wintersale15_finalsale Hier klicken Jetzt Mitglied werden Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More madeinitaly Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV

Kundenrezensionen

3,6 von 5 Sternen5
3,6 von 5 Sternen
Format: Gebundene AusgabeÄndern
Preis:19,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Ausgewogen: Mythos Wagner und Mythos Bayreuth halten sich so ziemlich die Waage in Udo Bermbachs gut lesbarem, weitgehend neutralem Buch MYTHOS WAGNER. Rückblick, Bilanz, Kurzbiographie (zu Wagner) und Bestandsaufnahme "Bayreuther Festspiele" -- das alles ist in diesen gut 300 Seiten zu finden. Ca. ein Drittel des Buchs ist dem Thema Bayreuth nach Wagners Tod gewidmet ("Ein Mythos wird braun eingefärbt").

Der Autor Bermbach behandelt diesen gesamten Themenkomplex nüchtern und sachlich (und nicht so selbstverliebt wie dies Martin Geck in seinem Wagner Buch macht), und trägt eben nicht (zusätzlich) zum MYTHOS WAGNER bei, wie eine große überregionale Zeitung in ihrer Besprechung dieses Buchs meinte.

Man liest mit großem Interesse die Geschichten vom Jahrhundert-Ring 1976, wie Jubler und Bravo-Schreier von den Gegnern der Aufführung mit Stöcken und Schirmen attackiert wurden. Unvorstellbar heute.

Udo Bermbachs Buchs eignet sich durch seine sachliche Art auch für Wagner-Einsteiger, die noch kein, bzw. nicht viel, Vorwissen mitbringen.

( J. Fromholzer )
0Kommentar5 von 6 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Juni 2015
Es erscheint äußerst sinnig, vom "Mythos Wagner" zu sprechen. Zum einen speisen sich Richard Wagners musikalische Dramen (zum Teil) aus mythischen (oder mythenhaft verklärten) Stoffen. Zum anderen gibt es kaum einen anderen Künstler, dessen Leben und Wirken eine so breite, umfassende Resonanz hervorgerufen haben. Wagners Schaffen hatte (und hat) musik- und literaturgeschichtliche Folgen; Wagners Ideen hatten ästhetizistische und politische Effekte. Wagners Lebensgeschichte ist tausendfache erzählt, idealisiert, verbrämt worden. Um Richard Wagner ranken sich glanzvolle Legenden. Die Person ist ein Mythos.

Da muss man die Veröffentlichung von Udo Bermbachs Buch - "Mythos Wagner" - eigentlich begrüßen. Denn der Politikwissenschaftler Bermbach möchte erklären, wie es zur Wagnerschen Mythenbildungen kommen konnte: Warum wurde gerade Richard Wagner derart hochstilisiert? Wieso nahm Wagners Überhöhung rasch so bedenkliche Ausmaße und Formen an? Woher rührt die vermeintliche Nähe von NS-Faschismus und Wagner-Kult?

Udo Bermbachs Analyse beginnt mit einer Darstellung der Selbstinszenierung und -stilisierung Richard Wagners. Bermbach beschreibt, wie Wagner sich zum "Meister" wandelte. So dienten z.B. auch fotografische Porträtaufnahmen (und ihre Gestaltung) dem "Prozess der Mythisierung des 'Meisters'" (S. 27). Einen Gipfelpunkt erreichte dieser Prozess - zu Wagners Lebzeiten - mit der Uraufführung des "Parsifal": Sie markierte "das endgültige Aufgehen des Mythos Wagner im Mythos Bayreuth" (S. 216). Dieser Mythos Bayreuth entwickelte - so sagt Bermbach - nach Wagners Tod ein Eigenleben, das ihn (auf Betreiben des Kreises um Cosima Wagner) mehr und mehr in die Peripherie rechtskonservativer Gruppierungen rückte.

Dabei ist es erstaunlich und bezeichnend, dass Udo Bermbach sich (fast ausschließlich) auf Richard Wagners theoretische Schriften und (abstrakte) reformatorische Ideen konzentriert. Natürlich sind musikwissenschaftliche Analysen nicht das Metier eines Politologen. Aber bei Richard Wagner (und seiner Gesamtkunst-Konzeption) wirkt nun mal alles zusammen: Theorie, Dramenentwurf, Handlung, Musik, Präsentation. Gerade bei der quasi-sakralen Meister-Mythisierung des Bayreuther Kreises spielten die musikalischen Dramen eine wesentliche Rolle. Doch ein Leser, der Bermbachs "Mythos Wagner"-Buch unvoreingenommen liest, könnte leicht zu dem Schluss gelangen, dass Wagner hauptsächlich theoretisiert, agitiert, propagiert (und nicht gedichtet, komponiert) hat. So kommen nicht nur Unvollständigkeiten im gesamtbildlichen Großen zu Stande; auch im erzählerischen Kleinen gibt es unbefriedigende konzeptionelle Lücken. Bermbach bemerkt beispielsweise (ganz richtig), dass das Werk "Tristan und Isolde" lange als "unaufführbar" (S. 96) galt. Aber wie kam es zu diesem Verdikt? War das Drama zu lang? Zu laut? Zu kompliziert? Das verrät Bermbach nicht.

Zudem ist es frappierend, wie selektiv Udo Bermbach (bei aller Konzentration auf die Wagner-Schriften) vorgeht. Den sogenannten "Zürcher Kunstschriften" widmet Bermbach breiten Raum. Und mit scheinbarer Gewissenhaftigkeit bemerkt er, dass man die antisemitische Publikation "Das Judenthum in der Musik" zu diesen Kunstschriften "eigentlich noch [...] hinzurechnen muss" (S. 75). Leider kommt diese Bemerkung einem akademischen Lippenbekenntnis gleich, dem keine analytischen Taten folgen. Bermbach paraphrasiert die unbedenklichen, progressiven Wagner-Schriften (z.B. "Das Kunstwerk der Zukunft", "Oper und Drama") mit bemerkenswerter Detailverliebtheit. Die problematischen, fragwürdigen Meister-Ergüsse (z.B. auch haarige Passagen in den Spätschriften) lässt Bermbach unerwähnt.

Nur weil Udo Bermbach weglässt, was ihm nicht passt, stellt sich die nationalsozialistische Wagner-Vereinnahmung als gänzlich ungerechte und völlig fehlgeleitete Sache dar. Bermbach vermittelt den Eindruck, das originäre Wagner-Weltbild habe praktisch gar keine Anknüpfungspunkte für die NS-Ideologie geboten. Bermbach behauptet, Wagner sei im NS-System heillos gegen den Strich gebürstet worden. Der Mythos sei - gleichsam von außen und von oben - "braun eingefärbt" (S. 255) worden. Aber nur weil die theoretischen Wagner-Darstellungen in "Mythos Wagner" (leider) ausgesprochen tendenziös sind, kann Bermbach kategorisch postulieren, dass der NS-Kontext Wagners "ursprünglichen Intentionen strikt zuwiderlief" (S. 263). Jeder Interessierte, der "Das Judenthum in der Musik" einmal gelesen hat, weiß: So einfach ist die Angelegenheit leider nicht.

Darüber hinaus enthält "Mythos Wagner" einige Fehler, die man in einer gut lektorierten (und von einem ausgewiesenen Experten verfassten) Wagner-Abhandlung nicht erwarten würde. Richard Wagners Schrift "Eine Mitteilung an meine Freunde" wird mal "Die Mittheilung an meine Freunde" (S. 75), mal "Mittheilungen an meine Freunde" (S. 82) genannt. Richard Wagner hat das Haus Wahnfried nie "seine 'Nibelungenkanzlei'" (S. 157) genannt - sondern er prägte den Begriff in einem ganz anderen Kontext. Das berühmte Schiller-Gedicht heißt natürlich "An die Freude" - es heißt nicht "Ode an die Freundschaft" (S. 244). Und der (in der Wagner-Literatur) viel zitierte Brief, in dem sich der Schreiber beklagt, Wagner wisse und glaube nicht, "wie er anstrengt", stammt vom Komponisten Peter Cornelius - er stammt nicht, wie Bermbach behauptet, von "Hans von Bülow" (S. 31).

So hinterlässt "Mythos Wagner" einen eigentümlichen Nachgeschmack. Udo Bermbach möchte erklären, warum (und inwiefern) Richard Wagner zum mythischen Giganten avancieren konnte. Vordergründig bezweifelt er, dass "der Mythos [...] erneut beschworen und zum Leben erweckt werden kann" (S. 313). Aber in Wahrheit zeigt Bermbach zuvörderst, wie sinnig es noch heute ist, vom "Mythos Wagner" zu sprechen. Denn indem Bermbach das zweifelhaft-schönfärberische Wagner-Porträt eines linksgerichteten Proto-Demokraten zeichnet (der dem völkisch-nationalistischen Milieu geradezu antithetisch gegenüber- und entgegensteht), arbeitet er an einem politisch korrigierten, zeitgemäßen Wagner-Mythos. Udo Bermbach zeigt (nolens volens): Die Wagner-Mythologie floriert. Auch sein "Mythos Wagner" wirkt mythenbildend.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juni 2013
Über den alten Wagner existieren viele Mythen. Zum einen der immer wieder in den Ring geworfene Antisemitismus, der Missbrauch seiner Werke bis heute durch irgendwelche braun eingefärbten Ideologen und auf der anderen Seite seine Genialität als Reformer des Musiktheaters.

Bernbach schafft es auf unterhaltsame Art, genau diese Mythen zum Teil zu relativieren und schärft den Blick auf Wagner als Person der Zeit- und Musikgeschichte. Dabei fällt auf, das der ganze Mythos um seine Person weniger von ihm selbst, als von all den Menschen um ihn herum ausgeht. Speziell die sog. "Wagnerianer" tun ihriges dazu, um diesen Mythos zu erhalten. Losgelöst davon kann man aber nach der Lektüre seine Musik wieder genießen und das ist doch die Hauptsache.
0Kommentar4 von 9 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Januar 2014
Den emeritierten Hamburger Politologen und Ideengeschichtler Udo Bermbach interessiert Wagner nicht als Opernkomponist, sondern als Mythos. Den Ausdruck „Mythos Wagner“ verwendet er dabei so, wie man auch vom „Mythos Marylin Monroe“ spricht, also schwammig, undefiniert und vage.

Bermbachs zentrales Argument lautet: Wagner war kein Opernkomponist, sondern der Schöpfer einer gewaltigen Ideologie, die den Menschen mit den Widersprüchen des Kapitalismus im 19. Jahrhundert und dem nachlassenden christlichen Glauben versöhnen sollte. Zentrum und Symbol dieses, aus Sicht Bermbachs irrationalen, antidemokratischen und rassistischen Gedankengebäudes, ist das Bayreuther Festspielhaus, wo Leben, Lehre und Schöpfung Wagners ihre Weihstätte fanden und finden. Nun ist an dem durchaus etwas dran, nur macht das a) nicht den ganzen Wagner aus und b) kann man ihm das schlecht vorwerfen. Wagner war nämlich weder ein politischer Diktator noch ein Kriegsverbrecher noch ein Wärter in Auschwitz, sondern ein Opernkomponist, viele würden sagen: einer der größten aller Zeiten. In Wagners Leben und Musik spielt die Ideologie eine Nebenrolle, in Bermbachs Buch jedoch spielen Ideologie und Ideologiekritik die Hauptrolle - mit dem Komponisten und Libretistten Wagner hat das ganze Buch deshalb nur noch am Rande zu tun.

Es wäre völlig undenkbar, daß ein musikalisch so vollkommen unwissender Autor wie Bermbach ein Buch über Bach, Mozart oder Beethoven schriebe – nur bei Wagner, da scheinen andere Maßstäbe zu gelten, da darf man das anscheinend. Hätte Bermbach so, wie er dieses Buch geschrieben hat, eine Verdi- oder Tschaikowski- Biographie verfaßt, die Kritiker hätten ihn in der Luft zerrissen wegen Inkompetenz, Einseitigkeit oder schlicht wegen Themaverfehlung.

Nur bei Wagner, da glaubt einer wie Bermbach, sich das leisten zu können, weil über Wagner ja der Unstern des Antisemitismus steht (was kein ernsthafter Wagner-Biograph bestreitet), da denkt ein Autor dann, hier könne er sich alles erlauben.

Bermbach hegt eine herzliche Abneigung gegen Wagner und das ganze Bayreuther Getue, begründet seine Ressentiments jedoch nie, weil er vermutlich annimmt: Der anständige Leser denkt wie ich. Den Wagner-Kult der Nationalsozialisten findet Bermbach ganz besonders widerlich, weshalb er froh ist, daß in Bayreuth nach 1947 der ganze germanische Kram mit seinen Bärenfellen, Flügelhelmen und Speeren von der Bühne gefegt wurde, die seitdem groß, leer und vermeintlich ideologiefrei vor sich hingähnt.

Bemerkenswert ist, daß Bermbach, der die unterstellte Bayreuther Deutschtümelei ja vehement ablehnt, selber offensichtlich nur Deutsch kann, weil er in seinen mageren Anmerkungen (19 mickerige Seiten; kein Literaturverzeichnis, kein Register) ausschließlich deutsche Sekundärliteratur zitiert und deshalb auf die großen fremdsprachigen Wagner-Bücher (die Wagner deutlich positiver sehen) komplett verzichten muß. Von Musik versteht Bermbach rein gar nichts, also kommt sie im Buch auch nicht vor - und zwar nicht mit einer einzigen Note.
44 Kommentare4 von 15 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Oktober 2013
sollte sich mit Wagner beschäftigen. Dies hier ist ein übersichtliches Buch, das sehr informativ ist. Man möchte ja nicht gleich Musik studieren um eine Wagner-Oper genießen zu können. Das Buch hier reicht für den interessierten Laien voll und ganz.
0Kommentar1 von 6 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden