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4.0 von 5 Sternen Nett zu lesende Denkanstöße
Viele Denkansätze, die der Autor liefert, gehen runter wie Öl, wenn man ohnehin schon des ganzen Konsumwahns überdrüssig ist. Mich stören dann solche Verurteilungen wie "Urlaub und essen gehen ist doof" nicht allzusehr. Ich denke, der Autor möchte zum reflektierten Umgag mit Geld und Gut anregen, und das gelingt auch. Das für richtig...
Veröffentlicht am 13. Juni 2007 von Bücherwurm-Maria

versus
66 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig
Ein seltsamer Eindruck, der sich da nach dem Lesen dieses Buches breit macht. Keine Frage, dass Alexander von Schönburg in vielem den Nagel auf den Kopf trifft und unserer saturierten Wohlstandsgesellschaft den Spiegel vorhält. Aber von "Verarmung" zu sprechen erscheint mir denn doch etwas übertrieben und sein persönliches Schicksal ist wohl auch kaum...
Veröffentlicht am 31. Dezember 2006 von Tapir1962


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30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nett zu lesende Denkanstöße, 13. Juni 2007
Viele Denkansätze, die der Autor liefert, gehen runter wie Öl, wenn man ohnehin schon des ganzen Konsumwahns überdrüssig ist. Mich stören dann solche Verurteilungen wie "Urlaub und essen gehen ist doof" nicht allzusehr. Ich denke, der Autor möchte zum reflektierten Umgag mit Geld und Gut anregen, und das gelingt auch. Das für richtig arme Menschen hier auch nicht allzu viele Tipps drinstehen, liegt vielleicht in der Natur der Sache. Wo es nicht viele Möglichkeiten gibt, gibts auch nicht viele Tipps. Der Autor sagt zu Beginn aber selber, dass es ein Buch nicht für die Ärmsten der Armen ist, sondern für diejenigen, die nach und nach ihren Standard haben runterschrauben müssen. Und das trifft doch auf einen Großteil der Bevölkerung zu. Und das wiederum macht Mut und gibt ein wenig Spaß zurück, den Spaß am sparsamen Umgang mit Geld - nicht am "Geiz ist geil"-Prinzip.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Witzig, 6. November 2007
Natürlich ist das kein Ratgeber für wirklich Verarmte, sondern ein Plädoyer, sein Geld nicht zwanghaft für Statussymbole auszugeben. Es geht auch ohne teuer essen gehen, es hat nämlich mehr Stil, mit Freunden lecker zu kochen und gemeinsam zu essen. Oder das Auto: Muss eigentlich nicht sein, wenn man in der Stadt lebt und alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen kann. Ich fand, das war unterhaltsame, intelligente und durchaus inspirierende Unterhaltung.
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66 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 31. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird (Gebundene Ausgabe)
Ein seltsamer Eindruck, der sich da nach dem Lesen dieses Buches breit macht. Keine Frage, dass Alexander von Schönburg in vielem den Nagel auf den Kopf trifft und unserer saturierten Wohlstandsgesellschaft den Spiegel vorhält. Aber von "Verarmung" zu sprechen erscheint mir denn doch etwas übertrieben und sein persönliches Schicksal ist wohl auch kaum mit dem jener Millionen vergleichbar gewesen, die heute das sogenannte "Prekariat" bilden.

Wieso gewesen? Nun ja: Heute ist der Mann eben nicht mehr arbeitslos, sondern Chefredakteur des People- und Lifestyle-Magazins "Park Avenue". Und da beschleicht einen eben doch ein seltsames Gefühl. War das mit dem stilvollen Verarmen vielleicht nur eine trotzige Reaktion auf den unerwarteten Jobverlust bei der Berliner Ausgabe der FAZ? Nach dem Motto: Wenn ich schon aus finanziellen Gründen nicht mehr stilvoll essen gehen kann, dann kultiviere ich eben das Spaghetti-Essen zu Hause? Und muss von Schönburg - der sein Buch natürlich vor dem Einstieg bei "Park Avenue" geschrieben hat und darin den Umstieg von Champagner auf Mineralwasser und von Wein auf Bier preist - jetzt nicht in seinem neuen Beruf (obwohl er diesen Ausdruck ja nicht mag, weil er ablehnt, dass Menschen sich über die Arbeit definieren) die neuesten Gourmet-Tempel ebenso abfeiern wie Trends auf dem Designer-Markt für Innenarchitektur? Inklusive Champagner-Empfehlungen?

Das ist der fade Nachgeschmack, der mir bleibt, obwohl ich das Buch und seine Aussagen in vielen Teilen sehr treffend finde (insbesondere übrigens das Glossar am Ende). Aber irgendwie glaube ich - am Silvesterabend 2006 - nicht ganz, dass Herr von Schönburg heute Abend bei Spaghetti und Mineralwasser bleiben wird...
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69 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bedient den Zeitgeist!, 6. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird (Gebundene Ausgabe)
Alexander von Schönburg-Glauchau hat eines jener Bücher geschrieben, die auf den ersten Blick zwar durchaus Hand und Fuß besitzen, dann jedoch wie Zuckerwatte in sich zusammenfallen. Denn vieles aus seinem Erfahrungsschatz als verarmter Adeliger interessiert den geneigten Leser nicht wirklich. Vorallem drängt sich der Gedanke auf, dass er auf hohem Niveau jammert und das seine Armut vorallem Attitude ist, mit der man sich von der ansonsten Rucolasalat genießenden breiten Masse absetzen möchte.
Ich denke, dass dieses Thema durchaus mehr hergegeben hätte und der Autor hat Kredit bei mir, weil es mir mit seinem "fröhlichen Nichtraucher" tatsächlich gelungen ist, das Rauchen aufzugeben. An diesem Thema, mit dem er vielleicht mit Prinz Asfa Wossen Asserates "Manieren" gleichziehen wollte, hat er sich aber leider eindeutig verhoben. Dabei empfand ich seinen nur kaum verhohlenen Dünkel als besonders penetrant!
So taugt die "Kunst des stilvollen Verarmens" höchstens zu einer Konzession an den Zeitgeist, ist aber weder geeignet als Leitfaden für Menschen, die sich einschränken müssen oder wollen, noch als Bestandaufnahme einer sich wandelnden Gesellschaft.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Starker Ratgeber, gut geschriebener Seelentröster, 11. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Alexander von Schönburgs Ratgeber über Die Kunstwelt des stilvollen Verarmens kaufte ich mir bislang nur deshalb nicht, weil ich mich darüber ärgerte, dieses Buch nicht selber geschrieben zu haben.

Der Vorteil von Schönburg ist, dass er sich auf eine Familientradition zurücklehnen kann. Diesen Vorteil hat nicht jeder. Schönburg zeigt seine Überlegenheit. Anstatt wie andere Arbeitslose zu jammern und wehzuklagen schreibt er einfach einen Ratgeber. Ich hielt als freiberuflicher Trainer für das Arbeitsamt viele Seminare, mit denen das Arbeitsamt versuchte, Arbeitslose für die Selbstständigkeit fit zu machen. Man musste diese Leute gesehen haben. Diese geäußerte Sehnsucht nach einer Position im mittleren Management eines mittelgroßen Unternehmens und diese rigorose Ablehnung jeglicher Eigenverantwortung, um die Größe Alexander von Schönburg zu verstehen.

Alexander von Schönburg wird vorgeworfen, dass sein Buch 200 Seiten geäußerte Distinktion sei, die keinem Hartz IV Empfänger weiter hilft. Dies mag richtig sein. Nichtsdestotrotz ist das Buch gut. Es hat Spaß gemacht, es zu lesen und es gibt auch den Nichtadeligen einige wertvolle Hinweise oder einige Bestätigungen mit, dass ihr Weg richtig ist, dass sie nicht alleine sind.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Ratgeber, aber ungemein Unterhaltsam., 20. Oktober 2007
Von 
Janie (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird (Gebundene Ausgabe)
Im Gegensatz zu meinen Vorrezensenten, habe ich das Thema nicht zu bierernst genommen und dieses Büchlein auch nicht als Ratgeber betrachtet, sondern als satireschen Unterhaltungs"roman".

Ich habe mich wunderbar amüsiert beim Lesen. Unheimlich lustig und mit viel Witz plaudert der Autor die kleinen und großen Geheimnisse der Etepetete-Klassen aus. Ob er sich viele Freunde mit diesem Buch gemacht hat? Man weiß es nicht, trotzdem treibt einen der angeborene Voyeurismus und die Neugierde immer wieder an, weiter zu lesen und alleine die Schilderung der Reise des mittellosen Grafenehepaars zum Geburtstag des Scheichs von Brunei war die Lesezeit wert.

Absolut lesenswert!
(Vielleicht tatsächlich nicht für jene, die wirklich am Hungertuch nagen, aber die werden sich, wie mein Vorredner bemerkte, diese Buch auch wohl kaum kaufen...)
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?, 7. November 2012
Als Graf Alexander von Schönburg-Glauchau im Jahr 2005 "Die Kunst des stilvollen Verarmens" schrieb, war er gerade entlassen worden als Berlin-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In dem Buch jammert er gleich zu Beginn seiner goldenen Zeit nach: „...hatte Visitenkarten in der Tasche, die mich als Angestellten eines der angesehensten Medienunternehmen des Landes auswiesen...“ und: „Ich wäre also langsam, aber sicher reich geworden.“

Graf von Schönburg erschien die verbleibenden Wochen seines Angestelltendaseins „betont fröhlich“ im Büro und achtete darauf, durch sein Äußeres „den Anschein zu vermeiden“, er würde „mit seinem Schicksal hadern“. Im Gegensatz zu früher, zog er nun jeden Tag eine Kravatte an und verabschiedete sich am letzten Tag mit dem devoten Hinweiss, dass er sein Büro „besenrein“ hinterlassen habe.
Irgendwie klingt das, als habe von Schönburg bis zuletzt darauf gehofft, sein Arbeitgeber würde die Kündigung wieder zurücknehmen wegen guten Benehmens.

Trotz seines Bemühens muss der Abschied für den Grafen schmerzhaft gewesen sein. Er schwärmt von dem „weichen, schwarzen Ledersessel“, auf dem er saß, während sein Vorgesetzter die Kündigung aussprach und ihm zugleich versicherte, welcher Verlust sein Weggang für die Firma sei. Er ist dankbar, dass er für die Zeitung noch das Sommerfest des Bundespräsidenten „aufsuchen darf“ und dabei Gelegenheit hat, sich „noch einmal richtig satt zu essen“. Sogar der Regierende Bürgermeister habe ihn dieses Mal ausnahmsweise begrüsst. Für von Schönburg, der gerade seinen Job verloren hat, scheint dies ein Trost zu sein.

Doch bald nach seiner Entlassung kehrte die Realität bei dem Grafen ein, denn er lebte von der Stütze und konnte seine Strom- und Telefonrechnungen nicht mehr bezahlen. Für jemanden, der Partys mit Mick Jagger feierte, muss dieser Zustand die Hölle gewesen sein. Alexander von Schönburg stammt aus einer uralten Adelsfamilie, die zwar über die Jahrhunderte verarmte, aber noch viele Kontakte hat, auch durch seine Schwester, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.
Auf seinem achtzehntem Geburtstag hielt Friedrich Dürrenmatt die Festrede. Als der Graf seine Frau, Prinzessin Irina von Hessen heiratete, eine Großnichte der Queen, war Königin Sophia von Spanien zu Gast.

Doch seit man ihm Telefon und Strom abstellte, hat von Schönburg nichts mehr übrig für reiche Leute. Den Münchener Stadteil Grünwald bezeichnet er als „Reiche-Leute-Slum“, und wir dürfen vermuten, dass es jener Slum ist, in dem von Schönburg nur zu gerne wohnen würde, wenn er könnte. Indirekt gibt er das sogar zu. Er stöhnt ein wenig zynisch über die Sparsamkeit seiner Eltern (sie seien „hochqualifizierte Verarmer“) und erzählt, wie er darauf reagierte, als er endlich sein erstes Geld verdiente: durch heimliches Erste-Klasse-Reisen, durch den Kauf teuren Briefpapiers von Prantl in München, durch Übernachtung im Brenner`s Park Hotel in Baden-Baden. Auch als er in einer Londoner WG wohnte, habe er das Geld schneller ausgegeben, als er es einnahm. Von Schönburg, soviel dürfte inzwischen klar geworden sein, lebt gerne auf großen Fuss, auch wenn er jetzt eine Krise zu beklagen hat. Natürlich fällt dem Grafen dazu noch der bekannte Spruch ein, wonach in jeder Krise eine Chance stecke.

Von Schönburg will uns weiß machen, dass er kein Besitzender mehr sein möchte, denn die müssten um ihren Besitz ja ständig bangen und präsentiert uns seine „Helden der Armut“, allen voran Helmut Berger. Für von Schönburg gehört Berger offenbar zu den Leuten, die „ohne Geld eine gute Figur machen“, so der Untertitel seines Kapitels.

Nach dem heruntergekommenen Weltstar kommt von Schönburg auf die Städte zu sprechen, von denen es auch „Neureiche“ und „Emporkömmlinge“ gebe. Berlin zum Beispiel und natürlich München. Einige Gebäude in der Münchener Innenstadt seien eine „Las-Vegas-hafte Rekonstruktion“ florentinischer Paläste, lästert er. Mit Pisa dagegen sympathisiert der Graf, denn dieser Stadt sei ihr eigener Bedeutungsverlust völlig gleichgültig. Eine Einstellung, die er offenbar nachzuahmen versucht.

Trost für seine missliche Lage, findet er auch bei den Engländern. Der Abstieg Englands vom einst mächtigsten und reichsten Land der Welt begann schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schreibt er, aber: ihr „ausgeprägtes Selbstbewusstsein erlaube es ihnen, unter Anwendung geschickter Autosuggestion über ihre Situation hinwegsehen“. Irgendwie ein Widerspruch: sich selbst bewusst zu sein und sich gleichzeitig selbst zu täuschen, aber dies ist wohl genau das, was von Schönburg jetzt braucht: Realitätsflucht vor der eigenen wirtschaftlichen Situation.

Der Graf versucht dies durch „Benehmen und Sprache“ und, ebenso wie die Engländer und Ungarn, durch ein wenig Nationalitätsstolz, um „in bitteren Momenten wenigstens das Gefühl haben zu können, Teil von etwas Besonderem zu sein“. Wenn einem stupiden Geist nichts mehr einfällt, worauf er stolz sein kann, kommt er auf das zurück, wofür er am Wenigsten kann: seine Herkunft. Alexander von Schönburg ist stolz darauf, ein Adeliger zu ein, wenn auch ein Verarmter.

Soweit zum ersten Teil seines Buches. Im Zweiten predigt er den Konsumverzicht auf Teufel komm raus. Eigentlich die logische Folge seines stark reduzierten Einkommens. Dass bei dem arbeitslosen Grafen jetzt Schmalhans Küchenmeister ist, verwundert niemand. Peinlich nur, dass er nun alles, was er früher gemocht hat, als unattraktiv hinstellt, bloß weil es ihm zu teuer geworden ist. So findet er schon die Frage nach der beruflichen Tätigkeit als völlig anzüglich, weil „spießbürgerlich und überholt“. Doch hätte er wohl, stünde er noch in Lohn und Brot, sofort seine tollen Vistitenkarten gezückt, von denen er sechzig Seiten zuvor so sehr schwärmte.

Zwar kämpfe er zuweilen darum, die „laufenden Kosten zu bestreiten“, doch dafür sitze er im Gegensatz zu früher nicht mehr in einem voll gequalmten Büro. Dass von Schönburg dieses Büro selbst voll qualmte, in dem er Kette rauchte, verschweigt er.

Der Graf freut sich jetzt auch über seinen Arbeitsplatz zu Hause am Computer, während er früher viel Zeit verschwendet habe in öffentlichen Verkehrsmittel. In einem Interview mit der Welt dagegen bezeichnete er „die drei Stunden“, die er täglich im Zug verbrachte, als seine „kreativste Zeit“: „Da konnte ich lesen, nachdenken, ein Luxus...“

Von Schönburg, der jetzt „stilvoll“ verarmen will, hat Städtetipps parat, um die Lebenshaltungskosten zu drücken: Berlin und Wien seien ein „Paradies für Schnorrer“. Er präsentiert seinen „ultimativen Schnorrertipp“: „Lassen Sie sich vom Bundespräsidenten zum Bankett einladen“. Ersatzweise tue es auch eine der ausländischen Vertretungen oder eine der vielen Buchvorstellungen, Vortragsveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen, die täglich in der Hauptstadt stattfinden.

Der Gang ins Restaurant sei ohnehin eine Qual, „eine Unsitte, zu der wir als Verarmende nicht mehr gezwungen sind“. Auch eine Einladung zum Essen bei Neureichen sei für von Schönburg der Horror, denn er erinnere sich noch gut daran, wie ihm „der penetrante Kourosgeruch des Mietbutlers“ in die Nase stieg. Für alle, die wie er nicht mehr „vom Berufsleben unterjocht“ werden, sei es doch viel angenehmer, in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung auf der Bettkante zu sitzen und mit zwei Dutzend Gästen „Pasta mit dehydrierten Pilzen“ zu essen und „billigen Wein“ zu trinken.

Weil von Schönburg sich jetzt natürlich auch keinen Urlaub mehr leisten kann, plädiert er dafür, es wie die Italiener zu machen und die Urlaubsreise nur vorzutäuschen: Anrufbeantworter einschalten, Hund beim Nachbar abgegeben, Kühlschrank mit Essen vollstopfen und das Haus zwei Wochen nicht verlassen.

Im dritten Teil seines Buches redet von Schönburg die Vorteile des Reichtums immer weiter herunter. „Die armen Reichen“ heisst sein Kapitel. Hatte er bisher bloß gepredigt, Glücklichsein sei auch ohne Geld möglich, so steht es jetzt sogar „dem Glück im Weg“. Die meisten Reichen seien unerträglich, schimpft er und berichtet über Kinder reicher Eltern, die ihren Status zu verbergen suchten. Dass viele dieser Kinder in jungen Jahren politisch eher links orientiert und gegen ihre reichen Eltern sind, ist ein bekanntes Phänomen und gehört zu deren Trotz– und Flegeljahren.

Weil von Schönburg sein wahre Natur nie ganz unterdrücken kann, kommen immer wieder Widersprüche ans Licht. So zum Beispiel, wenn er berichtet, dass die Bank manchmal seine Daueraufträge nicht überweist. Gleichzeitig aber er es als Luxus empfinde, eine Armbanduhr zu tragen, eine schweizer Sonderanfertigung, die mehr wert sei als ein Kleinwagen. Der Satz ist deshalb so peinlich, weil ihm eine zweihundert Seiten lange Predigt vorausging, wie sehr von Schönburg, geläutert durch sein neues Leben, den Luxus jetzt angeblich verachte. Man merkt, von Schönburg würde ganz gerne protzen, wenn er es nur könnte.

Dann zählt er ein paar „Bedürfnislosigkeits-Dandys“ auf: Franz von Assisi, die heilige Clara, Siddharta, Ludwig Wittgenstein, Allen Ginsberg und sogar Ché Guevara. Nur wer kein Geld habe, könne Luxus empfinden. Seine „uneingeschränkte Bewunderung“ gehöre einem Lottospieler aus Nordrhein-Westfalen. Der gewann 9,1 Millionen Euro und verschenkte alles bis auf einen kleinen Rest. Zum Schluss schwärmt von Schönburg von Robinson Crusoe, dem Meister der Selbsttäuschung. Nur so habe dieser auf seiner einsamen Insel überleben können.

Eine beängstigende Prophezeihung hat er auch noch für uns parat: „...werden wir alle, wirklich alle, bald deutlich ärmer sein als jetzt.“ Von Schönburg meint alle, wirklich alle, also auch die, die schon jetzt ganz unten sind, die Hartz IV-Empfänger. Hier sein Rat: „Je eher man lernt, damit stilvoll und gelassen umzugehen, desto sorgenfreier wird man.“

Kommt dieser letzte Satz nicht einer Verhöhnung der sozial Schwachen gleich? Sie mögen ihrem tristen Alltag doch bitte etwas mehr Stil verleihen, dann ginge es ihnen bedeutend besser? Nach dem Ausfüllen des Wohngeldantrages vielleicht einen Sonnenuntergang bewundern? Beim Besuch der gemeinnützigen Essenstafel jene Freunde treffen, deren Lebenssituation der eigenen so sehr ähnelt?

Alexander von Schönburg vertrat schon völlig andere Ansichten. Sein erstes Buch erschien 1989. Es hieß "Das Beste vom Besten" und war ein Almanach der feinen Lebensart. Vier Jahre später folgten "Die besten Seiten des Lebens von A-Z". 1999 dann das bekanntere "Tristesse Royale". 2001 veröffentlichte er ein Theaterstück mit dem bezeichnenden Titel "Karriere".
2002 verlor er, wie beschrieben, seinen Job und 2005 erschien dann sein Bestseller "Die Kunst des stilvollen Verarmens". Zum Interview mit der TAZ traf sich der „frühere Held der Armut“ bei einem Berliner Edelitaliener. Die Zeiten des gesperrten Kontos waren wohl vorbei.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Armut ist relativ, 18. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird (Gebundene Ausgabe)
Das Büchlein, dessen Titel sich wie der eines Ratgeber liest, ist selbstverständlich keiner, sondern allenfalls amüsante Unterhaltung. Dennoch hatte ich mir etwas mehr Nachdenkenswertes und Kritisches für mich selbst darin erhofft. Die "Verteidigung der Lebenskunst gegen den Konsumwahn", so beschreibt der Klappentext das Buch. Aber alles ist eben relativ. Zwar habe ich mich schon an der ein oder anderen Stelle ein wenig ertappt gefühlt, aber der Ausgangspunkt, von dem aus von Schönburg seine Ratschläge erteilt, ist ganz einfach nicht der meine. Wenn es nach ihm ginge, bin ich schon längst bitterarm. Und trotzdem fühle ich mich de facto noch immer mittendrin im Konsumwahn. Und angesichts der Probleme der mir bekannten Langzeitarbeitslosen finde ich den Titel des Buches und die Ratschläge darin mehr als zynisch.
Die Einblicke in das Leben der Adeligen in unserer Gesellschaft fand ich anfangs noch recht interessant, später hingegen eher nervig. Sprachlich empfand ich das Ganze als müden und mühsamen Versuch, den wirklich humorvollen, cleveren Stil von etwa Florian Illies in Generation Golf nachzuahmen.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Junger Graf als Stildiktator, 21. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird (Gebundene Ausgabe)
Schon im ersten Kapitel, das für eine Einleitung viel zu lang ist, wird klar: Das Buch ist kein Ratgeber, sondern Selbstdarstellung - zugegeben, eine streckenweise recht witzige. Die Grundideen aber, etwa, dass ein langer Auslandsaufenthalt bereichernder ist als ein Kurzurlaub im Hoteldorf, sind Binsenweisheiten. Diese auf 240 Seiten aufzublähen, schafft der Autor nur mit breiten Histörchen über seine Vorfahren. Nun wissen wir also, wer Alexander von Schönburg ist: Bruder von Maya, Gloria & Co., ein verarmter Adeliger, der sich derselben Methoden wie die von ihm zurecht angeprangerte Werbemaschinerie bedient, indem er uns bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit einhämmert, was "démodé" ist.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Unterhaltung, 16. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hab mich mit diesem Buch bestens unterhalten. Wer den Titel wörtlich nimmt und hofft eine Anleitung für die Erlangung von materiellem Reichtum zu bekommen wird enttäuscht sein. Herr von Schönburg bringt auf den Punkt worum es im Leben vielleicht wirklich geht. Nicht Geld macht reich, obwohl natürlich eine gewisse Menge zur Bestreitung von einem gewissen Standard von Nöten ist, sondern das Besinnen auf das Eigentliche. Teilweise sind wirklich lustige Abschnitte enthalten, seit er nicht mehr durch den Zwang einer festen Arbeitsstelle belästigt werde vergeude er nicht mehr eine Stunde des Tages auf dem Weg dorthin, sondern hat seinen Arbeitsweg auf 30 Sekunden reduziert, vom Frühstückstisch zum Computer in der Zimmerecke. Ein paar Mal mußte ich wirklich innehalten und nachdenken, z. B. als er Fernreisen beschreibt die man in stressigen Flughäfen, verstopften Flugzeugen, überfüllten Hotels und dann wieder im verstopften Flugzeug, am stressigen Flughafen auf dem Heimweg verbringt, obwohl es viel entspannender wäre mal einen Spaziergang im Stadtpark zu machen und irgendwo in aller Seelenruhe, weil alle anderen auf Mallorca sind, irgendwo ein Eis zu essen.
Trotzdem darf man natürlich den sozialen Hintergrund der Herrn Grafen nicht außer Acht lassen. Auch ohne nennenswerte Bargeldreserven wird er in Kreisen verkehren die dem "normalen" Bürger verschlossen bleiben, insofern sind seine Tips für das gemeine Volk wahrscheinlich nur bedingt realisierbar.
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Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird
Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird von Alexander von Schönburg (Gebundene Ausgabe - 18. März 2005)
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