Kundenrezensionen


35 Rezensionen
5 Sterne:
 (19)
4 Sterne:
 (6)
3 Sterne:
 (4)
2 Sterne:
 (2)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


49 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegend und Essentiell - Literatur von höchstem Rang
Per Olov Enquist beschreibt die Ereignisse in zwei Jahren der Revolution in dem kleinen niedergehenden Königreich Dänemark am Ende des 18. Jahrhunderts. Enquist interessiert sich mit tiefer Empathie für die Menschen, die Abläufe und Prozesse, wie sie „ticken" und zueinander stehen. Königin Caroline Mathilde, schön, romantisch und...
Veröffentlicht am 5. November 2003 von Frank Schmidtsdorff

versus
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ungewöhnlich, sachlich, intressant
Sicher die Sprache des Buches ist einwenig hölzern, fast sachlich bis emotionsarm.

Die Liebesgeschichte der jungen Königin und des deutschen Leibarztes ist sehr auf den sexuellen Moment reduziert. Die kurze Zeit der Aufklärung und die Intrigen der Beamten und des Adels sind eigentlich nur schmückendes Beiwerk.

Für mich ist...
Veröffentlicht am 12. April 2007 von holgervonlichtenberg


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

49 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegend und Essentiell - Literatur von höchstem Rang, 5. November 2003
Per Olov Enquist beschreibt die Ereignisse in zwei Jahren der Revolution in dem kleinen niedergehenden Königreich Dänemark am Ende des 18. Jahrhunderts. Enquist interessiert sich mit tiefer Empathie für die Menschen, die Abläufe und Prozesse, wie sie „ticken" und zueinander stehen. Königin Caroline Mathilde, schön, romantisch und eigensinnig, Tochter des englischen Königs, die Einheirat in das dänische Königshaus geschieht aus politischem Kalkül - Struensee, ein deutscher Arzt, intelligenter Aufklärer mit „schwieriger", rätselhafter Persönlichkeit, der ihr Geliebter wird - Der geistig gestörte König Christian, der eine erstaunliche seherische Gabe und Sensibilität hat, aber die meiste Zeit verwirrt und mit sich selbst beschäftigt lebt - der mächtige Gegenspieler Guldberg, intelligent, doch hässlich, unbeliebt und, sein besonderes Problem, impotent.
Struensee tritt in die Geschichte Dänemarks, indem er als Vormund des Königs Christian bestellt wird. Er beginnt die offene politische Chance zu ergreifen, die Regierungsgeschäfte auch inhaltlich selbst zu gestalten - Zug um Zug entsteht sein Masterplan demokratischer Reformen in Dänemark. Er verliebt sich in die Königin Caroline und sie haben ein Kind, geduldet, wenn nicht beinahe gewünscht von König Christian, der doch vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Christian mag Struensee und beginnt, beide fast als Eltern zu sehen - seine Mutter reagiert auf ihn allenfalls kalt, wenn nicht ablehnend. Einer der vielen bewegenden Passagen in diesem Buch, die Einordnung von Christians psychischen Problemen.
Doch der revolutionäre Umschwung, von Regierungsseite verordnet, scheitert. Struensee bezieht zum einen die Bevölkerung in keiner Weise ein, ferner gibt er sich distanziert gegenüber den Mitteln der Machtausübung und ignoriert das bestehende Machtgefüge. Endgültig scheitert er daran, die tief verwurzelten Verhaltens- und Glaubensgrundsätze seiner Zeit durch den Ehebruch mit der Königin und dem unehelichen Kind verletzt zu haben. Doch schlussendlich deuten auch seine Gegner die Stimmung nicht richtig, der Wunsch nach demokratischen Reformen ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn Struensee und einer seiner Gehilfen hingerichtet werden. Ganz Europa folgt bewegt, erstaunt und interessiert den demokratischen Entwicklungen in Dänemark und dem Schicksal seiner Akteure.
Enquist stellt Fragen, die genauso nicht in Geschichtsbüchern beantwortet werden können. Vorsichtig und tastend die Beobachtungen prüfend und wiederholend umkreist er die Ereignisse und die Akteure -es entstehen emotional packenden Momente, tiefgehende Porträts von Menschen, intellektuell fordernde Passagen, spannendes darüber, wie Politik funktioniert, wie Machtgefüge funktionieren. Er wird dem spannenden Stoff in einer skeptischen und fragenden Betrachtungsweise gerecht und findet einen genuin literarischen Ton.
Einfach eines der besten Bücher, dass ich je gelesen habe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Arzt auf dem Schaffott, 12. Januar 2002
Dieser Mann ist ein Arzt, wie er im Buche steht: freundlich, hilfsbereit und so gut zu den Menschen, dass er in den Armenvierteln Altonas des 18. Jahrhunderts lieber die Volksimpfung voranbringt, statt gut bezahlte Anstellungen zu wählen. So stellt man sich idealistische Auklärer vor. Doch als ihm eines Tages angetragen wird Leibarzt beim absolutistischen König Christian VII. zu werden, willigt er ein, geht nach Dänemark und nimmt nach und nach den Raum ein, den ihm der geisteskranke König gewährt, um sich politisch zu betätigen. Struensee erlässt in seiner kurzen Zeit am Hof über 600 Gesetze, bis er auf dem Schaffott endet.
Aber die Aufklärung allein ist es nicht, die ihn umbringt, sondern seine Liebesbeziehung zur Königin. Der Gatte duldet sie genau so wie die gemeinsame Tochte mit Struensee. Die Höflinge nutzen aber die anstößige Liaison, um sich Struensees zu entledigen, der den Lesern als charaktervoller und einfühlsamer Freund und Liebhaber dargestellt wird.
Man mag kaum weiter lesen, als Struensee alle Warnungen ausschlägt und als Opferlamm endet, bevor er im Kerker noch lange Reueschriften verfasst hat. Das empört uns Leser, haben wir doch auf 300 brilliant geschriebenen, nie langweiligen Seiten erfahren, wie klug und vom Geist der Aufklärung überzeugt der Leibarzt aus Altona ist.
Per Olov Enquist hat die Sympathielenkung geschickt aufgebaut, so dass gut nachzuvollziehen ist, wie der junge Goethe sich über die vermeintliche Reue des Eingekerkerten Aufklärers aufregte. Selbst Katharina die Große kann die Hinrichtung nicht verhindern, was der Autor in einem Kurzbericht notiert, der so sachlich und stakkatohaft verfasst ist, wie das stumpfe Geräusch des Henkerbeils, das den jungen Mann gnadenlos zerteilt. Das versammelte Volk, so bemerkt die geschockte Leserschaft, zieht immerhin lautlos ab und jubelt nicht.
Enquist hat die Spannung so aufgebaut, dass wenigstens das beruhigende Wissen über die große französische Revolution bleibt, die Struensees Schergen über kurz oder lang entmachten wird. Und es verwundert nicht, dass Enquist dieses Thema wie schon etlich vor ihm (u.a Hebbel) aufgegriffen haben, um das Scheitern eines großen Individuums zu zeigen, das trotz - oder gerade wegen? - Ehebruchs und Amtsanmaßung unser aller unumschränkte Sympathie erhält. Das Buch hält die gefällige Waage zwischen historischem Roman, Liebesgeschichte und psychologischer Studie.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mittel heiligen den Zweck, 14. Dezember 2001
Von 
Dieter Boehm (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Das Buch hat die höchsten Weihen der deutschsprachigen Literaturmedien erhalten: einhellige Befürwortung, ja nahezu Begeisterung im „Literarischen Quartett" des ZDF. Doch wer die eventuell aufgetretenen Bedenken gegen derartige Heiligsprechung durch Marcel Reich-Ranicki & Co. überwindet, der entdeckt mit Per Olof Enquists „Der Besuch des Leibarztes" tatsächlich eine der besten Neuerscheinungen des letzten Jahres.
Der vielseitige 1934 geborene schwedische Schriftsteller, der in seiner Heimat mit einem Theaterstück über August Strindberg bekannt wurde, feiert mit seinem dritten Roman den Durchbruch auch im deutschen Sprachraum. Zurecht, denn das als historischer Roman angepriesene Buch sprengt die Grenzen dieses Genres bei weitem.
Schauplatz des Buches ist das Dänemark der 60er und 70er-Jahre des 18. Jahrhunderts, beim Titelhelden handelt es sich um den deutschen Grafen Johann Friedrich Struensee, den aus Altona bei Hamburg stammenden Leibarzt des dänischen Königs Christian VII. Zwischen dem Herrscher, der - so sind sich die Historiker einig - an einer nicht näher bekannten Geisteskrankheit litt und seinem Arzt entwickelt sich rasch ein besonderes Vertrauensverhältnis, das so weit geht, dass Christian auch seine junge Königin unter Struensees besonderen Schutz stellt. Herzstück des Romans ist ein Sommer, den das Königspaar mit Struensee, der sich inzwischen in die Königin verliebt hat, auf einem entlegenen Schloss in der dänischen Provinz verbringen. Struensee weiht die Königin dort nicht nur in die Liebe, sondern auch in seine Gedankenwelt ein, die von der Aufklärung geprägt ist. Und da Christian ihm mittlerweile auch die Staatsgeschäfte voll und ganz überlassen hat, regiert Struensee an seiner Stelle Dänemark, erlässt in kurzer Zeit mehrere hundert Dekrete und erreicht eine aufklärerische Revolution der Tinte zwanzig Jahre vor der Französischen Revolution. Doch es kommt, wie es kommen muss: Da Struensee sich weigert, seine Machtbefugnisse auch zur Ausschaltung seiner gefährlichen politischen Gegner zu nutzen, wird er von diesen des Hochverrats beschuldigt, verurteilt und hingerichtet.
Was macht nun Enquists „Besuch des Leibarztes" zu einem so außergewöhnlichen Buch? Da wäre zunächst seine Sprache: In einer schmucklosen und doch in Satzbau und Duktus sehr poetischen Sprache erweckt Enquist die mehr als 200 Jahre zurückliegenden Ereignisse zum Leben und macht aus der Geschichte des Scheiterns eines Aufklärers eine faszinierende und zeitlose Parabel auf Macht und Moral.
Außerdem versteht er es, seine Figuren allesamt menschlich zu gestalten und die sonst gerade in historischen Romanen häufigen Klischees zu vermeiden. Sein Struensee ist ein grundguter, aber allzu blauäugiger Intellektueller, der für das Volk kämpft, ohne es wirklich zu kennen oder in allzu intensiven Kontakt mit ihm zu treten. Er liebt die Königin von ganzem Herzen, die cleverer und einfühlsamer ist als er, und doch bisweilen ein wenig zu kühl wirkt neben dem engagierten Struensee. Meisterleistungen der Charakterisierung gelingen Enquist bei Christian VII., in dessen gütige, aber erratische Persönlichkeit man sich hineingezogen fühlt, ohne sich zu ihm hingezogen zu fühlen. Dunkle Faszination und Mitleid wechseln sich schließlich ab beim protestantischen Eiferer Guldberg, der Gegenspieler Struensees und zugleich dessen dunkles Alter Ego ist. Durch seine Kleinwüchsigkeit und Impotenz zeitlebens von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt, rächt er sich permanent an der Welt, indem er sie seinen Vorstellungen anzupassen sucht. Und während Struensee in seiner Naivität glaubt, allein durch seine klugen Dekrete die Macht sichern zu können, sucht und findet Guldberg Verbündete und triumphiert am Ende gegen die Menschlichkeit seines Widersachers.
Zuerst langsam und dann immer überwältigender wird das zentrale Thema des Romans aufgebaut: der scheinbare Widerspruch zwischen Macht und Menschlichkeit. Das Schicksal Struensees, der sich weigert, seinen vielen Dekreten einige hinzuzufügen, die seine Widersacher aus dem Wege räumen, hat zwar die Macht und will Gutes tun, kann es aber nicht, da er samt seinen Dekreten beseitigt wird. Hinter diesem Vorgehen, das auf den ersten Blick schlicht ein taktisch dummes Verhalten eines Amateurpolitikers zu sein scheint, verbirgt sich jedoch die zutiefst moralische Überzeugung des „Anti-Macchiavelli" Struensee, der seine Machtposition sich selbst gegenüber nicht mehr rechtfertigen könnte, wenn er seinen Grundsätzen zuwider handelte. Aus der scheinbaren Niederlage Struensees lässt Enquist in den Szenen von Struensees Hinrichtung einen menschlichen Triumph ersten historischen Ranges entstehen, und diese Passage gehört zu den bewegendsten des Buches und der Literatur überhaupt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine nicht konstruiert wirkende Geschichte, 16. April 2006
Von 
Mit großer Begeisterung habe ich in den letzten Jahren historische Bücher gelesen. Oft habe ich mich dabei über die Rezensionen gewundert, die den meisten dieser Bücher vorgeworfen haben, dass ihnen Tiefgang fehlt und eine mangelnde Nähe zu der Zeit, in der sie spielten. Nachdem ich nun "Der Besuch des Leibarztes" von Per Olov Enquist gelesen habe, kann ich diese Kritiker verstehen.
Die vorhandene Liebesgeschichte in diesem Buch ist nicht glamourös und man wird nicht über einen konstruiert wirkenden Spannungsbogen vom unzureichenden Inhalt abgelenkt. Die Personen sind nicht schwarz-weiß gezeichnet und haben viele Facetten - gute, wie böse, aber auch durchaus normale.
Der Roman ist nicht die leichte Lektüre, die man so nebenbei am Hotel-Pool liest. Die Art und Weise, wie Enquist schreibt ist gewöhnungsbedürftig und wird von so manchem eingefleischten Leser bzw. mancher eingefleischten Leserin von historischen Romanen nicht gerade geschätzt werden. Man muss sich auf das Buch und den Erzählstil Enquists einlassen und sich im klaren sein, dass es ihm dabei scheinbar nicht um Romanzen und Happyends ging. Es ging ihm um eine realistische Beschreibung einer Zeit, die durchaus als menschenverachtend gelten kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben, lieben und sterben im Königreich Dänemark, 22. Mai 2009
In seinem gefeierten Roman Der Besuch des Leibarztes" erzählt Per Olov Enquist die Geschichte des deutschen Aufklärers Johann Friedrich Struensee (1737-1771), der sich als Leibarzt des psychisch labilen jungen Königs Christian VII anheuern ließ, der mit der Königin Caroline Mathilde eine Liebesbeziehung einging, der am Ende geköpft und gevierteilt wurde und der posthum damit die Aufklärung in Dänemark erst entzündet hat.

Per Olov Enquist hat genau recherchiert und seinen Roman auf beeindruckende Art und Weise komponiert. Kühl wird diese Geschichte erzählt, mittels Rückblenden, Vorgriffen, Collagen und variierten Wiederholungen schafft der allwissende Erzähler, der weniger erzählt sondern quasi wie einen Bericht erstattet ein großartiges Bild der beteiligten Personen und Dänemarks am Ende des 18. Jahrhunderts.

Faszinierend und gleichzeitig schockierend erlebt man den herbeigeführten psychischen Verfall des jungen Kronprinzen, der zum Zeitpunkt seiner Krönung keinen anderen Weg als die Flucht in Apathie sieht. Ausgestattet mit einer Königin, die er weder liebt noch vor der Hochzeit kannte, freut ihn nur das Theater und so fühlt er sich in seiner Rolle als König bald auch wie ein Schauspieler, dem nur noch der richtige Regisseur fehlt. Johann Friedrich Struensee übernimmt in seiner Eigenschaft als Leibarzt diese Rolle und beginnt, durch unzählige Dekrete (über sechshundert) die Aufklärung wild durchzupeitschen. Da Struensee einfach zu idealistisch unterwegs ist und auch in seiner Beziehung zur Königin nicht besonders sorgfältig im Verbergen von Beweisen ist, ist klar, dass da Feinde nicht weit sein können. Schon bald engt dieser Kreis der Feinde, allen voran Struensees Gegenspieler Guldberg, der auch Informator von Christians debilem Halbbruder ist, Struensee konsequent ein und beendet seine Tätigkeit mit einem Putsch.

Enquist meditiert vor der Kulisse Dänemarks unter anderem über die Frage, ob man um Gutes tun kann, ohne zu den Mitteln des Bösen zu greifen. Dass dieses Buch ein großes Buch geworden ist, verdankt es u.a. auch der Tatsache, dass Per Olov Enquist nie moralisiert, er unterlässt es durchgehend, Partei zu ergreifen. Dadurch entstand ein Roman in historischem Ambiente, der jedoch mit modernen (wenn auch historischen) und höchst lebendigen Figuren gespickt ist und einer packenden Handlung, die auf wohltuende Weise von schwülstiger Epik befreit ist.

Mit wuchtiger Symbolik und feinen Anspielungen auf den in diesem Kontext unvermeidlichen Hamlet, Bibelzitaten und einer glasklaren Prosa; schafft Per Olov Enquist mit Der Besuch des Leibarztes" ein wahres Meisterwerk der Literatur.
Absolute Empfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedrückend, 19. August 2003
Der deutsche Arzt und "Aufklärer" Struensee wird an den dänischen Königshof beordert, um dem vermeintlich geisteskranken König Christian zur Seite zu stehen. Dieser entwickelt sehr schnell ein enges Verhältnis zu seinem Leibarzt, was Struensee die Möglichkeit gibt, seine fortschrittlichen humanen Ideen in die Praxis umzusetzen. In dem Intrigenspiel um die Macht am Hof geht dies nicht lange gut und Struensee zieht sich die Feindschaft einiger Männer zu, die ihn schließlich sein Leben kosten wird.
Absolut erschreckend ist es, wie der Drang nach Macht und Geld Menschen innerlich völlig vergiftet und wozu diese Menschen imstande sind, um ihre Position nicht abgeben zu müssen. Im Buch stellt sich schnell heraus, daß der König bei weitem nicht geisteskrank ist, sondern schon in seiner Kindheit durch Schläge, Folterungen, Erniedrigungen gezielt seelisch zerstört wurde, damit er nicht in der Lage sein wird, das Land regieren zu können und damit die Macht in Händen seiner "Wohltäter" bleiben wird. Das ist für mich das Schlimmste an dem Buch. Ein völlig normales Kind fällt "den Wölfen" zu, um systematisch zerstört zu werden. Ich finde das schwer erträglich.
Trotzdem ist das Buch sehr lesenswert, da es äußerst spannend geschrieben ist und einen sonst weniger beachteten Teil der Geschichte näher bringt. Auch der Erzählstil aus Sicht eines scheinbar unbeteiligten Dritten liest sich sehr gut.
Ein Buch, das den Leser gefühlsmäßig sehr stark anspricht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krankes Dänemark, 28. Februar 2002
Von Ein Kunde
Es ist ein schwächliches und kränkelndes Dänemark, dem der Hamburger Arzt Johann Friedrich Struensee in den Jahren 1768 bis zu seinem Tod 1772 seinen Besuch abstattet. Der junge König Christian VII., labil und geistesschwach, ernennt seinen Riesenschnauzer Vitrius zum Kabinettsmitglied und widmet seine Aufmerksamkeit ausschließlich den Spielen mit seinem Negerpagen Moranti sowie einer gewissen Stiefel-Kathrine aus der Kopenhagener Halbwelt. Schnell steigt Struensee zum Leibarzt und Vertrauten des geistenkranken Monarchen auf und übt ab 1770 die politische Macht im Königreich aus. Mit über 2000 Dekreten und Anordnungen versucht er vom Schreibtisch aus, den dänischen Feudalismus durch Minderung der Leibeigenschaft und Aufhebung der Vorrechte des Adels zu brechen. Doch gerade die Bauern, deren Lebensbedingungen er mit seinen Reformen verbessern will, stoßen sich an seinem Verhältnis zu der blutjungen Königin Carolin Mathilde und schaffen so die Voraussetzungen für die reaktionären Kräfte am Hof, die dem Deutschen schließlich zum Verhängnis werden.
Die Auseinandersetzung des schwedischen Romanciers Per Olov Enquist mit einer der interessantesten Perioden des dänischen Absolutismus ist ein dokumentarischer Roman, mit dem der renommierte Autor sogar die Gnade des großen Quartettspieleres Marcel Reich-Ranicki fand. Eng an historische Quellen angelehnt, greift Enquist eine breite Themenpalette wie kindliches Königtum und den Wahnsinn der Alleinherrschaft auf, aus der das Paradoxon herausragt, dass Struensee nicht über politische Fragen, sondern über seine gänzlich unpolitische Liebe zur Königin stürzt, was die Frage aufwirft, ob die Liebe zu einer Königin nicht immer auch ein Stück Politik war und noch ist oder wenigstens dazu gemacht wird. Doch Enquist behält aufgrund seiner erzählerischen Fähigkeiten stets den Überblick über seine Themen und führt den Roman souverän zu Ende. "Schade, dass er kein Däne ist" meinten einige der führenden Literaturkritiker im kleinen Königreich, was angesichts der gewissenhaft gepflegten Animositäten gegenüber dem alten Erbfeind von der anderen Seite des Oeresundes wohl der deutlichste Hinweis auf die Qualität des Buches darstellt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verstörende Einblicke in eine gestörte Seele, 10. Februar 2006
Auch wenn Per Olof Enquist sein Buch in erster Linie dem deutschen Arzt, Aufklärer und Revolutionär Struensee widmet, hat mich am meisten die Schilderung der geistigen Verwirrung von König Christian VII. von Dänemark bewegt. Insbesondere mit welch pervertierter Form der Gehirnwäsche dem Regenten jegliche Eigenständigkeit aberzogen wurde. Enquist gelingt es, die geistige Verwirrung Christians so anschaulich zu beschreiben, dass es dem Leser möglich wird, in dessen tiefe Persönlichkeitsstörung einzutauchen. Der Leser begreift langsam, wie durch eine grausame Erziehung die Bedeutung einfachster Begriffe des Grundwortschatzes verschoben werden kann. Ein Mensch nun, der im Gefängnis der Hofetikette keine Vorstellung von der realen Welt hat und dessen gesamte Begriffswelt gestört ist, kann eigentlich nur "verrückt" werden, denn sein inneres Bild der Welt ist im Gegensatz zur Realität im wahrsten Sinne des Wortes verrückt. Und genau diese gezielte Zerstörung der Person Christians VII., die eigentlich zur Festigung der Macht der Höflinge dienen sollte, ermöglicht es, seinem aufklärerischen Leibarzt Struensee eine Revolution gegen die Macht der Höflinge anzuzetteln. Dass diese Revolution letztendlich scheitern muss, liegt an der Integrität und Naivität Struensees. Ein anstrengendes Buch, ein Buch, das den Leser belastet, das ihn innerlich mitnimmt aber auch nicht loslässt. Keine einfache Lektüre, die man an zwei Abenden konsumieren kann, aber dennoch lesenswert. Manchmal überstrapaziert und langweilt Enquist aber auch die Geduld des Lesers, indem er bereits gesagtes fast schon gebetsmühlenartig wiederholt. Deshalb auch nur 4 statt 5 Sterne.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein packender Roman in erstklassiger Umsetzung, 26. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Besuch des Leibarztes (Audio CD)
Per Olov Enquists "Der Besuch des Leibarzt" dürfte wohl die bekannteste literarische Darstellung des Lebens Struensees sein. Der Plot orientiert sich weitestgehend an den tatsächlichen Gegebenheiten, soweit sie heute bekannt sind; lediglich in Details weicht Enquist ein wenig ab.

Die Vita Struensees ist der beste Beweis dafür, dass das Leben noch die besten Geschichten schreibt - gerade dann, wenn es diese tragischen Schicksale betrifft. Der Plot hat insofern alles, was einen packenden Roman ausmacht - und letztlich auch als i-Tüpfelchen, den realen Hintergrund.

Das Hörspiel wurde von Valerie Stiegele bearbeitet. Mit gut zweieinhalb Stunden Spielzeit hat die Geschichte recht viel Raum, um viel von der Vorlage einfließen zu lassen. Dabei schleichen sich kaum Längen ein, da man die Zeit gut nutzt, um Geschichte und Charaktere deutlich zu zeichnen.

Die Inszenierung von Walter Adler ist angenehm gradlinig. Man schafft eine gute Kulisse der Handlungszeit und überlässt die dramatischen Aspekte den Akteuren.
Hans Peter Hallwachs ist hier der gewohnt gute Erzähler, desssen besondere und wiedererkennbare Stimmfarbe, diese vom Cast losgelöste und auch sehr oft eingesetzte Funktion gut unterstützt.
Ein besonderes Lob geht an Ulrich Matthes, der mich in anderen Hörspielen schon mal etwas enttäuscht hat. Er gibt der Figur des Struensees eine solch gelungene naiv-geniale Färbung, dass der Charakter richtig gut greifbar wird.
Ebenfalls sehr gut: Alexander Pietschmann als Christian VII. und Felix von Manteuffel als fieser Widersacher Guldberg.

Ein sehr interessantes und spannendes Hörspiel, das ich wirklich nur empfehlen kann. Gerade der reale Hintergrund und die glaubwürdige Darstellung sorgen für ein besonderes Hörerlebnis.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen pageturner, 1. Februar 2010
Diesen Roman habe ich verschlungen! Er bietet alles, was ich von guter Unterhaltung erwarte: eine spannende Geschichte, differenzierte Charaktere, viele Informationen über ein fremdes Land und eine eine fremde Zeit und sogar noch eine kleine Einführung in die philosophischen Strömungen der Zeit. Eine tolle Lektüre, die ich nur empfehlen kann!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Besuch des Leibarztes
Der Besuch des Leibarztes von Valerie Stiegele (Audio CD - 2002)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,49
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen