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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nie mehr Nacht
In NIE MEHR NACHT erzählt Mirko Bonne das Märchen von einem, der auszog das Verschwinden zu lernen.
Seit dem Freitod seiner Schwester Ira, zu der der Ich-Erzähler Markus Lee eine ungewöhnliche und (zu) enge Beziehung hatte, ist Markus sich selbst abhanden gekommen; in der Normandie, wo er für das Magazin eines alten Schulfreundes Zeichnungen...
Vor 17 Monaten von Michael Collin veröffentlicht

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bonjour Tristesse
«Der grüne Heinrich», Gottfried Kellers berühmter Bildungsroman, hat offensichtlich als Grundmuster Pate gestanden bei «Nie mehr Nacht» von Mirko Bonné, er wird auffallend häufig erwähnt in der Geschichte von Markus Lee, und auch Heinrich heißt ja mit Nachnamen «Lee», sicher kein Zufall. Gemeinsam ist beiden Romanen, dass ihre Helden an...
Vor 14 Monaten von Borux veröffentlicht


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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nie mehr Nacht, 1. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
In NIE MEHR NACHT erzählt Mirko Bonne das Märchen von einem, der auszog das Verschwinden zu lernen.
Seit dem Freitod seiner Schwester Ira, zu der der Ich-Erzähler Markus Lee eine ungewöhnliche und (zu) enge Beziehung hatte, ist Markus sich selbst abhanden gekommen; in der Normandie, wo er für das Magazin eines alten Schulfreundes Zeichnungen einiger Brücken anfertigen soll, droht er schließlich auch der Welt abhanden zu kommen.

NIE MEHR NACHT ist das Buch seines Abschiednehmens, eines Verschwindens, das ohne die literarischen Taschenspielertricks eines Vila-Matas auskommt, ein Buch für Leser, für die Melancholie kein Schimpfwort ist.

Und NIE MEHR NACHT ist eine Reisebeschreibung, an deren Ende die Überquerung des Totenflusses Styx steht, doch welches Ufer ist das Ziel?

Markus Lee, ein „Familienmensch ohne Familie“, kommt über den Freitod seiner geliebten Schwester nicht hinweg. Beide einte ein „Nestbauschaden“, der verhinderte, dass sie heimisch wurden in der Welt. Anzukommen in einem eigenen Heim erlebt Markus als Versteinerungszustand, und so tritt er schließlich die französische Reise an, die seine letzte werden könnte.
Gemeisam mit Jesse, Iras Sohn, besucht er Familie Juhls, die als Housesitter auf das verlassene Hotel L'Angleterre in der Normandie aufpasst, und mit deren Sohn Jesse befreundet ist. Schließlich reisen Juhls und Jesse ab, nur Markus bleibt im L'Angleterre zurück, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Markus trennt sich von seiner gesamten Habe und verbringt einen kalten Herbst und Winter zurückgezogen in existentialistischer Einsamkeit. Er lernt drei Frauen kennen, eine von ihnen, Lilith, sieht seiner Schwester verblüffend ähnlich. Sie wird er schließlich auf dem Fährschiff „Kitty“, das ebenso wie das Hotel abgewrackt werden soll, auf der letzten Fahrt begleiten.

Mirko Bonne erzählt diesen Reiseroman in großartiger, teils nüchterner, teils poetischer Sprache, deren Intensität ich mich nicht entziehen konnte. Ein wunderbarer Roman, der gleichwohl einige wenn auch leicht zu vergebene Schwächen hat.
Zum einen fand ich wiederkehrende Anspielungen und Bezüge zu stark betont bzw. schlicht nicht hilfreich, die Bonne in den Text einflicht. Immer wieder wird Kellers „Der grüne Heinrich“ genannt, immer wieder auf das Buch eines amerikanischen Piloten namens Lee hingewiesen (hier taucht der Familienname Lee also das dritte Mal auf), der bei der Landung der Alliierten in der Normandie dabei war; es wird mehrfach Bezug genommen auf ein Gemälde des Malers Alfred Sisley; alle diese Bezüge weben am Gobelin des Romans mit, der aber auch ohne sie eindrucksvoll genug wäre.
Denn im Zentrum steht der Tod als gegenwärtiger Skandal, der nicht nur (wie auch 1944) in seinem Sonntagsstaat als Schnitter auftritt, sondern als gemeiner Verwüster, der die Erinnerung der (Über)Lebenden und ihr Vorstellungsvermögen quält. Allgegenwärtig ist der Tod der Schwester Ira, und als Begleiter stellen sich Schuldgefühle an seine Seite, die Markus quälen und die er überwinden oder sterben muss.
Zum anderen hat mich verwundert, dass Markus Lee abweisend alle Beziehungen abbricht, aber trotz seiner Zurückgezogenheit immer wieder Menschen, vor allem ihm fremde Frauen, den Kontakt zu ihm suchen und ihm helfen wollen. Diesbezüglich scheint Mirko Bonne für seinen Helden die Zuversicht eines Arno Schmidtschen Einzelgängers zu teilen, dass sich am Ende immer die richtige Frau finden wird, um sich – und sei es nur für eine bemessene Wegstrecke – des verzweifelt Einsamen anzunehmen.
Ob am Ende des Buches die Ursache für Markus Schuldgefühle wirklich ausgesprochen werden musste, obschon die Andeutungen und Hinweise deutlich genug waren, halte ich für fraglich. Gerade die Zurückhaltung ist es, die ich an Bonné so schätze, und mit der „Enthüllung“ am Romanende sorgt er für einen Paukenschlag, der vielleicht für eine größere Diskussion sorgt, aber nicht zu meinem Idealbild dieses Autors paßt.

Im Fazit hat mir NIE MEHR NACHT sehr gut gefallen, ein unglaublich intensiver, melancholischer, poetischer und nachdenklicher Roman, der aber hinter „Wie wir verschwinden“ für meinen Geschmack etwas zurückbleibt. 4 '1/2 Sterne.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von der Sehnsucht schwerelos zu sein, 13. Oktober 2013
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Bücher, die eine andere Lebens (Lese)- Geschwindigkeit haben. In diesem Fall könnte man von einem entschleunigten Buch sprechen, denn zumindest mich hat es in gewisser Weise verlangsamt, man könnte auch sagen, ich konnte bei diesem Buch meine gewohnte Lesegeschwindigkeit nicht durchsetzen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Mirko Bonné für den deutschen Buchpreis nominiert wurde. Bonné hat ein stilles, feinfühliges, melancholisches Buch, über den Verlust, oder besser dessen Verarbeitung eines geliebten Menschen geschrieben, gleichzeitig wurde hier Geschichtliches aus dem zweiten Weltkrieg eingearbeitet. Schwere, Tod und Auflösung, der Wunsch zu Verschwinden, aber auch eine Vergangenheitsverarbeitung stehen hier im Zentrum des Buches, wo Handlung und Erinnerung ineinander übergehen und ständig wechseln, eine rätselhafte Sinnsuche, die trotz einer erlittenen Verlusterfahrung, die Suche nach auflösender Schwerelosigkeit in sich trägt. Also keine lockere Unterhaltung 'mal für zwischendurch, auch kein Mainstream, aber für anspruchsvolle Leser, die gerne leise Bücher lesen, für die man sich Zeit nehmen muss.

Markus ist Zeichner und hat den Tod seiner Schwester Ira, die sich suizidiert hat nicht wirklich verkraftet. Als er den Auftrag erhält, in der Normandie Brücken zu zeichnen, die im 2. Weltkrieg eine besondere Bedeutung während der Landung der Alliierten hatten, nimmt er den Sohn von Ira, den 15-jährigen Jesse mit auf seine Tour nach Frankreich. Einen wirklichen Draht haben die beiden nicht wirklich zueinander, doch könnte man von einer Art versuchten Annäherung sprechen, die die beiden versuchen. Beide haben den Tod von Ira noch nicht wirklich in sich zu Ende betrauert, und somit schwebt Ira in diesem Buch auf unsichtbare Weise, als ständige Gegenwart, wie über der ganzen Geschichte. Die Fahrt nach Frankreich könnte man als einen Versuch werten, diesen schmerzlichen Verlust irgendwie zu verarbeiten. Die beiden landen irgendwann in dem heruntergekommenen Hotel "L'Angleterre", das ebenso vor der Veränderung steht, wie das Fährschiff "Kitty". Für Markus ist der Tod seiner Schwester wie ein stiller Skandal, mit dem er nicht einverstanden ist. In seinen Gedanken, denkt er viel und ständig an sie, es ist ein inneres Ringen mit dem Tod, der nicht akzeptiert werden kann. Als er schliesslich irgendwann Lilith durch einen Zufall kennenlernt, die auf der Fähre arbeitet, meint er gar seine Schwester wieder gefunden zu haben. "Du musst mir jetzt von euch erzählen, Markus. Damit sie endlich sterben kann, verstehst du?" Vergänglichkeit und Auflösung flimmert in all dieser Stille. Denn das abgewrackte Hotel ist genauso ausrangiert, wie die Fähre die verschrottet werden soll. Als er sich gar von Ausweis, Papieren, und Geldbeutel entledigt, könnte man meinen, als wolle er unbewusst seiner verstorbenen Schwester folgen..."Alle kummervolle Bürde verlor also an Gewicht, wenn man begann, niemand mehr zu sein. (..) Und immer noch setzte ich alles daran, meiner tödlich verzweifelten Schwester nachzustürzen." Das Ganze klingt wie ein stiller sehnsüchtiger Wunsch, nur noch schwerelos zu sein...Denn tatsächlich möchte er niemand mehr sein. Als dort im Hotel alle abreisen, bleibt er allein zurück, zieht sich in seine Einsamkeit zurück. Einzig Lilith ist es, die ihn wieder langsam aus seiner Lethargie herauszuholen scheint, denn die beiden beginnen einander zu lieben...

"Nie mehr Nacht" ist eine stille Auseinandersetzung, ja Annäherung mit dem Tod und dem Verlust eines Geschwisters, denn Bonne tastet sich hier an die Geschwisterliebe heran...Leider habe ich dieses Buch ein wenig gar als gemächlich ohne wirklichen treibenden Esprit erlebt, was jedoch durch das vorgebend Thema vielleicht auch einfach so sein muss, jedoch birgt das für mich die Gefahr, das Interesse des Leser zu verlieren, denn ich hatte manchmal das Gefühl, mich wie gegen das Verlieren des Interesses wehren zu müssen..."Der grüne Heinrich" von Gottfried Keller spielt hier eine besondere Rolle, ebenso wie Lektüre von einem amerikanischen Piloten während des Weltkriegs. Die Einarbeitung von Geschichtlichem wenn etwa ein Soldatenfriedhof besucht wird, hat eine ganz eigene Qualität und Aussagekraft. Wir lesen hier viele feinfühlige Beobachtungen. Obwohl ich dieses Buch nicht schlecht finde, geht man doch etwas benommen, ein wenig schwer aus diesem Buch hervor. Denn Mirko Bonné lässt den Leser auch in einer gewissen Unsicherheit zurück, weil er nicht alles preisgeben will, was gerade zwischen Ira und Markus wirklich war. Selbst die unerwartete Liebe zu Lilith entlässt diese schwere Melancholie nicht, die während des ganzen Buches spürbar war. Dieses Buch erzählt von stillem Leiden, stiller Trauer, stillem Verlust und der inneren Seelenerkundung, die das mit sich bringt. Letztendlich schwebt Markus förmlich zwischen dem Wunsch nach schwereloser Leichtigkeit und dem unerwarteten Glück, von Lilith geliebt zu werden...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sehr schön..., 10. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
genau das richtige für den Herbst ..
Eines der schönsten Bücher , dass ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Eine wunderbare Sprache, ....

Danke
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie ein Mensch sich selbst verliert, 25. Juli 2014
Von 
Marc Ahlburg (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Markus Lee hat seine Schwester Ira verloren. Sie hat sich in Ihrer eigenen Garage mit den Abgasen ihres Autos umgebracht, weil sie mit dem Leben, dass sie führte nicht zurecht kam. Sie die rastlose, die auf der ganzen Welt nach Antworten gesucht und nie gefunden hat, wie sie ihr Leben zu führen hat. Mit Jesse hinterlässt sie ein Kind im Teenageralter, um das sich die Eltern von Ira und Markus kümmern. Sie haben ihr eigenes Haus verkauft, und sind in das Haus gezogen, in dem Ira mit ihrem Sohn gelebt hat, um Jesse durch einen Ortswechsel nicht noch mehr zu verunsichern. Markus bekommt durch seine Arbeit als Zeichner von Kevin Brennicke – ein ehemaliger Schulfreund von ihm – einen Auftrag, für sein Magazin Zeichnungen von Brücken in der Normandie anzufertigen, die während der Invasion der Alliierten im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielten. Diese Gelegenheit wird dazu genutzt, dass Markus mit seinem Neffen in die Normandie fährt, da zur selben Zeit, in der Markus seinen Auftrag abarbeiten soll, Niels Jul – der beste Freund von Jesse – mit seiner Familie übernachtet. Mit dieser Ferienreise sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, denn Markus hat eine Übernachtungsmöglichkeit, Jesse ist für ein paar Tage abgelenkt und kann etwas mit seinem Onkel unternehmen, da die beiden noch nie viel miteinander verbunden hat. Diese nicht vorhandene Bindung zwischen wird schon während der Anfahrt in die Normandie offen gelegt, als es zu mehreren Streitereien und Sticheleien zwischen den beiden kommt. Als die beiden angekommen sind, beziehen Markus und Jesse ihre Zimmer in dem Hotel, dass die Eltern von Niels für eine bestimmte Zeit betreuen. Während der ersten Tage in der Normandie vergräbt sich Markus immer mehr in seine Arbeit, doch sie will ihm nicht so recht gelingen. Immer wieder driften seine Gedanken entweder zu irgendwelchen imaginären Kampfhandlungen aus dem 2.Weltkrieg ab oder zu dem Tod seiner Schwester. Er verliert sich zusehends in sich selbst und kapselt sich immer mehr von seiner Umwelt ab. Als die Juls ihre Zelte in dem Hotel abbrechen und Jesse wieder mit nach Hamburg zurück nehmen, ist die Zeit für Markus gekommen, alle Zelte hinter sich abzubrechen und ein Leben in der Einsamkeit in dem Hotel in der Normandie zu führen, um seine Gedanken zu ordnen, was und wohin er überhaupt will. Doch er entgleitet sich immer mehr, Besitztum wird für ihn zu einem Graus und er stößt alles ab, was er je sein eigen genannt hat. Biegt er in einen Weg ein, der dasselbe Schicksal für ihn auserkoren hat, wie für seine Schwester? Gibt es noch Rettung für ihn? Und wer ist diese mysteriöse Frau auf dem Foto, die er bei einem Einkauf an einer Kasse gesehen hat und die seiner Schwester zum verwechseln ähnlich sieht?

Wenn man sich den Inhalt grob vor Augen führt, ist das eigentlich ein Buch, welches einen durch seine bleischwere Melancholie und Sehnsucht nach Einsamkeit erdrücken müsste. Auf einer gewissen Ebene möchte man immer wieder das Buch zuklappen, weil man den Weg, den Markus beschreitet, für nicht gut befindet. Man will ihm zurufen, er möge aufhören mit seiner Selbstzerstörung und seinem Trip sich von allen und allem zu entfernen. Doch auf der anderen Seite lässt sich dieses Buch gut lesen, denn es ist auf eine gewisse Art und Wiese und trotz der Melancholie, die immer wieder durchscheint, auch ein verschmitztes Stück Literatur, aus dem man Hoffnung schöpfen und für sich selbst ableiten kann. Es hat einen latent lustigen Unterton, ganz so, als würde jemand die Szenerie beobachten und die ganze Zeit belustigt den Kopf schütteln über das Gesehene. Doch insgesamt sticht die Tatsache hervor, wie der Tod einer wichtigen Person im Leben eines anderen Menschen, selbst Monate nach dem Ereignis, immensen psychischen Schaden anrichten kann und wie dieser Mensch, als er sich selbst nicht mehr richtig zu retten weiß, durch Zufälle, wie sie nur das Leben schreibt, gerettet wird.
Die Richtungslosigkeit, die Markus Lees Leben erfasst hat, wird durch Mirko Bonné sehr schön erfasst und niedergeschrieben. Besonders einprägsam ist dabei aufgeschrieben, wie seine Hauptfigur versucht, durch seine Arbeit Struktur in seinen Alltag zu lassen, was ihm aber zusehends weniger gelingt. Gerade dieser schleichende Verfall von Markus Lee ist gut eingefangen und man leidet regelrecht mit Markus mit. Das dabei alle anderen Figuren etwas mehr an den Rand gedrängt werden und kaum Raum bekommen sich genauso zu entfalten wie Markus kann man bei diesem Buch irgendwie verschmerzen.
Trotz oder gerade wegen der Melancholie und der scheinbaren Schwere kann ich das Buch leichten Herzens weiter empfehlen. Die Sprache ist klar, das Buch zieht einen trotz der Thematik nicht herunter und es liest sich erstaunlich schnell weg. Wer in seiner Familie schon einen tragischen Verlust zu beklagen hatte, wird sich mit der Figur von Markus Lee sicher mehr auseinandersetzen als ich das kann.
Insgesamt gesehen kann ich verstehen, warum dieses Buch den Deutschen Buchpreis nicht gewonnen hat. Da waren sicher auch bessere, mit einem höheren künstlerischen Anspruch vertreten. Aber die Nominierung für die Shortlist 2013 ist auf alle Fälle gerechtfertigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reise in die Dunkelheit, 12. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Zunächst beeindruckt der Autor durch Sprache. Das ist keine Sprache zum Weglesen, das ist eine Sprache, die sich tiefbrennt und Erinnerung auslöst. Bonné ist auch Lyriker, das merkt man diesem Roman an, und das ist gut so. Er nimmt uns mit auf eine Reise, zunächst in das Zentrum der Dunkelheit, in die Depression der Schwester des Helden. Und dann wird die Reise wortwörtlich, der Held macht sich auf in das Land des Todes, begleitet von dem jungen Sohn seiner inzwischen toten Schwester. Er zeichnet Brücken, die am Ende des 2. Weltkrieges wichtig waren. Hier fanden Schlachten statt. Der Erwachsene und der Jugendliche, sie haben sich nichts zu sagen, sie ignorieren sich oder sie reizen sich. Auch hier spürt man totes Land. Ziel der Reise ist ein altes, leerstehendes Hotel, dort will der Junge Freunde treffen. Wir landen in einem Bau, der sofort Erinnerungen an "Shinning" auslöst. Auch hier wieder die Kluft zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Man versteckt sich voreinander in den riesigen Zimmerfluchten. Der Held gibt sich auf, er wird wohl hier sterben. Aber dann, plötzlich, wie in der Romantik, taucht ein Doppelgängermotiv auf, der Einbruch des Wunderbaren. Er sieht in einem Supermarkt ein Foto von einer Frau, die aussieht wie seine Schwester. Er versucht die Frau zu finden. Diese Frau ist nicht die Schwester, aber sie führt ihn zurück in das Leben. Er ist in der Lage, sich seiner Schuld zu stellen, die Verdrängung aufzulösen. Vorfinale auf einer alten, riesigen Fähre, die verschrottet werden soll. Aber hier zeigt sich die Unterwelt, die den Fasttoten von einer Fährfrau begleitet dem Leben zurück gibt. Zutiefst beeindruckend.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein nie aufgearbeitetes Trauma, 10. November 2013
Von 
Felix-ine - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Markus Lee kann den Freitod seiner geliebten Schwester Ira nicht verwinden. Sein Gefühlsleben ist in innerer Aufruhr und bringt längst verschollene Erinnerungen und Schuldgefühle vergangener Zeiten an die Oberfläche, die auch seine Familie betreffen. Er hat ein Trauma immer noch nicht verarbeitet und wird durch den Tod seiner Schwester damit konfrontiert.

Für ein Hamburger Kunstmagazin soll Markus Brücken zeichnen, die bei der Landung der Alliierten 1944 in der Normandie eine besondere Rolle spielten.

Um diesen Auftrag zu erfüllen nimmt Markus seinen 15jährigen Neffen in dessen Herbstferien mit nach Nordfrankreich, wo sie sich in ein verlassenes Strandhotel mit Namen L'Angleterre einquartieren. Aus dem nur etliche Tage geplanten Aufenthalt werden mehrere Wochen, die immer wieder mit quälenden und gefühlsbetonten Gesprächen um die verstorbene Ira einhergehen und zeigen, dass Markus und Jesse unterschiedlich mit ihrer Trauer umgehen.

Ira bedeutete Markus sehr viel, zu viel. Er liebte sie auf seine Art und verdrängt ihren Tod, kann sie nicht vergessen und wird in den Tagen des Aufenthaltes in dem Hotel immer melancholischer.

Die Anwesenheit des jungen Jesse und der Aufenthalt in der Normandie, die Erinnerungen an die zerstörten Brücken, den Krieg und das Sterben so vieler junger Männer reißen Markus in eine tiefe Depression. Alles wird aufgewühlt. Und immer wieder kreisen seine Gedanken um Ira und seine Familie...

Der Autor hat das Geschehen seines Romanes in verschiedene Wirklichkeits- und Identitätsebenen
verfasst. Er nimmt den Leser mit in die Vergangenheit und Gegenwart, in das Leben und das der Toten. Der Leser erfährt eine besondere Geschwisterliebe und ist überrascht, als Markus sich während seines Normandieaufenthaltes in eine junge Frau verliebt, die seiner Schwester zum Verwechseln ähnlich sieht.

Der Autor Mirco Bonné wurde 1965 in Tegernsee geboren. Er lebt heute in Hamburg und befasst sich mit Übersetzungen der Lyrik. Er wurde 2001 mit dem Wolfgang-Weyrauch Preis, 2002 mit dem Ernst-Willner-Preis und 2004 mit dem Förderpreis zum Kunstpreis Berlin ausgezeichnet. 2010 folgte der Marie-Luise-Kaschnitz-Preis.
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5.0 von 5 Sternen Ein Buch über Trennungsschmerz, Trauer, Abschied und Neubeginn, 7. Oktober 2014
Von 
Milchbart "marcon" (Münster) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Der Autor ist ein begnadeter Erzähler. Auch wenn ich das Buch nicht immer sehr schnell lesen konnte, genossen habe ich die Lektüre. Es waren viel sehr scharf beobachtete Detailbeschreibungen enthalten.
Spannend sind die Beschreibungen von Beziehungen, Begegnungen, von alten und neuen Bekanntschaften. Nachfühlbar die Verarbeitung der Trauer. Mit dem Verlust der geliebten Schwester leben können, darum ringt Markus, der im Mittelpunkt des Romans steht. Dafür fährt er mit seinem verwaisten Neffen an die französische Nordseeküste. Er versucht Job und Privates zu verbinden. Es wird zu einer Wende in seinem Leben.
Er schafft es, sich von vielem zu verabschieden, so grundsätzlich, dass es teilweise an die Substanz geht - von manchem trennt er sich vielleicht zu schnell, zu leicht - und wenn es nur eine warme Jacke ist.

Er trifft eine Frau, die seiner verstorbenen Schwester zum Verwechseln ähnelt. Das verwirrt ihn, aber hilft auch mit diesem Schmerz, diesem Verlust zu leben. Durch sie und eine andere Bekanntschaft bekommt das Positive wieder neuen Raum in seinem Alltag, durch kleine Hilfestellungen, durch ein zartes Aufeinanderzugehen, durch zufällige Ereignisse. Sogar die Beziehung zu seinem ehemaligen Freund und Arbeitgeber kann neu "buchstabiert" werden.
Ein Buch, das mich nachdenklich gemacht hat.
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4.0 von 5 Sternen Mutig, 7. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Markus reist im Auftrag eines Hochglanz-Kunstmagazines, das von einem Freund herausgegeben wird, an die Schauplätze des D-Day in der Normandie um dort die Brücken zu zeichnen, die in den Tagen der Invasion heftig umkämpft waren und viele Todesopfer gefordert haben. Mit dabei hat er Jesse, den pubertär gar nicht so schwierigen Sohn seiner Schwester Ira, die freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Gewohnt wird dabei in einem Hotel, das seine besten Tage bereits gesehen hat und wohl nur mehr wenige Monate stehen wird, bis es verkauft, geschliffen und durch einen Neubau ersetzt werden wird.

Tod und Vergehen sind also die Grundstimmung in diesem Buch, einer Stimmung, der sich Markus zusammen mit der Erinnerung an die eher ungesunde Beziehung, die er zu seiner Schwester gehabt hat, zu entziehen versucht, indem er sein Verschwinden vorbereitet, er entzieht sich der Welt mehr und mehr, bis er - ja und hier wirds kritisch-kitschig - eine junge Frau kennen lernt, die seiner toten Schwester zum Verwechseln ähnlich sieht. Diese rettet ihn dann auch wieder zurück in die Welt, eitel Wonne und Sonnenschein, sogar in Hamburg, wo die Geschichte in Wohlgefallen endet.

Ich habe diese Geschichte bis zum Erscheinen der Retterin Lilith recht gerne gelesen, auch wenn sie mit düsterem Symbolismus überladen ist und weil sie auch eigentlich ohne große Eingriffe für ein Drehbuch einer deutsch-französischen Arte-Filmproduktion mit schönen Bildern in HD herhalten könnte. Dass er mit einer rostigen Fähre, die dem Abwracken in Bremerhaven entgegen fährt, von Lilith, die auf dem Schiff Dienst tut, nach Hause nach Deutschland zurückgebracht wird, quasi über den Styx zurück von den Toten zu den Lebenden, ist schon so übertrieben, dass ich es einfach klasse fand. Das muss man sich erst mal trauen.

Eine schöne Lektüre für einen verregneten Sonntag.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bonjour Tristesse, 29. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
«Der grüne Heinrich», Gottfried Kellers berühmter Bildungsroman, hat offensichtlich als Grundmuster Pate gestanden bei «Nie mehr Nacht» von Mirko Bonné, er wird auffallend häufig erwähnt in der Geschichte von Markus Lee, und auch Heinrich heißt ja mit Nachnamen «Lee», sicher kein Zufall. Gemeinsam ist beiden Romanen, dass ihre Helden an ihrer Selbstverwirklichung scheitern, die gesellschaftlichen Ansprüche nicht erfüllen können, also an den Hürden scheitern, die ihnen eben diese Gesellschaft in den Weg stellt, was ja, genauer betrachtet, ein geradezu klassisches Dilemma darstellt. Das dann auch folgerichtig zu einem tragischen Ende führen muss, dem Keller seinerzeit durch eine weniger pessimistisch erscheinende Überarbeitung seines Romans begegnete, Bonné, indem er ganz am Ende zumindest einen hoffnungsvollen Ausgang seiner Geschichte andeutet.

Schon der Romantitel weist auf Tragik hin, einen düsteren Schatten, der über die Geschichte fällt, der Selbstmord der hochgradig depressiven Schwester des Ich-Erzählers, die einen unehelichen Sohn mit unbekanntem Vater zurücklässt. Vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Reise mit dem Neffen in die Normandie, zum Schauplatz des D-Day, der Landung der Alliierten in Frankreich am 6. Juni 1944, erzählt der Autor in vielen Rückblenden seine Geschichte, in der ein inzestuöses Verhältnis der Geschwister angedeutet wird, was beim Leser zeitweise sogar den Verdacht aufkommen lässt, der Neffe könnte der leibliche Sohn des Protagonisten sein. Die Geschwister sind offensichtlich beide psychopathisch, denn auch Markus, der sich als freischaffender Zeichner durchs Leben schlägt, steuert scheinbar auf ein tragisches Ende hin, zumindest auf einen radikalen Wendepunkt. Er verabschiedet sich regelrecht aus seinem bisherigen Leben, trennt sich rigoros von allem Materiellen, das er nur als unnötigen Ballast empfindet. Markus opponiert wie sein pubertierender Neffe gegen die Welt, ist wie jener orientierungslos und macht es seiner Umgebung schwer, eine menschliche Beziehung mit ihm aufrecht zu erhalten, er baut lieber Brücken ab in seiner Sucht nach Selbstauflösung. Realiter aber sollte er eigentlich einige damals kriegswichtige Brücken für ein Kunstmagazin zeichnen, das war sein Auftrag für diese Reise.

Der Roman wimmelt geradezu von derartigen Anspielungen, da gibt es ein abbruchreifes, verlassenes Strandhotel, viele heute noch sichtbaren Relikte des zweiten Weltkrieges, ein Buch über die Geschichte der Landung von einem amerikanischen Autor namens Lee (sic!). Der Rapidograph als klassischer Tuschezeichner taucht immer wieder auf in ausgedehnten Passagen über das Zeichnen, die Ornithologie ist ebenfalls ständiges Thema beim Aufenthalt an der Atlantikküste, es gibt zuhauf minutiöse Wegbeschreibungen, die allenfalls einige Normandie-Fans oder D-Day-Touristen erfreuen dürften, die meisten Leser aber eher nerven. Auch Pop-Musik spielt eine wichtige Rolle, viele Details werden da ausgebreitet, nicht selten übrigens auch über Suizide von Pop-Musikern. All das schafft ein dichtes Netz von Assoziationen, welches mir in seiner überbordenden Vielfalt jedoch reichlich artifiziell erscheint. Eine «ebenso rasante wie poetische Roadnovel» jedenfalls, die uns der Klappentext suggeriert, kann ich nicht erkennen in diesem melancholischen Plot, der eher gemächlich erzählt wird, was an sich ja nicht schlecht ist, das Lesen angenehm macht trotz unübersehbarer Längen.

Wenn der traurige Held mit einer Frau, die seiner toten Schwester zum Verwechseln ähnlich sieht und sich, welch ein Zufall, wohl unsterblich in ihn verliebt hat, seinem abweisenden Wesen zum Trotz, wenn Markus also am Ende auf einer zum Abwracken bestimmten Fähre nach Deutschland zurückfährt, deutet sich ein peinliches Happy End an in diesem Tristesse-Roman, der so banal und unglaubwürdig zu enden eigentlich gar nicht verdient hätte.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Quälerei, 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Nie mehr Nacht (Gebundene Ausgabe)
Mangels Zweitbuch hab ich gerade dieses Buch bei einem Auslandsurlaub durchgelesen und mich dabei so schwer getan, wie
lange nicht mehr. Eine mühsam konstruierte Geschichte, die sich an schlechten Ortsbeschreibungen und ( dabei meist falschen ) Invasions-Aussagen entlanghangelt. Wie steht es auf dem Umschlag ... Werde unscheinbarer......
Wie wahr !
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Nie mehr Nacht von Mirko Bonné (Gebundene Ausgabe - 7. August 2013)
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