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Ein Spiel mit dem Feuer: Die Ukraine, Russland und der Westen
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Nach Monaten einseitiger und grundfalscher Berichte und Kommentare über den Ukraine-Konflikt in den deutschen Medien sammelt die ARD, - an der allgemeinen Nachrichtenfälschung führend beteiligt - in ihrem Deutschland-Trend die Ergebnisse ein: Rund 80 Prozent der Deutschen sieht Russland in der Verantwortung für die "Eskalation" und 49 Prozent (gegen 46) sind für die Verschärfung der Sanktionen. Wenn trotzdem nur 35 Prozent die USA für einen vertrauenswürdigen Partner halten und immer noch 40 Prozent (gegen 58) nachvollziehen können, dass sich Russland vom Westen bedroht sieht, dann liegt das nicht zuletzt an den Autoren, die Peter Strutinsky, Sprecher des "Friedensratschlag" in seinem Buch "Ein Spiel mit dem Feuer - Die Ukraine, Russland und der Westen" als Herausgeber um sich versammelt hat. Sie alle haben, zumeist im Internet, in eben diesen langen Monaten versucht, dem deutschen Kriegsgeschrei die Stimme der Vernunft entgegen zu halten.

Mit Reinhard Lauterbach, der in Polen lebt und lange für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet hat, beginnt der Reigen der Maidan-Analytiker. Er weist nach, dass der Maidan keine spontane Erfindung war, erzählt detailliert von der Gründung des "Rechten Sektors", jener bewaffneten Schlägerbande, die letztlich den ehemaligen Bürgerprotest dominierte und vermerkt ironisch, dass der Aufruf der Kiewer Opposition zum Generalstreik "völlig wirkungslos" blieb. Offenkundig hatte der Maidan, im Westen als "das Volk" behauptet, einfach keine Mehrheit in der Bevölkerung.

Die Schriftstellerin Daniela Dahn komplettiert die ukrainische Erzählung mit der Frage, wie legitim denn die vom Maidan installierte Regierung gewesen sei. Nüchtern erinnert sie daran, dass die Wahlen, aus denen die Janukowitsch-Präsidentschaft hervorgegangen war, von der OSZE als "vorbildlich demokratisch" gelobt worden waren. Wahlen, bei denen die Oppositions-Parteien verloren hatten, die sie aber mithilfe des des bewaffneten Maidan in einen Sieg umwandelten: Janukowitsch musste fliehen, die Timoschenko-Klitschko-Nazi-Gruppierung stellt heute Regierung und Präsident. Wenn Daniela Dahn dann anmerkt, dass eine gewählte Regierung wie zum Beispiel die deutsche nicht selten gegen Bevölkerungsmehrheiten handelt (sie erwähnt den Afghanistankrieg, Hartz 4 und die Vorratsdatenspeicherung), dann spielt sie auf den Maidan-Auslöser an: Das Abkommen zwischen der Ukraine und der EU, von dem Janukowitsch letztlich abrückte. So ist es in einer parlamentarischen Demokratie, schreibt Dahn und fragt nach der Legitimation der Maidan-Versammlung, die das Parlament mit Waffen unter Druck setzte und deren Regierung ihr Placet dann nicht vom "Volk" sondern von ausländischen Regierungen bekam.

Der Journalist Willi Gerns versorgt den Leser mit einer Fülle von Fakten über die Ukraine: Drei Millionen Ukrainer arbeiten in Russland, der durchschnittliche ukrainische Bruttolohn beträgt 295 Euro, weniger als die Hälfte des russischen und erklärt so, aus dem sozialen Gefälle, die Attraktivität Russland für viele Ukrainer. Mit einem Ausblick auf die Rosskur, die der IWF den Ukrainern verordnet, will Gerns einen nächsten Maidan nicht ausschließen. Und Kai Ehlers, der an der verdienstvollen deutschsprachigen Website russland.ru mitarbeitet, bereichert die soziale Analyse um die politische, wenn er die "nationale Revolution", die im Mantel der EU-Freunde umhergeht, als eher dem Westen feindlich charakterisiert und dem "Anti-Maidan" (der ostukrainischen Bewegung) eine durchgängige Neigung zu Russland abspricht. In beiden Fällen konstatiert er, dass sich die bewaffneten Formationen von ihrer sozialen Basis gelöst haben und fürchtet, dass sich der begonnene Bürgerkrieg weiter vertiefen wird. Ein wenig blutleer wirkt das völkerrechtliche Plädoyer des Juristen Norman Paech dafür, dass die Loslösung der Krim von der Ukraine verfassungswidrig gewesen sei. Hier wäre eine Auseinandersetzung mit dem Völkerrechtler Reinhard Merkel möglich und nötig gewesen, der die Bewegung auf der Krim als "Sezession" begreift, eine Kategorie politischer Aktion, die durchaus dem Völkerecht entspricht.

Aus der Fülle der klugen Beiträge sei jener des Historikers Ulrich Schneider erwähnt, der die historischen Wurzeln des Faschismus in der Ukraine ausgräbt, die geopolitische Einordnung des Ukraine-Konflikts durch den Wissenschaftler Erhard Crome, dessen Beitrag vom Historiker Jürgen Wagner um die EU-Erweiterungsstrategie bereichert und durch den Soziologen Jörg Kronauer erweitert wird, der die Ukraine-Politik der Bundesregierung im Widerstreit zwischen den eigenen Interessen und denen der USA begreift. Mitten in der aktuellen Auseinandersetzung befinden sich der Herausgeber der Zeitschrift "Ossietzky" Eckart Spoo und der Herausgeber der Website "Rationalgalerie", Uli Gellermann, die beide der deutschen Medienlandschaft völlige Einseitigkeit nachweisen. Während Spoo sich wesentlich die Druckmedien vornimmt, konzentriert sich Gellermann auf ARD und ZDF, deren "journalistische Sorgfaltspflicht" er in "deutlicher Parteilichkeit" aufgelöst sieht. - Das "Spiel mit dem Feuer" ist ein groß angelegter Löschversuch, der für alle jene unverzichtbar ist, die sich über die Wirklichkeit des Ukraine-Konflikts und seine Gefahren gründlich informieren möchten.
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am 24. September 2014
„Ein Spiel mit dem Feuer. Die Ukraine, Russland und der Westen“ - Peter Strutynski (Hg.)

Wenn das „Spiel“ kein Spiel mehr ist...

Buchtipp von Harry Popow

»Die amerikanische Führungsrolle ist die einzige Konstante in einer unsicheren Welt. Es ist Amerika, das die Fähigkeit und den Willen hat, die Welt gegen die Terroristen zu mobilisieren. Es ist Amerika, das die Welt gegen die russische Aggression um sich gesammelt hat…« So Obama jüngst in einer Fernsehrede (siehe Knut Mellenthin in der linken marxistisch orientierten Tageszeitung „junge welt“ vom 16. September 2014).

Und so sieht Verarschung aus. So werden Ängste geschürt. So werden neue Waffengänge mental vorbereitet. Es ist, als wenn ein Passagierschiff im hohen Norden auf einen Eisberg zusteuert, und keiner will etwas bemerken, keiner greift ein, niemand reißt das Steuer herum. Alle sollen glauben, der Kapitän wird schon richtig handeln. Im Klartext: Wohin geht der Kurs? Was soll man vom europäischen Narrenschiff (EU) halten, das machtpolitisch gen Osten steuert, einer Katastrophe entgegen, und keiner muckt auf, niemand fällt den neuerlichen Machtgrößen in den Arm.

Es ist tatsächlich ein Spiel mit dem Feuer. „Die Zukunft der Beziehungen im Europa des 21. Jahrhunderts können doch nicht in einem Mehr an Rüstungsausgaben und Konfrontation liegen. Wo soll das enden? Soll sich die Geschichte wiederholen? In einem Krieg, der dieses Mal in der totalen Vernichtung Europas endet?“ Dieses Zitat von Lühr Henken (S. 171) stammt aus dem Buch mit dem Titel „Ein Spiel mit dem Feuer. Die Ukraine, Russland und der Westen“, herausgegeben von Peter Strutynski, ehemaliger Leiter der AG Friedensforschung, einer unabhängigen Arbeitsgruppe an der Universität Kassel.

Fünfzehn kluge Autoren geraten den heutigen Kriegstreibern samt ihren bürgerlichen Medien mit ihren Lügen von einer „russischen Gefahr“ im Ukraine-Konflikt auf 216 Seiten aus verschiedenen Blickwinkeln mit fundierten Aussagen und Fakten tüchtig in die Quere. Auf's Korn nehmen sie die Politik der USA, die Faschisten in der Ukraine mit ihrem Idol Bandera, die Oligarchen, die Ziele der NATO sowie die der Eurasischen Union und die der EU, das verlogene Spiel der privaten und öffentlich-rechtlichen Leitmedien, den stark ausgeprägten Nationalismus in der Ukraine und nicht zuletzt die geopolitischen Ziele der Westmächte insgesamt.

Die Autoren möchten „sowohl Grundlagen für eine realistische Analyse und Einschätzung des Ukraine-Konflikts (…) als auch notwendige Argumentationen für die tagesaktuelle Auseinandersetzung bereitstellen“, so der Herausgeber in seinem Vorwort. Und das gelingt ihnen mit erstaunlicher und überzeugender Akribie, geht es doch um das Überleben der Menschheit auf unserem schönen Planeten.

Seien an dieser Stelle nur die wesentlichen Gesichtspunkte genannt wie die Gefahren, die sich aus den Umtrieben des Westens ergeben, die Hintergründe der Politik der USA und der EU sowie die Ziele der Putin-Politik, so lässt dies jedem vernunftbegabten Menschen das Blut in den Adern gerinnen.

Da macht der Autor Lühr Henken auf Seite 154 darauf aufmerksam, dass sich die Sowjetunion und Russland im letzten Jahrhundert immer wieder gegen „westliche, imperialistische Konzepte der Kriegsvorbereitung und des Krieges“ zur Wehr setzen mussten. Was vor allem in den Medien nicht zur Sprache kommt: Kaum hatte die Antihitlerkoalition das Hitlerdeutschland geschlagen, da brachen die USA die im Juni 1945 feierlich verabschiedete Charta der Vereinten Nationen, in der es darum ging, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, und planten sage und schreibe den nächsten Krieg unter dem Motto „Atombombenziel Sowjetunion“. Im Visier waren zwanzig Objekte, die sich 1959 auf 20.000 erhöhten (S. 155). Trotz Verträgen zur Abrüstung – KSE, ABM z.B. - gingen die USA statt zur Kooperation zur Einkreisung Russlands über. Der Autor verweist auf das Strategiepapier „Joint Vision 2020“, „das bis zum Jahr 2020 für das US-Militär (…) eine militärische Überlegenheit sowohl an Land, im Wasser und im Cyberspace“ anstrebt. Die USA besitzen derzeit 760 Stützpunkte in 40 Ländern sowie in sieben US-Gebieten außerhalb der USA. Ergänzend meint Erhard Crome, dass von der Gefahr eines Atomwaffenkrieges seit dem Ende des Kalten Krieges zwar keine Rede mehr ist, aber sie sei tatsächlich „nicht verschwunden“.

Man kommt nicht umhin, nach den Leitlinien der Mächte zu fragen. Erst dadurch ist es möglich, die ganze Tragweite der aktuellen Geschehnisse im vollen Umfang zu begreifen, was durch die Brille der Einäugigkeiten schier verhindert wird. Erhard Crome hebt hervor, (S. 100), dass „seit dem Ende des Ost-West-Konflikts eine unabhängige Ukraine wieder als Kernpunkt geopolitischer Neuordnung im Osten Europas angesehen“ wird. (Siehe auch Brzezinski auf S. 163). Lühr Henken führt als Beweis für das expansive Vorgehen der USA und in ihrem Gefolge von NATO und EU das berüchtigte Geheimdokument des Pentagon 'No-Rivals' („Keine Rivalen“) an. Das Ziel sei es, den Aufstieg „eines neuen Rivalen“ zu verhüten.

Von einer globalen Dimension der US-Politik schreibt Eberhard Crome auf Seite 112. Deren Blick richte sich im Kern gegen China. Dazu brauche man das EU-Europa als Hinterland. Eine EU, die mit Russland und China eng zusammenarbeitet, würde die „US-Positionen in der pazifischen Ausrichtung“ schwächen. Deshalb das Interesse der USA an der transatlantischen Freihandelszone. „Die würde die Bindungen der EU in Eurasien schwächen und deren Abhängigkeit von den USA stärken.“ „Das heißt: die ukrainische Zuspitzung hätte das Ergebnis, dass ein neuer Eiserner Vorhang zwischen EU und Russland niedergeht mit der Folge, dass die EU als Hinterland der USA und Russland als Hinterland Chinas in deren Auseinandersetzungen dienen.“

Kurz gesagt: Die USA wollen die EU „als 'Brückenkopf'in Eurasien nutzen, um ihre globale Hegemonie zu sichern;“, deshalb habe man in Kiew auf den Umsturz gesetzt, so Jürgen Wagner auf Seite 137. Um die Rolle Deutschlands in diesem Spiel der Mächte näher zu beleuchten, sei nochmals auf das Vorwort verwiesen. Einerseits sei es im Ukraine-Konflikt Partner der prowestlichen Kräfte, andererseits setze es sich damit in Widerspruch zum russischen Präsidenten, der eine Osterweiterung der EU und der NATO verhindern will. Auch müsse Berlin aus ökonomischen Gründen um stabile und gute Beziehungen zu Russland bemüht sein. Man wolle per „Schaukelpolitik“ mit Russland „auf Augenhöhe“ mit der globalen Führungsmacht USA sein, so Jörg Kronauer auf Seite 143.

Wer als Leser immer noch daran zweifelt, dass faschistische Kräfte hinter den Machenschaften der ukrainischen Nationalisten stecken, der lese darüber mehr u.a. von den Autoren Ulrich Schneider (ab S. 65), Reinhard Lauterbach (S. 22/23) und Daniela Dahn.

Interessant zu lesen auch die Rolle der Oligarchen, die übrigens in Russland lt. Kai Ehlers in die Pflicht genommen wurden, sich für die Rettung Russlands einzusetzen, Steuern zu zahlen, „wieder in begrenztem Maße in soziale Verpflichtungen einzusteigen“. Die Eigentümer würden ansatzweise einer gesellschaftlichen Kontrolle unterliegen. Genau diesen Schritt, so der Autor, habe die Ukraine bis heute nicht geschafft. Dort herrsche die Willkür des oligarchischen Privatkapitalismus. Putin dagegen habe ein denkbar einfaches Programm: „Herstellung einer 'Diktatur des Gesetzes', um den Staat wieder aufzubauen und um Russland wieder zum Integrationsknoten Eurasiens zu machen.“ (S. 85)

Der Herausgeber hat mit diesem Buch eine ganze Batterie von sachkundigen Autoren in Stellung gebracht - gegen die von den öffentlich-rechtlichen und privaten Medien ausgestoßenen Nebelwände zur Verschleierung der wahren Ursachen des Ukraine-Konflikts. Da es auch in diesem politischen Sachbuch um brandaktuelle Tagespolitik und vor allem um die Frage Krieg und Frieden geht, ist die Lektüre allen zu empfehlen, die sich in diesem Klassenkampf der Mächte um Märkte und Einfluss mitunter neu positionieren und mit Taten unterstreichen wollen. Damit diesem brandgefährlichen „Spiel“ ein jähes Ende gesetzt wird.

Peter Strutynski, Dr. phil., geboren 1945, ist Politwissenschaftler. Er leitete die AG Friedensforschung an der Universität Kassel, ist Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag und verfasste zahlreiche Publikationen zu friedenspolitischen Themen.

Peter Strutynski (Hg.): „Ein Spiel mit dem Feuer. Die Ukraine, Russland und der Westen“, Papyrossa-Verlag, 216 Seiten, 1. Auflage August 2014, ISBN-13: 978-3894385569, Preis: 12,90 Euro

Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung

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am 9. September 2014
In den Aufsätzen dieses Bandes werden meiner Wahrnehmung nach zwei verschiedene Argumentationslinien verfolgt:

In der ersten stellt Rußland keinen eigenständig handelnden Akteur auf der internationalen Tribüne dar, sondern reagiert immer nur defensiv auf die Aktionen von USA und EU (dem "Westen"), seinen wirtschaftlichen und politischen Spielraum durch NATO- und EU-Westerweiterung immer weiter einzuengen. Dieser Fakt ist auch nicht abzustreiten, wird sauber belegt und im Detail auf die Vorgänge in der Ukraine heruntergebrochen. Das was Rußland aber in den letzten zwei Jahrzehnten getan hat, wird nicht nur keiner Analyse unterzogen, sondern kommt schlicht nicht vor.

Die zweite Argumentationslinie (insbesondere Erhard Crome) argumentiert geopolitisch und versucht die Vorgänge anhand der Austarierung eines neuen Mächtegleichgewichts auf der Welt zu erklären, wobei es noch nicht klar ist ob es auf eine neue Bipolarität (USA, China), der sich die großen Regionalmächte (einschließlich EU und Rußland) zuordnen (wem auch immer: den interessantesten Gedanken fand ich in der Überlegung, dass die Distanzierung Rußlands vom Westen, dieses in die Arme Chinas führt, was es aber auch nicht will) oder ob es zu einem multipolaren Weltsystem führt, in dem die einzelnen Mächte relativ gleichberechtigt operieren (das bemühte Beispiel ist die Mächtekonstellation des 19. JH.).

Persönlich finde ich diese zweite Linie überzeugender, weil sie Rußland nicht nur als "Opfer" sieht, sondern auch als "Täter" ernst nimmt.

Nicht umhin kommt man bei diesen Überlegungen sich Gedanken zu machen über den Charakter der russischen Politik und letztlich über den Charakter des politischen Systems in Rußland: betreibt Rußland imperialistische Politik? Das versäumt der Band.

Sehr ausführlich werden die Lügen und Manipulationen "des Westens" (der Politiker, der Medien usw.) analysiert. Alles zutreffend. Die Lügen und Manipulationen Rußlands werden nicht nur nicht analysiert, sondern es wird noch nicht einmal in Betracht gezogen, dass Rußland lügen und manipulieren könnte (außer bei Norman Paech).

Ein kleines Beispiel: monatelang ist von allen russischen "Offiziellen" abgestritten worden, das russische Soldaten in der Ukraine kämpfen. Nachdem es allerdings zu (wie vielen auch immer) russischen Gefallenen gekommen ist, spricht man nun von Freiwilligen, die in ihrem Urlaub in die Ukranie gegangen sind. Wer soll das glauben, dass die russische Armee zulässt, dass ihre Soldaten in einem bewaffneten Konflikt in einem benachbarten Land kämpfen, wenn sie selbst das nicht wollte (oder sogar befohlen hat)?

So werden entscheidende Fragen nicht beantwortet, das Bild, das in diesem Band gezeichnet wird, bleibt unvollständig.
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am 21. Februar 2015
Es war peinlich zu sehen, wie westeuropäische Spitzenpolitiker auf den Maidan für den Sturz der demokratisch gewählte Regierung demonstriert haben. Was hätten wir gesagt, wenn Lawrow in Berlin an Demonstrationen für den Sturz der deutschen Regierung teilgenommen hätte? Wir spielen hier wirklich mit dem Feuer, obwohl man im Jahre 2014 sich eigentlich etwas mit dem Ereignissen des Jahres 1914 hätte befassen müssen. Die Ähnlichkeiten sind sehr groß. Arroganz und Dummheit im Wechselspiel, und scheinbar harmlose Äußerungen führen irgendwann zum Krieg! In diesem Buch werden auch die Militärausgaben der NATO-Staaten mit denen Russlands verglichen. Auch daraus kann man erkennen: Russland verteidigt sich nur gegen uns!!
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Januar 2015
Die Journalisten die aktuelle Geschehnisse gesammelt und zu Papier gebracht haben ,
stützen sich auf Eindrücke, Beobachtungen u. Berichte teils von Augenzeugen oder selbst erlebten vor Ort. Die hier aufgeführen Autoren bleiben eher unvoreingenommen und objektiv. Ganz anders wie man von den Spitzenjournalismus und der Interaktion der Eliten gewohnt ist. Fazit : Besser als erwartet .Klare Kaufempfehlung!
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am 10. Dezember 2014
Dieses Buch hat mir geholfen den Konflikt in der Ukraine viel besser zu verstehen als es mir die Medien ermöglicht haben. Sicherlich können wir feststellen, dass in der Medienwelt Russland stets als die Bösen dargestellt werden, doch hier wird dieser Stereotyp definitiv aufgelöst und deswegen bin ich den Autoren dieses Buches dankbar.
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am 5. Dezember 2014
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich näher mit der Ukraine-Krise befassen möchte und Informationen sucht, die uns die Massenmedien vorenthalten. Durch das Lesen dieses Buches sind mir viele Zusammenhänge erst klar geworden. Ich konnte in diesem Buch viele "fehlende Puzzleteile" finden, so dass Vorgänge in der Ukraine, die mir vorher unverständlich waren, sich nun zu einem runden Bild zusammensetzten.
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16 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Dezember 2014
Dieses Buch ist ein ungustiöses linksextremes Geschmiere. Nicht mehr und nicht weniger. Die übliche marxistische Geschichtsverfälschung und die sattsam bekannte Realitätsverweigerung. Wem es gefällt, bitte sehr. Ich kaufte dieses Buch auf der Suche nach seriösen Hintergrundinformationen zum Thema Ukraine-Konflikt". In dieser Hinsicht ein absoluter Fehlkauf.

Wer sind die Autoren dieses Buches?
Ein ehemaliger Parteivorstand der Deutschen Kommunistischen Partei und Redakteur der Marxistischen Blätter" (Gerns), ein Ostermarschbewegter und Ossietzky-Herausgeber (Klönne), ein ehemaliger Abgeordneter der DIE LINKE und ATTAC- Beirat (Paech), ein Mitglied vom Bund der Antifaschisten" (Schneider), im besten Fall Historiker, Journalisten und Politikwisenschafter (Dahn, Gellermann, Wagner), ein Soziologe (Kronauer) und eine Journalistin, die von "Ideologiekritik neoliberaler Politik ... sowie reaktionärer (!) Tendenzen in der Linken" (S. 213) lebt (Witt-Stahl).
Der Redakteur der Zeitung ARBEITERKAMPF" (Hehlers) passt gut zu den übrigen Friedensbewegten, Friedensforschern und friedlichen "Kämpfern" aller Art (Henken und Strutynski, letzterer der Herausgeber).

Kein Wunder, wenn es in der Ukraine von Faschisten" (Seite 41, 150, passim), von ultranationalistischen und offenen faschistischen Kräften (S. 41), im besten Fall von einfachen Nationalisten nur so wimmelt. Diese stecken selbstverständlich mit den "Oligarchen" unter einer Decke und diese werden vom "Westen" für ihre kapitalistischen, neoliberalen Ziele ausgenutzt. Diese Oligarchen" lebten vom Speck, der von den Betriebskollektiven in der Sowjetzeit angelegt worden war" (Ehlers, S. 85).

Die Ursachen "für die erbärmlichen materiellen Lebensbedingungen der Menschen liegen letztlich in der tiefen sozialen Spaltung der ukrainischen Gesellschaft im Gefolge der Konterrevolution (!) in der Sowjetunion." (Gerns, S. 39)
Bei soviel Realitätsverweigerung und Geschichtsklitterung wird einem übel. Vor der Konterrevolution" ging es den Menschen ja so gut, man möchte fast glauben, die Sowjetunion sei an ihrem grenzenlosen Reichtum, an zuviel "Speck", zugrunde gegangen!

Natürlich steckt Amerika dahinter, die imperialistische NATO und der ganze "Westen".

Wobei, "nebenbei bemerkt, Rätestrukturen mit an den Wähler gebundenen Mandaten auch ihre Vorteile haben" (Dahn, S. 34) und wo ganz nebenbei die Autorin, rein informativ natürlich und gar nicht profitorientiert - nicht vergisst, auf ihr jüngstes Buch hinzuweisen mit Titel, Verlag und Jahr.
Wieviele Tote haben diese Rätediktaturen in Russland (1905, 1917), in Bayern, in Ungarn oder während der glorreichen "Pariser Commune" gefordert?

Und Deutschland. Deutschland! "Eigentlich ist der Kampf um die Ukraine ... einer zwischen dem russischen Präsidenten und der deutschen Kanzlerin." (Wagner, S. 134). Geschichte wiederholt sich eben andauernd! Kein Wunder, wenn da gleich "seitens der deutschen Eliten mittlerweile massiv (!) auf eine offensivere deutsche Weltmachtpolitik (!!) gedrängt wird" (ebd.). Die Ereignisse in der Ukraine "seien hierfür eine Art Testlauf" (ebd.).

Der ukrainische Holocaust (auch: "Roter Holocaust", "Klassenholocaust" oder "Holodomor") wird rundweg geleugnet (S. 51; S. 69).
Alles, alles wird aufgerollt, die ganze Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg, auch auf die Juden wird nicht vergessen, die den Palästinensern" ihr Land weggenommen haben (Paech, S. 55; S. 63); wie der Westen ständig gerüstet hat und Krieg geschürt hat und böse, böse war.

Nur eines erfährt man nicht: die Hintergründe des Ukraine-Konflikts, wer die "Separatisten" sind, was Putin eigentlich will und sagt. Man erfährt nichts über Ukrainische Geschichte und Kultur (außer, dass die ukrainischen Nationalisten alle, alle mit Hitler kollaboriert haben).
Langsam beginne ich die ORF-Berichterstattung zum Thema wieder zu mögen; unser ORF steht zwar auch nicht gerade im rechten Eck, stellt aber auf ebenso ungustiöse Weise stets Putin einseitig als den Sündenbock hin. Wo bekommt man seriöse Informationen?
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am 9. Dezember 2014
Ich hätte mir gewünscht dass das Buch etwas einfacher geschrieben ist. Die Sätze sind doch schon verschachtelt und teilweise nicht ganz so leicht zu lesen. Ich für meinen Teil muss beim Lesen schon aufnahmebereit sein um den Autor richtig zu verstehen.
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