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am 30. Juli 2009
Prokrastination ist eine Volkskrankheit der gebildeten Stände - die einfachsten Aufgaben und Tätigkeiten werden vor sich hergeschoben, anstatt sie zu erledigen, sei es die Steuererklärung, der Abwasch oder die Arbeit an dem großen Roman, den man schon so lange schreiben wollte. Während das Thema früher eher peinlich war und deshalb die Aufschieber mit schlechten Gewissen zu Hause vor dem leeren Blatt oder der vollen Spüle saßen, ist es mittlerweile in den Blickpunkt von Psychologen und Ratgeber-Autoren gerückt.

Die meisten dieser Bücher versuchen, aus den notorischen Prokrastinierern einigermaßen disziplinierte Menschen zu machen. Ganz anders das Buch von Lobo und Passig - sie zeigen mit viel Humor, dass man sich durchaus zu seinem Dasein als Aufschieber bekennen kann, um entspannter und glücklicher zu leben.

Da aber der Abwasch trotzdem gemacht werden muss, geben sie viele kleine, aber ungemein hilfreiche Tipps, wie man aus der einen oder anderen Aufschiebe-Falle entkommen kann. Einige dieser Ratschläge sind etwas befremdlich, doch viele sind erfrischend pragmatisch und intelligent, weshalb sie eine höhere Chance auf Nachahmung haben als viele Programme zum besseren Zeit- und Selbstmanagement, die andere Autoren anbieten.

Ein bisschen verklären die Autoren schon ihren eigenen persönlichen Lebensstil zum allgemeingültigen Prinzip. Sascha Lobo hat dies bereits in seinem erfolgreichen Buch "Wir nennen es Arbeit" gemacht, in dem die "digitale Bohemie" gefeiert wurde. Dieser Lebensentwurf ist allerdings schwer zu verwirklichen, wenn man nicht gerade wie die Autoren irgendwo in Berlin Mitte, Friedrichshain oder Prenzlauer Berg lebt, wo die Mieten billig sind und die Cafes auch am frühen Abend noch Frühstück servieren.

In "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin" ist diese Mitte-ist-die-Mitte-der-Welt-Weltsicht aber mit viel Selbstironie verpackt, weshalb man das Buch auch außerhalb des U-Bahnnetzes der BVG lesen kann.
33 Kommentare91 von 96 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 2. Dezember 2008
Bekehrende Ratgeberlektüre à la Simplify your Life sind nicht die Sache von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Und doch ist ihnen mit Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" ein Ratgeber gelungen, der aktuell breite Aufmerksamkeit findet. Die beiden Autoren, die nach eigenen Aussagen den schwarzen Gürtel im Verschieben" von Aufgaben haben, liefern zahlreiche Hintergründe und Sichtweisen zur Prokrastination, so der Fachbegriff (kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet das Aufschiebeverhalten von Menschen). Das über weite Strecken süffisant geschriebene Buch stellt zahlreiche Beispiele vor, mit welchen Schwierigkeiten Menschen zu kämpfen haben und zeigt Strategien, wie man die Probleme lindern kann, indem man sich etwa zahlreichen Verpflichtungen einfach entzieht. Die Autoren gehen übrigens davon aus, dass ein Großteil der Prokrastinierer" erst unter Zeitdruck Leistung vollbringen kann - und dann richtig gut ist. Das ist eine Erkenntnis, die vielen bekannt vorkommen dürfte... Kurz gesagt: Zusammenreißen" und gute Vorsätze sind für Menschen, die zur Prokrastination neigen, in der Regel keine Lösung. Auch die reine Ursachenforschung bringt nicht viel. Wertvoll sind daher Tipps, wie man gar nicht erst in die Verlegenheit gerät, Dinge aufzuschieben. Hier nur einige davon...

>> Dinge gar nicht erst anschaffen, die man im Haushalt aufräumen, säubern, pflegen und gottweißwas muss - und was zu viel ist: weggeben/wegwerfen
>> Verträge für Fitness-Studios gar nicht erst unterschreiben
>> Andere dafür beschäftigen, was man selbst nicht gut kann: Belege sortieren oder Putzen etwa
>> Sich von Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, glaubhafte Deadlines setzen lassen

Natürlich ist die Bandbreite der Menschen, die unter dieser krassen Form von Aufschieberitis leiden, enorm und reicht von dem einen, der nur mal eine Mail nicht beantwortet bis zu Leuten, die jahrelang ihre Rechnungen nicht öffnen. Bestimmt kann sich fast jeder mal an der einen oder anderen Stelle im Buch wieder finden. Und das gibt dann die gute Gewissheit: Man ist nicht alleine mit dem Problem. Andere kennen es auch. Und die schaffen es sogar, ein ganzes Buch darüber zu schreiben. Das sich sogar - für ein Sachbuch - sehr unterhaltsam liest. Hut ab!

Wie heute schon fast üblich, gibt es auch ein Blog zum Buch mit immer wieder neuen Infos zum Thema, Tipps, Tricks sowie Fundstücken aus dem Internet: [...]
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am 24. Februar 2009
Wer kennt sie nicht nicht, jene individuell verschieden stark ausgeprägte Angewohnheit, wichtige Aufgaben bis zum letzten Drücker vor sich her zu schieben und die eigentlich reichlich vorhandene Zeit mit allerhand Beschäftigungen zu verbringen, die nicht selten mit MySpace, YouTube oder schlichtem Einkaufengehen zu tun haben? Im Fachjargon als Prokrastination bezeichnet, beschäftigt sich das Buch mit genau diesem Phänomen. Mit ziemlich hohen Erwartungen bin ich an seine Lektüre herangetreten, da ich einerseits selbst davon betroffen bin und sich andererseits einer der Verfasser, Sascha Lobo, auch als Schreiber des Buches "Wir nennen es Arbeit" auszeichnet, welches mich wiederum mit starker Begeisterung erfüllte. Gleich zu Beginn legen die beiden Autoren ihre Ziele offen: Sie wollen keinen Weg aus diesem Zustand heraus aufzeigen und die Prokrastination beseitigen. Vielmehr möchten Sie einige Ratschläge geben, wie man damit besser umgeht und trotz seiner Angewohnheit, alles erst auf den letzten Drücker zu erledigen, die Dinge geregelt kriegt. Auf den folgenden Seiten entfaltet sich eine bunte Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema und eigenen Interpretationen der Autoren. Am Ende eines jeden Kapitels findet sich stets ein augenzwinkernder kleiner Katalog von konkreten Ratschlägen. Daneben wird der Text immer wieder durch verschiedene Erfahrungsberichte aufgelockert, die mich teilweise zum herzhaften Lachen gebracht haben, etwa wenn der Autor Lobo berichtet wie er es über Monate nicht schafft, seinen abgeschleppten Wagen wieder zu beschaffen.

Insgesamt ein sehr humorvolles Buch in kreativer, kurzweiliger Schreibe. Eine gewisse akademische Note ist würzend beigemischt und nicht weiter störend. An manchen Stellen wird der lifestyle der Prokrastination etwas zu sehr glorifiziert. Andererseits ist dieses aus-der-Not-eine Tugend-machen ja ausgemachtes Ziel der beiden Autoren. Zwar bin ich nicht ganz so begeistert wie von "Wir nennen es Arbeit", was daran liegen mag, dass ich trotz eines gewissen Hangs zum Hinausschieben der Dinge doch eher ein produktiver Umsetzungertyp bin. Trotzdem spreche ich an dieser Stelle meine aufrichtige Empfehlung aus!
33 Kommentare57 von 61 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. August 2012
Auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk sprang mir "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" in die Augen. Ich fand den Titel klasse und nahm es mit. Die ersten 100 Seiten begeisterten mich. Ich hatte noch nie einen Ratgeber gelesen, bei dem ich so viel lachen musste. Er ist wirklich unheimlich witzig, gut geschrieben und macht wirklich Spaß (dafür 2 Punkte) - zumindest die ersten 100 Seiten. Dann dämmerte mir langsam, dass ich es "für einen Ratgeber" nur so witzig fand, weil es eigentlich keiner war.

Mit viel Ironie wird das Thema "Prokrastination" (Aufschieberitis) unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Aufschieberitis ist eigentlich ganz normal und natürlich - wir sollten aufhören, uns, dem protestantischen Arbeitsethos gemäß, mit Selbstdisziplin zu geißeln und das ganze mit Humor sehen. So weit so gut. Natürlich ist es sinnvoll, sich erst einmal so zu akzeptieren wie man ist, anstatt einem Idealbild hinterher zu hecheln, das es gar nicht gibt und/oder das einfach nicht zu uns passt. In Ordnung. Grundsätzlich ein guter Ansatz für ein Selbsthilfebuch. Wenne es denn darüber hinaus ginge...

Was der Ratgeber aber im Titel verspricht, nämlich mir beizubrigen, wie ich trotz fehlender Selbstdiziplin mein Leben auf die Reihe bekomme, hält er in keinster Weise. Bei jedem Tipp, den ich dort las, fragte ich mich, ob der nun ernst gemeint oder einfach nur der zynisch humoristischen Erzählweise untergeordnet sein mochte: Sich einfach etwas Unwichtiges vorzunehmen, es dann aufzuschieben und durch das Aufschieben dann irgendwann doch das Wichtige zu erledigen (anstatt sich gleich dem Wichtigen zu widmen, weil ja die Gefahr besteht, dass man es aufschiebt), klingt nicht nur verwirrend, sondern kommt mir eher vor wie eine Leserverarschung.

Gestützt wurde dieser Eindruck dann auf Seite 110: Hier lesen wir unter der Überschrift "10 Dinge, die man ohne schlechtes Gewissen unterlassen kann" unter anderem "Zum Arzt gehen", "Selbstmord begehen", "Ein Testament machen". Von einem Selbsthilfebuch kann ich hier nichts mehr entdecken. Obwohl... wenn wir nicht mehr zum Arzt gehen, und das Prostatakarzinom beherzt ignorieren, dann brauchen wir tatsächlich keinen Selbstmord mehr zu begehen, denn wir sterben so schnell, dass sich auch das Testament erledigt hat.
Hier habe ich eher den Eindruck, dass sich die durch ihre Blogartikel bekannten Autoren für einen schnellen Witz prostituieren... oder auf dem Weg vom Titel zum fertigen Buch irgendwo den Sinn vergessen haben - was bei unorganisierten Menschen schon mal vorkommen kann ;). Aber einem wirklich ernsthaft mit seiner Aufschieberitis hadernden Person zu erzählen, er müsse sich zumindest nicht selbst umbringen - das Sterben geschehe meist ganz von allein - ist schon ziemlich boshaft.

Gefährlich wird es dann sogar bei dem Tipp, Briefe einfach nicht zu öffnen (oder nur alle viertel Jahr). Ist ja durchaus ein Schmunzler, dass sich viele Probleme von allein lösen und die Geldeintreiber im Laufe der Zeit mit der Rückzahlungssumme herunter gehen, aber für Menschen, die gerade durch dieses Verhalten in eine tiefe Schuldenmisere geraten sind, geradezu ein Schlag ins Gesicht - und für alle ernsthaften Prokrastinierer, die noch keine Schuldenberge angehäuft haben, die beste Anleitung, wie man es doch tut. Böse, böse! Und vor allem überhaupt nicht hilfreich.

Zum Ende scheinen sich die Autoren dann doch noch darauf zu besinnen, dass zu einem Selbsthilfebuch auch eine Aufzählung an Verhaltensregel gehört, die aber entweder absolut unbrauchbar sind oder das wiederholen, was andere zum Thema Selbst- und Zeitmanagement schon geschrieben haben.
... und das man sich bei schlauen Vorgesetzten keine blöden Ausreden für die nichterledigten Aufgaben ausdenken sollte, ... na gut, das ist jedem Aufschieber jawohl selbst klar - dazu muss er kein 286 Seiten Werk lesen.

Zusammenfassend lässt sich zu "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" sagen: Wer mit viel Humor und Zynismus auf die eigenen Unzulänglichkeiten blicken und sich bestätigen möchte, dass das alles gar nicht so schlimm ist, für den ist das Buch genau das richtige. Denn eines ist es ganz sicher: unheimlich komisch! Wer aber ein wirkliches Problem hat, mit seiner Persönlichkeitsstruktur in einer absolut durchorganisiserten und auf Effizienz getrimmten Welt klar zu kommen (und das ist ja der durchaus ernste Aspekt dieses eigentlich ernsten Themas), dem hilft dieses Buch kein bisschen!
11 Kommentar20 von 21 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Dezember 2011
Ich habe dieses Buch gelesen, da ich erwog, es im Bekanntenkreis zu verschenken an Menschen, denen Prokrastination zu schaffen macht. So habe ich die einzelnen Abschnitte immer wieder mit dem inneren Dialog abgeglichen: "Was würde Frau X und Herr Y dazu sagen, wenn sie oder er das liest oder geraten bekommt?". Fazit bei fast jedem Kapitel: "Nett. Aber was hat das mit mir zu tun? Nichts! Diese Autoren sind scheint's noch nie in komplexere soziale Zusammenhänge eingebunden gewesen."

Das Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo ist sehr amüsant zu lesen, wenn man es als Kabarettbeitrag zur Arbeitsmoral und zu den Phänomenen moderner Technik liest. Oder auch als Satire auf sonst gängige Ratgeberliteratur. Wären sie dabei geblieben und hätten sie es so vermarktet, so wäre es ein prima Buch geworden. Und auch der Anfang ist vielversprechend, solange es darum geht, die gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge zu beleuchten, unter denen das Phänomen Prokrastination auftritt oder möglicherweise verstärkt wird. Wären die Autoren auf dieser Ebene geblieben und von dort aus in die Tiefe gegangen, so hätte es auch ein gutes Buch werden können. Aber das ist ja eben eines der Probleme des Prokrastinierens, nämlich dass kein Tiefgang und keine echte Analyse oder Hilfestellung erreicht wird. Und so wird diese anfängliche Ebene im Buch ganz schnell wieder verlassen. Dort, wo vielleicht wirklich etwas in den Arbeits- und Sozialstukturen im Argen liegt und geändert werden könnte, reißen die Autoren das Thema nur an, um es dann sofort abzuhaken.

Stattdessen geht's dann in die Welt des vermeintlich Ratgebenden und Individuellen. Die sogenannten Erfolgsbeispiele sind aber derart individuell und begrenzt, dass es nur für äußerst wenige Menschen, die tatsächlich unter Prokrastination leiden, etwas aussagen dürfte. Der Adressatenkreis beschränkt sich eindeutig auf die Welt der Studenten, die Hausarbeiten schreiben müssen, auf Wissenschaftler, Autoren oder Künstler, die individuell Texte schreiben o.ä..

Der sehr viel häufigere Fall der wechselseitigen Abhängigkeit mehrerer Menschen (nicht nur des Prokrastinierers) von den Ergebnissen des eigenen Tuns oder Lassens wird weitestgehend ausgeblendet. Ich gebe den Autoren Recht, dass sehr viel Unnötiges getan wird und auch, dass viele Menschen zu wenig auf ihre seelischen Bedürfnisse Acht geben, sobald es ums Arbeiten und Erledigen von scheinbar Dringendem geht. Doch es gibt in dem Buch keine sinnvollen Hinweise, wie man lernt, das Nötige vom Unnötigen zu trennen, wie man am Erforderlichen Spaß haben kann und wie man die Lust- und Unlustsignale der Psyche nutzt, anstatt sie nur einfach hinzunehmen. Und so reduzieren sich die gegebenen Ratschläge im Kern auf das Ausblenden der Tatsache, dass Menschen in sozialen Zusammenhängen leben und arbeiten und darauf, dass kein Versäumnis so schlimm ist, als dass man seine Konsequenzen nicht auch irgendwie überstehen könnte.

Sieht man sich konkrete Arbeitsbeispiele an, so fallen die luftigen Gebäude des Buches in sich zusammen. Wie ist das z.B. mit dem behandelnden Arzt, vielleicht ein Chirurg, der am OP-Tisch nach dem LOBO-Prinzip feststellt: "Es ist für mich gerade nicht der richtige Moment." Oder: "Ist ja nicht so schlimm, wenn ich die ersten 20 Minuten nochmal was anderes mache und beim Zusammennähen etwas hudele."? Oder im technischen Bereich: Ein Programmierer, der die Deadline für hochsensible Software nicht einhält, weil für ihn noch nicht die richtige Zeit war, verhindert, dass diese Software getestet wird und programmiert indirekt Störfälle.

Als Beispiele für erforlgreiche Übersprungreaktionen nennt das Buch vorzugsweise das Schreiben von Blog-Artikeln. Was aber, wenn am anderen Ende des Netzes die Betreiber gerade der Meinung sind, es sei der richtige Zeitpunkt für Wartungsarbeiten, der Verantwortliche für die Online-Verfügbarkeit müsste jetzt eben mal ein paar Tage prokrastinieren und der Blogger eben solange warten?
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am 30. Juli 2013
Es gibt Typen, die müssen etwas (er)schaffen, am Ende des Tages etwas produziert haben, sich verausgaben, um abends fröhlich und guten Gewissens ausgeglichen schlafen zu gehen. Andererseits gibt es auch Typen wie mich, die darin keinen Sinn erkennen können, denen es keine Befriedigung verschafft etwas zu kreieren, das doch vergänglich ist und die zufrieden sind, wenn sie sich in ihrem Garten wohlfühlen - bei meinem Schwager (Landschaftsgärtner) hängt das Wohlbefinden hier von einem gepflegten Zustand der Pflanzen und des Rasens ab, bei mir davon, ob sich in diesem Garten eine bequeme Sitzmöglichkeit befindet und ob die Bäume genug Schatten an heißen Tagen spenden.

Für wen ist dieses Buch geschrieben?
Eher für Typen wie mich und für deren Verwandte, die kein Verständnis für meine "Faulheit" haben.
Die 1-Stern-Rezensionen wurden bis jetzt (30.07.2013) überwiegend von Menschen geschrieben, die Erfüllung in Arbeit finden, die es gewohnt sind / es lieben, Dinge sofort anzupacken, zu regeln, zu erledigen - sie sind glücklich, wenn sie etwas erledigt haben und alles geordnet ist. Solchen Menschen empfehlen die 1-Stern Rezensenten, die Autoren selbst und ich alle Ratgeber, die ihnen das Leben leichter machen und ihnen Hinweise geben, wie sie ihre to-do-Listen effizienter, übersichtlicher und bunter gestalten können - kurzum Ratgeber, die ihnen Hinweise geben, wie sie ihren Gestaltungsdrang ausleben können und ihnen gleich neue Mittel an die Hand geben, die gestaltet werden können.
Nun gibt es ja aber auch Menschen wie mich, die mit to-do-Listen nicht so viel anfangen können, für die ihr Studium oder ihre Arbeit eher nervig und anstrengend ist und die sich denken, dass sie doch eigentlich auch so tolle to-do-Listen benutzen sollten, dass sie Dinge SOFORT anpacken sollten, dass sie sich nur etwas zusammen reißen müssen, um die Aufgaben zu bewältigen, die man von ihnen erwartet.
Genau für solche Menschen ist dieses Buch geschrieben. Es soll sie dazu ermutigen darüber nachzudenken, ob man wirklich "immer alles müssen muss, was man kann" (frei nach "Wir sind Helden").

Dazu das Buch zusammengefasst in einer kleinen Geschichte:
Ein Fischer liegt nachmittags auf einer Südseeinsel am Strand in der Hängematte. Morgens hat er mit seinem kleinen Boot ein paar Fische gefangen, von denen er einige verkauft hat und den Rest gegessen.
Ein deutscher Urlauber kommt vorbei und fragt ihn: "Warum liegst du in der Hängematte? Du könntest rausfahren und noch mehr Fische fangen. Dann könntest du diese Fische verkaufen und dir von dem Geld ein größeres Boot kaufen. Damit könntest du noch mehr Fische fangen und noch mehr Fische verkaufen. Dann kannst du dir ein zweites Boot kaufen und Leute einstellen. Schließlich hast du eine große Fischereifabrik und ganz viel Geld und musst dir nie wieder Sorgen um Geld machen und nie wieder arbeiten."
Der Fischer fragt: "Und was habe ich davon?"
Der Deutsche: "Na dann musst du dir keine Sorgen mehr um Geld machen und kannst den ganzen Tag in der Hängematte liegen."
Der Fischer: "Aber das tue ich doch jetzt auch schon."

Das Buch ermutigt sein Leben zu hinterfragen, wie es Steve Jobs tat. Er fragte sich, ob er das tue, was er wirklich tun wolle, wenn heute sein letzter Tag wäre. Falls die Antwort "nein" laute, ändere er seinen Plan. "Eure Zeit ist begrenzt. Vergeudet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogmen einengen - dem Resultat des Denkens anderer(...)"
Die Autoren ermutigen nicht, SICH zu ändern (sowieso eher schwierig, Gewohnheiten zu ändern) sondern die Lebensumstände. Wenn ich persönlich als Student der Mathematik eines Tages feststellen werde, dass ich eine Passion für den Beruf des Bäckers habe, dann muss ich mich doch fragen, warum in aller Welt ich nicht Bäcker werde. Wenn Sie nicht zu den Menschen gehören, die ein riesiges Einkommen, beruflichen Erfolg und das daraus resultierende Ansehen unbedingt wollen und nur damit glücklich sein können, dann fragen sie sich doch einmal, warum sie sich denn jeden Tag abstrampeln, um das zu erreichen.

Warum gebe ich denn nun 4 Sterne?
Kurz: Toller, leicht zu lesender, ironischer Schreibstil. Wenn auch viel eigentlich Offensichtliches drin steht, so ist es m.E. doch nötig, dass dieses Buch geschrieben wurde.

Lang: Zunächst habe ich mich gefragt, ob man wirklich ein Buch über etwas Offensichtliches schreiben muss. Inzwischen denke ich, dass es ausreichend viele Menschen gibt, die wirklich unglücklich mit ihrer Situation sind und die sich tatsächlich nicht trauen, ihr Studium abzubrechen, ihren Job zu wechseln, "Hobbies" (warum in aller Welt habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet?) aufzugeben...weil sie denken: "Es geht doch nicht." Leute, die entweder tatsächlich Druck von ihren Verwandten, Ehepartnern, Freunden etc. bekommen oder ihn fühlen: "Das kannst du doch nicht machen. Denk an die Kinder. Wovon willst du denn leben..." Dabei wird aber übersehen, dass die betroffene Person mit der Situation so wie sie ist selbst nicht leben kann. Diesen Menschen macht das Buch Mut Schluss zu machen mit solchem Krempel und auf ihre Seele zu achten. Nahen Angehörigen / Freunden von solchen Menschen erklärt das Buch die Sichtweise des Betroffenen und schafft Verständnis.
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am 1. April 2012
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich auf einer Internetseite einen Ausschnitt davon gelesen hatte, der mich sehr ansprach.

Dennoch, ich bin von diesem Buch mächtig enttäuscht. Zwar gibt das Buch ab und an sehr gute Tipps, wie man seinen beruflichen und privaten Arbeitsablauf geregelt bekommt, so dass alles zeitgerecht fertig ist; aber...ich habe das Buch aus der Hand gelegt, als ich das Kapitel über Ritalin gelesen habe.

Wirklich, ich bin empört. Ritalin ist es Medikament, dass zur Behandlung von Konzentrationsstörungen, vorwiegend bei Diagnosen, wie ADS/ADHS, eingesetzt wird. Teilweise hat es heftige Nebenwirkungen. Dennoch wird es in diesem Buch hochgelobt und sollte doch bitte von jedem mindestens mal ausprobiert werden, der unter Prokrastination "leidet".
Als Krankenschwester hat mich das wirklich schockiert. Einfach mal ein bisschen Ritalin einwerfen und schon geht alles viel leichter von der Hand?
Ritalin benötigt eine fundierte ärztliche Diagnose, einen verantwortungsvollen Arzt und einen Patienten, der es wirklich benötigt und nicht ein paar Leute, die ihre Arbeit aufschieben und einfach mal ausprobieren wollen, ob sie mit dem Medikament ein bisschen verantwortungsbewusster in ihrem Arbeitsablauf werden.

Ohne dieses Kapitel könnte man durchaus einige wertvolle Tipps aus dem Buch ziehen, auch wenn es teilweise recht abgehoben argumentiert. Aber wer ein solches Medikament anpreist und es jedem empfielt, der prokrastiniert...sorry...DAS ist zuviel.
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am 1. November 2009
Der Titel des Buches von Sascha Lobo und Katrin Passig hat in mir eine Saite zum Klingen gebracht.

Ich, der ich, nur um dem Schreiben einer Seminararbeit oder der Fertigstellung meiner Steuererklärung zu entgehen, plötzlich anfange mein Aquarium umzuräumen, eine neue Website baue oder das halbe Internet lese, bin nach Lektüre des Buches erheblich schlauer warum ich so bin ich bin. Laut den beiden Autoren zähle ich zur Gruppe der Lobos (Anhänger des Lifestyle Of Bad Organisation). Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie Weltmeister im Verdrängen und Vermeiden von in ihren Augen unnützen Dingen sind. Das Buch gibt uns dabei zum einen Recht, da wir, im Gegensatz zu (scheinbar) gut organisierten Menschen, die ihre Aufgaben zielgerichtet und gewissenhaft absolvieren, auf unsere innere Stimme hören, die uns vor Dingen, die nicht zum Überleben gebraucht werden oder uns schaden, warnt.

Und irgendwie scheint es zu stimmen. Viele Sachen, die beispielsweise einfach liegen bleiben wie ominöse Briefe etc, erledigen sich irgendwann von selbst und, wenn sie wichtig waren oder sind, dann werden sie uns das auch mitteilen.

Zum anderen gibt das Buch Tipps, wie Lobos trotzdem ihr Leben meistern können. Zum Beispiel indem sie das Phänomen ausnützen, dass ein Lobo, wenn er eine unliebsame Aufgabe vor sich sieht, statt derer lieber eine oder mehrere nicht ganz so unliebsame Dinge verrichtet. Und das erreicht er, indem er mit ausgeklügelten, mehrstufigen Deadlines arbeitet.

Wie auch immer, das Buch ist sehr angenehm geschrieben, wird vom schrulligen Humor der Autoren durchzogen und hat mich insgesamt sehr gut unterhalten. Und mich gelehrt, meine Unorganisiertheit besser zu verstehen und zu kanalisieren, statt sie zu bekämpfen.
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am 22. Juli 2009
Ratgeber?
Nein.

Roman?
Nein.

Was ist es dann?
Eine Dokumentation über die Ordnung im Leben von Sascha Lobo und allen anderen vermeintlich böswilligen, unzuverlässigen Menschen.

Ich würde mich selbst als sehr pflichtbewussten und disziplinierten Menschen bezeichnen, und ich habe ein Problem damit, wenn ich mich nicht auf die Arbeit von anderen Menschen verlassen kann. Das Buch hat mir dabei geholfen diese Menschen zu verstehen, und erklärt, dass sie dieses Verhalten (meistens) nicht absichtlich an den Tag legen.

Ich bin kein Literaturprofi, aber ich würde sagen, dass das Buch stellenweise schlecht geschrieben ist. Es gibt ein paar positive Highlights, die ich hier nicht verraten möchte, aber stellenweise ist es einfach Langweilig (vermutlich wurde zu viel prokrastiniert). Ich habe es nur komplett gelesen, weil ich wirklich schnell lesen kann und ich mir dachte, dass die Zeit die ich dadurch verliere nicht so viel ist.

Erwähnen muss ich aber auch, dass vermutlich jeder Mensch prokrastiniert und die ein oder andere 'Leiche im Keller' hat. Das Buch hilft mir auch mit diese Relikten umzugehen. Insgesamt fand ich das Buch schon ok. Als günstige Taschenbuchversion lohnt es sich bestimmt.
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am 28. Januar 2009
Ich habe das Buch zu Weihnachten von meinem Bruder bekommen, nachdem er Kathrin Passig und Sascha Lobo im Fernsehen über dieses Buch hat reden hören. Seit über 10 Jahren habe ich kein einziges Buch mehr zu Ende gelesen, obwohl ich es mir immer wieder vorgenommen hatte - mit diesem Buch war endlich Schluss damit!
Es ist sehr lehrreich (ich habe vorher noch nie etwas über Prokrastination gehört, geschweige denn darüber, dass sich Leute ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen), unterhaltsam geschrieben (ich habe teilweise Tränen gelacht) und vor allem, und das ist das Wichtigste, man fühlt sich hinterher einfach besser! Der Titel ist zwar etwas irreführend, weil man nach der Lektüre natürlich trotzdem nicht alles geregelt kriegt, aber allein dass man merkt, dass man auf diesem Planeten mit seinem Aufschiebeverhalten nicht alleine und vor allem kein totaler Exot ist, trägt ungemein zu guter Laune bei. Man sollte das Buch mit einer gehörigen Portion Humor verstehen, dann wird man den ein oder anderen guten Ratschlag daraus ziehen können, ohne gleich in völliger Erfolglosigkeit zu versinken, wie einer der Vorredner mahnt.
Die meisten Menschen werden sich zumindest zum Teil in dem Buch wiedererkennen und für die völlig Organisierten könnte es eine Hilfe sein, unorganisierte Menschen besser zu verstehen.
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