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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deus lo vult ?, 26. Oktober 2004
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Kreuzfahrer. Sonderausgabe. Abenteurer Gottes (Gebundene Ausgabe)
"Wir sollten uns davor hüten, die Vergangenheit vom Podest unserer Erfahrung und Überheblichkeit herab zu sehen, in der Annahme, wir machten das alles heute viel besser und uns könnten derartige Fehler nicht unterlaufen....."
(Johannes Lehmann)

Wie der Titel "Die Kreuzfahrer- Abenteurer Gottes" bereits andeutet, ist das Buch keine bloße Abhandlung der 8. (willkürlich) nummerierten und hauptsächlich erfolglosen "Kreuzzüge". Die Schwerpunkte des Buches liegen vielmehr in der Darstellung der Protagonisten (Charakter und Motive) der anfangs als "bewaffnete Pilgerfahrten" bezeichneten Unternehmungen, zu denen auch durchaus erfolgreiche Einzelaktionen zu rechnen sind, die von der Geschichtsschreibung jedoch nicht als "Kreuzzug" gezählt werden.

Besonders ausführlich werden die Teilnehmer des sogenannten "1. Kreuzzuges", der zu seiner Zeit als "bewaffnete Pilgerfahrt" bezeichnet wurde und aus mehreren "Marschsäulen", sowie Vor- und Nachläufern bestand, vorgestellt. Sie werden dem Leser teilweise so nahe gebracht, so dass z. B. Stephan von Blois im weiteren Verlauf vom Autor vertraut als "unser Freund" apostrophiert wird. Lehmann übt jedoch auch Kritik an den mittelalterlichen Chronisten, wenn er beispielweise darauf hinweist, dass selbst Fulcher von Chatres sich nicht darüber wundert, was Balduin von Boulogne in Edessa, fernab von Jerusalem, zu suchen hat. Daneben kritisiert er auch die Fachliteratur, die jeglichen Vorwurf an Gottfried von Bouillon, Raimund von Toulouse und Bohemund von Tarent (die durch ihren Leichtsinn nur 5 Tage nach der Einnahme Antiochias selbst zu Belagerten wurden) vermissen lässt und statt dessen ein "gottgegebenes Schicksal" registriert.

Als eine der kuriosesten Gestalten wird Robert von Coudre vorgestellt, der im jugendlichen Alter bei der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer (1099) ebenso zugegen war, wie als über Hundertjähriger bei der moslemischen Rückeroberung der Stadt durch Saladin (1187). Bemerkenswert ist auch der Hinweis, dass sich Kaiser Friedrich I. "Barbarossa" bereits auf seinem zweiten Kreuzzug befand, als er im Jahre 1189 im anatolischen Fluss Saleph ertrank, denn bereits 40 Jahre zuvor hatte er als Herzog von Schwaben seinen Onkel und deutschen König Konrad III. in Heilige Land begleitet. Die Schizophrenie des von den "Stellvertretern Christi" forcierten "Heiligen Krieges" offenbart sich vor allem darin, dass ausgerechnet der "Kreuzzug" des von Papst Gregor XI. exkommunizierten Friedrich II. der einzige ohne Blutvergießen und zugleich auch erfolgreichste war (1228)! Ermöglicht durch einen Friedensvertrag zwischen dem als "Antichristen" verteufelten Staufer und Sultan El-Kamil, der sich, wie schon sein Onkel Saladin, weitaus ritterlicher und wohl auch christlicher verhielt, als die meisten Krieger und Kleriker, die das Kreuz trugen.....

Das bereits in Erstauflage 1976 erschienene Sachbuch weist neben mehreren Landkarten, zahlreichen schwarz-weißen Illustrationen, einem Literaturverzeichnis (mit allen wichtigen Quellen) und Register auch eine Zeittafel vor, auf der die Ereignisse im Orient und Okzident synoptisch aufgeführt sind. Auch nach 28 Jahren ist es noch immer aktuell und sowohl als informativer Einstieg in eine wichtige Epoche der Weltgeschichte (die bis in die Gegenwart hineinwirkt), als auch realistische und spannende Alternative zum historischen Roman zu empfehlen und mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abenteurer Gottes! - Ein spannendes Buch!, 26. Juni 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Kreuzfahrer. Sonderausgabe. Abenteurer Gottes (Gebundene Ausgabe)
Ich habe damals die älteste Ausgabe dieses Buches gelesen. - Ich habe es in kürzester Zeit durchgelesen. - Und war begeistert!

Dieses Buch ist trotz seiner mittlerweile schon lange zurückliegenden Veröffentlichung eines der besten zum Thema.
Johannes Lehmann führt uns weit zurück ins tiefe Mittelalter, und beschreibt die Geschichte und Vorgänge dieser aus heutiger Sicht sehr fragwürdigen Unternehmen, behandelt Ursachen und wichtige Persönlichkeiten.
Der Titel für das Buch ist sehr gut gewählt. Kann sich der Leser so doch gleich richtig etwas unter dem Charakter der meist nicht unbedingt sehr aus religiösen, sondern vor allem aus habgierigen und egoistischen Motiven handelnden Kreuzfahrer vorstellen, die in vielen Fällen wirklich Ritter und Adelige waren, jedoch meist äußerst verarmt und in der Heimat ohne Aussicht auf die Befriedigung ihres Ehrgeizes nach Macht, Gütern und Landbesitz waren. In dieser Art muss man sich also die Kreuzfahrer, die "Abenteurer Gottes" mehrheitlich vorstellen.
Auch gibt der Titel des Buches die Widersprüchlichkeit des Unternehmens wider; "Abenteurer Gottes" - kann es so etwas überhaupt geben?; ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Eine Stärke des Buches ist es auch, dass hier nicht pauschalisiert wird, sondern auch auf Besonderheiten hingewiesen, vor allem hinsichtlich der Charaktere und Handlungen der Perönlichkeiten.
Dabei wird sichtbar, dass auch durchaus nicht alle Kreuzritter brutale und skrupellose Machtmenschen waren. Zwar spielt sich hier alles zu einer Zeit ab, als das Wissen um den Gebrauch des eigenen Schwertes noch meist wichtiger war als hohe Bildung oder der Gebrauch des Verstandes. Dennoch geht es hier um einen Zeitraum, in dem die Kirche noch fast unbeschränkte Macht hatte, und somit die Ausübung und Verteidigung des ("richtigen") Glaubens bei allen Unternehmungen wenigstens verdergründig Priorität zu haben hatte, und kaum Jemand wagte, gegen die Kirche etwas ins Feld zu führen. Und schon gar nicht hat es zu dieser Zeit "Atheisten" gegeben.
Besonders bewegend fand ich dabei die Darstellung des ersten Kreuzzuges, unter Führung eines zwar schwachen, aber wirklich frommen Ritters, Gottfrieds von Bouillon. Dieser errichtet das erste Königreich (König will er sich aber aus Respekt vor dem Wirken Christi nicht offiziell nennen, sondern lieber "Verteidiger des heiligen Grabes" o.Ä.!) im "Heiligen Land" in Jerusalem, das zu dieser Zeit tatsächlich noch sehr religiöse Züge hat.
Doch schon sehr früh zeigt sich, dass der gemeinsame Gedanke, die gemeinsamen Unternehmungen der ersten Kreuzritter keine lange Haltbarkeit aufweisen: zwar wird unter den ersten Rittern in dieser höchst feindlichen und gefährlichen Gegend tatsächlich noch eng koopieriert, wodurch sich nahezu menschenunmögliche militärische LEistungen in Feindesland, der heutigen Türkei, Syrien und Palästina bewerkstelligen lassen. Doch kaum hat man auf diese Weise einige wesentliche Ziele gemeinsam erreicht, da entwickelt die Sache eine gewisse Eigendynamik: zwar sind die Männer unerschrocken, mutig und äußerst kampferprobt; jedoch verfolgen viele von Anfang an im Prinzip ihre eigenen Ziele, besitzen oft höchst problematischen, egoistischen und habgierigen Charakter.
So entstehen gleich viele Kreuzfahrerstaaten nebeneinander im Nahen Osten. Schön und gut, solange alle am gleichen Strang ziehen, sich bei Bedrohung miteinander verbünden und den religiösen Charakter ihrer Unternehmungen nicht aus dem Auge verlieren.
Doch gerade das passiert jetzt mehr und mehr; ja, manchmal führen die Rivalitäten um Macht und Besitz unter den Kreuzrittern gar zu Kriegen gegeneinander.
Und so sind die großen ERoberungen schon nach einigen Jahrzehnten bald schon wieder bedroht, die vielen Menschenopfer scheinen ihren Sinn verfehlt zu haben.
Die Absichten der Kreuzritter werden dabei sehr deutlich: musste am Anfang noch unter größter Gefahr und Risiko gekämpft und verteidigt werden, um außer den religiösen vor allem weltliche Ziele von macht und Reichtum verwirklicht zu sehen, so wird in den Blütezeiten der Kreuzritterstaaten für mehr und mehr arme Menschen aus Europa der so neu geprägte nahe Osten zu einem lohnenswerten (nicht nur Pilger-) Ziel; denn hier wird man als christlicher Neusiedler mit offenen Armen von den neuen Herren empfangen, bekommt Privilegien und Land zugeteilt, von dem man im klein gewordenen Europa vorher noch nicht einmal mehr hätte träumen können. Viel gekämpft werden muss zu dieser Zeit nicht mehr viel.
Dennoch wird das Erworbene von den Kreuzrittern durch o.g. Gründe bald wieder auf's Spiel gesetzt.
Die Päpste versuchen zwar immer wieder, durch spätere Aufrufe zu weiteren Kreuzzügen die Situation wieder zu Gunsten der Christen zu verbessern. Und tatsächlich tun dem selbst mächtige christl. Könige Folge leisten (z.B. Barbarossa, Richard Löwenherz).
Aber die Situation ist heikel geworden. Und der am Anfang oft vorherrschende - und in diesem Buch ungeschönt dargestellte - religiöse und äußerst barbarische Fanatismus auf christl. Seite (das traurigste Kapitel der ganzen Kreuzzüge!) weichen allmählich einer vorsichtigen, von gegenseitiger Achtung geprägten Diplomatie- Politik. Man ist nicht mehr gewillt, hohe Kosten und hohen Einsatz an Mensch und Leben (vor allem das Eigene) auf's Spiel zu setzen. Die Ritter merken allmählich, dass es in der neuen Situation gebotener und auch bequemer ist, zu verhandeln, sich gegenseitig anzupassen oder sogar Freundschaften zu schließen, sich gegenüber Achtung zu bezeugen, als durch waghalsige militär. Unternehmungen evtl. gar alles erst Recht auf's Spiel zu setzen.
Das mag zwar nicht im Sinne der Päpste sein; aber diese haben - weil nicht selber vor Ort - nicht den richtigen Überblick; Wunsch und Realität gehen inzwischen sehr weit aneinander vorbei!
Stagnierung und Rückgang der Bevölkerungssituation im alten Europa bringen schließlich die Dynamik und den Zuzug von Menschen aus Europa zum Erliegen. Auch die mangelnde Anpassungsfähigkeit der Kreuzritter und ihr Hochmut besiegeln schließlich das Ende der Kreuzfahrerstaaten in einer Zeit des Wiedererstarkens der islamischen Kräfte. Es fehlt auch an integren, wirklich aufrichtigen und religiösen Führungspersönlichkeiten, die der Idee genügend Rechtfertigung geben könnten, um sie nicht als bloße Raubzüge erscheinen zu lassen.
Schließlich verlieren sogar die Päpste das Interesse an den kostspieliger werdenden und gewagten Unternehmungen, und die Versuche das verlorene Terrain wieder zurückzuerobern werden immer seltener.
Der Autor berichtet aber auch über ganz praktische Probleme der Kreuzritter im Heiligen Land, der vor allem eine Männerangelegenheit war: z.B. den großen Mangel an christl. Frauen in den eroberten Gebieten; sollten doch die islam. Frauen entsprechend den relig. Vorschriften nach Möglichkeit gemieden werden. Was also tun?

Johannes Lehmann führt uns ein in die auch heute noch so faszinierende Welt des Mittelalters, mit ihrem religiösen Fanatismus, ihren wagemutigen und kämpferischen Männern, ihrem (religiösen) Idealismus und machthungrigen Egoismus. Zwar bedient er sich dabei ausschließlich historischen Dokumenten als Grundlage seiner Schilderungen, jedoch tut er dieses so lebendig, dass sich einem die Zeit und die Welt des Mittelalters auftun, als wäre man fast selber - wie in einem Film - dabei: man leidet direkt mit den ersten Kreuzfahrern auf ihrem entbehrungsreichen und viele Opfer bringenden ersten langen Marsch durch Feindesland mit; man ist erschüttert über die Gräueltaten der Ritter (und ihrer Gefolge), die dem charakter der "Reisen" das Gegenteil geben, als wie es vorgesehen war; man zittert mit den belagerten Kreuzrittern bei Akkon mit, wenn sie sich gegen die islamischen ANgreifer - sich in höchster Not befindlich - verteidigen müssen. Man bewundert sie, wenn sie mit geringen Kräften in der Türkei und in Syrien zu Übermenschlichem imstande sind; man sieht dem normannischen Raubritter Bohemund bei seinen mutigen, aber egoistischen, eigenmächtigen und unmenschlichen Schurkereien zu; ...
Aber man begreift z.B. auch ganz nüchtern, wie es durch tatkräftige Mithilfe der Kreuzritter zum endgültigen Ende des (christlichen!) einstmal mächtigen (aber bedrängten) christlichen (!) Weltreiches von Byzanz gekommen ist.

Vor allem weiß der Autor durch historisches Wissen zu glänzen, womit seine Schilderungen realistisch werden, womit aber gleichzeitig der (weniger informierte) Leser nicht z.B. unnötig mit Fakten und Details überlastet wird.
Besonders gut gefielen mir dabei auch die Schilderungen der Personen, was Einen zwar etwas entttäuschen mag, wenn man eine zu große MEinung vom "Ritterlichen Verhalten" im Mittelalter hatte; andererseits scheinen die Typen und die Denkart dieses Zeitalters doch manchmal mehr dem Klischee über diese Menschen zu entsprechen, als man sich das vorher vorgestellt hatte! - Trotz ihrer Naivität, zuweilen Dummheit und auch Grausamkeit werden die Figuren doch vor dem inneren Auge dabei durchaus lebendig und der LEser bleibt für diese Menschen nciht ohne Sympathien.

Trotz hierbei zu langweilig zu werden, verzichtet der Autor dabei auf jedes Pathos und jede subjektive Parteinahme (in einem durchaus auch heute noch heiklen Thema!) und lässt dabei die realen Vorgänge so weit wie möglich die Dinge schildern.

FAZIT: Absolut LESENSWERT, weil auf Tatsachen beruhend und spannend geschrieben! AUch der historisch wenig Vorgebildete wird an dieser Darstellung seine Freude haben!
Meiner Meinung nach die beste Darstellung über dieses Thema.
Das Buch ist jedem historischen Roman über dieses Thema auf jeden Fall vorzuziehen!

Einzige Schwachstelle ist meines Erachtens das weitgehende Fehlen von Bildern oder Fotos, durch die der Leser sich noch besser in die Welt des Mittelalters hätte hineinversetzen können, z.B. durch beeindruckende Abbildungen der auch heute noch z.T. bestehenden Kreuzritterburgen im Nahen Osten, die in ihrer Größe (und Großartigkeit) ihresgleichen suchen.
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Die Kreuzfahrer. Sonderausgabe. Abenteurer Gottes
Die Kreuzfahrer. Sonderausgabe. Abenteurer Gottes von Johannes Lehmann (Gebundene Ausgabe - Juni 1991)
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