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am 1. August 2010
Juan Gabriel Vasquez thematisiert in "Die Informanten" eine in Europa weitgehend unbekannte Facette des 2. Weltkrieges: Die in einigen südamerikanischen Ländern erfolgte, durch die Gesandschaften der USA initiierte Verfolgung und Internierung von Personen, denen Kontakte zu den Achsenmächten nachgesagt worden waren. Mit Hilfe eines Informantennetzes erstellte die US Gesandschaft in Kolumbien eine schwarze Liste mit verdächtigen Personen, deren Vermögen eingefroren wurde und die wenig später in Internierungslagern festgesetzt worden sind. Im Mittelpunkt von Vasquez Roman steht ein solches Schicksal: Enrique Deresser wird denunziert und wenig später interniert. Er verliert seine wirtschaftliche Existenz, seine Frau verläßt ihn, sein Sohn taucht unter. Kurze Zeit nach seiner Freilassung nimmt sich Deresser das Leben. Jahrzehnte später stößt der Journalist Gabriel Santoro auf das Schicksal Deressers, dessen Sohn mit Santoros Vater, einem angesehenen Rethorik-Professor, zu dessen Jugendzeiten befreundet gewesen war. Was hat sich damals wirklich abgespielt und welche Rolle hat Santoro Senior gespielt? Warum ist Santoro Senior so erboßt über die Idee des Sohnes, einen Roman über die damalige Zeit zu veröffentlichen?

Vasquenz entspinnt ein komplexes Beziehungsgeflecht. "Die Informanten" ist aus verschiedenen Erzählkonstrukten zusammengesetzt: Santoro Junior arbeitet selber an einem Buch über die damaligen Geschehnisse, so dass der Leser die Entstehung dieses Buches im Buch mitverfolgt und anhand Gesprächen mit der Freundin des Vaters, aus einem Interview mit der Geliebten und schließlich durch ein Treffen mit dem Sohn des Denunzierten die Details der damaligen Geschehnisse erfährt.

"Die Informanten" ist nicht nur thematisch spannend, sondern auch abwechslungsreich geschrieben. Wie Wasser, das sich langsam zurückzieht und den Grund freilegt, gibt der Roman nach und nach den Blick frei auf die Dramatik der Ereignisse, in deren Kern die Verführbarkeit eines jungen Menschen mehrere Leben zerstört hatte.

Eine Anmerkung für zukünftige Leser von "Die Informanten": Es ist empfehlenswert, das Nachwort des Autors bereits zu Beginn zu lesen, da einige Hintergründe zur historischen Einordnung geliefert werden, die europäischen Lesern, die mit der Geschichte Kolumbiens nicht vertraut sind, so nicht bekannt sein dürften und für das Verständnis des Romans wichtig sind.
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am 26. Januar 2012
Der junge Autor Gabriel Santoro veröffentlicht ein Buch über eine alte Familienfreundin. Sara Gutmann mußte als Kind mit ihren Eltern aus Deutschland fliehen und fand in Kolumbien nur schwer eine zweite Heimat. Über diese leidvollen Erfahrungen schreibt Gabriel. Von seinem Vater, ein bekannter Rhetorikprofessor, erwartet er Unterstützung, statt dessen veröffentlicht dieser einen Veriß. Erst Jahre später findet die beiden vorsichtig zueinander. Und erst nach dem Tod seines Vater lernt Gabriel die Beweggründe seines Vaters kennen, ein schmerzhafter Prozess setzt ein, denn Gabriel muss das Bild, das er von seinem Vater hatte, vollkommen revidieren. Indem er die Geschichte seines Vaters erforscht, begibt er sich auch in die Geschichte seines Landes. Im Mittelpunkt des Romans steht die deutsche Gemeinde während des Zweiten Weltkrieges. Da man die Deutschen des Landes pauschal der Sympathien mit den Nationalsozialisten verdächtigte (in der Tat waren viele Anhänger des "neuen Deutschlands"), waren viele Deutsche Repressionen ausgestzt. Schon durch eine Kleinigkeit konnte man auf eine "schwarze Liste" gesetzt werden, was faktisch das Ende der bürgerlichen Existenz bedeutete. Besitztümer wurden konfisziert und Freunde mieden den Kontakt, aus Angst ebenfalls als Nazi aufzufallen.
Juan Gabriel Vásquez ist ein wirklich hinreißender Roman gelungen, sprachlich von raffinierter Schlichtheit verbindet er viele große Themen des Lebens: Vater-Sohn-Konflikte, die Frage nach Identitäten und der Rolle, die die Vergangenheit im eigenen Leben spielt, Freundschaft und Verrat. Die verschiedenen Ebenen des Romans werden dabei kunstvoll verschlungen. Hervorzuheben ist auch die feine Übersetzung von Susanne Lange, die mit mehreren Übersetzerpreisen ausgezeichnet wurde.
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Es ist ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte Kolumbiens. Im Jahre 1941 schloss dieses lateinamerikanische Land im Kampf gegen die Achsenmächte mit den USA ein Geheimabkommen. Eine "Schwarze Liste" wurden eingeführt. Wer auf dieser Liste stand, deutsche Juden und deutsche Nazis, wurde auf Grund von Denunziationen, von Vorurteilen und Gerüchten interniert, zum Verlust der bürgerlichen Existenz verurteilt.

Das ist der Stoff, aus dem der 37-jährige kolumbianische Autor Juan Gabriel Vásquez einen aufregenden, einen faszinierenden Roman, eine Geschichte über die Schattenjahre in Kolumbien, gemacht hat. Ein Buch über einen Verrat und seine Folgen, über die schreckliche "Tortur der Listen", über menschliche Schicksale und eine besondere Vater-Sohn-Beziehung. Darüber schreibt er sozusagen einen Roman in einem Roman - in vier Kapiteln mit den programmatischen Titeln: "Das unvollendete Leben", "Das zweite Leben", "Das Leben gemäß Sara Guterman" und "Das geerbte Leben" sowie ein Nachwort.

"Ein Leben im Exil" heißt das Buch, das der jungen Journalist Gabriel Santoro veröffentlicht hat. Eher eine Chronik, die auf Gesprächen mit der aus Deutschland geflohenen Jüdin Sara Guterman, einer Freundin der Familie Santoro, beruht. Das Buch wird überaus gelobt, nur der Vater des Autors, ein angesehener Jurist und Rhetorikprofessor, schreibt einen fatalen Verriss. Sein Urteil über das Buch des Sohnes: "Das ganze Buch deutet auf mich. Es ist ein Buch über das Leben der Deutschen und was die Deutschen während des Krieges durchgemacht haben. Ich bin ein Teil davon... das Buch ist ein Attentat gegen mich." Dieser sich daraus ergebende Vater-Sohn-Konflikt nimmt dramatische Formen an und birgt ein dunkles Geheimnis. Das Buch, das uns jetzt vorliegt, ist sozusagen die "Fortsetzung" des Buchs im Roman. Und sein Autor damit ein "Testamentsvollstrecker".

Raffiniert verknüpft der Autor die Geschicke der handelnden Figuren zu einem einzigartigen Tableau realer und fiktiver Geschehnisse. Denn einst waren sie Freunde, Gabriel Santoro sen., Enrique Deresser und Sara Gutermann - bis es zu einem unheilbaren Bruch kommt. Enriques Vater Konrad steht plötzlich auf der "Liste", wird in das berüchtigte Hotel Sabaneta interniert - mit unsagbaren Folgen für Leib und schließlich Leben. In welchem Zusammenhang mit Santoro sen. steht diese Internierung? Verrat, Denunziation? Der Vater war an der Erstellung der Listen maßgeblich beteiligt. Nicht nur Konflikte und Abhängigkeiten zwischen den Menschen mit ihren Albträumen und Ängsten, auch moralische Verantwortung, Schuld und Sühne stehen jetzt in der Diskussion. Den Kampf mit den Schatten der Erinnerung kämpfen alle, aber aus verschiedenen Perspektiven. Auch die Opfer. Ihre Leiden sind unermesslich bis hin zu Selbstauslöschung.

Juan Gabriel Vásquez hat eine ausgewogene Darstellung dieser vielschichtigen Problematik gefunden. Der Schriftsteller, den man mittlerweile mit Garcia Márquez und Vargas Llosa - er bezeichnet Vásquez als "eine der originellsten neuen Stimmen der lateinamerikanischen Literatur" - vergleicht, hat einen äußerst komplexen, kunstvoll konstruierten, einen meisterhaften Roman in einer sehr geschmeidigen Prosa geschrieben.
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am 17. Juli 2014
Neugierig an der kolumbianischen Vergangenheit beginnt Gabriel Santoro (jun.) in der Erinnerung Sara Gutermans zu forschen. Diese Erinnerung ist keine gewöhnliche - nicht für uns, dennoch für viele, denen wie Sara und ihrer Familie 1938 eine Flucht aus Deutschland nach Kolumbien gelang. Dort angekommen, haben sie sich ein neues Leben aufgebaut, mit neuer Religion, neuem Gewerbe und einer neuen Vergangenheit. Dieser Vergangenheit fühlt der junge Autor Gabriel auf den Zahn.

Doch auch Gabriels Vater - Gabriel Santoro (sen.) - ist in diese Geschichte verwickelt - in die Geschichte um den Verrat, die Inhaftierung und den Selbstmord des Vater seines besten Freundes Enrique Deresser - in die Geschehnisse um die deutschen Einwanderer, unter ihnen Juden wie Nazis - in die Gewichtung der schwarzen Liste und jene der Informanten, die diese Liste erst ermöglichten.

"Ich weiß es, weil das System der schwarzen Listen den Schwachen zu Macht verhalf, und die Schwachen sind die Mehrheit. So war das Leben während jener Zeit: eine Diktatur der Schwäche." S73

Vasquez schachtelt in seinem äußerst gelungenen Roman über Exildeutsche in Kolumbien, über den verlängerten Arm des "Nazismus" in Südamerika und eine Vater-Sohn Beziehung, zwei fiktive Romane des kolumbianischen Jungautors ineinander. Beide Romane decken auf - einerseits "Das Leben im Exil" die Flucht und den Neubeginn der jüdischen Familie Guterman und andererseits "Die Informanten" die mit dem ersten Roman verbundene Entlarvung des Verrates durch den eigenen Vater. Die Nachschrift nach beiden Romanen wird ein weiteres Mal Klarheit in die Geschichte bringen.

"Gibt es etwas, was ich mit Sicherheit weiß? Gibt es etwas im Leben meines Vaters, was nur eine Seite hat?" S371

Überaus beeindruckend setzt Vasquez seine Charaktere ins Bild. Oft sehr rasch und spontan lässt er ihre Perspektiven zu Wort kommen - zumal in Reden, Briefen oder gedruckten Interviews - das schafft Fluss, Spannung und Lebendigkeit! Darüber hinaus beherrscht er es auch, seiner Handlung durch gehaltvolle, bestechende Sprache besondere Anziehungskraft zu verleihen - und die fabelhafte Übersetzung von Susanne Lange festigt diese!
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am 19. Februar 2010
Gabriel Santoro weiß, dass sein Beruf - Journalist - von seinem Vater nicht ernst genommen wird. Dennoch hat der Sohn nicht mit der Reaktion des Vaters gerechnet, als er diesem ein Exemplar seines ersten Buchs schenkt: Der Vater überwindet seine Aversion gegenüber den Massenmedien und verfasst eine Rezension zum Buch - einen bitterbösen Verriss.
Für das Buch hat Gabriel die Jugendfreundin seines Vaters, Sara Guterman, interviewt und ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. Sara war 1938 mit ihrer jüdischen Familie aus Deutschland nach Kolumbien geflohen, und ihr Vater hatte dort ein Hotel eröffnet. Sara lernte dort viele interessante Persönlichkeiten kennen, unter anderem den damals jungen Santoro senior.
Sara erzählte dem Sohn ihres Jugendfreundes auch von der "Schwarzen Liste", die in enger Kooperation mit den USA geführt wurde und Menschen mit Nationalitäten aus den Achsenmächten enthielt, die verdächtigt wurden, eine nationalistische Gesinnung und somit eine USA-feindliche Einstellung zu haben. Mit diesen Listen wurde durchaus Missbrauch getrieben. Repressalien, Freiheits- und Vermögensentzug waren die Folge. Zu den Opfern gehörte auch Deutscher aus Santoro seniors und Saras Freundeskreis.
Erst nach dem Unfalltod des Vaters und den Enthüllungen von dessen letzter Geliebter begreift der junge Gabriel, dass sein Vater, sonst lebenslang ein Moralist, Teil dieser Machenschaften war und deshalb so aggressiv auf das Buch reagiert hat. Er muss ein zweites Buch schreiben ...
Trefflich ausgedacht und doch an wahren Ereignissen ausgerichtet, unerbittlich und dabei einfühlsam, kritisch ohne schlichtes Aburteilen lässt Juan Gabriel Vásquez ein düsteres Kapitel der Geschichte in seiner südamerikanischen Ausprägung auferstehen: ein packender Roman, eine schmerzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Verrat.
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am 15. März 2010
"Die Informanten", Juan Gabriel Vásquezs Romandebüt aus 2004, beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der Geschichte Kolumbiens.
1941 schließt Kolumbien mit den USA ein geheimes Abkommen, dass eine schwarze Liste zur Folge hatte, eine Liste, auf der jeder Deutsche oder deutschstämmige Kolumbianer, oder auch jeder Kolumbianer, der mit Deutschen in Verbindung stand landen konnte. Es reichte oft, von sogenannten Informanten denunziert zu werden. Diese auf der Liste stehenden Personen wurden (teilweise bis 1946) interniert, während die kolumbianische Regierung die Konten der Listenopfer einfror und zur Bezahlung für die Internierung konfiszierte. Dass gesellschaftliche Missachtung und berufliche Misserfolge folgten, liegt auf der Hand.

Gabriel Santoro, der Erzähler dieses Romans, hat ein Buch über eine alte Freundin der Familie, Sara Guterman, die mit ihrer Familie als kleines Mädchen aus Nazideutschland nach Kolumbien geflüchtet war geschrieben. Dieses Buch schenkt er freudig stolz seinem Vater, Gabriel Santoro (sen.), der es, ohne es dem Sohn persönlich zu erklären, mit einer vernichtenden öffentlichen Kritik versieht.

Jahre später, auf Grund einer Herzoperation des Vaters, kommen sich Vater und Sohn wieder langsam näher, während der Vater seinem Sohn und Sara Guterman gegenüber erwähnt, dass er eine Freundin habe, mit der er über die Weihnachts- und Neujahrstage wegfahren werde.
Als der Vater in einer unerklärlichen Nachtfahrt tödlich verunglückt, beginnt sich das Rad der Geschichtsaufrollung rasant zu drehen, sodass sich Gabriel Santoro junior rasch den Tatsachen stellen muss, dass sein Vater während der dunklen Jahre 1941 - 1946 eine unrühmliche Rolle gespielt hatte, die eine befreundete Familie zerstört hat.

Gabriel Santoro beginnt nun an der Niederschrift eines weiteren Buchs mit dem Titel "Die Informanten", dass den zweiten Teil des Romans bestimmt. Ein Buch, dass die Umstände der Denunziation von Konrad Deresser und seinem, aus der gesellschaftlichen und privaten Nichtachtung heraus resultierendem Selbstmord reflektiert und sich mit zahlreichen Vermutungen dem möglichen Verbleib von Konrad Deressers Sohn, Enrique Deresser, dem ehemaligen Freund des Vaters von Gabriel Santoro widmet.

Juan Gabriel Vásquezs Prosa ist eloquent und mitreißend, erinnert in der Verwendung von Erzählperspektive und der konsequenten Aufdeckung eines lange gehüteten Geheimnisses mitunter, wie auch der Aufbau des Romans, teilweise sehr an Paul Auster. Beeindruckend, wie Juan Gabriel Vásquez mit der Frage der Schuld, des Verzeihens und des Vergessens umgeht. Der 1973 in Bogotá geborene Autor schafft es, originelle Stimmungen zu erzeugen, seelische Abgründe zu durchleuchten und eine konsequente Steigerung der Spannung bis zum Ende des Romans durchzuziehen, die den Leser nie los lässt und wie fast alles in diesem Roman sehr überzeugend ist.
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am 28. März 2010
Neugierig an der kolumbianischen Vergangenheit beginnt Gabriel Santoro (jun.) in der Erinnerung Sara Gutermans zu forschen. Diese Erinnerung ist keine gewöhnliche - nicht für uns, dennoch für viele, denen wie Sara und ihrer Familie 1938 eine Flucht aus Deutschland nach Kolumbien gelang. Dort angekommen, haben sie sich ein neues Leben aufgebaut, mit neuer Religion, neuem Gewerbe und einer neuen Vergangenheit. Dieser Vergangenheit fühlt der junge Autor Gabriel auf den Zahn.

Doch auch Gabriels Vater - Gabriel Santoro (sen.) - ist in diese Geschichte verwickelt - in die Geschichte um den Verrat, die Inhaftierung und den Selbstmord des Vater seines besten Freundes Enrique Deresser - in die Geschehnisse um die deutschen Einwanderer, unter ihnen Juden wie Nazis - in die Gewichtung der schwarzen Liste und jene der Informanten, die diese Liste erst ermöglichten.

"Ich weiß es, weil das System der schwarzen Listen den Schwachen zu Macht verhalf, und die Schwachen sind die Mehrheit. So war das Leben während jener Zeit: eine Diktatur der Schwäche." S73

Vasquez schachtelt in seinem äußerst gelungenen Roman über Exildeutsche in Kolumbien, über den verlängerten Arm des "Nazismus" in Südamerika und eine Vater-Sohn Beziehung, zwei fiktive Romane des kolumbianischen Jungautors ineinander. Beide Romane decken auf - einerseits "Das Leben im Exil" die Flucht und den Neubeginn der jüdischen Familie Guterman und andererseits "Die Informanten" die mit dem ersten Roman verbundene Entlarvung des Verrates durch den eigenen Vater. Die Nachschrift nach beiden Romanen wird ein weiteres Mal Klarheit in die Geschichte bringen.

"Gibt es etwas, was ich mit Sicherheit weiß? Gibt es etwas im Leben meines Vaters, was nur eine Seite hat?" S371

Überaus beeindruckend setzt Vasquez seine Charaktere ins Bild. Oft sehr rasch und spontan lässt er ihre Perspektiven zu Wort kommen - zumal in Reden, Briefen oder gedruckten Interviews - das schafft Fluss, Spannung und Lebendigkeit! Darüber hinaus beherrscht er es auch, seiner Handlung durch gehaltvolle, bestechende Sprache besondere Anziehungskraft zu verleihen - und die fabelhafte Übersetzung von Susanne Lange festigt diese!
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