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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die hervorragende Biographie eines Gefangenen, "getrieben von den Dämonen des Holocaust", 8. Oktober 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Simon Wiesenthal: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Als der 1908 geborene Jude Simon Wiesenthal aus dem Konzentrationslager in Mauthausen befreit wurde, schwor er sich, sein Leben der Aufgabe zu widmen, überall auf der Welt Naziverbrecher zu finden und sie vor Gericht zu bringen. In unzähligen Fällen ist ihm dies auch gelungen.

Der israelische Journalist und Historiker Tom Segev hat nun 5 Jahre nach dem Tod des 97 Jahre alt gewordenen Simon Wiesenthal eine Biographie dieses berühmten Nazijägers vorgelegt, nachdem er als erster dessen Archiv in Wien durcharbeiten konnte.

Herausgekommen ist eine kritische Biographie, die auch die Widersprüche in der Person und in dem Handeln Simon Wiesenthals nicht verschweigt und in der fast schmerzhaft deutlich wird, wie Simon Wiesenthal trotz seiner Erfolge, trotz seiner Berühmtheit und der Anerkennung, die ihm widerfuhr ( so ging er im Weißen Haus ein uns aus) zeitlebens ein Verfolgter und Gejagter war. Er, der sich selbst als Jäger verstand, blieb bis zu seinem Lebensende der Gejagte, den die Schrecken der Vergangenheit verfolgten. Tom Segev äußert die Vermutung, dass Wiesenthal sich in einem gewissen Sinne dafür bestrafen wollte, dass er überlebt hatte.

Unverständlich eigentlich auch, dass er in Österreich blieb, wo er sich in der Folge mit dem jüdischen Bundeskanzler Bruno Kreisky heftige Fehden lieferte. Unvergessen auch seine größte Fehlleistung, als er der österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim vor dem Jewish World Congress in Schutz nahm, als dieser wegen seine Karriere im Zweiten Weltkrieg angegriffen wurde. Dadurch, so Segev in seinem bewegenden Buch, habe Wiesenthal den Friedensnobelpreis, der ihm so gut wie sicher war, endgültig verspielt.

Simon Wiesenthal wird in dem Buch geschildert als ein "Gefangener, getrieben von den Dämonen des Holocaust."
Eine hervorragenden Biographie eines widersprüchlichen Menschen. Dieses Buch ist ein Eckstein in der Historiographie des 20. Jahrhunderts.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Informativ, kritisch aber nicht wirklich geradlinig, 7. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Simon Wiesenthal: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Im Grunde genommen ist Tom Segev ein Buch gelungen, das eindrucksvoll das Leben Simon Wiesenthals beschreibt. Dennoch ist das Buch oft sehr anstrengend zu lesen, da es im nicht gelingt, einen roten Faden durch das Buch zu ziehen. So wechseln Geschehen und die Jahreszahlen sehr häufig, oft wird eine Geschichte aufgebaut um abrupt in die nächste überzugehen, ohne die begonnene zu Ende zu erzählen. Einige Episoden später kommt er dann wieder zu dieser Geschichte zurück und man hat Probleme dem Inhalt zu folgen.
Die Beziehung bzw. Auseinandersetzung mit Bruno Kreisky wird eingehend geschildert und hat für mich einen besonderen Stellenwert. Auch kann man über die teilweise Niedertracht im Nachkriegsösterreich nur entsetzt staunen.
Segev heroisiert Wiesenthal in keinster Weise und geht mit ihm durchaus sehr kritisch ins Gericht. Er beleuchtet die menschliche Komponente im Leben des berühmten Nazi-Jägers, der einem ein großes Maß an Respekt abverlangt. Alles in allem dürfte es derzeit kein besseres Buch über Wiesenthal geben.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, informativ, umfassend, 21. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Simon Wiesenthal: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Ich wusste von Wiesenthal wenig - eher Allgemeinwissen aus Zeitungen etc. Dieses Buch hat mir die Person Wiesenthals mit allen ihren Facetten (positiven und negativen) sehr viel näher gebracht.
Was mich, unabhängig von den Informationen über Wiesenthal an sich, sehr beeindruckt und auch bewegt hat, ist die Fähigkeit von Tom Segev, Schwächen und eher negative Charaktereigenschaften zu erklären, ohne sie zu beschönigen. Er setzt Wiesenthal weder auf die Anklagebank, noch stilisiert er ihn zum ausschliesslichen Opfer; und das alles immer im individuellen und geschichtlichen Kontext betrachtet. Wer von uns (3. Generation der Täter) kann sich wirklich vorstellen, was "Überleben des Holocaust" für die Betroffenen bedeutet? Wie sehr so eine Erfahrung Menschen verändert, Schwerpunkte ihres Lebens verschiebt - und ja, durchaus auch nicht so liebenswerte Charaktereigenschaften stärker hervortreten lässt. Tom Segev schafft das Kunststück, dies aufzuzeigen, ohne das Individuum von seiner Selbstverantwortung "freizusprechen". Segev zeichnet Wiesenthal (und seine Mitstreiter) als das, was sie waren: Menschen, die Unfassbares überlebt haben, gezeichnet davon sind, und trotzdem nicht zu Helden stilisiert oder zu Opfern abgestempelt werden.
Ein Buch, das sich augenscheinlich auf eine Person konzentriert, aber viel mehr erreicht: Geschichte nicht abstrahiert, geschönt oder auslassend, sondern authentisch und anrührend zu vermitteln.
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5.0 von 5 Sternen Fleißarbeit, 13. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Simon Wiesenthal: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Eine gute Biographie, eine Fleißarbeit, die sich leicht lesen lässt. Keine Verklärung der Person Wiesenthals, auch persönliche Eitelkeiten kommen zur Sprache.

Wiesenthal, Überlebender von zwölf Konzentrationslagern und Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, suchte nach dem Zweiten Weltkrieg nach ehemalige Nazigrößen. So wurde unter seiner Mitwirkung Adolf Eichmann in Buenos Aires 1960 verhaftet. Auch andere KZ-Aufseher und NS-Verbrecher spürte Wiesenthal in Südamerika, Kanada und den USA auf.

Wiesenthals Arbeit war relativ unspektakulär. Sie glich der eines passionierten Sammlers. In mühevoller Schreibtischarbeit trug Wiesenthal viele Informationen geduldig zusammen. Dabei handelte es ich überwiegend um die Erlebnisse ehemaliger Lagerinsassen über ihre Folterer, mündlich überliefert oder schriftlich protokolliert. Den darin enthaltenen Hinweisen ging der „Nazijäger“ Wiesenthal nach. Er verdankte seine Erfolge seinem photographischen Gedächtnis und der kriminalistischen Kombinationsgabe, mit der er die verschiedenen Zeugenaussagen zu einem Puzzle zusammensetzte. Durch das Auswerten unzähliger Briefe entstand eine einzigartige Sammlung, ein Archiv von Schauplätzen, Ereignissen und Namen.

Hatten sich dank dieser Sisyphusarbeit Namen und Spuren ehemaliger Täter herauskristalliert, begann für Wiesenthal erneut eine Odysee: die nervenaufreibende Auseinandersetzung mit Behörden und Dienststellen im In- und Ausland. Diese galt es nun zu überzeugen, dass fundierte Hinweise auf ehemalige Kriegsverbrecher vorlagen. Erst dann konnte er für deren Verhaftung und Auslieferung zu sorgen. Viel Detailarbeit, Geduld und Glück waren ausschlaggebend für den Erfolg.
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4.0 von 5 Sternen Das Aufarbeiten der Naziverbrechen, 23. Oktober 2012
Von 
Gromperekaefer "gromperekaefer" (Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Simon Wiesenthal: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Den älteren Lesern ist Simon Wiesenthal mit Sicherheit eine bekannte Persönlichkeit, stand er doch häufig in den Schlagzeilen der internationalen Presse. Tom Segev hat nun eine neutrale Biographie über den berühmten Nazi-Jäger verfasst, welche einen neutraleren Standpunkt vermittelt, und nicht nur die Sonnenseite dieses geliebten und gehassten Mannes hervorgehoben. Dabei werden viele von Wiesenthal selbst vermittelten Fakten hinterfragt und versucht alles ins richtige Licht zu stellen. Selbst Opfer des Nationalsozialismus, hat sich Wiesenthal nach Kriegsende der Aufgabe gewidmet die ehemaligen Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen. Hierbei begegnet er vielfachem Wiederstand, da viele die Vergangenheit ruhen lassen wollen, und mit dem bipolaren politischen System mit den Ostblockstaaten ein neues Feindbild entstanden ist. Viele ehemalige NS-Mitglieder haben es zudem erreicht wichtige Funktionen in der Nachkriegszeit zu bekleiden, andere vertuschen ihre Vergangenheit oder sind untergetaucht. Akribisch stellt Wiesenthal dokumentiertes Material zusammen und erreicht hiermit die Aufdeckung der Vergangenheit vieler Täter. Hierbei schnüffelt er sowohl in offiziellen Akten als auch in Zeitungsannoncen, spioniert familiäre Verhältnisse aus oder nutzt die Hilfe von Mittelsmännern. Mit der Zeit erreicht er so eine gewisse Berühmtheit. Wiesenthal zeigt dass das existierende Justizwesen nicht in dem Sinne aufgebaut ist, um mit Verbrechen dieser Artr umzugehen. Dadurch muss er tatenlos zusehen falls Täter mit milden Strafen davonkommen oder auch mangels Beweisen freigesprochen werden, zudem kämpft er ständig um die spätere Aufhebung der Verjährungsfrist. Es ist Wiesenthal insgesamt hoch anzurechen dass er in den begangenen Verbrechen keine Kollektivschuld sieht, sondern den Einzelnen nach seinen eigenen Taten beurteilt.

Insgesamt ein aufklärendes Buch, welches das verschiedenartige Umgehen mit ehemals begangenen Verbrechen zeigt. Das Buch hat so seine Wichtigkeit in der Aufarbeitung dieser Periode.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine gute Biographie, 14. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Simon Wiesenthal: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Segev beschreibt von der ersten Zeile an Wiesenthals Leben mit kritischer Zuneigung. Quellen, Literatur, Interpretation und Erzählung sind auf eine faszinierende Weise miteinander verbunden, die das Lesen zum Erlebnis macht. Die Vermutung liegt nahe, dass mit diesem Buch ein Standardwerk in der Aufarbeitung der Shoah und der mit ihr verbundenen Menschen geschaffen wurde.
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Simon Wiesenthal: Die Biographie
Simon Wiesenthal: Die Biographie von Tom Segev (Gebundene Ausgabe - 6. September 2010)
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