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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anleitung zum Umdenken, 7. Februar 2010
Von 
Mathias Schwarz (Lollar) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Postfossile Mobilität: Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil (Broschiert)
Ein äußerst glücklicher Umstand verhalf mir zur Lektüre dieses hochinteressanten Buches.

Als Ernährungswissenschaftler beschäftigen mich die Hintergründe einer nahezu kollektiven Mangelbewegung bei gleichzeitiger Überernährung seit langem (wen es interessiert: "Die große Transformation der Mahlzeiten - was die Deutschen essen sollen" oder "Fleisch oder Nudeln: Ernährungsempfehlungen auf Schlingerkurs" u.a.).

Der Zusammenhang von Übergewicht und Moblilitätsverhalten ist evident und wird bei der Lektüre des Buches völlig klar: Der moderne Mensch - in Industrienationen und zunehmend in sog. Schwellenländern - lebt weit über seine Verhältnisse. Je mehr er sich die fossile Energie (für billige hochenergetische Lebensmittel, für mühe- und pausenlose Mobilität) zunutze macht, desto mehr körperliche Energie in Form von Fettgewebe baut er damit auf. Das klingt zunächst banal.

Betrachtet man das Bild allerdings durch die postfossile Brille, wird einem die Sprengkraft für die künftige Gestaltung unserer Lebenswelt mit all ihren sozialen, kulturellen und technischen Aspekten deutlich: Der Traum vom Schlaraffenland muss umgeträumt werden, sobald die Quelle billiger Energie zur Neige geht. Ohne Zweifel bedeutet das Schwinden der Basis für einen hochkonsumptiven Lebensstil, dass tiefe Einschnitte in selbigen vonnöten sind.

Bisher ist das allgemeine Credo, dass unser (ultramobiler) Lebensstil durch den technisch-ökonomischen Fortschritt aufrechterhalten werden kann. Doch nach der Lektüre dieses Werkes wird einem sehr schnell klar, dass die fossilen Ressourcen unumkehrbar zur Neige gehen werden bzw. in weiten Teilen bereits gegangen sind: Ein Ölpreis von ca. 140 US-Dollar/Barrel im Jahre 2008 dürfte nur ein kleiner Vorgeschmack sein. Gesamtgesellschaftlich sind wir noch völlig unzureichend auf die anstehenden Probleme vorbereitet: Es wird durch Teile von Politik, Wirtschaft und Medien irregeführt, dass die Zukunft zwar möglicherweise etwas regenerativer wird, aber dass man im Sinne von BAU (Business As Usual) auch künftig lustig billig elektrobewegt und massenbefördert einem individuellen Mobilitätsstil frönen kann. Wir sind weit davon entfernt.

In diesem Buch wird deutlich, dass die Technik zwar einen entscheidenden Beitrag leisten wird, um auch künftig individuelle Massenmobiliät zu einem gewissen Grade zu gewährleisten. Allerdings wird ebenso klar, dass unterschiedliche Mobilitätsbereiche in unterschiedlichem Maße auf die Umwälzungen nach Peak Oil vorbereitet sind. Massenmobiler Individualverkehr mit fossil angetriebenen PKW wird so nicht mehr möglich sein. Der öffentliche Personennahverkehr wird an Bedeutung gewinnen. Billigflugreisen wird es in diesem Ausmaß nicht mehr geben. Güterferntransport ist nahezu ausschließlich fossil und wird teurer. Reelles wird virtuell (z.B. weltweite Konferenzen und geschäftliche Zusammenkünfte) und Virtuelles reell (z.B. Körpermobilität durch eigene Körperkraft). Nähe wird näher und Ferne ferner.

Es ist wie es ist. Im Buch werden die Wege gezeigt, die beschritten werden müssen, damit die postfossile Landung sanft wird und nicht hart.

Die sieben Leitplanken bestimmen den Übergang von der fossilen zur postfossilen Mobilität:
- Energieeffizienz
- erneuerbare Energien
- effizientere Raum- und Siedlungsstrukturen
- Mobilitätschancen für alle
- Körperkraftmobilität für Gesundheit und Wohlbefinden
- mehr Beweglichkeit durch Verbindung von digitalen Diensten und Verkehr
- attraktive und emotional ansprechende Gestaltung postfossiler Mobilität.

Das Buch ist erfrischend und unterscheidet sich von ähnlicher Literatur, indem es zwar die Sachlage analysiert und sowohl eine fehlende Umsteuerungspolitik als auch mangelndes Bewusstsein an bestimmten Stellen anprangert. Aber es wird nicht lamentiert, sondern Wege aufgezeigt, die aus der Sackgasse der fossilen Mobilität führen.

Dem Buch ist größtmögliche Verbreitung (optimalerweise auch übersetzt in andere in diesem Zusammenhang wichtige Weltsprachen wie Chinesisch oder auch Englisch) zu wünschen, damit die gesamtgesellschaftliche Diskussion endlich in Gang kommt.

Aus meiner Sicht ist es ein Standardwerk für alle diejenigen, die sich mit Ökologie, Verkehr, Nachhaltigkeit und Mobilität beschäftigen.

Auch aus ernährungswissenschaftlichem Blickwinkel ist es erfrischend zu sehen, welche Ideen hier vorgestellt werden, um die Gesellschaft insgesamt nachhaltiger und gesünder zu erhalten. In diesem Sinne sei noch der passende Spruch zum Thema angefügt: Let's burn fat, not oil.

Allen Interessierten wünsche ich viel Spaß und gute Einsichten bei der Lektüre dieses kurzweiligen, spannend illustrierten, informativen und wegweisenden Buches.

Mathias Schwarz
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen aktueller Überblick und Muntermacher, 10. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Postfossile Mobilität: Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil (Broschiert)
"Postfossile Mobilität" ist im Ratgeber- und Schulbuch-Stil verfasst. Es besteht kein Anlass zur Angst vor trockenen Tabellen oder endlosen Texten. Daher eignet sich das Buch hervorragend für Leserinnen und Leser, die den schnellen Einstieg ins Thema suchen. Es werden wesentliche Begriffe aus Energie- und Verkehrspolitik exemplarisch erläutert - angefangen bei der Unterscheidung zwischen Verkehr und Mobilität. Die Autoren sind optimistisch in ihrem Zukunftsbild: Die Wende vom nicht-nachhaltigen, fossilen Verkehr zur nachhaltigen, postfossilen Mobilität steht an. Noch sei es nicht zu spät, so ihre mutmachende Botschaft. Pauschale Politik-Schelte oder Wirtschaftsverschwörung sucht man bei Schindler und Held vergeblich. Stattdessen wird den Akteuren zugestanden, dass ihr Handeln unter den althergebrachten Annahmen durchaus verständlich war, mit dem Wissen von Rohstoffknappheit und Klimakatastrophe aber immer mehr zum gefährlichen Anachronismus wird. Bereichernd ist auch ihre ganzheitliche Sicht auf die notwendige Nachhaltigkeit der Mobilität. Nicht nur ökonomisch und ökologisch sei der heutige Verkehr nicht haltbar, sondern auch sozial nicht weltweit verallgemeinerbar. Ein Verkehrsstandard, wie er in Westeuropa und Nordamerika selbstverständlich erscheint, wäre mit fossilen Energien und ihren Klimafolgen nicht für jeden Menschen vertretbar. Unterschiedliche Entwicklungsstände und Zeitskalen schaffen demnach gewaltige Herausforderungen bei der "großen Transformation", dem Übergang ins postfossile Zeitalter. Dies sei jedoch weniger ein Abschied, als vielmehr der Anfang von etwas Neuem - wobei viele Aspekte der "präfossilen" Zeit eine Renaissance erfahren könnten.

Einzig die vielen Wiederholungen, mit denen die Autoren der Notwendigkeit des Wandels Nachdruck verleihen, sind bei der Gesamtlektüre etwas einschläfernd. Dadurch kann getrost selektiv gelesen werden. Manches erscheint zudem etwas sehr euphemistisch, etwa der Rollator als Mobilitätsrevolution der Senioren.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neuen Mobilitätsansatz erfolgreich durchdekliniert, 11. Februar 2010
Von 
A. Klier (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Postfossile Mobilität: Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil (Broschiert)
In diesem Buch wird in der Bestandsaufnahme von der These des "Peak Oil" ausgegangen, also der Feststellung, dass der derzeitige Höhepunkt weltweiter Ölförderung (und dessen Verbrauch) keine Zukunft hat. Der moderne Verkehr ist hingegen fast vollständig von Erdöl abhängig. So ist die Krise der Automobilindustrie auch in diesem Zusammenhang zu sehen. Der inhaltliche Schwerpunkt - die Transformation zu einer postfossilen Mobilität als historische Singularität - ist in einer neuen Form angegangen worden, welche das Buch sehr stark macht. Dies soll an zwei entscheidenden Punkten - und sicher einem Novum in der Argumentation - deutlich gemacht werden:

1. So steht im Kapitel "Mobilität zu Ende denken" (S. 183ff) das Credo, dass Beweglichkeit im Kopf beginne. Das Aufweisen eines "Mobilitätszeitbudgets" mit der Betonung, die körperli-che Aktivität im Alltag zu steigern, ist in meinen Augen ein gelungenes Beispiel für einen völlig neuen Mobilitätsansatz. Ein konkretes Beispiel, das von der fiktiven Person Leo Berger, veranschaulicht diesen Ansatz. In der Gegenüberstellung der fossilen Verkehrsplanungspraxis zum postfossilen Mobilitätsansatz wird als Resümee festgestellt, dass der Protagonist "bezogen auf sein alltäglich notwendiges Bewegungsbudget gar keine Zeit eingespart, sondern im Gegenteil verschwendet" (S. 188), wenn er mit dem Auto statt mit dem Fahrrad fährt. Er benötigt nämlich noch zusätzliche Zeiten für die körperliche Bewegung, welche er bei der Fahrt mit dem Fahrrad schon zu einem großen Teil erbracht hätte. "Mobilität aus eigener Körperkraft ist eine weithin übersehene Zukunftsform erneuerbarer Energien" (S. 156). Dieser ganzheitliche Betrachtungsansatz stellt die Basis der Argumentation dar und zieht sich letztlich konsequent durch alle angesprochenen Felder. Nimmt man ihn ernst, hat das gewaltige Auswirkungen auf die bisherige Art, die Probleme via Verkehrsplanung anzugehen.

2. Dies weist zugleich auf den zweiten starken Punkt des Buches hin, nämlich der expliziten Auseinandersetzung mit den raum-zeitlichen Aspekten von Mobilität. Nicht nur auf einer Renaissance der Nähe oder angemessenen Geschwindigkeiten - ganz generell liegt die Betrachtung darauf, die raumzeitliche Dimension von Mobilität durchzubuchstabieren und zu konstatieren, dass es nicht länger darum gehen kann, den "Raumwiderstand" in klassischer Manier immer weiter zu senken und dabei Geschwindigkeit und Strecken zu steigern. Deshalb wird unter der Hand der Effizienzbegriff völlig neu gedeutet, wie sich am Beispiel der Energieeffizienz zeigen lässt. Gemeint ist hiermit gerade nicht nur die Steigerung der technischen Effizienz einzelner Verkehrsmittel. Die Effektivität von Mobilität insgesamt steht zur Diskussion und muss im Zusammenhang und der gegenseitigen Interdependenz - auch der jeweiligen Energieträger und in Hinblick auf die unterschiedlichen Zeitskalen - optimiert werden. Bei diesem Bestreben kommen, aus Sicht der Autoren, viele präfossile Mobilitätsformen, wieder zum Zuge und einer Renaissance. Beispielsweise die Körperkraft (zu Fuß gehen) mit ihrem entsprechenden Zeitraster und der notwendigen nahräumlichen Orientierung. Zur Körperkraft gehört auch das Fahrrad fahren. Seiner Weiterentwicklung wird, als erstes postfossiles Verkehrsmittel, ein sehr großes Potenzial bescheinigt.

"Wären die Betreiber der Titanic nicht so überheblich gewesen, sondern schlicht davon ausgegangen, dass auf der Route der Jungfernfahrt Eisberge auftreten können, hätte der Untergang verhindert werden können" (S. 141). Um eine "harte Landung" der Gesellschaft oder ein globales "burn out" zu vermeiden sind von vornherein eine rechtzeitige Aufklärung der Bevölkerung und Entwicklung einer neuen "mentalen Landkarte" notwendig. Einfache Lösungen nach dem "business as usual" Konzept erschweren die Anpassung unnötig und weisen zudem auf die Veränderungsängste derjenigen zurück, die sich im bisherigen Lebensstil gut eingerichtet haben. Die unvermeidliche Transformation vom fossilen Verkehr zur postfossilen Mobilität wird anhand von 7 mehr oder weniger konkreten und bestimmenden "Leitplanken" beschrieben, die eine Weiterentwicklung und keine Regression in einen präfossilen Zustand darstellen. Die sieben Leitplanken sind:
1. Energieeffizienz
2. Erneuerbare Energien
3. Effizientere Raum- und Siedlungsstrukturen
4. Mobilitätschancen für alle
5. Körperkraftmobilität
6. Beweglichkeit durch Verknüpfung digitaler Dienste mit dem Verkehr
7. Attraktive und emotional ansprechende Gestaltung postfossiler Mobilität
Die Gestaltungsaufgabe attraktiver postfossiler benötigt unterschiedliche Akteure. Diese werden bezüglich Ihrer Aufgaben zum Ende des Buches beleuchtet.

Zum Kontext des Buches:
Der Wegweiser ist unterhaltsam geschrieben und auch für Laien konzipiert, die sich zum ersten Mal mit dieser Thematik auseinandersetzen. In meinen Augen ein sehr gelungener Ansatz auch in der konkreten Ausführung. Das Buch geht mit seinen Inhalten auf eine Tagung an der Evangelischen Akademie in Tutzing im Jahre 2009 zurück. Diese wiederum war das Ergebnis verschiedener Projekte und der Reihe "Berliner 'Mobilitätsdiskurse' zur postfossilen Mobilität". Insofern sind die Ergebnisse und Vorschläge im Buch zum Teil ausgereifte Ansätze und beruhen auf praktisch erprobten Modellen.
Die Frage bleibt natürlich, ob der beschriebene Ansatz und seine Modelle schon ausreichen, einen derart weitgehenden sozio-kulturellen Wandel, und ein solcher ist ja mit der Transformation angestrebt, anzustoßen bzw. voranzutreiben. Der fossile Weg ist nicht völlig unbegründet so eingeschlagen worden, was die Autoren auch beschreiben, und hat in meinen Augen bisher noch nicht viel von seiner Faszination und den technischen Fantasien (nicht nur der Beschleunigung), die dahinter stecken, verloren. Hier wäre gegebenenfalls Raum und Zeit für eine Weiterführung der Thematik. Dies ist aus guten Gründen nicht Thema dieses "Wegweisers", sondern bleibt als Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Debatten zu diskutieren.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Lektüre, 28. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Postfossile Mobilität: Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil (Broschiert)
Das Buch behandelt das Thema "Was kommt nach dem Erdöl?". Es ist leicht leserlich geschrieben und mit aussagekräftigen Bildern und Tabellen gestaltet. Leider bewegt sich das Werk auf keinem besonders hohen wissenschaftlichen Niveau. Aber als Einstiegs- oder Überblicksliteratur gut geeignet.
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Postfossile Mobilität: Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil
Postfossile Mobilität: Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil von Gerd Würdemann (Broschiert - 28. November 2009)
EUR 19,80
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