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am 10. August 2012
Vieles von dem, was in den vorangegangenen Rezensionen bereits moniert wurde, kann ich bestätigen. Zunächst einmal: Daniel Jonah Goldhagen hat eine unheimlich umfangreiche Arbeit zum Thema Holocaust und die Verstrickungen der ganz normalen deutschen Bevölkerung darin abgeliefert. Auch an Quellen fehlt es wahrlich nicht - akribisch hat sich der Autor durch Feldtagebücher und Polizeiberichte gekämpft. Und bei aller berechtigter Kritik: Er hat dadurch allemal erreicht, dass das Kapitel Holocaustforschung um einige weitere, sehr interessante Perspektiven und Einsichten bereichert wurde.

Doch am Ende kommt man nicht umhin, dem Autor eine ausgewachsene Voreingenommenheit zu attestieren. Zu offensichtlich werden Quellen gezielt ausgesucht und so arrangiert, dass die eigene eingangs formulierte These scheinbar bestätigt wird. Diese lautet: Alle Deutschen unterlägen seit jeher einem eliminatorischen, ja gar exterminatorischen Judenhass und unterstützten daher den Hitler'schen Vernichtungsfeldzug gegen die europäischen Juden offen oder latent.
Dabei verrennt sich der Autor regelrecht in die Idee, der deutsche Antisemitismus sei einmalig in der Geschichte gewesen und mit ähnlichen Anflügen in anderen Staaten nicht vergleichbar. Allein - warum etwa die Feindseligkeiten gegen Juden in Großbritannien, den USA oder Russland weniger verurteilenswert oder gar anders motiviert gewesen sein sollen als etwa der im deutschen Kaiserreich, eine solche Erklärung bleibt Goldhagen schuldig. Unter anderem dafür, wie er beweisen will, dass "80 bis 90 Prozent der Deutschen einen großen Drang verspürten, Juden zu quälen oder zu ermorden."

Es muss daher davor gewarnt werden, Goldhagens Buch aufgrund seiner äußerlich gewaltigen Fülle als Standardwerk in Sachen Holocaust misszuverstehen. Zahlreiche Historiker liefen Sturm gegen das Buch und sahen gar die Holocaustforschung insgesamt auf ein gefährliches Parkett schlittern. Der jüdische Politologe Norman Finkelstein stellte gemeinsam mit Ruth Bettina Birn Goldhagens Thesen in einer eigenen Schrift auf den Prüfstand ("Eine Nation auf dem Prüfstand - die Goldhagen-These und die historische Wahrheit").

In einer Einleitung schrieb der deutsche Holocaust-Experte Hans Mommsen (U.a. "Von Weimar nach Auschwitz")damals: "Der Hiatus zwischen öffentlichem Lob (für Goldhagens Buch, Anm. Verf.) und internationaler Ablehnung durch die Fachwissenschaft ist in dieser Form einzigartig. ... so spiegelt die Begeisterung (in den USA), mit der die Charakterisierung der Deutschen als zutiefst antisemitisch geprägter Nation aufgenommen wurde, tiefgründige Ressentiments wider, wie sie von trivialen filmischen Umsetzungen des Zweiten Weltkrieges und des NS-Terrors genährt werden. ... Die Holocaust-Forschung, die schon zuvor nach langer Stagnation in Deutschland eine bemerkenswerte Intensivierung erfahren hatte, erhielt keinerlei neue Impulse davon."

In seiner Konterschrift deckte Finkelstein zudem in beeindruckender Weise das Vorgehen Goldhagens auf, das unter anderem darin bestand, Quellen bewusst unvollständig zu zitieren, damit aus dem Kontext zu reißen und ihnen eine ganz neue, der eigenen These entgegenkommende Bedeutung zu geben.

Wer wissenschaftlich fundierte Analysen zur Verbreitung von Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft lesen will, dem sei stattdessen in der Tat zu Mommsen oder Haffner geraten - und nicht zuletzt Raul Hilberg hat 1961 ein noch heute gültiges Standardwerk zur Vernichtung der europäischen Juden verfasst.
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am 27. Januar 2006
Es liegt eigentlich auf der Hand, daß Goldhagens Fakten zwar richtig sind, aber höchst einseitig ausgewählt. Er schiebt rigoros alles weg, was nicht zu seiner These eines tief in der deutschen Kultur verwurzelten eliminatorischen Antisemitismus paßt. Nur ein paar wenig beachtete Beispiele:
- Im deutschen Kaiserreich gab es in der Tat eine lebhafte antisemitische Agitation, die über den Hofprediger Stoecker bis in allerhöchste Kreise reichte. Man muß aber bedenken, daß die antisemitischen Parteien auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs gerade mal magere 3,4 % erreichten. Demgegenüber war die größte und erfolgreichste Partei, die SPD, stark von Juden geprägt. Sie verdankte ihre ideologische Grundlage dem Juden Karl Marx, ihr Gründer war der Jude Ferdinand Lassalle und unter ihren prominenten Führern waren viele Juden. Warum, wenn die Deutschen so zutiefst antisemitisch waren, bekam die SPD so viele Stimmen?
- Das erste jüdische Mitglied des Supreme Court in den USA war Louis Brandeis, der 1916 von Woodrow Wilson berufen wurde. Das kaiserliche Deutschland war da schneller. Der erste Präsident des Reichsgerichts in Leipzig war 1879 - 1891 Eduard Simson, ein Jude. Simson war schon 1848 Präsident der deutschen Nationalversammlung gewesen, später war er auch Präsident des Norddeutschen Reichstages. Er leitete als führender Parlamentarier 1849 die Delegation, die Friedrich Wilhelm IV. den deutschen Kaisertitel anbot, und 1870 die Delegation, die Wilhelm I. um Annahme des Kaisertitels bat. 1888 wurde er geadelt. Wie war eine solche Karriere möglich?
- Wenn einer für Antisemitismus empfindlich war, dann wohl Theodor Herzl. Aber man lese mal in seinem Zionistischen Tagebuch, wie er von führenden Persönlichkeiten empfangen wurde, vom Großherzog von Baden, von Philipp Eulenburg, Staatssekretär von Bülow, Reichskanzler von Hohenlohe und schließlich dem Kaiser. Von letzterem ist Herzl geradezu hingerissen. Jaja, man kann viel Böses über Wilhelm II. lesen, aber Herzl hat merkwürdigerweise nichts davon bemerkt. Sicher, er muß sich die üblichen Klischees anhören, daß die Juden ja alle viel Geld hätten, aber daneben gibt es viel Freundlichkeit und Interesse für den damals nicht sehr berühmten Herrn Herzl aus Wien und seine verrückte Idee eines jüdischen Staates. Paßt irgendwie auch nicht ins Bild.
In der Art könnte man ein ganzes Buch schreiben, das freilich genau so einseitig und verzerrend wäre, wie das von Goldhagen. Aber warum bekommt der Mann dann so gute Kritiken? Gut, außerhalb Deutschlands ist dieses Buch eine willkommene Gelegenheit, die eigenen Vorurteile scheinbar autoritativ bestätigt zu finden (machen wir uns nichts vor, es gibt 'ne Menge Leute auf der Welt, die alle Deutschen für geborene Nazis halten). Aber hier?
Ich nenne das die Kronzeugenregelung.
Goldhagen ist sozusagen der Staatsanwalt, der das deutsche Volk zur Rechenschaft zieht. Seine Anklageschrift ist ebenso scharf wie umfangreich. Was macht man da als Deutscher? Man versucht zu beweisen, daß man kein gewöhnlicher, sondern ein außergewöhnlicher Deutscher ist. Ein selbstkritischer Deutscher. Ein Deutscher, der unangenehmen Wahrheiten unverwandt ins Gesicht schaut, der nicht verdrängt, beschönigt und relativiert - einer, der aus der Geschichte gelernt hat. Und so sagt man denn, daß der Herr Goldhagen ganz recht hat, man "gibt es zu" und schafft womöglich noch weitere Beweismittel heran. Und indem man so die breite Unterstützung deutschen Volkes für den Holocaust bezeugt, erwirbt man - die Aura der Unschuld. Denn man ist ja ganz anders, nicht wahr?
Gratuliere.
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HALL OF FAMEam 13. November 2002
Man vergleiche die Erkenntnisse von Goldhagen mit denen von Sebastian Haffner (der eine jüdische Verlobte hatte und ins Ausland emigrierte): Ein relativ junger Autor hat ein scheinbar offenbar früh arretiertes Bild des Geschehens, das nicht aus eigenem Erleben kommt. Er weigert sich, der Kontroverse zu stellen, z.B. haben israelische Historiker meist einen anderen Ansatzpunkt und kommen zu anderen Ergebnissen als Goldhagen. Goldhagen irrt meiner Meinung in folgenden Punkten:
- die gesamte deutsche Bevölkerung soll traditionell zutiefst antisemitisch eingestellt gewesen sein. Es fehlen Vergleiche zu anderen Nationen, z.B. Frankreichs oder Englands! Daß die Bevölkerungen der nach 1939 annektierten Länder von Goldhagen erwähnt werden, wiegt meiner Ansicht nach nicht stark, da diesen von SS und Gestapo die NS-Stigmata aufgezwungen wurden.
Falls Deutschland immer ein brodelnder gefährlicher antisemitischer Vulkan gewesen wäre, verwundert es, dass die meisten Semiten sich seit 1871 besonders gern in Deutschland freiwillig niederliesen, selbst nach 1933 glaubten sehr viele Juden an das Gute Deutschland der vergangenen Jahrzehnte, daß der Spuk doch bald vorbei sei. Interessant ist es zu diesem Punkt das Verhalten und die Äußerungen der Familie Anne/Otto Franks zu studieren, oder etwa das Verhältnis der Bevölkerung Deutschlands zu den jüdischen Sängern der Comedian Harmonists, das bis weit nach 1933 äußerst herzlich war (siehe Video oder Biografien).
- Goldhagen schreibt, daß nach 1945 die Bevölkerung Deutschlands vernünftig geworden ist. Das ist eigentlich unlogisch, würde es sich um eine antisemitische Nation handeln, wäre die Gefahr wohl auch heute noch nicht gebannt und hätte sich in entsrechenden Aktionen der letzten Jahrzehnte artikulieren müssen.
- Goldhagen mag punktuell in den ein oder anderen Recherchen recht haben, das von ihm resultierende Gesamtbild teile ich nicht. Meine persönlichen Recherchen bei anderen Autoren ergeben eine andere persönliche Meinung:
- Seit Gründung des deutschen Staats (auch z.T. vorher schon in Preußen) fanden jüdische Einwanderer auf durchaus attraktivere Entfaltungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Staaten. Was natürlich nicht eine völlige Gleichberechtigung heißen soll. Nicht zuletzt die Juden selbst waren besonders in Deutschland verliebt, dem sie gerne im Ersten Weltkrieg mit Patriotismus als Soldaten dienten. Dieses emotionale Verhältnis spricht deutlich gegen die falsche Bereicherungs-Theorie, z.B. Streichers. Besonders in der Weimarer Zeit gab es eine fruchtbare Zusammenarbeit von deutschen und jüdischen Künstlern: Fritz Lang (Metropolis, M, der typisch germanische Film Die Nibelungen), Max Reinhard, Erich Kästner, Comedian Harmonists, etc. D.h. die Juden waren nicht zuletzt typische Deutsche geworden, deren Abstammung der meisten Bevölkerung ganz egal war.
Natürlich gab es auch in Deutschland einen Antisemitismus aus Teilen der Bevölkerung, der sich kaum von dem in England oder Frankreich unterschied, geschweigedenn bis 1933 so radikale Formen annehmen sollte wie es in Polen, Österreich oder Russland schon lange der Fall war. Dieser Antisemitismus war oft irrational , man kannte persönlich keine unsympatischen Juden, glaubte aber das ein oder andere Vorurteil aus der Zeitung. Eine Antipathie, der wohl aber kein großer Haß zugrundelag. Oder es war Neid auf die ein oder andere gute Stellung, wo natürlich der positive volkswirtschaftliche Effekt für Deutschland übersehen wurde. Auch das keine Fundgrube riesigen Hasses. Dann kam Hitler mit seinen Thesen in „Mein Kampf", die seltsamerweise kaum jemanden interessierten. Ich verzichte auf eine Stellungnahme, sie sind so realitätsfern und vom Himmel geholt. Es ist seltsam, daß hier den Juden eine Position zugeschoben wurde, die nicht zuletzt Deutschland selbst in den Augen kleinerer Nationen Europas seit Bismarcks Abgang um die Jahrhundertwende hatte: Man war neureich, man wollte mehr, war unzufrieden, sollte in allen Weltentscheidungen ein gewichtiges Wort haben, konnte seine Ansichten mit Militärgewalt anderen Nationen aufzwingen. Doch die Juden, die durften das eigene Verhalten nicht annähernd zeigen. Als nach 1933 die Machtübernahme war, glaubten die antisemitisch eingestellten Teile der Bevölkerung, daß mit den Berufsverboten 1934 wohl der Höhepunkt der Progrome erreicht war. Man wollte ihnen insgeheim (aus Neid?) nun mal eins auf den Deckel gönnen, ... aber umbringen: Um Gottes Willen. Das kam einzig aus dem Gedankengut Hitlers und seiner Schergen, die die Juden geradzu psychologisch brauchten um einen Sündenbock für frühere Misserfolge zu haben und um ihre Tötungsmaschinerie bis 1938 an ihnen ausprobieren zu können für spätere weitere Verwendung an anderen Völkern nach Ausbruch des Krieges.
- Selbst nach jahrelanger Indoktrinierung gelang es Hitler nicht, aus Deutschland eine antisemitische Bevölkerung zu machen. Die Wirtschaftserfolge und das neue Nationalbewusstsein machten Hitler populär und beliebt, seine Rassentheorien wurden weiterhin von den meisten Deutschen ignoriert. Die Reichskristallnacht war eine von der Partei inszenierte Terrorschau, die Bevölkerung nahm nicht daran teil, sie schaute weg. Helfen tat sie allerdings nur in Einzelfällen. Das erboste Hitler, deshalb plante er 85 % des Holocausts auf polnischem Gebiet, da er glaubte, die Sympathie der deutsche Bevölkerung noch ganz zu verlieren, wenn dies allzu offenkundig auf deutschem Boden sich abspielen würde.
- Ich denke nicht, daß es sich bei den Deutschen um eine antisemitische Nation handelt, was auch die guten Beziehungen zu Israel seit 1945 zeigen. Israelis sprechen nicht selten heute wieder von ihrer Sympathie zu Deutschland (was ein großes Herz bedarf) und räumen der BRD das gleiche Kritikrecht ihrem Staat gegenüber ein wie jedem anderen Land, z.B. in Bezug auf die ungerechte Behandlung der Palästinenser. Übrigens wäre ohne Hitler die israelische Staatsgründung nicht denkbar gewesen.
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am 21. Mai 2003
"Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust." von Daniel J. Goldhagen.
Durch das Aufsehen, das dieses Buch bei seinem Erscheinen vor einigen Jahren erregt hat, sollte man eigentlich meinen, dass eine Rezension von mir dazu überflüssig sei. Weiß doch jeder, dass das Buch von der Mehrheit der Historiker der NS-Zeit geradezu verrissen wurde, zumindest in Deutschland. Allerdings bezog sich das auf die Schlussfolgerungen, die Goldhagen in seinem Buch zieht, nicht auf die Fakten, die er schildert und die ihn zu diesen Schlussfolgerungen geführt haben.
Durch den Aufbau, den Goldhagen in den einzelnen Kapiteln wählt, ist es jedoch jedem Leser möglich seine eigenen Schlüsse zu ziehen und muss nicht zwangsläufig die des Autors übernehmen. Genau deshalb halte ich das Buch für sehr empfehlenswert! Auch ich stimme nicht unbedingt jeder seiner Schlussfolgerung zu, aber alleine aufgrund der teilweise sehr detaillierten Darstellungen von Vorgängen, beispielsweise bei Massenerschießungen, bei Todesmärschen, bei anderen grausamen Verbrechen, halte ich für äußerst wichtig, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle arg unter die Haut geht. Aber das muss es auch, damit auch uns, die wir doch alles nur noch aus verblassten Erzählungen kennen, das Grauen der damaligen Zeit bewusst wird!
Sehr ausführlich wird im ersten Teil des Buches vor allem die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland behandelt. Manches mag überzogen klingen, doch aus persönlichen Kontakten mit Zeitzeugen weiß ich auch, dass vieles wirklich stimmt.
Mein Rat also: Buch lesen und eigene Meinung bilden!
Als zusätzlichen Tipp möchte ich noch auf ein Buch verweisen, das als Reaktion auf Goldhagens Buch erschienen ist. "Ein Volk von Mördern", herausgegeben von Julius H. Schoeps, ist eine Sammlung von Kommentaren von Journalisten, Historikern, Professoren aus den USA, Großbritannien und Deutschland. Abgesehen von mancher Polemik wird von manchen auch durchaus sachlich Stellung genommen und kann damit auch zur eigenen Meinungsbildung ein großes Stück beitragen.
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am 6. Oktober 2012
Goldhagens Buch ist leider komplett unbrauchbar.
Seine Thesen sind wissenschaftlich unhaltbar, sein Stil von entsetzlicher Arroganz.
Einige Beispiele:

Goldhagen unterstellt 'allgemeine Behauptungen' ohne Belege; z.B. S. 25: „Es gibt also die allgemeine Behauptung, daß Menschen stets der Autorität gehorchen, wenn dies auch unterschiedlich erklärt wird." Wer behauptet das und wo?
Desweiteren der polemische Fragestil des Buches (auf jeder Seite finden sich etwa zwei Suggestivfragen). Zum Beispiel (S. 477): 'Die Deutschen mordeten, kann man sich vorstellen, daß die Italiener oder die Dänen so gehandelt hätten?'
Goldhagen behauptet, monokausale Erklärungsmuster abzulehnen (S. 8.). Wie aber kommt dann ein solcher Satz in sein Buch (S. 22): „Nicht wirtschaftliche Not, nicht die Zwangsmittel eines totalitären Staates, nicht sozialpsychologisch wirksamer Druck, nicht unveränderliche psychische Neigungen, sondern die Vorstellungen, die in Deutschland seit Jahrzehnten über Juden vorherrschten, brachten ganz normale Deutsche dazu, unbewaffnete, hilflose jüdische Männer, Frauen und Kinder zu Tausenden systematisch und ohne Erbarmen zu töten."
Goldhagen lehnt, so behauptet er, die Kollektivschuldthese ab, wie kann er dann aber schreiben (S. 40): „.. so daß sie alle auf ihre Art(gemeint ist das deutsche Volk) einen Beitrag zur Durchführung des Vernichtungsprogramms leisteten."
Zum ständigen Gebrauch des 'Die Deutschen': Wenn es sich um die Charakterisierung der deutschen Politik handelt, kein Problem, ohne weiteres läßt sich sagen, die Deutschen ermordeten dreiviertel der europäischen Juden, denn dies war nationales Programm, aber: Goldhagen geht es um die Frage nach der individuellen Motivation der Täter (zumindest behauptet er das noch am Anfang des Buches; um der offenbar erwarteten Kritik schon prophylaktisch zu begegnen, spricht er am Schluß (S. 488) aber von Gruppen und Klassen von Tätern; einer der vielen methodischen Mängel des Buches), und da ist der Gebrauch unstatthaft. Goldhagen benutzt das 'Die Deutschen' sehr bewußt zum Zweck der Zuspitzung seiner Thesen, ein Beispiel: ab S. 205 referiert er über die verschiedenen Mordinstitutionen. Subjekt der Mordinstutionen im ersten Abschnitt der Seite 205: 'die Täter'. Auf S. 207 schon allgemeiner der ideelle Hintergrund der Mordinstitutionen: 'im Deutschland der NS-Zeit'. Dann weiter: 'die Mehrheit der Deutschen', schließlich und ab jetzt ausschließlich: 'die Deutschen'. Uns schon hat man aus dem Täter den Deutschen gemacht. In dem Abschnitt, der sich mit den unnötigen Grausamkeiten beschäftigt, kommt Goldhagen nebenbei auf die osteuropäischen Hiwis zu sprechen. Da deren Brutalität nicht ins sonst gelieferte Tätersubjekt 'die Deutschen' paßt, schreibt er lapidar, die Hiwis seien „offensichtlich durch die Gewalttätigkeit der Deutschen beeinfluß". (S. 304)
In manchen Abschnitten steht ein solcher Blödsinn, daß man annehmen muß, daß an der Übersetzung geschlampt wurde. Beispiel: der letzte Absatz auf S. 241:
„Die Polizeibataillone und andere Einheiten der Ordnungspolizei verübten seit dem Angriff auf die Sowjetunion und deren jüdischen Bevölkerungsteil massenhaft Morde an Juden. Sie fuhren damit fort, solange die Deutschen systematisch Juden umbrachten. Es läßt sich kaum genau feststellen, wie viele Tote das Bataillon zu verantworten hat. Sicher haben die Männer mehr als eine Million Menschen umgebracht, möglicherweise sogar die dreifache Zahl." Was soll der Singular 'das Bataillon' im dritten Satz? Welches? Alle? Abgesehen von dieser Ungenauigkeit (die unnötig ist, die Forschung hat die Zahlen längst ermittelt)ist die Aussage in diesem Abschnitt schlichtweg falsch, die da lautet: die Polizeieinheiten haben mindestens eine Million, vielleicht drei Millionen umgebracht. Das trifft für die Einsatzgruppen zu, die sich aber aus SD- Polizei- und SS-Einheiten zusammensetzten. (nachlesen kann man das am detailliertesten bei: Helmut Krausnick, 'Hitlers Einsatzgruppen', Frankfurt/M. 1985) In der Anmerkung zu diesem Absatz schreibt Goldhagen richtig: „Die Angehörigen der Polizeibataillone leisteten einen großen Beitrag zur Ermordung derjenigen Juden, die die Einsatzgruppen umbrachten". Wie erklärt sich die Diskrepanz von Text und Fußnote? Der Verdacht drängt sich auf, daß die Wahrheit, nämlich die Zusammensetzung der Einsatzgruppen aus SS, SD und Polizeieinheiten (Orpo + Sipo, d.h. Ordnungs- und Sicherheitspolizei) nicht in das Bild der 'ganz normalen Deutschen', also den 'nicht-nationalsozialistisch-bis-in-die-Knochen Deutschen' paßt.
Auf Seite 265ff. werden die Taten des Oberleutnants Gnade als exemplarisch für solche 'gewöhnlicher Deutscher' präsentiert, obwohl, wie man bei Christopher Browning nachlesen kann, Gnade ein höchst sadistischer (und als solcher auch von den anderen Beteiligten identifizierter) Charakter war.
Manchmal hatte ich zudem den Verdacht, daß Goldhagen Schwierigkeiten hat, Aktenmaterial zu interpretieren, so schreibt er auf S. 250: „Auch die Tatsache, daß sich diese Männer nicht zum Eintritt in eine der anderen militärischen Institutionen entschlossen hatten, mag darauf hindeuten, daß sie dem NS eher reserviert gegenüberstanden.." Aus der Tatsache, daß diese Männer anscheinend keinen Bock hatten, sich abschießen zu lassen, zu schließen, daß sie deshalb ja nicht vom NS überzeugt hätten sein können, ist billig.
Mehr als einmal stolpert man über ganz dumme Sätze wie: „Einen ganz gewöhnlichen Schlachthof zu betreten ist selbst für manche überzeugte Fleischesser eine unangenehme Erfahrung." (S. 262) Dazu fällt mir nur ein (ich bitte meinen Zynismus zu entschuldigen): Ein Lob auf Adolf, den überzeugten Vegetarier.
Auf S. 133 referiert Goldhagen über die Rassegesetze und berichtet von den Anschuldigungen 'von ganz gewöhnlichen Deutschen gegen Juden' wegen 'Rassenschande', übersieht aber völlig, daß der Vorwurf der 'Rassenschande' den Deutschen galt, die sich mit Juden 'einließen'. Der Schlüssel der Wortbedeutung liegt in der 'Schande'. Ein Jude ist für einen Nazi per se voller Schande. Auf Seite 141 behauptet Goldhagen, 'überall in Europa' die kirchlichen Oberhäupter die Judenvernichtung verdammten, nur nicht in Deutschland. Ein oberflächlicher Blick auf die Rolle der Oberhäupter der katholischen Kirche Kroatiens bei der Judenvernichtung genügt, um dies zu widerlegen. Ich belasse es bei diesen Beispielen, es gibt deren noch mehr.
Abschließend kann man zu Goldhagens Buch nur sagen, und das ist das Schlimmste, was man zu einem Buch, das einen wissenschaftlichen Anspruch hat, bemerken kann: man kann aus ihm nichts lernen. Wohl aber aus den Büchern von Gudrun Schwarz, Ulrich Herbert, Brigitte Hamann, Helmut Krausnick, Christopher Browning.

Interssant ist nicht das Buch, sondern das Phänomen Goldhagen, sein Erfolg.
Goldhagen ist der Steve Jobs der Buchproduktion, ein äußerst erfolgreicher Vermarkter.
Seine Bücher bitte dem Altpapier zuführen, als recycletes Klopapier erfüllen sie doch noch einen Zweck..
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am 27. August 1999
Leider kenne ich keinen namhaften Historiker oder Politologen, sei er nun aus Deutschland, Israel oder den USA, der dieses Buch für "gut" und "wissenschaftlich" hält. (Vielleicht bin ich fehlinformiert; ich bin jedenfalls für alle Hinweise dankbar.) Beispielsweise halten Prof. Dr. Alfred Grosser und andere namhafte jüdische Wissenschaftler, die z.T. in ihrer Kindheit/Jugend aus Nazi-Deutschland fliehen mußten, dieses Buch für mindestens "unausgewogen", wenn nicht sogar "völlig unwissenschaftlich", weil es die Sicht auf andere als jüdische Opfer einengt oder nicht zulassen will. Sicherlich waren Juden DIE Opfer der Nazis, die aufs Grausamste verfolgt wurden und das meiste zu leiden hatten, aber die Sinti und Roma werden von Goldhagen in zwei bis drei kurzen Sätzen abgehandelt; es gibt nicht nur keine Erklärung, warum sich andere europäische Regierungen -Völker?!- beispielsweise in Osteuropa (Balten, Ungarn, Rumänen etc.) hilfreich an der Deportation und Ermordung von Millionen Juden beteiligt haben, dies wird nicht einmal richtig erwähnt - oder habe ich etwa aus Ärger ein paar 100 Seiten übersprungen? Von deutschen Insassen der Nazi-Gefängnisse oder Konzentrationslager ist keine Rede (schon mal was von Pazifisten oder von Leuten wie Bonhoeffer, Schumacher, Thälmann oder religiösen Minderheiten wie den "Zeugen Jehovas" gehört? - aber das waren ja auch keine "ganz gewöhnliche Deutsche" - tut mir leid, habe ich vergessen). Goldhagen hat aber auch einfach zu vieles "vergessen" und deshalb ist sein Buch meiner Meinung nach voreingenommen, unvollständig und absolut unwissenschaftlich. Oder schielte da jemand mit Hilfe einer aufsehenerregenden, schlecht geschriebenen Provokation auf schnellen Verkaufserfolg? (Ist der doppelt vorkommende Satz im Klappentext auch schlechter Stil oder Zufall?) Es gibt jedenfalls eine Menge wissenschaftliche Bücher, die dieses Thema besser behandeln und als Einführung würde ich eher andere 'unwissenschaftliche Literatur' wie z.B. "Die Ermittlung" von Peter Weiss, "Stella" von Peter Wyden oder "Ich war Hitlerjunge Salomon" von Salomon Perel empfehlen als Goldhagens Buch. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 10. August 2015
..., allerdings eher eine Taschenbuchausführung mit etwas festerem Einband, als die beschriebene "Gebundene Ausführung". Mehr Ehrlichkeit in der Beschreibung wären wünschenswert.
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am 22. April 2015
"Hitlers willige Vollstrecker" ist ein dickes Buch. Daniel Jonah Goldhagens soziologische Holocaust-Betrachtung ist so voluminös wie kontrovers. Auf aberhundert Seiten expliziert Goldhagen seine Thesen, die sich (wie er nicht müde wird zu betonen) von landläufigen Erklärungsansätzen teils krass unterscheiden.

Daniel Goldhagen betrachtet und untersucht den Holocaust, die (angestrebte) Vernichtung der europäischen Juden durch nationalsozialistische, deutsche Täter. Bei dieser Untersuchung liegt der Fokus auf dem Verhalten der Täter. Warum beteiligten sich so viele Deutsche an der Durchführung des Völkermords? Wie konnte es geschehen, dass eigentlich unauffällige, ganz gewöhnliche Deutsche zu den Waffen griffen? Und warum griffen sie (auch) immer wieder zu Folterwerkzeugen? Das Täterverhalten kann - sagt Goldhagen - nicht hinreichend durch Konformitätsdruck, Befehlshörigkeit, blanken Sadismus oder aggressives Karrierebewusstsein erklärt werden. Die Gründe fürs Tun der Täter sieht Goldhagen woanders.

Der Grund fürs mörderische Verhalten (den Juden gegenüber) sieht Goldhagen in einem spezifisch deutschen (kulturellen) Phänomen, nämlich im eliminatorischen Antisemitismus, der sich lange vor der nationalsozialistischen "Machtergreifung" entwickelt und verschärft hatte. Der herrschende deutsche Antisemitismus war "die Basis und die Ursache der Politik der totalen Vernichtung" (S. 297 [1. Auflage]).

Die grundlegenden Ideen und Überzeugungen des nationalsozialistischen Judenhasses waren - schreibt Goldhagen - im deutschen Denken "tief verwurzelt" (S. 100). Die geistesgeschichtliche Genese antijüdischer Bilder und Vorstellungen (insbesondere vom 19. Jahrhundert bis zur NS-Herrschaft) bezeugt die frappierende "Kontinuität des deutschen Antisemitismus" (S. 570). Das entscheidende Charakteristikum dieses Judenhasses war der Wille zur Ausgrenzung, Ausweisung, Ausrottung: Die "exterminatorische Tendenz [war] im deutschen Rassenantisemitismus angelegt" (S. 342). Der deutsche Diskurs über die Juden war eliminatorisch, weil man glaubte, der "jüdische Einfluß müsse ein für allemal aus der Gesellschaft entfernt werden" (S. 69). Die Vorstellung, dass alles (irgendwie) Jüdische schädlich sei, gehörte - behauptet Goldhagen - zum Realitätskonstrukt aller Deutschen, ob Nazi oder Widerstandskämpfer: "Das kulturell-kognitive Modell von den Juden bestimmte die Wahrnehmungen von Nationalsozialisten und von ihren Gegnern" (S. 147). Aus diesem Grund wurden die völkermörderischen Vorhaben des Regimes im Allgemeinen gebilligt: "Die Deutschen waren [...] mit dem eliminatorischen Programm prinzipiell einverstanden" (S. 156). Und wenn es um die tatsächliche Durchführung von Mord-Einsätzen und Quälereien ging, zeigten die Deutschen ihren Vollstreckungswillen; sie zeigten, "daß sie Vollstrecker des Völkermords sein wollten" (S. 330). Bei der Realisierung der Genozid-Pläne gingen die Täter nicht etwa kaltblütig und teilnahmslos vor. Sie waren "keine fühllosen Henker" (S. 465), sondern sie waren mit Eifer, Enthusiasmus und Freude bei der Sache. Darum ist der Holocaust - für Goldhagen - "das charakteristisch nationale Projekt" (S. 215) der Deutschen. "Für den ganz normalen Deutschen waren Juden ein Auswurf" (S. 452); und der Hass, der die Täter zu unausdenkbaren Grausamkeiten trieb, machte den organisierten (und manchmal auch unorganisierten) Judenmord zum "nationalen Unternehmen" (S. 239).

Natürlich sind Daniel Goldhangens Thesen brisant und ungewohnt-provokant: Die Deutschen waren keine manipulierten Drohnen, keine gefühlsarmen Schreibtischtäter; sie waren willige, enthusiasmierte Überzeugungstäter. Und das gilt - behauptet Goldhagen - für (so gut wie) alle Deutschen. Aber Goldhagens Vorhaben ist einleuchtend und klingt methodisch vielversprechend. Bei der Betrachtung der Täter will er "ihre Gedanken und Gefühle als Quelle ihres Tuns ernst nehmen" (S. 562). Das heißt freilich auch, dass die Qual- und Mordtaten nicht (wie andernorts oft geschehen) isoliert betrachtet werden dürfen. Um zu realistischen Kultur- und Täterprofilen zu gelangen, muss man "die ganze Lebenswelt dieser Menschen kennenlernen" (S. 225).

Da ist es schade, dass Daniel Goldhagens praktizierte Methodologie hinter den Erwartungen (und wissenschaftlichen Hoffnungen) zurückbleibt. Allenthalben hat man den Eindruck, dass Goldhagens Indizienketten aus willkürlich zusammengewürfelten (und darum unvollständigen) Fakten-Versatzstücken bestehen. Goldhagens Abriss zur antisemitisch durchtränkten Kultur des 19. Jahrhunderts (z.B.) ist lückenhaft und merkwürdig ungelenk. Es ist zumindest befremdlich, dass so einflussreiche Persönlichkeiten wie Theodor Fritsch, Arthur de Gobineau und Houston Stewart Chamberlain gar nicht erwähnt werden (obgleich ihre schriftstellerischen Ergüsse den öffentlichen Antisemitismus emphatisch anheizten und salonfähig machten).

Obzwar Daniel Goldhagens Literaturverzeichnis umfangreich (und seine Fußnotensetzung vorbildlich) ist, stolpert der Leser - bei Zitaten - immer wieder über Ungenauigkeiten. Es bleibt rätselhaft, warum Goldhagen die Personen, die er zitiert, nicht immer bei ihren Namen nennt. Mal spricht er nebulös von einem "Arzt, der eine Zeitlang in Auschwitz Dienst tat" (S. 520), mal zitiert er einen der "populärsten und einflußreichsten völkisch-antisemitischen Polemiker" (S. 91). Namen fallen nicht.

Noch schwerer wiegen allerdings die systematisch-akademischen Patzer beim Umgang mit den Quellen, die sich Goldhagen nicht selten leistet. Goldhagen zitiert einen Bericht der Gestapo (nach der Verkündung der Nürnberger Rassengesetze): "Die Bevölkerung empfindet die Regelung der Verhältnisse der Juden als befreiende Tat" (S. 127). Daraus folgert Goldhagen: "Bei den Deutschen erfreuten sich diese Gesetze erheblicher Popularität" (ebd.). Sollte man Gestapo-Behauptungen über die Bevölkerungsstimmung wirklich einfach für bare Münze nehmen? An einer anderen Stelle übernimmt Goldhagen ein antijüdisches Richard-Wagner-Zitat aus einer antisemitischen Hetzschrift von Alfred Rosenberg (S. 466). Sollte man die pseudowissenschaftlichen Schriften des führenden NSDAP-Ideologen wirklich einfach als verlässliche Zitatensammlung betrachten (ohne zu überprüfen, woher das Zitat im Original stammt)?

Daniel Goldhagens Vorgehen ist - in wissenschaftlicher Hinsicht - streckenweise so defizitär und tendenziös, dass die methodologische Fragwürdigkeit jedem aufmerksamen Leser auffallen dürfte. Aber auf einer höheren (gleichsam abstrakteren) Ebene wertet dieser Umstand "Hitlers willige Vollstrecker" sogar auf. Denn die grauenhaften Taten, die Goldhagen beschreibt, haben stattgefunden; und die hintergründigen Motive und Motivationen liegen (allergrößtenteils) weiter im Dunkeln. Goldhagen versucht sich zwar in Erklärungen, scheitert aber am Versuch des Überzeugens. Darum kommt der Leser nicht umhin, Stellung zu beziehen.

"Hitlers willige Vollstrecker" ist so umfangreich wie kontrovers. Und weil es in jedem Leser eine innere Goldhagen-Debatte anzuregen vermag, ist das Buch so kontrovers wie lesenswert.
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am 6. August 1999
Goldhagens Buch hat für immensen Wirbel gesorgt, damals. Diesen Aufruhr hat das Buch auch nötig gehabt - ohne ihn wäre es untergegangen wie jedes andere schlechte Buch über Geschichte aus den USA. Der große Kritikpunkt an dem Buch ist der der vielen methodischen Fehler und schlampiger Arbeit, nicht zu kritisieren jedoch die vielen guten Ideen zur Psyche der Täter: selten ist soviel über die innere Haltung der Mörder, Vollstrecker oder zum Vollstrecken Gezwungenen in die Masse der Bevölkerung eingedrungen. Denn das hat das Buch wirklich vollbracht: wieder einmal die Leute zum Denken anzuregen.
Das Buch erhält von mir aufgrund der vielen methodischen Dümpeleien nur 2 Sterne, sonst ist es natürlich lesenswert.
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am 25. Juni 2012
Eine Zusammenfassung des Streits um die historische Kernthese des Autors findet sich in J.H. Schoeps : Ein Volk von Mördern ? und sollte man parallel zu dem Buch lesen. Oder die Web-Side der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Goldhagen-Debatte.

Und das Buch von G. Aly : "Warum die Deutschen ? Warum die Juden ?"
Klappentext : "Er bescheibt den beeindruckenden Aufsteig der deutschen Juden von 1800 bis 1933 und die Mißgunst ihrer langsamen christlichen Zeitgenossen. Deren nationaler Dünkel speiste sich aus Schwäche, Neid und Freiheitsangst und führte am Ende zu mörderischem Antisemitismus." "Ich betrachte das Buch als den wohl wichtigsten Beitrag in der unendlichen Literatur zum Thema" (W.M. Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin)

Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass ich keine vergleichbare Veröffentlichung kenne, die die Unertäglichkeit der Shoa so "schonungslos" und damit nach meiner Einschätzung vermutlich wahrhaftig dokumentiert. Ich konnte das Buch nur ausschnittsweise lesen. Alle weiteren Veröffentlichungen über Opferschicksale (auch Filme) habe ich an diesem Buch gemessen.
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