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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vorzüge sehr guter Literatur
Alle vier Wochen wird der interessierte Literaturfreund Sonntagabends mit einer halbe Stunde Fernsehunterhaltung der besonderen Art begeistert: "Druckfrisch" von und mit Denis Scheck. In dieser Sendung stellt er Neuigkeiten auf dem Büchermarkt vor, führt Interviews mit Autoren und bespricht die aktuelle Spiegelbestsellerliste. In der vergangenen Ausgabe durfte...
Veröffentlicht am 10. Juni 2012 von Spaddl

versus
3 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Horrorroman?
Also mich gruselt es tatsächlich, es läuft mir kalt den Rücken herrunter und am Ende lässt mich das Buch ratlos zurück.
Das heisst, ich weis nicht was es war. Ein Sammelsurium von Worten und Satzfetzen ohne jeglichen, für mich erkennbaren Zusammenhang.
Was soll das?
Immerhin konnte das Buch mein Mitgefühl für die...
Veröffentlicht am 14. August 2012 von Leser


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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vorzüge sehr guter Literatur, 10. Juni 2012
Von 
Spaddl "spaddl" (SH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Alle vier Wochen wird der interessierte Literaturfreund Sonntagabends mit einer halbe Stunde Fernsehunterhaltung der besonderen Art begeistert: "Druckfrisch" von und mit Denis Scheck. In dieser Sendung stellt er Neuigkeiten auf dem Büchermarkt vor, führt Interviews mit Autoren und bespricht die aktuelle Spiegelbestsellerliste. In der vergangenen Ausgabe durfte der Zuschauer ein Gespräch mit dem achtzigjährigen Schriftsteller Ror Wolf erleben, in dem sein neuestes Buch "Die Vorzüge der Dunkelheit" vorgestellt wurde.

Ich kannte Ror Wolf bisher nicht und sein literarisches Schaffen ist bis dato an meiner Lesegewohnheit vorbei gegangen. Das hat sich nun schlagartig geändert. Ror Wolf beschreibt in seinem Buch "Die Vorzüge der Dunkelheit" das Leben eines Ich-Erzählers, der unfreiwillig aus seinem geordneten Leben auszubrechen scheint und durch eine implodierende Welt streicht. Anders als bei seinem Kollegen Peter Handke (in seinem Roman Der Große Fall) ist diese Reise durch Raum und Zeit von Versatzstücken und einer immerwährenden Sprunghaftigkeit geprägt. Beim Schreiben dieser Rezension wollte ich den Begriff "Roman" benutzen, musste diesen jedoch revidieren, da es der literarischen Dazugehörigkeit und Gattung nicht gerecht werden würde. "Die Vorzüge der Dunkelheit" ist vielmehr ein Panoptikum morbider Kreaturen und unwirklicher Subjekte, eine buchgewordene Chiffre voller Doppeldeutigkeiten sowie eine gigantische Allegorie auf das literarische Schaffen.

Die ständige Präsenz von Metaphern und die fehlende Nennung von konkreten Sachverhalten lässt dem Leser viel Platz für interpretatorisches (Nach-)Denken. Wie ist dies gemeint? Was will Ror Wolf damit sagen? Die Typologie des Werkes fördert diesen Umstand ungemein. "Die Vorzüge der Dunkelheit" ist in neunundzwanzig Kapitel gegliedert und strukturiert die Reise des Ich-Erzählers in (lt. Untertitel) "neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen"; jeder dieser Versuche bekommt ca. 3-4 Seiten eingeräumt. Unterstützt wird das geschriebene Wort durch eine Vielzahl von Bildern. Zu diesen äußere ich mich jedoch später differenzierter. Es empfiehlt sich, die Kapitel nicht wie bei einem Roman "zu verschlingen", sondern sukzessive und aufmerksam zu 'konsumieren'. Verstehen Sie mich nicht falsch: dieses Buch ist alles andere als leicht zugängliche Literatur. Ich rate Ihnen vielmehr, jedes Kapitel nach dem Lesen Revue passieren zu lassen und zu versuchen, die gezeigten Bilder in einen Kontext zum Gelesenen zu setzen. So viel sei gesagt: die abgedruckten Bilder fördern das Leseverständnis nur bedingt bis gar nicht.

Ich habe mich nach den ersten Seiten auf einen Interpretationsansatz eingeschossen und diesen versucht, durch jeden neuen Verschlingversuch zu bekräftigen. Für mich war "Die Vorzüge der Dunkelheit" eine Parabel über das Schreiben und das Erleben des eigenen Geschriebenen. Jeder Autor, sei es ein Hobby-Schreiberling oder ein Profi, durchlebt die Leiden seines literarischen Schützlings und wandert durch dessen Kosmos. Die Variation von Realität und Fiktion, der schmale Grat zwischen beiden Welten und der häufig fließende Übergang werden in diesem Buch brillant dargestellt. Wie gesagt: in der Art und Weise, in der ich das Buch lese. Der Ich-Erzähler kämpft mit der Fantasie, mit der Geschichte an sich und der Macht der Subjektivität. Der Protagonist hat Schreibblockaden, wird von seiner Geschichte verfolgt und lernt seine Charaktere kennen. Dabei stellt der Leser fest, dass in den Sequenzen, die ich der Realität zuordnete, der Ich-Erzähler ein zerbrechlicher, kranker Mann und in den fiktionalen Momenten ein agiler Alleskönner war, den nicht einmal der sich anbahnende Weltuntergang aus der Ruhe gebracht hat.

In Bezugnahme auf das Interview mit Denis Scheck, in dem er über selbst erlittene krankheitsbedingte Halluzinationen sprach, kann das Buch auch als ein abstraktes, beinahe surreales Tagebuch einer Krankheit gelesen werden. Egal ob man sich für die erste, zweite oder eine gänzlich andere Interpretation entscheidet, "Die Vorzüge der Dunkelheit" ist Literatur erster Klasse. Sätze wie "...und eine große Geräuschlosigkeit begann, eine Geräuschlosigkeit, wie ich sie noch niemals in meinem Leben gehört hatte." (S.49) oder "Als ich mich beim Vorüberlaufen im Spiegel sah, kam ich mir plötzlich bekannt vor. Doch das sah nur so aus." (S. 250) ziehen sich durch die gesamte Parabel. Wer sich jedoch an sexuellen Doppeldeutigkeiten stört, könnte "Die Vorzüge der Dunkelheit" pikiert beiseitelegen, da es an allen Ecken und Enden davon strotzt: Feuchte Ritzen, Spalten, angeschwollene Teile, reiben, wässrige Flüssigkeit, etc. Mich hat's amüsiert.

Die bereits erwähnten Illustrationen und Bilder erinnerten mich an einen Rene Magritte oder späten Salavdor Dalí und sind eindeutig ein wichtiger, aber auch dominanter Bestandteil des Werkes. Demontiertes, Absurdes, Verwirrendes, Ekliges und Gruseliges wechseln sich von Bild zu Bild ab. Zum Beispiel ist zu Beginn des 17. Kapitels ein Bild zu sehen, in der ein übergroßer Hirschkäfer eine panische Magd jagt. Im Hintergrund fliegt ein rippenbogenähnliches Etwas über die Szenerie hinweg, im Vordergrund zwinkert dem Leser ein Junge zu. Sie sollten vor dem Kauf des Buches jedoch wissen, dass der eigentliche Text auf ca. 100 Seiten hätte zusammengepresst werden können, der Rest wird von diesen besagten Bildern gefüllt. Wenn Sie sich auf diese Kombination aus literarischer und künstlerischer Vielfältigkeit einlassen, werden Sie ein spannendes, intensives Leseerlebnis haben dürfen.

Der Untertitel "Horrorroman" hat mich vornehmlich bewogen, dieses Buch zu kaufen. Ich bin nicht enttäuscht worden. Natürlich, das werden Sie bereits herausgelesen haben, handelt es sich keineswegs um einen klassischen Horrorroman mit Aliens, Monstern oder dem Horror der eigenen vier Wände. Es ist ein "Roman" über einen Protagonisten, der den Horror einer Krankheit und/oder des Schreibens bewältigen muss. Der Autor sagte in dem Interview mit Denis Scheck, er wolle nun keine Romane mehr schreiben, sondern wolle sich nun einer Autobiografie widmen. Herr Wolf, mal ganz ehrlich: sind Sie sich sicher, dass Sie mit "Die Vorzüge der Dunkelheit" nicht bereits den ersten Teil geschrieben haben?

Eine große, beängstigende Geschichte. Ein Kunstwerk.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein moderner Klassiker, 21. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Wie mein Vorredner Dr. Jürgens kann ich eine gewisse Enttäuschung darüber, dass manche Rezensenten das neueste Buch von Ror Wolf in Bausch und Bogen verwerfen, nicht verhehlen. Ich bekenne mich vor dieser Schar herzlich gern schuldig, eben diesen Autor besonders zu schätzen und die von ihm angeblich geschundene Sprache geradezu zu lieben.

Zuzugeben ist freilich, dass die erste, unbefangene Lektüre der Bücher dieses Autors den Leser ratlos mit der Frage zurücklassen kann: Was war das denn bitteschön? Was will der Autor eigentlich von mir, seinem Leser? Ist das Ernst oder Komik? Die beste Antwort darauf findet man wohl bei Ror Wolf selbst, in dem 1968 veröffentlichen Text "Meine Voraussetzungen", wiederveröffentlicht 1992 in dem Materialenband zur ersten Werkausgabe "Anfang & vorläufiges Ende" (Frankfurter Verlagsanstalt), S. 59 ff. Dort heißt es wörtlich (S. 65): "Keine raunenden Botschaften; keine Ideologien, denen man zunicken könnte; keine dampfenden Bedeutungen; keine abhebbaren Tendenzen; keine echten Anliegen; keine Bildungsbrocken für Leser, die ihre Lektüre allein danach absuchen; keine verbindlichen Aussagen; keine Ideen vom großen und ganzen; keine Charaktere, die nach psychologischen Richtlinien agieren; keine Moral; aber: Spiel, Heckmeck, Hokuspokus, Burleske, Wortakrobatik; Spaß; Spaß, der freilich an jeder Stelle umschlagen kann in Entsetzen."

Diese kurze Passage ist insofern geradezu prophetisch, als dass der Autor im Alter von 69 Jahren eine lebensbedrohlche Krankheit durchleiden musste, und wie er im Interview mit Denis Scheck selbst geschildert hat, ist die "verdammte Realität des Sterbens" in das Buch unmittelbar eingegangen. Ror Wolf hat in allen seinen Büchern, vor allem in den längeren romanhaften Texten (siehe z.B. noch "Die 49. Ausschweifung" aus "Zwei oder drei Jahre später", 2007), sich nicht gescheut, Autobiographisches mit fiktionalen Geschehnissen zu verbinden, und sei das Geschilderte auch noch so grotesk. Der Leser wird das autobiographische Element oftmals gar nicht bemerken. Das ist auch nicht weiter schlimm. Man muss ja nicht alles gleich verstehen.

Ror Wolf ist jedenfalls seinem radikalen Programm von 1968 bis heute völlig kompromisslos treu geblieben. Seine sprachliche Meisterschaft wird von vielen Kollegen gerühmt und als nachahmenswert empfunden (u.a. von Gernhardt, Henscheid, Kronauer). Ich bin kein belletristischer Autor, sondern bloß leidenschaftlicher Leser. Gleichwohl kann ich das Schriftstellerlob voll und ganz nachvollziehen. Es gibt Wolf-Sätze, die einem ewig im Gedächtnis bleiben. Das kann kein Zufall sein, sondern muss mit wirklichem Können, mit Meisterschaft zu tun haben. Vor diesem Hintergrund schmerzt es mich zu lesen, dass das neue Buch des Altmeisters Wolf angeblich nichts tauge. Ich sehe die Sache natürlich völlig anders: Es handelt sich um ein großes Alterswerk, über dessen Entstehen sich jeder Leser, der Ror Wolf schätzt, über die Maßen freuen darf. Das gilt nicht bloß für die Texte an sich, sondern auch für die Bildcollagen, den Leineneinand und die Fadenheftung. Gegenüber früheren Werken, die wie "Fortsetzung des Berichts" (1964) und "Pilzer und Pelzer" (1967) den Status "moderner Klassiker" besitzen, fällt Ror Wolfs neuester und vielleicht letzter Roman meines Erachtens nicht ab. Auch den Vergleich mit "Nachrichten aus der bewohnten Welt" (1991) müssen die "Vorzüge der Dunkelheit" nicht fürchten. Vielleicht aber taugen die Sammelbände mit kürzeren Texten besser als "Einstiegsdroge" in das Werk von Ror Wolf als der neue Roman. Glücklicherweise ist genug einstiegstauglicher Lesestoff von diesem Autor verfügbar.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne vs. ein Stern, 17. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Schaut man sich die bisherigen Rezensionen zu "Die Vorzüge der Dunkelheit" an, scheint das Buch zu polarisieren - fünf Sterne oder ein Stern; dazwischen gähnt Leere. Woran mag das liegen? Die Literatur von Ror Wolf hat nichts mit planem Realismus zu tun, sondern setzt auf Subjektivität und Sprache; es geht um das Vergnügen, einem Autoren zu folgen, der freihändig mit Genreversatzstücken jongliert und daraus einen artistischen Erzählkosmos erschafft. Ein solches Buch hat keine wiedergebbare Handlung - als Ausgleich muß man es aber auch nicht in einem Rutsch und schon gar nicht von vorn bis hinten lesen. Ein freundliches Blättern hier, ein amüsiertes Hineinlesen dort sind viel eher geeignet, dem aufwendig hergestellten Band einen Dauerplatz neben anderen Lieblingsbüchern zu verschaffen. Und natürlich laden auch die exzellenten Collagen zum wiederholten In-die-Hand-nehmen ein. Wer das ausprobieren mag: Die "Blick ins Buch"-Funktion gewährt einen prima Einblick.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Virtuosität des Grauens, 17. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Natürlich sind „Die Vorzüge der Dunkelheit – Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen“ von Ror Wolf ein „Horrorroman“ – und was für einer! Eine schaurig-schöne Abenteurreise durch die inneren wie äußeren Kontinente, ein (alp)traumartiger Trip, der keine Grenzen zwischen sogenannter Realität und Imagination kennt und alle Unterschiede zwischen den Zeiten aufhebt. Monströse Kreaturen, aufreizende Vamps mit raschelnden Rüschen, mehrere Männer mit Messern, mit Zigarren und Pfeifen, zu allen Schandtaten bereit - jäh auftauchend, verschwindend, abermals auftauchend -, bevölkern den Roman ebenso wie aufplatzende Böden, saugende Sümpfe oder Schlammlandschaften, düstere Hotelzimmer, Bahnhofskneipen und verzerrende Spiegel(bilder). Alles, aber auch augenscheinlich alles, agiert wie die Abgründe des Unterbewussten, in ständig bedrohlicher Wiederkehr, variantenreich und mitreißend. Dazu kommt, dass das Ganze in einem brillanten Stil dargeboten ist, der Ror Wolf einmal mal als außergewöhnlichen Sprachakrobat auszeichnet, als einzigartigen Wortjongleur, der mit seinen virtuosen Bildcollagen gleichzeitig der beste Illustrator seines Horrorromans ist.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grauen, Glück und Trost, 10. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin nur ein Jahr älter als Ror Wolfs erster Roman „Fortsetzung des Berichts“. Ich übertreibe also nicht, wenn ich behaupte, daß dieser Autor mein Leben begleitet. Seit meiner ersten Begegnung mit Wolfs Kunst - und zwar 1981 mit seinen „WM-Moritaten“ in einem Vorabdruck der „Titanic“ - haben die Musik seiner Sprache und die Vieldeutigkeit seiner Dichtung mir mehr eingeleuchtet als sämtliche vom Föjetong hochgejazzten Poetendarsteller der Saison. „Man rühmt nicht“, bemerkte einmal der große Olaf Stapledon über sein Idol H. G. Wells, „die Luft, die man atmet“. Ich halte mich an diese Maxime und schreibe hier überhaupt nichts Rühmendes. Ich stelle bloß Tatsachen fest.

Es fällt mir, wie man sich bereits denken wird, nicht schwer, „Die Vorzüge der Dunkelheit“ als das Werk eines Meisters zu bewundern. Als Zeugnis eines Mannes, der sich von den Widerständen und der Schmach der Welt auch in seinem neunten Jahrzehnt nicht unterkriegen läßt und sie statt dessen in „29 Versuchen“ zu verschlingen versucht. Das erinnert mich an den unzerbrechlichen Charakter meiner liebsten Romanfigur, des Käptn Ahab - aber ohne dessen Wahnsinn, Menschenverachtung und Humorlosigkeit. Vor allem aber erinnert dieser „Horrorroman“ daran, welche infiniten Möglichkeiten die Sprache und die Prosa zu entfalten vermögen, wenn einer den Mumm hat, sich diesen Möglichkeiten in all ihren Konsequenzen zu stellen. Es ist nämlich viel einfacher (und weniger aufrichtig), eine Erzählung brav herunterzustiefeln, statt in jedem Satz den schöpferischen Prozeß selbst offenzulegen und zum Thema zu machen, wie Wolf es tut.

Es gibt bei diesem Dichter keine aufgepfropfte „Logik“, keinen Gott in der Maschine, keine faulen Gewißheiten, auf die seine Leser sich verlassen dürften. Für „Die Vorzüge der Dunkelheit“ gilt dies ebenso wie für sämtliche Stücke zuvor. Das macht die Faszination der Wolfschen Schöpfungen nicht zuletzt aus. Es verleiht ihnen zugleich einen Realismus, nach dem der Leser in der realistisch tuenden, an der Oberfläche klebenden Literatur, die heutzutage mal wieder „in“ ist, lange suchen kann. Diese Hyperwirklichkeit ermöglicht es zum Beispiel, einen völlig unwahrscheinlichen Ort wie das Mainzer Lokal „Schnitzelgebirge“ in die Hochliteratur zu überführen, und zwar mit Sätzen, die weit mehr bedeuten, als die flüchtige Lektüre erkennen läßt: „Später saß ich im Schnitzelgebirge und beugte mich über ein Bier. Die Aufmerksamkeit der Gesellschaft war ziemlich gering.“

Mich hat Wolfs „Horrorroman“ in der Tat an vielen Stellen mit Schauer erfüllt; aber, wie es sich gehört bei großer Kunst, es fehlt das Tröstende nicht. Und das verdankt sich vor allem der Sprache Ror Wolfs, dieser ebenso klangvollen wie präzisen, gleichermaßen verspielten wie niemals lässigen Wortmusik. In jedem Buch Wolfs habe ich meine Lieblingsstellen. Sie ändern sich im Lauf der Zeit, weil auch ich mich ändere, aber es muß schon sehr bedeutende Literatur sein, damit ich mir Sätze daraus merken kann. In die „Vorzüge der Dunkelheit“ ist momentan mein bevorzugtes Detail dies hier: „Etwas später traf ich noch einmal Capone: Ein ganz aus Fleisch bestehender Mensch (...).“ Genauer und umfassender als mit dieser Metapher könnte Al Capone auch auf 300 Seiten nicht beschrieben werden.

In „Die Vorzüge der Dunkelheit“ ist der Boß der Bosse nicht die einzige Figur aus dem Wolfschen Oeuvre, die sich zum wiederholten Mal blicken läßt. Auch der legendäre Doktor Q und der alte Stubengelehrte Wobser haben beeindruckende Auftritte. Es ist ein großes Vergnügen, ihnen wieder zu begegnen. So wie es immer gut und ein Glück für mich ist, Ror Wolf wiederzusehen. Und ich verspreche verständigen Lesern, die seine Kunst noch nicht kennen, bestimmt nicht zuviel, wenn ich behaupte: Es ist ein besonderes Glück, diese Wörter, diese Töne, diese Bilder zum allerersten Mal wahrzunehmen. Sie werden, ich bin seit drei Jahrzehnten Zeuge, den aufmerksamen Leser ein Leben lang nie mehr in Ruhe lassen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unheimlich und faszinierend, 5. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Wenn ich ein Buch von Ror Wolf lese, dann weiß ich, daß ich es mit einem der eigenwilligsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur zu tun habe. - "Die Vorzüge der Dunkelheit" ist ein groteskes Meisterwerk: unheimlich, ungemütlich und faszinierend.
vonObermoos
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3 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Horrorroman?, 14. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Also mich gruselt es tatsächlich, es läuft mir kalt den Rücken herrunter und am Ende lässt mich das Buch ratlos zurück.
Das heisst, ich weis nicht was es war. Ein Sammelsurium von Worten und Satzfetzen ohne jeglichen, für mich erkennbaren Zusammenhang.
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4 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dahingekitschte Textcollagen, 4. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman (Gebundene Ausgabe)
Es werden Textfragmente aneinander und übereinander "geklebt", ja, wie bei den Collagen.
Aber: sinnlos, willkürlich. Beabsichtigte Verwirrung ohne Nährwert.
Synthetisch, zufällig zusammengebastelt.
Was die Collagen zusammenhält: der Kleber.
Was den Text zusammenhält: Druckerschwärze auf Papier.
Lese die ersten 10 Seiten und du hast alles gelesen...
Kitsch.
Ärgerlich.
Kann man Bücher zurückschicken?
Das wäre der Kandidat.
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