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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Debüt!
In einem Seminar im zweiten Semester hatte Mattia gelernt, dass einige Primzahlen noch spezieller als die anderen sind. Primzahlzwillinge werden sie von Mathematikern genannt: Paare von Primzahlen, die nebeneinander stehen oder genauer, fast nebeneinander, denn zwischen ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die verhindert, dass sie sich tatsächlich...
Veröffentlicht am 1. Juni 2011 von Tanja Heckendorn

versus
85 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viele offene Fragen
Wenn man sich die bisher hier vertretenen Positionen so anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass Paolo Giordano mit seinem Roman polarisiert: Man liebt ihn oder man langweilt sich. Vielleicht hilft es manchen Unentschlossenen ja weiter, wenn jemand, der weder enttäuscht noch euphorisch ist, eine Stellungnahme abgibt...

Die Einsamkeit der Primzahlen...
Veröffentlicht am 14. Dezember 2009 von Palma K.


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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Debüt!, 1. Juni 2011
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Einsamkeit der Primzahlen (Gebundene Ausgabe)
In einem Seminar im zweiten Semester hatte Mattia gelernt, dass einige Primzahlen noch spezieller als die anderen sind. Primzahlzwillinge werden sie von Mathematikern genannt: Paare von Primzahlen, die nebeneinander stehen oder genauer, fast nebeneinander, denn zwischen ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die verhindert, dass sie sich tatsächlich berühren. Zahlen wie 11 und 13, wie 17 und 19 oder 41 und 43. Bringt man die Geduld auf, weiter und weiter zu zählen, stellt man fest, dass solche Pärchen immer seltener werden. Man stößt auf immer weniger Primzahlen, die verloren dastehen in diesem lautlosen, monotonen, nur aus Ziffern bestehenden Raum und es beschleicht einen das beklemmende Gefühl, dass die Pärchen, die einem bis dahin begegnet sind, rein zufällig zusammenstanden und dass es eigentlich ihr Schicksal ist, allein zu bleiben. Aber dann, wann man schon aufgegeben und nicht mehr weiterzählen will, stößt man auf ein weiteres Pärchen von Zwillingen, die sich, eng umschlungen, aneinander festhalten. Mathematiker sind davon überzeugt, dass man, egal wie weit man fortschreitet, immer wieder solchen Zwillingen begegnen wird, obwohl niemand sagen kann, wo sie stecken, bis man sie tatsächlich gefunden hat.
Für Mattia waren sie beide, Alice und er, genau dies, Primzahlzwillinge, allein und verlo-ren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können.
("Die Einsamkeit der Primzahlen", Seite 155, 156).

Es ist eine stille Art der Faszination die diesen melancholisch, schönen Roman des italienischen Debütanten Paolo Giordano auszeichnet. Der Schmerz seiner Helden ist fast schon körperlich spürbar und geht unglaublich nahe. Doch dieses Gefühl, das der Autor bis zur Neige auskostet, verwandelt sich auf beinahe wunderbare Weise vor den Augen des Lesers und vermittelt eine Botschaft der Hoffnung. Nicht die Liebe allein, die zwei besondere Menschen verbindet, sondern das Leben selbst steht im Mittelpunkt. Alice und Mattia, die man jeweils ab einem einschneidenden Kindheitserlebnis bis zum Erwachsenenalter begleiten darf, scheinen beide auf dem Pfad der Tränen festzukleben. Ihre Einsamkeit zu einer behaglichen Zweisamkeit zu machen scheint ebenso unmöglich zu sein, wie das Band vollkommen zu lösen, welches sie unsichtbar miteinander verbindet. Gibt es für die verkorksten Seelen der Kindheit eine Möglichkeit sich von der Vergangenheit zu lösen und ein unabhängiges und freies Leben zu führen?

Alice Della Rocca hasst das Skifahren. Und auch ihren Vater, der sie dazu zwingt, in diesem Sport das Beste zu geben. An diesem einen nebligen Tag wird sie einen Unfall haben, der sie mit Narben auszeichnet, die sie ihr Leben lang tragen wird.
Mattia Balossini ist ein Zwilling. Aber seine Schwester Michela ist ganz anders als alle anderen Kinder. Sie kann nicht sprechen, sie hat seltsame Anfälle und sie malt auf den Bildern die Haut der Leute blau an. Kein Wunder, dass die Zwillinge in der Schule keine Freunde finden. Als die beiden zu einer Geburtstagsfeier eines Klassenkameraden eingeladen werden, ist Mattia sich sicher, dass der Gastgeber von seinen Eltern zu dieser Geste gezwungen wurde. Als er sich mit seiner Schwester zu der Fete aufmacht, graut ihm bereits davor, was Michela Peinliches anstellen wird. Er trifft daraufhin eine folgenschwere Entscheidung und lässt die Zwillingsschwester allein in ihrem geliebten Park zurück. Aber als er viel zu spät wieder dorthin zurück kehrt, ist Michela spurlos verschwunden. Voller Panik erkennt Mattia, dass er einen großen Fehler gemacht hat.
Jahre danach treffen Mattia und Alice in der Schule zum ersten Mal aufeinander.
Die Lehrer von Mattia hatten den Eltern geraten, den hochbegabten Sohn auf ein Gymnasium zu schicken, wo seine Fähigkeiten mehr gefördert werden. Die soziale Kompetenz des sensiblen Jungen, der einen starken Hang zur Selbstverletzung entwickelt hat, ist dagegen eher unterentwickelt. Auch Alice ist ein Außenseiter, aber im Gegensatz zu Mattia würde sie liebend gerne dazugehören. Besonders die coole Viola hat es ihr angetan. Am liebsten hätte sie wie die kühle Schönheit ein Blümchentatoo auf dem Bauch, auch wenn darunter die hässlichen Narben nach wie vor sichtbar sind. Zu Alice Erstaunen möchte Viola ihr helfen, einen Typen zu finden. Alice Wahl fällt auf den seltsamen Mattia, dessen traurige Aura sie fasziniert. Es ist erneut eine Geburtstagsfeier, die eine Veränderung in Mattias Leben anstößt, auch wenn das Ergebnis ein anderes ist, wie von den Beteiligten erwartet...

Die Sprachbilder des Autors sind oft ungewöhnlich und doch nachvollziehbar. Zum Beispiel veranschaulicht er das allmähliche Verschwinden der Ehefrau und Mutter Della Rocca mit dem langsam verblassenden Wasserfleck auf einem T-Shirt. Ein alltägliches Bild wird mit einer ebenso realistischen wie ernüchternden Tatsache verbunden und prägt sich tief ein.
Die verschiedenen Konflikte der Protagonisten werden ebenso anschaulich geschildert, wobei eine gewisse Nüchternheit beibehalten wird. Fakten zu den Nebenfiguren werden nur insoweit angeführt, wie sie für die jeweilige Situation erforderlich scheinen. Trotzdem oder vielleicht gerade darum fühlt man auch mit ihnen. Außerdem ergibt sich ein differenzierteres Bild, was die Helden dieser Geschichte betrifft.
Die klare Struktur des Romans, die sehr gut zu der Themastellung passt, der leicht lesbare Schreibstil und die Eindringlichkeit, mit der das Gefühlsleben der Beteiligten beschrieben wird, sind eindeutige Pluspunkte des beeindruckenden Debüts.

Dieser ausdrucksstarke Roman ist tatsächlich eine ganz besondere Entdeckung.
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106 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen die unendliche Schwierigkeit des Seins, 20. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Einsamkeit der Primzahlen (Gebundene Ausgabe)
Zwei junge Menschen sind gezeichnet von einschneidenen, traumatischen Erlebnissen der Kindheit: hier geht es jedoch nicht um die Suche nach dem oder den Schuldigen sondern eher darum, dass und wie jeder seine Bürde zu tragen hat. Die zunächst getrennten Schicksale der beiden Protagonisten Mattia (er) und Alice (sie) nähern sich allmählich aneinander, kreisen umeinander, um sich dann wieder zu trennen - doch eine unsichtbare, fragile Verbindung bleibt bestehen, über die Zeit, über den Raum.
Vom Schmerz, einzeln zu sein und einzeln zu bleiben - wie die Primzahlen - handelt dieser Roman, der mit seiner im poetischen Sinne einfachen Sprache so leicht daherkommt und doch zugleich eine Metapher ist für das menschliche Schicksal im Allgemeinen. Man fragt sich unweigerlich, wie ein so junger Autor so viel vom Leben wissen kann?
Ein Kompliment auch für die Übersetzung, die dem italienischen Original in nichts nachsteht.
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85 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viele offene Fragen, 14. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Einsamkeit der Primzahlen (Gebundene Ausgabe)
Wenn man sich die bisher hier vertretenen Positionen so anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass Paolo Giordano mit seinem Roman polarisiert: Man liebt ihn oder man langweilt sich. Vielleicht hilft es manchen Unentschlossenen ja weiter, wenn jemand, der weder enttäuscht noch euphorisch ist, eine Stellungnahme abgibt...

Die Einsamkeit der Primzahlen schildert zwei junge (später nicht mehr ganz so junge) Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation auf sehr eindringliche Weise. Die Sprache besticht durch Schlichtheit, der Aufbau ist chronologisch mit mehreren Zeitsprüngen. Dem gegenüber steht die komplexe Thematik von Schuld. Verletzung, Einsamkeit, Magersucht. Insgesamt ist es ein Buch, über das man länger nachdenkt als man darin liest (was ja positiv ist).
Gerade weil hier ernste Themen so aufmerksam geschildert werden, ist es allerdings ein bisschen irritierend, dass man manchmal das Gefühl hat, wichtige Erklärungen blieben einem vorenthalten. Sich zu fragen, ob es im Italien der 80er Jahre üblich war, schwer behinderte Kinder (das fragliche Mädchen kann nicht sprechen und kaum auf seine Umwelt reagiern) einfach in die Grundschule zu schicken, kann schlicht auf eigene Wissenslücken hindeuten. Warum aber ein gehbindertes Mädchen am Sportunterricht teilnimmt, ist schon weniger einfach wegzuerklären. Und wieso hat sie eigentlich ein steifes Knie, aber eine Operationsnarbe an der Hüfte? Und, was den Protagonisten Mattia angeht: Wieso kommt seine ganze, von gravierenden Selbstverletzungen geprägte Jugend über niemand- weder Eltern, noch Lehrer, noch Ärzte- auf die Idee, ihn mal zu einem Therapeuten zu schicken?
Oder ist das vielleicht passiert, und wir erfahren es nur nicht? Zwischen den detailgetreu geschilderten Episoden lässt der Autor nämlich große Lücken. Nur selten bekommt man einen Hinweis darauf, was in der Zwischenzeit passiert ist, und diese spärlichen Informationen kommen irgendwie nicht gegen den Eindruck an, dass die Geschichte zwischendurch einfach still steht. Alices Mann, ein Arzt, bekommt zum Beispiel schon beim ersten Date einen mehr als deutlichen Hinweis auf ihre Magersucht, ist aber erst im nächsten Abschnitt (einige Jahre später) bereit darauf zu reagieren.
Abgesehen von den offenen Fragen ist es vor allem das Verhältnis zwischen den Hauptpersonen, das meine Begeisterung für das Buch etwas dämpft. Für sich genommen erscheinen Mattia und Alice als glaubwürdige Charaktere, einsam und abgeschieden von den anderen (und das übrigens von Anfang an). Was sie dagegen aneinander finden, erschließt sich nicht wirklich. Mattia hängt zwar seinen Gedanken zufolge an Alice, in ihrer Gegenwart erscheint er aber immer genervt und abwesend. Und sie hält die Beziehung trotz ständiger Ablehnung seinerseits aufrecht, kommt aber in zehn Jahren nicht auf die Idee, herauszufinden, was ihn zu seiner Selbstverstümmelung treibt? Mit anderen Worten: Was die beiden Protagonisten trennt, ist deutlich genug, was sie zusammenhält bleibt im Dunkeln- und erweist sich am Ende auch als nicht besonders stabil.

Mein Fazit: Ein Buch, das berührt und nachdenklich macht, in mancher Hinsicht aber noch nicht ganz überzeugen kann.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bleischwer, 31. März 2011
Von 
M. Heilmann (Düsseldorf Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Nachdem ich dieses Buch (in der von Daniel Brühl gelesenen Fassung als Hörbuch) hinter mich gebracht hatte, blieb ein äußerst schaler Nachgeschmack. Kann man zu Beginn noch die Nöte und Ängste der beiden Protagonisten im Kinder- und Teenager-Alter nachvollziehen und interessiert sich für den Werdegang, so ist deren Verhalten als Erwachsene schlichtweg eine Qual zu lesen bzw. anzuhören. Eine große Zahl unaufgelöster Konflikte lädt sich bleiern über die Handlung, jedes Mal, wenn man meint, es passiert etwas Entscheidendes, bricht das Kapitel entweder ab, oder einer der beiden zieht sich aufgrund nur schwer nachvollziehbarer Motive in sein persönliches Schneckenhaus zurück. Weswegen reist Mattia z.B. Hals über Kopf aufgrund einer einzigen Briefzeile nach Italien zurück, nur um beim Anblick der Initialen auf Handtüchern sofort wieder eine Kehrtwendung zu machen, ohne dass das auch nur die Spur einer Verwunderung bei einem der beiden hervorruft? Warum reagiert Alice beim Anblick des Mädchens im Krankenhaus so, dass es vollkommen klar ist, dass das zu nichts führen wird (das "Gespräch" mit dem Pförtner)? Von diesen Beispielen könnte man sicher ein Dutzend und mehr aufzählen.

Als Leser/Hörer finde ich das auch deswegen ärgerlich, weil ich das unbestimmte Gefühl hatte, man müsste aufgrund des schon Gelesenen/Gehörten verstehen, warum die beiden nicht zusammenkommen und warum sie so sind wie sie sind - mir erschließt sich das jedoch nicht. Wenn diese quälende, deprimierende Unsicherheit und Ungewissheit vom Autor beabsichtigt war, dann ist ihm dies zweifellos gelungen. Es ist schon klar, dass dieser Roman nicht "schön" oder "unterhaltsam" sein soll. Mich hat die zähe, von Zeitsprüngen durchsetzte und episodenhafte Geschichte aber nicht überzeugt.
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53 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lange kein so fesselndes Buch gelesen, 7. Oktober 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Einsamkeit der Primzahlen (Gebundene Ausgabe)
Ich weiß, man soll ja eigentlich nicht vergleichen, denn alle Vergleichen hinken irgendwie. Aber ich muss trotzdem sagen, dass dieses Buch so etwas wie eine moderne Version der "Sturmhöhe" für mich ist. Charaktere und Handlung sind völlig unterschiedlich, aber diese bittere Tragik der Liebe zweier Menschen, die nicht zusammen finden, habe ich zuletzt so toll und nachfühlbar in der Sturmhöhe von Emily Bronte gelesen.

Alice und Mattia haben beide schwere Schicksalschläge in der Kindheit hinnehmen müssen, die die beiden für den Rest ihres Lebens zeichnen und zu Außenseitern machen. Sie fühlen sich, wahrscheinlich gerade deswegen, zueinander hingezogen, aber auch genau das ist es, was die beiden voneinander trennt.
Die Sprache dieses Buches ist großartig! Schon von der allerersten Seite an, ist man mitten in der Geschichte drin:
"Alice Della Rocca hasste die Skischule. Sie hasste den Wecker, der auch in den Weihnachtsferien morges früh um halb acht klingelte, und ebenso ihren Vater, der ihr beim Frühstücken zusah und dabei nervös mit einem Bein wippte, wie um zu sagen: Los, beeil dich endlich. Sie hasste die Strumpfhose, die an den Oberschenkeln kratzte, die Skihandschuhe, in denen sie die Finger nicht bewegen konnten, den Helm, der ihre Wangen zusammenkniff und dessen Metallschnalle sich in ihren Unterkiefer bohrte, und vor allem diese Skischuhe, die viel zu eng waren und in denen sie wie ein Gorilla lief."
Die beiden Hautprotagonisten bleiben keine blassen Figuren zwischen den Seiten sondern werden zu Menschen, die man wirklich zu kennen glaubt. Man leidet mit ihnen und kann das Buch nicht aus der Hand legen. Aber nicht falsch verstehen: hier handelt es sich nicht um ein deprimierendes Drama, bei dem man am Ende heult. Es ist traurig, lustig, hoffnungsvoll und tragisch zugleich - wie das wirkliche Leben eben.
Da ich sehr viel lese, kaufe ich mir meistens Taschenbücher. In diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht und es absolut nicht bereut. Dieses Buch kann man ohne Probleme noch einmal lesen. Wer auf der Suche nach einem Geschenk ist, kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendjemandem nicht gefallen könnte.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Poetische Sprache, leidvolles Thema, 26. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Einsamkeit der Primzahlen (Gebundene Ausgabe)
Paolo Giordano beschreibt die Lebensgeschichten von Alice und Mattia, beide 1976 geboren. Beide wachsen in ihrer jeweiligen Familie in Italien auf - wo genau, erfährt man nicht. Überhaupt spielen äußere Fakten in diesem Buch keine große Rolle.
Wodurch es vor allem hervorsticht, sind zwei Dinge:
1. die plastische Schilderung der Innenansichten der verschiedenen Personen - im Mittelpunkt Alice und Mattia, aber auch Randpersonen wie Mattias Schulfreund Denise oder die spanische Haushälterin Soledad werden mit ihren Gedanken und Gefühlen sehr persönlich dargestellt.
2. die klare, eindringliche, bezaubernde Sprache mit poetischen Vergleichen und Bildern wie dem der Primzahlen, die zwar nah beeinander stehen, aber doch nie zusammenkommen können.
Diese zwei Dinge sind mir vier Sterne wert.
Das Buch liest sich flüssig und ich habe es in einem Zug durchgelesen - jedoch blieb mir danach ein schweres, bedrückendes, deprimierendes Gefühl zurück. Die zwei Hauptpersonen erstarren in ihrer Hilflosigkeit, bis ins Erwachsenenleben hinein (das Buch endet 2007, als beide 31 sind), beide können ihre Kindheitstraumata auch nicht ansatzweise verarbeiten. Ich litt mit ihnen mit - wenn Mattia sich immer wieder absichtlich in die Hand schneidet - wenn Alice nur Salatblätter und Mineralwasser hinunterbekommt, obwohl der Hunger in ihr brennt - doch es ändert sich über Jahre hinweg praktisch nichts. Eltern, Lehrer, Mitschüler sind seltsam gleichgültig oder kommen gar nicht vor. Sowohl Mattia als auch Alice lernen einen Beruf, haben Kontakt zu anderen Menschen, doch keinem aus ihrem Umfeld gelingt es, nahe genug an sie heranzukommen, um irgendeine Änderung anzustoßen. In gewisser Weise sind alle Personen in dem Buch wie Primzahlen. Es gibt nur Innenansichten, ausgesprochen werden wichtige Dinge praktisch nie. Nur einmal erzählt Mattia Alice sturzbachartig sein Trauma mit der Zwillingsschwester, aber dabei bleibt es dann auch. Im Inneren toben die Kämpfe, die Verletzungen, der Schmerz, doch mitgeteilt werden diese Gefühle nie. Das letzte Kapitel heißt "Was bleibt" - doch was bleibt denn nun? Es bleibt das Schweigen, die Selbstbestrafung, der Rückzug, das Unverständnis. Ist Literatur eigentlich nur gut, wenn das Leid siegt?
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswerte Melancholie ohne ein Ende, 6. Januar 2012
Wer aufgrund des Buchtitels Mathematik erwartet, wird enttäuscht sein; andere werden sich hingegen freuen. Die Analogie zu den Primzahlen (ganze Zahlen, die ohne Rest nur durch sich selbst und die 1 teilbar sind, wobei die 1 selbst keine Primzahl ist) besteht darin, dass es mit Ausnahme der Zahlen 2 und 3 keine weiteren Primzahlen gibt, die unmittelbare Nachbarzahlen sind. Es ist sonst immer mindestens eine weitere Zahle zwischen ihnen. Primzahlen können sich somit nahe kommen, aber mit Ausnahme der 2 und 3 eben nicht berühren.

So ähnlich geht es den beiden Hauptfiguren dieses Romans, Alice und Mattia. Man wird beide wohl als stark beziehungsunfähig bezeichnen müssen, wobei in beiden Fällen dramatische Ereignisse dazu wesentlich beigetragen haben. Bei Alice drängt der überambitionierte Vater seine Tochter zum Skirennlaufen. Sie verunglückt, erfriert fast und behält ein steifes Bein ' Schuldvorwürfe dem Vater gegenüber inklusive. Magersucht stellt sich ein, an der Alice so lange wir sie im Buch begleiten leidet. Mattia hat eine geistig behinderte Schwester, die ihm bei freundschaftlichen Kontakten im Mitschülerkreis immer wieder Probleme macht. Bei einer gemeinsamen Einladung zu einer Geburtstagsfeier lässt Mattia sie im Park auf einer Bank zurück. Sie verschwindet spurlos und weder sie noch ein Leichnam werden je gefunden. Mattia fängt mit Selbstverstümmelung und mit einer fast autistischen Haltung an.

Beide, Mattia und Alice, begegnen sich auf der Schule. Die Primäraffektion geht von Alice aus, wie im Grunde auch alle weiteren Schritte des Kontaktes. Dieses Miteinander ist manchmal enger, dann wieder lockerer, aber beide können nicht von einander lassen. Und sei es nur, dass beispielsweise während einer mehrjährigen Abwesenheit Mattias, ihre Gedanken täglich umeinander kreisen. Mattia lebt alleine, zurückgezogen, wird ein sehr guter Mathematiker, aber alle halbherzig gemachten Beziehungsversuche bleiben im Keim erstickt. Alice wird Fotografin, lernt einen Arzt kennen und heiratet ihn, aber die Ehe geht in die Brüche.
Das Buch kann als Roman einer unerfüllten Liebe gesehen werden, ich persönlich halte es aber eher für einen ' zugegebenermaßen übertriebenen - Spiegel der in unserer Gesellschaft so weit verbreiteten Unfähigkeit, sich zu öffnen und der Angst, Bindungen einzugehen.

Fazit : Sehr lesenswert, voller komplizierter Gefühle und voller Melancholie. Sprachlich sehr beeindruckend durch die präzise Beschreibung dessen, was das Innenleben der Akteure ausmacht.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Als Voyeur der ersten Reihe, 21. August 2010
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Einsamkeit der Primzahlen (Gebundene Ausgabe)
Alice und Mattia begegnen ihren Schicksalen bereits sehr früh. Zum Teil mit großer Schuld behaftet erleben sie Traumata, die ihrem Leben den Weg abseits der Norm weisen. Mattias leicht autistische Entwicklung beschert ihm keine Schar an Freunden, mit Selbstverletzung und Verstümmelung bekräftigt er seinen Ruf als gefährlich und unheimlich; Alice leidet an Magersucht und obwohl es ihr innigster Wunsch ist, dazu zu gehören, wird sie von ihren Klassenkameradinnen gedemütigt und verhöhnt. Beide finden in einer besonderen Freundschaft zueinander, begleiten sich auf ihren Lebenswegen, solange bis sich auch diese trennen.

Über kurz oder lang versuchen beide ein Leben der Normalität, bemühen sich um Alltag, Job, Ehe und Kollegen, ohne dabei jemals wirklich Zugang zur Welt der anderen zu gewinnen, oder die Welt der anderen an sich heran zu lassen.

Ohne Zweifel, der Roman fesselt. Der Autor gewährt Blicke in die Seelen seiner Protagonisten. Er zeigt die Beweggründe des Handelns starker Außenseiter unserer Gesellschaft und hält damit nicht zuletzt auch dieser einen Spiegel vor. Er zeigt sie in ihren Notlagen und hält den Atem an, wenn sie ihren "Rettern" manövriert auszuweichen versuchen. Auch die Situation der Eltern, in ihrer Ausweglosigkeit und Resignation folgt einer sehr direkten Darstellung.

Ein durchwegs spannendes aber vom Schmerz getragenes Buch, guter Polt, stimmig und flüssig zu lesen. Dennoch kann ich den Hype der Medien nicht ganz nachvollziehen. Die Charaktere bestechen nicht durch ihre Zeichnung sonder ihre Andersartigkeit. Die Sprache ist klar und unmissverständlich nüchtern; Verspielter Ton, Raffinesse in Satzbau und Wortwahl trotzen hier meinen Erwartungen, wie ein krönendes Ende.

Nicht zuletzt zwingt mich der Roman in die vorderste Reihe der Voyeure und da fühle ich mich - um ehrlich zu sein - nicht ganz zuhause. Machen Sie sich Ihr Bild.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 21. Mai 2011
Von guter Besprechung angeregt, freute ich mich auf die Lektüre und wurde zunächst gefesselt, da das Buch spannend beginnt mit intensiven Schilderungen der traumatischen Kindheitserlebnisse der beiden Protagonisten.
Leider verliert sich die Geschichte anschließend oft in verschiedenen (machnmal sogar banalen oder langweiligen) Episoden. Zunächst sieht es so aus, als würden sie weiterführen und das könnte interessant werden. Aber der Faden wird weder weitergesponnen noch wieder aufgenommen, so dass man sich fragt "Ja, und jetzt?" Die Hauptpersonen (auch ihre Eltern) bleiben seltsam unlebendig, eindimensional.
Ein zu dickes Buch über die Unfähigkeit, miteinander zu sprechen und zumindest zu versuchen, zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Nicht nachvollziehbar, dass dem steifen Knie des Mädchens nicht besser physiotherapeutisch oder operativ geholfen wird, wobei das beim Autofahren offenbar überhaupt keine Probleme bereitet! Und der junge Mann wird trotz seines gestörten Verhaltens nie einem Psychiater vorgestellt! Dazu ein Arzt, der mehrere Jahre braucht um festzustellen, dass seine Frau an Magersucht und Bulimie leidet, was natürlich eine Schwangerschaft verhindert. Das ist nicht übezeugend. Der offene Schluss ist irritierend und unverständlich: die junge Frau lässt ihren Jugendfreund dringend kommen, da sie annimmt, seine verschwundene Schwester gesehen zu haben, erklärt es ihm aber nicht, zwingt ihm stattdessen eine absurde Fahrstunde auf und lässt ihn unverrichteter Dinge wieder abreisen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Videoclip, 15. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Roman kommt mir vor wie ein Musik Videoclip: Erzählfetzen / Schnitt / Rückblende /Schnitt / Wechsel der Erzählperspektive / Schnitt. Überhaupt die Erzählperspektive, sie jettet von Alica zu Battia zu Viola und wieder zu Alice, weiter zu ihrem Dienstmädchen und sogar aus der Sicht eines Tätowierers wird ein Teil der Geschichte erzählt.
Dadurch entschlüpfen dem Leser die Figuren. Er kommt nicht an sie heran. Kaum nähert man sich einer Figur endet das Kapitel und das nächste wird aus einer anderen Perspektive geschildert.
Vieles bleibt offen. Manche Erzählstränge enden abrupt, ergeben keinen Sinn oder bleiben hängen und entschweben ins Nichts. Vergeblich hofft man auf eine Auflösung oder Erklärung.
Wie etwa: “Als sie vorhin vom Tisch aufgestanden war, hatte sie jene unsichtbare Grenze überschritten, hinter der die Dinge von allein abzulaufen begannen.“ Und fragt sich „Welche unsichtbare Grenze?“
Oder: „Es waren die anderen, die zuerst bemerkten, was Alice und Mattia selbst erst viele Jahre später begreifen sollten.“ Was denn?
Spannung kommt auf, als Alicia versucht eine Tomate ins Klo hinunterzuspülen, diese aber den Abfluss verstopft und es zu einer kleinen Überschwemmung kommt. („stoppte die Spülung wieder, aber als Alice in die Schüssel blickte, war die Tomate, völlig intakt, immer noch da.“). Leider erfahren wir nicht wie‘s weitergeht, denn die Szene endet mit einer weinenden auf dem Klodeckel sitzenden Alicia.

Bei manchem Vergleich habe ich den Eindruck, dass der Autor krampfhaft versucht originell zu sein:
„Lächeln, strahlend und nicht zu greifen wie eine Bö eisigen Windes“ oder „blieb dann, wie ein Satellit, der nicht zu viel Platz am Himmel beanspruchen möchte, in einigem Abstand vor ihnen stehen“. Aber auch „Ballettschühchen, die wie die Füße eines Gehenkten an einer Tür des Kleiderschranks hingen“.

In diesem Roman geht es um Primzahlen. An einer Stelle im Roman schreibt Mattia, der Protagonist die Zahl 2‘760‘889‘966‘649 auf ein Blatt Papier. Dies ist eine Primzahl und soll seine Zahl sein. Zwei Zeilen darunter bringt er die Zahl 2‘760‘889‘966‘649 zu Papier. Das ist ihre (Alices, der Antagonistin) Zahl sagt er zu sich und philosophiert von Primzahlenzwillingen. Ich kann mir nicht helfen, aber für mich sind das die genau gleichen Zahlen. Richtig müsste die zweite Zahl wohl 2‘760‘889‘966‘651 (ebenfalls eine Primzahl) heissen.
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Die Einsamkeit der Primzahlen
Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano (Gebundene Ausgabe - 17. August 2009)
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