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5.0 von 5 Sternen Von den lieben Vorurteilen über die politischen Witze und amüsanten Anekdoten bis zu den unterhaltsamen Erinnerungen, 28. März 2013
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Narrenstück: oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt (Gebundene Ausgabe)
"-Ich bin gerade dabei, meine Vergangenheit aufzuarbeiten-.
-Was? Schreibst du jetzt etwas deine Memoiren?-, erschrak er.
-Nein, sagte ich, ich bin ja weder Boxer noch Kanzler geworden. Ich möchte nur ein bisschen erzählen. Ein paar kleine Dinge. Mal dies, mal jenes, darüber wie es mal war oder nicht war, und wie es heute ist oder nicht mehr ist oder eines Tages noch werden könnte. Oder so ähnlich. Und als erstes möchte ich jetzt mal aufschreiben, wie das lief als ich nach Deutschland kam, und wir zum ersten Mal miteinander telefonierten-."

Als Jan Cornelius 1977, unter dem Vorwand einer Frankreichreise, aus dem kommunistischen Rumänien nach Düsseldorf kam, gab er sein letztes Geld für ein Telefongespräch mit dem deutschen Schriftsteller und Übersetzer Günter Ohnemus aus, der einen großen Teil der Romane und Gedichte des amerikanischen Ausnahmeautors Richard Brautigan ins Deutsche übertragen hatte. Und da Cornelius im abgeschotteten Rumänien begeistert das Buch Sombrero vom Himmel. Ein japanischer Roman gelesen hatte, wollte er ihn unbedingt sprechen.

Diese halb kuriose, halb berührende Anekdote kann sehr gut als der Angelpunkt in einem sehr frei gestalteten Buch gesehen werden; ein Buch, welches keineswegs (wie es Cornelius ja auch in einem Gespräch mit Ohnemus, 35 Jahre später, - siehe Zitat oben - anmerkte) Memoiren enthält. Memoiren sind etwas von vorne nach hinten Durchgeschriebenes, etwas Ganzes. Dabei geht es um Essenz, darum eine festgefügte Dimension des eigenen Lebens zu erschaffen.

Jan Cornelius dagegen hat mit seinem kleinen Buch in 51 Kapiteln eher so etwas wie eine Landkarte des Lebens geschrieben, in der er von Text zu Text, Erinnerungen und Geschichten mit den Schritten eines salopp-heitren Beobachters durchschreitet, der Teil hat an den wunderlichen Ereignissen des Lebens. Seine Exkurse über Begegnungen mit Freuden damals und heute, über Familie, rumänisch-ceauşescuse Vergangenheiten, Literatur & Popmusik sind meist aus natürlicher Kürze und vorder- wie hintergründigem Humor errichtet, sehr unterhaltsam und im Wesentlichen an dem "mal dies, mal jenes"-Anspruch orientiert. Was nicht heißt, das man nicht hier und da etwas über Rumänien oder nicht einiges über Jan Cornelius erfährt; aber, um noch einmal auf den Vergleich zurückzukommen: Landkarten sind eben, wie wir alle wissen, eine komprimierte Form der Dimensionalität, bergen aber wiederum auf ihre eigene Art eine große Faszination, eine simple und doch magische Freude.

Auf Cornelius Landkarte gibt es vor allem drei Länder: Literatur, Pointen und Rumänien. Das erste ist seine Leidenschaft, sowohl im Lesen als auch im Schreiben (wozu natürlich auch ein Repertoire an Anspielungen und Erwähnungen gehört), das zweite gehört zu seinem Wesen und Schreibstil und das letzte ist die seltsame Fügung, die sein Leben bestimmt hat und dies gleichzeitig nicht mehr und immer noch tut.
Wenn man sagt, dass einen etwas geprägt hat, meint man dies meist eher schlecht - doch Cornelius geht mit seiner Prägung und den Erlebnissen im Brachialsozialismus eher schwejkisch um, mit einem satirischen Blick, der es dem Leser ermöglicht die Realität dahinter kennen zu lernen und trotzdem nicht nur ein Geschichtsbuch, sondern Unterhaltung zu lesen - auf diese Weise bleibt von beidem erstaunlich viel zurück, von den Informationen und vom Humor.

Wer eine unterhaltsame und doch durchaus informative und beschauliche Lektüre genießen möchte, kann mit diesen Buch wenig verkehrt machen. Seine Kraft liegt in Humor und Leichtigkeit, welches als flüssiges Beiwerk zu Geschichten aus Cornelius Leben gemischt wird. Eine Kostprobe dieses Humors?:

"Die Rolling Stones gibt es nun schon seit über 50 Jahren: Chapeau. Aber wozu sich in falscher Bescheidenheit üben: Mich gibt es sogar noch länger."
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Unterhaltung, 10. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Narrenstück: oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt (Gebundene Ausgabe)
Kurze Anekdoten aus dem Leben des Autors, die unter anderem auch einen Einblick in das Leben in Rumänien unter Ceaucescu geben, aber immer witzig/leicht schräg erzählt und sehr unterhaltsam. Kann ich nur empfehlen.
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Narrenstück: oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt
Narrenstück: oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt von Jan Cornelius (Gebundene Ausgabe - 18. März 2013)
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