Kundenrezensionen


104 Rezensionen
5 Sterne:
 (49)
4 Sterne:
 (27)
3 Sterne:
 (15)
2 Sterne:
 (6)
1 Sterne:
 (7)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


47 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur die Wirklichkeit hat recht
Diese Erzählung zeigt das Schicksal eines begabten Buben, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht, die ihn "unters Rad" drängt.
Manchmal meint man, das Buch lebt: man riecht das Laub, man fühlt das kühle Wasser des Dorfbaches in der Sommerhitze an der...
Veröffentlicht am 26. September 2005 von Franz Waditzer

versus
15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aktuelles Thema, lyrisch erzählt
Hermann Hesses zweiter Roman ist 1903 entstanden und schildert die Kindheit und Jugend Hans Giebenraths. Der begabte Junge wird von Lehrern und Pfarrer überfordert und um seine Kindheit gebracht, schliesslich, nach dem psychischen Zusammenbruch fallen gelassen. Dies ist kurz erzählt der Inhalt des Romans und bereits Zeitgenossen ist aufgefallen, dass der Roman...
Veröffentlicht am 14. Oktober 2005 von sonaleu


‹ Zurück | 1 211 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

47 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur die Wirklichkeit hat recht, 26. September 2005
Von 
Franz Waditzer "waditzer" (St.Veit an der Glan) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Diese Erzählung zeigt das Schicksal eines begabten Buben, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht, die ihn "unters Rad" drängt.
Manchmal meint man, das Buch lebt: man riecht das Laub, man fühlt das kühle Wasser des Dorfbaches in der Sommerhitze an der Stirn, man leidet mit Hans mit, man denkt an die eigene Mittelschulzeit.
Der Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen am zweckmäßigsten zugrunde richtet.
"Unterm Rad" ist neben "Die Verwirrung des Zöglings Törless" von Robert Musil, die nachhaltigste Anklage gegen das Erziehungsritual jener Jahre (um 1900). Auch das Buch "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg behandelt fulminant die selbe Thematik.
Das Buch wurde 1903 geschrieben und ist absolut aktuell.
"Ein paar Wochen ist es her, da entdeckte ich in einem Abteil der Berliner S-Bahn zwei junge Leute. Ihre Gesichter waren über dasselbe Buch gehängt, das einer der beiden in Händen hielt. Sie lasen, sie waren verzaubert, von ihrer Haltung ging eine fast greifbare Aura der Verwandlung aus, sie blickten nicht auf, sie waren vollkommen unempfindlich für die Umwelt.
Ich habe weder vorher noch danach wieder Menschen so lesen sehen. Sie lasen Hermann Hesses "Unterm Rad". Nur die Wirklichkeit hat recht.", meinte Rolf Schneider einst.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant und gut geschrieben, 2. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad (Gebundene Ausgabe)
"Unterm Rad" ist das erste Buch von Hermann Hesse, das ich gelesen habe, und es hat mich ziemlich beeindruckt. Der geistige Verfall des Hans Giebenrath, verursacht zum einen Teil durch die gestohlene Kindheit, die ihm mit ständigem Lernen und dem Verbot der kindlichen Vergnügungen geraubt wird, zum anderen Teil durch den enormen Druck und die Erwartungen, die der Vater und die Lehrer in ihn setzen, bzw. der ganze Prozess, mit dem dem begabten Schüler das Leben zu Grunde gerichtet wird, ist so lebensnah beschrieben, dass man alles "am eingenen Leib" erfährt, zumal Hesse ja genau wusste, was man in solchen Situationen empfindet, da er ja selber aus dem Kloster Maulbronn geflohen ist und auch ihm eine normale Entwicklung versagt worden ist (seine Eltern haben ihn ja sogar in die Klapsmühle gesteckt ! Das waren noch Zeiten...)Wie Arthur Eloesser ganz richtig sagte, ist das Buch :"Eine Anleitung [...]wie man einen begabten jungen Menschen zweckmässig zugrunde richtet." Die Geschichte bringt einen auch zum Nachdenken über : Wo sind die Grenzen zwischen Arbeit und Vergnügen ? Wieso ist es wichtig, dass Arbeit und Spass immer im Gleichgewicht zueinander stehen ? usw. Der langen Rede kurzer Schluss: Kurz : Ein Buch, das man lesen muss !
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeichen der Zeit, 12. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad (Gebundene Ausgabe)
Hans Giebenrath ist einer der klügsten Schüler der Stadt, der Stolz seiner Lehrer, die ihn für das theologische Seminar drillen. So stehlen sie ihm seine Jugend. Seine Kaninchen werden ihm genommen, er darf nicht mehr basteln, angeln, schwimmen gehen, er muß lateinische und griechische Vokabeln pauken. Auch auf dem Seminar ist er bald einer der Besten. Doch allmählich läßt seine Leistung nach, und als man ihm gar die Freundschaft mit einem aufsässigen, genialisch-eigenwilligen Schüler verbietet, fällt er ganz ab. "Nur nicht matt werden", ermahnt ihn der Schulleiter, "sonst kommt man unters Rad." Aber der Junge ist längst "unterm Rad" einer reaktionären Pädagogik, die eine Sorge um den Menschen nicht kennt, und wird zugrunde gerichtet. Hermann Hesse gestaltet hier realistisch und mit konsequenter Logik den verfall der bürgerlichen Pädagogik der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, wie er ihn selbst als Schüler erfahren hat. Der genialische Außenseiter Hermann Heilner ist ein jugendliches Selbstporträt des Dichters. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf heute noch übertragbar, 26. November 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn das Buch schon ein paar Jährchen alt ist, hat es dennoch nicht an Aktualität einbüßen müssen. Es erzählt die Geschichte des begabten Jungen Hans, der den Erwartungen der Erwachsenen gerecht werden muss und schließlich unter dem Druck "zerbricht". Eine eindringliche Geschichte und manchmal musste ich dabei an die heutige Schulzeit denken... wie viele Kinder von ihren Eltern unter Druck gesetzt werden. Das Buch sollte zu denken geben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musterschüler auf Abwegen, 12. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad (Gebundene Ausgabe)
Ob sich das Schicksal des jungen Hans Giebenrath wirklich verallgemeinern läßt und die beißende Kritik Hesses am Bildungswesen seiner Zeit somit wirklich in der dargestellten Intensität angezeigt ist, will ich dahingestellt lassen. Möglicherweise spielt auch Hesses durch seine Lehrer verletzte eigene Eitelkeit eine gewisse Rolle bei seiner Sicht der Dinge. Vieles in der Erzählung ist ja bekanntlich autobiographisch.
Wenn aber die Geschichte nicht mit Interpretationsversuchen überfrachtet wird, zeigt sich - ganz schlicht - ein sehr interessant und einfühlsam gezeichnetes Bild eines begabten Schülers, dessen Berufung es ist, die Erwartungen zu erfüllen, die alle möglichen Leute in ihn setzen. Und der sich in dieser Rolle gefällt! Daß ihm die Kindheit geraubt wird, merkt er nicht.
Erst in seiner Pubertät beginnt er an seinem bisherigen Lebensinhalt zu zweifeln, gänzlich überfordert durch den Leistungsdruck, den seine "Förderer" erzeugen. Plötzlich entdeckt er romantische Gefühle, wagt es schließlich sogar, offen zu seiner Freundschaft zu dem bei den Lehrern als Quertreiber verhaßten Schöngeist Herman Heilner zu stehen. Hiermit nimmt seine Geschichte einen Wendepunkt, er wird von seinen Lehrern fallengelassen...
Die Geschichte des Hans Giebenrath ist immer wieder ergreifend zu lesen. Man merkt, daß Hesse beim Schreiben mit ganzer Seele bei der Sache war. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Schulroman mit stark autobiografischen Zügen, 3. Mai 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Der bildliche Ausdruck „Unterm Rad" spielt auf das Überrolltwerden und die Zerstörung der individuellen Persönlichkeit durch äußere Gewalt an. Hier ist es der sensible Klosterschüler Hans Giebenrath, der - nicht zuletzt seiner psychischen Labilität wegen - an der strengen und ebenso steifen Erziehung durch Elternhaus, Schule und Gesellschaft zerbricht, wobei neben Tradition und Autorität auch der Einfluss der Theologie eine große Rolle spielt. Zwar scheitert Giebenrath letztendlich auch an seiner eigenen Unfähigkeit; gerade die Erziehungsgrundsätze des Klosters Maulbronn aber sind es, die zum Scheitern des Heranwachsenden beitragen. Hesse hat in seiner Erzählung Stufen seiner eigenen Entwicklung geschildert und belastende Erinnerungen, insbesondere den Selbstmord seines jüngeren Bruders Hans, verarbeitet. „Unterm Rad" ist als erbitterte Abrechnung mit der Lateinschule zu verstehen, „jener Art von Schulen", die nicht nur für Hesse selbst (sondern auch für seinen Bruder) ein „leidensschweres Schülertum" bedeutet hatte; denn das „pietistisch-christliche Prinzip" der Erziehung wisse die angeborenen Gaben, Talente und Besonderheiten eines jugendlichen Menschen keineswegs zu fördern. Laut Hesse sind beinahe alle Prosadichtungen, die er geschrieben hat, „Seelenbiografien": Monologe, in denen eine mythische Figur in ihren Beziehungen zur Welt und zum eigenen Ich betrachtet wird; und jede dieser Figuren kann als eine Variation des einen Themas, die Verteidigung (zuweilen auch der Notschrei) der Persönlichkeit, des Individuums, gedeutet werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hermann Hesse - ein Autor für junge Menschen, 17. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Wie kein anderer Schriftsteller hat Hermann Hesse mit seinen Werken einen regelrechten "Boom" ausgelöst: Egal ob "Steppenwolf", "Demian" oder "Unterm Rad": Hesse ist ein Autor für junge Menschen. Alle Werke drehen sich um die Findung des eigenen Ich, um Probleme des eigenen Denkens. Deshalb sind Hesses Werke auch so zeitlos. Was schon für Hesses Schulzeit gültig war, ist heute umso aktueller: Leistungsdruck, Versagungsängste, die bis zu Selbstmordgedanken führen.
"Unterm Rad" ist eine Hilfe für sensible Schüler und ebenso eine Warnung für Lehrer.
Hesse ist und bleibt der Autor, der sich mit dem Innern eines Menschen beschäftigt. Das macht ihn so besonders und beliebt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen an seiner Umgebung zerbrechen..., 7. April 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Mir war die Geschichte noch aus dem Deutschunterricht in Erinnerung. Fast die einzige Pflichtlektüre, die ich in der Schule auch tatsächlich gelesen habe. Allerdings hatte ich schon so ziemlich alles wieder vergessen. Also musste ich mein Gedächtnis auffrischen. Und es hat sich gelohnt. An die Sprache musste ich mich beim Lesen zwar erst etwas gewöhnen - sie klingt doch sehr altbacken - aber die Geschichte ist es wert:
Hans Giebenrath verbringt seine Kindheit in einer Kleinstadt, in deren Schablone jeder Bewohner hineinzupassen hat, falls er nicht schief angesehen werden will. Auf finanziell schlechter gestellte wird herabgesehen, besser gestellte werden (mit heimlichem Neid) als „Protzen" beschimpft. Da man sich in diesem Städtchen aber doch ganz gerne mit Leuten schmückt, die es zu was gebracht haben („Einer von uns..."), und H.G. aufgrund seiner aus dieser Kleinstadtschablone herausragenden Begabung Anlass zu der Hoffnung gibt, er könne so ein Aushängeschild werden, wird alles zur „Förderung" seiner Fähigkeiten getan.
Und natürlich erwartet man von ihm die entsprechende Leistung. Das Landexamen soll er bestehen und es kommt gar nicht in die Tüte, dass er da durchfällt.
H.G. nimmt den Druck, der sich dadurch aufbaut, an und ist fest entschlossen, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Es bleibt ihm keine Zeit, sich Gedanken zu machen, was er selbst von sich und dem Leben erwartet und wo er hin will.
Natürlich besteht er das Examen (obwohl er zwischendurch stark an sich zweifelt, als ein anderer Teilnehmer mit seinem Wissen umherprahlt). So kommt er auf die Klosterschule. Bei der Abreise ist er festentschlossen, auch hier der Beste zu werden. Nur einmal ganz kurz fragt er sich, warum. Leider ist dieser Gedanke nur flüchtig und die Frage bleibt unbeantwortet.
Auch in seiner neuen Umgebung begegnet H.G. wieder hohen Erwartungen an seine Leistungen und dran, sich in die bestehende Ordnung einzufügen. Er selbst ist zu schwach, um sich dagegen zu wehren. In Hermann Heilner begegnet er jedoch jemandem, der dazu in der Lage ist. Natürlich wird das bei den Lehrern nicht gerne gesehen. Auch die Freundschaft zwischen H.G. und H.H. wird missbilligt, denn dadurch verliert H.G. den ihm eingetrichterten Ehrgeiz. Einschneidend ist für H.G. die Flucht seines Freundes aus dem Seminar. Er fällt in ein seelisches Loch, denn sein Ehrgeiz ist verschwunden und alleine ist er nicht in der Lage dem Druck gegen ihn stand zu halten. Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen, physische Schwäche folgen. Letztendlich entlässt man ihn aus dem Seminar und schickt ihn nach Hause.
H.G. ist auch eigentlich ganz froh darüber, doch kann er nicht so richtig glücklich sein, denn zu Hause wartet der sehr enttäuschte Vater. Mit seinem kleinen Geist in seiner kleinen Welt erkennt er natürlich nicht die gebrochene Seele seines Sohnes, Ärzte werden bemüht, die aber auch nichts ausrichten können. So schickt er ihn in eine Mechanikerlehre, damit er überhaupt noch irgendwas macht. Aber Hans fühlt sich als Versager und dieses Gefühl wird von seiner Umgebung noch bestärkt. Niemand macht den Versuch, ihm Verständnis entgegen zu bringen. Niemand macht sich die Mühe, einen Blick in seine Seele zu werfen. Aber was will man auch von einem Haufen Kleingeistern erwarten?
Eine Geschichte für alle Eltern und Lehrer, die sich nicht die Mühe machen, sich mit ihren Kindern und Schülern konstruktiv auseinander zu setzen und ihnen satt dessen ihre eigenen Vorstellungen aufdrücken und sie in eine Rolle drängen, die sie für sie vorgesehen haben. Fragt sich nur, ob die sich darin auch wiedererkennen würden...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastisch!, 15. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Gehorsam = Mittel zur Zerstörung
Unterm Rad könnte man als teils autobiographisch ansehen, da Hesse auf eigene Erlebnisse zurückgreift. Die Besonderheit dabei ist aber, dass er nicht nur eine Figur, sonder gleich 2 Personen mit autobiographischen Zügen ausstattet, also Hans Giebenrath und sein Freud Hermann Heilner spiegeln Hesses Lebens- und Leidensgeschichte wieder.
Mit diesem Vorwissen wird dieses Buch noch spannender und noch tragischer.
Die Geschichte dreht sich um Hans Giebenrath, ein kleiner Auszug aus meiner Facharbeit, die ich über dieses Buch geschrieben habe:
Er ist ein fleißiger begabter Schüler, dessen Berufung es ist, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Er gibt alle seine kindlichen Züge auf um sich ganz dem Lernen hinzugeben, bemerkt jedoch nicht, wie man ihm nach und nach dem Geschehen der Welt außerhalb seiner Stube entfremdet. Stück für Stück hat man ihm alles genommen, was ihm etwas bedeutet hat. Man hat ihm sein kindliches Lachen ausgetrieben und seine natürliche Menschlichkeit gebrochen, man hat die rohen Kräfte der Natur in ihm gebändigt um staatlich anerkannte Ideale zu pflanzen. Um ihn als neu erschaffenen Menschen als strebsam und berechenbar wieder einzugliedern. Doch etwas von dieser "Natur" hat überlebt und regte sich erst dann wieder als er Hermann kennen lernte. Erst an diesem Punkt beginnt er an seinem bisherigen Lebensinhalt zu zweifeln, gänzlich überfordert durch den Leistungsdruck, den seine "Förderer" erzeugen. Er entdeckt romantische Gefühle, wagt es schließlich sogar, offen zu seiner Freundschaft zu dem bei den Lehrern als Quertreiber verhassten Schöngeist Herman hatte. Ihm wird klar dass man ihm seiner Kindheit beraubt hatte, und die war nicht mehr aufzuholen. Seine Gefühle wurden immer wieder verletzt, und sein letzter tragischer Versuch sich wieder einzugliedern endete damit, dass er in "seinem" Element die Ruhe fand, die er wohl schon lange suchte.
Na, Lust auf mehr, dann schnell in den nächsten Buchladen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aktuelles Thema, lyrisch erzählt, 14. Oktober 2005
Hermann Hesses zweiter Roman ist 1903 entstanden und schildert die Kindheit und Jugend Hans Giebenraths. Der begabte Junge wird von Lehrern und Pfarrer überfordert und um seine Kindheit gebracht, schliesslich, nach dem psychischen Zusammenbruch fallen gelassen. Dies ist kurz erzählt der Inhalt des Romans und bereits Zeitgenossen ist aufgefallen, dass der Roman relativ handlungsarm ist. Man merkt deutlich, dass Hesse seine Anfänge als Lyriker hatte, denn wichtiger als das Erzählen von äusserlichen Handlungsschritten ist es dem Autor, die Seelenzustände seines Protagonisten zu schildern. Dies tut er in ausführlichen, lyrisch anmutenden Naturschilderungen, die die psychische Verfasstheit Hans Giebenraths spiegeln. Ob einem diese Art des Erzählens/Dichtens gefällt, ist Geschmackssache. Gerade für jüngere Leser könnte dieser Roman etwas langatmig sein, das eigentliche Thema aber, die Überforderung der Jugendlichen in einer leistungsorientierten Gesellschaft, ist sicherlich auch heute noch aktuell.
Was etwas stört, ist die Allwissenheit des Erzählers, es wird dem Leser kaum Raum zu eigener Deutung gelassen, der Erzähler erklärt uns alles. So wird uns zum Beispiel geschildert, wie Giebenrath sich an ein früheres Ereignis erinnert und dann teilt uns der Erzähler mit, dass Giebenrath nicht gewusst habe, „dass im Kleide dieser Erinnerung seine Kindheit ... noch einmal fröhlich ... vor ihm aufstand, um Abschied zu nehmen..."
In der Schule könnte der Roman aufgrund des aktuellen Themas sehr gut gelesen werden, zumal sich auch gewisse literarische Techniken an ihm aufzeigen lassen - so zum Beispiel eben die Spiegelung der Seelenzustände in den Naturschilderungen. Ob er aber heutige Jungendliche noch „packen" kann, bezweifle ich.
Zur vorliegenden Ausgabe der Suhrkamp BasisBibliothek: Es ist erfreulich, dass unbekannte Ausdrücke und manche weiterführenden Zusammenhänge gleich am Seitenrand erklärt werden. Allerdings sollten solche Erklärungen nützlich und sachlich richtig sein. Viele der Worterklärungen sind das auch, manche Hinweise sind aber überflüssig oder sollten allenfalls ergänzt werden. Was nützt zum Beispiel die Angabe, dass Shakespeare ein englischer Dichter war? Sollte hier nicht eher erklärt werden, welche Bedeutung er für Hesse und seine Zeitgenossen hatte? Oder ein weiteres Beispiel: Die Erklärung des Wortes „Dekanat" ist im gegebenen Zusammenhang schlicht falsch.
Sehr schön gemacht ist dann aber der Anhang, er enthält „Erwin", eine frühe Erzählung Hesses, die mancherlei Bezüge zum Roman aufweist, interessant ist auch der Aufsatz „Eine andere Todesart", in welchem der Herausgeber Heribert Kuhn den Roman in einen literatur- und kulturgeschichtlichen Kontext stellt, ebenso informativ sind die Kapitel zur Entstehung- und zur Wirkungsgeschichte des Romans, nützlich die ausführlichen Literaturhinweise.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 211 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Unterm Rad
Unterm Rad von Hermann Hesse (Audio CD - 9. April 2002)
EUR 24,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen