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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein literarisches Feuerwerk
Das beeindruckende Debütwerk von Simon Urban hat alles, was einen lesenswerten Roman ausmacht: eine spannende Story, interessante Charaktere, einen klug ausbalancierten Spannungsbogen und viele originelle Einzelheiten, die den wortgewaltigen und brilliant formulierten Wälzer zum echten Lesevergnügen machen. Die Beschreibungen der Utopie Ostberlin im Jahre...
Veröffentlicht am 2. November 2011 von Desdemona

versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Idee, Geschichte mit einigen Längen
Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich von Kollegen davon hörte und die Idee super fand. Wie wäre es, wenn die DDR weiter existieren würde. Am Ende handelte es sich aber doch nur um einen Kimi, der mit neuen Begriffen versucht, eine andere Welt zu definieren. Leider gelingt dies nur schlecht. Man spürt an allen Stellen, das hier das...
Vor 18 Monaten von AndZ_net veröffentlicht


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Idee, Geschichte mit einigen Längen, 11. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Kindle Edition)
Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich von Kollegen davon hörte und die Idee super fand. Wie wäre es, wenn die DDR weiter existieren würde. Am Ende handelte es sich aber doch nur um einen Kimi, der mit neuen Begriffen versucht, eine andere Welt zu definieren. Leider gelingt dies nur schlecht. Man spürt an allen Stellen, das hier das Hintergrundwissen um die Zustände in der DDR fehlt und die Recherchen zur Umgebung auch nur mäßig akurat durchgeführt wurden. Es ist zum Beispiel mit Sicherheit niemals ein DDR-Bürger an den Wannsee gekommen. Ansonsten eine lesenswerte Geschichte, die nur hin und wieder durch Absatzlange Selbstreflektionen des Hauptprotagonisten unterbrochen werden.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein literarisches Feuerwerk, 2. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Das beeindruckende Debütwerk von Simon Urban hat alles, was einen lesenswerten Roman ausmacht: eine spannende Story, interessante Charaktere, einen klug ausbalancierten Spannungsbogen und viele originelle Einzelheiten, die den wortgewaltigen und brilliant formulierten Wälzer zum echten Lesevergnügen machen. Die Beschreibungen der Utopie Ostberlin im Jahre 2011 gelingen so anschaulich und eindrücklich, dass man gerne den mitunter etwas ausufernden Erzählstil in Kauf nimmt. Auch die Personae kann sich sehen lassen: von herrlich skurril, liebevoll kauzig bis schaurig gefährlich kommt sie souverän gezeichnet und ausgesprochen unterhaltsam daher. Allen voran der wahrheitsliebende Ostermittler Martin Wegener, stets leidend unter der Last seiner verlorenen Liebe, seinen stets zur Unzeit aufkommenden erotischen Gedanken und seinem Gefangensein in einem Land der Verlogenheit und des Verfalls. Wie alle guten Ermittler ist er Einzelkämpfer, der einzig Aufrechte unter lauter moralisch Deformierten, ein Antiheld, gedemütigt und getreten von den Frauen, seinen Vorgesetzten und seinem eigenen Minderwertigkeitsgefühl. Den Fall kann er lösen, dieser liebenswerte Martin Wegener, das Dilemma, in dem er am Ende des Romans sprichwörtlich steckt, verletzt, gebeutelt und geschlagen, das Dilemma des Unrechtstaates, dessen Schachfigur er ist, bleibt gleichwohl bestehen. In diesem Unrechtsstaat wird die Arbeit des Ermittlers von unsichtbaren Strippenziehern vorausbestimmt, offizielle Geheimniskrämerei verhindert lückenlöse Einsicht in wahren Strukturen. Das Schlimmste dabei: die omnipräsente Bespitzelungs- und Verstellungsmentalität. Wegener kann niemandem trauen, jeder kann sich jederzeit für jemand anderes ausgeben, als er wirklich ist. Dabei sehnt er sich so sehr nach Vertrauen, der radikalen Wahrheit in radikalen Zeiten. Seine Hoffnung bleibt, zumindest in diesem Roman, unerfüllt.
Was zuweilen stört, ist der Wille zum unbedingten Komischsein. So wirken fast alle Dialoge wie geradewegs aus einer amerikanischen Sitcom eingeflogen. Das hat der Roman nicht nötig, er ist auch ohne diesen Schlagfertigkeitszwang seiner Figuren ausreichend witzig und prickelnd.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wäre wenn ..., 18. Januar 2012
Von 
Marius (Augsburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Was wäre wenn? Wie oft hat sich nicht jeder von uns die Frage gestellt - Ja was wäre eigentlich, wenn '? Schon oft wurde diese Frage auch in der (Kriminal-)literatur erörtert, man erinnere sich nur an den großartigen Wurf von Robert Harris' 'Vaterland' in dem er sich die Frage stellte: 'Was wäre eigentlich, wenn Hitler den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte?'
Dieser Tage ist ein Werk erschienen, das manchen krimiaffinen Leser stark an Harris' Fiktion denken lässt. Diesmal heißt das Reich, das in Simon Urbans 'Plan D' tapfer weiterbestehen darf, DDR und ist auch im Jahre 2011 trotz Maueröffnung in den Neunzigern immer noch nicht am Ende. Egon Krenz darf den sozialistischen Staat weiterregieren und nach einer kurzen Tauphase, in der die Mauer in nach 1989 offenstand und alles möglich schien, wurde die Grenze vom SED-Regime wieder dichtgemacht, als sich die Bevölkerung auf erschreckende Weise in den Westen verflüchtigte. Nun stehen im Oktober 2011 Sondierungsgespräche zwischen den beiden deutschen Teilstaaten an, bei denen es, wie sollte es anders sein, um die Energieversorgung des Westens geht. Zwar heißt der Mann an der Spitze der BRD inzwischen Oskar Lafontaine (sic!), doch die Probleme in den beiden Staaten sind dieselben: Der Osten braucht Geld und hat dafür eine Gaspipeline aus Russland, der Bruderstaat braucht das Gas und hat das Geld. Man scheint sich bereits handelseinig und erneut hat sich politisches Tauwetter angekündigt, das eine weitere Annäherung der Bruderstaaten in greifbare Nähe rücken lässt, da kommt nun, wenige Tage vor den wohl wichtigsten Verhandlungen in der Geschichte der beiden Staaten, eine delikate Angelegenheit natürlich denkbar schlecht daher.

An der besagten Gaspipeline wird eine erhängte Leiche aus dem Politbüro von Egon Krenz entdeckt, ein ehemaliger Berater, der damals zur Zeit der Grenzöffnung in den Neunzigern mit dem sanften Wandel des sozialistischen Staates betraut war. Der geschasste Kommissar wird nun mit der Aufklärung dieses offensichtlich von ehemaligen Stasi-Kadern durchgeführten Mordes beauftragt, ein Himmelfahrtskommando par Excellence: Beide Staaten sind an der raschen Aufklärung des Mordes interessiert, doch die Stasi sollte mit der Angelegenheit natürlich nicht in Verbindung gebracht werden, da dies die Annäherung von BRD und DDR um Jahre zurückwerfen würde. Um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, werden Wegener schon bald ein Partnerermittler aus Westberlin und ein BND-Agent zur Seite gestellt, die zusammen diese unappetitliche Geschichte rasch und lückenlos aufklären und einen Sündenbock für den Mord finden sollen. Doch wo auch Wegener überall forscht und ermittelt, stets rennt er mit seinen Partner gegen verschlossene Türen, da die Stasi mauert und keiner an der richtigen Aufklärung des Pipeline-Mordes interessiert scheint.

Erste Spuren führen zu einem westdeutschen Solarunternehmen, das natürlich keineswegs an einer Gaspipeline aus Russland Interesse hegt, alten sozialistischen Kadern und zu einer Doppelexistenz des Toten, der sich offenbar jahrelang als Gärtner im DDR-Regierungsviertel verdingte. Doch trotz aller Hinweise und Fakten drehen sich die Ermittler im Kreis und es scheint, als würde die Leiche auf ewig ihre Geheimnisse behalten '

Müsste ich meinen Kriminalroman des Jahres wählen, wäre dies wohl momentan der heißeste Anwärter (in der Kategorie National hätte er den Preis bereits errungen)! Selten stößt man in der Literatur auf ein derart schlüssiges, fesselndes und komplexes Bild, das ein Autor zu zeichnen vermag.
Man kann diesen Roman als vieles Lesen: Sozialistische Utopie, Kriminalroman oder Dramödie, Urban bietet in seinem Erstling wohlgemerkt ein faszinierendes, schlüssiges und auch beängstigendes Denkgebäude auf, dass da anfängt, wo die DDR aufhörte. Die Einfälle, mit denen der Berliner seine Fiktion würzt, sind hervorragend und wirklich humorvoll und zu viele, um sie hier aufzuzählen. Es seien an dieser Stelle nur genannt: Wolfgang Lippert moderiert weiterhin 'Wetten, dass '?', eine Physiknobelpreisträgerin Angela Kasner bewirbt den volkseigenen Phobos, eine Trabant-Weiterentwicklung die mit Frittierfett läuft, im angesagten Club 'Molotow' wird an der BIONIER-Brause genuckelt und Sahra Wagenknecht wird Filmstar. Doch all diese Ideensprengsel sind nur minimales, schmückendes Beiwerk, denn Urban lässt sich nicht von seiner Fiktion alleine tragen, das Grundgerüst ist die Kriminalhandlung rund um die Geheimnisse des erhängten ehemaligen Krenz-Beraters, und diese ist ihm wirklich ausnehmend gut gelungen.
Zu rühmen ist auch die Dialogkunst Urbans, die für mich zum Besten zählt, was momentan auf dem Markt zu kaufen ist und sich nach meinem Dafürhalten auch mit Meistern wie Richard Price messen lassen kann. Die Wortgefechte sind auf den Punkt und zeigen einen verbitterten und desillusionierten Cop Martin Wegener, der vom System um seine Karriere und seine private Existenz gebracht wurde und nun zum Zyniker geworden ist. Mag man auch der ständigen Reflektionen Wegeners über das System, seine Liebe und die dauernden sexuellen Ablenkungen irgendwann überdrüssig sein, sie sind nur konsequent und zeichnen das glaubwürdige Portrait eines Mannes, der nur noch raus aus dieser Tretmühle Sozialismus will.

Neben den scharf und nuanciert gezeichneten Charakteren kommt bei diesem Roman alles zusammen, was zusammen kommen muss, um eine herausragende Lektüre zu werden. Schlüssig fügt sich Puzzleteilchen an Puzzleteilchen und am Ende entsteht das Bild eines komplexen aber nie komplizierten Falles, der gekonnt den Bogen vom Anfang zum Ende spannt. Ein Roman, der für mich so hoch wie der Berliner Fernsehturm auf dem Cover über die kriminalliterarische Dutzendware von Serienkillern, depressiven Pathologen und anderen Belanglosigkeiten hinausragt - So muss ein Kriminalroman der Extraklasse sein und so ist es Simon Urbans 'Plan D' auch!
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 50 Jahre seit Bau der Berliner Mauer ' und die DDR ist wieder da., 4. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Passend zum 50. Jubiläum des Mauerbaus spielt der Autor in "Plan D" mit der Frage: Was wäre, wenn die DDR noch heute existieren würde? Und zeichnet das Bild eines nach Frittierfett stinkenden, Stasi-kontrollierten, einerseits armen und heruntergekommenen, gleichzeitig aber hochtechnologischen Staates, der um seine Existenz kämpft.

In dieser "Zukunfts-DDR" wird der Volkspolizist Wegener mit der Aufklärung eines Mordfalls beauftragt: ein ehemaliger Berater von Egon Krenz ist an einer Gas-Pipeline erhängt aufgefunden worden. Alles deutet darauf hin, dass die Stasi ihre Finger im Spiel hatte - eine Tatsache, die das Land um wichtige Wirtschaftsabkommen bringen und die Staatspleite zur Folge haben könnte.
Der Westen fordert volle Aufklärung, der Osten gezieltes Wegschauen und Martin Wegener muss sich entscheiden: entweder sein bequemes, sicheres Leben im Stasi-Staat weiterführen oder nach der Wahrheit hinter der Fassade der DDR suchen, die ihn schon seit Jahren beschäftigt.

Der Autor schafft eine fiktionale Welt, die durch eine gelungene Mischung aus Fakten, Phantasie und Liebe zum Detail doch glaubwürdig und stimmig wirkt.
Die Charaktere entpuppen sich im Laufe der Handlung als immer vielschichtiger und undurchsichtiger, so dass man als Leser die Erfahrungen des Kommissar Wegener teilt: Man ist nicht mehr sicher, wer Freund ist und wer Spitzel.
Während man sich selbst in den unterschiedlichsten Vermutungen und Verdächtigungen verstrickt, behält der Autor die Fäden fest in der Hand und bringt den Fall zu einem logischen, konsequenten und zugleich absolut überraschenden Ende.

Trotz über 500 Seiten und der bildhaften, manchmal verspielten und oft mit Ironie gespickten Sprache ist der Roman doch gut und flüssig zu lesen. Ich selbst habe es in 3 Tagen geschafft, denn einmal in die Handlung hineingeraten will man - genau wie der Kommissar Martin Wegener - unbedingt die Hintergründe des Mordfalles aufdecken. Alle Daumen hoch für dieses vielseitige, fesselnde Romandebut!
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schade! Grandiose Idee zerschrieben, 18. Februar 2012
Von 
Frank Zillmann (Lampertheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Den Inhalt des Romans muss ich nicht wiedergeben, das haben viele Rezensenten bereits vor mir getan.
Nur soviel: Ich habe mich leider überwiegend durch das Buch gequält.
Dabei ist die eigentliche Story absolut brilliant, angereichert mit vielen feinen Details und guten Ideen. Da verzeihe ich dem Autor gerne kleine Schönheitsfehler wie Moabit in Ostberlin oder eine sich drehende Fernsehturmkugel, etc. Selbst die teilweise pornographisch anmutenden Szenen würde ich hinnehmen, vielleicht sind diese dem Zeitgeist geschuldet.
Was mir aber völlig missfällt, ist der Schreibstil: Seitenweise psychoanalytische Nabelschauen, gesetzt in überlange Schachtelsätze oft über eine halbe Seite, bei denen ich am Ende nicht mehr wusste, wie der Satz eigentlich begonnen hatte. Zielführend im Sinne der Story war das nicht, scheint mir. Und dann diese seltsam gekünstelte, verquaste Ausdrucksweise! Soll dem Leser damit ein intellektueller Anspruch vermittelt werden?
Mich hat das am Ende nur genervt, und ich war froh, als ich das Buch ausgelesen hatte.
Schade! Was hätte aus dieser Idee werden können, wenn Herr Urban diese einem fähigen Autor überlassen hätte!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Krimi, mehr nicht, 15. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Nicht wenige Kritiker vergleichen "Plan D" mit der "Blechtrommel" von Günter Grass, was völlig überzogen ist. Weder ist dieser Roman ein historisch bedeutendes Werk wie "Die Blechtrommel", noch reicht Urbans Sprache an die literarische Kunst eines Günter Grass heran. Im Gegenteil, der Autor hat einen Sprachpilz gezüchtet, der die Geschichte über weite Strecken zu ersticken droht und die Handlung unnötig streckt. Vor allem im mittleren Teil blähen die inneren Monologe der Hauptfigur den Text auf und bremsen die Story aus. Statt der 550 Seiten hätten auch 400 genügt, um den Mörder zu entlarven. Zudem merkt man dem Buch an, dass sein Verfasser nie in einer Diktatur gelebt hat. Es fehlt die biographische Resonanz, die man bei DDR-Autoren gemeinhin zwischen den Zeilen liest und die den Geschichten ihre historische Glaubwürdigkeit verleiht. Bei Urban hat man an keiner einzigen Stelle den Eindruck, dass er ähnliche Erfahrungen machen musste, seine Ausführungen zu diesem Thema sind Second-Hand-Ware, also recherchiert. Das ist nicht schlimm, reicht aber nicht für einen diktaturkritischen Roman. Wer sich für echte DDR-Literatur interessiert, sollte daher lieber zu Walter Kempowskis "Tadellöser & Wolff" und Uwe Tellkamps "Der Turm" greifen.
Wenn wir es hier also entgegen der Meinung vieler Experten nicht mit einem politischen Roman zu tun haben, was ist "Plan D" dann eigentlich? Ganz einfach: ein guter Krimi. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein Mordfall mit origineller Grundidee, dessen Lösung spannend ist und sich trotz der oben genannten Schwächen zu lesen lohnt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial, verwirrend und ideenreich!, 24. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Kindle Edition)
Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen: die DDR existiert wieder! Im wiederbelebten real existierenden Sozialismus geschieht ein Mord, zu dessen Aufklärung Ost und West zusammenarbeiten müssen. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Sprachlich flüssig und eloquent! Bestens zu empfehlen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grenzen wieder zu, DDR fully reloaded!, 21. Juli 2013
Von 
Rhyskant (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Audio CD)
Nur kurz währte die Grenzdurchlässigkeit, zur Wiedervereinigung kam es nicht, die DDR wiederbelebte sich selbst. Über 20 Jahre später stehen wichtige Energieabkommen zwischen der DDR und der BRD und Konsultationsgespräche zwecks Wiedervereinigung bzw. Integration der DDR in die westliche Gemeinschaft an. Diese drohen zu scheitern, weil ein alter Mann mit geheimer Vita nach einer Rechtsstaatlichkeit entgegenstehenden Stasi-Methode in Ostberlin ermordet wird. Der Vopo-Hauptmann, mich irgendwie an den Tatort-Kommissar Steier erinnernde Wegener bekommt im Zuge der Aufklärung zwecks Rettung der Gespräche den BRD-Top-Ermittler Brendel und dessen Begleiter, den BND-Mann Kayser beigestellt. Die Stasi kocht ihr Süppchen mit, eine DDR- feindlich gesonnene Gruppe ebenfalls. Auf verqueren Pfaden führt der Autor den Leser zur späten Aufklärung und zu einem offenen Ende, was das weitere zwischen den Staaten angeht. So weit bzw. so knapp zur Story.

Keine schlechte Ausgangsidee des Autors, dem mit Wegener eine innerlich zerfetzte, gleichwohl nicht unsympathische Hauptfigur gelingt, die im Dunkeln tappend dort auch von der Stasi lange gehalten wird. Gelungen auch die Zustandsbeschreibung der DDR, wer vor dem Mauerfall mal "drüben" war, wird an alte Erlebnisse und Eindrücke erinnert. Krass, trotzdem in memorian treffend gezeichnet ist auch der Kontrast zwischen dem Haben und Auftreten Wessi/Ossi. Leider etwas langatmig, dieser auch ideologisch aufklärende Ausflug ins fiktive Ostberliner Ermittlermilieu; und mir ist das zum Teil an Bukowski erinnernde Sprachniveau an mancher Stelle auch als übertrieben derb negativ aufgestoßen.

Zusammenfassend: meinerseits keine klare Empfehlung, ein Buch, das ich mit Geschmackssache bewerte.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwiespältig, zwiespältig, ..., aber gut ..., 21. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Selten habe ich ein so zwiespältiges Buch gelesen. Hingerissen zwischen sprachlicher Brillanz, Geschwätzigkeit und faszinierender bis unglaubwürdiger Geschichte. Aber der Reihe nach.

Simon Urban, Jahrgang 1975 studierte Germanistik in Münster und genoss eine Ausbildung an der Texterschmiede Hamburg. Zudem studierte er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.
In Interviews spricht er von der Faszination, die in Deutschland leider immer noch verhaftete Tradition von ernsthafter (E) Literatur und unterhaltender (U) Literatur aufzubrechen. Und satirische Züge sind seinem Debüt "Plan D" unbedingt zuzusprechen. Ein sehr lesenswertes Interview finden Sie übrigens bei [...]

Für seine Texte erhielt er zahlreiche Preise. Er lebt im Norden Deutschlands und arbeitet bei einer Werbeagentur.

Zum Buch:

Die Grundannahme: die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, die DDR existiert noch und steht wirtschaftlich am Abgrund. Die letzten Hoffnungen werden in wirtschaftliche Konsultationen gesetzt, in denen die DDR als Transitland für das benötigte Gas Westdeutschlands unter Bundeskanzler Lafontaine herhalten soll.
Dann wird ein ehemaliger Regierungsberater ausgerechnet an einer der Pipelines aufgefunden und alles weist auf eine Verstrickung der Stasi hin. Die Konsultationen drohen zu scheitern und die Ermittlung beginnt.
Martin Wegener und zwei Kollegen von westdeutschen Geheimdiensten beginnen zu ermitteln. Dabei können sie niemandem trauen.

Die Spuren führen in verschiedenste Richtungen: zu westdeutschen Solarunternehmen, alten sozialistischen Kadern, der Stasi und zu einer im Untergrund arbeitenden Widerstandsorganisation. Zudem tritt ein Doppelleben des Toten zu Tage, der jahrelang als Gärtner in der Nähe der DDR-Politik tätig war.

Aus meiner Sicht sollte man den historischen Anspruch nicht zu hoch hängen. Aber es bleibt nicht verboten, sich einmal daran zu versuchen, die Bezüge zur heutigen Zeit herstellen. Die Menschen träumen von einer anderen Gesellschaftsform, wie sie in unseren aktuellen, vom liberalen Denken bestimmten Zeiten, ruhig auch mal geträumt werden darf.

Neben aktuellen Themen, wie der Energiewende, kommt auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. Und gerade das gibt Romanen ja ihre Faszination. Ob es sich um die Liebe dreht oder Gefühle, die durch jahreslanges Bespitzeln und Misstrauen ausgelöst werden können.

Den ermittelnden Kommissar empfand ich nicht als letzten Aufrechten mit moralischen Ansprüchen. Auch er macht sich im Laufe des Buches schuldig. Sicherlich ist es kein neuer Typus eines ermittelnden Beamten, aber er hat sich aus seinem eigenen Lebenslauf heraus entwickelt. Und das macht die Stärke der Charaktere in diesem Buch aus. Gut, ein paar Schablonen mussten sein, aber die Hauptdarsteller sind allesamt fein herausgearbeitet worden.

Ganz nebenbei hat Simon Urban tolle Produkte ins Leben gerufen: die DDR stellt Top-Handys her, die Potenzmittel heißen "Aufrecht" und ein Getränk nennt sich "Bionier-Brause". An vielen Stellen schimmern Ironie und Sarkasmus durch.

An einigen Stellen empfand ich den Roman aber überdreht. Das war dann zu viel des Guten. Ob Innenansichten der Hauptdarsteller oder Beschreibungen diverser Orte - wenn dieselben Dinge zum dritten, vierten oder fünften Mal hintereinander beschrieben werden, dann reicht es. Jede einzelne dieser Beschreibungen ist lesenswert, drücken aber leider allesamt dasselbe aus.

Zudem ist mir ab der guten Mitte des Buches ein Handlungsbruch aufgefallen. Bis dahin konnte Simon Urban noch die Balance zwischen Handlung und Innenansicht der Charaktere halten, dann wurde es schwierig. Die Handlung tröpfelte nur noch vor sich hin. Seine Stärken hat er immer dann ausgespielt, wenn die Handlung wieder vorankam. Die langen Früchtl-Dialoge (oder eher Monologe?) waren mir dann auch irgendwann zu viel.

Fazit für mich: ein tolles, zwiespältiges Buch, das einige Kürzungen vertragen hätte. Viele Denkanstöße, teils großartiger Humor und eine faszinierende Idee. Aber machen Sie sich selbst ein Bild davon. Es kann sich lohnen.

Zur Wertung:

Originalität: ****
Charakterzeichnung: *****
Handlung: ***
Sprache: ****
Humor: **
Gesamtwertung: 4 / 5
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herausragendes Debut, 21. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Wie kann ein 1975 geborener Wessi einen Roman schreiben, der in der DDR spielt? Nun, er verlagert das Geschehen in eine fiktive Gegenwart, in der die DDR nach einer kurzzeitigen Maueröffnung "wiederbelebt" wurde - die DDR wurde erneut abgeriegelt, um weitere Abwanderung zu stoppen.

Was an Urbans Debut vielleicht am meisten beeindruckt, ist die überaus detailreiche Ausgestaltung dieser fiktiven Gegenwarts-DDR: Man isst Fleischbrötchen namens "Wart-Burger" und trinkt "Bionier-Brause", während im Radio Jan "Schmuso" Hermann seinen bescheuerten Schlager "Fraglos, die Zeit hasst die Liebe" säuselt (den man sich auf der Website des Autoren tatsächlich anhören kann!). Der Trabant-Nachfolger wird mit Rapsöl betrieben und heißt "Phobos", was der Name eines Marsmondes ist, d.h. "ein Trabant des roten Planeten". Dies ist keine endliche Roman-Welt, sondern eine komplexe Alternativ-Realität, die auch außerhalb des Blickfelds von Urbans Held, Vopo-Hauptmann Martin Wegener, und über den Roman hinaus weiter zu existieren scheint.

Plan D hat auch ein paar Schwächen: Der Roman hat gut 50 Seiten "Speck"; einige Passagen sind - obwohl sprachlich brillant - deutlich zu lang geraten. Außerdem werden die Charaktere m.E. nicht ausreichend in ihrer Ausdrucksweise differenziert - alle scheinen denselben Humor und denselben Spaß an Vulgaritäten zu haben. Urbans Romanheld Wegener wirkt für einen einfachen Ermittler vielleicht auch ein bisschen zu belesen und universitär vorbelastet.

Dennoch, alleine Simon Urbans Ideenreichtum und sein kunstvoller Umgang mit der deutschen Sprache rechtfertigen die volle Punktzahl. Plan D ist der beste Roman, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.

P.S. Lob verdienen auch die Typografie und die Buchgestaltung mit einem wirklich tollen Cover.

P.P.S. Wäre ich Filmproduzent, würde ich augenblicklich die Filmrechte erwerben.
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Plan D
Plan D von Simon Urban (Gebundene Ausgabe - 8. August 2011)
EUR 24,95
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