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Ihre Großmutter prophezeite Zhu Xiao-Mei ein "Leben wie eine schöne Stickerei", doch Mao kam dazwischen.

In diesem Buch erzählt die 1949 in Shanghai geborene Pianistin nun ihr Leben, das maßgeblich von der Kulturrevolution 1966-1976 geprägt wurde. Die Erinnerungen setzen mit der Lieferung eines Klavieres ein. Im Alter von 3 Jahren tritt "Robinson" in ihr Leben, das Instrument, das sie fast wie einen Menschen in ihr Herz schließen wird.
Als Kind intellektueller und ursprüngliche wohlhabender Eltern hat Zhu Xiao-Mei es schwer im maoistischen China. Ihre Eltern versuchen sie und ihre 4 Schwestern trotzdem möglichst intensiv zu fördern. Sie soll Pianistin werden und wird es auch, allerdings sehr viel später als geplant. Bereits als Kind liebt sie die klassische Musik aus dem Westen. Schumanns Musik bewegt sie sehr, die Pekingoper findet sie so uninteressant, dass sie dabei einschläft. Xiao-Mei wird am Pekinger Konservatorium aufgenommen und wird von Beginn an als "Chushen Bushao", als Element "schlechter Herkunft" eingestuft und ist damit der Willkür der herrschenden Klasse schutzlos ausgesetzt. Denunziationen, Verleumdungen und Demütigungen stehen an der Tagesordnung. Unzählige Menschen (genaue Zahlen liegen bis heute nicht vor, man geht allerdings von einigen Millionen aus) fallen durch Mord und Selbstmord der Diktatur zum Opfer. Bücher und Noten werden verbrannt. Die Kunst hat allein der kommunistischen Sache zu dienen und das Leben wird Künstlern zur Hölle gemacht. Auch Xioa-Mei wird denunziert - und, was für sie noch viel schlimmer ist: Sie denunziert andere. Die Gehirnwäsche hat in ihr den Wunsch geweckt, eine "gute Revolutionärin" zu werden. Sie macht sich sogar auf die Suche nach Indizien, die belegen, dass ihr Vater ein Spion gewesen ist. Fünf Jahre verbringt Xiao-Mei in Umerziehungslagern. Sie durchlebt unsägliche Qualen, muss mit ansehen, wie Bekannte zu Grunde gehen, wie die Menschlichkeit verkümmert. Doch irgendwann packt sie die Sehnsucht nach dem Leben, nach der Freiheit, nach ihrem Klavier. "Robinson" wird von der Mutter tatsächlich nach Zhangjiako an der mongolischen Grenze geschickt. Das Lagerleben wird etwas erträglicher und als die junge Frau nach 5 Jahren endlich entlassen wird, kehrt sie gemeinsam mit ihrem Instrument nach Peking zurück. Xiao-Mei möchte nun ihren Traum verwirklichen und endlich Pianistin werden. Doch China scheint nicht der richtige Ort zu sein. Von Isaac Stern (Von Mao zu Mozart) inspiriert, beschließ sie, in die USA auszuwandern. Über Hongkong schafft sie es tatsächlich - doch von ihrem Traum scheint sie sich stetig zu entfernen. Im Westen muss sie sich als Babysitter und Putzfrau am Existenzminimum herumschlagen, die erfährt die Freiheit als Beliebigkeit und kommt in einer Welt, in der man permanent Entscheidungen treffen muss, nicht zurecht. Wie auch? Sie hatte ja nie die Gelegenheit, es zu lernen. Um ihren Traum doch noch zu verwirklichen, geht sie sogar eine Scheinehe ein und fliegt schließlich nach Paris. Dort beginnt dann langsam das, was man gemeinhin als Karriere bezeichnen kann. Doch auch in Frankreich ist ihr Leben zunächst geprägt von Entbehrungen und Schwierigkeiten. Erst mit über 30 hat sie schließlich ihren Abschluss. Sie beginnt in renommierten Konzertsälen zu spielen, geht auf Tournee (nach Polen) und setzt sich vor allem für die Menschlichkeit ein, die sie mit Hilfe der Musik transportieren möchte. Sie spielt in Gefängnissen und in Krankenhäusern und versucht denen Mut zu machen, denen es schlecht geht. Auch als ihre Karriere schließlich in Gang gekommen ist, wirft eine Krankheit sie zurück. Doch sie schafft es doch noch, zur Ruhe zu kommen. In Paris hat sie eine ungeheure Entdeckung gemacht: Bachs Goldbergvariationen, die sie fortan begleiten werden. Und auch Laotse wird ihr essentielle Einsichten bringen.
Laotse und Bach schenken der durch die Kulturrevolution gebrochenen Pianistin Kraft und lassen sie etwas zur Ruhe kommen. Von ihren krankhaften Zweifeln konnte sie sich allerdings nie befreien.

Zhu Xiao-Mei hat hier ein unglaublich berührendes Buch geschrieben. In Anlehnung an die Goldbergvariationen gliedert es sich in 30 Kapitel und eine Aria, die am Anfang und am Schluss steht. Bachs einzigartiges Werk erfährt durch die chinesische Pianistin eine Würdigung, die ihm gerecht wird. Ich bin zutiefst beeindruckt.
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am 14. Mai 2009
Zhu Xiao-Mei ist eine von fünf Töchtern eines einst gut situierten bürgerlichen Ehepaares, das nach Maos Machtübernahme ein erbärmliches Dasein fristen muss. Somit muss Zhu Xiao-Mei während ihres Studiums am Konservatorium erste Schikanen und Benachteiligungen ertragen.
Diese aber sind nichts im Vergleich zu dem, was im Rahmen der Kulturrevolution ab 1966 über die junge, hochbegabte Studentin hereinbricht. Westliche Musik, somit praktisch die gesamte Klavierliteratur, wird verboten - und die Klavierstudenten haben daher keinen Unterricht mehr. Sie werden in Umerziehungslager geschickt, wo sie unter unsäglichen Bedingungen und Erniedrigungen landwirtschaftliche, häufig sinnlose Zwangsarbeit leisten und ständige Erniedrigungen aushalten müssen.
Unter ihnen ist Zhu Xiao-Mei. Unsägliche Qualen begleiten sie durch die nächsten fünf Jahre. Zwar kann sie nach einiger Zeit heimlich am Klavier üben, doch letztlich kostet sie die Kulturrevolution zehn wertvolle Jahre, in denen sie so viel hätte studieren und praktizieren können.
Und da sie findet, dass sie zwar ihr Land liebt, das Land jedoch nicht sie, entschließt sie sich zur Auswanderung.

Die Kulturrevolution, ein in Anarchie mündendes Gewalt- und Zerstörungsspektakel, ist dem westeuropäischen Leser vermutlich in groben Zügen bekannt. Einzelschicksale freilich vermögen es nach wie vor, uns zu erschüttern. Zu diesen Schicksalen gehört jenes von Zhu Xiao-Mei und ihrer Familie, die sich einzig den Umstand "vorwerfen" muss, von Bürgerlichen abzustammen, und die dennoch unweigerlich in Maos Mühlen und das Visier der Roten Garden gerät.
Zhu Xiao-Mei arbeitet in ihrer Autobiografie nicht mit dem "Druck auf die Tränendrüse", obwohl dies durchaus verzeihlich wäre; solches widerspräche ihrer Mentalität. Doch gerade die auf Sachlichkeit, Ehrlichkeit und Wahrheit ausgelegte Darstellung schockiert in ihrer Offenheit. Manch groteske Szene oder Begebenheit reizt zum Lachen, das jedoch angesichts des Hintergrundes und der Folgen im Hals des Lesers stecken bleibt - und gelegentlich möchte man weinen.
Dieses so wunderbare wie verstörende Buch wendet sich keineswegs nur an Liebhaber der so genannten "klassischen" Musik. Vor allem ist es ein bemerkenswertes zeitgeschichtliches Dokument, das sich gegen Diktatur und Unterdrückung wendet.
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am 12. Juni 2009
Dieses Buch sollte auch in Schulen gelesen werden, denn es gibt in einer unprätenziösen und nichts beschönigenden Form Einblick in menschliches Verhalten im Zusammenhang mit autoritären Systemen. Es beschreibt, in welcher Form Menschen gebrochen und verbogen werden, wenn das ausgeklügelte System der Gehirnwäsche mit permanenter Entwürdigung und unter lebensbedrohlicher, andauernder Angst zur Ultima Ratio in einer Diktatur geworden ist. Es ist ein Lehrbuch, das verdeutlicht welche Mechanismen, in der rechten Mischung verabreicht, jeden - auch die "aufrechten"- Menschen zu Mittätern werden läßt, wenn sie sich nicht im Selbstmord den teuflischen Systemen entziehen konnten. Es ist ein Buch, das auch über die heilende Kraft der Künste - hier speziell der Musik Bachs - Auskunft gibt im Sinne einer wunderbaren Gegenwelt in der es Sinn macht und sich lohnt zu leben!
Yael Niemeyer
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TOP 500 REZENSENTam 6. Februar 2010
Die Biographie von ZHU XIAO-MEI, macht einen gewaltigen Bogen, beginnt Anfang der sechziger Jahre, dem Beginn der Kulturrevolution in China, und reicht bis Anfang des 21. Jahrhunderts, wo sich der Erfolg langsam einstellen sollte, von ihrem lange gehegten Traum, eines Tages Pianistin zu sein. Eine Polit- und Musik-Biographie vor dem Hintergrund China's.

Wir haben das Jahr 1966. China, Kulturrevolution. Die Autorin ist am Konservatorium und soll in Klavier ausgebildet werden. Eine Zeit, wo Alles dem Bougeoisen zugeordnet und verächtet wird. Ein Land, das alle Kultur vernichtet, Lehrer und Studenten geschlagen und in den Selbstmord getrieben werden. Menschen verdächtigt und getötet werden. Arbeitslager eingerichtet werden, wo auch MEI für 5 Jahre sein sollte. Wer eine "schlechte Herkunft" hatte, war dazu verdammt. "Umerziehung durch Arbeit" wurde zur neuen Maxime. Alles Kapital dem Land. Gehirnwäsche in seiner pursten Form. Die Autorin selbst wird zur eifrigen Revolutionärin. Ein Verfall von menschlichen Werten, man kann niemandem mehr trauen. Jeder verrät jeden, eine Zeit wo Menschen Opfer der Willkür werden. Das Klavier wird ins Arbeitslager transportiert, selbst dort kann sie weiterhin darauf spielen und lernen. Bürger die verdächtigt werden, nicht im Sinne MAO's zu handeln, müssen öffentliche "Selbstkritik und Denunziation" üben. Die ganze Familie wird in verschiedene Arbeitslager verteilt. Wer nicht dem Land dient, ist ein Verräter. Irgendwann, beginnt sie, auch daran zu zweifeln...

MEI entscheidet sich das Land zu verlassen. Die Stationen sind, L.A., Bosten, Paris. Sie lernt neue Menschen kennen, geht durch versch. Schwierigkeiten, sich eine Existenz aufzubauen. Immer wieder trifft sie Menschen die ihr weiterhelfen. Schritt für Schritt. Es gibt Erfolge und Rückschläge. Hoffnung und Verzweiflung. Traum und die immer wiederkehrende Erinnerung an die eigene Vergangenheit "ihrer verlorenen Jahre", wo sie später die Verantwortlichen für ihre Handlungen zu hassen beginnt. "Die Kulturrevolution hat mich zerbrochen."

In den späteren Jahren, wird sie in ihr Land zurück kehren, wo sie die Erinnerungen wieder einholen. Sie wird Menschen und Orte wieder treffen, die sie geprägt haben. Erinnerungen die eine zerstörerische Kraft ausüben, in dem Land, dass sie liebt. Eine Suche nach der eigenen Würde, der verlorenen und zerstörten Würde. Die Musik rettet sie und gibt ihr Hoffnung und Zuversicht. Sie ist ihr Lebenselixier und Hoffnungsträger. Als Leser nehmen wir auch an den einzelnen Schicksalen der Familienmitglieder teil, vor allem ihren Eltern. Selbst ihren Vater beginnt sie als Spion zu verdächtigen. Eine Reminiszenz an wichtige Lehrer und Persönlichkeiten, die das Klavier näher brachten, aber auch menschliche innere Werte.

Eine Autorin, die sich über die Auswirkungen ihrer Gefangenschaft bewusst wird, die eigene Gefangenschaft in sich selbst zu ergründen sucht. "Wir sind Gefangene unserer Gefühle." Sie beginnt mit Bach's Kompositionen immer tiefer zu gehen, allen voran, Goldberg's Variationen. Eine Heimatlose, die ihren Traum, Pianistin zu werden nicht aufgeben will. Eines Tages, möchte sie sogar eine Klavierschule eröffnen. Nur die "innere Orientierung" scheinen ihr noch Halt zu geben, wo alles Äussere, mit Verunsicherung umgeben ist: "An jedem Tag gibt es zwei Momente, die mich glücklich machen. Der erste ist das Meditieren. Den zweiten möchte ich MEDITATION AM KLAVIER nennen."

Eine Musikerin, die sich mit grösster Hingabe der Musik verschreibt: "Nachdem ich es in seinem Ganzen analysiert habe, spiele ich es jeden Tag, ohne zu forcieren, ohne seinen Sinn auf Anhieb verstehen zu wollen, bis ich jede einzelne Passage, jede Note ins Herz geschlossen habe und den Zustand der natürlichen, intuitiven Erkenntnis erreiche."

Fazit: Eine unglaubliche Lebensgeschichte, einer in China aufgewachsenen Frau, die ihr ganzes Leben ihrem Traum widmet. Eine Frau, die vom Leben gebeutelt wird, Zuflucht nimmt bei den grossen Weisen des Ostens wie Laotse oder Konfuzius, und nie aufgibt in sich selbst die Antworten des Lebens zu finden, ihre Spiritualität, ihren Seelenfrieden, ihre eigene Liebe. Eine kostbar erzählte Lebensgeschichte, vor einem leidvollen Hintergrund,ihrer verlorenen Jugend, "ihrer gestohlenen Jahre," getragen von der Vision, nie, aber auch gar nie aufzuhören, an seinen innersten Traum zu glauben, das alleine macht diese Biographie dieser Pianistin zu einer kostbaren Leseerfahrung, die einem noch gleichzeitig Appetit macht, sich die Goldberg-Variationen eines Johann Sebastian Bach anzuhören. Es ist auch eine Liebeserklärung an das Klavier und die Musik Bach's. Gerne zitiere ich etwas von dieser Autorin, wie sie über Menschen denkt, die ihre Musik hören:

"Wenn ihm mein Spiel hilft, das Menschliche in sich und anderen zu erkennen, wenn die Musik ihn lehrt, dass er sich wehren kann, wenn Wichtiges auf dem Spiel steht, habe ich mein Ziel erreicht."

Eine Autorin, die trotz der Erfahrung des Unmenschlichen das Menschliche stets gesucht hat. Eine berührende und aufrüttelnde Geschichte, die mit der Hand der Würde geschrieben wurde.
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am 12. November 2011
Über die Inhalte des Buchs ist andernorts schon ausreichend geschrieben worden.
Ich möchte den Karriereweg beleuchten, der nicht unähnlich dem einer Clara Haskil ist (leider im Buch falsch geschrieben).

Beide Pianistinnen haben erst spät mit ihrer Karriere beginnen können, beiden waren die politschen Umstände das Hindernis.Beide waren lange arm. Beide hatten lange kein eigenes Klavier.Beide hatten Gönner, die es ihnen doch möglich gemacht haben, ihre Berufung gemäß zu musizieren. Beiden fällt es schwer,öffentlich aufzutreten.Aus verschiedenen Ursachen sind beide in ihrem Selbstwert zentral beschädigt worden.

Ihre Karriere,trotz erkennbaren Hochbegabungen, geht nicht den gradlinigen Weg.
Durch alle Widerstände hindurch wirkt die Kraft der heiligen Cäcilie. Die Freude an Musik kann durch nichts gebrochen werden.

Haskil war durch Krankheiten und Verfolgung geschwächt, Zhu durch die Unhumanität eines totalitären Systems. Beide werden durch die Umstände nicht vernichtet.

Die Geschichte beider Frauen ist bewegend. Haskil ist durch manche Aufnahmen in den Olymp aufgestiegen, Zhu wird von manchen dort angesiedelt. Es gibt Menschen, die halten ihre Wiedergabe der Goldbergvariationen für das non plus ultra. Gerade hat sie eine Mozartaufnahme herausgebracht. Mit Haskil würde ich sie nicht vergleichen, aber angesichts dieser Geschichte fällt es schwer, dazu eine Beurteilung zu schreiben.

Das Buch ist der formalen Struktur der Goldbergvariantionen angeglichen, im Buch finden sich tiefschürfende Aussagen zu dem Werk.

Ein bewegendes Buch.
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am 16. Februar 2010
Der chinesische Philosoph Laotse und der großartige Komponist Bach spielen in dieser Biografie der Chinesin Zhu Xiao-Mei eine Schlüsselrolle.
Laotse mit seinen geistreichen weisen Sprüchen und Bach mit seiner tiefgehenden feinfühligen Musik.
Die Protagonistin erlebte ihre Kindheit mit ihren Eltern und vier Schwestern (Mutter Klavierlehrerin, Vater an der Universität tätig) in Shanghai und kam durch ihre Mutter mit dem Klavierstück "Träumerein" von Schumann auf den Geschmack zur Musik. Sie besuchte das Musikkonservatorium und lernte das Klavier zu beherrschen.
Die Autorin mußte die Kulturrevolution in voller Härte miterleben. Ihr Vater wurde als Spion eingesperrt, viele Bekannte und Lehrer verübten Selbstmord und wurden aufs Land zur Umerziehung gesschickt. Ebenso auch Zhu. Trotz schwieriger Umstände fand sie immer wieder Möglichkeiten, Noten zu erhalten und auch ihr Klavier zugeschickt zu bekommen. Sie übte in jeder Lage am Instrument.
Nach 5 Jahren Umerziehung wurde sie aus dem Lager entlassen. Von Ihrem früheren Lehrer bekam sie wieder Musikunterricht und ihr Ziel war es, nach Amerika auszuwandern, um in der westlichen Welt weiter zu studieren.
Sie schlug sich mit Hilfe von Freunden und Verwandten und mit allen möglichen Jobs durch, lernte immer wieder die richtigen Menschen kennen, die ihr auf ihrem musikalischen Weg weiterhalfen.
1984 konnte sie sich ihren Traum, Paris kennenzulernen, erfüllen. Sie gab einige wieder Konzerte, hauptsächlich die Goldberg-Variationen von Bach, mit denen sie sich ein Leben lang vervollständigen wollte.
Es ist ein sehr intensives, schönes und inhaltsvolles Buch. Man kann sich das Leben während dieser Zeit so gut vorstellen und auch mitfühlen, was das chinesische Volk durch diese Umstände und Denunzierungen mitmachen mußte.
Durch Ausdauer und durch ihren unerschütterlichen Glauben an sich selbst hat die Pianistin Zhu Xiao-Mei ihre höchsten Ziele erreichen können.
Die Musik - ihr Traum und Leben.
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am 24. April 2015
Die Pianistin Zhu Xiao-Mei beschreibt die Kulturrevolution und ihre Folgen: Wer Schmuck oder ein Klavier besaß, galt als bürgerlich und war gefährdet. Die klassische Musik galt als elitär und volksfern, Beethoven als Egoist. Bach war als Kirchenmusiker untragbar. Chopin war wegen seiner Sentimentalität verpönt, die angeblich egoistisch mache, Debussy wurde abgelehnt, weil er idealistisch war. Lediglich gegen Mozart brachte niemand etwas vor. Auch die Fingerübungen von Czerny und Hanon waren erlaubt.

Gegenüber Mao gab es nur eine akzeptable Haltung: Man mußte seine Anweisungen befolgen, auch wenn man sie nicht verstand. Das bedeutete: Sogar Kinder mußten einander denunzieren und mißhandeln, die Dozenten des Konservatoriums mußten die Klos putzen oder im Hof herumlaufen. Der Unterricht wurde eingestellt. Viele Intellektuelle brachten sich um. Die Roten Garden demütigten, beschimpften und folterten die Lehrer. Wer überleben wollte, mußte lügen.

Alle Studenten künstlerischer Fächer mußten in ein Umerziehungslager, um dort verdummt zu werden und sinnlose körperliche Arbeit kennenzulernen, etwa das Anpflanzen von Reis auf ungeeignetem Boden. Die stumpfsinnige Arbeit machte aggressiv. An den Abenden gab es dann die "Versammlungen zur Selbstkritik und Denunziation" (S. 103).

Das Essen war schlecht, die Hygiene mangelhaft. Der Schlaf wurde durch Nachtmärsche eingeschränkt. Sich nicht waschen zu dürfen wurde systematisches Prinzip zur Untergrabung der Menschenwürde. Intimität gab es nicht: "Allein der Gedanke ist ein Beweis für bourgeoise Gefühle" (S. 104). Es gab zwar Filmvorführungen, doch Kußszenen waren verboten und wurden von Soldaten per Hand verdeckt, obwohl die Lagerinsassen zwischen 19 und 30 Jahren alt waren. Eine Mutter bewies ihre Treue zu Mao dadurch, daß sie ein krankes Ferkel pflegte statt zu ihrem todkranken Sohn fuhr: "Ein Ferkel bedeutet Nahrung für das Kollektiv, dagegen ist die Liebe zu seinem Kind ein individualistisches, bourgeoises Gefühl" (S. 111).

Zhu Xiao-Mei überlebte dank der Musik, ihre Mutter dank der Malerei, ihr Vater dank der heiligen Schriften der tibetischen Buddhisten. Die Langzeitfolgen: "Ich kenne Laotse nicht, ich weiß nicht, was Tomatensaft ist, und jetzt kann ich den Flughafenausgang nicht finden" (S. 169). "Die Kulturrevolution hat mich zerbrochen" (S. 264). "Die Kulturrevolution hat mich besudelt, eine Schuldige aus mir gemacht" (S. 265).

In ihren Opfern hat die Kulturrevolution "den Wunsch nach Absolutem [...] erstickt. […] Sie wollte sie zu Kommunisten erziehen und hat Kapitalisten aus ihnen gemacht!" (S. 275) "Ohne Bücher, ohne Noten oder Lexika zu sein war schlimmer als das physische Leid, das wir ertragen mussten. […] Welchen Sinn hat das Leben, wenn man seine Persönlichkeit nicht entwickeln kann, wenn uns als Perspektive nur Ignoranz und Unterwerfung bleibt? Die Kulturrevolution muss der ganzen Welt als Lehre dienen" (S. 285).
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am 10. September 2014
Ein atemberaubender Bericht über China, die Kulturrevolution, die entmenschlichende Macht von Indoktronierung, die Kraft von Musik... Brutalität, erschütterndes Ausgeliefertsein im Lager, und Musik als Überlebenshilfe, als Motor, als Leitstern. Ich habe mehrmals geweint. Berührende Momente von Mitgefühl und Menschenliebe. Was es bedeutet, solch eine Erfahrung zu überleben. Und ein tiefgründiger Bericht darüber, was es braucht, Musik in der Tiefe zu verstehen. Ein Geschenk.
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Es beginnt alles damit, dass dem musikalischen Wunderkind der Familie Zhu, Zhu Xiao-Mei, ein altes Klavier in die enge Wohnung gezwängt wird. Die Mutter unterrichtet zunächst, dann besucht das Kind das Konservatorium, hat erste Erfolge als Pianistin. Eine große Karriere als Konzertpianistin wird ihr vorausgesagt. 1966 bricht Mao Zedongs Kulturrevolution aus und erklärt Chinas Kulturschaffenden den Krieg. Dazu gehört auch die weltoffene und kulturbemühte Familie Zhu die plötzlich im neuen China als "bourgeois", dekadent und gefährlich gilt. Die Großeltern von Xiao-Mei waren ehrbare Kaufleute, der Vater Arzt, die Mutter Musiklehrerin. Die "Roten Garden" betreiben für Mao einen Machtkampf, um die Widerscher, die kaum da waren, auszumerzen. Der Familie gelingt es das Klavier zu verstecken. Die Noten mit westlicher Musik werden verbrannt, die Lehrer öffentlich denunziert, hingerichtet oder in den Selbstmord getrieben. Kein Schüler kann sich dem Zwang zur Denunziation entziehen.

Wie alle ihrer Mitschüler wird auch Xiao-Mei in ein Arbeitslager geschickt. Um eine gute Revolutionärin zu sein, muss sie sich von ihrer Familie und ihren musikalischen Zielen distanzieren. Sie liebt zwar einerseits ihre Familie, ist jedoch von der Ideologie selber so infiziert, dass sie ein schlechtes Gewissen hat und ihre Liebe zu Mutter und Vater abzutöten versucht, weil sie sich sagt, du musst fürs Kollektiv leben. Auch nach fünf Jahren "Umerziehung", grauenvoller Gehirnwäsche und zermürbender Zwangsarbeit war ihre Liebe zur Musik nicht gebrochen. Nach wie vor liebt sie Beethoven und Bach, entdeckte ein altes Akkordeon und begann darauf zu spielen.

Es beginnt eine abenteuerliche Reise über Hongkong, Los Angeles, Boston nach Paris. In Amerika finanziert sie mit Gelegenheitsjobs ein zweites Klavierstudium , beklagt sie sich über Kleinigkeiten, sehnt sich nach dem Straflager, wo ihr buchstäblich jede Entscheidung abgenommen worden ist, beschäftigt sich fortwährend mit jahrelang unterdrückten Gefühlen und Reflektionen. Und man fragt sich unwillkürlich, woher hatte diese Frau die Kraft, die Gewalt und den Schmerz im Lager zu überleben?

In Paris wird sie schließlich zur international gefeierten Pianistin. In dieser bewegenden Autobiographie reflektiert sie nun über Episoden und Träume, darüber das ihre Mutter sie zur Musik gebracht hat, dass diese Liebe zur Musik auch nach den Jahren im Straflager nicht verloren gegangen ist. Sie erinnert sich intensiv, wie sie im Arbeitslager wieder ganz zärtlich zu spielen anfängt, auf welch abenteuerliche Weise sie ihr Klavier wieder bekommt, das in der Nähe des Arbeitslagers bei einem in der Verbannung lebenden Dissidenten versteckt worden ist, wie es ihr mit List und Tücke gelingt im Lager ein Konzert zu geben, weil sie vorgab die Werke von Bach und seinen Kompositionen von Mao Zedongs Ehefrau und wie sie schließlich aus dem Lager flieht und beschließt das Land zu verlassen. Ein ewiger, langer Weg, der beeindruckt, aber doch auch bei schmerzhafter Selbstkritik viele Fragen offen lässt. Was bleibt ist ein autobiografisches Fragment das zeigt, dass sie immer noch nicht am wahren Ziel angekommen ist. Das ist eigentlich das Fesselnde an diesem subjektiven Lebensbericht, bei dem die chinesischen Wurzeln immer noch Bestand haben.
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am 26. Juni 2016
Die Autorin spielte schon in jungen Jahren öffentlich Klavier. Dann kam Maos "Kulturrevolution". Faszinierende Beschreibung der unglaublichen Gräuel und des Werdegangs der jetzt in Frankreiche lebenden Künstlerin, die nie aufgegeben hat.
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