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69 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das löwenmähnige Gras
Es gibt hier schon viele gute Rezensionen zu "Abbitte", so dass es meiner eigentlich nicht mehr bedarf, aber ich habe dieses Buch vor über einem Jahr gelesen und es geht mir nicht aus dem Kopf und immer wenn ich daran denke, habe ich dieses eigenartige flaue Gefühl im Magen, eine Art von Sehnsucht, wie es manchmal passiert, wenn man einen literarischen Schatz...
Veröffentlicht am 23. Januar 2009 von Ophelia

versus
2.0 von 5 Sternen Gute Idee
Die Idee zu Abbitte ist spannend. Ein 13-Jähriges Mädchen verändert mit ihrer Aussage das Leben von drei Menschen. Die Macht der Lüge, der Phantasie, der Leidenschaft.
Die erste Hälfte des Buches handelt nur von jenem schicksalhaftem Tag. Es zieht sich. Man muss sich zwingen, nicht aufhören zu lesen. Man will endlich wissen, was...
Vor 23 Tagen von Alexandra Brück veröffentlicht


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69 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das löwenmähnige Gras, 23. Januar 2009
Von 
Ophelia (Helsingör) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
Es gibt hier schon viele gute Rezensionen zu "Abbitte", so dass es meiner eigentlich nicht mehr bedarf, aber ich habe dieses Buch vor über einem Jahr gelesen und es geht mir nicht aus dem Kopf und immer wenn ich daran denke, habe ich dieses eigenartige flaue Gefühl im Magen, eine Art von Sehnsucht, wie es manchmal passiert, wenn man einen literarischen Schatz gehoben hat. Solche Schätze, die einen auch noch lange nach dem Lesen beglücken, findet man selten und deshalb habe ich das Bedürfnis, etwas zu schreiben und vielleicht sogar jemanden zu animieren, das Buch zu lesen.

Dies ist eine Geschichte mit den alten großen Themen: Liebe, Vergänglichkeit und Schuld. Eine Geschichte, in der erzählt wird, wie sich das Leben zweier Familien für immer verändert: An einem einzigen heißen Sommertag, durch einen tragischen Vorfall, die unglückliche Verkettung von Umständen und nicht zuletzt durch eine Lüge.
Faszinierend ist der Schreibstil und die Atmosphäre die das Buch ausstrahlt. Die ersten zwei Drittel des 544 seitigen Buches erzählen von den Begebenheiten dieses einen heißen Sommertages 1935 auf einem Landgut vor London, und alles findet fast in Echtzeit statt. Man spürt die erdrückende Hitze, die willkommene Kühle im Haus und die seltsame Gespanntheit, die auf allen Personen, die sich hier bewegen, zu lasten scheint.

Drei Geschwister: Da ist die dreizehnjährige Briony Tallis, schwer in der vorpubertären Phase steckend und am Anfang ihre Schriftstellerei stehend. Ihre ältere Schwester Cecilia, die in den Collegeferien nach Hause gekommen ist und sich plötzlich gegenüber Robbie, dem alten Freund aus Kindertagen, befangen fühlt. Der große aber unreife Bruder Leon und sein Schokoladenfabrik-Freund Paul, den er als Gast mitbringt.
Und eben dieser Robbie, der uneheliche Sohn der Köchin, der zusammen mit den drei Geschwistern aufgewachsen ist. Er und Cecilia stoßen an diesem Tag bei mehreren denkwürdigen Begebenheiten aufeinander und entdecken bis zum Abend, dass sie sich nicht verabscheuen, sondern lieben.
Schließlich die Mutter Mrs Tallis, die wenig glücklich verheiratet und immer überspannt ist, sowie deren pubertierende Nichte Lola und die zwei Neffen, 10-jährige Zwillinge, die zusammen aufgrund der bevorstehenden Scheidung ihrer Eltern auf dem Landsitz der Tante den Sommer verbringen müssen.
Briony schreibt an ihrem ersten Theaterstück und beobachtet vom Fenster aus eine seltsame "Brunnenszene" zwischen Cecilia und Robbie, wo Cecilia sich so gut wie nackt zeigt. Schockiert und erschreckt, kann sie diese Szene zwar instinktiv irgendwie "erotisch" interpretieren, aber in ihrer Kindlichkeit noch nicht in ihr "normales" Weltbild einordnen. Irritiert beobachtet Briony weitere seltsame Dinge....

Nun wird aus den Begegnungen und den kleinen Ereignissen, dieses Tages, mithilfe der unterschiedlichen Perspektiven, und zeitlich gekonnt verschachtelt, ein Bild gewoben, das sehr plastisch und eindringlich ist. Sogar die Mutter, die mit schwerer Migräne bewegungslos im abgedunkelten Schlafzimmer liegt, deutet die Aktivitäten im Hause in dem Sie die Geräusche auf ihre Art interpretiert. Einzigartig diese Schilderung!
Was mir auffiel ist, dass die Hitze dieses Tages nicht nur ein Begleitumstand ist, sondern fast als Ursache für jene Ereignisse erscheint, die auf dem Landsitz der Tallis ihren fatalen Lauf nehmen. Etwas Unerhörtes liegt in der Luft. Zunächst passiert jedoch nur wenig... Die kleinen Begebenheiten, deren Sinn sich erst später entschlüsseln wird, reihen sich aneinander, bis das Unerhörte tatsächlich passiert.
Ein plötzlicher krasser Break und der Leser befindet sich abrupt mitten im Geschehen an der Front des zweiten Weltkriegs. Dieser relativ kleine Abschnitt verdeutlicht die Schrecken des Krieges, in einer Eindringlichkeit, wie ich es selten gelesen habe. Die Erzählung pendelt nun zwischen Robbies Kriegserlebnissen und Briony Geschichte, die mittlerweile als Krankenschwester im Lazarett in London "abbitte" leistet. Auch der Prozess, ihrer Entwicklung zur Schriftstellerin wird hervorragend vermittelt und, ein Geniestreich, in die Geschichte verwoben. Ich will nicht zuviel verraten nur: Genial wie Ian McEwan dies eigefädelt hat!
... und ganz am Ende erwartet den Leser eine plötzliche Wendung, die sowohl verblüfft, als auch sehr betroffen macht. Ich hatte danach das Bedürfnis den Roman sofort, in diesem neuen Licht, das der Schluss auf ihn wirft, gleich noch mal lesen zu wollen.

Fazit: Ian McEwan gelang hier ein großer Roman über Schuld und Sühne. Einige bezeichnen das Buch als langweilig, da es wenig Action besitzt und sehr langsam ist. Mich hat es atemlos gemacht und ganz in seinen Bann gezogen! So unterschiedlich kann man es wahrnehmen. Es ist trotz seines Anspruchs, sehr leicht zu lesen, lasst Euch nicht abschrecken! In allem liegt eine Traurigkeit über das Vergängliche und die Liebe, welche die Menschen verbindet. Und es ist einfach eine herzzereisende Lovestory zwischen Cecilia und Robbie!
Ich kann mich nur tief verneigen vor Ian McEwan und diesen großartigen Stück Literatur!
Lesen!

Ach, ja: Lasst Euch auch die Verfilmung nicht entgehen: Abbitte Der Film von Jo Wright ist gut gelungen, denn eigentlich galt das Buch als un- bzw. nur schwer verfilmbar da alles aus verschieden Blickwinkeln und Zeitperspektiven erzählt wird. Dies hat der Film mit filmischen Mitteln meisterhaft umgesetzt und auch die lastende Hitze und die Überspanntheit der großen Eingangssequenz grandios in Szene gesetzt. Auch wenn er nach der erstem Filmhälfte etwas an Qualität verliert.
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65 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Emotional anspruchsvoll, 9. September 2007
Von 
Wolfgang Stroebl (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
"Abbitte" ist sicherlich einer der besten Romane von Ian McEwan geworden, ein sprachlich meisterliches Werk über Menschen, die um ihr Lebensglück schuldlos betrogen werden.
Dennoch gestehe ich - und da stehe ich im Vergleich zu meinen Vorrezensenten ziemlich allein da - : ich habe mir das Lesevergnügen hart erarbeiten müssen. Lange klingt der erste Teil wie ein betulicher englischer Gesellschaftsroman, die Schilderung einer trägen Festgesellschaft auf einem britischen Landsitz, gefiltert durch die pubertären Empfindungen einer überspannten 13-jährigen. Sanft und sehr, sehr langsam wird die Katastrophe dieses Sommerabends dramaturgisch vorbereitet.
Der zweite Teil ist dann das Kontrastprogramm: eine auch sprachlich beinharte und schnörkellose Schilderung des Rückzugs der britischen Soldaten in Nordfrankreich im Zweiten Weltkrieg. Auch der dritte Teil bleibt in dieser Zeit: Briony, die weibliche Hauptperson arbeitet in einem Krankenhaus, das verwundete Soldaten betreut. Im unaufgeregt angefügten Epilog schließt sich dann der erzählerische Kreis; erst dann wird klar, dass all die verschiedenen Stimmungen des Romans ein kluges dramaturgisches Stilmittel waren.
Ich habe die Lektüre in weiten Strecken weder besonders spannend noch entspannend gefunden. McEwans Sprachgewalt hat mich geradezu niedergedrückt; für meine Bedürfnisse macht der Roman auch zu viele Worte. Phasen des Stillstands und der existentiellen Not wechseln ab - der Leser wird emotional ziemlich gefordert. Aber: es zahlt sich aus, sich auf "Abbitte" einzulassen, wenn es auch - auf seine Weise - ziemlich harte Kost ist.
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39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wunderbares, bewegendes Buch, 21. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Abbitte. SPIEGEL-Edition Band 9 (Gebundene Ausgabe)
Was kann ich als Leser über ein solches Buch schreiben, ohne es in die eigenen Unzulänglichkeiten, mit Worten umzugehen, hinab zu ziehen?

Die Beschreibung der Protagonisten ist psychologisch absolut stimmig und einfühlsam wieder gegeben. Hier die pubertierende "Heldin" des Buches mit ihrer kindlichen Einbildungskraft, ihrer trotzigen Hartnäckigkeit und des letztendlichen Unvermögens, ihre falsche Beschuldigung, die das Unglück zweier Menschen heraufbeschwört, zurück zu nehmen und das eigene Leben für immer prägen wird. Dort die Unsicherheit und Verwirrung zweier junger Menschen, aus deren Kinderfreundschaft auf einmal Liebe geworden ist. Die dieses Glück, der eben erst gewonnenen Liebe nicht leben können und allein gelassen sind in ihrem Kampf gegen das, was nun über sie herein bricht und sie über Jahre in verzweifelte Sehnsucht und Isolation stürzen wird. Dies alles berührt zu tiefst, ohne dabei je sentimental und kitschig zu werden.

Der Leser wird gerade in der ersten Hälfte des Buches so in die Handlung hinein gezogen, als wäre er selbst als stiller Beobachter an jenem Sommertag auf dem Landsitz zugegen. Und nicht nur das, er fühlt, lebt und leidet mit und fühlt sich ebenso hilflos wie diejenigen, über die das Unheil herein bricht. - Das Unheil, das sich fortsetzt in den schockierenden Ereignissen des 2. Weltkriegs.

Dies ist ganz große Erzählkunst, eine gut erzählte Geschichte, ganz in der klassischen Tradition englischer Literatur. Ich habe dieses Buch mit großer Begeisterung gelesen. - Und es gibt zum Schluß nur Eines zu sagen: Unbedingt lesen!!!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vergeben und vergessen oder?, 26. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
In guten Büchern bedarf es eines kleinen Anstosses, um das Leben der Menschen darin zum Einsturz, zur Umkehr oder Bestätigung zu bringen. Daß die dreizehnjährige Briony imstande ist, dies durch eine unwahre Behauptung zu schaffen, indem McEwan uns behutsam auf den Punkt hin führt, an dem wir erschüttert danebenstehen und zusehen müssen, mit welch kindlicher Naivität sie ihre Macht über das Leben anderer ausübt, gehört zu den einfühlsamensten Erzählpassagen der letzten Jahre.

In Büchern wie Der Zementgarten hat der Autor bereits bewiesen, wie scharf umrissen er die Verwirrungen der Kindheit zu beschreiben versteht. Weniger überzeugend der Erste Weltkrieg, den hätte es nicht gebraucht, auch wenn McEwan auch hier zu erzählen versteht.

Der wiederum gelungene Schluß hingegen, indem eine gealterte Briony auftritt, besitzt viel von der Ironie, die Ian McEwan seinen Romanen manchmal unterzieht. Ein lesenwertes Buch mit zwei, drei Schwächen, es gibt nicht viele Romane, die das von sich behaupten können.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen einfach wunderbar !, 13. Mai 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
ich muss sagen, es ist schon lange her, dass mich ein buch so gefesselt hat!
die art zu schreiben hat mir sehr sehr gut gefallen , vor allem diese realistischen beschreibungen der geschehnisse im krieg oder auch einer migräne .
ich konnte mich noch nie so gut in die personen hineinfühlen, wie bei diesem buch !
ich bin richtig traurig, es schon ausgelesen zu haben : )
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schuld und Sühne, 23. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Abbitte. SPIEGEL-Edition Band 9 (Gebundene Ausgabe)
Ian McEwan ist einer der größten zeitgenössischen Schriftsteller. Daran gibt es für mich nach der Lektüre meines dritten McEwan-Buches (nach Saturday und On The Beach) keinen Zweifel mehr. Wo finden sich tiefere und eindrücklichere Einblicke in die englische Seele des zwanzigsten Jahrhunderts ? Wer schafft es sonst noch, mit solcher Sprachgewalt und Präzision alltägliche, ja banal anmutende Konstellationen zu skizzieren und aus diesen dann Dramen zu entwickeln, die in ihrer grundlegenden Bedeutung auch dem klassischen Griechenland zur Ehre gereicht hätten?

Es stimmt ja, leicht zu lesen ist er nicht immer. Auch in "Abbitte" muss man sich über weite Strecken "durchbeissen". Dafür wird man aber mit vielen Seiten belohnt, die einen stärker fesseln als jeder mir bekannte "Thriller". Und das ist es, was McEwan für mich so einmalig macht: Er ist ein Meister darin, tiefe und starke Emotionen zu transportieren. Dostojewskij's "Schuld und Sühne" ließ mich kalt, zu weit weg war dieser Raskolnikoff für mich, als dass ich mich mit seinen seelischen Nöten hätte identifizieren können. Dass McEwan es schafft, dass mich die Schuld, welche ein dreizehnjähriges Mädchen auf sich lädt, viel tiefer berührt, zeigt seine große Meisterschaft.
Unbedingte Empfehlung für alle, die sich für wirklich große Literatur begeistern können. Und in der bekannt guten Spiegel-Ausstattung dazu noch ein Preistipp. Wer etwas überdurchschnittlich Englisch versteht sollte aber die Originalversion lesen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswerter Roman, 17. August 2009
Von 
margret hale (irgendwo zwischen Hamburg und München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Abbitte, 6 Audio-CDs (Audio CD)
Ian McEwans Roman ist einer der Romane, die auf mich bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Seine Sprache ist so schön und bildhaft, ohne langweilig, aufgesetzt oder angestrengt literarisch zu wirken. Sein Schreibstil fesselt ungemein und lässt die Emotionen der Protagonisten lebendig werden.
Ein eindrucksvoller Bilderreigen um Dinge, die Bestandteil von so vielen Leben sind: Liebe, Schuld, Vergebung.
Dieses Buch bereichert und fesselt ungemein!!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein überwältigendes Werk!, 24. Oktober 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
Ich habe das Buch gelesen, als der Film in die Kinos kam - und war absolut begeistert. Ian McEwan schreibt unglaublich detailliert, in einem sehr langsamen Erzähltempo. So nimmt der erste Teil, der den schicksalhaften Nachmittag und Abend im Jahr 1935 beschreibt, allein 266 Seiten ein - von denen keine einzige überflüssig ist. Nur wenige Autoren bringen dieses Kunststück fertig.
Die Umgebungen werden sehr genau beschrieben, sodass man die Orte stets quasi vor sich sieht, aber vor allem ist es das Innenleben der Charaktere, das vom Autor geradezu seziert wird. Der Leser erhält sehr intime Einblicke in Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Motivationen der Charaktere. Es wird deutlich, dass der Autor meint, was er schreibt; in vielen Facetten der Charaktere dürfte sich der ein- oder andere Leser wiederfinden.

Was mir außerdem deutlich aufgefallen ist: Ian McEwan urteilt nicht (oder zumindest so gut wie nicht), sondern beschreibt nur. Das macht ihn frei von stereotypen Charakterbildern oder Beschönigungen. So kann man auch als Leser unvoreingenommener an die Geschichte herantreten.

Mein Fazit: Dieses Buch ist wahrscheinlich eines der besten, die ich bisher gelesen habe, und es wird sicherlich nicht mein letzter Ian McEwan bleiben. Ich kann es absolut empfehlen. Es sollte aber klar sein, dass es sich hierbei nicht gerade um leichte Kost handelt. Wer einfach ein wenig Unterhaltung sucht, wird sich von der Detailfülle und auch der Thematik des Buches womöglich erschlagen fühlen. Wer allerdings gern Bücher liest, die zum Nachdenken einladen und im Gedächtnis haften bleiben, der sollte "Abbitte" lesen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anspruchsvoller und bewegender Roman, 26. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
An einem heißen Sommertag spielt die 13-jährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen", lautet die Inhaltsangabe des Buches, und den gesamten ersten Teil habe mich gefragt, was genau damit gemeint sein soll.

Die ersten 250 Seiten des Romans sind unheimlich langatmig. Es wird immer wieder die gleiche Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, die jedoch kaum Handlung enthält. Man fragt sich, worauf dieses Buch hinaus möchte und wann endlich etwas passiert. Dies ändert sich schlagartig im zweiten Teil. Das Buch entführt den Leser auf einen Kriegsschauplatz nach Frankreich, wo nicht nur das brutale Kriegsgeschehen dargestellt wird, sondern der Leser auch erfährt, dass der Protagonist Robbie Turner aufgrund einer Falschaussage Brionys drei Jahre im Gefängnis verbracht hat. Als ob dies nicht schon tragisch genug ist, befindet er sich nun mitten im Krieg in Frankreich, während seine Geliebte, Briony's Schwester Cecilia, auf ihn wartet.

Interessant ist, wie der Autor aus einem banalen, zunächst langweiligen Sommertag eine so dramatische Geschichte entwickelt. Durch - wie es scheint - schicksalhafte Zufälle und die Naivität einer Dreizehnjährigen entwickelt sich die ganze Tragik des Romans, in der Briony einen Unschuldigen eines furchtbaren Verbrechens anklagt und damit die gemeinsame Zukunft zweier Menschen zerstört.

Im dritten Teil des Buches erlebt man Briony als angehende Krankenschwester, die im Krankenhaus in London Kriegsopfer zu versorgen hat - und mit ihren Schuldgefühlen zu kämpfen hat. Auch hier wird die Brutalität des Krieges, die Verletzungen und Gefühle der Soldaten, schonungslos geschildert. Es ist bedrückend, dies zu lesen und ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, ich brauche eine Pause, um das Gelesene zu verarbeiten.

Der Schreibstil von Ian McEwan ist grandios. Jedes seiner Worte scheint peinlich genau ausgewählt zu sein und beschreibt stets hervorragend das Geschehene. Selten hatte ich ein so klares Bild der Ereignisse vor dem geistigen Auge und selten ging mir ein Buch so nahe. Es fühlt sich an, als wäre man als Leser mittendrin und erlebt alles aus nächster Nähe mit.

Das Buch ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch keine leichte Kost, doch es lohnt sich, durchzuhalten und die bewegende Geschichte zu Ende zu lesen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk, 12. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Abbitte (Taschenbuch)
Abbitte ist eines der besten Bücher von McEwan. Es ist zwar weniger abgründig als andere seiner Bücher, aber nichts desto trotz gibt es auch in diesem Buch Abschnitte, die von dem für McEwan typischen unterschwelligen Bedrohungsgefühl geprägt sind. Dies wird besonders im ersten Teil deutlich, der meisterlich die Ereignisse eines Tages aus sicht unterschiedlicher Charaktere beleuchtet. Der anschließende Bruch kommt unerwartet und wechselt den Stil. Mit dem dritten Teil folgt ein weiterer Bruch. Dadurch folgt das Buch dem Leben unterschiedlicher miteinander interagierender Figuren, um so gekonnt Themen wie Schuld und Vergebung zu thematisieren.

Ich möchte allerdings nicht behaupten, den tieferen Sinn des Buches verstanden zu haben. McEwans Bücher zeichnen sich meiner Meinung nach in erster Linie durch präzise und glaubwürdige Charakterzeichnungen aus und thematisieren häufig schicksalsbestimmende Schlüsselsituationen im Leben der unterschiedlichsten Menschen. Er inszeniert diese aber stets subtil und feinfühlig, so dass der Schrecken zwar erwartet, aber deshalb nicht geschmälert wird (s. "Der Trost von Fremden"). Packende und fesselnde Romane, die man nicht mehr aus der Hand legen kann, schreibt McEwan nicht. Dafür behält man Sie meist lange in guter Errinerrung, da man Figuren aus Romanen selten so nahe kommt und versteht, wie bei McEwan. Seine Figuren reagieren nicht auf die Situationen, die ihnen ein konstruierter Plot anbietet, sie haben eigene Gedanken, sind nicht selten gebildet und immer stets selbst Motor der Geschichte. Die Bandbreite an Figuren, die Mcwan glaubhaft hervorbringt ist immens. Ich bin ein Fan geworden und lege es jedem nah sich auf McEwans Bücher einzulassen, obwohl Sie leider vielen Lesern zu grenzwertig oder gar langweilig erscheinen.
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Abbitte. SPIEGEL-Edition Band 9
Abbitte. SPIEGEL-Edition Band 9 von Bernhard Robben (Gebundene Ausgabe - 9. Oktober 2006)
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