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61 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Klasse: Ein kritischer Beitrag zur ökonomischen Theorie,
Von pl (Siegen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise (Broschiert)
Im Bereich der Wirtschaftstheorie, der Ökonomie als wissenschaftlicher Disziplin, gibt es eine Unmenge an Literatur, die versucht den Lernenden der Ökonomie ihre Modelle zu implementieren. Das gilt für nahezu alle großen Werke der Volkswirtschaftslehre, der Makro- und v. a. der Mikroökonomie. Dabei erscheinen diese Modelle nahezu als unhinterfragbar, mehr noch, als vom Himmel gefallene dogmatisierte Wahrheiten. Gerade für Laien und Studierende der Ökonomie ist diese aufgrund ihres sehr technisierten und mathemathisch verbrämten Gesichts nur noch schwer durchschaubar und damit einhergehend, kaum kritisch hinterfragbar. Was Senf - selbst Prof. der Ökonomie - mit seinem Buch gelingt, ist, aufzuzeigen, dass ausnahmslos alle ökonomischen Theorien/ Gedankengebäude (Klassik, Marxismus, Neoklassik, Neoliberalismus) geschichtlich vermittelt sind, d. h. sie müssen in einen historischen Kontext eingeordnet und vor diesem verstanden werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wenn sie sich ihrer geschichtlichen Vermittlung entledigen, sie schnell zu vermeidlichen allgemeingültigen Wahrheiten emporgehoben werden und damit nah an den Status einer Ideologie heranrücken. Was Senf in seinem Buch aufzeigt - was ihm herausragend gelingt, seht her liebe Ökonomen, was geleistet werden kann, wenn man über den eigenen "Tellerand" der eigenen Wissenschaft hinaus schaut - sind die "blinden Flecken" der jeweiligen Theoriegebäude, soll heißen, ihre Schwachstellen. Dabei ist das vorliegende Buch keineswegs ein Abrechnung mit diesen Theoriegebilden. Alle werden gut verständlich erläutert, ihre genuinen Stärken aufgezeigt und die Unterschiede und Weiterentwicklungen deutlich gemacht; im Vergleich zur Kritik macht die Darstellung der Theorien sogar den weitaus größeren Umfang des Buches aus und gibt somit zusätzlich eine gute und verständliche Einführung in die Ökonomie. Das Buch eignet sich insgesamt für alle irgendwie an der Thematik Interessierten, da es sprachlich weitestgehend auf hochtrabendes Fachchinesisch verzichtet und mit Hilfe zahlreicher Grafiken - die nicht immer (aber zumeist) vollends gelungen sind - den Inhalt anschaulich vermittelt. Anmerkungen und Literaturverzeichnis laden zur vertiefenden Lektüre ein.
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79 von 85 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Auf einen Blick,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise. (Taschenbuch)
Bernd Senf ist mit dem vorliegenden Buch eine einmalige Übersicht über die bestimmenden Sichtweisen in der Wirtschaftsgeschichte gelungen. Angefangen bei den Physiokraten des 18. Jahrhunderts, die den Absolutismus ideologisch untermauerten - kurios. Dann wird die Klassik anhand Adam Smith erläutert. Stichwort: Arbeitsteiliges Wirtschaften und der Wohlstand der Nationen. Karl Marx wird vor allem in Hinblick auf seine Kapitalismuskritik, Arbeitslehre, Mehrwerttheorie und das Wertgesetz betrachtet. Die Neoklassik als Entdecker der Mikroökonmie wird anschliessend analysiert. Was für die heutige politische Diskussion zentral ist, ist die Einführung in Keynesianismus (bis ca. 1980) und Neoliberalismus (seit 1980). Senf zeigt hier deutlich, wie die Konjunkturspritzen von Keynes den Staat nach und nach abhängig gemacht haben und die Staatsverschuldung in die Höhe trieb. Ebenso zeigt er anschliessend, wie sich nach der Theorie von Milton Friedman der monetäre Drogenentzug des Westens vollzieht. Und natürlich vergisst Senf auch nicht darauf hin zu weisen, wer die Entzugserscheinungen zu erleiden hat.All das wäre schon ein gelungenes Kompendium, mit dem auch Laien viel anfangen können, weil der Text verständlich geschrieben ist und mit zahlreichen Grafiken veranschaulicht wird. Aber obenauf enthält das Buch ein Kapitel über die Freiwirtschaftslehre des Deutsch-Argentiniers Silvio Gesell. Wer das Kapitel über Silvio Gesell gelesen hat, wird alles anschliessende mit anderen Augen betrachten. Ich dachte dies sei ein Buch, dass ökonomische Theorien für Non-Checker aufbereitet, aber das ist es nicht(nur). Ich halte "Die blinden Flecken der Ökonomie" für ein Buch, das den Blickwinkel auf die Welt stark verändern kann. Ein weiteres Buch von Bernd Senf - "Der Nebel um das Geld" - sollte man auf keinen Fall vor diesem Buch lesen. Und die Reihenfolge der Kapitel würde ich bei diesem Buch auch sinnvoller Weise einhalten, obwohl die Kapitel nicht zwingend aufeinander aufbauen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
88 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Das genialste VWL-Buch aller Zeiten,
Von Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise. (Taschenbuch)
Was hätte ich für dieses Buch in meiner Studienzeit gegeben. Der Berliner VWL-Professor Senf vergleicht hier die großen Wirtschaftstheorien der Welt - und das auf schlichtweg geniale Art und Weise. Vom Feudalismus über Liberalismus, Marxismus, Neoklassik, Freiwirtschaftslehre, Keynesianismus bis zum heutigen Monetarismus/Neoliberalismus erklärt er alles anschaulich und verständlich, zieht Parallelen und zeigt die jeweiligen Stärken und "blinden Flecken" auf. Interessant ist, wie in der historischen Entwicklung jedes Modell zwar die Schwächen des direkten Vorgängers behebt, aber auch wieder neue beinhaltet. Am Ende kommt er zu dem brisanten Ergebnis, dass der derzeitige globale, "entfesselte" Kapitalismus in seiner derzeitigen Form mit der umfassenden Weltverschuldung zwangsläufig in einem Zusammenbruch enden muss.Man kann und wird Senf kritisieren. Er wird vielen einfach zu undogmatisch und unvoreingenommen sein. Senf baut keine Hybris auf, sondern er will Wissen vermitteln - und er stellt den Menschen in den Mittelpunkt: da wird auch mal die Psychoanalyse herangezogen, um das "rationale Kaufverhalten" der neoklassischen Hauhaltstheorie zu kritisieren. Doch genau diese ganzheitliche Betrachtungsweise ist das Geniale. Kritik oder Widerstand in subtilerer Form wird durch das Großkapital kommen: Senf kommt zu dem Schluss, dass am "Zinstabu" gerüttelt werden muss. Der Zins wird als die wesentliche Ursache für Verschuldung, Krisen und Armut identifiziert. In allen Preisen der Welt ist er wie eine Steuer vertreten und sorgt für eine stete Umverteilung von Arm nach Reich. Dieser Effekt soll über das geplante multilaterale Abkommen für Investitionen (MAI), der "Lizenz zum Plündern", nochmals verschärft werden. Fazit: Wer VWL studiert oder wer die Wirtschaftskrisen unserer Welt besser verstehen will, bekommt dieses Wissen hier erstklassig vermittelt. Und wer noch kein Globalisierungsgegner ist, hat gute Chancen, es nach der Lektüre zu werden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Aus Sicht eines Schülers:,
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise (Broschiert)
Viele Rezensionen beschreiben bzw. geben den Inhalt des Buches wider. Deswegen beschränke ich mich auf das Wesentliche und lasse diesen Part der Rezension weg, da schon so gut wie alles hier auf Amazon zum Inhalt gesagt wurde.Vielmehr sollte die Rezension Schüler ansprechen, da ich selbst noch einer bin. Ich mache demnächst Abitur, interessiere mich für gesellschaftliche Zusammenhänge, Politik und eben 'Wirtschaft'. Wobei ich dieses Fach nie in der Schule gehabt habe, oder geschweige denn daheim irgendwelche VWL-Bücher schon gelesen habe. Demnach bin ich ein Laie, der sich sein Grundwissen auf Wikipedia, FTD, Spiegel und Google angeeignet hat, um zumindest etwas zu verstehen. Demnach war "Die blinden Flecken der Ökonomie" mein erstes Wirtschaftsbuch. Ich kann es jedem Schüler bzw. Laie empfehlen, denn Bernd Senf umschreibt zum Großteil spezifische Fachwörter, die man als Laie nicht verstehen kann, und benützt stattdessen 'normales' Deutsch, um die verschiedenen Theorien zu erklären. Gerade die blinden Flecken einer Theorie schreibt er in einem verständlichen und klaren Deutsch, sodass wirklich jeder Laie es versteht. Die eigentliche Meisterleistung ist eigentlich, dass das Buch bis zuletzt spannend bleibt. Vielmehr löste es einen weiteren 'Wissendrang' in mir aus, um mehr über den 'Zins' - den eigentliches "Krebs unserer Gesellschaft" - zu erfahren. Genau das wollte das Buch ja bezwecken. Bei mir hat es das Buch jedenfalls geschafft. Weitere Bücher zum Thema Zins und Wirtschaft stehen schon an... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Sehr verstaendlicher Ueberblick ueber Wirtschaftstheorien,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise. (Taschenbuch)
Endlich ein Buch das einen guten und leicht verstaendlichen Ueberblick (auch fuer Nichtoekonomen)ueber die wichtigsten Wirtschaftstheorien (Physiokratie,Klassik, Marxismus, Neoklassik und Keynesianismus)und deren Schwaechen, gibt. Angenhem ist Herr Senfs Faehigkeit, die Sachen auf den Punkt zu bringen, und auch recht komplizierte Sachverhalte (Klassische Arbeitswertlehre z.B.) ohne unnoetige Mathematik zu zeigen. Dies gelingt ihm durch die Benutzung von interessanten Graphiken die fuer ein Wirtschaftsbuch sehr innovativ sind. Er zeigt keinen grossen Respekt vor der Mathematik, die ja oft in den Wirtschaftswissenschaften dazu benutzt wird, den Eindruck von Objektivitaet zu geben, wo es ja im Grunde um sehr handfeste Oekonomische Interessen und deren Verteidung geht. Auch die grossen Namen der Wirtschaftstheorien (z.B. Keynes, Milton Friedman) und deren sehr kompliziert wirkenden Theorien werden sehr gut beschrieben und deren Schwachpuntke aufgezeigt. Einzig die Frage nach der funktionsweise einer Geldwirtschaft ohne Zinsmechanismus fehlt in diesem Buch. Ich hoffe es gibt eine Fortsetzung...
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Nur für BEHERZTE: ein Ansporn zum Nach- und Umdenken !,
Von Said Huber (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise. (Taschenbuch)
Bernd Senf's rhetorisch brillant formulierte Beschreibung der Stärken und Schwächen gängiger Wirtschaftstheorien ist als Pflichtlektüre nur denjenigen zu empfehlen, die noch zu offenem Denken fähig sind und auch bereit sind, "ohne Zorn und Eifer" für selbstverständlich gehaltene Erkenntnisse in Frage zu stellen. Dieses Meisterwerk mag zwar vielen Fachökonomen (und sicherlich allen Hohepriestern des "totalen Marktes" bzw. den "Cheflogikern" der als Fortschritt gefeierten Globalisierung) die Haare zu Berge stehen lassen. Denn Bernd Senf verlässt mit seiner wissenschaftlich fundierten und leicht nachvollziehbaren Darstellung die Bahnen konventioneller ökonomischer Schriftstellerei mit Lichtgeschwindigkeit, und er schreibt ungeachtet allfälliger schwarzer Löcher, welche seine professorale Reputation aufzusaugen drohen, unerschrocken dem Ruf seines Gewissens folgend all das, was er denkt und fühlt, ohne aber in unsachliche Polemik zu verfallen! Und das macht seine - aus tiefstem Herzen und aus echter Sorge um die Zukunft der Menschheit (insbesondere der Armen) - vorgetragenen Betrachtungen um so lesenswerter ... vielleicht auch gerade weil Bernd Senf ein didaktischer Quantensprung gelingt, indem er uns eine der wesentlichen (materiellen) Ursachen gegenwärtiger Wirtschaftskrisen hautnah vor Augen führt, so dass uns des Pudels Kern leibhaftig erscheint - und zwar als Dämon mit Engelsgesicht.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Hervorragendes Buch,
Von Davidov (Lübeck) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise. (Taschenbuch)
Ich bin Schüler eines Gymnasiums und sehr an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert. Als mir beim Stöbern in der Bücherei dieses Buch zufällig in die Hände fiel, begann ich sofort zu lesen und war begeistert. Bernd Senf führt den Leser durch die Ideengeschichte der Ökonomie, stellt verschiedene Theorien vor, indem er sie 1. in den historischen Kontext stellt, 2. ihre Theoriegebäude vorstellt und 3. diese auf Schwachstellen abklopft. Das alles geschieht auf einem sprachlich verständlichen Niveau, das den Leser nie überfordert und das alle Zusammenhänge gekonnt beschreibt. Dem Verständnis des Inhalts ganz besonders dienlich sind die vielen Abbildungen, die die wesentlichen Zusammenhänge graphisch aufarbeiten und einen guten Überblick geben. Es reicht tatsächlich aus, sich die verschiedenen Abbildungen anzuschauen, um sich den Inhalt zu vergegenwärtigen. Das klappt mühelos und macht stundenlanges Suchen und Nachlesen unnötig. Respekt!Selbstverständlich erhebt der Autor keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und wer sich mit den verschiedenen Theorien genauer auskennt, wird hier und da einige Details bzw. Zusammenhänge vermissen, doch für den verhältnismäßig unbelesenen Leser bietet Bernd Senf den optimalen Einstieg in die Materie der Ökonomie. Und auch für den vorgebildeten Leser ist es spannend, die Theorien so kompakt und reflektiert zu betrachten. Außerdem gewährt Senfs Kritik an den einzelnen Theorien gelegentlich auch für den Profi neue Einblicke. Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch. Absoluter Kauftipp für jeden ökonomisch interessierten Leser! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Wirtschaftstheorie verständlich erklärt,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie. Wirtschaftstheorien in der Krise. (Taschenbuch)
Irgendwie kommt es einem seltsam vor, dass trotz steigender Produktivität die Erde sich nicht in eine Paradies verwandelt ...Bernd Senf erläutert sachlich und unterhaltsam die wesentlichen Theoriegebäude, auf denen unser Wirtschaftssystem aufgebaut ist. Dabei werden Altmeister wie Adam Smith, Karl Marx oder John Maynard Smith zitiert. Jede dieser Theorien hat ihre Schwächen, die blinden Flecken, die Senf wunderbar herausarbeitet. Am Ende des Buches wird unser derzeitiges System erläutert, welches freien Handel mit minimalsten Einschränkungen zur Maxime erklärt. Dieses System (basierend auf der Globalisierung) klingt in der Theorie verlockend, führt aber zu beängstigenen "Nebenwirkungen". Das vorliegende Buch ist ein hervorragender Einstieg in die Thematik "Kapitalismus" und regt zum Weiterlesen an, ich kann es jedem Interessierten empfehlen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Endlich mal Klarheit,
Von Dragon364 (Mainz, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise (Broschiert)
Ich finde das Buch sehr interessant. Endlich wird ein großes Stück Klarheit in volkswirtschaftliche Zusammenhänge gebracht. Das haben bisher unsere renommierten Medien nicht geschafft, obwohl ich viel lese (Zeit, Spiegel, Süddeutsche, ...) wahrscheinlich haben sie auch gar kein Interesse dran.Ich finde es sehr gut, dass die wichtigen ökonomischen Glaubensrichtungen nüchtern bewertet werden. Es wird mir bewußt, wie sehr auch wir in unseren doch so freien, demokratischen Demokratien indoktriniert sind. Früher dachte ich, Ideologien seien etwas was nur in totalitären Staaten vorkommt. Es ist erschütternd, sich seiner eigenen Dummheit Schritt für Schritt bewusst zu werden. Bei uns ist die Indoktrination nur wesentlich subtiler und geschickter. Erschütternd finde ich auch, dass offensichtlich an den Unis das Studium der Volkswirtschaftslehr nicht wirklich wissenschaftlich behandelt wird, sondern mehr Glaubensbekenntnisse mit einem pseudowissenschaftlichem Gewand sind. So zumindest wird es vom Autor dargestellt. Ich kenn in diesem Bereich allerdings den Lehrbetrieb aus eigener Erfahrung nicht, da ich mehr aus der naturwissenschaftlichen Ecke komme. Die aktuelle Politik sehe ich jetzt auch in einem anderen Licht. Mir wird klar, dass wir Bürger für noch viel dümmer verkauft werden, als wir es ohnehin die ganze Zeit annehmen. Ich bin nicht Fachmann genug, um Bernd Senf wirklich beurteilen zu können. Wahrscheinlich hat er auch seine blinden Flecken, wie jeder Mensch. Die Art und Weise Kapitalismus, Marximus, Liberalismus, Monetarismus etc, darzustellen, hat mir gut gefallen. Die (kritische) Lektüre seines Buches kann ich nur empfehlen, für mich war es eine große Bereicherung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
99 von 130 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Loblied auf Silvio Gesell und die Freiwirtschaftslehre,
Von s2711a (Singapore) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise (Broschiert)
Eine dringende Warnung vorweg: Senf ist nicht der objektive Zeitzeuge, der als neutraler Beobachter dem Leser verschiedene Lehren nahebringt. Er wäre es gern, ist es aber nicht.Senf ist glühender Gesell-Anbeter, Sympathisant von Marx, traumatisierter Hasser der Neoklassiker, Verächter des Liberalismus, praktizierender Jünger von Siegmund Freud und Wilhelm Reich, alles das jedoch nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge. Seine Methode ist gekennzeichnet von subtiler Manipulation: er sucht den Leser erst auf ein oder zwei Seiten mit tendenziellen Urteilen für seine eigene Sichtweise zu vereinnahmen, bevor er im folgenden die eigentliche Lehre dann weniger manipulativ, aber keineswegs objektiv darstellt. Deswegen kann ich Senfs Buch unter keinen Umständen dem Anfänger oder unbedarften Leser empfehlen, weil er hier ideologischen Voreingenommenheiten genauso ausgesetzt wird, vor denen Senf auf scheinheilige Weise warnt. Senfs Absicht ist es, den Leser für EINE, nämlich die von ihm kniefällig verehrte Lehre von Gesell, einzunehmen. Seine didaktische Aufbereitung der von ihm dargestellten Lehren ist sehr gut und erwächst aus (zum Zeitpunkt der Abfassung des Buches) 30 Jahren Lehre an einer Fachhochschule. Senf hat aber selbst drei gravierende blinde Flecken, die sein Buch entscheidend entwerten: 1. Das völlige Verschweigen der österreichischen Schule (Menger, Mises, Hayek), 2. Das völlige Ausblenden der Prinzipien des Goldstandards, des fiat money und fractional banking moderner Zentralbanken, die auf praktisch nur einer Seite (Seite 248), und dann auch noch verzerrt, Erwähnung finden, und dann auch nur zum Zwecke der Stärkung einer seiner Thesen, 3. Das völlige Fehlen von David Ricardos Lehre der komparativen Kostenvorteile. Sie ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Lehren der Ökonomie und das ganz besonders in Hinblick auf den Prozeß der Globalisierung. Sie wird aber überhaupt nirgendwo erwähnt, geschweige denn analysiert. Die Gründe für diese (absichtliche) Blindheit sind schnell gefunden: 1. Die Antworten und Lösungen der österreichischen Schule sind wesentlich überzeugender und erprobter als die der Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells. Der Schutz von Privateigentum ist eine der tragenden Säulen der österreichischen Schule. Der wird aber bei der Freiwirtschaftslehre wegen der obligatorischen Geldentwertung, wie sie Gesell vorschlägt, de facto mit Füßen getreten: automatisierte Geldentwertung ist eine Form der Enteignung und damit von Sozialismus. Dieser Konflikt würde allerdings der von Senf so verehrten Freiwirtschaftslehre den Glanz nehmen und wird daher gänzlich ausgeblendet. 2. Der Goldstandard hat weltweit jahrhundertelang Bestand gehabt und während dieser Zeit als stabilisierendes Element gewirkt, während externe Einflußfaktoren (Manipulation von Schrot und Korn der Münzen, fractional banking) zu Krisen geführt haben. Dagegen nimmt sich das '"Wunder von Wörgl"' als lokales Währungsexperiment 1932-33 in einer Provinz Österreichs mit noch nicht einmal 15 Monaten Dauer als ein sehr schwaches Gegenbeispiel aus. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise kann auf relativ einfache Weise (Ockham''s Razor folgend) auf das fractional banking der Zentralbanken als Ursache zurückgeführt werden. Nach der Lehre der österreichischen Schule stellt sich ohne äußere Eingriffe aufgrund von Angebot und Nachfrage ein natürliches Zinsniveau ein, das dann eine natürliche Wirtschaftsentwicklung zuläßt. Dieses natürliche, aber letztlich stabilisierende Ringen der Kräfte von Angebot und Nachfrage wird nun durch die Eingriffe von Zentralbank oder Staat entscheidend gestört. Der Grund für den Abfluß von Kapital in die USA Anfang der 1930er ist daher auch nicht im Goldstandard zu suchen, wie Senf uns weismachen will, sondern in der mit 30% viel zu geringen Kapitaldeckung aufgrund des fractional banking (S.248). Hätte es eine 100%ige Kapitaldeckung gegeben, wären auch nicht diese dramatischen Mengen an Kapital abgeflossen. Senf erklärt nirgends in diesem Buch die fundamental wichtigen Mechanismen des fractional banking. Das ist ein Versäumnis, das sich vielleicht (ich spekuliere!) aus der unausgesprochenen Aufforderung des Autors erklärt, zu diesem Zweck doch bitte sein anderes Buch '"Der Nebel um das Geld: Zinsproblematik - Währungssysteme - Wirtschaftskrisen. Ein Aufklärungsbuch"' zu kaufen, wo der wissenshungrige Leser all seine Fragen beantwortet bekommt. Ich halte von solchen Taschenspielertricks gar nichts, weil es sicher nicht dazu beiträgt, Vertrauen beim Leser in die Redlichkeit des Autors aufzubauen. 3. David Ricardos Lehre ("Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteuerung") ist bekannt als Paradox, weil ihr Ergebnis der Intuition zuwider läuft. Sie besagt, daß Handel zwischen zwei Ländern in jedem Fall beiden größeren Wohlstand beschert als Nicht-Handel, ganz unabhängig vom wirtschaftlichen Entwicklungsstand und Preisniveau in den betreffenden Ländern. Eine solche Lehre läuft allerdings Senfs eigenen Überzeugungen zum Thema Globalisierung und seinen Absichten zur ideologischen Manipulation des Lesers zuwider. Daher blendet er sie völlig aus. Des weiteren: Senf stellt zwar die Grundzüge von Adam Smiths Liberalismus ("Der Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen") didaktisch elegant aufbereitet dar, versäumt es aber, dessen Errungenschaften im historischen Kontext angemessen zu würdigen. Smiths Werk verdient Respekt allein schon aus der Tatsache heraus, daß es unter feudalistischer Herrschaft geschrieben und auch veröffentlicht wurde. Ideologisch befrachtet wirft er Smith vor, den Arbeiter zum '"Ausbeutungsobjekt der kapitalistischen Produktionsweise zu degradieren"' (S. 33). Von da an ahnt der Leser bereits, wohin die Reise geht. Das übergewichtige Kapitel über Marx ("Das Kapital") bestätigt diese Vermutung. Bei Smith beklagt Senf, 'die "Frage nach Dominanz und Abhängigkeit'" und damit auch '"die Frage nach möglichen Herrschaftsstrukturen'" würden 'verdrängt' (S. 34). Das klingt so, als sei Smith stark hinter Senfs Erwartungen an ihn zurückgeblieben. Solche Äußerungen lassen Senf als etwas arrogant daherkommen. Max Planck hat schließlich auch nicht die Relativitätstheorie '"verdrängt"', es bedurfte eben eines Nachfolgers wie Einstein, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Wir begegnen diesem "'Verdrängen"' allerdings oft in diesem Buch, was auf den starken Einfluß Siegmund Freuds auf Senf hinweist. Unter dem Kapitel zu Adam Smith stellt Senf auch einen direkten Bezug seines Liberalismus zur Gegenwart her, an sich eine gut Idee. Hier wird der Leser mit einer Tirade auf Negativfolgen des Kolonialismus des 20. Jahrhunderts beglückt. Für eine ausgewogenere Darstellung dieser Problematik sei dem Leser die Lektüre von '"The Elusive Quest for Growth: Economists Adventures and Misadventure in the Tropics"' von William Easterly wärmstens empfohlen. Wer dann mit einer Darstellung und Analyse von David Ricardos Lehre der komparativen Kostenvorteile rechnet '- nach Adam Smith vom Zusammenhang her eine logische und natürliche Fortsetzung '-, wartet vergeblich. Seine zynische Kritik an der Pseudowissenschaftlichkeit der Neoklassiker in Hinblick auf deren Präferenztheorie mag berechtigt sein (S. 128: "'Indifferenzkurven - die neoklassische Phantasie von menschlichen Bedürfnissen"'). Allein die Lektüre des Anfangs von Ludwig Mises'' "'Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel'" hätte Senf da enttraumatisieren können - würde er nur die österreichische Schule als wichtige Entwicklungsstufe der Ökonomie anerkennen. Mises schreibt unter der Überschrift '"Die Unmöglichkeit der Messung des subjektiven Gebrauchswertes der Güter"': "'Der Wertungsakt ist jeder Messung unzugänglich."' (S. 11). Bei Senf bieten sich dem Leser stattdessen seitenweise Klagen gegen das komplette Fallenlassen der von Marx entwickelten und daher ach so wertvollen Mehrwerttheorie. Senf will nicht anerkennen, daß sich Ökonomen in unterschiedlichen Epochen unterschiedlichen Fragestellungen zugewandt haben: Er wundert sich, "'...daß nach den Hintergründen der Entstehung des Einkommens nicht gefragt wird. Sie wird erst einmal als gegeben angenommen, obwohl diese Frage höchst brisant ist und auch in der klassischen Ökonomie und bei Marx eine wesentliche Rolle gespielt hat.'" (S. 134) Geschichte bewegt sich mit eben eher mit dem Rösselsprung und nicht wie ein Turm beim Schach. Paradigmenwechsel im Sinne von Thomas S. Kuhns "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" scheinen Senf daher entweder fremd zu sein oder nicht in sein Konzept zu passen. Seine Voreingenommenheit zugunsten von Marx und Gesell zieht sich durch das ganze Buch: es drängte sich der Eindruck auf, der Autor wolle schnell mit Smith fertig werden (38 Seiten), um sich dann ausgiebig Marx (59 Seiten) und Gesell (48 Seiten) widmen zu können. Der Monetarismus Milton Friedmans ("Kapitalismus und Freiheit"), sicher umstritten, aber nichtsdestoweniger eine der einflußreichsten und damit diskussionswürdigsten Wirtschaftslehren der letzten 50 Jahre, darf sich dagegen mit 27 Seiten begnügen. Dabei nutzt er die Gelegenheit zu einem Rundumschlag: '"Nach und nach verliert der Staat auf diese Weise immer mehr an politischen Einflußmöglichkeiten, um soziale und ökologische Ziele zu verfolgen und überläßt das Feld zunehmend den privaten Kapitalinteressen.'" (S. 267) Solche Äußerungen klingen in höchstem Maße unglaubwürdig in Anbetracht einer Staatsquote von 53%, der höchsten seit der Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren. Alles in allem: für Anfänger als Einführung nur sehr bedingt geeignet, solange sie sich der Prä-Selektion (welche Lehre Senf dem Leser vorstellen will und welche nicht), der ideologischen Befrachtung und der damit einhergehenden Indoktrination bewußt sind. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise von Bernd Senf (Broschiert - 22. August 2007)
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