|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
12 Rezensionen
|
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
|
|
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
|
|
29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Bissig und bitter,
Von Ursruetli (Bern) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Ich habe die recht wohlwollende Rezension in der "Neuen Zürcher Zeitung" gelesen. Dort schrieb der Redaktor: "Die bissigsten und bittersten Seitenhiebe teilt Thielke gerade der Hilfe-«Industrie» aus, jenen «Hilfsrevoluzzern» und «Freischärlern des Altruismus», die dem «verheerenden europäischen Drang», Gutes zu tun, nachgegeben hätten und partout nicht begreifen wollten, dass die grösste Hilfe, die sie Afrika leisten könnten, gerade Nichthilfe sei. Glücklicher- und auch fairerweise verschont der Autor mit seinem Hohn jene tapferen Einzelkämpfer weisser Hautfarbe, die an vorderster Front, ungeachtet aller Gefährdungen und ohne bewaffneten Begleitschutz, Verwundete pflegen und Kranke versorgen." Daraufhin habe ich mir sofort dieses Buch gekauft. Die "NZZ" hat schon recht: bissig ist das, was der Autor schreibt, und auch manchmal bitter. Und nicht nur das. Es ist eine gnadenlose Abrechnung mit der Entwicklungshilfe, die tief in die Kriege in der Dritten Welt verstrickt ist. Gleichzeitig beleuchtet es aber auch die historischen und politischen Hintergünde des Gemetzels in Darfur und ist sehr gut lesbar. Es ist also, um es kurz zu sagen, eine sehr empfehlenswerte Lektüre für die Zeitgenossen, die sich für die Vorgänge in Afrika wirklich interessieren und nicht nur Klischees geliefert bekommen wollen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Hier wird Geschichte erlebbar,
Von Gaby "gaby1roland" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch, kaum dass es auf den Markt gekommen ist, gekauft und benutze es jetzt als Unterrichtsmaterial für den Leistungskurs in der 12. Klasse, den ich unterrichte. Ich kann mir kein geeigneteres Lernmaterial vorstellen. Farbig und anschaulich führt der Spiegel-Korespondent Thilo Thielke durch die Geschichte des Sudan, "begleitet" Entdecker wie Gustav Nachtigal, Georg Schweinfurth, Alfred Brehm oder den berühmten Fürst Pückler auf ihren dramatischen historischen Reisen. Dies verbindet er mit seinen eigenen Erlebnissen, die er in den letzten Jahren im Sudan und seinen Nachbarländern gemacht hat. Und die sind zum Teil nicht weniger abenteuerlich. So wird plötzlich Geschichte lebendig, ohne langweilig zu sein. Und die bedrückende Gegenwart wird plötzlich vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen verständlich. Natürlich steht der Völkermord in Darfur im Mittelpunkt. Wer dieses Buch liest, versteht die Zusammenhänge, die Einflüsse anderen Nationen auf die Entwicklung des Landes, aber auch die ungeheuerliche Gewalt, die traurigerweise im Sudan herrscht. Man lernt aber auch die Menschen des Sudan kennen, ihre Lebensgewohnheiten, ihren Alltag. Der Autor besucht nicht nur Rebellenführer, sondern auch Hochzeiten nd Trauerfeiern. Loben möchte ich auch die ganz hervorragenden Bilder aus dem Sudan. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich nur ein wenig für Afrika und seine Menschen interessiert und ein Herz für diesen faszinierenden Kontinent hat. Ich werde es als Lehrerin eines Gymnasiums ganz gewiss noch häufig m Unterricht durchnehmen. Ein absolutes Muss!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Sehr gute Beschreibung vom Sudan,
Von
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Ich muss schon sagen, dass dieses Buch vom Journalisten Thilo Thielke, die Zustande in mein Heimatland Sudan recht treffend beschreibt. Nach einem Studium in Deutschland bin ich letztes Jahr zuruckgekehrt in den Sueden des Sudan und was ich dort sehen musste hat mich zutiefst schockiert. Als Mitglied der neuen Regierung in Khartum beteiligt sich die Guerilla vom Suedsudan, SPLA, an einem Volkermord im Darfur. Gut das es Reporter wie Thielke gibt, die diese Ungerechtigkeit anprangern und nicht wegsehen wie andere.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Brillant,
Von Stadlerfranz (Bielefeld) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch habe ich wahrlich verschlungen, und ich muss sagen, dass ich dem Reporter Thilo Thielke meinen ganzen Respekt zolle. Monatelang ist mutig er durch die afrikanischen Kriegsgebiete gereist, und er versteht es, packende Reportagen zu verfassen. Selten habe ich etwas derart Erhellendes zu Afrika gelesen. Thielke erinnert in seinem beeindruckenden Reportagestil wahrlich an Ryszard Kapuscinski oder Joseph Conrad. Wirklich brillant. Und es ist auch sehr lobenswert, dass Afrika, dieser "verlassene" Kontinent, durch den Mut und Einsatzwillen von Journalisten wie Thilo Thielke etwas Aufmerksamkeit zuteil wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Erstklassige Reportage über den Sudan,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Thilo Thielke hat mit diesem Buch die Probleme eines afrikanischen Landes dargestellt, welches mit den Folgen des Kolonialismus, mit den Folgen des Zusammenlebens vieler Völker in einem Staat, sowie mit der auswärtigen Einmischung von Staaten oder Gruppen konforntiert ist. Hierbei hat er sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um seinen Mitmenschen diese hervorragende Reportage zu vermitteln. Ausserhalb der Begebenheiten vor Ort findet der Leser zusätzlich Einblicke in die Vergangenheit, sowie Rückblicke auf die gesamten politischen Entwicklungen, sowohl im Sudan als auch in den Nachbarländern.Das grösste Land Afrikas kommt aus dem Sumpf der Bürgerkriege nicht mehr heraus. Hauptgegensatz ist dabei der islamische Norden und der animistisch-christliche Süden. Diese Konfrontationen haben allerdings später auch auf andere Regionen wie Darfur, übergegriffen. Zu den Unterschieden von Hautfarbe sowie Religion kommen dann noch die Aufteilungen in verschieden Volksstämme, welche sich bereits traditionnel feindlich gegenüberstanden. Ein sozialer Staatsaufbau kann unter diesen Umständen nicht funktionnieren und der Grossteil des Landes befindet sich im totalen Chaos. Ausländische Hilfe wirkt dabei noch eher negativ, trotz guter Ansätze verschiedener Organisationen. Verschieden ausländische Unternehmen sind aber lediglich an den Bodenschätzen des Sudan interessiert, profitieren hierbei von dem Chaos, und provozieren diesen zum Teil selbst. Entwicklungshilfe macht die Leute hiervon abhängig, schadet zudem dem einheimischen Handel und der Landwirtschaft, da die Bauern ihre Produkte nicht mehr verkaufen können bei einer Überschwemmung mit Lebensmitteln aus dem Ausland. Der inländische Handel wird in den Ruin getrieben. Es kommt zur Bildung von parasitären Cliquen, welche ihr Land ausbeuten und gleichzeitig nach mehr Auslandshilfe rufen. Die Bevölkerung wird so abhängig von der Auslandshilfe, und gibt es auf für sich selbst zu sorgen. Die Konflikte greifen ebenfalls über die Grenzen über, der Sudan unterstützt Rebellengruppen des Tschad, Ugandas, Äthiopiens, und umgekehrt unterstützen diese Länder die Rebellen aus dem Sudan. In Afrika ist der Sudan hierbei kein Einzelfall, viele Länder sind mit identischen Problemen konfrontiert (Kongo, Tschad, Uganda, um nur einige zu nennen). Es bleibt zu hoffen dass die verschiedenen Stämme und Völker sich besinnen um ein friedlicheres Zusammenleben zustande zu bringen. Zudem müssen die negativen Einwirkungen aus dem Ausland (Waffenlieferungen, wirtschaftliche Ausbeutung) aufhören, damit das Land die Möglichkeit erhält, wieder auf die Beine zu kommen. Ein Buch das zum besseren Verständnis dieser Region und deren Problemen beiträgt. Absolut empfehlenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Das Buch rüttelt auf,
Von Stan (Iserlohn) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Wieviele Menschen müssen noch sterben? 300 000 fanden in Darfur bereits den Tod. Und was wissen wir über die Krise? Kaum etwas. Spiegelkorrespondent Thielke bringt endlich Licht ins Dunkel. Und er räumt mit Mythen auf: etwas dass wir mit Entwicklungshilfe viel erreichen könnten oder dass die sudanesischen Rebellenbewegungen in erster Linie an ihrem Volk interessiert sind. Im Gegenteil scheint es eher so zu sein, dass hier eine korrupte Bande die andere bekämpft. Sicher, das Buch mag streckenweise desillusionierend sein. Aber wer die, manchmal bittere, Wahrheit nicht scheut, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Phasenweise liest sich Thielkes Reportage übrigens wie ein Thriller: etwa, wenn er beschreibt, wie er mit den Darfur-Rebellen 1500 Kilometer durch das Kriegsgebiet reist. In einem Toyota-Pick-Up ohne Bremsen, aber mit aufmontiertem Maschinengewehr. Oder wenn im Südsudan der Pilot seine Cessna direkt in einen Sumpf steuert. Ich habe bisher kein so umfangreiches Werk über die ewige Krise im Sudan gelesen, und kein so erhellendes. Kompliment.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Volltreffer,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Endlich mal ein Buch, das sich wohltuend vom Charitity-SamstagsabendARDRummel abhebt. Beschrieben wird der Istzustand und so waren meine persönlichen Erfahrungen auch, allerdings werden die in meinem Umfeld nicht gerne gehört. In Afrika kann man erfahren, dass das Gegenteil von gut, gut gemeint, ist. Am besten bringen dies immer die Kommentare von Thielkes Dolmetscher Adam rüber, der die Widersprüche treffend analysiert. Das Buch ist flott geschrieben, gut recherchiert und sogar zum Vorlesen bestens geeignet. Volle Punktzahl!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch dem man viele Leser wünscht!,
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Thielke ist hier ein wahrlich großer Wurf gelungen, den man gar nicht genug würdigen kann:Die Geschehnisse im Sudan sind hochkomplex und nur aus ihrer Historie zu erschließen, sowie im Kontext der gesamten Region. Thielke löst dies höchst kenntnisreich, einfühlsam und überaus gut lesbar. Als jemand der die unheilvolle Situation im Sudan und in den umliegenden Ländern intensiv aus langjähriger eigener Anschauung kennt, kann ich sagen, dass Thielke sicher das beste (zumindest das beste deutschsprachige) Buch zum Thema vorgelegt hat. Thielkes Charakterisierungen der verschiedenen Akteure sind ausgezeichnet beobachtet und punktgenau. Brilliant (und leider absolut richtig) sind die - nicht immer sehr freundlichen - Beschreibungen Thielkes der verschiedenen vor Ort tätign "Gutmenschen", NGOs, UN Bürokraten und der sonstigen Kriegsgewinnler. Es ist "erfrischend" wie Thielke mit dem Vorurteil aufräumt, die "Rebellen" und "Befreiungsbewegungen" seien per Definition und immerfort die "good guys". Thielke benennt die Banditen, Mörder und Vergewaltiger - in welcher Uniform auch immer sie auftreten - klar und deutlich als das was sie sind, nämlich Banditen, Mörder und Vergewaltiger. Ein Buch für das sich der Leser beim Autor nur bedanken kann und dem man sehr viele Leser wünscht!! Gäbe es doch nur 10 Sterne zu vergeben! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine Ausgezeichnete Mischung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Der Autor bringt menschlische Schicksale, die Politsituation und etliche andere Aspekte gelungen in einem Buch zusammen. Er berichtet von Reisen mit den Rebellen, der Sicht der Regierung und von den Hilfsaktionen und welchen Effekt diese auf die Region und/oder den ganzen Sudan bis hin in seine Nachbarlaender hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Zerfall des Sudan und Abgesang auf Entwicklungshilfe,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan (Gebundene Ausgabe)
Im Sudan gibt es seit 20 Jahren Krieg. Anders wie im Dreißigjährigen Krieg helfen den Mordbanden moderne Waffen ein gründlicheres Vernichtungswerk anzurichten. Die Frage wie es möglich ist, dass fanatisierte Menschen über unschuldige Zivilisten herfallen können, ist angesichts der wiederkehrenden geschichtlichen Praxis der angewandten Bosheit der menschlichen Natur eher langweilig. Man hat die Antwort längst und kann sie allenfalls nicht akzeptieren, weil sie humanistischen Idealvorstellungen zuwiderläuft. Eine interessantere Frage scheint mir die zu sein, die einem der Autor, wenn auch unausgesprochen, nahelegt, nämlich, wie es möglich ist, dass man auf Gewährenlassen, Appeasement und tatenloses Abwarten setzt und ob die wissenden Zugucker, die die Macht haben, etwas zu ändern, nicht vom gleichen Schlag Mensch sind wie die Völkerrechtswidrigen!Dazu liefert der Autor sehr viel Stoff. X Mal beschreibt er die in Worte gebrachte Geisteshaltung der Politiker, gleich welcher Couleur, denen es offenbar immer nur um Macht, Geld und Ansehen geht, etliche von ihnen interviewt er und kaum einer, der die schreckliche Wahrheit nicht zumindest andeutet. Warum ändert sich nichts an den Verhältnissen im Sudan? In den Vereinten Nationen findet sich immer ein Mitglied, das eine Entscheidung aus eigenem Interesse blockiert. Im Falle des Sudan verhindern Russen und Chinesen jede drastische Maßnahme, denn die einen verkaufen den Sudanesen MIG-Flugzeuge, die andren beziehen viel Öl vom Sudan. Seit Jahren kämpfen Aufständische im Süden und Westen des Landes gegen die Regierung in Khartum. Sie führen einen verzweifelten Guerillakrieg gegen ein skrupelloses Regime, das nicht nur die reguläre Armee mit einem Freibrief zur verbrannten Erde und keine Gefangenen zu machen ausstattet, sondern auch Miliztruppen, die sog. Dschandschwid-Brigaden. Die Regierung schürt zudem Stammeskonflikte und einen arabischen, antiafrikanischen Rassismus. Der Autor ergreift Partei für niemand, sondern zeigt schonungslos, dass alle bewaffneten Beteiligten einen ungerechten, schmutzigen Krieg führen. Auch die Hilfsorganisationen, die Amerikaner, Europäer, Chinesen, Afrikanische Union, Interessenverbände, alle bekommen sie ihr Fett ab. Er verspottet sie und ihre Gleichstellungsarmutsreduktionsversöhnungs- und Integrationskonfliktverarbeitungsprogramme und macht sich über sie mit Worten, die er Afrikaner aussprechen lässt, lustig. Und man hat gerade deshalb den Eindruck zu Recht! Die Entwicklungshilfe wird regelrecht gegeißelt. Der Sudan hat schwarzes Gold zu bieten! Dieser Art Goldrausch vernebelt offenbar kollektiv den Blick für das Machbare und Sinnvolle. Aber solange der Rubel der Entwicklungshilfe rollt, stört das niemanden. Kaum ein Projekt, das sich keine Hoffnungen machen darf, vom eifrigen europäischen Entwicklungshilfeministerien finanziert zu werden. Schon die Neue Züricher Zeitung erkannte: "falsche Anreize durch den Geldsegen der Hilfswerke... Statt sich selber zu helfen, warten die (Afrikaner) lieber auf die versprochenen Gelder der Geberländer." Wer dann im Land den Forderungen der örtlichen Bevölkerung nicht schnell genug nachkommt, wird mitunter recht ruppig daran erinnert, weshalb er hier ist. Mittlerweile habe der Fluss der Devisen in den Sudan mehr mit Schutzgelderpressung als mit reiner Wohltätigkeit oder gar einem Wirtschaftsaustausch zu tun, sagen leidgeprüfte Investoren. Der Autor geht sogar so weit zu sagen: Die humanitäre Intervention scheint mittlerweile die Genozide, die sie aus der Welt schaffen will, erst auszulösen. Sie bringt nämlich die Menschen dazu nicht mehr ihre Felder zu bestellen, da es Nahrung kostenlos gibt, nicht mehr Handel zu treiben, weil die gelieferten Hilfsgüter die Preise verderben und sich dem anzuschließen, was bleibt. Faulenzen oder sich den Kriegführenden Parteien anzuschließen, abgesehen davon, dass vieles von dem Geld, das als Entwicklungshilfe oder humanitäre Hilfe ins Land fließt, in die Kriegskassen, wenn auch über den Umweg korrupter Politiker. Wie überall in Afrika, der Autor ist ein in Afrika viel herumgereister Journalist, missglückt auch im Sudan die Entwicklungshilfe, denn statt selber Felder zu bebauen, statt selber Handel zu treiben, statt die Kühe zu essen und damit die eigenen Bäuche zu füllen und gleichzeitig die riesigen Herden auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren, treiben die Leute ihre Rinder weiter als Prestigeobjekte von einem Teil des veramten Landes in den nächsten und leben von der Hilfe anderer. Landwirtschaft als Erwerbsquelle lohnt nicht, da die Lebensmittellieferungen längst die Preise ruiniert haben. Dabei würde in dem fruchtbaren Klima alles gedeihen. Auch der Handel liegt danieder, denn niemand kann etwas für einen vernünftigen Preis verkaufen, wenn es die gleiche Ware an der nächsten Ecke umsonst gibt. Dazu kommt, dass jahrhundertealtes Wissen, wie man mit einfachen Mitteln in dieser Wildnis überleben kann, verloren geht. Selbst Afrikaner sagen, wenn die Industrienationen den Afrikanern wirklich helfen wollen, sollten sie endlich ihre Hilfe streichen. Den Ländern, die die meiste Entwicklungshilfe einkassiert haben, geht es am schlechtesten. Es werden riesige Bürokratien finanziert, Korruption und Selbstgefälligkeit gefördert, die Afrikaner zu Bettlern und zur Unselbständigkeit erzogen. Zudem schwächt die Entwicklungshilfe überall die lokalen Märkte und den Unternehmensgeist, der dort so dringend gebraucht wird. Die permanente Entwicklungshilfe ist einer der Gründe für Afrikas Probleme, so absurd das klingen mag. Nur Politbonzen und Bürgerkriegsarmeen, die sich mitfinanzieren lassen, wären betroffen. Darum behaupten sie, die Welt ginge unter ohne Hilfe. Die UNO hat einen riesigen Verwaltungsapparat, der sich bei einem Ende der Hilfe, etwa weil die Hilfebedürftigkeit mit ihrer erfolgreichen Hilfe gar nicht mehr gegeben wäre, selber wegrationalisiert hätte. Deshalb nimmt er naturgemäß eher die Bitte nach mehr Hilfe bereitwillig auf. Ein Teil der Hilfe wandert in die Hände von skrupellosen Politikern, ein anderer Teil auf dem Schwarzmarkt, wo dann alles zu Dumpingpreisen verscherbelt wird. Der einheimische Bauer kann gleich seine Hacke aus der Hand legen, denn mit dem World-Food-Programm kann niemand konkurrieren. Auch Aids wird mittlerweile von vielen als ein Riesengeschäft bezeichnet. Der Sudan erhält Milliardenhilfe, obwohl die Regierung 700 Millionen Dollar aus Öleinnahmen verschleudert hat. Auch die Bundesregierung überzeugt durch hohe Intelligenz im Verteilen von Steuergeldern. Der kenianischen Regierung, die als korrupteste Regierung überhaupt gilt, hat sie 29 Millionen Euro zur Korruptionsbekämpfung geschenkt! Wie schon Bertold Brecht sagte: das Gegenteil von gut ist nicht selten gut gemeint! Der Autor vertritt die Auffassung, dass der Sudan eine Gelegenheit gewesen wäre, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Aber vermutlich verdienen bei diesen Fehlern nach System zu viele sehr gut! "Derzeit ist Afrika wie ein Kind, das sofort nach dem Babysitter schreit, wenn etwas schief geht. Doch Afrika sollte auf eigenen Füßen stehen." Zur politischen oder Militärhilfe lässt der Autor Afrikaner erklären, dass es wenig hilfreich wäre, denjenigen Mittel zukommen zu lassen, die letztendlich für die katastrophalen Zustände verantwortlich sind. "Wenn eure Leute sterben, würdet ihr auch nicht einen Haufen von Mördern und skrupellosen Dummköpfen damit beauftragen, Frieden zu schaffen, nur weil sie die gleiche Hautfarbe haben, wie ihr. Das ist scheinheilig und unmoralisch. Ausgerechnet aus einem Dieb wollt ihr einen Polizisten machen und redet von Verantwortung für Afrika." Die Afrikanische Union kann auch nicht mit politischen Aufgaben betraut werden, denn der eine Diktator kritisiert doch nicht den anderen, sonst muss er die von ihm geforderten Massstäbe selber erfüllen. "Es ist schön für die Afrikanische Union, dass die wohlhabenden Länder dieser Erde so optimistisch sind, ihr zu glauben. Zur Geldbeschaffung taugt es allemal." Sagt ein interviewter Politiker. Die Entwicklungshilfe sei längst der größte Freund parasitärer Cliquen geworden, die ihre Länder nach Kräften ausbeuten und gleichzeitig nach mehr Geld rufen. Vor allem müssten mal die Waffenlieferungenn aufhören, denn das würde den Krieg ausdörren. Mittlerweile sind alle selbsternannten Befreiungsbewegungen, Volksbewegungen und Fronten zu marodierenden Banden degeneriert, die von ihren Gegenspielern kaum noch zu unterscheiden sind. Alles was sie noch zusammenhält, ist Raub, Mord und Plünderung. Das ist das Ergebnis, wenn Menschen in den Strudel von Hass, Angst und Gewalt hineingezogen werden. Nicht zu verschweigen ist, dass die Araber schon seit hunderten Jahren die Schwarzen versklaven. So ist es auch ein Konflikt zwischen Arabern, die ihre menschliche Ware wie ihr Vieh auf Märkten verkauften und den schwarzen "Untermenschen", mithin zwischen, denen die die Scharia anwenden und jenen, die Christen sind oder Naturreligionen angehören. Der Konflikt ist keineswegs neu, "es ist der uralte Kampf zwischen arabisierten Nomaden und afrikanischen Bauern. Es ist ein Krieg um Wasser und um Weidefläche. Ein Kampf der Kulturen und ein Kampf um Bodenschätze." Der Autor meint mit der südafrikanischen "Mail& Guardian", dass es selten eine klarere moralische Grundlage für eine Intervention" gegeben habe. Der Autor beschreibt aber auch Land und Leute. Der Sudan ist eine negride muslimische Welt. Die Welt der von turbantragenden Rebellen belagerten Garnisonstädte. Der Scharia, der Fliegen, der trockenen Hitze, des Lichts, der unzähligen Brauntöne. Des Staubs der Wüste. Der dornigen Akazien. Der Kamelen und Ziegen. Der riesigen Flüchtlingslager. Des Klagens der Kinder. Der Massengräber. Der Mittagshitze und der Trägheit. Dickbäuchiger Transportmaschinen der UN, die die Menschen mit Pflanzenöl und Sojabohnen bombardieren. Unendlich vieler Kalaschnikows. Der Sudan ist die Welt steinzeitlich nackter Menschen, die schwarze Körper mit Asche geweißt. Ekstatischer Tänze und Ringkämpfe. In die Berge geduckter Hütten und burgähnlicher Steinhaussiedlungen. Ausgezehrter Frauen, die Kalebassen mit kostbarem Wasser auf den Köpfen balancierend. Der kilometerweiten Ödnis, die nie ein Auto gesehen hat. Der übers Geröll marschierenden Rebellen in ihren zerfetzten Stiefeln. Der Sklavenjäger und Raubnomaden. Der Sudan ist auch eine negride christliche oder animistische Welt. Der Naturgötter. Der korrupten Herrscher mit ihrem Geltungsdrang. Des gewaltigen Nilsumpfes, in dem Ebola und Schlafkrankheit, Malaria und Denguefieber wüten. Der Schwüle. Der Moskitos. Runder Reisighütten. Der baumlangen Dinka und Nuer, die stundenlang auf einem Bein stehen können, Kühe beobachtend, die sie züchten, aber nicht essen. Das Land der Ölfelder, die dem Land Reichtum schenken könnten, wenn die Herrscher nicht so geldgierig wären. Ein hoffnungsloses Land in einem hoffnungslosen Kontinent. Immer wieder blendet der Autor zurück auf die Berichte Deutscher Reisender der Vergangenheit, Brehm, Fürst Pickler, Nachtigal, Leni Riefenstahl u.a.. Chronologisch zu seinen Reisenotizen in die verschiedenen Provinzen des riesigen Sudan zitiert er die Horromeldungen aus der Weltpresse. Der Leser kann so vergleichen. Viel Raum für Übertreibungen scheint nicht zu bleiben. Ein Buch gespickt mit Informationen. Manchmal unübersichtlich wie das Wirrwarr im Sudan. Aber wer sich für den Sudan der Neuzeit kurz vor der Endzeit interessiert, ist hier gut bedient. Das Buch hätte einen passenderen Titel verdient: "Zerfall des Sudan" z.B.. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
|
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
|
|
Krieg im Lande des Mahdi: Darfur und der Zerfall des Sudan von Thilo Thielke (Gebundene Ausgabe - 26. September 2006)
EUR 14,95
Auf Lager. | ||