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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster und faszinierend, 4. Mai 2014
Von 
Andreas Schröter "Andreas Schröter" (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Gebundene Ausgabe)
Einen düsteren und faszinierenden Lesesog mit den Zutaten Drogenkonsum, sexuelle Begierde, Gewalt, aber auch so etwas wie Liebe entwickelt der 590-Seiten-Wälzer „Morphin“ des polnischen Schriftstellers Szczepan Twardoch.

Der Roman, der im polnischen Original 2012 mit dem renommierten Polityka-Passport-Preis ausgezeichnet worden ist, spielt im Oktober 1939 in Warschau. Die Stadt ist nach der polnischen Kapitulation eine Stadt im Besatzungszustand. Einer ihrer Bewohner ist der wankelmütige und morphinsüchtige Ulanen-Leutnant Konstanty Willemann. Er fühlt sich hin- und hergerissen zwischen der Prostituierten Salomé und seiner Familie mit Frau Helena und einem kleinen Sohn. Auch für einige andere Frauen interessiert er sich. Außerdem ist Konstanty väterlicherseits Deutscher und spricht die Sprache des Besatzers perfekt. Das macht ihn interessant für eine Widerstandsgruppe, in deren Auftrag er in der Uniform seines Vaters eine Reise in ein vom Krieg bislang unbehelligtes Budapest unternimmt.

Diese Budapest-Episode bietet einen interessanten Kontrast zu den Kapiteln davor und danach, die im düsteren, teils zerstörten und besetzten Warschau spielen. Die negativen Charaktereigenschaften Konstantys scheinen wie weggeblasen. Er verliebt sich in seine Reisebegleiterin Dzidzia und erlebt ein paar Tage voller Glück. Das legt die Deutung nahe, dass Twardoch seinen Helden nicht allein verantwortlich für sein Handeln sieht. Auch die äußeren Umstände sind es, die die Menschen zu dem machen, was sie sind.

Der 1979 geborene Autor bedient sich einer sehr rauen, direkten Sprache und schreckt auch vor Gossenausdrücken nicht zurück. Das passt zur dunklen Gesamtatmosphäre des Buches und zum Thema. Twardoch bedient sich außerdem einer nicht näher beschriebenen allwissender Figur, die eine Art Begleiter, ein Engel oder ein Schatten Konstantys ist und sich immer mal wieder in Ich-Form einschaltet. Das und die Eigenart Twardochs, immer wieder unvermittelt Ereignisse aus der Vergangenheit der Figuren in den Erzählfluss einzubauen, machen die Lektüre nicht unbedingt zu einem leichtgängigen Lesevergnügen – man muss sich schon ein wenig konzentrieren. Ein Aufwand, der sich insgesamt aber unbedingt lohnt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch hat mich verschlungen ..., 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Gebundene Ausgabe)
... nicht umgekehrt!
Selten hat mich ein Roman so mitgerissen. Rein gezogen. Alle Sinneseindrücke ringsum abgeschaltet.
Eine dichte Sprache, wie ich sie selten finde. Immer nah an den Menschen dran. Verstörend die Beschreibung des Lebens des Protagonisten Konstanty. Einen widersprüchlicheren Menschen kann ich mir kaum denken. Nicht nur die Zerrissenheit des Polen und Deutschen in einer Brust. Oder seine sexuellen Eskapaden. Ein Leben von Rausch zu Rausch. Mut, Güte und Niedertracht in einer Person. Ein Dandy noch mitten im Untergang. Auch wenn er sich noch so mieses verhält: Man zittert um ihn, kann ihm nicht wirklich böse sein, will ihn behüten. Wie sein Dämon (oder ein Engel?), der ständig um ihn ist. Ihn gerne retten würde.
Mich fasziniert, dass der Autor das Buch fast so authentisch wie ein Tagebuch geschrieben hat. Nur viel spannender. Mit sehr detailreicher Sachkenntnis der historischen Zusammenhänge. Der Autor hat zahllose Details eingestreut, die einen mitten in das Leben einer untergehenden Stadt zieht. Ich bin gespannt auf sein nächstes Buch!
Was mich etwas irritiert hat: In den Text wurden diverse Begriffe und Redewendungen, die in der Jetztzeit spielen und nicht in den historischen Kontext passen. Konnte man damals wirklich schon Cappuccino trinken? Wurde 1939 wirklich etwas "geschreddert"? Dennoch: Das mindert die Qualität des Buchs in keiner Weise!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (K)Ein polnischer Held, 25. April 2014
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Kindle Edition)
Die polnische Literatur ist nicht gerade ein Bereich, in dem ich mich auskenne. Außer Szczypiorskis "Die schöne Frau Seidenman" fällt mir spontan kein polnisches Buch ein, das ich gelesen habe. Umso eindrucksvoller hat sich nun Szczepan Twardoch ins Rampenlicht und auch in meine Aufmerksamkeit geschrieben. "Morphin" ist einer der bemerkenswertesten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Ich frage mich immer, wie ein 1979 geborener Schriftsteller wie Twardoch so authentisch über eine Zeit lange vor seiner Geburt schreiben kann. In diesem Fall die Zeit nach dem deutschen Überfall auf Polen, der den Beginn des 2. Weltkrieges bedeutete. Das ist auch nicht dasselbe, wie das fiktive Schreiben über die Antike oder das Mittelalter, denn diese Zeiten kennt niemand mehr aus eigener Erfahrung. Egal, wie er das macht, er macht das vorzüglich.

Warschau ist der Schauplatz des größten Teils der Handlung, wie gesagt, kurz nach der Übernahme durch die Deutschen im September 1939. Die Hauptfigur und Ich-Erzähler ist Konstanty Willemann, ein 30jähriger Lebemann halb deutscher, halb polnischer Abstammung, der vom Geld lebt, das ihm seine mittlerweile 70jährige Mutter, die er "weiße Adlerin" nennt mit ihrem Hang zur Mystik und zum Esoterischen, aus dem ererbten Vermögen zusteckt. Und er lebt nicht schlecht. Verheiratet ist er mit Hela, einer Frau, die ihn nicht liebt, die beherrscht und pflichtbewusst ist, fast ein wenig asexuell, geprägt durch ihren Vater, einen Nationaldemokraten, der Konstanty hasst. Mit Hela hat er auch einen kleinen Sohn. Seine Zeit verbringt er aber lieber in Cafés und Bars und bevorzugt bei Salomé, auch Sala genannt, einer polnisch-russisch-jüdischen Edelhure, die seine Vorliebe für Drogen, Morphin und Kokain, teilt und ihn Kostia nennt.

"Alles durch das Morphin. Das Fläschchen ist nicht voller Güte und Glück und Regenbogen. Das Fläschchen ist voller Flucht, Verrat und Bösem. Das Fläschchen, das bei Salomé auf mich wartet - darin wohnt nur der Dämon." Konstanty erkennt sehr wohl die Gefahr der Droge, der er sich zu entwinden versucht. Als Offizier der Reserve spielt er im Krieg keine große Rolle, übernimmt aber im Verlaufe der Handlung Verantwortung, indem er sich mit Uniform und Pass zu seinem verloren geglaubten, nur sechzehn Jahre älteren Vater macht, er im Krieg sein Gesicht und seine Männlichkeit verloren hat. Konstanty macht sich auf den Weg zu einer undurchsichtigen Mission nach Budapest, gemeinsam mit der geheimnisvollen Dzidzia. Quer durch die zerstörten Länder Polen, Tschechien und der Slowakei, hinein ins nahezu unveränderte Ungarn.

Auch Iga, die Frau seines Freundes Jacek, und seine erste Geliebte, spielt eine weitere Rolle bei Konstantys Suche nach sich selbst, die das Hauptmotiv des Romans ausmacht. "Ich weiß nicht, wer ich bin" sagt Konstanty noch auf den letzten Seiten leise zu sich selbst. Und dann: "Weiß nicht, wer ich bin, außer dass ich Konstanty Willemann bin, was so viel heißt wie, dass ich ich bin." Und so teilt er das Schicksal seines Heimatlandes, das nach der Übernahme durch die Deutschen auch nicht mehr wissen kann, wer oder was es ist.

Ein unglaublich intensiver Roman mit einem Protagonisten, der fern erinnert an die Hauptfigur Max Aue in Jonathan Littells Sensationsroman "Die Wohlgesinnten". Man weiß als Leser nie, mag man diese Figuren oder verabscheut man sie. Sie verkörpern eine Ambivalenz und Zerrissenheit, die einfaches Schwarz-Weiß-Denken verunmöglicht. Nicht nur für begeisterte Littell-Leserinnen und -Leser eine unbedingte Empfehlung!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig mit kleinen Unschärfen, 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Gebundene Ausgabe)
Großartiges Buch mit kleinen sprachlichen Ungenauigkeiten. Damals gab es unseren postmodernen Slang ("Wie jetzt?") noch nicht. Cappuccino gab es in Budapest vielleicht als österreichischen Kapuziner. Strumpfhosen werden hin und wieder erwähnt, aber dieses Kleidungsstück kam erst in den 50er Jahren auf. Jedenfalls in der im Buch gemeinten Form. Man weiß nun nicht, ob schon das polnische Original diese am Ende doch nicht sehr störenden Unschärfen enthält oder ob der Übersetzer seinen Anteil daran hatte. Zuständig für solche Korrekturen sind die Lektoren, ob polnisch oder deutsch. Wie auch immer, ein großartiges Buch!
vistran
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch..., 4. August 2014
Von 
mozart-factory (Kesswil, Thurgau, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Kindle Edition)
...das mich im letzten halben Jahr gepackt hat. - Seit einigen Jahren kenne ich Polen, bereise ich vor Ort und in der Literatur dieses Land. Morphin ist ein Blick auf Polen und Europa, in dem gestern und heute, sprachlich - noch in der Übersetzung genial, - ohne Tabu und falsche Rücksichten miteinander verknüpft werden. - Twardoch ein Literat in der Verwandtschaft von Bruno Schulz ein Sprachkünstler eigener Art.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk, 23. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn manchmal zu sexistisch, insgesamt von der Sory her und sprachlich ein Meisterwerk, wohl auch in der deutschen adäquaten Übersetzung
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11 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leseempfehlung!, 15. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Morphin (Gebundene Ausgabe)
Auch in der Übersetzug ein sprachliches Feuerwerk eingebettet in einen spannenden historischen Hintergrund. Schroffe, fordernde, reiche auch obzöne Sprache. Zu recht preisgekrönt. Eine Leseempfehlung!
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Morphin
Morphin von Szczepan Twardoch (Gebundene Ausgabe - 7. März 2014)
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