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am 19. November 2003
Der kleine Sammelband beginnt mit einer Hässlichkeit: „Unsre Musik sind keine Töne mehr", schreibt „Zum Geleit" Blixa Bargeld. In einem Atemzug bringt der Frontmann der Einstürzenden Neubauten hier Singular und Plural („Musik sind") durcheinander. Doch genau darum ging es den Genialen Dilletanten Anfang der 1980er Jahre ja: Sie wollten durcheinander bringen, umwerten, in Frage stellen. Sie wollten selber Kultur machen und setzten sich dafür über herkömmliche Zugangsregeln und Gepflogenheiten hinweg. Bargeld ist dafür ein schönes Beispiel. Sein Instrument ist (neben seinem gewaltigen, gleichwohl ungeschulten Sprechorgan) die Gitarre. Doch er „spielte" sie, ohne Gitarre gelernt zu haben. So hat er es immerhin zum Gitarristen von Nick Cave gebracht.
Dem kurzem Geleit folgt ein Foto Bargelds als Leder-Dandy. Der zweite Text stammt dann von Wolfgang Müller (von der Band/Künstlergruppe Die Tödliche Doris). Müller analysiert den Begriff des Dilletanten, der einen Verstoß gegen die Rechtschreibung darstellt, denn es müsste ja Dilettant heißen. Es handelt sich aber auch um einen Verstoß gegen überkommene Instinkte: „Wer wollte sich schon gern als Dilettanten bezeichnet sehen, auch nicht dann, wenn Goethe sich selbst als einen solchen Dilettanten empfand", zitiert Müller den Ästhtikprofessor Bazon Brock. Die Genialen Dilletanten jedoch tragen den Dilettanten-Titel mit Würde.
Müller definiert: „Dilletantismus auf musikalischen (aber auch allen anderen möglichen) Bereichen hat nichts mit Stillstand durch Nicht-Professionalität zu tun - ganz im Gegenteil - Entwicklung unter Einbeziehung aller möglichen und angeblich unmöglichen Bereiche kann ein universellen Ausdruck finden, dem die Profis hilflos unterlegen sind." Auch hier findet sich wieder krude Sprache gepaart mit interessanten Ansätzen. Ein anderes Niveau wird nirgendwo im Buch angestrebt. Das mag Leser ärgern oder erfreuen.
Müller versammelt in „Geniale Dilletanten" 31 Beiträge, unter anderem Gedichte und Zeichnungen von Gudrun Gut (Malaria), einen experimentellen, collagenhaften Text („Das Establishment. Eine Pop-Show") von Frieder Butzmann, und manch schwer Konsumierbares mehr. Das Buch ist ein Zeitdokument, es spiegelt authentisch Strömungen der Westberliner Punkszene der frühen 1980er Jahre wieder. Es zeigt dadurch die widerborstigen Wurzeln der Neuen Deutschen Welle auf. Selbstredend ist es nicht leicht zu lesen oder gar unterhaltsam. Es handelt sich um ein Buch von Freaks für Freaks. Auch für Kulturwissenschaftler auf der Suche nach Primärquellen dürfte es eine Fundgrube sein.
Doch darin erschöpft sich das Buch nicht. Gerade heute (zu einer Zeit, zu der Studienabschlüsse und Doktortitel notwendig sind, um überhaupt Zugang zu einigen Berufen zu erhalten; zu einer Zeit auch, zu der selbst die Kunst immer akademischer und wissenschaftlicher wird) ist dieser Merve-Band ungeheuer wichtig. Er ist nicht immer schön geschrieben, das Gesagte liest sich mitunter sogar reichlich ungar, aber dieser Beuy'sche Impetus (Jeder ist ein Künstler), dieses Anzweifeln von Autoritäten, diese willige Übernahme von Verantwortung, dieses sich Einmischen, weil einem etwas nicht passt: All das macht das Büchlein zu einem beachtlichen Werk. Es braucht mehr von diesem Geist.
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