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Diese polemische Streitschrift einer jungen Frau macht Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es vielleicht wieder mehr Frauen geben wird, die die ständige Nabelschau und den starren Blick auf die Waage hinter sich lassen und auf das konzentrieren, was für sie wirklich wichtig ist, was ihnen wirklich gut tut. Das ist nicht einfach. Wir leben in einer Welt, in der die Körper designt zu sein haben, glattgebürstet auf Size-Zero-Größen, ob es die eigene Veranlagung oder das zunehmende Alter hergibt oder nicht. Hungern scheint für manche einfacher zu sein, als die tatsächlichen Bedürfnisse ihres Körpers zu befriedigen. Schlank ist das Gebot der Zeit. Kaum eine Kontaktsuche in den Medien kommt ohne das Diktat dieser Eigenschaft aus. Entweder wird es geboten oder verlangt, optimal ist, wenn Hungerhaken auf Hungerhaken trifft. Nur wer schlank ist, scheint sich die Chance auf ein in jeder Hinsicht erfülltes Leben verdient zu haben. Auf ein erfülltes Konsumdasein sowieso. Prominente Frauen machen es vor: Unmittelbar nach der Geburt ihrer Kinder quälen sie ihre Körper mit Hilfe von Fitnesstrainern und ausgeklügelten Ernährungsplänen (die diese Bezeichnung gar nicht verdienen) zurück ins Size-Zero-Paradies, denn nur da sind die Designklamotten zuhause, nur so wird man von der Kamera geliebt und vielleicht auch vom Partner, der nur allzu oft auch Konkurrent ist. Und so starren sie mit diesen leeren, attraktiv-hungrigen Blicken in die Welt, eisern an einer Jugend festhalten, die nicht mehr bei ihnen sein kann und will. Das Gekreisch der Massen beim Strecken eines fitnessstudiogestählten Beins mit hoffnungslos im Highheel überdehntem Spann aus einer schwarzen Edelrobe ist Belohnung für? - für was eigentlich? Und etliche, die es noch nicht geschafft haben und es in großer Zahl auch nicht schaffen werden, lassen sich öffentlich vorführen und demütigen und verlieren sich dabei selbst, bevor sie sich überhaupt darüber im Klaren sind, wer sie eigentlich sind. Wer weiß das schon, mit 16, 18 Jahren. Und es sind nicht nur Barbies, die sich auf unterschiedlichen Niveaus der Diktatur des Fleischmarktes beugen, die Kens sind auch fleißig dabei, sich auf dieses Gleis zu begeben: Brusthaar oder gar Schamhaar - igitt. Die Älteren unter uns werden sich noch daran erinnern, dass es einmal einen florierenden Markt für Brusthaartoupets gab, der seit langem vom Zeitgeist geächtet vor sich hintümpelt.

Das alles wäre gar nicht weiter wichtig und würde sogar zum Schmunzeln verleiten, wenn dieser Kampf gegen die eigenen Körper nicht mit erschreckendem Ingrimm betrieben würde, dem alles andere unterzuordnen ist. Dass die Menschen der westlichen Welt dabei immer dicker werden, zeigt jedoch, dass viele am Verlieren sind oder den Kampf bereits aufgegeben haben. Die einen essen fast nix, die anderen immer und überall und oft etwas, das Nahrung nur noch imitiert und dessen Preis entlarvt, was es in Wirklichkeit ist: minderwertiges Zeug.

Laurie Penn, die Autorin, ist eine englische Aktivistin und Bloggerin, die dazu aufruft, diesen Wahnsinn hinter sich zu lassen, ohne sich gleich einen Sack über den Kopf zu ziehen. Dabei übertreibt sie kein bisschen, wenn sie vor ideologischen Tricks warnt. Nein, du kannst nicht alles erreichen, was du dir erträumst, egal wie positiv du denkst, wie sehr du hungerst, trainierst, entspannst. Aber du kannst herausfinden, was du eigentlich wirklich willst und versuchen, davon etwas oder sogar viel zu bekommen. Dinge, die man nur dann vielleicht bekommt, wenn man sich erniedrigt und selbst verleugnet, sind es nicht wert, sie zu besitzen. Das sind sie nie. Fassadenleben macht auf alle Fälle nicht glücklich, noch nicht einmal zufrieden. Die Autorin fordert deshalb Solidarität mit allen, die nicht perfekt sind und auch keine Lust haben, so zu tun als ob. Ihr Buch ermutigt zu einem jungen, starken, positiven Feminismus. Neben dem Körperwahn, der in meiner Rezension hervorgehoben wird, zeigt sie aber auch auf, wie schnell es für Frauen immer noch ungemütlich werden kann, wenn sie ihren Blick dann doch vom flachen Bauch abwenden und bestens ausgebildet nach den Dingen zu greifen beginnen, die auch von den Männern hochgeschätzt werden: Geld, Macht, Einfluss. Hier wird der Wettbewerb subtiler und Frauen können sich kaum "richtig" verhalten. Deshalb ist es auch so leicht, sie, die über keine historisch gewachsenen, einigermaßen solidarischen Netzwerke im Wirtschaftsleben verfügen, gegeneinander auszuspielen. Gerne auch über die oft nicht zu übersehende weibliche Körperlichkeit. Siehe Angela Merkel, die sich nach all' den Jahren der Kanzlerschaft immer auch als perfekte weibliche Zielscheibe betrachten muss (eben weil sie körperlich nicht als perfekt angesehen wird) und sich aus gutem Grund meist in ihren immergleichen, nur farblich variierenden Anzügen regelrecht versteckt. Keine Frage, der unverblendete Feminismus kann frisches Blut brauchen. Errungenschaften, besonders jene, die nicht selbst erkämpft wurden, müssen geschätzt und gepflegt werden, sonst gehen sie uns verloren.

Ich denke liebevoll an meine Großmutter und sehe sie vor mir, mit ihren zum Dutt aufgesteckten Haaren und in einer bunten Kittelschürze. Ich sehe sie im Alter, wie sie jeden Tag zufrieden mit sich und der Welt vor sich hinwerkelte oder die Ruhe genoss. Eine Frau, immer noch eine Frau, eine alte Frau, mit sich im Reinen und mit einem Mann an ihrer Seite, der nicht Unmögliches von ihr verlangte. Und sie nicht von ihm. Zum Dutt und zur Kittelschürze möchte ich nicht zurück. Aber die Hege der eigenen mumifizierten Jugend im Alter - das kann es auch nicht sein. Üben wir Gelassenheit: Im Grab werden wir alle wieder schlank.

Helga Kurz
11. März 2012
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am 5. Dezember 2014
Die Streitschrift passt zum jungen Feminismus: kurz, große Schrift, großer Zeilenabstand... für die schnelllebige Zeiten.
Laurie Penny hat selbst nach ihrer erfolgreichen Bewältigung ihrer Essstörung als Burlesquetänzerin gearbeitet und geschlussfolgert, das es ihr nicht gut tut. Table Dance /Striptease findet sie schädlich, aber Prostitution, da kann sie sich noch nicht zu entschließen,
diese auch abzulehnen. Etwas konsequenter fand ich da die Bücher "Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen" von Natasha Walter oder "Female Chauvinist Pigs: Women and the Rise of Raunch Culture" von Ariel Levy, die den heutigen Postfeminismus beschreiben.
Trotzdem ist das Buch gut und sinnvoll, um manche Mädchen/Frauen da abzuholen, wo sie gerade stehen. Mit dem typisch leicht-flockigen, gut lesbaren Erzählstil klappt das auch ganz gut und es knüpft durchaus an Alltagserfahrungen anderer an.
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Die Kampfansage auf dem Buchrücken liest sich deutlich: „Fleischmarkt ist ein Stück feministischer Dialektik, das den Körper der Frau als sexuellen Stützpunkt des kapitalistischen Kannibalismus offenlegt.“ Deutlich sind auch die Worte der Autorin Laurie Penny, die sie auf den mehr als 120 Seiten des Buchs findet. Dies erscheint auch gut so. Denn in den bewegten Zeiten, in denen wir leben, erscheint es notwendig, die Mechanismen der Zeit offenzulegen und zu diskutieren, vor allem aber auch das Miteinander von Frauen und Männern näher anzuschauen.
In einem Vier-Schritt macht dies auch die Journalistin Laurie Penny. Was an ihrem Buch „Fleischmarkt“ überzeugt, ist das beharrliche Bemühen, die eigenen Lebenserfahrungen in das Denken und Fühlen der Zeit einzuordnen. Es ist kein wehleidiges Jammern über die Rolle der Frau im Jetzt. Das Buch „Fleischmarkt“ ist eher eine schonungslose Offenlegung eines Denkens und Fühlens, das die Geschlechter wohl noch immer nicht auf Augenhöhe begegnen lässt. „Man erwartet von uns, dass wir selbstbewusst auftreten und sexuell allzeit verfügbar wirken, aber wir sollen uns schämen und werden geächtet, wenn wir Arroganz, Ehrgeiz oder erotisches Verlangen zeigen. Überall, in jedem Bereich des Lebens von Frauen, sind körperliche Kontrolle, Selbstdisziplin und ein steriles Zurschaustellen von Sexualität die Parole einer neuen Geschlechterkonformität, die uns direkt ins Fleisch gebrannt ist.“ (8)
Über die Sexualität im Grundsätzlichen denkt das Kapitel „Anatomie der modernen Frigidität“ nach. In diesem Zusammenhang stößt Laurie Penny so manche Nachdenklichkeit an, die der Gegenwart gut zu Gesicht stünde. Der wiederauferstandene Puritanismus werde von der absoluten Libertinage, auf der die moderne Kultur bestehe, makaber konterkariert, so dass jede offene Infragestellung der erotischen Glaubenssätze der Werbe-und Pornoindustrie als Spaßbremse betrachtet werde (21). Wenn man solche Gedanken liest, irritiert es natürlich, dass heute die Zurschaustellung der nackten Frau immer noch gesellschaftlich gewünscht wird, die Präsentation des nackten Mannes anlässlich von Kunstausstellungen in Österreich Skandalcharakter bekommt. Da erscheint Pennys Analyse natürlich treffend: „Der weibliche Körper in der westlichen Welt, der überall zur Schau gestellt wird, ist in Wirklichkeit marginalisiert und von der Kultur der monetarisierten Sexualität in Besitz genommen, die uns von unseren authentischen persönlichen und politischen Identitäten entfremdet.“ (36)
In der Analyse hat die Publizistin Laurie Penny ein zuspitzendes und treffsicheres Buch geschrieben. In der Entwicklung von Perspektiven zeigt es Schwächen. Dies tut der Botschaft jedoch keinen Abbruch, die sie eigentlich verkünden will. Im Kapitel „Raum einnehmen“ äußert sich Penny zu den Essstörungen der Jetzt-Zeit, unter denen sie selber gelitten hat. Wir lebten in einer Welt, die den unwirklichen weiblichen Körper anbete und echte weibliche Macht verachte (45). Konkreter: „Die Diskrepanz zwischen den verbissenen Modellen der erotischen und sozialen Selbstinszenierung … und der Realität unseres alltäglichen Lebens und der sich verändernden Körper kann unerträglich sein.“ (53) Ihr Ausblick erscheint dann jedoch weniger greifbar, sich etwas in Allgemeinbegriffen verlierend.
Der Abschnitt „Geschlechtskapital“ ist dann eine Überlegung zur Transsexualität. Sie mündet schliesslich in die „Drecksarbeit“. Im vierten Kapitel geht es letztlich um die Wiederholung alter feministischer Positionen, von denen sich Laurie Penny abhebt, wenn sie sich zum Körper und der Körperlichkeit Gedanken macht. Deshalb erscheint der Benefit des Buchs „Fleischmarkt“, sich weiter Gedanken zum Körper und zur Körperlichkeit zu machen, um das Geschlechterverhältnis nochmals zu überdenken. Da scheint noch eine Menge Möglichkeiten zur gemeinsamen Perspektiventwicklung verborgen.
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am 15. November 2012
Ich habe 5 Sterne gegeben, weil ich den Inhalt bewertet habe. Und der ist sehr gut: Laurie Penny schreibt klar und deutlich und scheut sich nicht vor radikalen Äußerungen, das gefällt mir. Ich stimme nicht mit allen Aussagen überein, doch hat das Buch mich zum Nachdenken angeregt und mir geholfen einige Verhältnisse neu zu bewerten und zu überdenken. Die deutsche Übersetzung ist allerdings großer Müll, wer sich nicht vor der englische Sprache scheut, sollte überlegen das Original zu lesen. Im deutschen wird von Anfang bis Ende konsequent eine Geschlechtergerechte Sprache verweigert, was ich schon fast eine Unverschämtheit finde für die Übersetzung eines feministischen Buches.
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am 8. September 2014
.... hab mehr erwartet.
Ist doch recht langweilig, keine wirklich neuen Erkenntnisse.
Und dabei noch schwer zu lesen, wems gefällt....
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am 10. März 2013
Zugegeben, dieses Büchlein ist – sprachlich wie inhaltlich – nicht unbedingt leichte Kost. Aber es lohnt sich, den Text konzentriert zu lesen, mitzudenken und ggf. das ein oder andere Fremdwort kurz nachzuschlagen. Laurie Penny geht vom Begriff des „erotischen Kapitals“ aus; sie betrachtet die Rolle (und Unterdrückung) der Frauen aus Klassensicht bzw. innerhalb des kapitalistischen Systems. Dabei steht der weibliche Körper im Blickfeld – in seiner Sexualisierung, im Licht der Schönheitsindustrie –, ebenso wie Transsexualität und die (von Frauen unentgeltlich verrichtete) Hausarbeit als Säule des Kapitalismus. Wer bis zum Schluss (nach sportlichen 123 Seiten) durchhält, gewinnt eine wertvolle (in meinem Fall auch neue) feministische Perspektive, ohne dass dabei altbekannte feministische Themen wie Prostitution, Pornografie, Sexualisierung der Medien, Schönheitswahn, Lohnungleichheit, Diskriminierung von Frauen im Beruf und öffentlichen Leben etc. einfach nur wiedergekaut werden.
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am 30. Juli 2015
habe in der Richtung definitiv schon wesentlich bessere Bücher gelesen. War mir persönlich zu einseitig geschrieben und werde es mir sicherlich nicht nochmal durchlesen.
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am 19. April 2016
Habe es noch nicht fertig gelesen, da es mir etwas zu radikal ist. Viele Gedanken entsprechen jedoch auch meiner Meinung.
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am 22. November 2015
Wunderbarer Abriss vom Frausein und der Körperpolitik von der Feministin Laurie Penny, die gerade mal in ihren 20ern ist. Vor allem als Einstiegsliteratur geeignet.
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am 12. August 2015
Teils wunderbare polemische, teils sehr emotionale Statesments - theoretisch up todate. Ich persönlich falle zwar nicht unter LGBT. Macht nichts, auch ich fühle mich in meinem persönlichen Weltbild verstanden. Die eigentliche Revolution der genders roles steht noch bevor, 150 Jahre Feminismus waren das Vorspiel dafür, der gender trouble ist noch nicht vorbei.
Der materialistische Blick "stört nicht weiter", die Wahrheit des Buches ist davon unabhängig. Womöglich brauch es eben einfach eines festen Ankers, um - sich daran festhaltend - das scheinbar doch so selbstverständliche in Frage zu stellen.
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