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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stellenweise trocken - doch absolut zu empfehlen!
Hallo liebe Amazonler,
hallo liebe Fußballfreunde!

Heute schreibe ich über das Buch "Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur" von Martin Thein!

In dem Buch geht es um, wer hätte es gedacht, die "Ultras".
Was sind Ultras?
Ein "Ultra" ist im Grunde nur die stärkere Form eines normalen...
Vor 8 Monaten von Marc Berbig veröffentlicht

versus
0 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hatte etwas Anderes erwartet!
Mir wurde das Buch empfohlen, aber der Inhalt entsprach dann doch nicht meinen Vorstellungen. Aber dafür können weder der Autor noch Amazon.de etwas. Die Bestellung war komplikationslos, die Lieferung erfolgte seltsamerweise von einer ausländischen Firma (England?). Das Buch kam aber unbeschädigt an.
Vor 22 Monaten von Gutzmann veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stellenweise trocken - doch absolut zu empfehlen!, 18. März 2014
Von 
Marc Berbig "Nimm das Leben nicht zu ernst, d... (Krefeld (NRW)) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Hallo liebe Amazonler,
hallo liebe Fußballfreunde!

Heute schreibe ich über das Buch "Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur" von Martin Thein!

In dem Buch geht es um, wer hätte es gedacht, die "Ultras".
Was sind Ultras?
Ein "Ultra" ist im Grunde nur die stärkere Form eines normalen Fußballfans des jeweiligen Vereins, doch während der "normale" Fan sich nur am Wochenende und unter der Woche gedanklich mit dem Fußballverein beschäftigt ist der Ultra jeden Tag dabei. Oft geht der erste Gedanke am Morgen nach dem aufwachen zum Verein oder der Gruppierung, sie arbeiten an Choreos, produzieren ihre eigenen Textilien und verfolgen ihre Ziele für den Erhalt der Fankultur, gegen hohe Eintrittspreise und stehen für den Erhalt der Tradition des Vereins. Um ihre Heimkurve somit "aufzuwerten" und optisch und stimmungsvoll zu gestalten entwerfen sie Schwenkfahnen, Doppelhalter, Spruchbänder, Seidenschals und wie eben auch erwähnt, Textilien (T-Shirts, Hoodies) - zuletzt gilt noch das von manchen Leuten leider verbotene Thema "Pyrotechnik".

Bedingungslose Vereinsliebe - so heißt es in den meisten Gruppen Aufnahmebedingungen, aber nun wieder zurück zum Buch!

Das Buch geht wirklich stellenweise sehr gut auf die Szene ein, besonders die Gespräche mit Ultras und den Fanvertretern sind sehr interessant.
Auch, wie die Ultrabewegung entstand, dass da ganz viel aus Italien "importiert" wurde (wo Pyrotechnik mittlerweile auch verboten ist, genau wie Banner und Trommeln) und eben hier in Deutschland als "frischer Wind" eingebracht wurde.
Dabei stecken viele Interessante Sachen im Buch, z.B. dass durch die Ultrás in den Stadien weitaus weniger Hooligans vertreten sind, als es vorher der Fall war, was eine gute Sache ist.

Leider Gottes sind viele Passagen des Buches wissenschaftlich gehalten, was einerseits gut ist und von einer guten Ausdrucksweise zeugt, jedoch wird das Lesen des Buches damit etwas schwerer und stellenweise sehr trocken, doch man sollte nicht aufgeben, da selbst die trockenen Stellen am Ende interessante, witzige oder erstaunliche Fakten aufzeigen!

Mein Fazit zu dem Buch: Es war bitter nötig, ein Buch zu haben dass das ganze Thema auch von seiner wissenschaftlichen Seite betrachtet anstatt immer nur mit einer festen Meinung an die Sache dran zu gehen. Ich kann euch daher dieses Buch empfehlen. Lasst euch daher nicht von den Medien eine Meinung bilden - bildet euch eure eigene!

### Schlusswort ###
Sollte euch meine Rezension gefallen haben, oder bei eurer Kaufentscheidung geholfen haben, so würde ich mich über einen kurzen Klick auf "Ja" freuen. Damit helft ihr mir weiterhin gute und qualitative Rezensionen zu schreiben und zeigt mir gleichzeitig auf wenn etwas nicht so gut war und ich mich dementsprechend verbessern kann. Vielen Dank! :-)
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ultras im Abseits - interessante wissenschaftliche Literatur für jedermann!, 4. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
"Ultras im Abseits" habe ich für ein Lehrforschungsprojekt an der Uni gelesen, interessiere mich privat aber auch für das Phänomen "Ultra". Zu Anfang wird der Wandel des Fußballs 2000-2010 detailliert beschrieben und auch auf die Gründung der ersten deutschen Ultra-Gruppierungen eingegangen. Im Verlaufe des Buches kommen neben bekannten Wissenschaftlern (u.a. Dr. Martin Thein, Jonas Gabler, Marcus Sommerey, Christoph Ruf) auch Journalisten, Fanbeauftragte, die Ultras selbst und auch Vertreter der Ordnungsdienste (in diesem Falle der Polizei) zu Wort. So entsteht ein sehr informativer Sammelband, der das Phänomen "Ultra" nicht nur von der üblichen Schiene "Ultras sind doch eh nur Hooligans", die gerne Mal durch gewisse Medien propagiert wird, sieht. Leider leidet die Objektivität ein wenig unter der Tatsache, dass soviele Autoren mitwirken. Besonders die Texte des DFB-Fanbeauftragten und des Polizisten sind doch sehr subjektiv geschrieben. Aber eine leichte Subjektivität lässt sich in einem solchen Sammelband wohl nicht vermeiden.
Insgesamt bleibt ein sehr interessantes, gut verständliches Buch, das es sehr gut schafft, dem (unerfahrenen) Leser das Phänomen Ultra nahe zu bringen und dabei nicht immer nur als "randalierende Horden" darzustellen. Interessant sind auch die Texte bzw. Interviews mit den Ultras. Hier kommen endlich auch mal die Ultras selbst zu Wort, auch wenn diese natürlich für Ihre eigene Sache ein wenig Werbung machen.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich wissenschaftlich wie auch journalistisch mit Ultras und deren Fankultur beschäftigen möchte. Es ist leicht verständlich geschrieben und weckt das Interesse, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Klasse Lektüre nicht nur für die Uni!
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das bitter nötig war!, 5. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Wer kennt sie nicht, die meist sehr eindimensionale Berichterstattung, wenn es in Fußball-Deutschland um das Thema 'Ultras' geht. Gewalt-Eskapaden, Anti-Alles, rechte Szene und vieles mehr. Die Liste der Vorurteile gegenüber dieser Fangruppierung ist lang. Für viele sind Ultras, Hooligans und sogar Rechtsextreme ein und dieselbe Gruppierung. Viele verstehen und sehen die gewaltigen Unterschiede gar nicht, aber hier fehlt es auch ein wenig an Aufklärungsarbeit seitens der deutschen Medien.

In diesem Buch geht es, wie der Titel bereits sagt, um das Thema Ultras und man merkt sofort, dass es den Autoren des Buches wichtig war, alle Facetten und Betrachtungswinkel aufzuzeigen. Journalisten, Polizeibeamte, Wissenschaftler, Fanbetreuer und sogar Ultras selbst kommen hier zu Wort, was das Buch sehr authentisch und das Lebensgefühl Ultra zu sein beim Lesen erlebbar macht. Dabei geht es um eben alle relevanten Themen, wie die Gewaltbereitschaft, die Beziehungen zwischen Ultras und der Polizei, Ultras in ihren inneren Strukturen oder auch die Gruppe als Hilfestellung zur Selbstfindung.

An einige Stellen wirkt das Buch zwar etwas zäh, aber das liegt dann meist an der wissenschaftlichen Herangehensweise in dem ein oder anderem Aufsatz, den das Buch enthält ' insgesamt handelt es sich um 22 Aufsätze, also keine Angst vor ein oder zwei zäheren Kapiteln, denn selbst diese beinhalten noch eine Menge interessanter Fakten.

Abschließend lässt sich sagen, dass genau diese Herangehensweise bitter nötig war und genau so ein Buch die Aufklärungsarbeit leistet, zu der die Medien bisher noch nicht in der Lage zu sein scheinen. Auch Leser, die sich nicht so sehr für Fußball und seine diversen Fangruppen interessieren, sollten vielleicht einmal über den eigenen Tellerrand hinausschauen und einen kleinen Ausflug in diese so faszinierende Welt der Ultras wagen. Bereuen werden sie es mit Sicherheit nicht, denn dieses Buch packt einen bereits ab den ersten Sätzen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Super Blick hinter die Kulissen!, 14. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Einfach nur empfehlenswert für alle, die die oberflächliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen in der Presse satt haben! Hier werden Ultras aus allen Blickwinkeln beleuchtet. Manche Artikel sind allerdings zu wissenschaftlich geschrieben und erschweren dadurch die Lektüre. Auch der Wust an Fußnoten nervt phasenweise. Dennoch ein unverzichtbarer Band zur Thematik.
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5.0 von 5 Sternen Gelungene Eingrenzung eines Phänomens, 21. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Das Buch nähert sich dem Thema 'Ultras' geschickt an, untersucht die verschiedenen, soziologischen und motivatorischen Ebenen in verschiedenen Aufsätzen einzelner Autoren - dadurch erhält man als Leser einen deutlich vielschichtigeren Eindruck als in jeder Fernsehdokumentation oder einem (mir bisher bekannten) Sachbuch. Dieses Buch ist, auch wegen dieses Ansatzes, durchaus gelungen.
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4.0 von 5 Sternen informativ..., 17. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Aber irgendwann kann man das Wort "Ultra" und "Subkultur" einfach nicht mehr lesen.
Das Thema wird aus vielen verschieden Perspektiven beleuchtet, aber vieles überschneidet sich durch die diversen Autoren auch.
Ich würde das Buch "Kurven Rebellen"
Auf jeden fall eher empfehlen, weil es schöner geschrieben ist.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bisher einmaliges Überblickswerk!, 12. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Wenn Polizisten, Fanbeauftragte, Sozial-, Sport- und Medienwissenschaftler, Pädagogen und Kriminologen zusammen kommen, um sich über Fußballfans allgemein und Ultras im Speziellen auseinandersetzen, dann kann nur eines dabei rauskommen, nämlich ein ziemlich bunter Blumenstrauß. Das Buch "Ultras im Abseits? - Porträt einer verwegenen Fankultur" will genau diese Bandbreite schaffen und es ist gelungen einen Band zu veröffentlichen, der in dieser Art bisher seines Gleichen sucht.Mit theoretischeren Beiträgen, aber auch subjektiven Wahrnehmungen, den verschiedenen Deutungen und Problematisierungen haben die beiden Herausgeber, Martin Thein und Jannis Linkelmann, bekannt durch ihr Buch "Alles für den Club!" zu den Ultras Nürnberg, nicht nur die verschiedenen Positionen von Sachverständigen aufgenommen.

Im Buch kommen ebenso Ultras zu Wort und es berichten Polizisten von ihrer Wahrnehmung eines Bundesliga-Spieltages. Garniert wird der Sammelband mit namhaften Autoren, wie Jonas Gabler, Gerd Dembowski, Gerald von Gorrissen, sowie Volker Goll und Michael Gabriel. Doch es ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt, denn dem regelmäßigem Stadiongänger muss zumindest Beitrag Eins von zwei der Polizisten aufstoßen, der aus Fan-Sicht weit ab der Realitäten liegt. Beamte werden als überaus kooperativ und kommunikativ dargestellt, übereilte Reaktionen gibt es quasi und die Belange der Fans treffen stets auf offene Gehörgänge.

Allerdings, das muss auch hervorgehoben sein, dürfen auch derartige Sichtweisen in einem Sammelband mit dem Anspruch, die ganze Bandbreite erfassen zu wollen, nicht fehlen. Nichtzuletzt wegen den beiden sehr interessanten Interviews, bei denen einmal Führungspersonen des Commando Cannstatt aus Stuttgart und zum anderen gleich sechs Ultras verschiedenster Vereine miteinander diskutieren, sei das Buch all jenen ans Herz gelegt, für die die Welt der Fußballfans und Ultras mehr als eine emotionale und Herzenssache ist.Wer sich etwa durch die Pyrotechnik-Debatte im letzten Jahr besonders herausgefordert sah oder auch einfach nur begreifen will, wieso die Fankultur der vermeintlich Halbstarken die Medien und Öffentlichkeit in diesem Ausmaß bewegt, der kommt hier voll auf seine Kosten!
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Gesellschaft und Fußballsport: Ultras als attraktive Jugendkultur, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Die Entwicklung der Fankultur im deutschen Fußball vollzieht sich parallel zur rasanten Kommerzialisierung des Sports seit Jahren mit der gleichen Schnelligkeit und Intensität. Die Fans, die in der Geschichte des runden Leders noch vor Geldgebern und der medialen Öffentlichkeit zu den ersten Begleitern eines Fußballspieles auf der grünen Wiese gehörten, werden zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Ganz besonders die Ultras werden im Zusammenhang mit der Berichterstattung, meist über die Randerscheinungen einer Fußballpartie, in diesem Kontext thematisiert. Häufig ist das gezeichnete Bild negativ behaftet und wird nach Sicht der Protagonisten aus den Stadionkurven nicht der Realität gerecht, die sich Woche für Woche bei Heim- und Auwärtsspielen zeigt. Die Wahrnehmung der aktiven Fußballfans ist dabei sehr gegensätzlich. Sind es für die einen die interessanteste Jugendkultur der Neuzeit, gelten Ultras bei einem Großteil der Beobachter als böse Gefahr. Über die Definition des Begriffes 'Ultra' streiten sich nicht nur die Fans selbst.

Mit Martin Thein und Jannis Linkelmann haben sich zwei Mitwirkende am Institut für Fankultur der Herausforderung gestellt, den Blick auf die polarisierende Ultra-Kultur von vielen Seiten zu wagen, um dadurch ein umfassendes Bild zu gestalten, ohne dabei einem bestimmten Meinungsbild einen Vorteil einzuräumen. Denn allzu oft wird in den vielen Diskussionen rund um das Thema der Standpunkt von Befürwortern und Gegnern von der jeweils anderen Seite direkt in den Kakao gezogen. Dieser Streit ist nicht selten von Polemik, Ideologie, Unwissenheit und Idealismus geprägt. Die inhaltliche Auseinandersetzung über Ultras wird oberflächlich und meistens nicht zu Ende geführt.

Diesem Ansatz haben sich die beiden Herausgeber entzogen und eine Reihe von anerkannten Wissenschaftlern, Journalisten, Fußballfans und Fußballfunktionären die Chance geboten, ihren ganz persönlichen Standpunkt zu formulieren. Den Vorwurf der einseitigen Betrachtung entkräften die ingesamt 22 Artikel durch ihre verschiedenen Sichtweisen. Im Titel des Sammelbandes werfen die Herausgeber die Frage auf, ob Ultras im Abseits stehen würden, was den Fußballregeln entsprechend praktisch gar nicht möglich ist. Als Portrait einer verwegenen Fankultur ist das Buch in sechs Hauptthemen aufgeteilt, an deren Ende jedoch eine Zusammenfassung und damit die Beantwortung der gestellten Frage fehlt. Das kann Absicht sein, damit der Leser eine eigene freie Meinungsbildung vollzieht, unter methodischen Gesichtspunkten der Wissenschaft wäre eine Analyse der gesammelten Beiträge als Grundlage für weiterführende Untersuchungen jedoch durchaus sinnvoll gewesen.

Das erste Kapitel dient als einleitende Vorschau und betrachtet den Wandel der Fankultur und den Aufstieg der Ultras als Subkultur im Fußballsport. Historiker Elmar Viregge gibt einen Überblick zum Verhältnis des traditionell eingestellten Fans gegenüber dem modernen Fußball und seinen Einflüssen. Seine Zusammenfassung bringt die bestehenden Konflikte ziemlich einfach auf den Punkt und nennt Beispiele, die zumindest auch den kaum interessierten oder informierten Fußballfan oder 'sympathisant verdeutlicht, worum es den aktiven Fanszenen eigentlich geht, wenn sie sich gegen Kommerzialisierung auflehnen. Anhand von verschiedenen Faktoren wie Medien, Finanzen und Spielstätten wird der Wandel des Fußball in Deutschland sehr anschaulich dokumentiert.

Weiter geht es mit einer kurzen und knappen Betrachtung der Entwicklung der deutschen Ultra-Szene durch Martin Sommerey, die es zumindest schafft, passend zum rauhen Image des Fußballs einen groben Überblick zu geben, ausgehend von der Entstehung der Fankultur in England und Italien. Am Ende wird als Ergebnis die These aufgestellt, dass die Ultrakultur die treibende Kraft in den deutschen Stadien geworden ist und aktuell auch dominiert. Zum ersten aber nicht letzten Mal stößt der aufmerksame Leser auf einen Aspekt, der sich wie ein roter Faden auch in anderen Artikel des Sammelbandes wiederfindet. Die zunehmende Kommerzialisierung hat die identitätsstiftende Kraft von Vereinen stark eingeschränkt. Als anschauliches Beispiel dient der Vergleich der Spielertypen damals und heute. Früher galten Kicker als Repräsentant des Viertels, dem der Verein und Fußballer entstammte und der sich oft auf der gleichen sozialen und finanziellen Ebene wie der Fan am Rande befand. In Zeiten vom Millionengehältern und Ablösesummen werden heutzutage die Spieler schnell zu Söldnern abgestempelt, die dort auftreten, wo es am meisten zu verdienen gibt. Dieser Zusammenhang wird an weiteren Stellen im Buch immer wieder von verschiedenen Autoren fast schon in gemeinschaftlicher Geschlossenheit in der Argumentation herangezogen und kann fast schon als eine der wichtigsten Erkenntnisse herangezogen werden, um Entwicklungen in den Fankurven zu erklären.

Im zweiten Kapitel wird die Identität und das Selbstverständnis der deutschen Ultra-Szene thematisiert, dabei ist von Rebellen, Idealisten und Pragmatikern die Rede. Das Selbstverständnis der Ultras rückt in den Mittelpunkt. Welche Motivation steckte hinter der Gründung der Gruppen und warum geben sich Jugendliche der Faszination hin, einer solchen Gruppe beizutreten? Mit Hilfe von selbst geführten Gesprächen mit ausgewählten Vertretern unterschiedlicher Ultra-Gruppen geht Diplom-Soziologe Markus Zerma auf die Suche nach Antworten. Er stellt die Entwicklungen der Fans dar, sich von der historisch gewachsenen Passivität zu lösen und sich aktiver ins Geschehen einzubringen. Auch die Vereinsidentität und die Suche nach Ersatz werden wieder thematisiert, dabei grenzt der Autor den Ultra vom Konsumenten ab und begründet das mit einem Unterschied in der Frage der Loyalität. Er spricht über den Wettstreit der Fanszenen um die beste Choreographie oder die Unterstützung von den Rängen. Die Attraktivität einer Gruppe steigt so mit deren Anerkennung durch den Gegner auf der anderen Seite des Rasens. Durch diesen Wettbewerb schafft sich der Fan eine neue Identität zum Verein, indem er sich selbst als Akteur ins Spiel bringt und ihn damit repräsentiert. Spannend und aufschlussreich sind die Ausführungen zur Schaffung von Freiräumen zur Persönlichkeitsentfaltung und Identitätsentwicklung, die aufzeigen, dass zum Beispiel die zunehmende Kontrolle und Repression von fantypischen Utensilien wie Fahnen dazu führt, dass mancher Schlachtenbummler die Lust daran verliert und sich neue Betätigungsfelder am Rande eines Fußballspieles sucht, um den Erlebnisfaktor hochzuhalten, indem er beispielsweise verstärkt Ordnungshüter ärgert.

Gerd Dembowski sinniert über die Identitätsbildung der Ultragruppen als individualisierte Gemeinschaft und spricht den aktiven Fans einen hohen Grad an sozialer Verantwortung zu, sogar ein Stück weit Professionalisierung, nennt jedoch auch Ursachen für die ohne Zweifel vorhandenen fragilen Formen der Ultra-Gemeinschaften. Der Inhalt ist interessant und gibt einen tiefen Einblick in das soziologische Element der Fangruppen. Nachteil dieser Tiefenanalyse ist die schwere Kost und das notwendige Verständnis als Voraussetzung beim Leser, um diesen Teil des Buches zu verstehen. Hier kommt der sozialwissenschaftliche Hintergrund des Autors deutlich mehr zum Vorschein als der Fußballfan. Der Intelektuelle wird die Worte wohl einschätzen und verstehen können, der normale Fan und der Unwissende könnten mit dieser wissenschaftlichen Art der Auseinandersetzung an dieser Stelle überfordert sein.
Wesentlich angenehmer ist nachfolgend der Bericht von Peter Czoch zu lesen, der sich mit dem Wandel von Fanidentitäten im Zuge der kommerziellen Entfremdung auseinandersetzt und einleitend mit dem Ball als Spielgerät ein wahrhaft einfaches und anschauliches Beispiel nennt, das die Veränderungen des Fußballsports beschreibt. Daraus leitet er das eigene Rollenverständnis der Ultras im Gesamtkomplex Fußball ab und fordert im Ergebnis seiner Betrachtung zur Vermeidung offener Konfrontationen eine stärkere Partizipation für Fans am Vereinsgeschehen und Respekt der Offiziellen gegenüber denen, die durch ihre Aktivität den Verein mit prägen.
Tobias Wark beleuchtet in seinem Artikel das Verhältnis von Ultras und der politischen Einstellung. Abgesehen von der Unmöglichkeit, den Politikbegriff von seiner Bedeutung her einzugrenzen, nennt der Autor ein zentrales Phänomen der Wahrnehmung von Ultras. Dass sie nämlich von Außenstehenden oft nicht mit dem Fußballsport oder der akkustischen und optischen Unterstützung aus der Kurve in Verbindung gebracht werden, sondern mit abweichenden Handlungen wie das Einmischen in die Vereinspolitik oder das Engagement gegen den 'modernen Fußball'. Im Text wird deutlich gemacht, dass diese Position gegen Kommerzialisierung selbst in den Ultra-Gruppen in Form einer Selbstreflexion des eigenen Handelns keine allgemeingültige Aussage zum politischen Gedankentum möglich macht und die aktiven Fans sich in der Auseinandersetzung in einem Dilemma befinden. Der studierte Politikwissenschaftler differenziert in seiner Abhandlung die Beziehungen der Ultras zur Politik in zwei Richtungen. Einerseits die oft geäußerte Absicht der Ultra-Gruppen, sich nicht in parteipolitische oder ideologische Denkprozesse einzumischen, andererseits die fehlende Abgrenzung zu unübersehbaren extrem-politischen Tendenzen in der eigenen Fanszene, für die der Autor auch Beispiele nennt, ohne darauf hinzuweisen, dass dieser Widerspruch nicht für Ultras allgemein gelten kann, weil es auch hier Unterschiede gibt. Eine ganz andere Dimension hat in Anlehnung an Politik als gesellschaftliches Element der Umgang mit dem Fußball als Teil der Gesellschaft und damit nicht losgelöst von Politik im Sinn von Auseinandersetzungen von Interessen und Entscheidungsprozessen. Der Kampf um 'freie Kurven' steht beispielhaft für die doch enge Verbindung von Fußball und Politik.

Im dritten Abschnitt steigen Martin Thein, einer der Herausgeber und der Fanforscher Jonas Gabler, tief in die Szene der Ultras ein und veröffentlichen Eindrücke aus direkten Unterhaltungen mit ausgewählten Fangruppen. Jonas Gabler, der aktuell durch seine wissenschaftlichen Studien zu den Ultras wohl das Maß aller Dinge ist, wenn es um Fragen zu dieser Jugendkultur geht, hat mit Vertretern aus verschiedenen Ultra-Gruppen über Ideale, Normen und Regeln gesprochen und kann im Fazit die Beweggründe aufzählen, die junge Menschen dazu bringt, sich einer Ultra-Gruppierung anzuschließen. Überraschend fällt dabei der Umstand aus, dass Gewalt und Pyrotechnik, zwei Themen, die Fans und Außenstehende dauerhaft beschäftigen, nicht als Motivation gesehen werden, ein Ultra zu werden. Vielmehr fällt der Fokus auf die Gruppe und deren gemeinschaftliche Struktur, die anziehend wirkt. In den Gesprächen wird aber auch eine Sache deutlich, dass sich die in vielen anderen Artikel bilanzierte Heterogenität einer Ultra-Gruppe auf das Setzen und Einhalten von Normen und Regeln auswirkt und Ultras sich die Freiheit zugestehen, nicht alles selbst zu reglementieren. Das führt nicht selten zu einem Dilemma und mündet in Aktivitäten, die Grundlage für das in die Öffentlichkeit vorhandende negative Bild der Ultras sind.

Mitherausgeber Martin Thein widmet seine Aufmerksamkeit den Vertretern der Ultra-Gruppe des VfB Stuttgart, die einen tiefen und ehrlichen Einblick in ihre Kultur und Selbstverständnis geben. Beeindruckend dabei sind die kritischen Selbstreflexionen im Hinblick auf das pauschale Verurteilen der Presse bis hin zur Erkenntnis, anderen Stadionbesuchern die eigene Philosophie nicht vorschreiben zu können, ihnen das Mitsingen im Block aufzuzwingen. Das Interview setzt Maßstäbe, was die Denkweisen der Ultras angeht und offenbart in beeindruckend anschaulicher Weise den Systemkonflikt zwischen Fans und Vereinen und ihrem Umfeld. Absoluter Lesetipp!!!

Viel Aufmerksamkeit wird der öffentlichen Wahrnehmung der 'umstrittenen und gefürchteten' Ultras zwischen Gewaltvorwürfen, Repression und Prävention im vierten Kapitel geschenkt. Die Konflikte mit der Polizei, der kriminalisierende Schatten durch Gewaltvorwürfe und der präventive Umgang mit Ultras nehmen in diesem Teil die zentrale Rolle ein. Als Exkurs geht es dabei auch auf die Reise nach Spanien, um 'Risiken und Nebenwirkungen' bei Fußballspielen im Land des aktuellen Welt- und Europameisters darzustellen. Konrad Langer beschäftigt sich in seinem Artikel mit der Kriminalisierung von Fußballfans und beobachtet Gewalt als wichtigstes abweichendes Verhalten von Ultras, weil es einerseits durch die Medien verstärkt als Problem thematisiert wird und für Ultras auch in ihrem Fansein eine reale Handlungsoption bleibt, da Gewalt schon immer auch unabhängig von Ultras existierte. Hervorzuheben ist seine Darstellung der potentenziellen Konfliktlinien, aus denen sich die bekannten Probleme zwischen Fans und anderen am Fußball beteiligten Akteuren ergeben. Gewalt wird in diesem Kontext als reaktive Handlung im Zuge eines Bedrohungszustandes der Ultras von außen erörtert. Dieser Ansatz ist deswegen bemerkenswert, weil er einen nahen Bezug zur erlebten Realität eines Fußballfans herstellt und damit verständlich und logisch erscheint.

Weit weniger nachvollziehbar sind dagegen die Artikel der polizeilichen Vertreter Udo Tönjann, Michael Müller und Silke Martin, die leider vermissen lassen, sich dem Hauptthema Ultras auf eine distanzierte Art und Weise zu nähern. Ihre Beiträge fallen im Vergleich zu anderen offenkundig ab und dienen nicht als seriöse Diskussionsgrundlage für einen gemeinsamen Diskurs, der unter Berücksichtigung der ohnehin vorhandenen Feindbilder von Sachlichkeit geprägt ist. Es ist zu bezweifeln, ob die Sichtweise, dass Ultras erst dann differenziert betrachtet werden können, wenn sie der Gewalt abschwören, wirklich ein Erfolgsrezept ist. Bestimmte Aussagen zur Pyrotechnik und zum Umgang mit den Fans allgemein lassen zudem erkennen, dass sich die Autoren viel zu wenig mit den Inhalten und den Verfechtern von Fankultur auseinandergesetzt haben. Daraus zu schließen, dass die Polizei sowieso nie anders denkt, wäre zwar ein zu pauschales Urteil, allerdings hätte es dem Anspruch dieses wissenschaftlichen Sammelbandes entsprochen, wenn man auf teilweise polemische Aussagen verzichtet hätte. Es könnte eine Empfehlung sein und zur Verbesserung der eigenen Ausgangsposition an einem runden Tisch gegenüber anderen Teilnehmern beitragen, sich im Sinne einer Selbstreflexion die restlichen Inhalte des Buches zu Gemüte zu führen, um einen vollkommenenen und keinen vorgefertigten Blickwinkel auf Ultras und Fußballfans zu erhalten. Dann klappts vielleicht auch mit dem Dialog!

Wie notwendig eine tiefgehende Betrachtungsweise nämlich ist, zeigen die nachfolgenden Ausführungen von Volker Herold, der sich der Fansozialarbeit widmet und über Prävention spricht. Ultras und die Fans geben selten ein einheitliches Bild ab und gelten deshalb als 'komplexes Phänomen'. Allein die Bedeutung des Wortes lässt keine Alternative zur Differenzierung zu, um realistische und erfolgsversprechende Lösungen zu diskutieren. Denn auch Fanarbeit selbst ist unterschiedlicher Natur, wird sozialpädgogisch und vereinsbezogen angeboten.
Die nicht einfachen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch im Erfahrungsbericht von Thomas Feltes aus dem Blickwinkel der Fanbeauftragten wieder, der mit Fakten einer Untersuchung argumentiert, die auf einer Umfrage basieren und ein lebendiges Bild der vereinsbezogenen Fanarbeit zeichnen. Daraus geht hervor, unter welchen schwierigen Bedingungen diese Leute an der Front für umgängliches Fanverhalten kämpfen. In diesem Kontext wird auch ein Sachverhalt angesprochen, der die These der 'attraktivsten jugendlichen Subkultur' untermauert: Schule und Familie haben innerhalb der Gesellschaft immer weniger Einfluss auf junge Menschen, dafür rückt das Stadion als Ort des Lernens mit seiner Anziehungskraft in den Mittelpunkt. Eine Erkenntnis, auf die man bisher von außen mit entsprechenden Maßnahmen kaum reagiert hat.

Beendet wird das Kapitel mit dem Blick auf die iberische Halbinsel. Anhand eines Beispieles, Borussia Dortmund spielte im Europapokal in Sevilla, stellt Alexandra Schröder anschaulich dar, welche Folgen sich ergeben, wenn es an gegenseitiger Kommunikation und vor allem am Verständnis mangelt. Und welche umfangreichen Konsequenzen es haben kann, wenn Fans am Rande einer Fußballpartie mit der staatlichen Exekutive in Berührung kommen.

Ebenso umfangreich wie vielfältig ist im fünften Kapitel der Blick von außen auf die Ultra-Kultur, der die Perspektiven aus Sicht der Medien und der Politik dokumentiert und am Reizthema Pyrotechnik beispielhaft erörtert wird. Es wird dabei sichtbar, dass es keine allgemeinen Gültigkeiten geben kann, um im komplexen Konfliktfeld Fußball die einzelnen beteiligten Akteure einer festen Einordnung zu unterziehen, da weder Fans, Medien noch die Polizei einheitlichen Erscheinungen einnehmen. Am Beispiel der Kampagne 'Pyrotechnik legalisieren ' Emotionen respektieren' stellen Jan-Philipp Apmann und Gabriel Fehlandt das Verhalten der Medien, die zu oft und gern bei den Ultras in Verruf geraten, sehr anschaulich und umfassend dar. Positive wie negative Berichterstattung wird thematisiert und im Hinblick auf Motivationen beleuchtet. Die Bild-Zeitung kommt dabei gar nicht gut weg, auf der anderen Seite gehen die Autoren aber auf die positiv zu bewertende Entwicklung der Kampagne und die begleitende Berichterstattung und deren sachgerechten Inhalte ein.

Mike Glindmeier berichtet als Journalist und Fußballfan in diesem Zusammenhang von eigenen Erlebnissen seiner Stadionbesuche und empfiehlt Kollegen die Selbsterfahrung, ein Auswärtsspiel inkognito zu besuchen und Eindrücke zu sammeln, wie es der gewöhnliche Fan und der Ultra jedes Wochenende tun.

Daran schließt ein starker Artikel von Christoph Ruf an, seines Zeichens freier Journalist, der nicht nur versteht, seinen gelungenen Beitrag mit sprachlich feiner Klinge zu würzen, sondern ein eindrucksvolles Plädoyer für die Ultras hält, deren Bedeutung für die Fankurven hervorhebt, ohne dabei kritiklos zu bleiben. Seine Forderung nach einer Rückbesinnung der Ultras auf die Elemente, die der Fankultur mehr Kreativität verleihen, könnte das perfekte Schlusswort sein. Ergänzend ist feszuhalten, dass sich dieser Sichtweise auch andere Autoren anschließen und dieser Aussage viel Kraft verleihen. Allerdings fällt es noch leicht, dieses malerische Zukunftsbild in den Ring zu werfen.

Wie schwierig dessen Umsetzung ist, wird schon im nächsten Artikel deutlich, in dem sich Tilman Feltes mit dem Ablauf und den Rahmenbedingungen eines Spieltages befasst. Beteiligt sind dabei zahlreiche Akteure, die jedoch unterschiedliche Rollen und Positionen einnehmen, bei denen unweigerlich Reibungspunkte entstehen. Für den regelmäßigen Stadionbesucher sind diese Erkenntnisse keine weltbewegende Neuigkeit mehr, für den unwissenden Leser können diese Ausführungen aber mehr als ein Hinweis darauf sein, aufgrund welcher Banalitäten es mitunter schnell zu Problemen kommt, wenn rund um ein Fußballspiel unterschiedliche Interessengruppen aufeinandertreffen.
Etwas überraschend sind selbst für den geneigten Leser aus dem Fußballspektrum die Erläuterungen von Martin Gerster, Oliver Stegemann und Alexander Geisler zum sportpolitischen Verhältnis. Der Sport hat in Deutschland den Vorzug, autonom und unabhängig zu sein, so dass der Politik kaum Einfluss bleibt, sich einzumischen. Allerdings betrifft das lediglich die zentralen Inhalte des Fußball als Sport, denn im Rahmen von Manipulationsvorwürfen und Glückspielangeboten durch Wettanbieter sind sehr wohl äußere Beschränkungen von staatlicher Seite vorgenommen worden. Was an dieser Stelle fehlt und Ansatz einer weiteren Untersuchung sein könnte, ist das Verhältnis der Sportgerichtsbarkeit zur Rechtsstaatlichkeit, wenn man die Stichwörter Sippenhaft oder Gefährdungshaftung nennt oder die Frage beantworten will, in wie weit die Vereine tatsächlich für das Verhalten ihrer Fans verantwortlich gemacht werden können? Nimmt man dazu noch die potenzielle Gefahr hinzu, dass in Zukunft in erheblichen Maß die staatliche Exekutive durch präventive Entscheidungen das Reiseverbot für Gästefans anordnet, dürfte das Verhalten der weiteren demokratischen Säulen der Legislative und Judikative im Zusammenhang mit dem Fußballsport von tragender Bedeutung für die Fankultur werden. Interessant ist der Hinweis in diesem Artikel, besonders aus Dresdner Sicht, dass die Ausschreitungen rund um das letzte Europapokalspiel der Sachsen gegen Roter Stern Belgrad der Grund für das heute fortgeschriebene Nationale Konzept für Sport und Sicherheit (NKSS) waren.
Absolut gelungen und aufschlussreich ist das ausführliche Interview der Herausgeber Martin Thein und Jannis Linkelmann mit dem ehemaligen Sicherheitsbeauftragten des DFB, Helmut Spahn, das deutlich macht, welchen Fachmann der Verband verloren hat. Nach dem Lesen seiner Ausführungen mag man gar nicht glauben, dass es solche Denkweisen, die Spahn an den Tag legt, überhaupt mal beim DFB gegeben hat. Wer Spahn kennt oder gar schon unmittelbar mit ihm zu tun hatte, wird sich über seine Standpunkte nicht wundern. Sie sind von Objektivität gekennzeichnet und unterscheiden sich dadurch deutlich und wohltuend von den oft sehr einseitigen und wenig nachvollziehbaren Blickrichtungen, die in den letzten Wochen und Monaten von Seiten der offiziellen Vertreter des DFB oder der DFL im Hinblick auf Fankulturen und Ultraphänomene geäußert worden sind. So ist sein Ansatz, Ultras würden polarisieren, um überhaupt erst auf Probleme aufmerksam zu machen, eine Beobachtung, die man als Fußballfan definitiv teilen kann. Die Bewertung dieses Verhaltens als problematisch, nicht aber als grundsätzlich schlecht beweist, dass es auch auf der Ebene des Fußballverbandes möglich sein kann, bestehende Konfliktfelder mit den Fans konstruktiv zu begleiten und zu lösen, wenn die von vornherein oft feststeckenden Vorurteile auf beiden Seiten keine Rolle mehr spielen. Als Dresdner darf man sich darüber freuen, dass die oft vermutete, aber unbewiesene These durch einen Offiziellen untermauert wird, dass Dynamo Dresden mehr im Fokus der Medien steht und dies vor allem bei Negativereignissen auch deutlich zu spüren bekommt.

Im letzten Kapitel geht man im Zusammenhang mit der zentralen Fragestellung des Titels auf Antwortsuche und beleuchtet die Chancen und Risiken der Subkultur. Gerald von Gorissen, Leiter der Fananlaufstelle beim DFB, benennt ein zentrales Problemfeld im Umgang mit Ultras und den Absprachen zwischen Vereinen und Fans, indem er auf den Generationenwechsel innerhalb dieser Gruppen verweist, die das heterogene Konstrukt in der Kurve noch verstärken. Unangebracht sind seine formulierten Drohungen als Gegengewicht zur aktuellen Entwicklung der Fanszene. Es ist nicht falsch, vorhandene Probleme klar zu benennen. Wenn wir aber gerade von den Ultras als Jugendkultur mit allen sozialen und indviduellen Merkmalen sprechen, kann es kein Ansatz sein, den warnenden Zeigefinger zu heben. Das ist Aufgabe für andere Fangruppen im Rahmen der internen Selbstregulierung, von offizieller Seite ist es keine gute Wahl der Mittel, um sich ergebnisorientiert den problematischen Umständen zu widmen. Und das der Dialog fortgesetzt werden muss, dürfte im Angesicht der kaum vorhandenen Alternativen als Selbstverständlichkeit gelten und gerade von Seiten des DFB nicht nur als Absicht oder Versprechen formuliert, sondern als Gebot aktiv und verstärkter als bisher umgesetzt werden.

Wie dringlich dies ist, offenbart der letzte Beitrag von Michael Gabriel, der Kompromisse als zunehmend schwieriger erkennt und das Thema der Gewalt zur Entscheidungsgrundlage für die Zukunft der Ultras erklärt. Er thematisiert außerdem die fortschreitende Entfremdung der Fans von ihren Vereinen im Zuge der Kommerzialisierung und wachsenden Profitmentalität, zitiert dazu den vieldeutigen Begriff der 'Marketing-Ultras' und verweist zudem auf einen Kernpunkt des 1992 geschaffenen Nationalen Konzeptes für Sport und Sicherheit (NKSS): das Ziel der Rückbindung der Fans an die Vereine. Betrachtet man die heutigen Konfliklinien, darf man davon ausgehen, dass diese historisch anmutende Vorstellung im Vergleich zu anderen Punkten des Konzeptes als nicht erfüllt anzusehen ist. Das bestätigen die Aussagen des Autors, der auf unübersehbare Probleme im Umgang der Vereine mit den Fans verweist und sich mit diesem Verhältnis kritisch auseinandersetzt, das fehlende Selbstverständnis für die eigene Fanszene, eine unklare Kommunikationsgestaltung und vor allem Konzeptlosigkeit anprangert.

Der Sammelband ist keinesfalls ein Werk, das den sonstigen populistischen Betrachtungsweisen der Medien entspricht. Schon die Auswahl der Autoren lässt erkennen, dass man tiefer hinter die Kulissen der prägenden Fankultur schauen will. Die vielfältigen Schwerpunkte bieten zudem eine sehr differenzierte Darstellung der Ultras an und lassen Unwissende und Interessierte gleichermaßen eine Welt kennen lernen, die spannend, vielfältig und kreativ ist. Der Ruf vom bösen Ultra und Schreckgespenst des modernen Fußballs verhallt in einer tiefgehenden Analyse, die im Vergleich der bisherigen Betrachtungsweisen als Fortschritt eingeordnet werden darf. Fankultur und ihre Auswüchse sind in jederlei Hinsicht ein komplexer Stoff, dem die Autoren mit ihrer Herangehensweise absolut gerecht werden. Zwar fehlt es an manchen Stellen einzelnen Autoren am wissenschaftlichen Hintergrund, so dass die abgegebenen Standpunkte als persönliches Meinungsbild erscheinen, trotzdem dienen sie im Gesamtwerk dazu, die nicht unwichtigen Gegenpole der Ultra-Kultur mit einfließen zu lassen. Der Leser wird definitiv nicht ausschließlich mit einer Beweihräucherung der aktiven Fanszene konfrontiert, weil auch kritische Inhalte und Ansätze zum Nachdenken eine Rolle spielen. Grundsätzlich ist der wissenschaftliche Diskurs zum Fanverhalten und der Fankultur zu unterstützen, verbunden mit der Hoffnung, daraus für die Zukunft relevante und fundierte Handlungsempfehlungen zu erstellen, die sich nicht durch persönliche und populistische Standpunkte ergeben, sondern auf einer breiten und qualitativ belegbaren Summe an Fakten basieren.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassend, 25. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Ein umfassendes Werk zu einem komplizierten Sachverhalt. Die Beiträge der Autoren aus den verschiedensten Bereichen (Fanforscher, Fans, Polizei, Funktionäre und Journalisten) liefern eine Betrachtung aus allen möglichen Perspektiven und damit auch ein hohes Maß an interessantem Hintergrundwissen. "Ultras im Abseits?" ist ein nötiger und lang ersehnter Dialog der beteiligten Parteien in Buchform und klärt sehr gut über die Ultra-Szene auf - angesichts der Medienhetze zu Thema Ultras und Gewalt in den vergangenen Monaten war das auch dringend nötig.
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5.0 von 5 Sternen Interessant, 25. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur (Broschiert)
Ein Interessantes Buch, was ein bisschen die Szene bzw. Hintergründe beschreibt - jedoch teilweise auch sehr aus der Luft gegriffen
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Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur
Ultras im Abseits?: Porträt einer verwegenen Fankultur von Martin Thein (Broschiert - 31. Dezember 2013)
EUR 14,90
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