findet beim durchstöbern der Gefriertruhe einen gefrorenen Rabbi. Der Rabbi, so erfährt er von seinem Vater, ist ein altes Familienerbstück und wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Als dann der Strom ausfällt taut der Rabbi auf. Nachdem er sich an die neue Welt gewöhnt hat, gründet er das "Haus der Erleuchtung", das Kurse für gestresste Manager und Hausfrauen anbietet und damit viel Geld macht. Bernie ist währenddessen auf der Suche nach seinem Ursprung.

Das Buch wechselt zwischen zwei Zeitebenen hin und her. Die eine Zeitebene beginnt 1890 und begleitet den gefrorenen Rabbi - bis er dann schließlich in der Tiefkühltruhe von Bernies Vater landet -, vor allem aber dessen Begleiter. Diese Ebene befasst sich viel mit der Geschichte der Juden, beginnend mit der Vertreibung aus Russland. Die andere Zeitebene beginnt kurz vor dem Auftauen des Rabbis. Dort erfährt man, wie sich Bernie auf die Suche nach sich selber macht.

Irgendwie wollte bei mir nicht so ein richtiger Lesespaß aufkommen. Die Idee, das Buch in zwei Zeitebenen anzulegen, deren gemeinsamer Nenner der Rabbi ist, ist zwar nicht schlecht, aber leider hat das Buch viel zu viele Längen in denen die Handlung dann einfach nur so vor sich hin plätschert. Zudem würde ich den Schreibstil von Steve Stern als eher langweilig beschreiben. Man hätte aus dieser Story viel machen können, aber so ist es einfach nur zäh wie Kaugummi. Was am Anfang noch interessant war, wurde irgendwann total Langweilig - zum Schluss hin habe ich mich durch das Buch gequält und war froh als der letzte Satz hinter mir lag.

Ich muss zugeben, dass ich andere Erwartungen an dieses Buch hatte. Ich dachte, dass man den Rabbi begleitet, der sich in der für ihn neuen Welt erst zu Recht finden muss. Dass der Rabbi nur eine Randfigur ist - und eigentlich auch ein recht unsympathischer Geselle -, das habe ich nicht erwartet. Die skurrile Idee von Steve Stern hätte aber durchaus auch einen guten Roman abgeben können, wenn auch anders als ich es mir vorgestellt hatte, aber leider wurde daraus nichts.

Ein Buch in dem man so einiges über das Judentum erfährt, dass aber zu viele Längen aufweist. Ich kann das Buch keinem guten Gewissens empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen on the rocks, 7. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
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Bernie ist ein lethargischer und sonderbarer Jugendlicher. Und als er bei seinen noch beginnenden amourösen Abenteuern auf einen gefrorenen Mann in der elterlichen Gefriertruhe trifft nimmt sein persönliches Unglück seinen Lauf. Denn prompt taut der Mann auf, der sich als Familienerbstück entpuppt und beginnt Bernies Leben und das der gesamten Familie Karp durcheinander zu würfeln. Doch wie kam denn der Rabbi nun eigentlich in eine amerikanische Gefriertruhe? Und wie wird es ausgehen, wenn er nun eine Gemeinde anführen und Glücksseligkeit verkaufen will? Welchen Einfluss wird das Aufdecken der Familiengeschichte und der Herkunft des Rabbis auf den jungen Bernie haben?

Die Geschichte unterteilt sich in zwei Erzählstränge, einer spielt in der Gegenwart der andere in der Vergangenheit der Karps und des Rabbis. Die beiden führen unweigerlich auf die Gefriertruhe zu. Und enden in einem absurden und plötzlichen Finale, das den Leser doch etwas verwirrt und sprachlos zurücklässt. Obwohl die Sprache angenehm und flüssig zu lesen ist, wurde der Teil der Geschichte, der in der Vergangenheit spielt zu einem großen Teil mit jiddischen Worten durchsetzt. Das mag zwar ein authentisches Weltbild der damaligen Zeit abliefern, aber es erschwert das Lesen unglaublich, vor allem wenn ganze Passagen so geschrieben sind.
Auch die Protagonisten liefern zwar vielleicht durchaus ein übertragbares Beispiel ab, aber man kann sich leider nicht in sie hineinversetzen. Der Rabbi entwickelt sich langsam aber stetig zu einem wahnsinnigen Heiligen und Bernie befindet sich die meiste Zeit zwischen Traum und Wirklichkeit. Einzig Bernies nahezu Geliebte und seine Schwester scheinen zu normalen Gefühlen und Reaktionen befähigt zu sein.

Die originelle Idee und deren zum großen Teil auch gelungene Umsetzung, schaffen es den Leser über die ein oder andere Länge hinweg zu tragen. Allerdings reicht es dann doch nicht um ein absoluter Pageturner zu sein. Von mir drei Sterne für ein sehr schönes Cover und ein absurdes Lesevergnügen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der gefrorene Rabbi, 3. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Kindle Edition)
Die Couchpotatoe Bernie Karp findet im Gefrierschrank seiner Eltern einen gefrorenen alten Mann. Als der Strom ausfällt taut der alte Mann auf und erwacht zu neuem Leben. Wie sich herausstellt handelt es sich bei dem alten Mann um den Rabbi Eliser, der 90 Jahre eingefroren war und seitdem von Bernies Vorfahren von Generation zu Generation weiter gegeben wurde.

Der Rabbi setzt in dem Außenseiter Bernie ungeahnte Energien frei. Bernie verliert Gewicht, interessiert sich für die Religion und entwickelt die Fähigkeit, seine Seele von seinem Körper zu trennen. Der Rabbi auf der anderen Seite weiß die Vorzüge der modernen Welt zu schätzen und ruft mit seinem Verhalten Entsetzen bei Bernie hervor, der unermüdlich versucht, den Rabbi wieder auf den rechten Weg zubringen.

Das Buch wechselt ständig zwischen den Generationen hin und her. Es ist recht abgehoben und die Charaktere haben alle sehr merkwürdige Züge. Abgesehen davon, dass Steve Stern sich etwas außerhalb der Realität bewegt und ich keinen blassen Schimmer habe, was der Autor uns mit diesem Buch sagen wollte, liest es sich überraschend gut und birgt viele witzige Ideen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verpasste Gelegenheit, 28. Dezember 2010
Von 
Spieler7 - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
1889 in einem jüdischen Getto in Russland wird ein Rabbi beim Meditieren nach einem Unwetter in einem Teich eingefroren. Von seinen Anhängern als eine Art Wunder bestaunt wird der fromme Mann fortan in seinem Eisblock als kalte Reliquie präsentiert und im Familienbesitz über Jahrzehnte weitergereicht. 1999 liegt er dann in Memphis in der Gefriertruhe der Familie Karp, wo ihn Teenager Bernie zufällig entdeckt und nach einem Stromausfall versehentlich auftaut. Begierig stürzt sich der zweifelhafte Heilige in die wunderbare Welt der Moderne und lernt schnell, aus seiner Situation Kapital zu schlagen. Bernie hingegen, bis dato eher weltlichen Dingen zugetan, ist fasziniert von der Geschichte seines Urahns und versucht seinerseits, die geheimnisvollen Bereiche spiritueller Mystik zu erkunden.

Schade, schade. Ich hatte mich - begeistert von der originellen Grundidee - wirklich auf dieses Buch gefreut, war aber von der Umsetzung ziemlich enttäuscht. Die beiden Erzählebenen (Reise des Eismanns vom 19. ins 21. Jahrhundert und seine Erlebnisse in den USA der Jetztzeit) funktionieren nicht wirklich, da der moderne Teil der Geschichte vernachlässigt und nur halbherzig abgehandelt wird. Insbesondere die Metamorphose des Rabbis vom Frömmler zum Turbo-Kapitalisten geschieht viel zu schnell und ist daher nicht glaubwürdig; hier hat der Autor eine Chance verschenkt und seine Möglichkeiten nicht ausgereizt, auch das Ende des Romans ist wenig gelungen. Der durchaus erkennbare Sprachwitz blitzt leider nur ansatzweise und viel zu selten auf, schade, denn hier hätte ein richtig großes Werk entstehen können.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ach Rebbe, hilf, 31. Januar 2011
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Da gibt es so viel, was gegen dieses Buch spricht. Da ist zum Beispiel dieser völlig überdrehte Anfang, dann diese blöde Idee von dem Rabbi in der Tiefkühltruhe, den gleich eine ganze Generation der Familie einfach ignoriert. Da ist das ständige Schmelzen und Vereisen von des Rabbis kalter Behausung über den Lauf der Jahrzehnte hinweg, wobei dann tatsächlich ein Stromausfall zu Beginn des 21. Jahrhunderts die große Wende herbeibringt. Das alles ist natürlich Quatsch. Und noch dazu hat es seine Längen, denn hier wird die Gegenwart und die Vergangenheit parallel erzählt, mit dem Ergebnis, dass man das Ende der Geschicht vor deren Anfang kennt.

Aber gehen wir das ganze mal vom Anfang aus gesehen an. Ein jüdisches Jahrhundert wird hier erzählt. Das Stedl im Osten, die Pogrome, das Auswandern ins gelobte Land (Amerika), der Zionismus, die diversen Kriege, die Straßenkämpfe und die jüdische Mafia in New York, der Holocaust, die Gründung Israels, die Rassenunruhen in den Südstaaten, dann der Krieg gegen den Terror, das alles kommt hier im Buch vor. Und das ist dann der Hintergrund für eine Familiengeschichte voller schon sehr witziger, skurriler Charaktere, die hier natürlich als Farce erzählt wird. Vielleicht muss man schon selbst Jude sein, um diese Art von Humor bezüglich seiner eigenen Kultur und Religion zu verstehen. Aber wer ein wenig über Woody Allan weiß und ein wenig mehr über die merkwürdige Einstellung jüdischer Jungs zu ihren Müttern, dem wird das hier alles nicht fremd sein.

Nein, und durchdacht ist das alles auch nicht. Es ist irgendwie unsystematisch, voller Heiliger und voller Visionen, und voller Bezüge auf Bücher und Ereignisse, die man nicht kennt - und die auch zu abseitig sind, um sie wirklich kennen zu wollen. Aber auch das ist wieder ein wenig jüdisch, denn hier gibt es eben Eingeweihte, deren einziger Weg sich von dem anderer Eingeweihter unterscheiden darf, ohne dass gleich die theologische Welt zusammen bricht. Und so finde ich selbst die amerikanisierte Form dieses Glaubens im Buch schon als Satire ganz gelungen.

Rührend, gelegentlich auch witzig, sind die Ereignisse auf der Ebene der Familiengeschichte geraten. Traurig lesen sich die Schicksale, soweit sie durch die geschichtlichen Ereignisse gebrochen wurden. Aber das merkwürdige ist, dass das Leben eben doch immer weiter geht, wie schrecklich diese Ereignisse auch sein mögen. Das mit dem Judentum geht eben immer weiter. Seine Kultur, seine Familien, sie sind fast so unzerstörbar wie dieser gefrorene Rabbi. Und diese letzte Idee mag dann diesem ansonsten kruden Buch doch noch einen Sinn geben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ich bin sprachlos ..., 26. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bernie Karp ist ein gelangweilter Jugendlicher, den nichts weiter als TV und Essen interessiert. Eines Tages stößt er auf ein Familiengeheimnis - einen Rabbi, der tiefgekühlt im Keller der Familie lagert. Durch einen Stromausfall taut er auf und erwacht zum Leben bzw. kehrt aus seiner Meditation zurück.
Während Bernie ihn zuerst vor seinen Eltern versteckt, versucht sich der Rabbi einige Zeit später selbst in der Welt zurechtzufinden. Gebildet und trainiert von ständigen Fernsehen gründet der Rabbi das Haus der Erleuchtung. Hier gibt er jedermann und vor allem -Frau Unterrichtseinheiten und bietet sowohl Entspannung als auch Seelenheil.
Bernie unterdessen befasst sich, angestoßen durch den Rabbi, inzwischen mit den jüdischen Lehren und steigt immer tiefer und tiefer in die Materie ein. ...

Das Buch teilt sich grundlegend in 2 verschiedene Erzählstränge. Das Heute, das im Jahre 1999 beginnt und die Geschichte des Rabbi Elieser Ben Zephir, die 1890 mit dessen Meditation am See und dem Einfrieren beginnt. Immer abwechselnd wird Kapitel für Kapitel die Geschichte rückblickend bzw. im Heute weitererzählt.
Genauso wechselnd wie die Zeitform fühlte ich mich auch beim Lesen. Während ich die Kapitel der heutigen Zeit am Anfang einfach nur langweilig fand, waren die der Vergangenheit um so spannender. Der Leser erfährt viel über die Geschichte und auch das Leid der damaligen Zeit. Und während es in der Vergangenheit einen Großteil des Buches spannend zur Sache geht, bleibt es in der Gegenwart langweilig. Alles, was passiert, ist zum Großteil vorhersehbar. Der Teil, der es nicht ist, wirkt in sich zwar nicht unglaubwürdig, aber für mich einfach nur Fehl am Platz. So fühlte ich mich auch einen Großteil der Gegenwart nicht wie in einer Geschichte über einen Rabbi, sondern des Buddhismus. Kannte ich doch bisher sämtliche Beschreibungen und Überlegungen, die Bernie durchmacht, nur von da.

Leider schaffte es Steve Stern für mich nicht, die Vergangenheit durchgehend spannend zu halten. So hattte ich ab dem letzten Drittel des Buches das Gefühl, als wollte er endlich zum Ende kommen - so sehr rannte er durch die Geschichte. Nur um sich dann stellenweise wieder in detailreichen Beschreibungen zu verfangen und nicht so richtig vom Fleck zu kommen.

Leider ist jede Vergangenheit irgendwann einmal zu Ende erzählt und kommt im Heute an. An dieser Stelle hätte Steve Stern das Buch beenden sollen und hätte wohl eine schöne Geschichte erzählt. Doch leider musste es weitergehen.
Das Ende kam in jeder Hinsicht überraschend. Einerseits, weil ich es nicht erwartet hätte, andererseits, weil es so gar nicht passt. Ich muss gestehen, dass mich das Buch noch sehr lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Allerdings nicht im Positiven, sondern einfach nur wegen dem Ende. Wie kann man ein Buch, was bis dahin mittlerer Durchschnitt war, nur SO beenden? Allerdings sind Geschmäcker ja durchaus verschieden und vielleicht ist es für einen anderen Leser das perfekte Ende....

Der Schreibstil an sich ist durchaus flüssig. Leider ist das Buch gespickt von jiddischen Begriffen, die mir vor allem in der ersten Hälfte des Buches jede Lust am Lesen geraubt haben. Dies liegt vor allem aber auch daran, dass es im Vorab-Exemplar kein Glossar gab, in dem man hätte nachschauen können. Auch das Internet gab nichts her. Doch dafür kann der Autor nichts. Irgendwann werden die Begriffe weniger, ab und an werden sie sogar erklärt. Das macht es leichter. Den Rest überlas ich dann einfach.
Wie bereits oben erwähnt, war mein Unterhaltungsfaktor sehr 2-geteilt. So ist es auch sehr schwer, ein abschließendes Fazit zu finden und auf einen Punkt zu kommen. Ich tue mich schwer damit, dem Buch einfach nur 2 Punkte zu geben, denn ich denke, dass es das eigentlich nicht verdient hat. Deshalb gibt es hier etwas sehr untypisches. Eine Bewertung des Buches in mehreren Teilbereichen:

die ersten 2/3 des Buches:
Vergangenheit: 4 von 5 Sternen
Gegenwart: 2 von 5 Sternen

das letzte 1/3 des Buches:
Vergangenheit: 3 von 5 Sternen
Gegenwart: 1 von 5 Sternen - und den auch nur, weil ich ja mindestens einen Stern vergeben muss.

Rein mathematisch lande ich jetzt bei einem Schnitt von 2 Sternen. Wenn ich könnte, würde ich 2,5 geben - geht aber nicht. Und da mir das Buch 3 Sterne im Vergleich mit anderen bisher von mir rezensierten Büchern nicht wert ist, bleibt es auch dabei.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut zulesen, 8. April 2011
Von 
H. Keller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
"Der gefrorene Rabbi" ist ein Buch, in das ich mich irgendwie erst einlesen musste. Die Idee eines Rabbis, der "eingefroren" als Familienerbstück weitergereicht wird, ist schon irgendwie absurd, aber eben auch interessant.

Den Inhalt des Buches möchte ich allerdings an dieser Stelle nicht reproduzieren. In der Masse der Rezensionen hier in Amazon wäre das eine weitere zu viel, meine ich.

Nur kurz meine Bewertung:

Inhalt: Sehr gut.
Schreibe: Für meinen Geschmack locker genug, um Spass beim Lesen zu haben.

Wem ich das Buch empfehlen kann: Jedem, der mit etwas Selbstabstand und Augenzwinkern das Leben betrachtet und jedem anderen auch, der das lernen will.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Franz Kafka trifft Douglas Adams, 28. Januar 2011
Von 
Sommerwind - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Der gefrorene Rabbi" ist der erste ins Deutsche übersetzte Roman des 1947 geborenen US-amerikanischen Schriftstellers Steve Stern. Fast ein kleiner Literaturskandal, denn hier schreibt einer in bester europäisch-jüdischer Erzähltradition, mit überbordender Phantasie, viel stilistischem Geschick und großartigem Humor. Der Plot ist ebenso simpel wie aberwitzig: Irgendwann im Jahre 1999 taut der bis dato über einhundert Jahre tiefgefrorene polnische Rabbi Elieser ben Zephir auf und entsteigt der Kühltruhe der höchst mittelständischen amerikanischen Familie Karp. Dessen zunächst etwas tumber Sohn kümmert sich um den alsbald sehr geschäftstüchtigen Rabbi und erfährt darüber seine eigene "Himmelfahrt". Der tiefgefrorene Rabbi fungiert im Übrigen als recht sperriger Navigator durch die jüdische Diaspora in alter und neuer Welt. Stern berichtet dergleichen und vieles Abwegige in einer klaren und unbekümmerten Prosa, tiefgründig ironisch, mit einer diebischen Freude am Fabulieren und an jüdischer Rabulistik. Der Roman atmet noch im Post-9/11-Amerika den faszinierenden Geist des jüdischen Schtetls - einer untergegangenen Welt. Stern lässt die schräge Grammatik des Jiddischen ebenso wiederauferstehen wie die eigensinnige Logik jüdischer Casuistik zur Tora. Darin erinnert er eindrucksvoll an den heute weitgehend vergessenen Roman "Der Pojaz" von Karl Emil Franzos, einst einer der bekanntesten Romanciers des 19. Jahrhunderts. Viel Abenteuerliches ist in diesem Roman, viel Menschenliebe und Sensibilität. Die New York Times, nicht eben bekannt für dezente Töne, hat gejubelt: "Dieser Autor hat alchemistische Kräfte." In der Tat. Eine schriftstellerische Meisterleistung und die literarische Entdeckung der letzten Jahre.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keine Stern-Stunde der Literatur, 4. Januar 2011
Von 
Cecilie (Castrop-Rauxel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der gefrorene Rabbi: Roman (Gebundene Ausgabe)
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Bernie Karp ist ein eher träger, verfressener Teenager aus Memphis / Tennessee. Als er eines Tages im Keller des elterlichen Hauses nach Essbarem in der Tiefkühltruhe sucht, stößt er auf die eingefrorene Leiche eines Mannes.
Es handelt sich um einen Rabbiner aus Polen, dessen Leiche sich seit Jahrzehnten im Besitz der Familie befindet. Als es bei einem Gewitter über Memphis zu einem Stromausfall auch im Hause Karp kommt, wird der Rabbi plötzlich aus seinem eisigen Grab befreit und beginnt ein neues Leben im 21.Jahrhundert. Der Rabbi aus dem Schtetl Ostpolens entdeckt schnell, wie er mit seinen Kenntnissen der Kabbala und der jüdischen Mystik Geld machen kann!
Und Bernie entdeckt die Geschichte seiner Familie und die eigene Religion neu.

Steve Stern erzählt seinen Roman in zwei Zeitebenen, einmal die Geschichte von Bernie Karp und des aufgetauten Rabbis in den USA von heute, dann in der Rückblende die Geschichte polnischer Juden und ihr Schicksal. Die Verfolgung in russischen Zarenreich, die absolute Armut im Ghetto polnischer Städte und die Auswanderung in die USA mit dem damit verbundenen Aufbau eines neuen Lebens.

Beim Lesen merkte ich mehr und mehr, dass ich sehnsüchtig auf die Rückblenden im Roman wartete, denn die Geschichte um den Rabbi aus dem Eis wird noch einiger Zeit einfach einfach nur langweilig und nervt. Zu bizarr und an den Haaren herbei gezogen ist die Geschichte. Auch das Ende ist nur unbefriedigend für den Leser!

Die Rückblenden hingegen, in denen die Geschichte des jüdischen Lebens in Osteuropa und später die in den USA beschrieben wird, sind interessant geschrieben und Steve Stern beschreibt ohne Zweifel eindringlich und mit viel Sachkenntnis die Geschichte der jüdischen Einwanderer.

Auf dem Einband des Romans wird der amerikanische Schriftsteller Steve Stern als der neue Isaac Singer angepriesen, wie auch er beschreibt Stern das Leben der einfachen jüdischen Menschen und ihr Schicksal. Nach Lektüre dieses Romans aber glaube ich, dass Steve Stern noch sehr weit entfernt ist von einem Isaac Singer. Der Roman der gefrorene Rabbi" ist schlicht und einfach zu abstrus und bizarr, dass er den Leser wirklich fesseln kann.
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Der gefrorene Rabbi: Roman
Der gefrorene Rabbi: Roman von Steve Stern (Gebundene Ausgabe - 10. Januar 2011)
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