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4.0 von 5 Sternen Man muß das Genre schon mögen,, 29. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: On Rules and Monsters: Essays zu Horror, Film und Gesellschaft (Broschiert)
...sonst braucht man auch ein solches Bändchen nicht zu lesen. Der moderne Horrorfilm (der ja ein anderer moderner Horrorfilm ist, als es jener der 70er Jahre, den ich so liebe, war) steigert seine Schauwerte und die Dringlichkeit dessen, was er zu zeigen wünscht ja noch einmal hinsichtlich dessen, was sichtbar gemacht wird. "Saw", "Hostel", "The Hills have eyes" stehen stellvertretend für diese Welle des allerhärtesten Splatters, den es je gab (bis die nächste, noch härtere Welle kommt). Bezeichnend dabei ist, daß wir es hier sowohl mit Originalmaterial zu tun haben, als auch mit Neufassungen von Altbekanntem. Und das "Altbekannte" entsprach dem "modernen Horrorfilm" der 70er. "Hills have eyes" ebenso wie "Dawn of the Dead" oder "The Texas Chainsaw Massacre" waren die bahnbrechenden Filme der 70er, die all den Mainstreamsplatter von Lynch ("Wild At Heart") bis Demme ("Silence of the Lambs") erst ermöglicht haben.

Es waren subversive Filme, die (vor allem dem amerikanischen) ihrem Publikum den Spiegel der bitterbösen Wahrheit vorhielten, daß es die Glückseligkeit der behüteten 50er Jahre nicht mehr gab, daß nach den Gräueln des 20. Jahrhunderts und dem Mangel an Lehren, die daraus gezogen wurden, daß nach dem Verlust moralischer Gewißheiten v.a. im Vietnamkrieg, keine Hoffnung mehr zu finden sein würde, weder in der Liebe, noch in der Familie und schon gar nicht in der Provinz. Wenn man will, kann man natürlich auch in diesen Filmen schon die Reaktion am Werke sehen - die seltsame Hinterwäldlertruppe aus "Texas Chainsaw..." schlachtet die hippiesken Teenies ab: Eine Art Racheakt des reaktionären Redneckamerika an den jungen Progressiven. Sicher, wären die Mitglieder dieser Familie nicht selbst teilsweise als Überhippies gekennzeichnet (zumindest trifft dies auf den "Tramp" zu, der das ganze Unheil erst in Gang setzt), mindestens jedoch als "Freaks". Und Gleiches gilt für die Mutantenfamilie in "Hills have eyes" - sie sind natürlich die auf perverse Weise wieder hergestellte Familie amerikanischer Prägung, die die Hoffnung auf ein "Weiter So!" aufrecht erhält (im amerikanischen, rechtschaffenen Kino muß immer die Familie als bedrohtes Urmodul einer funktionierenden Gesellschaft geschützt und wieder hergestellt werden; siehe: "Fatal Attraction"), allerdings zerstört sie dafür die uns vorgeführte Spießerfamilie, die für "Glück" steht, während die Mutanten deutlich als Opfer unseres Fortschritts(Atom)wahns gekennzeichnet werden. Über die Zombiefilme Romeros und ihre gesellschaftspolitischen Implikationen (die auch am deutlichsten "links" einzustufen und dort zu verorten sind) ganz zu schweigen.

Den neueren modernen Horrorfilmen - seien es nun Originale wie "Saw" oder Remakes wie "Hills have eyes" - hängt nun erst recht das "Reaktionär"-Emblem um. Ich selbst gehöre ebenfalls zu jenen, die meinen, daß es diesen Filmen nur noch auf die Oberflächenreize des zerstörten Körpers, die Exploitation des reinen Schauwertes des Ekligen ankommt. Dagegen nimmt dieser schmale Band, dem diese Rezension eigentlich gilt, deutlich Position ein. Hier schauen einige ältere, v.a. aber jüngere Filmautoren noch einmal genauer hin und kommen für sich zu ganz anderen Schlüssen, Schlüssen jedoch, die sehr bedenkenswert sind und das Nachdenken gerade über die schmuddeligen Ränder der Filmkunst fördern. Zum Teil reine Standortbestimmungen, wo sich der neue (moderne) Horrofilm befindet (und dabei auch mit Augenmerk auf den Einfluß des body cinema aus Asien, v.a. "Ringu"), zum Teil klare Essays zu einzelnen Phänomenen des neuen Horrofilms (Splatterzunahme/Zombie- also reines Körperkino/vampirische Urständ'), zum Teil hintergründige Reflexion zu einzelnen zentralen Punkten modernen Horrors (das Labor), bietet der Band eine gute Übersicht, was im modernen Horrorfilm und in seinen diversen Ablegern passiert.

Entstanden auf der Basis einiger Vorträge während zweier Horrokongresse in Bremen 2005 und 2006, bietet dieser Sammelband gut zu lesende, informierte und informierende Beiträge, die dennoch nicht leugnen, daß ihre Verfasser selbst auch Fans sind oder zumindest einmal waren. Denn auch dieser Aspekt wird ausgewogen behandelt in Zeiten, in denen immer wieder Verbote für Filme und/oder Spiele gefordert werden, die angeblich Kinder und Jugendliche verderben: Horror/Splatter/body cinema ist gerade für Heranwachsende ein zentrales Genre, denn kein anderes kann eben die Ängste, Unsicherheiten und Befürchtungen der Pubertät besser spiegeln und widergeben. Die Dringlichkeit, die es gerade für pubertierende Jungs hat/haben kann, sich den Ekelreizen eines Zombiefilms auszusetzen, hat Dietmar Dath ja in seinem Briefroman/Essay "Die salzweißen Augen" schon eindringlichst beschrieben, hier wird eine ernsthafte und wissenschaftliche Begründung nachgeliefert.

Wer also das Genre mag (von lieben mal nicht zu sprechen) oder mal gemocht hat, findet hier eine Sammlung kluger, aufgeklärter und liebevoller Artikel zum Thema!
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On Rules and Monsters: Essays zu Horror, Film und Gesellschaft
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