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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch über das man spricht, nachdem man es gelesen hat,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Taschenbuch)
Der Leser weiß schon nach wenigen Seiten Lektüre in Bayards vergnüglichem Buch, dass Bayard so ziemlich das Gegenteil eines ignoranten Nichtlesers ist, sonst hätte der Professor für Literaturwissenschaft wohl kaum solche treffenden Zitate zu seinem Thema gefunden. Schon auf S. 33 bekennt Bayard, "dass es außerordentlich schwierig ist, nie zu lesen". Augenzwinkernd schildert er Taktiken, wie man mit der Kenntnis von Büchern groß tun kann ohne sie gelesen zu haben, doch dann führt Bayard prominente Kollegen der schreibenden Zunft vor, die sich mit Äußerungen über Schriftsteller und ihre Bücher blamiert haben, die sie nicht gelesen haben und auch nicht lesen wollten.Dann geht das Pferd mit dem Professor durch und Bayard fängt an Theorien zu entwickeln, wie man um das Lesen von Büchern herumkommt und trotzdem sich kompetent über sie äußern kann. Dazu bemüht er auch Umberto Eco und Siegmund Freud. Der Leser weiß, dass dies im Bereich der Abenteuer- und Unterhaltungsliteratur möglich ist. Wer ein Buch von Edgar Wallace, Karl May oder Agatha Christie gelesen hat, kann sich zu 90 % auch über ihre anderen Bücher treffend äußern. Doch ein Partylöwe möchte sich beim gehobenen Partytalk kaum über Karl May äußern, unter Kafka, Proust und Joyce tut er es nicht. Hier gelten andere Regeln. Bei den großen Werken der Weltliteratur sind zusätzlich zum Buch noch Kenntnisse der Umwelt des Autors und der Werkgeschichte unerlässlich. Ein Kenner von Nabokovs Buch "Lolita" merkt sehr schnell, ob ein Bluffer es gelesen hat und kann ihn mit seinen Äußerungen lächerlich machen. Man stifte zum Beispiel mal jemand an, der diese Werke nicht oder nur oberflächlich kennt, sich über Borroughs "The naked Lunch" oder Salingers "Fänger im Roggen" zu äußern. Hier hilft keine Theorie. In einer ZDF- Fernsehrunde waren zwei prominente Literaturkritiker nicht in der Lage, Bulgakows weltberühmten, vielschichtigen und verschachtelten Roman "Der Meister und Margarita" richtig einzuschätzen, mit dem sie sich offensichtlich nur wenig beschäftigt hatten und wurden mit Recht von Reich- Ranitzki dafür kritisiert. Mit feinem Humor macht Bayard sich lustig über alle, die glauben, Wissen über Bücher sei möglich, ohne das Medium der Wissensvermittlung selbst zu nutzen: das Buch. Auch die eigene Zunft wird nicht geschont, ein Kapitel beschäftigt sich mit Bluff, Mimikry, Gerangele um Rang und Status, Geltungsbedürfnis und Bildungsprotzerei von Literaturwissenschaftlern im Alltag der Gelehrtenrepublik. Wer schon immer mal nach einer Verteidigungsrede aller Leser gesucht hat, die sich eine eigene Meinung bilden möchten, frei von Bevormundung, offener und heimlicher Manipulation, die nicht "wichtige" und "wichtigste" Bücher lesen wollen, "die unbedingt gelesen werden müssen" wie es unsere Meinungsmacher wollen - der findet eine solche im Schlusskapitel von Bayards Buch, mit gallischem Pathos geschrieben, nach einem Ritt Bayards quer durch Schriften von Balzac, Wilde und Flaubert. Bayards Werk ist ein gescheites Buch, das Einsichten in den Literaturbetrieb, die Meinungsentstehung und Meinungsmache vermittelt. Es ist ein Buch über das Lesen und die Unmöglichkeit vom Lesen zu lassen. Es ist ein lesenswertes Buch, das seinem eigenen Titel widerspricht und das allen Leseratten wohl tut. Wer allerdings keinen Humor hat, sollte besser von dem Buch lassen, er wird es nicht verstehen, Missverständnisse sind möglich, für ihn wird auch keine noch so kluge Rezension hilfreich sein. Beim Besuch einer alten Burg mit bewegter Geschichte wurde die Reisegruppe des Lesers vom Burgführer mit den Worten begrüßt: "Meine Damen und Herren, ich will Sie nicht mit der Geschichte der Burg langweilen. Ich halte von solchen Geschichten nichts und lese sie nicht..." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
7 von 10 durchgelesenen - nicht quergelesenen oder vergessenen, und schon gar nicht nichtgelesenen - Büchern,
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Gebundene Ausgabe)
Pierre Bayard, Psychologe und Professor für französische Literatur an der Uni Paris, hat ein erfrischend ehrliches Buch geschrieben, in dem es darum geht, wie man mit anderen Menschen kommuniziert über Bücher, an die man sich kaum mehr erinnert, die man nur überflogen ("quergelesen") oder angelesen hat oder die man gar nur aus der Sekundärliteratur kennt (*). Hier die recht aussagekräftige Inhaltsübersicht mit ein paar Bemerkungen von mir:"ARTEN DES NICHTLESENS Erstes Kapitel: BÜCHER, DIE MAN NICHT KENNT in dem der Leser sehen wird, dass es nicht so sehr darauf ankommt, ein bestimmtes Buch zu lesen, was reiner Zeitverlust wäre, sondern darauf, über die Gesamtheit der Bücher das zu haben, was eine Figur Musils den "Überblick" nennt." Über die Unmöglichkeit, alles (oder auch nur alles für sein Fach oder für das literarische Allgemeinwissen Relevante) lesen zu können und auch dazu zu stehen. "Zweites Kapitel: BÜCHER, DIE MAN QUERGELESEN HAT in dem wir mit Valéry erkennen, dass es reicht, ein Buch querzulesen, um ihm einen ganzen Artikel zu widmen, und dass es bei manchen Büchern geradezu unziemlich wäre, anders vorzugehen. Drittes Kapitel: BÜCHER, DIE MAN VOM HÖRENSAGEN KENNT in dem Umberto Eco zeigt, dass es nicht nötig ist, ein Buch in der Hand gehabt zu haben, um detailliert darüber zu sprechen, sofern man nur hört und liest, was andere Leser darüber sagen." Herangezogen wird William von Baskervilles Konfrontation mit Jorge in der Klosterbibliothek, als William dem Blinden erläutert, was er durch Gespräche mit Mönchen, die mit Lesern des geheimen Buchs gesprochen hatten, durch seine allgemeine Kenntnis des ersten Bandes der "Poetik" und des üblichen Aufbaus der Werke des Aristoteles, und durch die Morde selbst ' kurz, was er über den Inhalt des zweiten Bandes, den er gerade mit sorgsam behandschuhten Fingern durchblättert, erschlossen hatte. "Doch der Weg zur Wahrheit entpuppt sich im Nachhinein als noch komplexer, da Jorge, der Baskerville nachspioniert und hört, wie er sich seine phantastischen Interpretationen um die Apokalypse herum aufbaut, beschließt, ihn in die Irre zu führen und ihm falsche Indizien zu beschaffen, mit denen sich seine These stützen läßt. Und als Gipfel des Paradoxes täuscht der Mörder Baskerville so lange, bis er schließlich der Täuschung verfällt, wenn er sich einredet, die Todesfälle seien durch einen Plan der Vorsehung angeordnet. So gelangt Baskerville zur Feststellung, daß er die Wahrheit zwar herausgefunden hat, aber nur dank der willkürlichen Anhäufung seiner eigenen Irrtümer." "Viertes Kapitel: BÜCHER, DIE MAN VERGESSEN HAT in dem man sich mit Montaigne fragt, ob ein Buch, das man gelesen und komplett vergessen hat, von dem man sogar vergessen hat, dass man es gelesen hat, noch immer ein Buch ist, das man gelesen hat." Montaigne, dessen Vergeßlichkeit berühmt war, konnte sich den Inhalt von Büchern nicht merken und schrieb deshalb in all seine Bücher kurze Inhaltsangaben und Anmerkungen hinein, um sie nicht versehentlich ein zweites (oder drittes, viertes etc.) Mal zu lesen. Er wird hier als extremer Fall behandelt, um das generelle Phänomen von vergessenen, halb vergessenen oder nur noch bruchstückhaft erinnerten Büchern abzudecken. Montaigne konnte sich nicht einmal den Inhalt der von ihm selbst verfaßten Bücher merken -' ein Zustand, den ich ansatzweise nachfühlen kann, wenn ich nach Details in Inhalten eigener Publikationen gefragt werde, die mittlerweile zehn Jahre zurückliegen. Man fühlt sich so _blöd_, wenn man zugeben muß "Moment, da muß ich erst mal nachlesen, was ich damals darüber geschrieben habe." Ach ja. "GESPRÄCHSSITUATIONEN Erstes Kapitel: IM GESELLSCHAFTSLEBEN in dem Graham Greene von einer alptraumhaften Situation erzählt, in der sich der Held einem ganzen Saal von Bewunderern gegenübersieht, die gespannt darauf warten, dass er sich zu Büchern äußert, die er nicht gelesen hat." In "Der dritte Mann" gerät der Protagonist, Schreiber von Western"schund"romanen, wegen einer Namensverwechslung in eine Diskussion mit Lesern eines "intellektuellen" Autors; Leser, deren Fragen er kaum versteht und die seine peinlichen Antwortversuche als bissigen Humor, harsche Kritik an Schriftstellerkollegen und satirische Seitenhiebe interpretieren. Die Szene war auch im Film. Überhaupt kommen in Bayards Buch viele verfilmte Bücher vor. "Zweites Kapitel: EINEM LEHRER GEGENÜBER in dem sich beim Volksstamm der Tiv bestätigt, dass es absolut unnötig ist, ein Buch aufzuschlagen, um darüber eine kluge Meinung abzugeben, auch wenn das den Wissenschaftlern nicht gefällt." Anthropologin Laura Bohannon will den nigerianischen Tiv den Hamlet näherbringen, um herauszufinden, ob er wirklich weltweit gültige Menschheitsfragen behandelt, und scheitert bereits bei der Übersetzung des ersten Akts: da die Tiv nicht an Geister glauben [da sage nochmal einer was gegen die angeblich so abergläubischen Naturvölker :-)], nehmen sie ihrer Vorleserin den Geist von Hamlets Vater nicht ab und halten Hamlet für töricht, einer irrealen Erscheinung zu trauen. Die Anthropologin verstrickt sich mehr und mehr in Erklärungsnöte. "Tote können nicht gehen", protestierte mein Publikum einstimmig. Ich war zu einem Kompromiß bereit: "Ein 'ghost' ist der Schatten eines Toten." Aber sie hatten immer noch Einwände: "Tote haben keinen Schatten." "In meinem Land haben sie eben einen", versetzte ich kühl." "Drittes Kapitel: DEM SCHRIFTSTELLER GEGENÜBER in dem Pierre Siniac zeigt, dass man seine Worte einem Schriftsteller gegenüber abwägen sollte, vor allem, wenn dieser das Buch, dessen Autor er ist, nicht gelesen hat. Viertes Kapitel: DER ODER DEM LIEBSTEN GEGENÜBER in dem wir mit Bill Murray und seinem Murmeltier zur Einsicht gelangen, dass es, um jemanden im Gespräch über Bücher zu verführen, die der andere liebt und die wir nicht gelesen haben, das Beste wäre, die Zeit anzuhalten." Hier gehts im wesentlichen um das Glück, sich mit seiner Partnerin über Bücher unterhalten zu können, die beide gelesen haben. Das Lob des identischen kulturellen Backgrounds oder wie man einen solchen durch Lektüre schaffen kann, exemplifiziert anhand des Films "Groundhog Day". "EMPFOHLENE HALTUNGEN Erstes Kapitel: SICH NICHT SCHÄMEN in dem wir in einem Roman von David Lodge die Bestätigung dafür finden, dass die Grundvoraussetzung für ein Gespräch über nicht gelesene Bücher ist, sich nicht dafür zu schämen. Zweites Kapitel: SICH DURCHSETZEN in dem Balzac beweist, dass es umso einfacher ist, seine Meinung über ein Buch durchzusetzen, als dieses kein fester Gegenstand ist, und dass man an dem Verwandlungsprozess der Bücher auch nichts ändern kann, wenn man sie mit einer tintenbefleckten Schnur umwickelt. Drittes Kapitel: BÜCHER ERFINDEN in dem man in einem Buch Sosekis den Rat einer Katze und eines Ästhetikers mit Goldbrille bekommt, die beide, in unterschiedlichen Bereichen, die Notwendigkeit des Erfindens vertreten. Viertes Kapitel: VON SICH SPRECHEN in dem man mit Oscar Wilde zur Schlussfolgerung gelangt, dass die angemessene Lesedauer eines Buches zehn Minuten beträgt, da man sonst vergessen könnte, dass die Begegnung mit einem Text hauptsächlich eine Anregung ist, seine Autobiographie zu schreiben." Auch wenn ich noch nicht ganz durch bin (auf das Kapitel "Bücher erfinden" bin ich besonders gespannt), kann ich jetzt schon sagen: Dies ist ein vergnügliches Buch. Die bei intellektuellen Franzosen meist übliche verbosité [zu gut deutsch: Vielschwätzerei ;-)] tritt nicht zu sehr in den Vordergrund, der Inhalt ist geistreich, das Thema ist in der Tat für alle Leute, die sich über Bücher unterhalten, von Interesse und wird zumindest für mich aus ganz neuen Blickwinkeln beleuchtet. Übrigens schafft es der Autor spielend, den Leser an der Nase herumzuführen. Schon im dritten Kapitel dachte ich: "Ging "Der Name der Rose" wirklich so aus? Und kam das, was er da beschreibt, wirklich drin vor?" War letztlich zu faul, in der Rose nachzuschlagen, und behielt leise Zweifel zurück: Erstens an meiner Erinnerung ans Buch und zweitens an Bayards Darstellung der Handlung. "Hat er das Buch etwa wirklich nicht richtig ...? Diesen Klassiker? Aber nein, das hätten doch seine Lektoren merken müssen. Oder?" Dann kam so etwas in einem anderen Kapitel nochmal vor und schließlich ein drittes Mal. Immer nur Details, die ich selbst nur noch verschwommen im Gedächtnis hatte. Schließlich läßt Bayard durchblicken, daß er diese kleinen Änderungen mit voller Absicht eingebracht hat, der schlaue Hund. Und man begreift sozusagen am eigenen Leib, wie trügerisch oder vielmehr löcherig die Erinnerung ist. [Witzig: Ein Leser, der eine Amazon-Rezension dazu abgegeben hat, hatte das Buch offenbar nicht bis hierher gelesen, denn er kritisiert in seinem ein-Stern-Review unter anderem, daß Bayard falsche Vermutungen über den Schluß von "Der Name der Rose" äußert '- und tut damit, ohne es zu wissen, genau das, wovon Bayards Buch handelt: Über Bücher sprechen, die man nicht (oder in diesem Fall zumindest nicht vollständig) gelesen hat. :D] (*) Bayard gibt sich ganz offen und benutzt für alle erwähnten Bücher ein Kürzel, aus dem hervorgeht, ob er das Buch gelesen hat bzw. noch erinnert oder nicht: UB = unbekanntes Buch; QB = quergelesenes Buch; EB = erwähntes Buch ("Bücher, die man in meiner Anwesenheit erwähnt hat"); VB = wieder vergessenes Buch. Und '- da wirkt er dann etwas überheblich -' wagt auch noch eine vierstufige Bewertung (von ++ über + zu - und --) aller Bücher, auch derer, die er nicht gelesen hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Wer seine Nase in Bücher steckt, ist für die Kultur verloren,
Von Helmut Barro "Yutian Dasheng" (Saarbrücken) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Taschenbuch)
Eigentlich dürfte ich dieses Buch nicht rezensieren, denn - ich habe es gelesen. Allerdings kann nur, wer sich vom Lesen distanziert, den nötigen Abstand zur Beurteilung und Einordnung eines Buchs in den gesamtkulturellen Kontext haben, so Bayards These. Ich lasse mich davon aber nicht abschrecken, denn Nichtleser des Buchs, so zeigen manche der anderen Rezensionen hier, gibt es bereits genug.Das fast arrogante Zurschaustellen einer solchen Nichtleserhaltung dient natürlich letztlich nur als Aufhänger - Bayard nutzt diesen, um eine Terminologie und Theorie über das Lesen und unseren Umgang mit dem Rezipieren von Literatur zu postulieren. Sowohl interkulturell als auch intermenschlich werden seine Begriffe der "kollektiven" und "inneren" Bibliothek, von "Deckbüchern" in Anlehnung an die Freudsche Traumdeutung und anderen Konstrukten mit Hilfe von literarischen Beispielen aufbereitet. Von Umberto Eco bis Bill Murray reicht da die Palette, und Bayards flüssiger, unterhaltsamer Stil lässt sogar seine (trickreichen) Zusammenfassungen amüsant wirken. Die Goldmann-Ausgabe ist hübsch gestaltet, und das kleine Format in Verbindung mit großer Schriftart und angenehm viel Weißraum machen die kurzweilige Lektüre auch zeitlich kurz, aber inhaltlich unheimlich spannend und aufschlussreich für alle, die sich mit dem Lesen auseinandersetzen wollen, und insbesondere interessant für Vielleser. Mein Fazit: QB++. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Hintergründige Metakritik,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Gebundene Ausgabe)
Meine Probleme mit buchgewordenen Essays sind eigentlich immer ähnlich gelagert: die Texte sind zu lang (und umschweifig), um mich zu fesseln, gehen mir nicht genug in die Tiefe oder betrachten nach meinem Empfinden Problemstellungen nur ausschnittsweise. Dummerweise werde ich das Gefühl nicht los, dass Bayards Buch über unvollständig gelesene Bücher (denn darum geht es dem Autor ja eigentlich) in allen drei Bereichen irgendwie verbesserungswürdig wäre, aber der Autor dieses Buch eben genau so schreiben wollte, wie es jetzt vorliegt.Vielleicht ist dieser Umstand, ebenso wie etwa das "versehentliche" fehlerhafte Erinnern der Inhalte ausführlich zitierter Werke (wie bspw. des Endes des Romans "Der Name der Rose"), dem akademisch-trockenen Humor geschuldet, mit dem der Autor der Literaturkritik gewissermaßen einen Spiegel vorhält, und der deutlich als die eigentliche Motivation des Textes erkennbar ist. Insofern bleibt der Text zugleich so lehrreich (weil man alle Ratschläge tatsächlich für bare Münze nehmen darf) wie amüsant (sofern den Leser die endlose Hintergründigkeit nicht ermüdet). Anmerken muss ich aber leider noch zu der bei Goldmann erschienenen Taschenbuch-Edition (1. Ausgabe, 2009), dass es mich angesichts Bayards offenkundiger Liebe zum Detail schon getroffen hat, auf derart viele Orthografie-, Grammatik- sowie Umbruchfehler zu stoßen, insbesondere, wo diesen teilweise (Kommata als erste Zeichen einer Zeile) sicherlich bereits automatisiert vorgebeugt werden könnte. In dieser Hinsicht steht das Medium im frappanten Widerspruch zur Textaussage, getreu dem Motto: "Wie man Bücher verkauft, die man nicht korrekturgelesen hat." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Wenn Sie nur ein Buch in zehn Jahren lesen, dann sollte es genau dieses sein.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Taschenbuch)
Es handelt sich hier nämlich um ein Meta-Buch. Sein Nutzwert besteht darin, wie der Titel schon sagt, sich am Ende intelligent über Bücher äußern zu können, die zum Literaturkanon gehören, ohne diese Bücher auch wirklich selbst gelesen zu haben. Und zwar nicht nur Leuten gegenüber, die das betreffende Buch tatsächlich gelesen haben, sondern sogar gegenüber seinem Autor.Das klingt nun auf den ersten Blick ziemlich dreist, in Wahrheit aber setzt sich Pierre Bayard in seinem Buch vehement für Bildung ein. Er erklärt schon gleich zu Anfang ganz wunderbar in einfachen Worten, was echte Bildung im Kern bedeutet: einen Sinn für Qualität zu entwickeln also Überblicken, Beurteilen, Einordnen können. Diese Fähigkeit kann man erwerben, indem man sich in Essays und Katalogen ÜBER Bücher informiert. Bei manchen neueren Büchern, über die es noch nicht so viel zusammenfassende Informationen gibt, genügt es, sie grob zu überfliegen. Man sollte den Entwicklern der Pisa-Studien und der misslungenen Studienreform einmal nur die Seite 29 des ersten Kapitels aus diesem Buch zu lesen geben, dann wüssten sie, wieso ihre formalistisch durchorganisierten Reformen des Bildungssystems schon vom Grundgedanken her so grundfalsch sind und ins Leere laufen müssen. In seinem vergnüglich zu lesenden, frechen Buch befreit uns Autor Pierre Bayard ein für allemal von dem schlechten Gewissen, das wir manchmal empfinden, wenn in gebildeten Kreisen über wichtige Bücher diskutiert wird. Bayard lehrt selbst Literatur an der Universität und weiß ganz genau, wovon der spricht. Fazit von Bayards Buch ist, dass es genügt, wenn man weiß, was die Besonderheit des jeweiligen Buches ausmacht und man es korrekt im Kontext der Weltliteratur verorten kann. Jede Seite Wort für Wort durchgelesen zu haben, ist dazu überhaupt nicht nötig, zumal bei der Menge von Büchern, ohnehin nicht Jeder Alles gelesen haben kann - sei er auch noch so lesebegeistert. Hinzu kommt noch, dass man den Inhalt vieler Bücher mit der Zeit wieder vergisst, so dass es am Ende fast so ist, als ob man sie nie gelesen hätte. Nun, gegen dieses Vergessen habe ich selbst auch so meine Methode entwickelt. Diese erlaubt es mir sogar, die allermeisten Bücher, die ich gelesen habe, frohen Herzens wegzuschenken und kaum noch welche im Hause haben zu müssen, wo sie mich nämlich Miete bzw. Hausgeld kosten, indem sie Wohnfläche und laufende Regalmeter beanspruchen. Ich schreibe über das jeweilige Buch eine amazon-Rezension und habe amazon-Lieblingslisten, in denen die besten Bücher gedanklich eingeordnet sind. Das Buch selbst muss ich nun nicht mehr zu Hause haben, ich kann es durch meine Rezension ja jederzeit wieder gedanklich abrufen. So bin ich selbst aus Platzmangel zum selber Schreiben gekommen, und genau dazu möchte auch Bayard am Ende seines Buches aufrufen. Denn er liebt die Bücher und die Literatur um ihres darin enthaltenen Geistes willen. Und nur das zählt am Ende. Übrigens ist Bayards Buch natürlich auch etwas für Lesebegeisterte und Vielleser, denn es enthält in den Fußnoten jede Menge Hinweise auf lesenswerte und bedeutsame Bücher mitsamt persönlicher Bewertung. Allesamt erstklassige Literaturempfehlungen eines Kenners. Da weiß ich gleich, wofür ich meine nächsten amazon-Geschenkgutscheine einlöse... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Nichts Quantitatives,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Taschenbuch)
Dies ist kein Buch, dass zum Betrügen einläd, vielmehr das Gegenteil, ein positives Buch. Es befreit von Komplexen, die alle haben, die viele Bücher gelesen haben sollen. Man muss Bücher in ihren literarischen und soziokulturellen Hintergrund einordnen können, statt jedes tatsächlich bis zum Ende gelesen zu haben. Ich empfehle dieses Buch für Studenten im ersten Semester, damit sie lernen, das Bildung eine Einstellung und eine Art ist, die Welt wahrzunehmen und nichts Quantitatives.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Reiseführer für Raupe-Nimmersatt-Leser,
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein Schatz. Ich lese gern. Und ich lese schnell. Laut Lesetest mit über 500 Wörtern pro Minute. Warum sollte ich Bücher NICHT lesen? Oder andersherum, warum sollte ich DIESES Buch lesen?Ich war schockiert als ich die Bewertungen von Pierre Bayards "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" las, denn dieses Büchlein hat bei mir auf Anhieb den Sprung in meine persönlichen Sachbuch-Top-Ten geschafft. Und dort ist die Luft dünn. Seit ich es gelesen habe, begleiten mich die Ideen Bayards tagtäglich. Inzwischen dämmert es mir: Nein, dies ist kein Ratgeber für Lesemuffel. Es ist eher ein Reiseführer für Raupe-Nimmersatt-Leser im Schlaraffenland der Weltliteratur. Dank der Poststrukturalisten, insbesondere Roland Barthes und Michel Foucaults, haben wir erkannt, dass ein Werk ohne Bezug auf den Autor zu verstehen ist. Wolfgang Iser und Robert Jauß wussten, dass der Text erst im Kopf des Lesers Gestalt annimmt. Zwei Menschen die über ein Buch reden, sprechen eigentlich über zwei verschiedene. Pierre Bayard geht noch einen Schritt weiter: Wir brauchen nicht einmal mehr den Text. Es reicht die fundamentalen Ideen des Textes wahrzunehmen. Und nicht nur das: Wer sich in den Details eines Romans verirrt, läuft Gefahr, den Überblick im Literaturdschungel zu verlieren. So schnell ich auch lesen mag, zwischen den meterhohen Regalen einer Bibliothek komme ich mir allzuoft verloren vor. Dann besinne ich mich darauf, dass nach Bayard zehn Minuten mit einem Buch ausreichen, um den Kern zu erfassen und gewinne wieder Zuversicht. (Nein, bei mir sind es eher dreißig Minuten, aber vielleicht fehlt mir die Erfahrung eines Literaturprofessors.) Dieses Buch ist ein Schatz gerade für diejenigen, die in einem Lichtkegel auf der Landkarte der Literatur unterwegs sind, um den herum es dunkel bleibt. Nebenbei sei angemerkt, dass Bayard durch seinen erfrischenden Stil und ausgesuchte Beispiele auch gut zu unterhalten weiss. Und nur weil man Bayard gelesen hat, ist es ja nicht verboten, ein Buch von Anfang bis Ende und mit Genuss zu lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
29 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine Ermutigung zu eigenständigem, kritischem und bewußten Lesen abseits von den Säulen der Allgemeinbildung,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Gebundene Ausgabe)
Wie das denn ? Wie kann, wie soll man über Bücher sprechen, die man nicht gelesen hat ? Tun das nicht die Dummen und Ungebildeten und entlarven sich dabei ziemlich schnell und meistens sehr peinlich ?Pierre Bayard, seines Zeichens Literaturprofessor, gibt genau dies in seinem neuen Buch zu; er bestätigt, eine ganze Reihe von Büchern nicht gelesen zu haben, die nach gängiger Meinung zur Allgemeinbildung gehören. Und er erläutert in genialer Weise, wie man sich in peinlichen Situationen verhalten kann, wenn die Rede auf ein Buch kommt, das man nicht gelesen hat. Was heißt eigentlich, ein Buch gelesen zu haben ? Wort für Wort, sich die einzelnen Schöpfungen und Metaphern regelrecht auf der Zunge zergehen zu lassen, Seite für Seite bis zum bitteren Ende, auch wenn es totlangweilig ist, quer gelesen, um sich einen Überblick zu verschaffen, gelesen, aber das Wesentliche bald wieder vergessen ? Was nun ? Das Buch bietet dem aufmerksamen Leser eine Fülle von Anregungen, wie man sich mit seinem eigenen Nichtlesen in verschiedenen Gesprächssituationen behaupten kann. Es bricht damit eine Lanze für einen weniger verkrampften Umgang mit der Weltliteratur und lädt ein zu mehr schöpferischer Eigeninitiative. Als Vielleser ist man zunächst über Bayards Ausführungen irritiert, doch bei näherem Hinsehen versteht man, daß in der Tat jemand nicht unbedingt ein Buch gelesen haben muß, um über seinen Inhalt, seine ästhetische Qualität und seinen literarischen Stellenwert durchaus kompetent sprechen zu können. Gute Rezensionen und eigene Recherche können die Lektüre eines Buches durchaus ersetzen. Was sie allerdings, so finde ich, niemals ersetzen können, ist der Genuß der Sprache, das innere Erleben der Bilder eines Autors und den Aufbau und die Lösung der Spannung eines Buches. All das erlebt man wirklich nur durch eigene Lektüre, und es ist das, was das Lesen erst zum wirklichen Lesen macht. Doch Bayards Buch nimmt auf eine sarkastische Weise die sogenannte "Allgemeinbildung" auf die Schippe, denunziert sie und will zu eigenständigem, kritischem und bewusstem Lesen ermutigen. Lesen macht Freude, wie gesagt. Lesen bereichert das Leben, aber es sollte entkrampft und entspannt passieren. Ein interessantes Buch, nicht nur für Rezensenten und Vielleser. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Die besten Erziehungstipps geben kinderlose Paare,
Von Andreas Gryphius "Tom" (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Taschenbuch)
Was erwartet man von so einem Buch? Vielleicht einen Phrasendrescher mit Ausdrücken wie filigraner Expressionismus" oder subtiler Entwicklung der Charaktere"? Oder eine kleine Liste wichtiger Bücher mit Kurzinhalt und der zwingenden Zweifelsfrage, mit der man die Debatte in einer Runde belebt, ohne selbst etwas sagen zu müssen? Und natürlich eine exit-Strategie, wenn man sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, weil man auf den pedantischen Besserwisser trifft, der das Buch nicht gelesen, sondern auswendig gelernt hat - welche verblüffende Gegenfrage hilft jetzt aus der Peinlichkeit?Von alledem nichts. Sondern eine wortreiche Rechtfertigung des Nicht-Lesens unter belesenem Hinweis auf zahlreiche Literaturgrößen, die ihrerseits dem gelesen habend vorspiegelnden Nicht-Leser literarische Denkmale gesetzt haben. Das ist dann aber langweilig und eher uninteressant. Denn: warum sollte man überhaupt ein bestimmtes Buch gelesen haben, wenn es nicht gerade ein Fachbuch ist? Es handelt sich ja schließlich um Belletristik und Bücher wollen unterhalten - wenn sie es nicht tun, ab in die Tonne! Eine Diskussionsrunde wird interessanter und lebendiger, wenn man zugibt, das Buch nicht gelesen zu haben aber sich interessiert erkundigt und nachfragt. Denn das weiß doch auch jeder: Rezensionen, Inhaltsangaben stimmen oft gar nicht - oder wenn doch, dann ist das Lesen selbst noch einmal eine eigene Erfahrung, wie genau der Autor stilistisch auf wendungsreichem Weg seine Protagonisten ins Ziel laufen lässt - da ist dann oft tatsächlich der Weg das Ziel. Und jeder Geschmack ist anders - den geschenkten Langweiler, ein nach zwanzig Seiten abgebrochener Regenroman, habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Das Erlebnis werde ich nie vergessen, wie ein Kommilitone auf den Campus gelaufen kommt: Ich habs geschafft! Ich hab ihn durch!" Den Namen der Rose, für damalige Verhältnisse eine Schwarte, woraufhin ich mich auch drangewagt habe - ein tolles Leseerlebnis, das einem kein abstract ersetzen kann, und stolz war ich auch, als ich ihn durchhatte. Deswegen kommen die gelesenen Bücher auch nicht auf den Flohmarkt, sondern ins Regal, zur Erinnerung, jedesmal, wenn ich sie zur Hand nehme, fällt mir wieder der Inhalt ein. Kurz: Ein Buch selber lesen ist schön. Zugeben, es nicht gelesen zu haben, ist nicht schlimm, sondern ehrlich. Und ich gebe zu: ich habe Bayard gelesen und kann aus eigener Kenntnis wärmstens abraten. Verschwendete Lebenszeit. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Gelesen oder nicht?,
Rezension bezieht sich auf: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das man gelesen haben "muss"...?Ja, auch wenn man es vielleicht nur quergelesen hat. Pierre Bayard beruhigt alle, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie so viele Bücher (noch) nicht gelesen oder aber deren Inhalt bereits wieder vergessen haben. Er führt dazu verschiedene Kategorien von Büchern ein: unbekannte, quergelesene, erwähnte und vergessene Bücher. Dazu kommt im Verlaufe seines Buches auch noch das Phantombuch. Er fordert alle dazu auf, auch über Bücher zu diskutieren, die man *nicht* gelesen hat. Schliesslich geht es (auch laut Oscar Wilde) vor allem darum, dass der Sprecher oder Kritiker selber im Zentrum steht - und nicht das Buch. Geniale Epsioden im Essay von Bayard sind (Stichwörter sollen ausreichen): Musil, "Der dritte Mann", David Lodge (inkl. Eliza). Habe ich nun das Buch gelesen oder nicht? Ja, aber wie genau und ob ich auch nichts dazu erdichtet habe, lasse ich offen. Ganz so, wie Bayard es uns empfiehlt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat von Pierre Bayard (Gebundene Ausgabe - 8. September 2007)
Gebraucht & neu ab: EUR 7,24
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