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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswert
Ein Philosoph, der nicht vom Elfenbeinturm herab schreibt, aber auch nicht oberflächlich für die Masse. Wer sich in social media tummelt, wer den Rufen nach "mehr Transparenz" eher skeptisch gegenübersteht, aber wenig Argumente hat, seine andere Haltung zu begründen, der findet hiervon reichlich.
Die Transparenzgesellschaft sieht Han als...
Vor 21 Monaten von Sonja Mannhardt veröffentlicht

versus
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gescheitert an der Intransparenz der Transparenzgesellschaft
Wieviele Sterne verdient dieses Buch?
Ließe sich derart Qualität beziffern, durch Quantität transparent machen, hätte Han Unrecht. Er hat aber Recht. Sehr. Die gesellschaftspolitische Bedeutung seiner Hauptthesen ist enorm. Deshalb haben es offenbar Viele mit Gewinn gelesen.
Doch kann man die Oberflächlichkeit einer Zeit kritisieren,...
Vor 12 Monaten von Michael Gerlinger veröffentlicht


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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswert, 3. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
Ein Philosoph, der nicht vom Elfenbeinturm herab schreibt, aber auch nicht oberflächlich für die Masse. Wer sich in social media tummelt, wer den Rufen nach "mehr Transparenz" eher skeptisch gegenübersteht, aber wenig Argumente hat, seine andere Haltung zu begründen, der findet hiervon reichlich.
Die Transparenzgesellschaft sieht Han als eine Misstrauensgesellschaft, die auf Kontrolle setzt. Er betrachtet die Hypervisibilität in seinem geschichtlichen Kontext und zeigt auf, was unsere "Positivgesellschaft", die "Informationsgesellschaft", die "Evidenzgesellschaft", die "Beschleunigungsgesellschaft" , unsere "Kontrollgesellschaft" mit Transparenz zu tun hat, und welche Folgen das nach sich zieht. Letztendlich wird das Soziale ausgebeutet, doch diese Ausleuchtung wird nicht als Angriff auf die Freiheit betrachtet, wie in früheren Zeiten, sondern Han zeigt eindrücklich auf, wie der moderne Mensch sich diesem globalen Panoptikum freiwillig aussetzt und damit gleichzeitig zum Täter und Opfer wird....
Ein kleines Büchlein, was ermutigt, dem Pathos der Transparenz nicht zu folgen, sondern sich wieder in Distanz und diskretem Rückzug zu üben.
Sonja M. Mannhardt
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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Antierotik nackter Tatsachen, 30. Juni 2012
Von 
Thomas Holtbernd "Thomas Holtbernd" (Bottrop) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
Das kleine Büchlein mit seinen 90 Seiten ist grandios. Byung-Chul Han, Professor für Philosophie in Karlsruhe, schreibt mehr assoziativ als stringent von der Pornographie des erstarrten Augenblicks und bewahrt methodisch auf die Weise Sinn", der sich erst im Abgang schmecken lässt.
Transparenz ist ein Wort, das sich oberflächlich betrachtet zunächst positiv anhört. Die Illusion, dass Informationen rücksichtslos offen gelegt werden, scheint einer aufgeklärten Gesellschaft angemessen zu sein.
Doch Transparenz und Wahrheit sind nicht identisch." Wahrheit steht für Negativität. Wer eine Wahrheit behauptet, setzt dem Offensichtlichen etwas entgegen. Transparenz dagegen nivelliert und Die Transparenzgesellschaft ist eine Hölle des Gleichen."
Byung-Chul Han beschreibt im ersten Abschnitt, was er mit Transparenz meint bzw. welche Strukturen und Dynamiken in einer Gesellschaft anzunehmen sind, die Transparenz fordert. In dieser Gesellschaft wird Freiheit missverstanden. Der Mensch glaubt sich frei, er kann grenzenlos seinem Exhibitionismus und Voyeurismus frönen, bemerkt jedoch gar nicht, wie sehr er sich im Sinne von Norbert Elias freiwillig zum offenen Buch gemacht hat und sich selbst nicht mehr erkennen kann, da er sich dafür auch als ein anderer betrachten müsste.
Diesen Zwang zur Transparenz dekliniert Byung-Chul Han dann durch. Die Ausstellungsgesellschaft verhindert das Ding als solches durch den Ausstellungswert. Die Evidenzgesellschaft verhindert das Verführen, weil das Verfahren im Vordergrund steht. Die Pornogesellschaft macht den Körper zur Schau und verhindert die erotische Spannung. Die Beschleunigungsgesellschaft verhindert das Narrative. Die Intimgesellschaft gibt das Theatralische auf und lässt die Selbst-Distanz fehlen. Die Informationsgesellschaft macht alles durchsichtig, sie beleuchtet die Dinge nicht mehr. Die Enthüllungsgesellschaft führt zu einer totalen Kontrolle und Überwachung. Und schließlich macht die Kontrollgesellschaft scheinbar das Vertrauen überflüssig und gaukelt Freiheit vor.
Dieses Buch muss man mehrmals lesen. Und das nicht, weil es schwer verständlich geschrieben wäre, sondern weil man sich gegen die Enthüllungen wehren möchte. Es ist eine brutale Analyse, die sich auf das Politische wie auch Individuelle bezieht. Ein wahrer Erkenntnisgewinn.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gescheitert an der Intransparenz der Transparenzgesellschaft, 3. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
Wieviele Sterne verdient dieses Buch?
Ließe sich derart Qualität beziffern, durch Quantität transparent machen, hätte Han Unrecht. Er hat aber Recht. Sehr. Die gesellschaftspolitische Bedeutung seiner Hauptthesen ist enorm. Deshalb haben es offenbar Viele mit Gewinn gelesen.
Doch kann man die Oberflächlichkeit einer Zeit kritisieren, indem man auf bloß 82 Seiten alles Mögliche anspricht, ohne sich Zeit zu nehmen? Das Buch ist für rasches Lesen geschrieben. Viele gute Ideen, denen ich mit meiner am Grundsätzlichen orientierten Kritik nicht ganz gerecht werde. Das Hauptproblem ist nämlich der Mangel an Gründlichkeit und Systematik. Deshalb nervt es schon beim zweiten Lesen.

Worum es geht

Thema ist wohlgemerkt nicht die Nützlichkeit von Transparenz, sondern die Unmöglichkeit von Transparenz ganz ohne Intransparenz; anders gesagt: die Ambivalenz von Transparenz und Intransparenz in allem, was wir wahrnehmen.
Angenommen, wir wollten ab jetzt „nichts mehr für uns behalten“, „keine Geheimnisse mehr voreinander haben“: Wir wissen schon längst, dass das nur manchmal, zwischen bestimmten Menschen möglich ist. Offenheit, Transparenz gibt es nur bis zu einem gewissen Grad.
Hans Verdienst liegt darin, uns vor Augen zu führen, wie wir angehalten werden, die Grenzen des Möglichen in puncto Transparenz zu übergehen. Er spricht hier mit Foucault von einem Dispositiv: also einem Prinzip, nach dem Macht sich auswirkt. Wir werden gedrängt, unser Heil im Sichtbaren zu suchen.
Die darin enthaltene Leugnung der Bedeutung des Intransparenten bedeutet: Die Transparenzgesellschaft macht nicht einfach sichtbar. Ihr Sichtbarmachen ist auch ein Verbergen. Sie verstellt das Mögliche aber Unsichtbare. Sie ist der Terror des Expliziten über das Implizite. Sie verstellt das Implizite, nicht Messbare. Han streift das nur, aber das gilt besonders am Arbeitsplatz in puncto Qualität. Hier herrscht vordergründig am Messbaren orientierte sog. „Qualitätssicherung“. Gefördert wird so nicht Qualität sondern Performance im Sinne von Ausstellung, Vor-Stellung, Dokumentation, wegen des exponentiell steigenden Bedarfs an Qualitäts-Darstellung, Selbst-Darstellung.
Das Explizite wird oberflächlich, weil ihm der Resonanz- und Lebensraum im Impliziten genommen wird. Das erleichtert einen Realitätsverlust, der das Mögliche verhindert oder zerstört.

Was fehlt

Wie ein gescholtener Rezensent hier bemerkte: Han hinterfragt nicht. Und zwar die Oberfläche der Verhaltensweisen, die die Transparenzgesellschaft hervorruft. Damit wird er – im großen Stil – der Bedeutung seines Themas nicht gerecht.
Teils liegt das an der akademisch-esoterischen Quellenauswahl, während wir es tatsächlich mit einer ganz handgreiflichen und jedermann direkt angehenden Zerstörung zu tun haben. Vielleicht hat Han Recht, dass dies nicht allein das Werk der Ökonomie ist. Jedenfalls werden seine Texte aus dem Elfenbeinturm der Dimension dieser Zerstörung nicht gerecht.
Grundlegend schief läuft aber seine Argumentation, wo Han den ideologischen Charakter der Transparenzgesellschaft unbeachtet lässt, den Unterschied zwischen ideologischem Anspruch und realer Praxis. Von der philosophischen Sache her scheitert das Buch an der gedanklichen Struktur seines Themas. Diese ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem, was ein (transparent zu machendes) Phänomen ist, und seiner Behandlung.
Ich habe nichts dagegen, dass Han eine teils feuilletonistische Streitschrift geschrieben. Das erste Kapitel gefällt mir auch jetzt noch. Danach wächst das Unbehagen. Während er von Feld zu Feld springt, denkt man immer wieder: Weder sind die Dinge ganz so eindeutig, noch die Protagonisten ganz so naiv. Um dieses Unbehagen zu vermeiden, hätte es konzeptioneller Transparenz bedurft. Zunächst einmal des simplen Hinweises, dass das Programm der Transparenzgesellschaft auf etwas Unmögliches gerichtet ist, ideologisch.
Philosophisch wirkt sich das auf zwei Stufen aus. Ich nenne sie mal Ambivalenz und Doppelbödigkeit und reserviere der Klarheit halber „Ambivalenz“ für das Theoretische (hier: gegenläufige Grundzüge eines Konzepts) und „Doppelbödigkeit“ für das Praktische (Praktisches Verhalten hat eine Bedeutung, die nicht artikuliert werden darf.).
Auf der Stufe der Theorie geht es zunächst einmal einfach um die ambivalente Grundstruktur, die aus sich gegenseitig erzeugenden Gegensätzen entsteht. Yin und Yang. (Für Han offenbar unaussprechlich trivial.) Kein Licht ohne Schatten (und umgekehrt) – keine Transparenz ohne Intransparenz. Transparenz entsteht aus dem Intransparenten – und das Intransparente ist unvorstellbar ohne das Transparente. (Mehr dazu unten in Bezug auf die Funktion des Hintergrunds).
Han übergeht diese Ambivalenz. „Die Positivgesellschaft lässt […] keine Negativgefühle zu.“ (S. 12) Stimmt. Aber das macht sie zur Negativgesellschaft, Negation des Negativen. Und natürlich reden wir hier von Verdrängung nicht von Ausmerzung. Das heißt, sie muss ihr Reinheitsideal verfehlen.
Und damit übergeht Han auf der Stufe der Praxis auch, dass sich eine überwertige Transparenzforderung sowieso nur als Paradoxie umsetzen lässt, also in Doppelbödigkeiten. Weil per definitionem nicht alles sichtbar werden kann (Ambivalenz), ist dieses Programm (alles komme ans Licht) paradox. Weil es paradox ist, erzeugt es in der Praxis Doppelbödigkeit.
Man tut nichts Unmögliches sondern tut nur so, als ob man etwas tut; z.B. als ob man Intimes offen zeigt. Denn in der Praxis, wissen die Menschen zunächst einmal so gut wie Sie und ich und er um die Grenzen des Möglichen in puncto Transparenz. Jedenfalls im Prinzip.
Wer Unmögliches verlangt (z.B. Teamgeist in einer Konkurrenzsituation, vgl. Sennetts „flexibler Mensch“), produziert Routinen der Doppelbödigkeit. Früher war das die Spezialität totalitärer Propaganda. Heute drängt hohle Animations- und Motivationsrhetorik der Wirtschaft und ihr folgend der Politik, des Sports, der Pädagogik, Personalführung etc., unentwegt auf die Machbarkeit des Unmöglichen. „Nichts ist unmöglich – Toyota.“
Auf der Stufe der Praxis fehlt bei Han also der Frage danach, wie sich diese Doppelbödigkeit im Einzelfall auswirkt.
Beispiel: Mein Sohn soll in der 7. Klasse, zur Vorbereitung der ersten Sexualkunde-Stunde einen Liebesbrief schreiben. Die Lehrerin will diese Briefe auch noch lesen. Das ist Hans „Intimgesellschaft“. Aber kein halbwegs fitter Siebtklässler schreibt unter diesen Bedingungen mehr als „irgendeinen Scheiß“. Trotzdem ändert sich etwas. Worin besteht die Veränderung genau? Das ist in jedem Feld anders.
Oder: Der Hesse kennt die Transparenzversprechen von Politikern als „brutalstmögliche Aufklärung“ (nach Koch). Heißt das aber vielleicht, dass er sie gleichwohl für möglich hält?
Um den Menschen gerecht zu werden, die sich damit praktisch herumschlagen, wäre jeweils zu fragen gewesen, wo sie wirklich von dem Kakao getrunken haben, durch den sie gezogen wurden
Entscheidend ist letztlich, inwieweit in dieser Doppelbödigkeit überlebt, was den Schutzraum des Schattens, des Inartikulierten braucht, um das Artikulierte mit Bedeutung zu erfüllen. Han stellt aber lieber fest, im traditionellen Gestus der Kulturkritik: seinen Untergang.
Anstatt die Zerstörungskraft der Transparenzgesellschaft in diesen Doppelbödigkeiten wirklich zu erfassen, lässt Hans Text bei aller rhetorischen Vehemenz dem Leser ein Schlupfloch: Der kann sich nämlich damit beruhigen, dass wir routinierten Zeitgenossen doch gelernt haben, in Doppelbödigkeiten zu leben. Aber das kommt eben darauf an.
Es ist schließlich nicht so, dass in der Doppelbödigkeit die Qualität einfach im „Unterboden“ versteckt und erhalten bliebe, während man der Ideologie des Transparent-Machens – was zumeist heißt: des Quantifizierens – bloß den propagandistischen Luftraum überlässt. Denn die Ideologie zieht Aufmerksamkeit vom Wesentlichen ab. Doppelbödigkeit erzeugt die Gefahr des Vergessens dessen, was wir schon wussten und konnten. (Wir glauben, dass wir die Propaganda durchschauen. Aber behalten wir wirklich, was unartikuliert bleibt?) Die Reduktion aller Vorgänge auf das Quantifizierbare, in der Ökonomisierung aller Gesellschaftsbereiche, z.B. der Bildung und des Gesundheitswesens zerstört die Tradition impliziten Wissens, von Praktiken, die Qualität enthielten, sich aber in Messung nicht transparent machen lassen. Z.B. Menschlichkeit im Umgang mit Schülern oder Patienten. Wer erst in der Transparenz-Ideologie sozialisiert wird, weiß nicht, was auf dem Spiel steht.

Performativer Widerspruch

Das beginnt schon mit der Konzeption des Buches: Wie kann man oberflächliche „Beschleunigungsgesellschaft“ in einem kleinen, rasch von einem zum anderen eilenden Buch kritisieren?
Dabei der Doppelbödigkeit nicht nachzugehen, erzeugt einen performativen Widerspruch. Han verfährt mit der Transparenzgesellschaft nach dem Prinzip, das er ihr kritisiert: Er er achtet nicht ihr Verborgenes, ihre Hintergründigkeit – ihre Intransparenz. Politiker würden an ihrer Person statt ihren Handlungen gemessen: „Inszenierungszwang“ (S. 59) Aber genau in dieser inszenierten medialen Verblödung liegt eine Strategie der Intransparenz, der gezielten Ablenkung der Öffentlichkeit.
Was das Transparenzprogramm hervorruft, mag man oberflächlich nennen. Aber es ist definitiv etwas, was auch seinerseits (wie eben alles, was es gibt) verdient, auf seine Qualitäten hin wahrgenommen zu werden. Auch das Oberflächliche (z.B. die Pornographie, die Han penetrant ins Spiel bringt) hat einen Hintergrund, kann nicht völlig transparent gemacht werden. Han schreibt aber so, als sei die Oberflächlichkeit, die er uns zu Recht als Produkt der Transparenzgesellschaft vorstellt, eine eindeutige Sache. „Eindeutig, d.h. pornographisch“ (S. 25). Insoweit er das tut, ist sein Blick eben genauso „pornographisch“, auf Eindeutiges aus, wie der der Transparenzgesellschaft.
Entsprechendes gilt für die Oberflächlichkeit der Protagonisten selbst. Z.B. in der von Han gegeißelten likes der Facebook-Kultur. Inwiefern identifizieren sich die Beteiligten mit ihren virtuellen Identitäten und inwiefern handelt es sich eigentlich um ein Spiel mit wechselnden Identitäten, ein Training im pragmatischen Herzeigen von Masken? Einer der eklatanten Fehlschläge von Hans Polemik besteht darin, dass er das Lob der Maske als kultureller Errungenschaft singt, ohne zu begreifen, dass im Internet längst ein Maskenball rauscht.
Anstatt (mit Foucault) zur Teilnahme an diesem Maskenball, lädt uns der Text eher zum hochnäsigen Abfeiern altbewährter Klischees der Kulturkritik. Wenn Han die digitale Fotographie ablehnt, weil es so schön zu seinem Schlagwort von der „Positivgesellschaft“ passen will, dass wir keine Negative mehr brauchen (S. 20), entwickeln sich bei mir unverhoffte Sympathien für die Piraten. Zum Gähnen, wenn er mit Roland Barthes dem kinematographischen Bild im Gegensatz zum Foto vorwirft, es zwinge zu einer „ständigen Gefräßigkeit“, ohne „Nachdenklichkeit“ (S. 46 f) – nichts weiter als prätentiöse Beschränktheit.
Hans performativer Widerspruch beruht also, darin dass sein forscher Tonfall permanent Eindeutigkeit suggeriert. In der Transparenzgesellschaft herrscht bereits der Terror des Eindeutigen. Genauso missachtet er damit gerade die Schutzzonen der Intransparenz, die er eigentlich rehabilitieren will. Die Siebtklässler schreiben vielleicht einen Liebesbrief, aber intim werden sie eben doch nicht.

Weil Han nicht begründet sondern behauptet, skizziere ich im Folgenden kurz eine Herleitung der beiden Prinzipien, die in der Transparenzgesellschaft in Konflikt geraten: der Funktion des Hintergrunds und des sie leugnenden atomistischen Programms der instrumentellenVernunft.

Yin und Yang in der Funktion des Hintergrunds

Ziemlich spät stößt auch Han (der Sache nach) auf Yin und Yang:
„Licht und Finsternis sind gleichursprünglich, Licht und Schatten gehören zusammen. Mit dem Guten ist auch das Böse gesetzt. Das Licht der Vernunft und das Dunkel des Irrationalen oder des bloß Sinnlichen bringen einander hervor.“ (S. 65)
Dass sich keiner der Pole absolutieren lässt, erzeugt die Ambivalenz. Dazu gehört im fernöstlichen Denken aber auch die Leere, aus der alles kommt, der aber nicht auf den Grund gegangen, die nicht vollständig expliziert werden kann.
Dabei handelt es sich um keine fernöstliche Folklore, sondern um ein logisches Grundprinzip. In der westlichen Geistesgeschichte taucht es vereinzelt im Christentum oder Mystizismus auf, wird aber von Cartesianismus und aufgeklärtem (sic) Fortschrittsglauben verdrängt. In jüngerer Zeit behandeln es Autoren unter dem Stichwort Kontext, Vordergrund und Hintergrund.
Die beste mir bekannte Darstellung bieten die leider unübersetzten Aufsätze von Charles Taylor zur Erkenntnistheorie. (z.B. To follow a Rule in Philosophical Arguments). Dabei geht Taylor zumeist von Wittgenstein aus. Der zeigte in Teil 1 seiner Philosophischen Untersuchungen die Unmöglichkeit, vollständig explizit zu machen, was jemand wissen muss, um einer einfachen Regel zu folgen. Darin zeigt sich die Bedeutung des Hintergrunds, Hintergrundverständnisses für das, was sich im Vordergrund als Phänomen zeigt. Er ist per definitionem unausschöpflich, unergründlich. Er spielt eine zentrale Rolle in der Widerlegung des cartesianischen Welt- und Subjektmodells. Wesentliche Denker sind hier neben Wittgenstein, Heidegger und Merleau-Ponty. Dass es dabei nicht um Quietismus sondern um politischen Realismus geht, zeigt sich auch daran, dass Charles Taylor sich sein Leben lang hoch reflektiert um die Artikulation des Hintergrundes (also das Transparent-Machen) unserer Denkweisen bemüht hat.
Bei Han ist nicht vom Hintergrund die Rede. Doch notgedrungen stößt er auf diesen Zusammenhang. Er kleidet ihn in die Lichtmetapher aus Platons Höhlengleichnis. Das Licht, in dem uns die Dinge erscheinen, hat eine göttliche, transzendente Quelle. Demgegenüber sei die Strahlung, in der die Transparenzgesellschaft die Dinge taucht, „penetrant und penetrierend […] homogenisierend und einebnend“ (S. 66). Worauf es mir hier ankommt, ist die Übereinstimmung der Metaphern von Licht und Hintergrund. Auch der Hintergrund lässt uns das Phänomen in einem bestimmten Licht sehen. Und auch hier findet eine Transzendenz statt, zumindest vom Hintergrund in den Vordergrund. Der Höhe der Lichtquelle (Sonne) entspricht die Tiefe des Hintergrunds.

Die ambivalente Grundstruktur der Transparenzgesellschaft basiert auf der ambivalenten Funktion des Hintergrunds für das Phänomen an sich.

Die Funktion des Hintergrunds hat Folgen für das Verständnis des Phänomens, also dessen, was die Transparenzgesellschaft sichtbar machen will. Denn die ambivalente Grundstruktur der Transparenzgesellschaft verdankt sich einer Ambivalenz, die in jedem Phänomen als solchem schon angelegt ist. Mit Heidegger und der Phänomenologie kann man sagen, dass jedes Phänomen sich gleichzeitig zeigt und entzieht. Weil es sich entziehen kann (Wittgenstein: jede Regel auf einen unerschöpflichen Kontext verweist), nicht ableitbar ist, aus einem festen, eindeutig und abschließend artikulierbarem Fundament, ist es bodenlos, nicht vollständig darstellbar. Es zeigt sich aus dem Hintergrund (dem Intransparenten) heraus und entzieht sich dorthin zurück. Das gilt dann aber auch für diejenigen Phänomene, die Han nur als oberflächliche gelten lässt, auch für Pornographie, Facebook oder Kitsch.
Besonders wichtig in Bezug auf das Kernproblem der Ambivalenz wäre demnach die Aufnahme von Heideggers Hinweis auf die Bewegung gewesen, in der sich das Phänomen immer nur gleichzeitig zeigt und verbirgt. Han hat schließlich über Heidegger gearbeitet.
Von ihm (Dasein) und gegen ihn hätte Han aufnehmen können, dass insbesondere vom erkennenden Subjekt abhängt, ob das Phänomen Tiefe hat oder nicht. Alle Aussagen über das Phänomen enthalten implizite Aussagen über den Aussagenden, nämlich seinen Hintergrund. Dass „ein unverhüllt dargebotenes Objekt“ die Fantasie ausschalte (S. 29), gilt deshalb nur für Leute, die sowieso keine haben. Alle Aussagen über das Subjekt enthalten implizite Aussagen über die Welt, in der es sich sieht. Wem alles eindeutig erscheint, hat nichts im Kopf. Identität (einer Sache oder eines Subjekts) und Welt sind Seiten derselben Medaille.
„Gerade da, wo das Geheimnis zugunsten totaler Ausstellung und Entblößung verschwindet, beginnt Pornografie.“ (S. 43)
Aber wenn das Phänomen aus seinem Hintergrund lebt, dann ist dieser sein „Geheimnis“. Und dieses ist ihm dann auch nicht zu nehmen. Es gibt keine „totale Ausstellung und Entblößung“.
Trivialerweise liegt die Schönheit im Auge des Betrachters. Han behauptet nun mit Walter Benjamin, es gebe
„keine nackte Schönheit: ‚[I]n der hüllenlosen Nacktheit ist das wesentlich Schöne gewichen und im nackten Körper des Menschen ist ein Sein über aller Schönheit erreicht – das Erhabene, und ein Werk über allen Gebilden – das des Schöpfers.‘ Han weiter: Die kreatürliche Nacktheit ist aber alles andere als pornografisch. Sie ist eben erhaben und verweist auf das Werk des Schöpfers.“ (37)
Ich will das Letzte gerne gelten lassen: als einer von vielen möglichen Hintergründen des Betrachters, die dem nackten Phänomen die Tiefe geben. Nur verkommt das Ganze zur spießigen Sublimation, wenn nur derart „Erhabenes“ zählt. Weder Schönheit noch Kreatürlichkeit sind absolute Eigenschaft eines Phänomens, sondern nur, als was sie einem Blick erscheint. Um seine Verdikte aufrechtzuerhalten, muss Han unterstellen, dass die Betrachter nicht fähig sind, in die Tiefe zu gehen. Manchmal hat er damit Recht und manchmal nicht.
Das Enden der Dinge „im Dunkel oder im Schweigen“ (S. 22), von dem Han Baudrillard zitierend spricht, verweist (zumindest auch) auf die theoretische Offenheit des Phänomens zu seinem Hintergrund. Das lässt sich nicht durch kulturelle Praktiken unterbinden. Ihr Verschwinden „in der Überbelichtung“ bzw. „in der Obszönität“ geschieht in der Doppelbödigkeit einer kulturellen Rezeptionspraxis, bei der der Betrachter selbst sich der Tiefe des Phänomens verschließt, ohne dass dem Phänomen selbst diese Tiefe wirklich genommen werden könnte. Und weil diese Dimension immer besteht, bedarf es der genaueren Untersuchung, inwieweit sie in der Praxis nicht doch noch vorkommt.

Das konträre Prinzip der instrumentellen Vernunft: Information statt Phänomen

Im Grunde ist „Transparenzgesellschaft“ eine Fortschreibung von Horkheimers Kritik an der instrumentellen Vernunft, denn diese beruht auf der Leugnung der Funktion des Hintergrunds. Der „Transparenzzwang“ ist ein Transzendenzverbot. Han leitet ihn aus der Vorstellung ab, Produktivität (Erkenntnis) folge der Geschwindigkeit des Informationsflusses (S. 6).
Die Vorgeschichte, die uns dafür so empfänglich macht (unser Vorverständnis, kulturellen Hintergrund) lässt er aus. Erst das Ausblenden der Funktion des Hintergrunds, der Kontextualität (In-der-Welt-seins) ermöglicht ein analytisches Denken mit Bausteinen, Atomen, Informationen, Daten, Repräsentationen. Descartes isoliert das desengagierte, vernünftige Subjekt von seiner Welt. Locke erklärt die Vernunft als Spiel mit an sich bedeutungslosen Bausteinen. Möglich sind diese atomistischen Konzepte nur durch Verkennung der kontextualisierenden Funktion des Hintergrunds. Erst dann kommen isolierte Teile zum Vorschein. Erst dann lässt sich mit ihrer Isoliertheit ein System aufbauen: objektive Vernunft, desengagierte Subjekt oder isolierte Information.
Dieses Programm, quasi kontextlose Bausteine zum Fundament eines unwiderleglichen Denkens zu machen, hat Charles Taylor mit Rationalismus bezeichnet. Er meint damit die Ontologisierung der analytischen (atomistischen) Methode (Lichtung or Lebensform, Philosophical Arguments, S. 64). Die Methode ist das Explizit-Machen, Isolieren, Messen. Die Ontologisierung liegt in der Illusion, dass nur das „ist“, was mit dieser Methode sichtbar wird.
Taylors Freund Hubert L. Dreyfus hat in seinen Arbeiten, insbesondere zur Künstlichen-Intelligenz-Forschung, die aktuelle Fortwirkung dieser rationalistischen Illusion demonstriert. Diese Gehirn=Computer-Logik ist die Fortentwicklung von Lockes Baustein-Illusion. In der Transparenzgesellschaft geht es um die Beschleunigung solcher Informations-Teilchen. Dass sie aber ohne ihren Hintergrund überhaupt keinen Sinn haben und zu keinem zusammengesetzt werden können, verschafft Hans Argument seine Durchschlagskraft. In der Verwechslung dessen, was präsentiert werden kann, mit dem, was „ist“, treffen sich, was Taylor mit Ontologisierung einer Methode meint und Han mit der Transparenzgesellschaft.

Was transparent gemacht wird, ist nicht das Ding, sondern nur, was überhaupt transparent gemacht werden kann.

Vermutlich um die rhetorische Schlagkraft zu erhöhen, übergeht Han, dass das jeweilige Phänomen seinen Charakter ändert, sobald es transparent gemacht wird. Das ausgestellte Ding ist nicht mehr, wie es vorher war. Intimität ist nicht mehr, was sie war, wenn sie öffentlich wird. Hier lag offenbar schon Hans Gewährsmann Sennett daneben: Es gibt keinen „Terror der Intimität“ sondern nur einen der falschen Intimität.
Totale Transparenz ist nicht Sichtbarkeit von allem, sondern nur des Präsentablen und Verdeckung des Übrigen. Der Liebesbrief eines Siebtklässler ist „irgendein Scheiß“, die Inauthentizität der Facebook-Identität ist teilweise bewusst. Totale Kontrolle kontrolliert nur, was sich kontrollieren lässt. Han glaubt mit Simmel: „Die bloße Tatsache des absoluten Kennens […] ernüchtert...“ (S. 9) Es gibt aber kein „absolutes“ Kennen eines Menschen. Es mag ja ernüchtern, wenn sich zeigt, das nicht dahinter steckt, was mein Vorverständnis annahm.
Entsprechendes gilt übrigens auch für Hellmuth Plessers „Grenzen der Gemeinschaft“ (1924), die von einem Rezensenten mit Recht als Vorläufer für Hans Lob der Distanz erwähnt wurde. Genausowenig wie absolute Transparenz, absolutes Kennen, kann es absolute Gemeinschaft geben. Plessners Lob der Distanz, der Form, der Maske, in das Han der Sache nach einstimmt, war deshalb so schwach, weil er das Naheliegendste und Grundlegenste übersah: Es kann überhaupt keine Gemeinschaft anstelle von Gesellschaft geben, weil beide in einem grundlegend ambivalenten Verhältnis zueinander stehen. Sie beruhen auf einander erzeugenden Gegensätzen. Mehr noch: Die Ablehnung der Gesellschaft war immer schon Propaganda und verdeckt die realen Gewaltverhältnisse in den sog. Gemeinschaften, die Angst vor dem Anderen, die Drohung mit Ausschluss. Überdeutlich wurde das später in der NS-Zeit. Plessner hat schon der Gemeinschaftstümelei seiner Zeit mehr zugestanden als sie verdiente.

Pornographie und Transparenz

Pornographie liefert das kardinale Beispiel dafür, wie Han die Realität verfehlt. Von Baudrillard lässt er sich zu einer penetranten Obszönitäts-, Prostitutions-, Pornographierhetorik anstiften. Das ganze Buch durchzieht dieser mit der Zeit schon verdächtige Eifer, begleitet von einer ziemlich bürgerlichen Gegenüberstellung von Eros und Pornographie: Reiz gegen Reizlosigkeit, Spannung gegen Offensichtlichkeit, Geheimnis gegen Evidenz, Umweg gegen Direktheit, Verzögerung gegen Sofortbefriedigung, Lust gegen Abreaktion, etc.
Hier fehlen die Bässe, der Trieb. Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass Hans erotische „Lustökonomie“ nur im Rahmen einer Polarität möglich ist, die sich zwischen Sofort und Nie bewegt? Das Potential des Jederzeit, Plötzlich, Direkt, Total erzeugt erst die Aufladung der Spannung in der Verzögerung. Es ist nicht die Ungewissheit allein, sondern erst ihr Gegensatz zur Möglichkeit plötzlicher und totaler Befriedigung. Erotische Spannung baut sich nur auf durch die Aufstauung von etwas, was nach Plötzlichkeit und Direktheit drängt. Wäre der Moment der Befriedigung nur ungewiss und umständlich zu erreichen, verlören wir jedes Interesse. Was bedeutet dann also Pornographie in Bezug auf diese Polarität?
„Der Porno vernichtet (wieder kulturkritische Untergangsrhetorik) nicht nur den Eros, sondern auch den Sex.“ (S. 22) Natürlich auch die Lust. Ist das so? Ist dieses Plädoyer für Eros nicht im Gegenteil ein Effekt der Positivgesellschaft? Wo bleibt das Recht der Negation? Vielleicht hat der Eros ja eine dunkle Unterseite.
Auf die Frage, warum der Mensch dazu neigt, Macht auszuüben, antwortet Foucault mit dem Hinweis auf die Lustökonomie. Je freier die Menschen in ihren Beziehungen seien, desto größer sei ihre Lust, das Verhalten der Anderen zu bestimmen. Die Lust sei umso größer, je offener das Spiel, je vielfältiger die Spielarten seien, in denen man das Verhalten der Anderen lenke. (S. 32)
Gerade das gilt aber für Pornographie.
Oder ist Pornographie vielleicht etwas Anderes? Ein Ersatz? Eine Mutation?
Pornographie verstört, weil sich die Hintergründe und Motive dafür vor der dominierenden political correctness (die Han bedient) in Sicherheit bringen müssen. Jenseits einer Logik der Besserung und Ausmerzung erlauben wir uns gar nicht mehr die Frage, wie etwas offenbar so Ödes derart anziehend sein kann. „Wie kann man nur!“, möchte man mit Han ausrufen. Genau das wäre die Frage gewesen.
Han ignoriert völlig die Intransparenz des Konsums und der Herstellung von Pornographie. Sie ist eine der größten „Industrien“ des Kapitalismus. Das lässt sich wohl kaum damit erklären, dass Pornographie so öde ist. Vielmehr geht gerade von ihr die Faszination des Dunklen und Geheimnisvollen aus, die Han mit Augustinus ausdrückt:
"[…] und schmeckt, so erneuert, süß [dulcescunt], wenn man diese selbe aus der Verborgenheit hervorholt. [Versteckt werde es], damit man nach ihm noch glühender sich sehne, wenn es sozusagen vorenthalten wird, und das Ersehnte dann mit umso größerer Freude finde." (S. 34)
Hans Pornographie-Kritik ist weniger Kritik Transparenzgesellschaft als ihr Ausdruck. Ist Pornographie nicht eher der Rückzug in die Intransparenz? Streben Sitte und Sexualmoral etwa nicht nach Transparenz? Gelten Sex und Pornographie nicht gerade als Negation – der Liebe, der Würde, des Anstands, guten Geschmacks?
Vielleicht ist die Sehnsucht nach Eindeutigkeit ja die Folge der verlogenen Doppelbödigkeiten der Transparenzgesellschaft. Hier wie insbesondere im Zusammenhang mit den Identitätsspielen in Facebook kommt Han überhaupt nicht auf die Idee zu fragen, wohin sich Menschen vor dem Transparenzterror flüchten. Aber vielleicht flüchten die Menschen ja auch gar nicht von der Eindeutigkeit sondern vor der verlogenen Doppelbödigkeit. Vielleicht sehnen sie sich von einer verlogenen Eindeutigkeit in eine wahre. Und nur weil sie dem Eindeutigkeits-Terror ausgesetzt sind, übersehen sie die Unvermeidlichkeit des Uneindeutigen.

Zerstörungen

Wenn der eigene Wirkungsbereich, wenn Bildung und Bildungsinstitutionen, ganze Kulturen und Milieus der Ökonomisierung zum Opfer fallen, dann wären bei jemandem, der so forsch argumentiert, ein paar konkretere Ausführungen fällig gewesen, Verweise auf den Forschungsstand.
Für die Zerstörung seiner eigenen Arbeitswelt durch die scheinbare Transparenz von statistisch aufgebretzelten Reform- und Qualitätssicherungsprogrammen z.B. beim Soziologen Richard Münch.
In meinem eigenen Arbeitsfeld (als Betreuungsrichter) – in der Justiz, Polizei, Krankenhäusern, Altenheimen, sozialen Einrichtungen – wirkt das Dispositiv der Transparenz, indem es dekretiert, dass die Qualität vom Messbaren abhängt. Das bedeutet, dass diese reduzierte Qualität z.B. nicht im Ton liegt, in dem ein Pfleger mit einem alten Menschen spricht, sondern in der Vollständigkeit seiner Aktenführung.
Intransparent sind diese Vorgaben, insofern sie den realen Qualitätsabbau dekretieren (z.B. in der Zeit, die Krankenschwestern zum Füttern von Patienten zugestanden wird, den unzureichenden Verweildauern, die Krankenkassen zugestehen, oder den Mitteln, die Wohlfahrtsträger der Unterbringung chronisch Kranker zur Verfügung stellen). Transparent sind sie, insoweit die betriebswirtschaftliche Steuerung quantitativ Messbares anstelle von qualitativen Wertungen zum Ordnungsprinzip macht.
Im Hinblick auf die Doppelbödigkeit der Praxis fragt sich hier jeweils, ob dies nur zu einer „doppelten Buchführung“ führt, in der die real praktizierten Qualitätsstandards andere sind, als die transparenten. Oder ob die Protagonisten im betriebswirtschaftlichen Terror ihre Standards ermäßigen und vergessen, was Qualität eigentlich ist. Gut ist dann, was in der Statistik gut aussieht. (Beispiel Kriminalstatistik)
„Heute vollzieht sich die Überwachung nicht, wie man gewöhnlich annimmt, als Angriff auf die Freiheit. Man liefert sich vielmehr freiwillig dem panoptischen Blick aus. […] Die Freiheit erweist sich als Kontrolle. (S. 82)
Zu der Freiheit, die dabei zerstört wird, gehört nicht zuletzt die Freiheit der zweckfreien Persönlichkeitsentwicklung. Han ist entgangen, dass die ursprünglich oppositionelle Psychologie der Selbstverwirklichung seit 1968 zu einer malignen Psychologie der Selbstausbeutung im Rahmen der Methoden moderner Personalführung mutierte. Das demonstrieren insbesondere die Untersuchungen von Ulrich Bröckling zum „unternehmerischen Selbst“. 360°-Feedback heißt das neue Panoptikum. Wie Bildung ist Psychotherapie zu einem heillosen Markt geworden, einem bloßen Reparaturbetrieb, in dem nur noch das Funktionieren im System den Maßstab vorgibt.
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4.0 von 5 Sternen Der verbotene Blick: profane Nacktheit gegen Liebe und Leidenschaft., 25. August 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
"Was ich mir selbst Unbekanntes in mir trage, das macht mich erst aus."
(Paul Valery)

Diese Welt lebt in einer Ambivalenz, nämlich in der stetig wachsenden Forderung und Begeisterung nach Transparenz und gleichzeitig in der Sorge, dass ein Zuviel schadet und es somit auch Verhülltes geben muss. Wenn diese Vorstellung eine ist, die die gesellschaftliche Wirklichkeit spiegelt, dann sollte man auf das achten, was die Welt sich zum Spiegel macht: die Mode. Auf den Laufstegen nimmt die Transparenz zu und zugleich die Verhüllung des Blicks durch Netz und Spitze. Angesehen werden sollen, aber nicht sehen dürfen treten hier im scheinbaren Widerspruch auf und doch sind sie die Botschaften aus einer Welt, die sich so selbst-referentiell beschreibt.

Mit diesem gesellschaftlichen Phänomen beschäftigt sich Byung-Chul Han vortrefflich. In seinen Betrachtungen über die (1) Positivgesellschaft bleibt festzuhalten, dass mit der Eliminierung des Negativen das Leben geglättet und geebnet wird, damit der Mensch in die Ströme von Kapital, Information und Kommunikation nahtlos einfließen kann. Transparenz wird zum systemischen Zwang. Hier werden durch reine positve "likes" die Anschlussräume aufrechterhalten, die Kommunikation über Gleiches läuft leichter und die Kettenreaktion des Gleichen wird nicht durch Andersartigkeit gestört. Er rät, Pathos und Distanz zu üben, damit der Blick nicht nur auf das Schamlose und Nackte gerichtet ist, dass eine Autonomie bestehen bleibt, in der das Unverständliche im anderen akzeptiert wird. Alles Verweilen im Negativen (weil bemerkenswert) wird durch Rasen im nur Positiven ersetzt. Der Gedanke zum Müßiggang wird obsolet. Weiterhin betrachtet Han die (2) Ausstellungsgesellschaft, die nicht mehr meint, dass allem Ursprünglichen in seiner Vervielfältigung die Aura des Unikats entzogen wird im Benjaminschen Sinne. Wenn also Existenz abgelöst wird durch Exposition, dann wird sich dieses als Forderung übertragen auf den Menschen, der in den neuen medialen Welten von einer individuellen Photographie zu einem face mutiert und von einem Individuum in ein Ausstellungsstück. Sein Kultwert geht den Gang der anderen Kultwerte, er verfällt zu dem Zeitpunkt, wo es ausgestellt wird. All dieses dient dem Ziel der Aufmerksamkeit unter dem Primat des schönen Aussehens, wie es anti-aging Kampagnen ja vorsehen, operativ oder cremebetont.

Wenn nun Transparenz den schnellen und direkten Blick ermöglicht, entfällt jede Art von endlosem Aufschub. Gerade dieser ist es jedoch, der Lust und Begierde wach hält und Han wird hier unter dem Begriff der (3) Evidenzgesellschaft feststellen, Symmetrie und Transparenz korrelieren, wie Transparenz und Pornographie harmonisieren und wie Transparenz jenseits der Macht Geheimnis und Dunkel als Reize verbannt. Diesem, den Blicken ausgesetzten Gesellschaftsroman, spürt er erneut nach und hinein in die (4) Pornogesellschaft. Hans Auftakt ist eine deutliche Botschaft gegen Mode und platonischer Weisheit: Transparenz ist nicht Medium des Schönen. Mit Benjamin verweist er deutlich, das Jedes in seiner Hülle als schön zu betrachten ist, weil aus dem Geheimnis die Phantasie des Schönen geboren wird. Enthüllung ist Nacktheit und ist Verschwinden der Anmut. Erotische Kommunikation entfällt, da alles offen liegt; "I love" wird schnell zu einem "I like" und allem ist die temporale Weite genommen. Das Maß der Liebe, schrieb Sloterdijk in seinen Notizen, korreliert mit dem Maß der Hindernisse.

Wenn nun eben der Blick auf das Schnelle den Vorrang hat, dann liegt es nahe, dieser Gesellschaft den Titel (5) Beschleunigungsgesellschaft zu geben. Dieses meint, dass mehr Wert auf Rechnen gelegt wird, als auf das Denken. Das Denken hat eine Eigenzeit, wie auch die Prozession eine hat, nämlich dieses allmähliche voranschreiten, um die narrativen Elemente dieser Welt nicht zu vergessen. Vergessen werden diese Dinge jedoch nicht nur wegen der Beschleunigung, die sicher auch subjektive Erfahrung ist. Vielmehr wird die Vielfalt der Beteiligungen, diese permanente Vernetzung zu einer temporalen Zerstreuung beitragen, die jedes nur bei sich sein können verhindert. Zeit wird additiv, die persönliche Erzählung entfällt oder wird nur Kurzgeschichte. Der Duft der Zeit, ein Titel eines anderen Buches von Han, wird unter dem Primat der Beschleunigung nicht mehr erfahrbar. Trotz aller Komplexität brauchen wir die Narration, so Han.

Vom großen Theater der Welt, wo alles in szenischer Distanz zu sehen ist - man denke auch noch an die antiken Theater - gilt es den Schwenk zu beobachten, der in eine (6) Intimgesellschaft mündet. Hier stellt Han klar, das von öffentlichen Person der Wechsel zu einer veröffentlichten Person stattfindet. Dabei gilt nicht, dass über andere Veröffentlichungen nur gelten, sondern dass die Transparenz fordert, sich selbst zu veröffentlichen. Facebook als Beispiel ist eine präferierte Plattform der Selbstentblößung und der Anschlusskommunikation. Ein Blick auf die Positivgesellschaft hilft hier nochmals, denn jene dis-like Funktion gilt nicht für facebook. Der Kommunikationsstrom der Intimitäten darf nicht reißen. Von der Darstellung des Theaters zur Ausstellung seiner Selbst vollzieht sich der Wandel in "eine Gesellschaft des Geständnisses, der Entblößung und der pornographischen Distanzlosigkeit."

Wenn Sloterdijk sinngemäß von der Welt bis an die Grenze der Metaphysik spricht, dann trifft er Han in dem Satz: "Transparenz ist ohne Transzendenz". Han bedient sich in klassischer Weise Platons Höhlengleichnis zur Entfaltung der (7) Informationsgesellschaft. Von der erzählerischen Güte antiker Theater reduziert eben diese Transparenz jeden großen Zusammenhang in eine kleine Information und jede Information dient der Transparenz. Also zum Wollen zur Transparenz paart sich das Wollen zur Information. Sloterdijk verweist deutlich auf unser Leben im Modus der Hyperarchivierung, die multimediale Informations- und Kommunikationsmasse wird zu einem bloßen Ge-Menge. Transparenz gelingt so im besten Maße, sie entbehrt der Wahrheit und des Scheins (im Sinne des Lichts). Sie wird zur Leere, die aus der Er-Ahnung gestrichen wird durch den beliebigen Umlauf von Bild und Wort.

Wenn Rousseau in einer Zeit des Wandels sich zu den Bekenntnissen hat durchringen können, dann beschritt er bereits damals, was heute als (8) Enthüllungsgesellschaft etabliert ist. Rousseaus Epoche der Wahrheit (der wahrscheinlichen) oder zumindest der "Offenbarung des Herzens" wird zu einem Diktat des Herzens gegen jede Äußerung unter Masken. Wenn auch Oscar Wilde behauptete, nur unter der Maske ist der Mensch wahr, dann gilt für Han hier die Belebung der Rousseauschen Erfahrung, dass die totale Transparenz in Kontrolle und Überwachung ausschlägt. Rousseaus Wunsch ist daher nur die Transparenz des Herzens, damit die Ehrlichkeit als Moral der Transparenz, die es in den sozialen Medien zu suchen gilt. Han findet keinen moralischen Imperativ im Netz, wen wundert's, dort gibt es nicht die kardiographische Taktung, sondern dort stoßen wir wieder auf die Ausstellungsmaxime zur Optimierung der Aufmerksamkeit. Dass sich in all dieser Manier im Sinne Foucaults ein Kontrollorgan zur Überwachung einschleust, stimmt nicht verwunderlich. Han kommt daher folgerichtig auf die (9) Kontrollgesellschaft als Disziplinargesellschaft, die sich im Prinzip aus sich Selbst formt. Gruppendynamische Prozesse gelten auch hier und die höchste Strafe als Besserungsmaßnahme ist die Einsamkeit. Aber die eigentliche Strafe ist die notwendige Selbstkontrolle. Jede Teilnahme steht am Scheideweg, nämlich dort wo das Bedürfnis nach Entblößung größer wird, als die Angst, seine Intimsphäre aufzugeben.

Wenn nun als Forderung totale "liquid democracy" kommt, dann wächst die totale Gleichschaltung, nämlich die Unterordnung unter den main-stream. Offenlegung aller Information geht einher mit der Forderung nach Post-Privacy. Wenn man dann glaubt, Vertrauen könne helfen, dann sollte man nicht vergessen, dass Vertrauen in der Mitte zwischen Wissen und Nicht-Wissen liegt. Es ist ein Glauben an das Gute, weil man das Böse kennt. Wenn Transparenz nun aber nur das Positive ist, wenn Transparenz ein allgemeines für alle bekanntes Wissen wird, dann werden Vertrauen und Glauben zum anderen unmöglich, sie werden sich selbst auflösen. Was nun?

Transparenz heißt Wettbewerb, Transparenz fördert Leistung. Der Mensch in der Jetztzeit ist Herr seiner Selbst, verantwortlich für sein Leben und damit im Zugzwang der Selbstausbeutung. Diese ist effizienter, wo doch schon Karl Marx wusste, dass der Produktionserfolg maßgeblich von dem Faktor ARBEIT abhängt und nicht vom Faktor Arbeiter. Dieser ist austauschbar, Marx wollte noch die Selbstbestimmung, hier und heute könnte man in Anlehnung von de Marcos Roman jede Art von Freisetzung deuten, als Vorschlag für eigene Karrierechancen. Transparenz als die Aufgabe der Trennlinie von Innen und Außen ist die vermeintliche Erhöhung maximaler Freiheit und diese verändert sich als Freiheit im Sinne eines immanenten Kontrollsystems.

Han schreibt auf kurzweilige Art klug und manchmal bedächtig auf den Punkt zugehend und durchaus pointiert auf den Begriff. Man muss als Leser die bekannte Kirche im Dorf lassen, immer noch anerkennen, dass das Individuum wählen kann gem. Shakespeare: "Sei ehrlich zu Dir selbst." Eine sehr lesenswerte Lektüre, die übrigens in die aktuelle politische Situation bestens passt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Transparenz als Repression, 10. Februar 2014
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
Als der Obskurantismus die armen Erdengeister beherrschte, war der Ruf nach dem Licht nur folgerichtig. Die Aufklärung brachte Licht in das Dunkel, vor allem jenes, das dazu diente, Menschen zu beherrschen und zu versklaven. Was folgte, war die Zeit der Enthüllungen und mir der gewaltigen Verwissenschaftlichung des Denkens begann man zu glauben, alles erklären zu können. Auch die Rebellion gegen die Finsternis kann in ihr Gegenteil umschlagen, wenn sie zum Dogma führt und das Maß für das, was man den argen Weg der menschlichen Erkenntnis nennen müsste, verloren geht. Der in Seoul geborene Byung-Chul Han, seinerseits Professor für Philosophie und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, hat sich mit seiner Publikation namens Transparenzgesellschaft genau dieses Problems angenommen und in analytisch interessanter und argumentativ sehr anregender Weise eine Diskussion belebt, die an den Nerv der Zeit geht.

Byung-Chul Han widmet sich der Verkehrung der Aufklärung in ihr Gegenteil, nämlich der Entstehung der Transparenzgesellschaft, die ihrerseits das Resultat eines außer Rand und Band geratenen Positivismus ist. In dem er allen Kapiteln Überschriften widmet, die unsere momentane Gesellschaft kennzeichnen sollen, setzt er die Markierungen für seine letztendlich fundamentale Kritik: Positivgesellschaft, Ausstellungsgesellschaft, Evidenzesellschaft, Pornogesellschaft, Beschleunigungsgesellschaft, Intimgesellschaft, Informationsgesellschaft, Enthüllungsgesellschaft und Kontrollgesellschaft.

Die Argumentation ist einfach wie schlüssig. Die Dialektik der Aufklärung besteht in der Aufhebung ihrer eigenen Sprengkraft durch die Negation der Negation. Das hört sich für altmarxistische Kabbalisten recht vertraut an, ist aber dennoch auch eine Binsenweisheit: Indem die moderne Informations- und Kommunikationsgesellschaft ihr semantisches Fundament definiert hat in der Apotheose des Positiven und der Verteufelung allen Negativen, d.h. nicht Darstellbaren oder nur mit Mühe zu Deutenden, hat sie alle gesellschaftlichen Phänomene wie Akteure reduziert auf Ausstellungsstücke, die in keinen Dialog mit den Betrachtenden mehr gehen. Um es ganz deutlich und ohne Missverständnisse zu sagen: Die Zeit des historischen Subjektes ist vorbei. Wir haben es nur noch mit Objekten zu tun, die ausgestellt werden in einer Nacktheit, die jedes Geheimnis, alles Private und Intime ausschließt und jede Form der Inspiration vermissen lässt.

Da ist es nicht nur Byung-Chul Hans Polemik, die es nahelegt, dass die Ausstellung des vormals Privaten und Intimen im Zotenporno endet. Oder, noch schlimmer, der kollektive Schrei nach der totalen Transparenz ist das öffentliche Gelöbnis, keinem Menschen und keiner Institution mehr das Vertrauen schenken zu wollen oder zu können. Totale Transparenz als gesellschaftliches Postulat ist der Offenbarungseid für das soziale Vertrauen.

Das alles geht einher mit einer Steigerung des Tempos, einer Überdosis an Information und letztendlich einer maschinell elaborierten Kontrolle aller Akteure. Letzteres ist wenigstens konsistent und folgerichtig, denn wenn kein Vertrauen mehr da ist, hilft nur noch die totale Kontrolle. Insofern liefert Byung-Chul Han auch noch eine Anregung, die er expressis verbis nicht anspricht, die aber auf der Hand liegt. Inwiefern, so könnte man fragen, ist die Transparenzgesellschaft der des Obskurantismus der Vor-Aufklärung überlegen? Vielleicht liegt die Antwort in einem Segment, das so unglaublich ist, dass man gar nicht darüber nachdenken mag. Unsere Gegenwart kommt mit weniger physischen Folterinstrumenten aus, bietet dafür ein Sortiment an psychischen Abhängigkeiten auf, das historisch ohnegleichen ist.

Transparenzgesellschaft ist ein eminent wichtiges Buch, und wer es liest, kommt ohne Zweifel mächtig in Wallung.
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5.0 von 5 Sternen Sehr gute Analyse, 30. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
Wie immer zieht Herr Han den interessierten Leser in seinen Bann. Letztes sagte ein Freund mir, er hätte im Deutschlandfunk irgend etwas über Ihn gehört, wo das Wort: Modephilosoph fiel...na ja, es gibt doch immer Leute, die rumquatschen und sich profilieren wollen - und ein Mensch, der Erfolg hat, gute Gedanken zu Papier bringt, ohne gleich in die "dicken Wälzer" sich zu verlieren..Alle Achtung: kurz, knapp und schlüssig!
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Haltet Distanz, dann bleibt ihr Menschen, 20. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
... so könnte der Imperativ einer wohltemperierten Gesellschaft sein, die sich vor dem Intimitätsterror schützt. Han empfiehlt sich dem Impetus nach schon als ein Erbe Sloterdijks. Dass dieses kleine Büchlein allerdings nicht den Raum bietet, dass Han seine wirklichen Fähigkeiten ausgiebig vorführt, liegt in der Sache des Textes. Schade, dass der Text so ostentativ beschwörend Hauptsätze aneinanderreiht, die - böse gesprochen - eigentlich nur eines tun: behaupten. Sicher: Was da behauptet wird, ist durchaus eingängig. Wer den Hintergrund von Richard Sennetts Verfall und Ende des öffentlichen Lebens" mitbringt, wird Altbekanntes Bedenken-Gut wiedererkennen. Wer allerdings sich an Helmuth Plessners grandiose Polemik Grenzen der Gemeinschaft" (1924) erinnert, der fragt sich, warum im Jahre 2012 das alles neu- und reformuliert und wiederholt werden muss, denn: das konnte man schon früher wissen. Nur das Schlagwort ,Transparenz` ist neu: sein Gehalt ist alt. Wer hängt sich heute schon nach an Schlagworten auf, die man mit wenig philosophischem Werkzeug als Holismen herausstellen könnte, die eines ganz bestimmt nicht mehr erfordern: dass man ihre Signalwirkung für unser Zeitfenster überakzeptiert... Schon Plessner schrieb (eben 1924): Alles Eigentliche bei Lichte betrachtet enttäuscht." Damit empfahl er eine Ethik des Taktes, der Distanz und der rituellen Verstellung, die das Gegenüber schont und ihm nicht zu nahe tritt. Die Gemeinschafts-Tümelei, der Nähekult der Nazis wie die internationalistische Verbrüderungsrhetorik der Kommunisten standen noch für eine aufgeladene Weltlage, die heutzutage durch unsere Content-Management-Systeme grundsätzlich ,eingeebnet` ist, wie Han sicher diagnostiziert. An den stärkeren, neuerwertigen Diagnosen schimmert auch der Sloterdijk aus ,Du mußt dein Leben ändern` wieder durch, der u.a. mit Foucault auf die Notwendigkeit der Selbstdisziplinierung und Askese für den Menschen ansprach und die ,Vertikalspannung` als Ausweg aus der Ebene der Spannungslosigkeit empfahl. Aber: Dass das durch Han nochmal so gesagt wird, war keineswegs notwendig. Die Pornographie des rohen Datenmaterials belästigt unsere Augen überall: Richtig, aber soweit nichts Neues. Das völlig Entblößte ist geheimnislos: Soweit nichts Neues, aber richtig. Rousseaus ,Diktatur des Herzens` ist in dieser Hinsicht unmenschlich: Richtig, aber auch nichts Neues. Dieser Band sollte also ein Positiv-Problem mit sich selbst bekommen: Dass es auch ihm nicht gelingt, anhand des Transparenzbegriffes auf eine grundsätzlich andere und nicht bloß das bereits Bekannte wiederholende Weise die Kritikpunkte an der ,totalen` Durchsichtigkeit zu benennen und im Bewusstsein zu halten. Am Ende bleibt, dass dieses kleine Bändchen so richtig wie klug ist, aber für den Kenner auch - wie zu erwarten war - langweilig; darüber hinaus ist es jedoch gut und interessant gestaltet. Daher 4 Punkte.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr interessanter Autor, 5. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
ein Philosoph, der es versteht, verständlich und spannend zu schreiben, ist allein schon das Lesen wert. Diese Ausgabe seine Bücher ist auch noch gut im Lay-out. Noch interessantere Werke gibt es zur Zeit leider nur in der billigen Bindung von Reklam.
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8 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen muss für potenzielle piraten-wähler, 6. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
dieser text reflektiert kritisch in einer angenehm unaufgeregten verständlichen sprache wesentliche aspekte der vernetzten mediengesellschaft; ein muss für jeden, der sich mit seiner kulturellen lebenswelt auseinandersetzen möchte.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ändert die Sicht, 1. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Transparenzgesellschaft (Broschiert)
Das Buch ist z.T. nich ganz einfach zu lesen. Der Inhalt ist jedoch absolut lesens-und diskussionswürdig.
Meine Sicht zur Transparenz hat sich danach geändert.
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Transparenzgesellschaft
Transparenzgesellschaf
t
von Byung-Chul Han (Broschiert - 1. März 2012)
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