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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstehenwollen der anderen Kultur, 6. März 2014
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen sind an allem schuld (Gebundene Ausgabe)
Wenn von den Griechen die Rede ist, fallen den meisten Deutschen wahrscheinlich gleich solche Begriffe ein wie faul, unproduktiv und korrupt. Und wenn man umgekehrt die Griechen über uns Deutsche befragt, würden sie sie uns wahrscheinlich als respektlos, intolerant und krankhaft sparsam bezeichnen. Das deutsch-griechische Verhältnis ist ein einziges Missverständnis, meint der Autor. Und er möchte das mit seinem Buch ein wenig ändern.

Doch wie kam es dazu, dass Deutsche und Griechen seit Jahrhunderten falsche Vorstellungen voneinander haben? Für den Autor begann das gegenseitige Mißverständnis genau im Jahre 1830. In diesem Jahr nämlich erhoben sich die Neugriechen von der Herrschaft der Osmanen und gründeten ihren eigenen Staat. Und die Deutschen dachten, es wird wieder so wie damals - also wie vor über 2000 Jahren, als die Griechen die Wiege der Demokratie waren. Aber es war eben 1830 nichts mehr so, wie früher bei den alten Griechen. Konnte es auch gar nicht! Schließlich waren die Griechen des 19. Jahrhunderts ein buntes Völkergemisch und zu 98 % Analphabeten. Zitat des Autors, der ja selbst Grieche ist: "Wir hatten keine Renaissance, keine Reformation, keine Aufklärung. Aber auf einmal mussten wir nicht nur zu würdigen Nachfolgern der berühmten der Griechen der Antike werden, sondern zugleich auch europäische Bürger. Das war ein bisschen zu viel." Ja, das war wirklich ein bisschen viel, möchte man dem Autor beipflichten. Dass niemand innerhalb von 100 oder auch 200 Jahren ein ganzes Jahrtausend Entwicklung nachholen kann, ist eigentlich recht logisch. Und so wird man durch das Buch angeregt, die Dinge mal aus Sicht der Griechen zu sehen, Verständnis für sie zu entwickeln und eigene, nur allzu bequeme Denkmuster zu hinterfragen. Das ist wirklich ein ein gutes Verdienst des Buches.

Jetzt nochmal zum Buchtitel - also das wir Deutschen an allem schuld wären. Ist natürlich ironisch gemeint. Aber vielleicht auch etwas ernst. Denn wir Deutschen wollen ja immer das Beste, auch für die Griechen - aber erreichen manchmal genau das Gegenteil davon. Schon damals im 19. Jahrhundert war das vielleicht so, als wir unsere Gesetze importieren wollten, sogar unsere Institutionen. Aber das war alles fremd für die Griechen, nicht von innen heraus gewachsen. Denn eigentlich hätte man die den Gesetzen zugrunde liegende Mentalität gleich mit importieren müssen. Das geht aber natürlich nicht! Und hier schlägt der Autor den Bogen zu unserer heutigen Zeit, wo ja die Deutschen ziemlich erfolglos Ähnliches wieder versuchen...

Fazit: Das Buch ist ein prima Plädoyer für Respekt und Akzeptanz griechischer Eigentümlichkeiten und des Verstehenwollens der anderen Kultur und somit ein guter Beitrag, dass derzeit recht angespannte deutsch-griechische Verhältnis wieder etwas zu entspannen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen lehrreich und interessant, 12. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen sind an allem schuld (Gebundene Ausgabe)
Der Autor dieser kleinen Denkschrift „Die Deutschen sind an allem schuld“, Nikos Dimou, ist nicht nur Autor dutzender Bücher, sondern teilt sein mannigfaltiges und mehrsprachig erworbenes Wissen in zahlreichen Medien mit dem geneigten Publikum. Dass er es dabei, nicht nur aufgrund seines breiten Wissenshorizonts, sondern gerade wegen seiner rationalen und pro-europäischen Einstellung nicht immer auch viel Akzeptanz in Griechenland selbst stößt, verwundert ihn nicht, denn gerade dies ist (auch ein) Thema des Buches. Es handelt sich dabei nicht um einen durchgehenden Essay, sondern um diverse Dialoge aus den letzten 25 Jahren, die aber, was der Autor im Nachwort, das weitgehend aus dem Jahr 1996 stammt, bedauert, nichts an (trauriger) Aktualität verloren haben, was die innere Zerrissenheit der griechischen Seele betrifft.
Die einzelnen Kapitel sind wie beschrieben in Dialogform abgefasst und knüpfen damit an die Tradition anderer großer philosophischer Denker wie Platon an, die in (fiktiven) Dialogen Probleme erfassten, einkreisten, aber nicht zwingend zu einer Lösung gelangt sind. Auch auf diese Problematik wird in einem der Dialoge hingewiesen. Ausgangspunkt ist die Problematik, dass man den Griechen nach der Vertreibung der türkischen Besatzern um den Beginn des 19. Jahrhunderts herum die Rolle der Nachfolger der antiken Griechen aufstülpte und von ihnen eine Fortsetzung so institutioneller Werte wie Demokratie, Aufklärung und Staatsräson verlangte, die ihnen in ihrer soziologischen Entwicklung aber anders als den kerneuropäischen Staaten versagt geblieben waren. Besonders befördert wurde diese Entwicklung von deutschen Geistesgrößen, womit sich auch der Titel des Buches erklärt - und nicht etwa als auch denkbarer Seitenhieb auf Deutschlands Rolle in der Euro- und Bankenkrise der vergangenen Jahre. Mit dieser Entwicklung begann aber auch eine Grunddiskrepanz, die auch noch heute in den Köpfen vieler Griechen besteht, so Dimou, nämlich die aufgepfropfte und auch gefühlte Bedeutung und Auserwähltheit als Volk, das Staat und Demokratie erfand, die im Gegensatz zur tatsächlichen Bedeutung des Staates in Europa und in der Welt besteht und die die Griechen nahezu täglich in der internationalen Presse serviert bekommen. Das führt durchaus zu Frustration, Verschwörungstheorien und Abkapselung. Hinzu kommt die schon erwähnte sozio-kulturelle Problematik, die unschöne Auswüchse wie Korruption, Vetternwirtschaft und Emotionale statt rationale Entscheidungen begünstigen.
All das präsentiert Dimou in echten und fiktiven Dialogen mit Gesprächspartnern verschiedener Couleur. Diese sind unterschiedlich lang und auch unterschiedlich gelungen. Eine wirkliche Lösung kann auch er nicht erarbeiten, aber das will er auch gar nicht. Es muss erst einmal um den kleinsten gemeinsamen Nenner gehen, nämlich zwischen den Dialogpartnern Griechenland und dem „Westen“ eine gemeinsame Sprache zu finden und Bewusstsein für die vorhandenen Problemstrukturen zu schaffen. Dass die dann möglichen Konsequenzen echte Arbeit für die betroffenen Griechen bedeuten könnten, verhehlt Dimou auch nicht, was ihm nicht unbedingt weitere Sympathien einbringen wird. Insgesamt ein sehr lehrreiches und interessantes Büchlein, das man bequem in zwei Stunden herunterlesen kann und die den eigenen Blick für vermeintliche Wahrheiten durchaus schärft.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Als in Deutschland aufgewachsener Grieche ist mir das Dilemma unseres Staates und unserers Volkes sehr bewußt und vertraut. Ich, 16. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen sind an allem schuld (Gebundene Ausgabe)
Als in Deutschland aufgewachsener Grieche ist mir das Dilemma unseres Staates und unseres Volkes sehr bewußt und vertraut. Ich kenne keinen anderen als Nikos Dimou, der so kompetent, dabei beredt und profund, nach seinem ersten Buch " Über das Unglück ein Grieche zu sein" diese Probleme im historischen Kontext dargestellt hat.
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5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre!, 28. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen sind an allem schuld (Gebundene Ausgabe)
Für die Griechen sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre gemacht werden!"
Der Autor schreibt sehr engagiert über seine Landsleute, die er absolut
treffsicher charakterisiert und die hausgemachten Probleme aus der Vergangenheit
und der Gegenwart genauestens beschreibt und erklärt Und das nicht die Deutschen
an der Krise die Schuld tragen, sondern, dass diese Misere unter anderem in dem
Charakter, der Mentalität und den Traditionen der Griechen begründet ist.
Auch für uns Deutsche ein sehr aufschlussreiches und interessantes Buch!!
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Die Deutschen sind an allem schuld
Die Deutschen sind an allem schuld von Nikos Dimou (Gebundene Ausgabe - 26. Februar 2014)
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