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138 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine falsch verstandene Liebeserklärung
Liebe Leser,

ich möchte meine Rezension über das Buch "Über das Unglück, ein Grieche zu sein" mit einem Zitat aus der 3sat Kulturzeit beginnen:

"Ganz wohl ist Dimou nicht dabei, dass sein Buch gerade jetzt auf Deutsch erscheint. Eigentlich will er der lauten ausländischen Kritik nicht noch Munition liefern, denn Nikos Dimou...
Veröffentlicht am 21. Februar 2012 von Ronald Richter

versus
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eher nicht ...
Ich hatte - wohl auch auf Grund der Kritiken - bei dem Buch mit einer unterhaltsamen Textsammlung zu Griechenland gerechnet. Tatsächlich erhält man ein ziemlich kleines Aphorismenbuch, das auch für den ein oder anderen Schmunzler und vielleicht auch ein oder zweimal zum Nachdenken gut ist. Dafür empfinde ich den Band über weite Strecken als...
Veröffentlicht am 2. Juni 2012 von Scimitar


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138 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine falsch verstandene Liebeserklärung, 21. Februar 2012
Von 
Ronald Richter (Gummersbach, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Liebe Leser,

ich möchte meine Rezension über das Buch "Über das Unglück, ein Grieche zu sein" mit einem Zitat aus der 3sat Kulturzeit beginnen:

"Ganz wohl ist Dimou nicht dabei, dass sein Buch gerade jetzt auf Deutsch erscheint. Eigentlich will er der lauten ausländischen Kritik nicht noch Munition liefern, denn Nikos Dimou will seine Kritik als Liebeserklärung verstanden wissen."

Recht hat er, denn genau das, was Nikos Demou befürchtet, tritt - wie man an der ersten Rezension sehen kann - ein.

"Ein Grieche" - so Dimou - "nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt zweifach über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann".

Natürlich übertreibt hier auch Dimou; wie sollte er - als Grieche - auch nicht?

Ist dieser Hang des Griechen zur maßlosen Übertreibung eine heilbare Krankheit?

Nein, sie ist Teil der griechischen Mentalität, die ich in den 25 Jahren in denen ich Griechenland bereist habe, erleben konnte. Eine Mentalität ist nichts, was man sich aussuchen kann. Sie ist Teil der eigenen Kultur und eines erlernten Selbstverständnisses.

Was Dimou an dieser Stelle vergisst zu erwähnen ist, dass auch Herz und Seele des Griechen mindestens vier mal so groß sind wie die des durchschnittlichen Nordeuropäers.

Wenn also ein Grieche das Vierfache von dem verspricht was er halten kann so ist dieses Versprechen nicht von vorneherein als eine Worthülse angelegt. Ein Grieche glaubt tatsächlich, dass er diesen an sich selbst gestellten, völlig überhöhten Anspruch ohne Schwierigkeiten zu erfüllen in der Lage ist.

Im täglichen Leben wird ein Grieche ständig an diesen Ansprüchen scheitern.

In der Geschichte aber halten die Spartaner unter vollständiger Selbstaufgabe bei den Thermopylen der Übermacht des persischen Heeres stand, vermöbeln die scheinbar überlegenen italienischen Truppen im zweiten Weltkrieg, leisten der deutschen Wehrmacht auf Kreta erbitterten Widerstand und werden völlig überraschend Fußballeuropameister.

Das griechische Wesen ist nicht alltagstauglich. Griechen erfanden nicht die Buchhaltung sondern die Mathematik. Griechen bauen keine Uhren um die Zeit zu messen, sie erkannten und erklärten die Zeit. Griechen neigten sich nicht vor ihren Göttern, sie bekämpften die Götter und erhoben die menschliche Moral über sie.

Wer mit der griechischen Mentalität nicht geboren wurde, der kann sie erlernen. Spätestens nach vier Wochen unter dem griechischen Himmel (Griechenland hat definitiv einen eigenen Himmel) versteht man, warum griechische Motorradfahrer - bis sie dazu gezwungen wurden - keine Helme trugen. Nur in Griechenland kann man ein Gefühl der Unsterblichkeit erfahren.

Das Buch von Nikos Demou ist sicherlich eine gelungene Beschreibung des griechischen Wesens und griechischer gesellschaftlicher und politischer Zustände.

Wer Munition sucht um über Griechenland und die Griechen herzuziehen und nachzutreten wird in diesem Buch fündig werden.

Wer Griechenland und die Griechen eben wegen ihrer Eigenheiten zu lieben gelernt hat und wen es genau wegen des griechischen Wesens, dieser unvergleichlichen Mischung aus Melancholie, Übertreibung, Inkonsequenz und Fröhlichkeit immer wieder nach Griechenland gezogen hat wird schmunzeln; und er wird sich fragen, ob Griechenland nach der Krise als disziplinierte europäische Nation als Reiseziel noch taugt.

Denn mich hat es über viele Jahre nicht trotz, sondern wegen des griechischen Wesens immer wieder nach Griechenland gezogen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über das Unglück, 6. Januar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
DIMOU, Nikos: „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“, München 2012
Der Aufbau des Buches mit einzelnen Paragrafen erinnert an Wittgenstein.
Der Autor schildert sein Land und seine Einwohner so negativ, wie ich es noch nie gesehen habe. Er begründet das Unglück als die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit und dass die Griechen ihre Wünsche zu hoch stecken würden. „Man könnte den Menschen als das Lebewesen definieren, das immer mehr haben will, als es bekommt.“ (Seite 15) Die Griechen hätten hier höhere Ziele als andere Völker.
Der Grieche übertreibt. „Er lebt zweifach über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann. Er weiß viermal so viel wie das, was er tatsächlich gelernt hat. Er zeigt seine Gefühle fünfmal stärker, als er sie wirklich empfindet.“ (Seite 18).
Geografisch zählt sich der Grieche nicht zu Europa. „Wann immer ein Grieche von Europa spricht, schließt er automatisch Griechenland aus.“ (Seite 26). Diesen Satz kann ich bestätigen. Wann immer mein Kollege aus Athen nach Wien kam sagte er „nach Europa fahren“. Der Autor meint, dass Griechenland den slawophilen Völkern näher steht und auch unter dem orientalischen Einfluss steht.
Ich bin froh, dass der Autor am Ende doch noch positive Worte zu seinem Land hat: „Die Wahrheit ist: Dieses Land ist schön …“ (Seite 55). Weiter zitiere ich nicht, denn im Nebensatz wird es schon wieder negativ.
Und trotz allem Negativem sagt er dann am Ende: „Nichts habe ich mehr geliebt als dieses Land.“ (Seite 66)
(Hinterbrühl, 06.01.2013)
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Höhen und Tiefen der Selbstverliebtheit, 19. März 2012
Von 
Eva Reinermann "evareinermann" (Wittmund, Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Humanistische Bildung, Homer, Sokrates, Aristoteles, Alexander der Grosse, grossartige Tempel, faszinierende Götter - das und vieles mehr ist uns über das klassische Griechenland überliefert. Was aber hat das Altgriechische mit den Neugriechen zu tun ? Wie verhält sich der moderne Mensch gegenüber den übergrossen Vorbildern aus der Antike ? Kann man dem überhaupt gerecht werden ? Nikos Dimou hat einige der Aphorismen aus diesem Büchlein vor vielen Jahren in Griechisch veröffentlicht - sie treffen wohl alle auch heute noch zu und sind aktueller denn je. Es ist möglich, mit Hilfe dieser gesammelten Gedanken und Beobachtungen der griechischen Zerrissenheit näher zu kommen. Auch die deutsche Seele kämpft mit Widersprüchen. Man möchte sich selbst als Erbe Goethes sehen, wird aber oft als Nachfahre der Nazis wahrgenommen. Vielleicht wäre so manchem Griechen geholfen, wenn man diesen Band zur Allgemeinlektüre machen würde, für Schüler und Lehrer, aber auch die ältere Generation, die so viel verdrängt hat, um für ein paar Jahre unbeschwert zu leben. Für die, die Griechenland lieben, darauf neugierig sind, für Griechen, die ihr Land verlassen haben und aus der Ferne lieben - eine feinherbe Liebeserklärung an Hellas.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die griechische Mentalität, 21. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Dimos schreibt wahrhaft zeitlose Sätze zur griechischen Mentalität und Kultur. Er schildert die Zerrissenheit der griechischen Seele zwischen Staatsmißtrauen, Nationalstolz und dem Wunsch als Grieche eine außergewöhliche Rolle unter den Völkern einzunehmen. Ich verstehe den Zorn und die tiefe Depression der mit sich selbst ringenden heutigen Griechen nun besser. Ein kurzweiliges Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nett und unterhaltsam, 5. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist nett und unterhaltsam, der Autor blickt hinter die Kultur und damit verbundenen traditionen der Griechen und beschreibt die Verhaltensmusster sehr gut. Eine Lektüre, welche zum Schmunzeln anregt.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eher nicht ..., 2. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte - wohl auch auf Grund der Kritiken - bei dem Buch mit einer unterhaltsamen Textsammlung zu Griechenland gerechnet. Tatsächlich erhält man ein ziemlich kleines Aphorismenbuch, das auch für den ein oder anderen Schmunzler und vielleicht auch ein oder zweimal zum Nachdenken gut ist. Dafür empfinde ich den Band über weite Strecken als annähernd unlesbar und eher für Insider geschrieben. Bei der Lektüre hatte ich eher das Gefühl, als würde ich als Amerikaner ein Buch über die Eigenheiten bayrischer Politik lesen. Nochmal würde ich mir den Band demgemäß nicht beschaffen und als Leseempfehlung sehe ich ihn auch nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr lehrreich!, 25. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Daß die griechische Sprache auch in vielen anderen Ländern ihre Spuren hinterlassen hat, dürfte bekannt sein. Daß sie aber in einem weitaus größeren "Umfang" in unserem (deutschen) Alltag auftaucht, dürfte sogar den Griechen selbst neu sein.
Ein sehr gutes Buch für all die, die Griechenland auf eine 4jährige Finanzkrise, Saziki und Ouzo reduzieren.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Geht mich nichts an", 19. Februar 2013
Von 
CF "Berliner" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Tenor verurteilt Dimou die Lethargie, das Immer-anders-sein-wollen, die Verneinung der eigenen Geschichte und Kultur sowie die Aufweichung der eigenen griechischen Gesellschaft durch die Griechen. Er darf das, denn er ist Grieche.

Das Buch ist recht untypisch geschrieben. Es sind eher Axiome aneinander gereiht, mit denen Dimou seine Erkenntnisse über das heutige Griechenland darstellt. Und mit diesen prangert er seine Landsleute an, dass sie für ihre aktuellen Miseren selbst veranwortlich sind. Aber wird er damit durchdringen? Schreibt er nicht selbst, dass der gemeine Grieche gut im Vorspiegeln falscher Tatsachen sich selbst gegenüber ist? Es ist ein fatales Bild, das Dimou dort über seine Landsleute aufzeichent. Damit macht man sich keine Freunde. Aber manchmal sind harte Tatsachen eine gute Therapie.

Und schon erwischt man sich beim Lesen des Buches dabei, dass man sich wohl fühlt in einem Land der Dichter und Denker zu wohnen, in dem alles so toll scheint. Ich glaube die Axiome Dimous wären falsch oder nur unzureichend interpretiert, würde man sie nur auf Griechenland beziehen. Leider wird man hier und da das eigene Land wiedererkennen und feststellen, dass wir noch Glück haben. Irgendwann wird uns unsere Identitätslosigkeit vielleicht auch mal einholen und es wird ein Autor nach dem "Unglück ein Teutscher zu seien" fragen...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Treffende Charakterisierung der griechischen Mentalität!, 15. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Wer die in kurze Aphorismen gefassten Sentenzen des griechischen Autors aufmerksam liest, versteht die Schwierigkeiten dieser noch jungen Nation besser, die unter einer lang dauernden Fremdherrschaft lebend, sich ein großes Misstrauen gegenüber allen „staatlichen Obrigkeiten“ bewahrt hat.
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36 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern.", 16. Februar 2012
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Auf ein solches Buch hat man in Europa gewartet. Neben den eindrucksvollen Interviews, die der in Deutschland sehr beliebte Schriftsteller Petros Markaris in den letzten beiden Jahren zum finanziellen und volkswirtschaftlichen Abstieg Griechenlands gab (mit "Faule Kredite" hat er dem Thema ein ganzes Buch gewidmet) ist der hier nun zum ersten Mal auf Deutsch vorliegende Aphorismenband des bekannten griechischen Philosophen Nikos Dimou ein aufschlussreiches Dokument. Das Buch ist schon 1975(!) zum ersten Mal erschienen und hat nun nach seiner Wiederveröffentlichung in Griechenland sofort die Bestsellerlisten erobert.
Schon 1975 schrieb Dimou etwa: "Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern." Und regelrecht prophetisch, wenn man den aktuellen Zustand des Landes anschaut: "Mit Methode und System, die unserem täglichen Leben und unsere Arbeit fehlen, konzentrieren wir uns auf unsere geheime Mission: das wunderbare Land, das uns das Schicksal zugedacht hat, so effektiv wie möglich zu zerstören."

Deutsche Leser, die vielleicht seit Jahren mit Entsetzen beobachten, wie jede neue Milliarde, für die sie auch als Steuerzahler haften werden, im griechischen Sumpf verschwindet, mögen diese Aphorismen eine Lektüre sein, die ihnen großes Vergnügen bereiten. Für einen griechischen Leser jedoch sind sie eine Qual, denn sie zeigen ihm "das Grundproblem seiner Existenz, sein Verlangen nach mehr und seine Unfähigkeit, sich mit weniger zu begnügen."

Dem Rezensenten wurde bei der Lektüre, die ihn nur selten zum Lachen brachte, mehr als einmal deutlich, wieso in den vergangenen beiden Jahren die EU mit ihrem Mitgliedsland Griechenland solche Probleme hatte. Und auch, warum das Vertrauen in die Griechen, sollte es jemals wirklich bestanden haben, zurzeit völlig aufgebraucht ist. Die Wahlen im April werden zeigen, ob das Volk weiter für seinen eigenen Abstieg in den Untergang stimmt.

Das neu aufgelegte Buch von Nikos Dimou will dazu beitragen, im eigenen Land zu wirken und in Deutschland etwa zu zeigen, dass es auch eine konstruktive Sicht der Dinge gibt, bitter realistisch, aber nicht ohne Hoffnung für ein geliebtes Land. Er schreibt über sein Buch 2012:
Es sei "ein bitteres Nachdenken" über das tragische Schicksal des Landes, "gespalten zu sein zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Norden und Süden, Osten und Westen. Es ist eine Liebesserklärung an Griechenland, das wahre, das tiefe Griechenland - und nicht das oberflächliche Land der Mythen, das die Griechen selbst geschaffen haben, um der Realität zu entkommen."

Er sei kein Anti-Grieche, sagt Dimou, sondern ein Mann, dem seine Heimat am Herzen liege. Er wolle seinen Mitbürgern helfen, dem delphischen Motto "Erkenne dich selbst" zu entsprechen. Doch ihm ist klar:
"Das kann eine schmerzliche Prozedur sein, wenn deine Mentalität, deine Erziehung dich von Anfang an gelehrt haben, die Wahrheit zu meiden. Griechenlands gegenwärtige missliche Lage ist zu großen Teilen das Ergebnis dieser Mängel im nationalen Charakter. Um es mit aller Emotion zu sagen: Die Griechen müssen sich neu erfinden, wenn sie in der heutigen Welt überleben wollen."

Weitere Milliarden dort hinzupumpen, wird diesen schmerzlichen Selbsterkennungsprozess einer ganzen Nation nicht fördern, sondern die von Dimou beklagte Haltung nur noch verlängern. Die, die jetzt in Griechenland auf den Straßen protestieren und Häuser anstecken, sind Teil des Problems. Wenn sie nun alles dem "Staat" als Schuldigen zuschieben, zeigen sie genau die Einstellung, die Dimou schon 1975 (!) beschrieben hat. Man sollte den Finanzministern und den Regierungschefs der EU-Länder ein Exemplar dieses erhellenden Buches zusenden vor ihren nächsten Entscheidungen.
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Über das Unglück, ein Grieche zu sein
Über das Unglück, ein Grieche zu sein von Nikos Dimou (Gebundene Ausgabe - 15. Februar 2012)
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