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5.0 von 5 Sternen Festtage der Kunst, 14. Januar 2014
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute (Broschiert)
Ein Film, der die Öffentlichkeit (bzw. deren selbsternannte Vertreter) so stark aufregt, dass es zu Ausschreitungen kommt, so etwas scheint heute kaum noch möglich und wenn dann bestimmt nicht in den aufgeklärten westlichen Industrienationen. Doch es ist noch nicht lange her. 1951 wollten kirchliche Würdenträger zu verhindern, dass ihre Schäfchen Hilde Knef in “Die Sünderin“ sehen. 1992 versuchten Frauenrechtlerin und Homosexuelle zu verhindern, dass die Dreharbeiten zu “Basic Instinct“ stattfanden und 2006 wollten Bedenkenträger Deutschtürken vom Besuch des nicht eben proamerikanischen Actionfilm “Tal der Wölfe“ abhalten.

Stefan Volk hat aus der Filmgeschichte knapp 40 “Skandalfilme“ herausdestilliert und diese sowie ihre Auswirkungen mal mehr mal weniger ausführlich beschrieben. Chronologisch geordnet sind gewisse Muster zu erkennen. So wurde in der Weimarer Republik von Staat und Marine alles drangesetzt um zu verhindern, dass die Öffentlichkeit den revolutionären “Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) zu sehen bekam. Gegen den pazifistischen “Im Westen nichts Neues“ (1930) und dem sich nach einem besseren Sozialismus sehnenden “Spur der Steine“ setzten Nazis bzw. SED-Ideologen gar bezahlte Schreihälse ein um die Filme im Kino niederzubrüllen.

Chronologisch gegliedert und garniert mit interessant ausgewählten Filmkritiken führt Stefan Volk durch die Geschichte der Skandalfilme und schließt das Buch mit einem Zitat vom Kritiker Benjamin Henrichs: “Skandale sind die Festtage der Kunst – natürlich nur solange das Feuer in den Köpfen brennt und nicht in den Theatern.“
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schmutzige Leinwand, gefährliche Filme, zersetzende Wirkung, 2. April 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute (Broschiert)
SEIT WANN ES SIE NICHT MEHR GIBT. Skandale, die nicht schon mitgedacht, vorkalkuliert, einer PR-Strategie geschuldet sind: Es gibt sie immer noch, wenngleich dem Kino nicht mehr die selbe Kraft wie noch vor dreißig oder vierzig Jahren inne wohnt, über cinephile Kreise hinaus heiß laufende Diskurse zu entfachen. Luis Bunuel war schon Ende der 60er davon überzeugt, dass die Zeit der Aufreger samt Demonstrationen, Verbote, Schnittauflagen und Stinkbomben vorbei sei. Er lag grotesk falsch, siehe "Salo", siehe "Die letzte Versuchung Christi", seine Aussage kam zwanzig Jahre zu früh. In ihrer Zeit grenzüberschreitende Filme wie "Possession" (Zulawski), "Irreversible" (Noe), "Romance" (Breillat) oder "Kinatay" (Mendoza) liefen letztlich unter dem Radar wachsamer Sensoren bei Verbänden, Kirchen, Eltern und Politikern. Und "Antichrist" fand sogar Elfriede Jelinek nicht uninteressant, obwohl es frauenfeindlicher wohl kaum geht. Auch ich kann mir keinen Film vorstellen, der heute mit Sex und Gewalt - zumindest in Deutschland - gesellschaftliche Multiplikatoren in Wallung bringt. Nach wie vor dürften religiöse Themen, erst recht unter Beimengung von Terrorismus mit islamfreundlicher oder -kritischer Färbung geeignet sein, nicht nur das Feuilleton wochenlang zu beschäftigen. Doch das war es auch schon.

SPONTAN ODER INSZENIERT. Stefan Volks Arbeit ist ein Meisterstück zu diesem Thema, eines der besten, unterhaltendsten deutschsprachigen Filmbücher der vergangenen Jahre. Ihm ist eine präzise, hervorragend lesbare und durchaus umfängliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Skandalfilm als solches gelungen. Gleichwohl ist er weniger akademisch, als es manchen Filmtheoretikern vermutlich lieb ist, die immer wieder Lacan, Deleuze und Bazin zu Rate ziehen. Man kann dieses Buch Freunden des (Arthouse-)Kinos schenken, die keinen Zentimeter Filmliteratur zu Hause stehen haben. Natürlich lebt diese Publikation von der Verblüffung unseres inneren Soziologen, der Reaktionen von Sittenwächtern und Kritikern früherer Zeiten serviert bekommt, auf die man nur belustigt oder entgeistert reagieren kann. Selbst Marcel Reich-Ranicki wilderte im fremden Metier und bezeichnete "Das Schweigen" von Ingmar Bergman angewidert als Film für "Notgeile". Man mag sich seine Entrüstung vorstellen, wenn er damals einen Blick in die Zukunft hätte wagen dürfen und "Shortbus" gesehen hätte. Doch was er schrieb, ist angenehm gemäßigt im Vergleich zu jenen, die gegen "Die Sünderin" protestierten oder Achternbuschs Jesusfilmchen verbieten lassen wollten, der wegen diesem von Innenminister Zimmermann angezettelten Schmarrn sein erfolgreichster wurde. Diese Filme waren Stadtgespräch, landeten auf der Titelseite von Heimatzeitungen, man sprach bei Kaffee und Kuchen darüber. Und heute? War "Basic Instinct", der ebenfalls ausführlich gewürdigt wird, tatsächlich ein skandalöser Film, abgesehen mal davon, dass er ein sauschlechter ist? Hat "Idioten" ähnliche Debatten nur im Ansatz ausgelöst? Skandale klassischer Ausprägung und nicht als Bestandteil eines viralen, über Bande spielenden Marketing sind heute weit gehend eine Sache von Experten geworden. Gegen welchen Film würden unsere Eltern und Tanten heute auf die Straße gehen, Kinos besetzen, Regisseuren gar benutztes Toilettenpapier schicken?

ALLES RICHTIG GEMACHT. Es gibt nichts, was man an diesem Buch kritisieren könnte: Die Auswahl der Filme ist schlüssig und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, zumal sich Volk weit gehend auf die Rezeption in Deutschland beschränkt und kein wichtiges Werk mit tatsächlich skandalöser Wirkung über Cineastenkreise hinaus auslässt, von "Uhrwerk Orange" mal abgesehen (der natürlich nicht unerwähnt bleibt, aber eine nähere Betrachtung bleibt aus). Der deutschlandzentrierte Blick freilich lässt Raum für eine größer angelegte, filmwissenschaftliche Arbeit zur Skandalinszenierung in Europa und weltweit, denn was in Irland, den U.S.A. oder Italien, man denke nur an "Blue Velvet", zensurwürdig eingestuft wurde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wunderbar die Exzerpte aus Kritiken und Kommentaren von Zeitgenossen, erhellend auch die Portraits zu Regisseuren und Schauspielern. Veit Harlan ist drin, Rosa von Praunheim, "Peeping Tom", auch Mel Gibson darf nicht fehlen. So viel Erregungs- und Empörungspotenzial in einem einzigen Buch. Man lächelt bei der Lektüre. Und wundert sich.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skandalöses Empfinden im Wandel der Zeit, 4. Dezember 2011
Von 
Joroka (Darmstadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute (Broschiert)
...aufgezeigt anhand cineastischer Aufreger.
Ein händchenhaltendes schwules Pärchen in der Innenstadt einer deutschen Großstadt ist heute eher nichts Ungewöhnliches mehr. In den 50iger Jahren des letzten Jahrhundert wäre der Skandal perfekt gewesen. Eine nackte Frauenbrust konnte in der gleich Zeit am Badesee durchaus noch Aufregung verursachen. Und heute? Was als anzüglich, als unanständig oder gar als Skandal betrachtet wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt und das durchaus nicht nur im sexuellen Bereich. Das Buch nimmt sich unter diesem Aspekt also nun die Filmbranche ins Visier und spannt einen großen Bogen von 'KISS' (USA 1896) bis zu 'Tal der Wölfe - Irak' (Türkei 2006). Der erste Skandal der Filmgeschichte war also, wie der Titel schon vermuten lässt, ein Kuss und zwar zwischen Mann und Frau und durchaus kein heftiger. Das macht es schon gleich deutlich: Nach den Aufregern der Anfänge kräht heute kein Hahn mehr. Selbst der Skandalfilm der 50iger Jahre in Deutschland 'Die Sünderin' hat heute ein FSK ab 12.
Natürlich muss in solch einem Buch eine Auswahl getroffen werden. Das Buch fokussiert auf die Skandale beim deutschen Publikum, wobei viele Film nicht nur hier sondern gleichzeitig auch in anderen Ländern für Aufregung gesorgt haben. Gewundert habe ich mich, dass kein Film von Fassbinder auftaucht und z.B. 'Querelle' nicht aufgelistet ist.
Meist lösten freizügige Darstellungen den Skandal aus, mitunter aber auch Bearbeitungen religiöser Themen und natürlich Gewaltdarstellungen.

Da hat man ganz schön zu Lesen, wenn man das Buch von vorne bis hinten durchackern möchte. Man kann es sich aber natürlich auch nach Gusto film- oder jahrzehntweise vornehmen. Manche Filme kannte ich bereits, andere waren echte Neuentdeckungen.
Am Ende habe ich mich gefragt, welche Steigerungen heutzutage nun noch kommen müssten, um wirklich für Empörung und Aufregung zu sorgen?

Das Werk ist durchgängig recht klein geschrieben, hat viele Fußnoten, ist mehr ein wissenschaftliches Werk als ein Lesebuch. Etliche Szenenfotos der besprochenen Filme lockern das Ganze ein wenig auf. Es gibt eine Einführung nach Jahrzehnten und die Filme sind chronologisch geordnet.

Fazit: Interessante Sammlung
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0 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für Cineasten, 15. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute (Broschiert)
Den Worten meines Vorrezendenten kann ich mich nur vollumfänglich anschließen. Ein hervorragend und liebevoll recherchiertes, zudem sehr gut geschriebenes Filmbuch, welches in keiner Sammlung jedes ambitionierten Filmfreundes fehlen sollte. Volle Punktzahl.
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Skandalfilme:  Cineastische Aufreger gestern und heute
Skandalfilme: Cineastische Aufreger gestern und heute von Stefan Volk (Broschiert - Februar 2011)
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